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Tägliche Kapitalmarkteinschätzungen von Dr. Ulrich Stephan,
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6. August 2026

Liebe Leserinnen und Leser,

Konjunkturindikatoren deuten auf ein robustes US-Wachstum hin, Künstliche Intelligenz (KI) dürfte Europas Produktivität laut Internationalem Währungsfonds (IWF) kurzfristig nur moderat steigern, und diagnostische Bildgebung gewinnt im globalen Gesundheitssektor an Bedeutung.

US-Wirtschaft bleibt auf Wachstumskurs: Konjunkturdaten fallen robust aus

Die US-Wirtschaft wächst anhaltend robust – darauf deutet die GDPNow-Schätzung des Bruttoinlandsprodukts der Atlanta Fed für das dritte Quartal hin. Sie liegt bei annualisierten 5,9 Prozent und signalisiert damit das stärkste Quartalswachstum seit 2022. Die ISM-Einkaufsmanagerindizes für Juli untermauern dieses Bild: Sowohl das Verarbeitende Gewerbe als auch der Dienstleistungssektor deuten den sechsten Monat in Folge auf eine Expansion der Wirtschaft hin. Der Industrieindex – der zu den Eingangsgrößen des GDPNow-Modells zählt – stieg von 53,3 auf 55,6 Punkte und erreichte damit den höchsten Stand seit Mai 2022, während der Dienstleistungsindex leicht von 54,0 auf 54,1 zulegte. Vor diesem Hintergrund könnten zyklische Sektoren wie der Transportsektor von der anhaltenden wirtschaftlichen Dynamik in der zweiten Jahreshälfte profitieren.

IWF-Studie: KI steigert Europas Produktivität kurzfristig nur moderat

Die Diskussion über Künstliche Intelligenz (KI) wird häufig von Erwartungen einer Produktivitätsrevolution geprägt. Eine Studie des Internationalen Währungsfonds (IWF) zeichnet für Europa jedoch ein nüchterneres Bild. Auf Basis eines Modells des Ökonomen Daron Acemoğlu aus dem Jahr 2024 schätzt der IWF, dass KI die Gesamtfaktorproduktivität in 31 europäischen Ländern im Zeithorizont von fünf Jahren um rund 1,1 Prozent steigern könnte. Damit fallen die gesamtwirtschaftlichen Effekte positiv aus, aber geringer als vielfach angenommen. Die Studie zeigt zugleich erhebliche Unterschiede zwischen den europäischen Volkswirtschaften. Besonders wohlhabende Länder profitieren stärker, da sie sowohl höhere Löhne als auch einen größeren Anteil wissensintensiver Dienstleistungsbranchen, besonders im Finanzsektor, aufweisen. Hohe Löhne steigern die Anreize, KI einzuführen, und erweisen sich als wichtigster Treiber der Adoptionsrate. Andere Faktoren wie Digitalisierungsgrad, Humankapital oder Kapitalkosten besitzen demgegenüber eine deutlich geringere Erklärungskraft.

Ein weiteres Ergebnis betrifft die Regulierung. Nationale Berufszulassungen, Datenschutzvorschriften sowie der EU Artificial Intelligence Act könnten die potenziellen Produktivitätsgewinne reduzieren. In einem plausiblen Szenario sinken die Effekte durch die kombinierte Wirkung dieser Regulierungen um mehr als 30 Prozent. Gleichzeitig betonen die Autoren, dass ihre Schätzungen langfristige Transformationswirkungen – etwa durch neue Geschäftsmodelle, Innovationen oder beschleunigten wissenschaftlichen Fortschritt – nicht berücksichtigen. Die Studie modelliert KI vor allem über arbeitsbezogene Aufgaben, Automatisierung und Arbeitskosteneinsparungen. Potenziell größere Effekte durch agentische KI oder Workflow-Redesign bleiben damit teilweise außen vor. Die kurzfristigen Produktivitätseffekte von KI erscheinen daher begrenzt, während die langfristigen Wachstumspotenziale weiterhin beträchtlich bleiben.

Diagnostische Bildgebung: Wachstumsmarkt im Gesundheitssektor

Die diagnostische Bildgebung gewinnt im globalen Gesundheitssektor an Bedeutung. Der Umsatz der Branche soll von rund 51 Milliarden US-Dollar im Jahr 2026 auf über 60 Milliarden US-Dollar bis 2030 steigen. Moderne Bildgebung ermöglicht frühere Diagnosen und bessere Behandlungsergebnisse. Treiber sind alternde Bevölkerungen, steigende Vorsorgeuntersuchungen und der zunehmende Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI). Unternehmen investieren verstärkt in Bildgebungszentren, Software und Diagnostikdienstleister. Profitieren könnten insbesondere Anbieter von Medizintechnik, Gesundheitssoftware und KI-Lösungen.

Wertentwicklung von Aktien des US-Gesundheitssektors in Euro und inklusive Dividenden von 2021 bis 2026.

Wer gezielt auf diesen Bereich setzen möchte, findet entsprechende Investitionsmöglichkeiten häufig im Private-Equity-Markt. Für Anleger am Aktienmarkt kann eine breite Streuung im Gesundheitssektor sinnvoll sein, da Fortschritte in der Bildgebung oft auch Wachstum in Medizintechnik und Gesundheitssoftware fördern.

Rekorde trotz Risiken: Was die Märkte jetzt antreibt

Die geopolitische Lage bleibt volatil, der Ölpreis schwankt und rund um den Boom im Bereich Künstliche Intelligenz werden die Fragen lauter. Trotzdem erreichen viele Aktienmärkte Höchststände, der DAX sogar ein Allzeithoch. Treiber sind vor allem überraschend starke Quartalszahlen auf beiden Seiten des Atlantiks. Warum die Märkte trotz aller Unsicherheiten so robust bleiben, analysieren Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und ich in der aktuellen Folge unseres Börsenpodcasts.

Zahl des Tages: 12.000

Viele Sprachen der Welt sind bedrohte Spezies – Schätzungen zufolge sterben jedes Jahr rund vier Sprachen aus. Damian Blasi vom katalanischen Institut für Forschung und fortgeschrittene Studien in Barcelona hat sich die Frage gestellt, wann die Menschheit die größte Sprachenvielfalt aufgewiesen hat. Blasi und sein Team kombinierten Computersimulationen mit ethnografischen Daten, um die Entwicklung der letzten 12.000 Jahre zu rekonstruieren. Ihre These: Zu Beginn der Jungsteinzeit gab es nur rund 4.500 bis 6.000 Sprachen. Mit der Einführung der Landwirtschaft entstanden dann neue Siedlungen und Gruppen, die eigene Idiome entwickelten. Erst relativ spät, vor etwa 3.000 bis 1.000 Jahren, könnte die Zahl der Sprachen auf mehrere 10.000 angewachsen sein – von denen aktuell noch rund 7.400 gesprochen werden.

Machen Sie sich heute verständlich.

Herzlichst

Ihr Ulrich Stephan

Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden

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