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Tägliche Kapitalmarkteinschätzungen von Dr. Ulrich Stephan,
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29. Oktober 2026

Liebe Leserinnen und Leser,

die US-Notenbank Fed belässt den Leitzins wie erwartet unverändert, die Berichtssaison zum dritten Quartal fällt in Mexiko bislang leicht positiv aus, und chinesische Aktien straucheln.

Fed hält Zinsen stabil und blickt auf Dezember

Die US-Notenbank hat gestern mit zehn zu zwei Stimmen beschlossen, den Leitzins unverändert bei 3,75 bis 4,00 Prozent zu belassen. Die Entscheidung war nach der Zinserhöhung im September weitgehend erwartet worden. Der Offenmarktausschuss unter Fed-Chef Kevin Warsh verwies auf die weiterhin erhöhte Inflation und das robuste Wirtschaftswachstum. Zugleich betonte Warsh, dass die bis Dezember eingehenden Daten für die weitere Ausrichtung der Geldpolitik entscheidend sein dürften. Darüber hinaus kündigte er ab 2027 weniger Zinsentscheidungen an. Einen ähnlichen Schritt hatte die Bank of England bereits 2016 vollzogen und nach einer externen Überprüfung im Auftrag von Gouverneur Mark Carney durch eben jenen Kevin Warsh 2014 die Zahl ihrer jährlichen geldpolitischen Sitzungen reduziert. Mit Beginn der Pressekonferenz gaben die Renditen zweijähriger US-Staatsanleihen und der US-Dollar nach. An den Terminmärkten wird für Dezember weiterhin eine Wahrscheinlichkeit von rund 83 Prozent für eine Zinserhöhung um 0,25 Prozentpunkte eingepreist.

Kreditmarkt liefert der EZB Argumente für eine Zinspause

Die Kreditbedingungen im Euroraum werden restriktiver, während die Kreditnachfrage in allen Kundensegmenten nachlässt – darauf deutet die Oktober-Umfrage der Europäischen Zentralbank zur Kreditvergabe hin. Banken führten die Verschärfung der Kreditstandards vor allem auf eine geringere Risikotoleranz und höhere Risikowahrnehmung zurück. Zugleich belasteten höhere Zinsen sowie geopolitische Entwicklungen und Energiepreise die Kreditnachfrage der Unternehmen stärker als erwartet. Die Nachfrage nach Wohnungsbaukrediten sank angesichts höherer Zinsen, schwächeren Verbrauchervertrauens und eines gedämpften Immobilienmarkts deutlich, während die Kreditstandards weitgehend unverändert blieben und in Deutschland sogar gelockert wurden. Insgesamt könnten die Umfrageergebnisse darauf hindeuten, dass es der EZB leichter fallen könnte, die Zinsen heute unverändert zu lassen.

Mexikos Berichtssaison startet solide

Die Berichtssaison zum dritten Quartal fällt in Mexiko bislang leicht positiv aus. Bis dato verfehlte nur rund ein Drittel der Unternehmen die Gewinnerwartungen. Vor allem Rohstoffunternehmen überzeugten mit positiven Überraschungen beim operativen Ergebnis und steigenden Gewinnschätzungen, aber auch der Technologie-, Medien- und Telekommunikationssektor ist dank höherer Margen gut gestartet. Bei Konsumunternehmen bleibt das Bild dagegen uneinheitlich, ohne klare Anzeichen für eine breitere Nachfrageerholung. Der mexikanische Aktienmarkt zeigt sich seit Mitte September deutlich erholt, auch weil die Marktteilnehmer Hoffnungen auf eine Einigung im Handelskonflikt mit den USA zunehmend eingepreist haben. Im Zuge dessen ist das für 2027 erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis des MSCI Mexiko Index auf knapp 13 und damit auf seinen langfristigen Durchschnitt gestiegen. Auch deshalb könnte sich nach der jüngsten Aufholjagd zunächst eine Konsolidierungsphase anschließen.

China-Aktien: günstig, aber nicht ohne Risiken

Der chinesische Aktienmarkt hat seit dem Zwischenhoch Mitte August um rund 13 Prozent nachgegeben.

Zwei Ereignisse könnten die Sterling-Stärke nun jedoch auf die Probe stellen: das Herbstbudget des Finanzministers am heutigen Mittwoch und die Sitzung der Notenbank in der kommenden Woche. Hinsichtlich des Herbstbudgets werden sich die Marktakteure darauf fokussieren, ob ein Abbau des Staatsdefizits glaubwürdig in Aussicht gestellt wird und ob im kommenden Fiskaljahr eine unerwartet hohe Neuemission von Staatsanleihen geplant wird oder nicht. Insgesamt gilt, das Pfund ist bereits hoch bewertet und hat positive Entwicklungen weitgehend eingepreist, weshalb Enttäuschungen beim Budget oder bei der BoE-Sitzung es überproportional belasten könnten.

US-Zwischenwahlen: Startschuss für die nächste Börsenrally?

Die US-Zwischenwahlen rücken näher und könnten auch an den Börsen für Bewegung sorgen. Die Vergangenheit zeigt: Nach den Midterms liefen US-Aktien oftmals besonders gut. Gleichzeitig liefern starke Unternehmensgewinne Rückenwind. Auch die Aussichten rund um Künstliche Intelligenz bleiben vielversprechend, werden angesichts hoher Investitionen aber zunehmend kritisch hinterfragt. Politische und wirtschaftliche Unsicherheiten bleiben ebenfalls bestehen. Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und ich ordnen ein, was die Wahl für die Märkte bedeutet – und ob die Voraussetzungen für eine weitere Börsenrally stimmen.

Zahl des Tages: 30–50

Mit etwas Glück und der Hilfe eines Bootsführers hat der Botaniker Carlos Magdalena von den Royal Botanic Gardens in Kew eine unbekannte Riesenseerose entdeckt. Magdalena sah in einem Social-Media-Posting aus dem kolumbianischen Regenwald mehrere Seerosenblätter, die er keiner bekannten Art zuordnen konnte. Er identifizierte den Ort der Aufnahmen und rüstete eine Expedition nach Kolumbien aus. Dort fanden die Forscher tatsächlich einige Pflanzen der neuen Art, die sie auf den Namen Victoria colombiana tauften. Die Seerose hat kreisrunde Blätter von bis zu zwei Metern Durchmesser und ist sehr selten – möglicherweise existieren nur 30 bis 50 Exemplare. Dass sie überhaupt gefunden wurde, verdanken Magdalena und Kollegen ihrem indigenen Bootsführer Gustavo Melo: Der führte sie am Abend vor der Abreise, als die Suche schon gescheitert schien, zu einem winzigen abgelegenen See, in dem die Seerosen wuchsen. 

Bleiben Sie heute hartnäckig. 

Herzlichst

Ihr Ulrich Stephan

Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden

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