11. September 2026
Liebe Leserinnen und Leser,
die EZB hebt ihre Leitzinsen sowie ihre Inflationsprognosen an, Aktien globaler Energieunternehmen steigen aufgrund höherer Energiepreise seit Jahresbeginn um knapp 46 Prozent, und die Exportdaten Taiwans für August untermauern die positive Entwicklung des Technologiesektors.
Nach EZB-Entscheid: Terminmärkte erwarten weitere Zinsanhebungen
Die Europäische Zentralbank erhöhte die Leitzinsen erwartungsgemäß erneut. Der Einlagenzins liegt nun bei 2,5 Prozent. Zugleich hob sie ihre Inflationsprognosen für 2027 und 2028 leicht an und erwartet für 2026 und 2027 ein höheres Wirtschaftswachstum als noch im Juni. Da die Inflation laut den Währungshütern voraussichtlich länger deutlich über dem Zielwert von zwei Prozent bleiben wird, rechnen die Terminmärkte bis Juni 2027 mit drei weiteren Zinsschritten um jeweils 0,25 Prozentpunkte. Eine Rolle dürften hierbei auch die gestern merklich gestiegenen Erdöl- und Erdgaspreise gespielt haben – ein Inflationsrisiko, dass Lagarde im Rahmen ihrer Pressekonferenz explizit erwähnte. Die übrigen Marktreaktionen fielen verhalten aus. Die Anleiherenditen waren bereits vor der Sitzung gestiegen. Der Euro holte seine anfänglichen Verluste gegenüber dem US-Dollar auf und legte auch gegenüber zahlreichen anderen Währungen zu.
US-Produzentenpreise steigen vor Fed-Zinsentscheid stärker als erwartet
Mit den erneut gestiegenen Energiepreisen zog auch der US-Erzeugerpreisindex (PPI) im August an. Der Gesamtindex stieg gegenüber dem Vormonat um 0,4 Prozent nach revidierten 0,1 Prozent im Juli. Maßgeblich waren die gestiegenen Energiepreise. Die Jahresrate erhöhte sich von 4,3 auf 4,6 Prozent. Der monatliche Kern-PPI verlangsamte sich hingegen auf 0,2 Prozent nach revidierten 0,3 Prozent im Juli. Treiber waren vor allem Rechtsdienstleistungen, Passagierluftverkehr und Krankenhausleistungen, die auch in den von der US-Notenbank bevorzugten Kern-PCE-Preisindex einfließen. Die heutigen Verbraucherpreisdaten für August dürften vor der Fed-Sitzung am Mittwoch weitere Hinweise für die Zinsentscheidung liefern. Zuletzt preisten die Märkte eine Zinserhöhung um 0,25 Prozentpunkte mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 70 Prozent ein.
Globale Energiewerte bleiben trotz Kursrally moderat bewertet
Aktien globaler Energieunternehmen sind gemessen am MSCI Energy Index seit Jahresbeginn in Euro um knapp 46 Prozent gestiegen. Maßgeblich dafür waren die höheren Energiepreise.
Was für die Konjunktur ein Risiko darstellt, kann im Portfolio stabilisierend wirken: Höhere Energiepreise verstärken den Inflationsdruck und belasten Verbraucher sowie Unternehmen, unterstützen zugleich aber die Gewinne vieler Energieunternehmen. Energiewerte können daher in Phasen geopolitisch bedingter Energiepreisanstiege von einem günstigeren Umfeld profitieren. Solide Bilanzen, attraktive Ausschüttungen und verbesserte Produktionsaussichten bleiben unterstützende Faktoren. Die erwarteten Bewertungskennzahlen erscheinen trotz der starken Kursentwicklung weiterhin moderat. Der Abschlag gegenüber dem Gesamtmarkt ist jedoch auch Ausdruck des zyklischen Ertragsprofils, da die derzeit hohen Gewinne bei wieder sinkenden Energiepreisen unter Druck geraten könnten.
Taiwan: Exportboom stärkt Ausblick für Technologieaktien
Die Exportdaten Taiwans für August untermauern die positive Entwicklung des Technologiesektors. Die Ausfuhren stiegen um 41,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr nach 32,9 Prozent im Juli und übertrafen damit die Konsensschätzung von 34,7 Prozent. Treiber waren vor allem technologiebezogene Exporte, gestützt durch anhaltend robuste Nachfrage und höhere Exportpreise. Zudem erreichten die Exportvolumina in die USA sowie nach China und Japan Höchststände. Vor diesem Hintergrund bleibt der Ausblick für taiwanische Aktien konstruktiv. Anhaltende Investitionen in die Halbleiterindustrie und Künstliche-Intelligenz-Infrastruktur dürften exportorientierte Unternehmen weiter unterstützen. Analysten erwarten für den Leitindex TAIEX ein Wachstum des Gewinns je Aktie von 68 Prozent im Jahr 2026 und 30 Prozent im Jahr 2027.
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Erschließen Sie heute Neuland.
Herzlichst
Ihr Ulrich Stephan
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden
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