9. Juni 2026
Liebe Leserinnen und Leser,
die Vorsicht unter US-Anlegern steigt kurzfristig, schwache Nachfrage aus Schlüsselbranchen und Europa belasten die Auftragseingänge der deutschen Industrie, und der südkoreanische Aktienmarkt korrigiert kräftig.
Put-Call-Verhältnis signalisiert kurzfristig mehr Vorsicht am US-Markt
Das Absicherungsbedürfnis am US-Aktienmarkt ist am vergangenen Freitag spürbar gestiegen: Das Verhältnis von Put-Optionen zu Call-Optionen auf einzelne Aktien an der CBOE lag mit 0,67 über dem 10-Jahres-Durchschnitt von rund 0,61. Put-Optionen werden häufig zur Absicherung gegen fallende Kurse genutzt, während Marktteilnehmer mit Call-Optionen auf steigende Kurse setzen können. Ein höheres Put-Call-Verhältnis deutet daher meist auf eine vorsichtigere Haltung der Anleger hin und gilt als wichtiger Stimmungsmesser für den Risikoappetit am Aktienmarkt. Der weniger schwankungsanfällige 30-Tage-Durchschnitt zeichnet jedoch weiterhin ein optimistisches Bild: Mit einem Wert von knapp 0,5 signalisiert das Put-Call-Verhältnis eine so hohe Risikobereitschaft wie zuletzt 2021. Kurzfristige Rücksetzer an den Aktienmärkten erscheinen vor diesem Hintergrund nicht ungewöhnlich, insbesondere wenn Anleger nach der starken Marktphase Gewinne realisieren. Insgesamt bleibt das Umfeld für Aktien aus meiner Sicht unterstützt, unter anderem durch weiterhin steigende Gewinnerwartungen. Stimmungsindikatoren wie das Put-Call-Verhältnis bleiben dabei wichtige Gradmesser, um Veränderungen im Marktumfeld frühzeitig zu erkennen.
Deutsche Industrie: Auftragseinbruch setzt sich im April fort
Die Auftragseingänge der deutschen Industrie sind im April um 3,8 Prozent im Vergleich zum Vormonat und damit stärker als erwartet zurückgegangen. Bereits im März gingen die Aufträge um 4,5 Prozent zum Vormonat zurück. Hauptverantwortlich für den Rückgang: die Nachfrage im Automobilsektor, die um 5,3 Prozent sank, sowie die Nachfrage im Bereich elektrische Ausrüstungen, die um 16,3 Prozent nachgab. Geografisch betrachtet sanken die Auftragseingänge aus dem Euroraum um 11,1 Prozent und die Inlandsaufträge um moderate 2,9 Prozent. Die Nachfrage aus dem außereuropäischen Ausland legte mit 0,8 Prozent hingegen leicht zu. Mit Blick nach vorne dürften die anhaltende Unsicherheit hinsichtlich des geopolitischen Umfelds und der US-Handelspolitik sowie die erhöhten Energiepreise die deutsche Industrie bis weit in den Sommer hinein belasten.
OECD erwartet schwächeres globales Wachstum 2026
Das globale Wirtschaftswachstum könnte sich im Jahr 2026 von 3,4 Prozent im Vorjahr auf 2,8 Prozent verlangsamen – das geht aus dem jüngsten Wirtschaftsausblick der OECD hervor. Grund hierfür sind die Störungen in den Energieversorgungsketten infolge des Nahostkonflikts. Im Einzelnen rechnen die Analysten mit einem Wachstum von 2,0 Prozent in den USA und 0,8 Prozent in der Eurozone. Für die Inflation prognostizieren sie in den USA einen Anstieg um 1,1 Prozentpunkte auf 3,7 Prozent sowie um 0,7 Prozentpunkte auf 2,8 Prozent für die Eurozone. Immerhin erwartet die OECD, dass sich das globale Wachstum im Jahr 2027 wieder spürbar beleben dürfte, sofern der Konflikt in den kommenden Monaten deeskaliert wird, da sich der Außenhandel weltweit dann wieder beleben dürfte.
KOSPI korrigiert deutlich – US-Zinssorgen verstärken Volatilität
Der südkoreanische Aktienmarkt hat am Montag um acht Prozent nach unten korrigiert und unterbrach aufgrund der hohen Volatilität kurzfristig den Handel.
Auslöser waren robuste US-Arbeitsmarktdaten, die die Erwartungen an eine straffere Geldpolitik der US-Notenbank verstärkten. Besonders betroffen waren die Indexschwergewichte aus dem Techsektor, welche vom KI-Boom getragen werden. Die Daten deuten eher auf eine Bereinigung überhitzter Positionierungen als auf eine Abkehr vom strukturellen KI-Thema hin. Steigende US-Renditen und Verkäufe ausländischer Anleger von Titeln des KOSPI erhöhen kurzfristig die Volatilität. Zugleich bleibt die Gewinnbasis im Halbleiterbereich robust. Maßgeblich ist, ob steigende Finanzierungskosten den Ausbau von Rechenzentren und die damit verbundenen Investitionen bremsen. Analysten bleiben zuversichtlich: Für die im KOSPI gelisteten Unternehmen rechnen sie in den kommenden zwölf Monaten mit einem Gewinnwachstum von 85 Prozent bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 8,7, was 16 Prozent unter dem Zehn-Jahres-Median liegt.
US-Börsen auf Höhenflug: Wie tragfähig ist die Rally?
Die US-Börsen eilen von Rekord zu Rekord, angetrieben vor allem von Technologie und dem Boom rund um Künstliche Intelligenz. Gleichzeitig steigt die Inflation, geopolitische Risiken bleiben präsent – und die Rally wird von immer weniger Titeln getragen. Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und ich ordnen ein, wie solide der aktuelle Höhenflug wirklich ist.
Zahl des Tages: 20.000
Womit lockt ein Wintersportzentrum Touristen an, wenn kein Schnee liegt? Im nordfinnischen Levi hat man sich für eine Schatzsuche entschieden und irgendwo in dem beliebten Skigebiet einen kleinen Goldbarren versteckt. Ab dem 18. Juni gibt die örtliche Tourismusbehörde regelmäßig Tipps, wo der Barren im Wert von rund 20.000 Euro zu finden sein könnte. Der letzte Hinweis wird im August veröffentlicht, falls das Gold bis dahin unentdeckt bleibt. Zumindest an mangelnder Beleuchtung dürften die Schatzsucher nicht scheitern: Levi liegt 135 Kilometer nördlich des Polarkreises – bis Ende Juli geht dort die Sonne nicht unter.
Verlassen Sie sich heute auf Ihre Spürnase.
Herzlichst
Ihr Ulrich Stephan
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden
PERSPEKTIVEN am Morgen: Störung im Anmeldeprozess
Aktuell ist die Registrierung mit den Umlauten ö, ü, ä sowie mit ß nicht möglich. Sie können sich mit oe, ue, ae sowie mit ss weiterhin registrieren.
Sollte auch das nicht funktionieren, wenden Sie sich an: perspektiven-am.morgen@db.com
Das könnte Sie auch interessieren
PERSPEKTIVEN im Fokus
Fundierte Einschätzungen zu relevanten Ereignissen für die Kapitalmärkte
PERSPEKTIVEN To Go
Aktuelle Marktentwicklungen im Podcast
Soweit hier von Deutsche Bank die Rede ist, bezieht sich dies auf die Angebote der Deutsche Bank AG. Wir weisen darauf hin, dass die in dieser Publikation enthaltenen Angaben keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung darstellen, sondern ausschließlich der Information dienen. Die Information ist mit größter Sorgfalt erstellt worden. Bei Prognosen über Finanzmärkte oder ähnlichen Aussagen handelt es sich um unverbindliche Informationen. Soweit hier konkrete Produkte genannt werden, sollte eine Anlageentscheidung allein auf Grundlage der verbindlichen Verkaufsunterlagen getroffen werden. Aus der Wertentwicklung in der Vergangenheit kann nicht auf zukünftige Erträge geschlossen werden.
HINWEIS: BEI DIESEN INFORMATIONEN HANDELT ES SICH UM WERBUNG. Die Texte sind nicht nach den Vorschriften zur Förderung der Unabhängigkeit von Anlage- oder Anlagestrategieempfehlungen (vormals Finanzanalysen) erstellt. Es besteht kein Verbot für den Ersteller oder für das für die Erstellung verantwortliche Unternehmen, vor bzw. nach Veröffentlichung dieser Unterlagen mit den entsprechenden Finanzinstrumenten zu handeln. Die Deutsche Bank AG unterliegt der Aufsicht der Europäischen Zentralbank und der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin)