14. August 2026
Liebe Leserinnen und Leser,
die Gewinne der DAX-Konzerne steigen so stark wie seit Ende 2023 nicht mehr, der handelsgewichtete US-Dollar bewegt sich in einer engen Handelsspanne, und die US-Energiebehörde sieht den Brent-Ölpreis im dritten Quartal 2026 bei durchschnittlich rund 85 US-Dollar je Barrel.
DAX-Unternehmen steigern Gewinne zweistellig
Die DAX-Gewinne stiegen im zweiten Quartal um rund elf Prozent gegenüber dem Vorjahr und damit so stark wie zuletzt Ende 2023. Auch die Gewinnüberraschungen fielen besser aus als in den Vorquartalen: 70 Prozent der Unternehmen übertrafen die Analystenschätzungen, während die Gewinne im Schnitt rund fünf Prozent über Konsens lagen. Die wichtigsten Wachstumsbeiträge kamen aus Industrie, Chemie und Technologie, während die Automobilbranche erneut belastete. Trotz der positiven Berichtssaison blieb das Gewinnwachstum hinter dem STOXX 600 zurück, nicht zuletzt wegen dessen höherer Energiegewichtung. Für die kommenden zwölf Monate erwarten Analysten eine Beschleunigung des Gewinnwachstums auf knapp 14 Prozent, vor allem dank einer Erholung der Autogewinne. Trotz geopolitischer Unsicherheit und höherer Energie- und Logistikkosten unterstreichen die Ergebnisse die robuste Ertragskraft der DAX-Konzerne.
USA: Erzeugerpreise stagnieren, Zinssorgen lassen nach
Der Erzeugerpreisindex (PPI) der USA, der die von Produzenten erzielten Preise für Waren und Dienstleistungen misst, deutete im Juli auf nachlassenden Inflationsdruck hin. Der Gesamtindex verharrte gegenüber dem Vormonat bei 0,0 Prozent und blieb damit hinter den Erwartungen eines Anstiegs von 0,2 Prozent zurück. Abseits der Energiekomponente verzeichneten die Lebensmittelpreise den stärksten Rückgang seit 2025, die Transportkosten fielen gar so deutlich wie zuletzt im März 2023. Der um Energie- und Lebensmittelpreise bereinigte Kern-PPI stieg wie im Vormonat um 0,2 Prozent und somit ebenfalls geringer als prognostiziert. Diejenigen Komponenten, die in die für die Geldpolitik der Fed entscheidende PCE-Kernrate einfließen, deuteten keinen wachsenden Inflationsdruck an. Die Märkte werteten den Erzeugerpreisindex ähnlich wie den Verbraucherpreisindex vom Vortag als Indiz dafür, dass die Fed nicht unmittelbar einen restriktiveren geldpolitischen Kurs einschlagen muss. Die Renditen zweijähriger US-Staatsanleihen gaben nach, während Aktien fester eröffneten.
US-Dollar bleibt gefangen in enger Handelsspanne
Der handelsgewichtete US-Dollar bewegt sich gemessen am Bloomberg Dollar Spot Index seit Anfang August in einer engen Spanne von 0,7 Prozent – eine so enge Handelsspanne gab es zuletzt 2014. Da das Kursverhältnis zum Yen mit 12,8 Prozent einen erheblichen Anteil am Index hat, wirkt die Entwicklung noch bemerkenswerter. Blendet man die aufgrund der Interventionen am Währungsmarkt kräftige Bewegung im US-Dollar/Yen-Kurs aus, wäre die Handelsspanne des Gesamtindex noch geringer ausgefallen. Kurzfristig gehen die Marktakteure nicht davon aus, dass die Volatilität spürbar zulegt: Der Markt preist auch für die kommenden Wochen trotz der anhaltenden geopolitischen Risiken ein ruhiges Umfeld an den Währungsmärkten ein. Sollte sich Fed-Chef Kevin Warsh im Rahmen des Notenbanksymposiums in Jackson Hole an seine Ankündigung halten, sich nicht zur zukünftigen Geldpolitik zu äußern, dürfte die Fed-Sitzung am 16. September der nächste wichtige Impulsgeber für den US-Dollar sein.
US-Energiebehörde erwartet sinkende Lagerbestände und höhere Kraftstoffpreise
Anhaltende Einschränkungen in der Straße von Hormus dürften das globale Ölangebot auch in den kommenden Monaten belasten, die Lagerbestände weiter reduzieren und den Brent-Ölpreis im dritten Quartal 2026 bei durchschnittlich rund 85 US-Dollar je Barrel halten – damit rechnet die US-Energiebehörde EIA.
Die Analysten erwarten, dass die kommerziellen Rohöllagerbestände in den USA bis Ende 2026 unter ihrem Tiefststand der Jahre 2021 bis 2025 bleiben werden. Die EIA erhöhte ihre Prognosen für die US-Benzin- und Dieselpreise 2026 um 3,7 Prozent und 5,4 Prozent. Für 2027 hob die Behörde ihre Prognose für die durchschnittlichen Benzinpreise gegenüber dem Vormonat um 6,5 Prozent an. Zwar wird für Anfang 2027 eine weitgehende Normalisierung der Produktion im Nahen Osten erwartet, doch könnten laut EIA Angebotsausfälle von rund 0,6 Millionen Barrel pro Tag bis Ende nächsten Jahres fortbestehen. Hohe Energiepreise dürften somit den Inflationsdruck erhöht halten und den Spielraum der Notenbanken für weitere Zinssenkungen begrenzen.
Anleihemärkte im Spannungsfeld von Inflation und Schulden
Steigende Renditen, hohe Inflation und ein immer größerer Schuldenberg: Die USA stehen vor geld- und fiskalpolitischen Herausforderungen. Vor allem am US-Anleihemarkt sorgen diese Entwicklungen für Bewegung. Warum Investoren nervös auf die Signale der US-Notenbank reagieren und welche Rolle die hohe Staatsverschuldung spielt, erläutere ich im Gespräch mit Finanzjournalistin Jessica Schwarzer.
Zahl des Tages: 25.000.000
In der theoretischen Physik gibt es die Vermutung, dass neben unserer bekannten Realität eine Spiegelwelt existieren könnte – jedes Elementarteilchen hätte „drüben“ ein entsprechendes Spiegelteilchen. Ein Team um Nicholas Ayres von der ETH Zürich hat dieser Idee nun allerdings einen Schlag versetzt. Der These zufolge müssten neutrale Teilchen zwischen den beiden Welten hin und her wechseln können. Die Physiker erzeugten deshalb 25 Millionen ultrakalte Neutronen und leiteten schrittweise immer 1,5 Millionen davon in einen Edelstahltank. Anschließend wurden die Teilchen ausgezählt. Das Ergebnis: Es gingen keine Neutronen verloren, was bedeutet, dass offenbar keine Oszillation zwischen bekannter Realität und Spiegelwelt stattfindet. Die These der gespiegelten Realität wäre damit passé – es sei denn, die Grenze zwischen beiden Welten wäre weniger durchlässig als bisher angenommen.
Ich wünsche Ihnen einen visionären Tag.
Herzlichst
Ihr Ulrich Stephan
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden
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