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6. Oktober 2022

Liebe Leserinnen und Leser,

die OPEC+-Länder einigen sich auf eine geringere tägliche Höchstfördermenge, die Berichtssaison zum dritten Quartal steht vor der Tür, und europäische Chemiefirmen geben Gewinnwarnungen heraus.


OPEC+ verknappt das Ölangebot

Die OPEC+-Länder einigten sich im Rahmen ihrer gestrigen Sitzung darauf, die täglichen Höchstfördermengen um zwei Millionen Barrel zu verringern. Dies ist die größte Produktionskürzung seit Beginn der Covid-19-Pandemie im Winter 2020. Allerdings haben in den vergangenen Monaten viele Staaten der OPEC+ weit weniger „schwarzes Gold“ gefördert als erlaubt. Besonders Nigeria und Angola waren wegen Produktionsunterbrechungen nicht in der Lage, ihre genehmigten Quoten auch nur annähernd auszunutzen. Analysten vermuten deshalb, dass die Reduzierung der potenziellen Höchstfördermengen um zwei Millionen Barrel in der Realität lediglich eine Angebotsverknappung um rund 700.000 bis 800.000 Barrel zur Folge haben wird. Dennoch könnte der Ölmarkt nun im vierten Quartal ein moderates Angebotsdefizit aufweisen. In diesem Fall dürften die Ölpreise auf hohem Niveau verharren. Da einige Ölminister bereits im Vorfeld ihre Präferenz für eine Förderkürzung in dieser Größenordnung geäußert und die Märkte diese deshalb eingepreist hatten, änderten sich die Notierungen an den Ölmärkten gestern kaum.


Berichtssaison Europa: robustes Gewinnplus erwartet

Die Berichtssaison für das dritte Quartal steht vor der Tür. Analysten zufolge sollen die STOXX-600-Unternehmen, die vierteljährlich Zahlen vorlegen, einen Gewinn- und Umsatzsprung von knapp 32 beziehungsweise 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr ausweisen. Zurückzuführen ist dies in erster Linie auf Versorger sowie auf Öl- und Gasunternehmen, die ihre Gewinne um 195 beziehungsweise um 156 Prozent ausgeweitet haben sollen. Mit Ausnahme von Herstellern von Grundstoffen mit minus 16 Prozent sollten aber auch die anderen Sektoren ein robustes Profitwachstum von zwei bis 39 Prozent verzeichnen. Zusätzlichen Rückenwind erhalten die Gewinne vom schwachen Euro sowie von der hohen Inflation. Aktuelle Schätzungen deuten auf eine ebenfalls hohe Gewinndynamik im vierten Quartal hin, ehe diese dann im Jahr 2023 zum Stillstand kommen soll. Die Annahme stagnierender Gewinne im Jahr 2023 könnte sich allerdings als zu optimistisch erweisen. Überdurchschnittlich viele Unternehmen könnten die für 2023 gesteckten Ziele wegen der sich abkühlenden Weltkonjunktur kappen, was Gewinnrevisionen nach sich ziehen würde. Zwar dürfte der STOXX 600 mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von knapp elf bereits deutliche Gewinnrückgange einpreisen. Sollten sich diese aber materialisieren, wären europäische Aktien nicht mehr sonderlich günstig bewertet.


Europa: Chemiefirmen geben Gewinnwarnungen heraus

Im Vorfeld der Berichtssaison für das dritte Quartal haben zahlreiche europäische Chemieunternehmen Gewinnwarnungen herausgegeben. Besonders häufig begründeten die Konzerne ihre schlechten Ergebnisse mit der Schwäche im europäischen und chinesischen Baugewerbe. Zudem sind die Margen im sogenannten Steamcracken – dem Herstellungsprozess wichtiger chemischer Zwischenprodukte wie Wasserstoff, Methan oder Ethen aus langkettigen Kohlenwasserstoffen – deutlich gesunken. Den Unternehmen fällt es wegen der schwindenden Nachfrage zunehmend schwer, die stark gestiegenen Kosten für Energie und Rohstoffe an ihre Kunden weiterzureichen. Laut dem Branchenportal ICIS hat dies dazu geführt, dass jene Cracker, die besonders energieintensiv produzieren beziehungsweise deren Produkte eine niedrige Vermarktbarkeit aufweisen, vielfach bereits stillstehen. Vor diesem Hintergrund denke ich, dass der Sektor seinen Abwärtstrend auch im vierten Quartal fortsetzen wird.


Potenzial für asiatische Schwellenländeraktien

Die Kurse asiatischer Schwellenländeraktien sind seit ihrem Allzeithoch im Februar 2021 bis dato um etwa 30 Prozent in Euro gesunken. Eine globale Risikoaversion sowie die stärkste Aufwertungsphase des US-Dollars seit den 1980er Jahren haben in den vergangenen Monaten auch auf asiatischen Märkten zu massiven Kapitalabflüssen geführt. Der starke Wachstumseinbruch in China sowie Rezessionssorgen in den USA und in Europa haben zudem seit Mai 2022 die Gewinnerwartungen asiatischer Aktien um gut zwei Drittel einbrechen lassen. Insbesondere die Märkte in Taiwan und in Südkorea kamen wegen ihrer hohen zyklischen Gewichtung unter die Räder. Mittlerweile sollten die meisten Risiken jedoch eingepreist sein.

Voraussetzung für eine nachhaltige Umkehr der Kapitalströme dürften allerdings ein abnehmender Druck auf die Fed und ein weniger starker US-Dollar sein – beispielsweise durch einen sich weiter entspannenden US-Arbeitsmarkt und eine abnehmende Inflationsdynamik. Ein Fortschreiten der wirtschaftlichen Erholung Chinas wäre ebenfalls entscheidend, um das Anlegervertrauen in die Region dauerhaft zu stärken. Bei einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 10,7 könnten asiatische Aktien Anlegern mittelfristig interessante Kurspotenziale bieten.


Wann endet die Börsentalfahrt?

Rekordinflation, Rezessionssorgen sowie der Russland-Ukraine-Krieg hinterlassen ihre Spuren. Die Aktienmärkte verzeichneten in den ersten neun Monaten des Jahres massive Verluste. Wann hat die Börsentalfahrt ein Ende? Das erfahren Sie von mir im Gespräch mit Finanzjournalistin Jessica Schwarzer.


Was diese Woche wichtig wird

    Donnerstag

    • Deutschland | Der Auftragseingang in der Industrie sollte im August leicht gesunken sein. Neben den hohen Energiepreisen dürften sich auch die niedrigen Wasserstände im Rhein nachteilig ausgewirkt haben. Rückläufige Aufträge wirken sich negativ auf die zu erwartenden Gewinne der Unternehmen aus.
    • Ungarn | Die Industrieproduktion sollte im August weiter auf Hochtouren gelaufen sein. Erwartet wird ein Anstieg von über acht Prozent gegenüber dem Vorjahr. Ungarische Staatsanleihen könnten unter Druck bleiben.
    • Eurozone | Es wird ein leichter Rückgang des Einzelhandelsumsatzes im August erwartet, was auf europäischen Aktien lasten könnte.

    Freitag

    • Deutschland | Die Industrieproduktion dürfte im August wieder geschrumpft sein, worunter der Euro leiden könnte.
    • Deutschland | Einzelhandelsumsatz im August. Die seit Längerem bescheidene Konsumentenlaune dürfte sich in einem ausgeprägten Rückgang der Umsätze im stationären Einzelhandel bemerkbar machen.
    • USA | Arbeitslosenquote im September. Mit einem zu erwartenden Beschäftigungsanstieg von 250.000 dürfte die Arbeitslosenquote bei niedrigen 3,7 Prozent verharren, sofern die Arbeitsmarktpartizipation nicht unerwartet steigt. Der Druck auf die Fed könnte sich damit noch verstärken. Anleihen-, Aktien- und Devisenmärkten könnte eine weitere holprige Woche bevorstehen.


          Zahl des Tages: 2

          3D-Drucker sind vielseitig anwendbar, stoßen aber manchmal an ihre Grenzen: Die meisten können nur Gegenstände drucken, die kleiner sind als sie selbst. Mirko Kovac vom Imperial College London hat das Problem auf elegante Weise gelöst – er lässt die Drucker in die Luft steigen. Kovacs Team kombiniert eine 3D-Drucker-Drohne und eine Scanner-Drohne zu einem Tandem, das gemeinsam größere Objekte fertigen kann. In Versuchen errichtete das Duo selbstständig einen stabilen Schaumstoffzylinder von zwei Metern Höhe. Künftig könnten die Flugmaschinen Hochhausfassaden reparieren – oder sogar für Bauarbeiten auf dem Mars eingesetzt werden.

          Erledigen Sie Ihre Arbeit heute im Flug.

          Herzlichst

          Ihr Ulrich Stephan

          Chef-Anlagestratege Privat- und Firmenkunden


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          Dr. Ulrich Stephan

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