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Tägliche Kapitalmarkteinschätzungen von Dr. Ulrich Stephan,
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17. Juni 2026

Liebe Leserinnen und Leser,

europäische Aktien könnten aufgrund nachlassender Unsicherheiten in den Vordergrund rücken, der MSCI Saudi Arabia Index steigt nach der vorläufigen Verständigung USA–Iran nur leicht, und die Bank of Japan hebt ihren Leitzins auf den höchsten Stand seit 1995 an.

Nachlassende Unsicherheiten könnten europäische Aktien stärken

Die Marktbreite an den globalen Aktienmärkten war zuletzt nicht ausgeprägt: Nur ein geringer Anteil der Aktien weltweit entwickelte sich auf Drei-Monats-Sicht besser als der Gesamtmarkt. Allerdings könnten die zuletzt nachlassenden geopolitischen Unsicherheiten den Risikoappetit der Anleger stützen und zu einem breiteren Aufschwung führen. Insbesondere könnten zyklische Aktien, die in Europa stark vertreten sind, in den Vordergrund rücken. Auch fundamental spricht einiges für Europa. Der STOXX 600 wird mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwa 14 gehandelt, was in etwa dem Zehn-Jahres-Median entspricht.

Kurs-Gewinn-Verhältnis des STOXX 600 auf Basis der erwarteten Gewinne in den jeweils kommenden 12 Monaten.

Für die nächsten zwölf Monate erwarten Analysten für STOXX-600-Unternehmen ein Gewinnwachstum von über zwölf Prozent und die nachlassenden Risiken könnten weitere Impulse geben. Insgesamt erscheinen europäische Aktien wieder attraktiver – insbesondere, wenn sich die Gewinnbasis verbreitert.

Friedensabkommen USA–Iran: MSCI Saudi Arabia reagiert nur verhalten

Die vorläufige Verständigung zwischen den USA und dem Iran wurde von den globalen Aktienmärkten zu Wochenbeginn positiv aufgenommen – der MSCI Saudi Arabia stieg hingegen lediglich um etwa 0,5 Prozent. Gebremst wurde der Index vor allem durch den Energiesektor, der knapp 15 Prozent der Indexgewichtung ausmacht und seit der Ankündigung am Sonntag um über ein Prozent nachgegeben hat. Zwar dürfte eine schrittweise Wiedereröffnung der Straße von Hormus die saudischen Ölexporte wieder auf ein Niveau von knapp sieben Millionen Barrel pro Tag erhöhen, jedoch dürfte dies mit niedrigeren Ölpreisen einhergehen. Seit Beginn des Nahostkonflikts konnte Saudi-Arabien rund 65 Prozent seiner Vorkrisenexporte über die Petroline-Pipeline zum Roten Meer umleiten. Die bis zuletzt erhöhten Ölpreise kompensierten somit verbleibende Exportausfälle infolge der Schließung der Straße von Hormus weitgehend. Eine Wiederaufnahme der vollen Exportvolumina dürfte die Belastung durch sinkende Ölpreise zumindest abfedern. Terminmärkte sehen den Brent-Ölpreis in sechs Monaten bei rund 78 US-Dollar je Barrel – deutlich über dem Vorkrisenniveau von 65 US-Dollar. Insgesamt dürfte der saudische Energiesektor die Belastung durch fallende Ölpreise dank allmählich steigender Exportvolumina bewältigen können. 

Während kurzfristig moderater Gegenwind im Energiesektor bestehen könnte, verbessern sich die mittelfristigen Wachstumsperspektiven jedoch spürbar. Seit der Ankündigung der vorläufigen Verständigung haben Analysten ihre Wachstumsprognosen für 2026 nach oben revidiert – laut Marktkonsens wird für 2026 ein Wirtschaftswachstum von 1,8 Prozent erwartet. Die verbesserten Aussichten sind zum einen auf eine erwartete Normalisierung der Ölexporte über die Straße von Hormus zurückzuführen, was die gesamtwirtschaftliche Entwicklung unterstützen dürfte. Zum anderen dürfte ein verbessertes Investitionsklima den Nicht‑Ölsektor stärken, der rund 75 Prozent zur Wirtschaftsleistung beiträgt. Dieser ist auch im MSCI Saudi Arabia stark vertreten, insbesondere durch Finanzwerte, die 46 Prozent des Index ausmachen. Insgesamt erwies sich der MSCI Saudi Arabia während der Nahostkrise als widerstandsfähig und verzeichnet seit Beginn des Konflikts einen Anstieg von über zwölf Prozent. Gleichzeitig bestehen weiterhin Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem Friedensprozess. Aktuell liegt das Kurs‑Gewinn‑Verhältnis des MSCI Saudi Arabia rund 15 Prozent unter dem Fünf-Jahres-Durchschnitt, sodass für risikobereite Anleger eine vorsichtige Beimischung saudischer Aktien in Betracht kommen kann.

Japan: Zinsentscheid setzt Anleihen unter Druck, Aktienmarkt bleibt robust

Die Bank of Japan (BoJ) hat den Leitzins wie erwartet um 0,25 Prozentpunkte auf 1,0 Prozent angehoben – den höchsten Stand seit 1995. Die Notenbank deutete außerdem an, dass weitere Zinserhöhungen folgen könnten. Die Inflation ohne schwankungsanfällige Preise für Lebensmittel und Energie nähert sich mit 1,9 Prozent im April auf Zwölf-Monats-Sicht dem Ziel von zwei Prozent. Die Finanzierungsbedingungen bleiben aber weiterhin vergleichsweise locker. Aktuell kauft die BoJ zudem japanische Staatsanleihen im Umfang von 2,7 Billionen Yen pro Monat. Bis zum ersten Quartal 2027 sollen diese Käufe schrittweise sinken; ab April 2027 sollen sie bei rund zwei Billionen Yen – rund 10,7 Milliarden Euro – pro Monat stabil bleiben. Nach der Ankündigung gerieten japanische Staatsanleihen unter Druck. Die Rendite zehnjähriger Anleihen stieg um 0,07 Prozentpunkte auf 2,64 Prozent. Das belastet Anleihen, weil steigende Renditen mit fallenden Anleihekursen einhergehen. Der japanische Aktienmarkt blieb dagegen robust; der Nikkei 225 legte um 0,42 Prozent zu und bewegt sich weiter nahe Rekordniveau, was durch die jüngste Deeskalation am Golf unterstützt wird. Für japanische Aktien bleibt das Umfeld konstruktiv, solange die Wirtschaft stabil bleibt und Unternehmensgewinne weiterwachsen.

Warum die Wall Street davoneilt – und der DAX hinterherhinkt

Die Wall Street eilt von Rekord zu Rekord, während der DAX nicht Schritt halten kann. Dahinter stehen konjunkturelle Unterschiede – aber auch strukturelle Faktoren: Deutschland bietet weniger Tech und Künstliche Intelligenz, der DAX ist zyklischer aufgestellt, und der deutsche Kapitalmarkt spielt international eine kleinere Rolle. Was das für die Depotaufstellung von Anlegern bedeutet, erfahren Sie von Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und mir in der aktuellen Folge unseres Börsenpodcasts.

Zahl des Tages: 47

Seit Jahrzehnten überwachen Forscher und tausende freiwillige Helfer die Bestandsentwicklung von Schmetterlingen in Europa. Dabei werden Daten aus aktuell über 16.150 standardisierten Messlinien (sogenannten Transekten) gesammelt und zu einem EU-weiten Index der Grünlandschmetterlinge zusammengefasst. Dieser zeigt einen deutlichen Rückgang der Bestände: Von 1991 bis 2024 fiel der EU-Schmetterlingsindex um 47 Prozent. Als Ursachen nennen die Herausgeber den Verlust von Lebensräumen, die intensive Landwirtschaft sowie Stickstoffeinträge und Pestizide. Schmetterlinge sind nicht nur hübsch anzusehen, sondern auch wichtige Bioindikatoren – Grund genug, zu hoffen, dass der Index bald zu einer Erholung ansetzt. 

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Herzlichst

Ihr Ulrich Stephan

Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden

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