20. Februar 2026
Liebe Leserinnen und Leser,
US-Haushaltsdefizite weiten sich aus und Zolleinnahmen gewinnen an Bedeutung, Hyperscaler erhöhen ihre Investitionen stark, und der Gasturbinenmarkt profitiert von der steigenden Rechenzentrumsnachfrage.
US Haushaltsausblick: Höhere Defizite und stärkere Abhängigkeit von Importzöllen
Die überparteiliche Haushaltsbehörde des US-Kongresses (CBO) projiziert in ihrem aktualisierten Langfrist-Ausblick bis 2036 einen Anstieg der Defizitquote der US-Bundesregierung von aktuell 5,8 auf 6,7 Prozent. Erstmals werden alle erwarteten Auswirkungen des 2025 vom Kongress verabschiedeten Fiskalpakets berücksichtigt. Zentrale Annahme der CBO-Berechnungen sind kontinuierliche Mehreinnahmen aus den höheren US-Importzöllen, die sich über die nächsten zehn Jahre auf insgesamt 3,5 Billionen US-Dollar belaufen sollen. Dabei wird ein durchschnittlicher handelsgewichteter Zoll von 15 Prozent zugrunde gelegt, der allerdings mit weiteren Abkommen wahrscheinlich tiefer liegen sollte. Darüber hinaus könnte ein mögliches abschlägiges Urteil des Obersten Gerichtshofs zur Rechtsgrundlage der „reziproken“ Zölle die Einnahmebasis schwächen. Zwar verfügt die US-Administration vermutlich über alternative Zollpläne. Gelingt es jedoch nicht, den projizierten Schuldenpfad dauerhaft sicherzustellen, dürfte dies Sorgen über die Tragfähigkeit der US-Schuldenpolitik schüren.
Mittelfristig könnte der Druck auf US-Staatsanleihen wieder zunehmen und insbesondere bei längeren Restlaufzeiten zu anhaltend höheren Renditen beitragen.
Kapitalintensiver Umbau: Hyperscaler investieren massiv in Rechenzentren
„Hyperscaler“ – also die führenden US-Technologiekonzerne im Ausbau von Rechenzentren – liegen seit Anfang November rund 15 Prozentpunkte Gesamtrendite hinter dem S&P 500. Zwar fielen die jüngsten Quartalszahlen solide aus, doch sorgten die Ankündigungen stark steigender Investitionsausgaben für Zurückhaltung bei einigen Anlegern. Für die nächsten zwölf Monate werden bis zu 700 Milliarden US-Dollar erwartet. Damit wird das Geschäftsmodell der Hyperscaler zunehmend kapitalintensiv und bindet durch notwendige Reinvestitionen angesichts begrenzter Chip-Lebenszyklen dauerhaft Kapital. Dennoch gibt es aktuell keine Anzeichen dafür, dass die Nachfrage nachlässt. Im Gegenteil, die Märkte preisen derzeit erhebliches Disruptionspotenzial durch KI ein. Dies dürfte Unternehmen zu zusätzlichen Investitionen in entsprechende Technologien veranlassen und damit für strukturelle Nachfrage nach Rechenkapazität sorgen. Obwohl die Diskussionen rund um die hohen Investitionen der Hyperscaler anhalten dürften, bleiben die langfristigen Treiber intakt. Angesichts der Wachstumsperspektiven wirken die Bewertungen moderat: Das durchschnittliche erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis für die nächsten zwölf Monate liegt bei 24.
Gasturbinenmarkt 2025: Bestellungen auf höchstem Stand seit 2000
2025 war das stärkste Jahr für Gasturbinenbestellungen seit 2000 – die Aufträge stiegen im Jahresvergleich um 72 Prozent auf rund 100 Gigawatt (GW). Besonders hervorzuheben sind die USA: Dort stiegen die Bestellungen im Jahresvergleich um 165 Prozent auf etwa 43 GW. Das letzte Quartal war für 34 Prozent der Aufträge im Jahr 2025 verantwortlich und legte gegenüber dem Vorquartal um 48 Prozent zu. Haupttreiber ist das starke Wachstum der Stromnachfrage getrieben durch den Ausbau von Rechenzentren. Aufgrund der hohen Nachfrage kündigten die Hersteller umfangreiche Kapazitätserweiterungen an, was zu einer Ausweitung der Produktionskapazität von etwa 55 GW im Jahr 2025 auf knapp 87 GW im Jahr 2028 führen könnte. Der Markt für Gasturbinen ist stark konzentriert: Auf einige wenige große Unternehmen entfallen im Jahr 2025 fast 90 Prozent der Bestellungen. Da dies auch weiterhin so bleiben dürfte, scheint die Wertentwicklung gestützt – im bisherigen Jahresverlauf jedenfalls übertraf die Aktienkursentwicklung die der globalen Märkte deutlich.
US-Industrieproduktion übertrifft Erwartungen deutlich
Die US‑Industrieproduktion stieg im Januar um 0,7 Prozent und übertraf damit die Markterwartungen von 0,4 Prozent deutlich. Es handelt sich um den stärksten monatlichen Zuwachs seit elf Monaten. Die US‑Industrieproduktionszahlen unterstreichen eine anziehende Investitionsdynamik im amerikanischen Industriesektor. Da die Industrieproduktion einen wesentlichen Teil der realen Wertschöpfung abbildet, stützt dies zudem den Ausblick auf ein robustes gesamtwirtschaftliches Wachstum in den USA. Für 2026 erwarten Analysten ein solides Bruttoinlandsproduktwachstum im Bereich von 2,5 Prozent. Zusätzliche Impulse für den Industriesektor sind in diesem Jahr vom Fiskalpaket „One Big Beautiful Bill Act“ zu erwarten, das umfangreiche Investitionsanreize und Steuersenkungen für Unternehmen vorsieht. Damit bleiben US‑Industriewerte weiterhin gut unterstützt und bieten sich als Diversifikationsbaustein im Portfolio an, wenngleich sie nicht günstig bewertet sind. Mit einem Kurs‑Gewinn‑Verhältnis von rund 27 notieren US‑Industriewerte aktuell deutlich oberhalb ihres Zehn-Jahres-Durchschnitts.
KI‑Rotation: Software unter Druck, Hardware im Vorteil
Künstliche Intelligenz (KI) prägt die aktuelle Sektorrotation: Softwarewerte geraten unter Druck, während Hardware und Halbleiter profitieren. Zugleich liefert die Berichtssaison positive Überraschungen, und mit der Idee des designierten Fed-Chefs Kevin Warsh zur engeren Treasury–Fed‑Abstimmung rückt die Zinspolitik in den Fokus. Wie sich das auf Bewertungen und Anlagestrategien auswirkt, analysieren Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und ich in der aktuellen Folge unseres Börsenpodcasts.
Zahl des Tages: 19
Wer hätte nicht schon mal eine Geheimzahl vergessen? Ärgerlich genug – doch wirklich unangenehm wäre es, sich nicht mehr an die Ziffernkombination zu einem Safe zu erinnern. Der US-Amerikaner Nelson Dellis hat dieses Problem mit einer speziellen Gedächtnistechnik gelöst und seine Fähigkeiten in einer italienischen Fernsehshow demonstriert: Dellis knackte 19 von 20 Safes mit sechsstelligen Zahlencodes, die er sich zuvor nur zwei Minuten lang einprägen durfte. Fast hätte der Gedächtniskünstler die Bestleistung noch auf perfekte 20 Safes gesteigert – doch die letzte Tür öffnete sich wenige Sekunden, nachdem die erlaubte Frist von vier Minuten abgelaufen war.
Seien Sie heute offen für Neues.
Herzlichst
Ihr Ulrich Stephan
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden
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