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Tägliche Kapitalmarkteinschätzungen von Dr. Ulrich Stephan,
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden.
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31. Juli 2026

Liebe Leserinnen und Leser,

die Wirtschaft der Eurozone wächst laut Erstschätzung doppelt so stark wie von Analysten erwartet, Fundamentaldaten sprechen für neue Chancen des US-Gesundheits-Sektors, und die Bank of England belässt ihren Leitzins bei 3,75 Prozent.

KI-Investitionen stützen überraschend starkes Wachstum in der Eurozone

Die Wirtschaft der Eurozone ist laut vorläufigen Schätzungen im zweiten Quartal um 0,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal gewachsen – und damit doppelt so stark wie vom Analystenkonsens erwartet. Getragen wurde die Entwicklung von Investitionen in KI-Infrastruktur sowie höheren staatlichen Ausgaben. Frühindikatoren deuten auf eine Fortsetzung der Erholung hin: Die Verbraucherstimmung verbesserte sich im Juli spürbar, zugleich hellten sich die Erwartungen der Industrie für Produktion, Aufträge und Exportnachfrage auf. Ob sich der positive Trend fortsetzt, wird wesentlich von den Energiepreisen abhängen. Von einer möglichen dauerhaften Entspannung der Öl- und Gasmärkte sowie der Transportwege in der Golfregion dürften die von Energieimporten abhängigen Unternehmen der Eurozone besonders profitieren.

US-Wachstum verfehlt Erwartungen, Zinserhöhungsfantasie bleibt bestehen

Die US-Wirtschaft hat sich im zweiten Quartal leicht abgekühlt: Das Bruttoinlandsprodukt wuchs gegenüber dem Vorquartal annualisiert um 1,5 Prozent und verfehlte damit die Konsensprognose von 2,0 Prozent. Ausschlaggebend waren vor allem ein höheres Handelsdefizit, Lagerabbauten und niedrigere Staatsausgaben, während sich der private Konsum und die Unternehmensinvestitionen beschleunigten. Gleichzeitig ließ der Preisdruck im Juni vorübergehend nach: Der PCE-Preisindex sank gegenüber Mai um 0,1 Prozent, vor allem aufgrund niedrigerer Benzin- und Energiepreise. Die Kernrate stieg lediglich um 0,1 Prozent und blieb unter den Erwartungen. Die im Juli gestiegenen Energiepreise dürften die Inflation jedoch wieder anschieben. An den Zinsterminmärkten wird für September weiterhin eine Zinserhöhung der Fed mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 60 Prozent eingepreist.

US-Gesundheits-Sektor: Fundamentaldaten sprechen für neue Chancen

Der US-Gesundheits-Sektor ist in institutionellen Portfolios niedrig gewichtet, während die Kapitalflüsse zuletzt zunahmen. Während politischer Druck den Sektor in den letzten Jahren belastete, sprechen aus fundamentaler Perspektive mehrere Faktoren für den Sektor. Eine alternde Bevölkerung, die steigende Lebenserwartung und eine wachsende Mittelschicht stützen die Nachfrage. Der Anteil der Gesundheitsausgaben am US-Konsum ist seit den 1950er-Jahren von etwa fünf auf rund 17 Prozent gestiegen. Hinzu kommen Innovationen und Effizienzgewinne durch KI, etwa bei der Medikamentenentwicklung und den Verwaltungskosten. Analysten erwarten für Gesundheitsunternehmen im S&P 500 über die nächsten zwölf Monate ein Gewinnwachstum von mehr als 13 Prozent bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 19. 

Wechselkurs des US-Dollars zum Yen von 2021 bis 2026.

In Phasen erhöhter Volatilität könnte der Sektor als defensive Portfolioergänzung interessant sein.

Bank of England lässt Zins unverändert – Anleiherenditen geben nach

Die Bank of England beließ ihren Leitzins gestern bei 3,75 Prozent. Das Abstimmungsergebnis fiel restriktiver aus als erwartet: Drei der neun Ratsmitglieder votierten für eine Anhebung auf 4,0 Prozent. Die Notenbank rechnet damit, dass die Inflation von 2,6 Prozent im Juni bis Jahresende auf 3,2 Prozent steigt, bevor sie sich 2027 wieder dem Zwei-Prozent-Ziel nähert. Zugleich gebe es bislang aber „wenig Beweise“ für durch den Energieschock ausgelöste Zweitrundeneffekte. Auch deshalb werteten die Märkte die Sitzung als taubenhaft: Die Renditen britischer Staatsanleihen gaben nach, blieben mit 4,4 Prozent für zweijährige und 5,0 Prozent für zehnjährige Laufzeiten aber weiter erhöht. Bis Jahresende preisen die Märkte kumulierte Leitzinsanhebungen von 0,34 Prozentpunkten ein und damit etwas weniger als zuvor.

Rohstoffe, KI, günstige Bewertungen: Lateinamerika im Aufwind

Die Schwellenländer sind zurück im Fokus der Anleger – und Lateinamerika gehört zu den Gewinnern. Dank der steigenden Nachfrage nach Kupfer, Lithium und anderen Rohstoffen profitiert die Region indirekt gleich mehrfach von den Megatrends Künstliche Intelligenz (KI), Elektrifizierung und Energiewende. Ist der Markt einen Blick wert? Darüber sprechen Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und ich in der aktuellen Folge unseres Börsenpodcasts.

Zahl des Tages: 73

Neue Exoplaneten aufzuspüren ist schon beinahe Alltagsgeschäft für die Astronomen: Über 6.000 Planeten außerhalb unseres Sonnensystems haben sie inzwischen entdeckt. Ein Team um Kevin Hoy von der Europäischen Südsternwarte in Chile hat jetzt einen Himmelskörper beschrieben, bei dem es sich um den ersten bekannten Exomond handeln könnte. Das mondähnliche Objekt befindet sich im Sternensystem CD-35 2722 in ungefähr 73 Lichtjahren Entfernung. Allerdings sprengt seine Gestalt die herkömmlichen Kategorien: Der „Mond“ ist keine Gesteinskugel wie der Erdmond, sondern ein gasförmiger Körper, der mindestens die Masse des Jupiters besitzt. Er kreist um einen Braunen Zwerg – ein Mittelding zwischen Stern und Planet –, der seinerseits einen Stern umkreist.

Machen Sie heute eine spannende Entdeckung.

Herzlichst

Ihr Ulrich Stephan

Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden

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