PERSPEKTIVEN am Morgen

Starten Sie gut informiert
in den Tag

Tägliche Kapitalmarkteinschätzungen von Dr. Ulrich Stephan,
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden.
Jeden Morgen um 7.00 Uhr in Ihrem E-Mail-Postfach.

30. Juli 2026

Liebe Leserinnen und Leser,

in einem ohnehin nervösen Zinsumfeld interpretiert der Aktienmarkt die Entscheidung der Fed, die Zinsen nicht anzupassen, als möglicherweise zu langes Zögern. Der Dow Jones ging über 1.150 Punkte in die Knie, der S&P 500 gab 1,5 Prozent nach und der NASDAQ-100 sank um über zwei Prozent. Die nach Börsenschluss veröffentlichten Daten amerikanischer Technologiekonzerne fielen gemischt aus.

Lucas-Kritik prägt neue Kommunikationsstrategie der Fed

Die US-Notenbank hat ihren Leitzins gestern bei 3,5 bis 3,75 Prozent belassen. Der für mich spannendste Hinweis in der Pressekonferenz von Fed-Chef Kevin Warsh zielte auf die sogenannte Lucas-Kritik. Der US-Ökonom Robert Lucas hatte gesagt, dass Menschen ihr Verhalten anpassen, sobald sich die Politik ändert. Das ist der Grund, warum das FOMC keine Voraussagen mehr zu künftigen Handlungen oder Entscheidungen machen möchte. Denn nach den Voraussagen richten sich die Finanzmärkte. Kevin Warsh möchte die Preise an den Märkten jedoch als Signal – nicht perfekt, aber ohne Beeinflussung durch Fed-Vorhersagen – beobachten. Beispielsweise seien nominale und reale Renditen in den vergangenen Wochen gestiegen. Offensichtlich erkenne der Markt das solide Wachstum der US-Volkswirtschaft ebenso wie die zu hohe Inflation und reagiere darauf. Der Zinsentscheid selbst wurde dabei fast zur Nebensache. Die Renditen zweijähriger US-Staatsanleihen fielen steil von 4,33 auf 4,23 Prozent. Der US-Dollar gab gegen den Euro deutlich ab. Trotz der Betonung Kevin Warshs, dass das Inflationsziel bei zwei Prozent hart sei, scheinen die Märkte zu zweifeln. Die Inflationserwartungen stiegen erheblich und mit ihnen die Renditen 30-jähriger US-Staatsanleihen, die mit 5,2 Prozent den höchsten Stand seit 2007 erreichten.

US-Renditen im Aufwind: Fiskalrisiken rücken in den Fokus

Die US-Renditen zogen im Juli laufzeitübergreifend an: zweijährige US-Treasuries legten um 0,06 Prozentpunkte auf knapp 4,23 Prozent zu, zehn- und 30-jährige Titel sogar um jeweils rund 0,25 Prozentpunkte auf 4,68 und 5,20 Prozent. Am langen Ende verlangen Anleger angesichts wachsender fiskalischer Risiken höhere Laufzeitenprämien; das Defizit des laufenden US-Bundeshaushalts könnte zwei Billionen US‑Dollar übersteigen. Am kurzen Ende spiegeln höhere Renditen die Sorge vor zusätzlichen Inflationsimpulsen und einer restriktiveren US-Notenbank wider. Interessanterweise verharren die an den Märkten eingepreisten längerfristigen Inflationserwartungen seit 2023 zwischen 2,2 und 2,4 Prozent. Offensichtlich trauen die Märkte einer unabhängigen Fed zu, Preisstabilität zu gewährleisten, zweifeln jedoch zunehmend an der fiskalischen Solidität der USA.

Zinsdifferenzen sorgen für Gegenwind beim Schweizer Franken

Der Schweizer Franken hat im Juli den zweiten Monat in Folge gegenüber dem Euro nachgegeben – das gab es zuletzt Anfang 2025. Seit Anfang Juni verlor die Währung rund 2,5 Prozent, nachdem sie im März noch ein Elf-Jahres-Hoch erreicht hatte. Zusätzlichen Druck brachte Anfang dieser Woche ein Bericht, wonach die Schweizerische Nationalbank den Leitzins bis Ende 2027 bei null Prozent belassen könnte. Dies wäre länger als an den Zinsterminmärkten bislang erwartet: Dort wird eine erste Zinserhöhung bis Juni 2027 eingepreist. Damit bliebe der Zinsnachteil gegenüber Euro und US-Dollar bestehen. Das macht den Schweizer Franken als Finanzierungswährung für Anlagen in höher verzinsten Währungen – bei sogenannten Carry-Trades – attraktiver. Trotz höherer Ölpreise und eines schwächeren Frankens dürfte der Inflationsdruck derzeit kaum ausreichen, um eine baldige Straffung der Geldpolitik auszulösen. Der Gegenwind für den Franken könnte daher anhalten.

Ausverkauf in Seoul – KI-Boom stützt die Gewinnstory

Der südkoreanische Leitindex KOSPI hat seit seinem Hoch am 22. Juni in Euro rund 40 Prozent verloren.

Wertentwicklung des südkoreanischen Aktienmarktes in Euro und inklusive Dividenden von 2021 bis 2026.

Ausgelöst wurde der Abverkauf durch Gewinnmitnahmen nach der starken Rally – im bisherigen Jahresverlauf liegt der Index weiterhin rund 46 Prozent im Plus. Ausländische Investoren zogen in diesem Jahr durch Aktienverkäufe rund 100 Milliarden Euro ab. Institutionelle Investoren reduzierten wegen Mandatslimits und erhöhter Volatilität ihre rallybedingt erhöhten Positionen. Gehebelte ETFs in Südkorea verstärkten den Abverkauf, weil sie infolge der Kursrückgänge Positionen zwangsweise abbauen mussten. Ihr Volumen hat sich inzwischen halbiert, während eine neue Regulierung weiteres Wachstum begrenzt. Die hohe Volatilität bleibt ein Risiko, dürfte mit sinkendem ausländischen Kapital und strengeren Regeln für gehebelte ETFs aber nachlassen. Mittelfristig stützt der Boom im Bereich Künstliche Intelligenz (KI) weiterhin die Gewinne. Aufgrund der anhaltend hohen Speicherchip-Nachfrage erwarten Analysten ein Gewinnwachstum der KOSPI-Firmen von über 70 Prozent in den nächsten zwölf Monaten.

Rohstoffe, KI, günstige Bewertungen: Lateinamerika im Aufwind

Die Schwellenländer sind zurück im Fokus der Anleger – und Lateinamerika gehört zu den Gewinnern. Dank der steigenden Nachfrage nach Kupfer, Lithium und anderen Rohstoffen profitiert die Region indirekt gleich mehrfach von den Megatrends Künstliche Intelligenz (KI), Elektrifizierung und Energiewende. Ist der Markt einen Blick wert? Darüber sprechen Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und ich in der aktuellen Folge unseres Börsenpodcasts.

Zahl des Tages: 15

Japan leidet vielerorts unter der Sommerhitze – so sehr, dass die japanische Wetterbehörde in diesem Jahr eine neue Kategorie, „extremer Hitzetag“, für Temperaturen jenseits der 40-Grad-Marke eingeführt hat. Um solche Extremtage besser zu überstehen, haben japanische Unternehmen jetzt einen begehbaren Kühlschrank entwickelt. Die Edelstahlbox ist rund zwei Meter hoch, kann an eine normale Steckdose angeschlossen werden und hält im Inneren eine Temperatur von konstant 15 Grad Celsius. Schon fünf Minuten Aufenthalt im Inneren sollen ausreichen, um den Körper merklich abzukühlen. Gedacht ist die Kühlkabine vor allem für den professionellen Einsatz – etwa für Menschen, die auf dem Bau, in der Landwirtschaft oder bei Veranstaltungen der heißen Sonne ausgesetzt sind.

Atmen Sie heute einmal tief durch.

Herzlichst

Ihr Ulrich Stephan

Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden

"PERSPEKTIVEN am Morgen" - Newsletter

Erhalten Sie den Marktkommentar von Dr. Stephan jeden Morgen als E-Mail direkt in Ihren Postkorb.

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.

Anrede

Mit der Registrierung habe ich die Datenschutzbestimmungen der Deutschen Bank zur Kenntnis genommen.

Dr. Ulrich Stephan

Sie erhalten nach der Registrierung eine E-Mail an die von Ihnen angegebene Adresse. Bitte bestätigen Sie Ihre Anmeldung mit dem dort enthaltenen Link.

Sie können sich jeder Zeit, zum Beispiel in jeder E-Mail-Ausgabe von "PERSPEKTIVEN am Morgen", wieder abmelden. Es besteht kein Rechtsanspruch auf den täglichen Erhalt des Newsletters.

Das könnte Sie auch interessieren

Perspektiven Newsletter

PERSPEKTIVEN im Fokus

Fundierte Einschätzungen zu relevanten Ereignissen für die Kapitalmärkte

Perspektiven Podcast

PERSPEKTIVEN To Go

Aktuelle Marktentwicklungen im Podcast

WICHTIGE HINWEISE:
Bei diesen Informationen handelt es sich um Werbung. Diese Texte genügen nicht allen gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit von Anlage- und Anlagestrategieempfehlungen oder Finanzanalysen. Es besteht kein Verbot für den Ersteller oder für das für die Erstellung verantwortliche Unternehmen, vor beziehungsweise nach Veröffentlichung dieser Unterlagen mit den entsprechenden Finanzinstrumenten zu handeln. Die in diesem Text gemachten Angaben stellen keine Anlageempfehlung, Anlageberatung oder Handlungsempfehlung dar, sondern dienen ausschließlich der werblichen Information. Die Angaben ersetzen nicht eine auf die individuellen Verhältnisse des Anlegers abgestimmte Beratung. Die Information ist mit größter Sorgfalt erstellt worden. Bei Prognosen über Finanzmärkte oder ähnlichen Aussagen handelt es sich um unverbindliche Informationen.

Soweit hier konkrete Produkte genannt werden, sollte eine Anlageentscheidung allein auf Grundlage der verbindlichen Verkaufsunterlagen getroffen werden.

Die vollständigen Angaben zum jeweiligen Fonds sind dem Basisinformationsblatt und dem Verkaufsprospekt, ergänzt durch den jeweiligen letzten geprüften Jahresbericht und den jeweiligen Halbjahresbericht, falls ein solcher jüngeren Datums als der letzte Jahresbericht vorliegt, zu entnehmen. Diese Unterlagen stellen die allein verbindliche Grundlage des Kaufs von Anteilen des jeweiligen Fonds dar. Sie sind in elektronischer oder gedruckter Form kostenlos bei Ihrem Berater erhältlich. Weitere ausführliche allgemeine Informationen zu Investmentfonds enthält zudem die Broschüre „Basisinformation über Wertpapiere und weitere Kapitalanlagen“, welche ebenso kostenlos bei Ihrem Berater erhältlich ist.

Jede Geldanlage ist mit Risiken verbunden. Es gibt keine Garantie und Marktschwankungen können zu Verlusten bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen. Über die speziellen Risiken eines Wertpapierprodukts informieren die gesetzlich vorgeschriebenen Verkaufsunterlagen. Wertentwicklungen in der Vergangenheit und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung. Sofern es in diesem Dokument nicht anders gekennzeichnet ist, geben alle Meinungsaussagen die aktuelle Einschätzung der Deutschen Bank wieder, die sich jederzeit ändern kann.

ZUM THEMA NACHHALTIGKEIT:
Derzeit fehlt es an einheitlichen Kriterien und einem einheitlichen Marktstandard zur Bewertung und Einordnung von Finanzdienstleistungen und Finanzprodukten als nachhaltig. Dies kann dazu führen, dass verschiedene Anbieter die Nachhaltigkeit von Finanzdienstleistungen und Finanzprodukten unterschiedlich bewerten. Zudem sind die gesetzlichen Vorgaben zur Offenlegung der Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien und zum Umgang mit dem Thema ESG (Environment = Umwelt, Social = Soziales, Governance = Unternehmensführung) und Sustainable Finance (nachhaltige Finanzwirtschaft) einem stetigen Wandel unterworfen. Die Auslegung der relevanten gesetzlichen Regelungen ist zudem nicht eindeutig und abschließend. All dies kann dazu führen, dass gegenwärtig als nachhaltig bezeichnete oder beworbene Finanzdienstleistungen und Finanzprodukte die künftigen gesetzlichen Anforderungen an die Qualifikation als nachhaltig oder als Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigend nicht erfüllen.

Soweit in dieser Marketinginformation von Deutsche Bank die Rede ist, bezieht sich dies auf die Deutsche Bank AG, Taunusanlage 12, 60325 Frankfurt, Deutschland.

© Deutsche Bank AG 2026

Zum Schutz Ihrer persönlichen Daten werden das Video und die Verbindung zu YouTube erst nach einem Klick aktiv. Bereits beim Aktivieren des Videos werden personenbezogene Daten (IP-Adresse) an YouTube bzw. Google gesendet und gegebenenfalls auch dort gespeichert. Wenn Sie den Button "Video aktivieren" anklicken, wird ein Cookie auf Ihrem Computer gesetzt, sodass die Website weiß, dass Sie dem Anzeigen von eingebetteten Videos in Ihrem Browser zugestimmt haben. Weitere Details zu den von Google erhobenen Daten finden Sie unter https://policies.google.com/privacy.