PERSPEKTIVEN am Morgen

Starten Sie gut informiert
in den Tag

Tägliche Kapitalmarkteinschätzungen von Dr. Ulrich Stephan,
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden.
Jeden Morgen um 7.00 Uhr in Ihrem E-Mail-Postfach.

25. August 2026

Liebe Leserinnen und Leser,

die Märkte halten einen EZB-Zinsschritt für sehr wahrscheinlich, die Gasspeicher in Europa sind nur gut zur Hälfte gefüllt, und die Produktivität der Schifffahrt steigt langsamer als zuvor.

Geldpolitik: leichter Rückenwind für den Euro 

Die Geldpolitik dies- und jenseits des Atlantiks entwickelt sich zunehmend auseinander. Während die Terminmärkte für die EZB-Sitzung am 10. September mit rund 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit eine Zinserhöhung erwarten, wird für die US-Notenbank Fed am 16. September nur eine Wahrscheinlichkeit von etwa 35 Prozent eingepreist. Dabei hatten bereits bei der Juli-Sitzung mehrere Fed-Mitglieder für höhere Zinsen plädiert. Der Zinsvorsprung des US-Dollars dürfte damit zwar schrumpfen, vorerst aber bestehen bleiben. Setzt die EZB ihren Straffungskurs nach September fort, könnte dies den Euro zusätzlich stützen. Aus Anlegersicht spricht derzeit vieles für eine Seitwärtsbewegung bis leichte Aufwertung der Gemeinschaftswährung gegenüber dem US-Dollar, zumal Diskussionen über US-Staatsanleiherückkäufe den Dollar zuletzt belasteten.

Hormus-Blockade lässt Gaspreise steigen

Erdgas zur kurzfristigen Lieferung notierte an der niederländischen Terminbörse TTF zuletzt bei knapp 70 Euro je Megawattstunde. Damit lag der Preis nahezu doppelt so hoch wie ein Jahr zuvor und rund acht Prozent höher als noch vor einem Monat. Hauptursache ist die Blockade der Straße von Hormus, durch die Flüssiggaslieferungen aus Katar zurzeit unterbunden werden. Zugleich erhöhte die langandauernde Hitzeperiode in Europa den Kühlbedarf. Daher wurde mehr Gas zur Stromerzeugung eingesetzt und weniger eingespeichert. Die Speicher waren zuletzt zu rund 60 Prozent gefüllt und somit wesentlich geringer als zu vergleichbaren Zeitpunkten der Vorjahre. 

Entscheidend bleibt ihr Füllstand zu Beginn der Heizperiode Anfang Oktober, da die geringen Vorräte die Gaspreise im Winter noch weitertreiben könnten. Aus Anlegersicht dürften höhere Energiekosten die Margen energieintensiver Branchen in Europa belasten und die Wahrscheinlichkeit einer restriktiveren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank weiter erhöhen.

Containerverkehr: Häfen stoßen an ihre Grenzen 

Der standardisierte Schiffscontainer zählt zu den wichtigsten Innovationen der modernen Wirtschaft. Er hat die Transportkosten drastisch gesenkt und den Aufbau globaler Lieferketten ermöglicht. Heute werden rund 60 Prozent des Welthandels in Containern transportiert. Während der Handel weiter wächst, werden die Schiffe immer größer und laden inzwischen mehr als 20.000 Standardcontainer (TEU) auf einmal. Viele Häfen verfügen jedoch nicht über ausreichend Liegeplätze, Kräne oder Bahnanschlüsse, um diese Mengen schnell weiterzuleiten. Dadurch entstehen Staus, Wartezeiten und höhere Kosten. Die Produktivität der Schifffahrt steigt daher nicht mehr im gleichen Tempo wie in den vergangenen Jahrzehnten. Interessanter als die Reedereien erscheinen deshalb Unternehmen, die vom Ausbau der Hafeninfrastruktur, zusätzlicher Lagerkapazität oder effizienteren Lieferketten profitieren.

China: Tech-Index STAR 50 legt deutlich zu 

Shanghai entwickelt sich zunehmend zu einem zentralen Kapitalmarkt für Chinas strategische Technologieunternehmen. Der STAR 50 Index, Leitindex des häufig als Chinas Antwort auf den NASDAQ bezeichneten STAR Market, legte seit Jahresbeginn in Lokalwährung um etwa 20 Prozent zu und übertraf damit sowohl die Technologieindizes in Shenzhen und Hongkong als auch den NASDAQ Composite. Im Fokus stehen sogenannte Hard-Tech-Unternehmen aus Bereichen wie Halbleiter, Robotik und fortschrittliche Werkstoffe. Die Entwicklung steht im Einklang mit Pekings Ziel, strategische Technologien zu fördern und die Finanzierung innovativer Unternehmen im Inland auszubauen. Die unterschiedliche Entwicklung der Technologiebörsen verdeutlicht, dass Anleger derzeit gezielter zwischen einzelnen Technologiefeldern unterscheiden und Kapital verstärkt in jene Bereiche lenken, die von Chinas langfristigen Industrie- und Innovationszielen profitieren.

Favoritenwechsel an der Börse: Was die Gewinner von morgen ausmacht

Künstliche Intelligenz, Abnehmspritzen, Rüstung oder Erneuerbare Energien: An der Börse wechseln die Favoriten regelmäßig. Manche Trends bleiben über Jahre gefragt, andere verlieren plötzlich an Dynamik. Doch lassen sich solche Favoritenwechsel frühzeitig erkennen? Dr. Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank, spricht mit Finanzjournalistin Jessica Schwarzer darüber, worauf Anleger bei Zukunftstrends achten sollten.

Was diese Woche wichtig wird

Im Laufe der Woche, BerichtssaisonUSA | Aus dem S&P 500 berichten 17 Unternehmen, darunter Nvidia, Crowdstrike, Salesforce, Intuit, Synopsys und Workday.Europa | Aus dem STOXX 600 berichten 17 Unternehmen, darunter Prudential, EMS-Chemie, Pernod Ricard und Ageas.Asien | Aus Hongkong berichten unter anderem Industrial & Commercial Bank of China, China Construction Bank, PetroChina und Bank of China.

  • Dienstag, Deutschland | ifo Geschäftsklimaindex im August. Nachdem um 8 Uhr die finalen und detaillierten Daten zur Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts in Deutschland im zweiten Quartal veröffentlicht werden, liefert uns der ifo Geschäftsklimaindex um 10 Uhr Hinweise auf die Stimmung der Unternehmen im laufenden Quartal. Das Geschäftsklima hatte sich in den letzten drei Monaten schrittweise verbessert und damit einen Teil des Einbruchs vom Frühjahr wettgemacht. Bereits am vergangenen Freitag wiesen die Daten zu den Einkaufsmanagerindizes auf eine gute Stimmung zumindest in der deutschen Industrie hin. Ebenso wird im Marktkonsens ein erneuter moderater Anstieg des ifo Geschäftsklimaindex erwartet, und zwar sowohl für die Bewertung der aktuellen Lage als auch für die Erwartungen. 
  • Mittwoch, USA | PCE-Kernrate im Juli. Die Statistiker in den USA veröffentlichen am Mittwoch eine zweite Schätzung zum BIP im zweiten Quartal. Aus Anlegersicht wichtiger dürfte jedoch die zeitgleich anstehende Veröffentlichung der PCE-Kernrate der Verbraucherpreise für den Monat Juli sein. Schließlich liefert diese weiterhin das Inflationsmaß, nach dem die US-Notenbank Fed ihre Geldpolitik ausrichtet. Die PCE-Kernrate war im Mai mit 3,4 Prozent auf das höchste Niveau seit Ende 2023 angestiegen und sank im Juni leicht auf 3,3 Prozent. Der Marktkonsens erwartet für Juli eine unveränderte Rate, somit also keine Annäherung in Richtung der Fed-Zielrate von 2,0 Prozent. 
  • Freitag, Japan | Verbraucherpreise der Region Tokio im August. Die Verbraucherpreisinflation in Tokio hat sich zuletzt deutlich beschleunigt. Die Kerninflation (ohne Lebensmittel) stieg von 1,3 Prozent im Mai über 1,6 Prozent im Juni auf 1,9 Prozent im Juli. Noch bemerkenswerter war der Anstieg der Kernrate ohne Lebensmittel und Energie auf 2,0 Prozent, was auf eine breitere Verankerung des Preisauftriebs hindeutet. Die Tokio-Daten gelten als wichtiger Frühindikator für die landesweiten Verbraucherpreise und werden von der Bank of Japan entsprechend aufmerksam beobachtet. Ein unerwartet kräftiger Anstieg könnte eine aus Marktsicht bereits mit hoher Wahrscheinlichkeit eingepreiste Leitzinserhöhung Mitte September nahezu besiegeln.

Zahl des Tages: 7

Ohne Kühlung war dieser Sommer vielerorts schwer auszuhalten – doch Klimaanlagen schlucken Strom und erzeugen ihrerseits Abwärme. Dass es auch nachhaltiger geht, hat ein Team um Milena Stavric von der TU Graz gezeigt. Die Forscher produzierten im 3D-Drucker poröse Tonwürfel, die gebrannt und zu beliebigen Formen zusammengesetzt werden können. Mit Wasser gefüllt entsteht ein System, das auf natürlichem Weg Verdunstungskühle erzeugt. Bei einem Praxistest im Dachgeschoss der Universität senkten die feuchten Würfel die Raumtemperatur um fast sieben Grad. Der Trick sind geometrische Berechnungen, mittels derer sich aus wenig Material möglichst große Oberflächen erzeugen lassen, um die Kühlwirkung zu verstärken. Das funktioniert offenbar auch unter freiem Himmel: Eine Kühlwand aus Ton steht inzwischen auf dem Campus der TU. 

Bewahren Sie heute einen kühlen Kopf.

Herzlichst

Ihr Ulrich Stephan

Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden

"PERSPEKTIVEN am Morgen" - Newsletter

Erhalten Sie den Marktkommentar von Dr. Stephan jeden Morgen als E-Mail direkt in Ihren Postkorb.

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.

Anrede

Mit der Registrierung habe ich die Datenschutzbestimmungen der Deutschen Bank zur Kenntnis genommen.

Dr. Ulrich Stephan

Sie erhalten nach der Registrierung eine E-Mail an die von Ihnen angegebene Adresse. Bitte bestätigen Sie Ihre Anmeldung mit dem dort enthaltenen Link.

Sie können sich jeder Zeit, zum Beispiel in jeder E-Mail-Ausgabe von "PERSPEKTIVEN am Morgen", wieder abmelden. Es besteht kein Rechtsanspruch auf den täglichen Erhalt des Newsletters.

Das könnte Sie auch interessieren

Perspektiven Newsletter

PERSPEKTIVEN im Fokus

Fundierte Einschätzungen zu relevanten Ereignissen für die Kapitalmärkte

Perspektiven Podcast

PERSPEKTIVEN To Go

Aktuelle Marktentwicklungen im Podcast

WICHTIGE HINWEISE:
Bei diesen Informationen handelt es sich um Werbung. Diese Texte genügen nicht allen gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit von Anlage- und Anlagestrategieempfehlungen oder Finanzanalysen. Es besteht kein Verbot für den Ersteller oder für das für die Erstellung verantwortliche Unternehmen, vor beziehungsweise nach Veröffentlichung dieser Unterlagen mit den entsprechenden Finanzinstrumenten zu handeln. Die in diesem Text gemachten Angaben stellen keine Anlageempfehlung, Anlageberatung oder Handlungsempfehlung dar, sondern dienen ausschließlich der werblichen Information. Die Angaben ersetzen nicht eine auf die individuellen Verhältnisse des Anlegers abgestimmte Beratung. Die Information ist mit größter Sorgfalt erstellt worden. Bei Prognosen über Finanzmärkte oder ähnlichen Aussagen handelt es sich um unverbindliche Informationen.

Soweit hier konkrete Produkte genannt werden, sollte eine Anlageentscheidung allein auf Grundlage der verbindlichen Verkaufsunterlagen getroffen werden.

Die vollständigen Angaben zum jeweiligen Fonds sind dem Basisinformationsblatt und dem Verkaufsprospekt, ergänzt durch den jeweiligen letzten geprüften Jahresbericht und den jeweiligen Halbjahresbericht, falls ein solcher jüngeren Datums als der letzte Jahresbericht vorliegt, zu entnehmen. Diese Unterlagen stellen die allein verbindliche Grundlage des Kaufs von Anteilen des jeweiligen Fonds dar. Sie sind in elektronischer oder gedruckter Form kostenlos bei Ihrem Berater erhältlich. Weitere ausführliche allgemeine Informationen zu Investmentfonds enthält zudem die Broschüre „Basisinformation über Wertpapiere und weitere Kapitalanlagen“, welche ebenso kostenlos bei Ihrem Berater erhältlich ist.

Jede Geldanlage ist mit Risiken verbunden. Es gibt keine Garantie und Marktschwankungen können zu Verlusten bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen. Über die speziellen Risiken eines Wertpapierprodukts informieren die gesetzlich vorgeschriebenen Verkaufsunterlagen. Wertentwicklungen in der Vergangenheit und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung. Sofern es in diesem Dokument nicht anders gekennzeichnet ist, geben alle Meinungsaussagen die aktuelle Einschätzung der Deutschen Bank wieder, die sich jederzeit ändern kann.

ZUM THEMA NACHHALTIGKEIT:
Derzeit fehlt es an einheitlichen Kriterien und einem einheitlichen Marktstandard zur Bewertung und Einordnung von Finanzdienstleistungen und Finanzprodukten als nachhaltig. Dies kann dazu führen, dass verschiedene Anbieter die Nachhaltigkeit von Finanzdienstleistungen und Finanzprodukten unterschiedlich bewerten. Zudem sind die gesetzlichen Vorgaben zur Offenlegung der Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien und zum Umgang mit dem Thema ESG (Environment = Umwelt, Social = Soziales, Governance = Unternehmensführung) und Sustainable Finance (nachhaltige Finanzwirtschaft) einem stetigen Wandel unterworfen. Die Auslegung der relevanten gesetzlichen Regelungen ist zudem nicht eindeutig und abschließend. All dies kann dazu führen, dass gegenwärtig als nachhaltig bezeichnete oder beworbene Finanzdienstleistungen und Finanzprodukte die künftigen gesetzlichen Anforderungen an die Qualifikation als nachhaltig oder als Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigend nicht erfüllen.

Soweit in dieser Marketinginformation von Deutsche Bank die Rede ist, bezieht sich dies auf die Deutsche Bank AG, Taunusanlage 12, 60325 Frankfurt, Deutschland.

© Deutsche Bank AG 2026

Zum Schutz Ihrer persönlichen Daten werden das Video und die Verbindung zu YouTube erst nach einem Klick aktiv. Bereits beim Aktivieren des Videos werden personenbezogene Daten (IP-Adresse) an YouTube bzw. Google gesendet und gegebenenfalls auch dort gespeichert. Wenn Sie den Button "Video aktivieren" anklicken, wird ein Cookie auf Ihrem Computer gesetzt, sodass die Website weiß, dass Sie dem Anzeigen von eingebetteten Videos in Ihrem Browser zugestimmt haben. Weitere Details zu den von Google erhobenen Daten finden Sie unter https://policies.google.com/privacy.