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Tägliche Kapitalmarkteinschätzungen von Dr. Ulrich Stephan,
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10. Juni 2026

Liebe Leserinnen und Leser,

der Goldpreis liegt nur noch leicht über dem Niveau vom Jahresbeginn, der Schweizer Franken könnte zum Euro weiterhin seitwärts tendieren, und Indonesiens Notenbank hebt ihren Leitzins in einer außerordentlichen Sitzung an.

Höhere Renditen und fester US-Dollar belasten den Goldpreis

Der Goldpreis fiel am Montag auf rund 4.270 US-Dollar je Feinunze und damit auf den niedrigsten Stand seit dem 23. März. Nach einer Erholung auf etwa 4.330 US-Dollar liegt er nur noch leicht über dem Niveau zu Jahresbeginn.

Entwicklung des Goldpreises am London Bullion Market in US-Dollar je Feinunze

Auslöser waren überraschend starke Arbeitsmarktdaten aus den USA für Mai – infolgedessen stiegen die Erwartungen an eine Zinserhöhung der US-Notenbank bis zum Jahresende. Auch die Renditen von US-Staatsanleihen und der US-Dollar legten zu, was den Goldpreis zusätzlich belastete. Schon im April und Mai war eine Rückkehr in Richtung 5.000 US-Dollar je Feinunze mehrfach gescheitert. Auf den Preis drücken eine schwächere Nachfrage nach Goldschmuck in Asien, ein nachlassendes Interesse an goldgedeckten Börsenprodukten sowie höhere Importzölle in Indien. Dort rief die Regierung zudem zu Zurückhaltung beim Goldkauf auf. Hinzu kommen Berichte über Goldverkäufe einzelner Notenbanken – darunter die indische und die türkische –, um US-Dollar für Energieimporte zu beschaffen.

Weitere Rückschläge beim Goldpreis sind zwar möglich, doch die mittelfristigen Aussichten bleiben robust. Sollte sich der Konflikt im Nahen Osten entspannen und die Sperrung der Straße von Hormus in den kommenden Wochen enden, dürften auch die Ölpreise allmählich nachgeben. Das würde den Druck auf die Notenbanken verringern, an einer straffen Geldpolitik festzuhalten, und die Anleiherenditen sinken lassen. Zusammen mit einem schwächeren US-Dollar würde das den Goldpreis stützen. Zudem bestehen die grundlegenden Treiber des starken Preisanstiegs aus dem Jahr 2025 weiter fort. Dazu zählen Unsicherheiten in der Handels- und Außenpolitik der USA sowie anhaltende geopolitische Risiken. Auch als Absicherung gegen mögliche Rückschläge an den Aktienmärkten dürfte Gold wieder stärker gefragt sein. Als „sicherer Hafen“ und Instrument zur breiteren Streuung von Vermögen bleibt Gold damit gut unterstützt.

SNB im Spannungsfeld: Stabile Inflation trifft auf wachsende Zinslücke

Die Verbraucherpreise in der Schweiz stiegen im Mai um 0,6 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat – erwartet worden waren plus 0,7 Prozent. Die um Energie- und Lebensmittelpreise bereinigte Kerninflation legte wie im April nur um 0,3 Prozent zum Vorjahr zu. Beide Messgrößen bleiben somit fest innerhalb des Zielbandes der Schweizerischen Nationalbank (SNB) von null bis zwei Prozent. Eine entscheidende Rolle spielt dabei der anhaltend feste Kurs des Schweizer Frankens, der Importe verbilligt. Seit Beginn der Eskalation im Nahen Osten hat der Schweizer Franken gegenüber dem Euro trotz seiner Rolle als „sicherer Währungshafen“ jedoch nur noch geringfügig zugelegt. Die Schweizer Nationalbank hatte Verkäufe von Franken gegen Euro angekündigt, falls dieser zu stark aufwerten und somit die schweizerische Exportindustrie noch stärker belasten würde. An den Zinsterminmärkten wird zudem darauf gesetzt, dass die Europäische Zentralbank (EZB) bis Ende September zwei Leitzinserhöhungen vornehmen dürfte, während die SNB ihren Leitzins unverändert bei null Prozent belassen sollte – die Zinsdifferenz wächst somit weiter. Dass der Franken aus diesen Gründen Gegenwind erfährt, gleichzeitig aber von den geopolitischen Unsicherheiten profitiert, spricht dafür, dass die Seitwärtsbewegung zum Euro noch eine Weile anhalten könnte.

Indonesiens Notenbank hebt Leitzins in außerordentlicher Sitzung an

Indonesiens Notenbank, die Bank Indonesia, erhöhte gestern in einer außerordentlichen Sitzung den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 5,50 Prozent. Vorausgegangen war ein Treffen des Finanzministeriums und der Währungshüter. Letztere hatten den Leitzins bereits am 20. Mai stärker als erwartet um 0,5 Prozentpunkte angehoben. Seit Monaten steht die Indonesische Rupiah infolge hoher Kapitalabflüsse internationaler Anleger unter Druck – aufgrund des globalen Energieschocks, aber vor allem als Ausdruck anhaltender innenpolitischer Unsicherheiten. Zwar erholten sich gestern – gestützt durch eine freundlichere globale Risikostimmung – sowohl die Rupiah als auch indonesische Aktien. Eine weitere geldpolitische Straffung, möglicherweise bereits auf der nächsten regulären Sitzung in der kommenden Woche, ist allerdings ebenso wenig auszuschließen wie daraus resultierender Gegenwind für die Realwirtschaft. Nach kumulierten Kursverlusten von über 30 Prozent seit Jahresbeginn liegt die Bewertung der Börse in Jakarta inzwischen 40 Prozent unter ihrem Zehn-Jahres-Durchschnitt. Das scheint im historischen Vergleich attraktiv. Gleichwohl bleibe ich angesichts anhaltender geopolitischer Spannungen sowie politischer und wirtschaftlicher Risiken in Indonesien vorerst zurückhaltend.

Rekordbörsengänge treffen auf nervöse Märkte

Die Nervosität an den US-Börsen bleibt hoch: Nach dem deutlichen Rücksetzer an der Wall Street geraten vor allem zinssensible Werte im Bereich Technologie und Künstliche Intelligenz (KI) unter Druck. Gleichzeitig stehen Rekordbörsengänge rund um KI und Technologie bevor – und werfen die Frage auf, wie belastbar der Risikoappetit in diesem Marktumfeld wirklich ist. Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und ich ordnen die aktuelle Lage an den Märkten ein.

Zahl des Tages: 172,50

Seit 1882 wird an der Kirche Sagrada Familia in Barcelona gebaut, dem Lebenswerk des Architekten Antoni Gaudí. Mit der offiziellen Einweihung des Jesus-Christus-Turms setzt der Bau heute einen Meilenstein. Der zentrale Turm erreicht eine Höhe von 172,50 Metern und macht die Sagrada Familia zur höchsten Kirche der Welt. Er übertrifft damit den bisherigen Rekordhalter, den Hauptturm des Ulmer Münsters, um gute zehn Meter. Beendet ist Gaudís Riesenprojekt aber noch nicht: Es wird geschätzt, dass die Arbeit an der „Heiligen Familie“ mit der Fertigstellung der Südfassade in rund zehn Jahren abgeschlossen sein könnte.

Streben Sie heute hoch hinaus.

Herzlichst

Ihr Ulrich Stephan

Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden

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