Die wichtigsten Fakten:

  • Preise für Industriemetalle seit Jahresanfang gestiegen
  • Unsicherheiten am Rohstoffmarkt überwiegen Preispotenzial
  • Aktien von Rohstoffunternehmen als mögliche Anlagealternative

Im bisherigen Jahresverlauf ging es nicht nur an den Aktienmärkten weltweit meist in eine Richtung – nach oben. Auch die in den vergangenen Jahren etwas aus dem Blick vieler Privatanleger geratenen Märkte für Industriemetalle verbuchten zum Teil deutliche Gewinne: Während die Preise für Nickel, Aluminium und Kupfer jeweils im zweistelligen Prozentbereich zulegten, kletterte der Zinkpreis Anfang Oktober sogar auf ein neues 10-Jahres-Hoch.

Ein Haupttreiber für diese Preissteigerungen war die intakte weltweite Nachfrage: Die Weltwirtschaft wächst bereits seit einiger Zeit auf relativ hohem Niveau, die Auftragsbücher der meisten Industrieunternehmen sind entsprechend gut gefüllt und die Produktion läuft stabil. Das erhöht klassischerweise den Bedarf an Industriemetallen, die die Basis für die Herstellung von Gütern wie Fahrzeugen, Maschinen oder Elektrogeräten bilden. Nachfrageseitig von großer Bedeutung ist die derzeit solide konjunkturelle Lage in China. Schließlich ist das Reich der Mitte weltweit für viele Industriemetalle der Hauptabnehmer. Allein der chinesische Kupferbedarf macht beispielsweise fast die Hälfte der weltweiten Gesamtnachfrage aus – bei Aluminium sind es sogar rund 54 Prozent.

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Geringeres Angebot treibt die Notierungen

Alleine mit Blick auf die solide Nachfrage lässt sich die Preisentwicklung der vergangenen Monate jedoch nicht erklären. Vielmehr trug auch die Angebotsseite ihren Teil zu den angezogenen Notierungen bei. China ist nicht nur einer der weltweit größten Abnehmer, sondern gleichzeitig auch ein bedeutsamer Produzent von Industriemetallen: Fast 56 Prozent des weltweiten Aluminiumangebots stammen beispielsweise aus dem Reich der Mitte. Zuletzt hat das Land seine Produktionskapazitäten durch die Schließung ineffizienter Betriebe jedoch zeitweise verringert. Die Aussicht auf ein geringeres Aluminiumangebot ließ daraufhin die Preise steigen. Am Kupfermarkt wiederum führten Streiks in der weltweit ertragreichsten Mine in Chile zu erheblichen Produktionsausfällen und damit einem Angebotsdefizit. Für den Anstieg des Nickelpreises zeichnete insbesondere Indonesien verantwortlich: Nachdem die Regierung zu Beginn des Jahres eine Lockerung des geltenden Ausfuhrverbots für unbehandelte Erze bekannt gab, rechneten viele Marktteilnehmer mit einer Nickelschwemme seitens des ehemals größten Exporteurs – was die Preise belastete. Tatsächlich wurden jedoch weniger Exportlizenzen ausgegeben als zunächst erwartet, woraufhin die Notierungen wieder anzogen.

Insgesamt geht die Deutsche Bank davon aus, dass das Verhältnis von Angebot und Nachfrage bei vielen Industriemetallen im Zuge einer soliden Weltkonjunktur auf absehbare Zeit stabil bleiben dürfte. Auch aufgrund der Tatsache, dass die Notierungen vieler Industriemetalle in diesem Jahr bisher bereits deutlich zulegen konnten, scheint das weitere Preispotenzial insgesamt jedoch begrenzt.

Unsicherheiten überwiegen das Preispotenzial

Investments in Industriemetalle scheinen für Privatanleger daher weiterhin kaum interessant – zumal die Unsicherheiten das mögliche Ertragspotenzial überwiegen. So ist die Preisentwicklung am Rohstoffmarkt stark von Chinas Nachfrage abhängig. Bleiben hier wichtige Konjunkturdaten hinter den Erwartungen zurück, kann sich dies schnell negativ auf die Notierungen auswirken. Hinzu kommt, dass sich die für die Marktpreisentwicklung ebenfalls wichtige Angebotsseite kaum verlässlich prognostizieren lässt. Insgesamt dürften die Rohstoffpreise nach Einschätzung der Deutschen Bank auf absehbare Zeit eher seitwärts tendieren oder sogar leicht sinken.

Industriemetalle: Unsicherheiten überwiegen weiterhin – Rohstoffaktien als mögliche Anlagealternative?

Rohstoffunternehmen mit verbesserten Gewinnaussichten

Für Anleger, die Interesse an einem Engagement am Rohstoffmarkt haben, könnte sich stattdessen ein Blick auf die Unternehmensseite lohnen. Denn viele Rohstoffkonzerne haben sich in den vergangenen Niedrigpreisjahren neu aufgestellt und insbesondere auf der Kostenseite optimiert. Dadurch ist es ihnen jetzt möglich, trotz eines weiterhin überschaubaren Rohstoffpreisniveaus, wieder höhere Gewinne zu erzielen – und entsprechende Dividenden auszuschütten. Für die laufende Berichtssaison in den USA und Europa erwarten die Analysten derzeit sowohl im Energie- als auch im Materialsektor im Vergleich zum Vorjahresquartal zum Teil deutliche Gewinnsprünge nach oben. Weltweit wird für das Gesamtjahr 2017 mit einem Gewinnplus bei den Energieunternehmen von 87 Prozent im Vergleich zu 2016 gerechnet. Im Materialsektor sind es immerhin 32 Prozent.

Zu beachten ist bei diesen Zahlen, dass ihnen ein erheblicher Basiseffekt zugrunde liegt: Da die Gewinne im Jahr 2016 teilweise deutlich eingebrochen waren, spiegeln die aktuellen Erwartungen in erster Linie eine allmähliche Normalisierung der Unternehmensergebnisse wider – Anlass zur Euphorie besteht derzeit nicht.

Die Entwicklung macht jedoch gleichzeitig deutlich, dass Aktien von Rohstoffunternehmen für entsprechend risikobereite Anleger im Vergleich zu direkten Rohstoffinvestments aktuell die interessantere Alternative zu sein scheinen. Denn während sich bei einer seitwärtstendierenden Preisentwicklung direkte Rohstoffinvestments aus Ertragssicht nicht lohnen, können ausgewählte Rohstoffunternehmen mit positiven Cashflows durchaus eine Bereicherung des Portfolios darstellen.



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Anlagewissen

Redaktionsschluss: 02.11.2017