22. Oktober 2026
Liebe Leserinnen und Leser,
der Leitzins in Großbritannien könnte auf rund 4,75 Prozent steigen, am Kaffeemarkt zeichnet sich eine Entspannung ab, und Japans Exporte zeigen sich stark.
Britische Leitzinsen könnten auf rund 4,75 Prozent steigen
Großbritanniens Inflation stieg im September von 3,1 auf 3,5 Prozent. Haupttreiber waren Kraftstoffe; zugleich nahm der Preisauftrieb bei Dienstleistungen zu. Die Wirtschaft bleibt robust: In den drei Monaten bis August wuchs sie um 0,7 Prozent. Für November erwarten die Märkte nahezu sicher eine Anhebung des Leitzinses von 3,75 auf vier Prozent. Danach sind binnen zwölf Monaten gut drei weitere Schritte um je 0,25 Prozentpunkte eingerechnet. Der Leitzins würde damit rund 4,75 Prozent erreichen. Zweijährige britische Staatsanleihen rentieren bereits mit rund 4,8 Prozent. Höhere Inflations- und Wachstumsprognosen der Bank of England würden die Zinserwartungen stützen. Fallen die Prognosen vorsichtiger aus, könnten die Anleihekurse steigen und spiegelbildlich die Renditen fallen. Für Privatanleger bietet sich daher ein gestaffelter Einstieg an, um laufende Erträge zu sichern und Spielraum für mögliche Kursrückgänge zu behalten.
Private Equity: Etablierte Manager halten rund 90 Prozent des Marktes
Die durchschnittliche Größe europäischer Private-Equity-Fonds hat sich innerhalb von drei Jahren auf etwa 350 Millionen Euro mehr als verdoppelt. Etablierte Manager, die bereits in der Vergangenheit erfolgreich Fonds aufgelegt haben, halten inzwischen einen Anteil am Gesamtmarkt von rund 90 Prozent. Für neue Manager ohne realisierte Erfolgsbilanz wird es zunehmend schwieriger, Investoren zu überzeugen. Ein Grund ist, dass die Haltedauer von Investitionen der PE-Fonds in den vergangenen Jahren gestiegen ist und damit auch die Dauer, bis eingezahltes Kapital an Anleger zurückgezahlt wird: Während in den vergangenen zehn Jahren im Durchschnitt jährlich rund 30 Prozent des Nettoinventarwerts zurückgezahlt wurden, sind die Rückzahlungen zuletzt auf unter 20 Prozent des Nettoinventarwerts gefallen. Insgesamt sammelten europäische PE-Fonds in den ersten drei Quartalen rund 65 Milliarden Euro von Investoren ein und erreichten damit gut drei Viertel des Gesamtvolumens von 2025. Anleger sollten in der aktuellen Marktlage weiterhin auf Manager setzen, die Unternehmen trotz Unsicherheiten skalieren und veräußern konnten und somit Kapital an Anleger zurückgeführt haben.
Kaffeemarkt: Rekordproduktion voraus – doch Risiken bleiben
Am globalen Kaffeemarkt zeichnet sich nach Jahren der Knappheit eine Trendwende ab. Für 2026/27 rechnen Analysten insbesondere dank einer sehr guten erwarteten brasilianischen Ernte mit einer Rekordproduktion von knapp 190 Millionen Säcken à 60 Kilogramm und einem Angebotsüberschuss in Höhe von rund zehn Millionen Säcken. Gleichzeitig wird aufgrund des hohen Preisniveaus wie bereits für 2025/26 ein leichter Rückgang der globalen Nachfrage erwartet.
Mittelfristig spricht dies für eine Entspannung bei den Kaffeepreisen – jedoch bestehen zwei Risiken, die kurzfristig für stärkere Kursschwankungen sorgen könnten. Zum einen sind die Börsenlagerbestände von Arabica-Kaffee auf den niedrigsten Stand seit 1999 gefallen. Diese Vorräte dienen dem Markt als eine Art Puffer, wenn Kaffee kurzfristig knapp wird. Zum anderen könnte das Wetterphänomen El Niño die Erwartung der Rekordernten durchkreuzen. Falls das Wetterphänomen in wichtigen Anbauregionen für trockenere und heißere Bedingungen sorgen würde, dürften Ernteausfälle und somit Preissteigerungen folgen.
Japans Exporte erhalten Rückenwind aus Technologie und Industrie
Die jüngsten Exportdaten unterstreichen die Stärke der japanischen Exportwirtschaft. Der Wert der Ausfuhren stieg im September um 16,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Treiber waren vor allem Halbleiter mit plus 49,9 Prozent und Anlagen zur Chipfertigung mit plus 43,9 Prozent. Die Dynamik beschränkte sich jedoch nicht auf KI-bezogene Produkte: Auch die Ausfuhren von Energieerzeugungsanlagen und elektrischen Maschinen legten um 28,0 Prozent und 22,6 Prozent zu. Anhaltende Investitionen in KI-Infrastruktur und bessere globale Wachstumsaussichten dürften die Gewinnentwicklung japanischer Exportunternehmen weiter stützen. Für den MSCI Japan Information Technology Index erwarten Analysten ein Gewinnwachstum von 131 Prozent im Jahr 2026 und 28,3 Prozent im Jahr 2027. Im Industriesektor werden 28,9 Prozent und 7,0 Prozent prognostiziert.
Weltindex mit Schlagseite: Wie gefährlich sind hohe Gewichtungen?
Weltweit investieren und automatisch breit diversifiziert sein? Ganz so einfach ist es nicht. In großen Aktienindizes wie dem MSCI World oder dem S&P 500 sorgen hochkapitalisierte US-Unternehmen für starke Länder-, Branchen- und Einzelwertgewichtungen. Gleichgewichtete Indizes und Varianten wie „World ex USA“ bieten Alternativen, sind aber nicht automatisch die bessere Wahl. Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und ich diskutieren in der aktuellen Folge unseres Börsenpodcasts die Vor- und Nachteile verschiedener Indexkonzepte und erklären, worauf Anleger bei der Auswahl achten sollten.
Zahl des Tages: 5.500
Olav II. Haraldsson gilt als der bedeutendste norwegische Herrscher des Mittelalters. Er nahm als junger Mann an Wikingerzügen teil, regierte als König von 1015 bis 1028, half, das Christentum in Norwegen zu verbreiten, und wurde schon bald nach seinem Tod als Heiliger verehrt. Fundstücke, die in direkter Verbindung zu Olav stehen, sind aber sehr selten. Ein solches hat jetzt Anne Skogsfjord vom Kulturhistorischen Museum in Oslo entdeckt. Die Archäologin katalogisierte den Mørstad-Schatz, einen großen Hortfund der Wikingerzeit mit über 5.500 Münzen. Dabei fiel ihr eine Silbermünze mit der Aufschrift ONLAV R+ NORMANORV und dem Abbild des Königs auf. Die Münze könnte in den letzten Regierungsjahren Olavs geprägt worden sein und diente wohl als Statussymbol: Münzen als Zahlungsmittel waren in Norwegen erst einige Jahrzehnte später verbreitet.
Ich wünsche Ihnen einen aufmerksamen Tag.
Herzlichst
Ihr Ulrich Stephan
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden
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