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Tägliche Kapitalmarkteinschätzungen von Dr. Ulrich Stephan,
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07. Oktobter 2026

Liebe Leserinnen und Leser,

europäische Unternehmen sollten im dritten Quartal resiliente Gewinne erzielt haben, für US-Konzerne liegt die Messlatte besonders hoch, und steigende Anleiherenditen reduzieren die Marktbreite an den US-Börsen.

Berichtssaison Europa: solide Vorzeichen 

Gut die Hälfte der STOXX-600-Unternehmen wird in den kommenden Wochen die Bücher für das dritte Quartal 2026 öffnen. Analysten erwarten erneut resiliente Gewinne. Diese sollen gegenüber dem Vorjahresquartal um knapp 20 Prozent steigen, angeführt von Energieunternehmen, die aufgrund höherer Brent- und Gaspreise ihre Gewinne mehr als verdoppeln könnten. Gleichzeitig wächst in einigen Branchen der Druck, gestiegene Vorleistungskosten aufzufangen und die Preissetzungsmacht zu behaupten. Für eine weiterhin stabile Gewinnentwicklung sprechen jedoch die zuletzt robusten Wirtschaftssignale aus der Eurozone. Der Einkaufsmanagerindex für Industrie und Dienstleistungen blieb im dritten Quartal im expansiven Bereich und erreichte im September mit 53,1 Punkten ein Mehrjahreshoch. Damit startet die Berichtssaison unter insgesamt soliden Vorzeichen.

Berichtssaison USA: Warten auf die Tech-Riesen

In der kommenden Woche fällt auch der Startschuss für die US-Berichtssaison zum dritten Quartal. Auf den ersten Blick liegt die Messlatte hoch: Für die Unternehmen des S&P 500 erwarten Analysten ein Gewinnwachstum von gut 30 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal, so viel wie vor einer Berichtssaison seit 2021 nicht mehr. Nach dem starken zweiten Quartal dürfte der anhaltende Investitionszyklus im Bereich Künstliche Intelligenz (KI) die Ergebnisse jedoch auch im dritten Quartal kräftig stützen. Die Voraussetzungen für positive Gewinnüberraschungen bleiben daher günstig, zumal jüngste US-Konjunkturdaten auf ein robustes Quartalsende hindeuten und der Trend bei den Gewinnschätzungen zuletzt weiterhin aufwärtsgerichtet war. Nachdem die Zinsentwicklung zuletzt die Marktdiskussion bestimmt hat, könnten überzeugende Unternehmenszahlen den Fokus wieder auf die Fundamentaldaten lenken. Besondere Aufmerksamkeit dürfte den in der letzten Oktoberwoche berichtenden Technologiekonzernen gelten.

USA: Marktgewichtung schlägt Gleichgewichtung  

Der Renditeanstieg am Anleihemarkt ging zuletzt mit einer reduzierten Marktbreite an den US-Börsen einher. Während sich große Technologiewerte in den vergangenen Monaten robust hielten, gerieten gleichgewichtete Indizes und Nebenwerte unter Druck. So verloren der gleichgewichtete S&P 500 sowie der US-Nebenwerteindex Russell 2000 seit Ende August gegenüber dem S&P 500 rund sechs Prozentpunkte. Gleichgewichtete Indizes und Nebenwerte sind in der Regel stärker von der binnenwirtschaftlichen Nachfrage und den Finanzierungsbedingungen abhängig. Die großen Technologieunternehmen werden dagegen von langfristigen KI-Investitionen gestützt, deren Dynamik auch dank ihrer hohen Finanzkraft durch ein höheres Renditeniveau am Anleihemarkt kaum gebremst werden dürfte. Obwohl dies weiterhin für robuste marktgewichtete US-Indizes spricht, könnte eine Beruhigung am Anleihemarkt dazu beitragen, die Entwicklung am US-Aktienmarkt wieder auf eine breitere Basis zu stellen.

Silber: Angebotslage verbessert sich   

Die fundamentale Story für Silber verschiebt sich zunehmend von Knappheit zu ausreichender Versorgung. Nachdem physische Angebotsdefizite den Markt in den vergangenen Jahren maßgeblich gestützt hatten, sorgen Materialeinsparungen im Solarsektor und eine sich verbessernde Angebotslage für eine deutliche Entspannung der Fundamentaldaten. Mit steigender Auffüllung der im vergangenen Jahr merklich gesunkenen Lagerbestände in London, mit aufgrund der abnehmenden Knappheit rückläufigen Leiheraten und einer Normalisierung der Marktverhältnisse verlieren zudem die Faktoren an Bedeutung, die Silber in den vergangenen Jahren überproportional unterstützt haben. Die Phase extremer Marktanspannungen dürfte damit der Vergangenheit angehören, was sich auch darin äußert, dass die Silberpreise aktuell rund 15 Prozent unterhalb des Niveaus vom Jahresbeginn notieren. Für Anleger bedeutet dies, dass Silber zwar weiterhin von einem konstruktiven Goldumfeld profitieren dürfte, die Wahrscheinlichkeit einer erneuten, knappheitsbedingten Outperformance jedoch abnehmen sollte. Im Gegenteil, das zukünftige Aufwärtspotenzial erscheint relativ zu Gold begrenzter.

Griechenland – zurück in der ersten Börsenliga 

Griechenland, einst das Sorgenkind der Euro-Schuldenkrise, hat den Turnaround geschafft. Die Volkswirtschaft erholt sich, die Arbeitslosigkeit sinkt und die Börse macht deutlich Boden gut. Ist jetzt eine gute Zeit für den Einstieg in den griechischen Markt? Welche Sektoren sollten Anleger im Auge behalten? Darüber sprechen Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und ich in der aktuellen Folge unseres Börsenpodcasts PERSPEKTIVEN To GO.

Was diese Woche wichtig wird 

Im Laufe der Woche, Berichtssaison

  • USA | Aus dem S&P 500 berichten PepsiCo, Delta Air Lines und Constellation Brands.
  • Europa | Aus dem STOXX 600 berichten Tesco, Industrivärden und Tryg.
  • Asien | Aus Japan legt unter anderem Fast Retailing Zahlen vor, aus Indien berichtet Tata Consultancy Services (TCS). 
  • Mittwoch, Deutschland | Industrieproduktion im August. Im Median prognostizieren Analysten einen Anstieg um 1,0 Prozent gegenüber dem Vormonat. Der überraschend schwache Juli (minus 1,1 Prozent) wäre damit weitgehend ausgeglichen. Mit Blick nach vorn werden wohl auch die bereits am Vortag veröffentlichten Auftragseingänge relevant sein. Nach dem vor allem von Großaufträgen getragenen Anstieg um 2,5 Prozent im Juli wird für August ein Rückgang um 1,0 Prozent zum Vormonat erwartet. Insgesamt mehren sich jedoch die Anzeichen, dass die deutsche Industrie die Talsohle hinter sich lässt. Darauf deuten auch die jüngsten Einkaufsmanagerindizes für das Verarbeitende Gewerbe hin, die im September sowohl bei der Produktion als auch bei den Neuaufträgen eine fortgesetzte Belebung signalisierten. 
  • Freitag, USA | Universität von Michigan, Index der US-Konsumenten für Oktober. Analysten erwarten im Median einen leichten Rückgang von 48,1 auf 48,0 Punkte. Der seit Juli zu beobachtende Abwärtstrend würde sich damit fortsetzen. In der vergangenen Umfrage belasteten vor allem die deutlich gestiegenen Verbraucherpreise und die damit verbundenen Sorgen um die Kaufkraft die Einschätzung der aktuellen finanziellen Lage sowie der wirtschaftlichen Aussichten der US-Haushalte. Besonderes Augenmerk gilt erneut den Inflationserwartungen, die zuletzt sowohl im Ein-Jahres-Bereich auf 4,6 Prozent als auch im Fünf-Jahres-Horizont auf 3,4 Prozent gestiegen waren. Setzt sich dieser Aufwärtstrend fort, könnte der Druck auf die US-Notenbank zunehmen, einem möglichen Entankern der Inflationserwartungen entgegenzuwirken.

Zahl des Tages: 164

Jedes Jahr an einem Sommertag wird es laut auf einer Wiese bei Willaston. Denn seit 1980 werden in der kleinen Gemeinde südlich von Liverpool die World Worm Charming Championships (WWCC) ausgetragen, zu Deutsch etwa: die Weltmeisterschaften der Wurmbeschwörer. Titelaspiranten haben eine halbe Stunde Zeit, um mit Lärmen, Klopfen und Stampfen auf einer abgesteckten Fläche von jeweils drei Quadratmetern möglichst viele der Tiere an die Oberfläche zu locken. In diesem Jahr wurden so insgesamt 3.396 Würmer aufgescheucht, das siegreiche Team schaffte bemerkenswerte 164 Stück. Zusätzlich prämieren die Veranstalter der WWCC jährlich die originellsten Teilnehmerkostüme – Hühner und anderes Federvieh sind aus naheliegenden Gründen besonders beliebt. Für den Tierschutz ist dennoch gesorgt: Die Regularien schreiben vor, dass alle eingesammelten Würmer bis zum Abend wieder in die Erde gesetzt werden. 

Bringen Sie heute etwas in Bewegung. 

Herzlichst

Ihr Ulrich Stephan

Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden

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