PERSPEKTIVEN am Morgen

Starten Sie gut informiert
in den Tag

Tägliche Kapitalmarkteinschätzungen von Dr. Ulrich Stephan,
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden.
Jeden Morgen um 7.00 Uhr in Ihrem E-Mail-Postfach.

2. Juni 2026

Liebe Leserinnen und Leser,

der ISM-Einkaufsmanagerindex signalisiert den fünften Monat in Folge Expansion, der kolumbianische Leitindex profitiert nur begrenzt von steigenden Ölpreisen, und Portugal und Griechenland wachsen trotz globaler Risiken schneller als die Eurozone.

ISM signalisiert weitere Expansion der US-Industrie

Der ISM-Einkaufsmanagerindex deutet für Mai auf die dynamischste Expansion der US-Industrie seit vier Jahren hin. Er stieg um 1,3 auf 54,0 Punkte und liegt damit den fünften Monat in Folge über der Expansionsschwelle von 50 Punkten. Treiber waren vor allem die deutlich gestiegenen Neuaufträge, die den höchsten Stand seit vier Monaten erreichten. Auch die Beschäftigungskomponente legte leicht zu, blieb aber noch unter der Schwelle von 50 Punkten. Zugleich gaben die bezahlten Preise etwas nach, verharrten jedoch nahe den Höchstständen aus dem Jahr 2022. Fast alle Industriezweige verzeichneten Wachstum. Damit sind Zinssenkungen der Notenbank auf kurze Sicht noch unwahrscheinlicher geworden. Im Anschluss stiegen die Renditen von US-Staatsanleihen und der US-Dollar weiter, vor allem aufgrund steigender Erdölpreise, nachdem der Iran Gespräche mit den USA über eine Fortsetzung der Waffenruhe vorerst eingestellt hatte.

Ölpreis steigt – Kolumbiens Börse zögert

Der kolumbianische Leitindex MSCI COLCAP Leitindex hat mit plus 8,5 Prozent seit Jahresbeginn bislang nur begrenzt von gestiegenen Ölpreisen profitiert, obwohl knapp ein Fünftel des Index auf Energieunternehmen entfällt. Der Grund: Unsicherheit im Zusammenhang mit den Präsidentschaftswahlen.

Kursentwicklung des kolumbianischen Aktienmarktes in Euro und exklusive Dividenden von 2021 bis 2026.

Im ersten Wahlgang am Sonntag erreichte kein Kandidat die absolute Mehrheit, sodass am 21. Juni eine Stichwahl zwischen dem konservativen Kandidaten Abelardo de la Espriella und dem linken Kandidaten Iván Cepeda Castro stattfindet. Die kolumbianische Wirtschaft profitierte in den vergangenen zehn Jahren von steigenden Ölexporten und etablierte sich als alternativer Schweröllieferant für die USA gegenüber Venezuela. Die derzeitige linke Regierung hat jedoch die Exploration neuer Ölfelder eingestellt, während bestehende Förderstätten in den kommenden sieben Jahren voraussichtlich erschöpft sein werden. Der Wahlausgang und die energiepolitische Ausrichtung der nächsten Regierung dürften daher maßgeblich für die weitere wirtschaftliche Entwicklung sowie den Aktienmarkt sein. Angesichts der politischen Unsicherheiten bleibt der kolumbianische Aktienmarkt vor allem für risikobereite Anleger geeignet.

Portugal und Griechenland wachsen schneller als die Eurozone

Das Wirtschaftswachstum südeuropäischer Länder – besonders in Portugal und Griechenland – zeigt sich im aktuellen Kontext des Iran-Konflikts robust und übertrifft deutlich das der Eurozone. Für das Jahr 2026 erwartet der Analystenkonsens sowohl für Portugal als auch für Griechenland jeweils ein Wachstum von rund zwei Prozent, während für die Eurozone lediglich 0,8 Prozent prognostiziert wird. Ein wichtiger Resilienzfaktor für die zwei Länder dürfte in diesem Jahr vom Tourismussektor ausgehen, da geopolitische Risiken insbesondere Ziele innerhalb Europas attraktiver machen. Darüber hinaus sind die Volkswirtschaften Portugals und Griechenlands aufgrund ihrer ausgeprägten Dienstleistungsorientierung sowie des fortgeschrittenen Ausbaus Erneuerbarer Energien weniger anfällig für steigende Energiepreise. Strukturell wird das Wachstum in den Ländern durch Mittel aus dem NextGenerationEU-Programm sowie durch Reformfortschritte der vergangenen Jahre gestützt. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den rückläufigen Staatsschuldenquoten wider: In Portugal ist die Quote von 116 Prozent im Jahr 2019 auf knapp 90 Prozent im Jahr 2025 gesunken, in Griechenland von 183 Prozent auf etwa 146 Prozent.

Der MSCI Portugal hat seit Jahresbeginn um über 13 Prozent zugelegt, während der MSCI Greece einen Anstieg von knapp zwölf Prozent verzeichnet. Der portugiesische Markt ist stark von Substanzwerten geprägt, wobei Versorger mit Fokus auf Erneuerbare Energien knapp die Hälfte des Index ausmachen. Diese profitierten zuletzt von stabilen Erträgen sowie erhöhten Preisen für fossile Energieträger. Der griechische Aktienmarkt ist hingegen überwiegend zyklisch ausgerichtet. Finanzwerte machen mehr als drei Viertel des MSCI Greece aus und dürften angesichts der resilienten Wirtschaftsdynamik von einer robusten Kreditnachfrage profitieren. Moderat höhere Leitzinsen könnten die Zinsmargen zusätzlich stützen. Die Kurs-Gewinn-Verhältnisse für den MSCI Portugal und den MSCI Greece liegen aktuell jeweils zwölf und 27 Prozent unter dem Zehnjahresdurchschnitt und sind damit günstig bewertet. Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Konflikts bleiben bislang begrenzt, während positive Effekte einer Entspannung vor allem über die Finanzmärkte wirken dürften. Beide Märkte könnten zudem von einer erneuten Umschichtung weg von hoch bewerteten Technologiewerten hin zu zyklischen Sektoren und Substanzwerten profitieren – ein Muster, das bereits zu Jahresbeginn zu beobachten war.

Infrastruktur-Investments: Basisanlage oder Beimischung?

Weltweit sind enorme Investitionen in Infrastruktur nötig – von Energie- und Verkehrsnetzen bis zu digitaler Infrastruktur und Erneuerbaren Energien. Weil Staaten diese Aufgaben nicht allein stemmen können, wird privates Kapital immer wichtiger – und damit auch die Frage, wie Privatanleger daran teilhaben können. Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und ich besprechen in unserem Börsenpodcast, was sich hinter klassischen und neuen Infrastruktur-Investments verbirgt und warum Infrastruktur mehr sein könnte als nur eine Beimischung.

Zahl des Tages: 481

Am Morgen des 10. August 2025 ereignete sich im südlichen Alaska fast unbemerkt eine Naturkatastrophe. Bei einem Erdrutsch an einem Fjord namens Tracy Arm donnerten mindestens 64 Millionen Kubikmeter Gestein ins Wasser und lösten einen gewaltigen Tsunami aus. Ein internationales Forschungsteam hat jetzt Daten zu dem Ereignis veröffentlicht. Die Welle schwappte demnach an der gegenüberliegenden Steilwand erst 481 Meter hoch, bevor sie mit über 250 Stundenkilometern durch den Fjord raste. Noch in 55 Kilometern Entfernung war der Tsunami sieben Meter hoch – genug, um ein Kajak und große Teile der Ausrüstung einer Wandergruppe mitzureißen, die dort auf einer Insel lagerte. Dass nicht mehr geschah, ist ein Glücksfall: Der Tracy Arm wird im Sommer regelmäßig von Kreuzfahrtschiffen besucht.

Gehen Sie heute auf Nummer sicher.

Herzlichst

Ihr Ulrich Stephan

Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden

PERSPEKTIVEN am Morgen: Störung im Anmeldeprozess

Aktuell ist die Registrierung mit den Umlauten ö, ü, ä sowie mit ß nicht möglich. Sie können sich mit oe, ue, ae sowie mit ss weiterhin registrieren. 

Sollte auch das nicht funktionieren, wenden Sie sich an: perspektiven-am.morgen@db.com

"PERSPEKTIVEN am Morgen" - Newsletter

Erhalten Sie den Marktkommentar von Dr. Stephan jeden Morgen als E-Mail direkt in Ihren Postkorb.

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.

Anrede

Mit der Registrierung habe ich die Datenschutzbestimmungen der Deutschen Bank zur Kenntnis genommen.

Dr. Ulrich Stephan

Sie erhalten nach der Registrierung eine E-Mail an die von Ihnen angegebene Adresse. Bitte bestätigen Sie Ihre Anmeldung mit dem dort enthaltenen Link.

Sie können sich jeder Zeit, zum Beispiel in jeder E-Mail-Ausgabe von "PERSPEKTIVEN am Morgen", wieder abmelden. Es besteht kein Rechtsanspruch auf den täglichen Erhalt des Newsletters.

Das könnte Sie auch interessieren

Perspektiven Newsletter

PERSPEKTIVEN im Fokus

Fundierte Einschätzungen zu relevanten Ereignissen für die Kapitalmärkte

Perspektiven Podcast

PERSPEKTIVEN To Go

Aktuelle Marktentwicklungen im Podcast

Soweit hier von Deutsche Bank die Rede ist, bezieht sich dies auf die Angebote der Deutsche Bank AG. Wir weisen darauf hin, dass die in dieser Publikation enthaltenen Angaben keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung darstellen, sondern ausschließlich der Information dienen. Die Information ist mit größter Sorgfalt erstellt worden. Bei Prognosen über Finanzmärkte oder ähnlichen Aussagen handelt es sich um unverbindliche Informationen. Soweit hier konkrete Produkte genannt werden, sollte eine Anlageentscheidung allein auf Grundlage der verbindlichen Verkaufsunterlagen getroffen werden. Aus der Wertentwicklung in der Vergangenheit kann nicht auf zukünftige Erträge geschlossen werden.

HINWEIS: BEI DIESEN INFORMATIONEN HANDELT ES SICH UM WERBUNG. Die Texte sind nicht nach den Vorschriften zur Förderung der Unabhängigkeit von Anlage- oder Anlagestrategieempfehlungen (vormals Finanzanalysen) erstellt. Es besteht kein Verbot für den Ersteller oder für das für die Erstellung verantwortliche Unternehmen, vor bzw. nach Veröffentlichung dieser Unterlagen mit den entsprechenden Finanzinstrumenten zu handeln. Die Deutsche Bank AG unterliegt der Aufsicht der Europäischen Zentralbank und der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin)

Zum Schutz Ihrer persönlichen Daten werden das Video und die Verbindung zu YouTube erst nach einem Klick aktiv. Bereits beim Aktivieren des Videos werden personenbezogene Daten (IP-Adresse) an YouTube bzw. Google gesendet und gegebenenfalls auch dort gespeichert. Wenn Sie den Button "Video aktivieren" anklicken, wird ein Cookie auf Ihrem Computer gesetzt, sodass die Website weiß, dass Sie dem Anzeigen von eingebetteten Videos in Ihrem Browser zugestimmt haben. Weitere Details zu den von Google erhobenen Daten finden Sie unter https://policies.google.com/privacy.