6. Juli 2026
Liebe Leserinnen und Leser,
Bankaktien aus Europa erscheinen attraktiv bewertet, Paraguay zeigt solide Wachstumsperspektiven, und Oman profitiert von seinem Zugang zum Indischen Ozean.
Europäische Banken weiter im Aufwind
Europäische Bankaktien bleiben gut unterstützt. Trotz zwischenzeitlich deutlich gestiegenen Ölpreisen und den damit verbundenen Sorgen um das europäische Wirtschaftswachstum legte der Sektor seit Jahresbeginn um rund 19 Prozent zu. Dahinter dürfte insbesondere das gewachsene Vertrauen der Anleger in die Ertragskraft und Widerstandsfähigkeit der Geldinstitute stehen, die heute dank höherer Kapitalpuffer und einer verbesserten Profitabilität robuster aufgestellt sind als noch vor einigen Jahren. So stiegen die Gewinnerwartungen für europäische Banken selbst während des Iran-Konflikts weiter an. Für die Jahre 2026 bis 2028 rechnen Analysten derzeit mit einem durchschnittlichen Gewinnwachstum von rund elf Prozent pro Jahr. Zusätzliche Unterstützung könnten ein insgesamt höheres Zinsniveau sowie eine anziehende Kreditnachfrage liefern, begünstigt durch steigende Unternehmensinvestitionen, etwa im Bereich Künstliche Intelligenz. Mit einem für die kommenden zwölf Monate erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund zehn und einem im historischen Vergleich überdurchschnittlich hohen Bewertungsabschlag von etwa 30 Prozent gegenüber dem STOXX 600 erscheinen europäische Bankaktien weiterhin attraktiv bewertet.
Paraguay: Guaraní schlägt Euro
Paraguay kann nicht nur Fußball! Die paraguayische Währung, der Guaraní, verzeichnet seit Jahresbeginn eine Aufwertung von knapp zehn Prozent gegenüber dem Euro. Die Währungsstärke dürfte vor allem auf eine Kombination aus gestiegener Investorennachfrage und soliden Exporterlösen zurückzuführen sein. Die Hochstufungen des Länderratings auf Investment Grade durch führende Rating-Agenturen haben die Wahrnehmung Paraguays an den Märkten verbessert und dürften Kapitalzuflüsse begünstigt haben. Dies spiegeln auch das Vertrauen in die von der Regierung vorangetriebene fiskalische Konsolidierung und marktfreundliche Reformen wider. Gleichzeitig stützen Einnahmen aus Soja- und Stromexporten das Devisenangebot. Sojabohnen machen rund 23 Prozent der Exporte aus, Stromexporte aus Wasserkraft knapp zehn Prozent – mit dem Itaipú-Staudamm verfügt Paraguay über eines der größten Wasserkraftwerke der Welt. Die Währungsstärke des Guaranís reflektiert zudem solide Wachstumsperspektiven: Nach einem realen Wirtschaftswachstum von 5,8 Prozent im Jahr 2025 erwarten Analysten, dass Paraguays Wirtschaft 2026 mit rund 4,3 Prozent weiter expandiert. Allerdings erhöht die starke Abhängigkeit der Wirtschaft von Agrar- und Elektrizitätsexporten die Anfälligkeit gegenüber Wetterschocks.
US-Arbeitsmarkt verliert an Schwung
Die US-Wirtschaft schuf im Juni außerhalb des Landwirtschaftssektors 53.000 neue Stellen und blieb damit spürbar hinter den Markterwartungen von 115.000 sowie hinter den Vormonatswerten zurück. Zudem wurden die ursprünglich gemeldeten Stellen der beiden Vormonate um rund 74.000 abwärts revidiert. Der Beschäftigungsaufbau konzentrierte sich auf das Bildungs- und Gesundheitswesen, die unternehmensbezogenen Dienstleistungen sowie das Baugewerbe. Demgegenüber gingen im Freizeit- und Gastgewerbe unerwartet 61.000 Arbeitsplätze verloren – trotz der derzeit laufenden Fußball-Weltmeisterschaft. Die Arbeitslosenquote sank von 4,3 Prozent im Mai auf 4,2 Prozent und verzeichnete damit den ersten Rückgang seit vier Monaten. Grund hierfür ist allerdings primär, dass die Erwerbsquote – der Anteil der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter, der entweder einer Beschäftigung nachgeht oder aktiv nach Arbeit sucht – von 61,8 auf 61,5 Prozent sank. In Reaktion auf die Arbeitsmarktdaten gaben die Renditen zweijähriger US-Staatsanleihen 0,05 Prozentpunkte nach, während der Euro gegenüber dem US-Dollar bis auf 1,147 aufwertete. Aus Finanzmarktsicht senken die Anzeichen eines nachlassenden Beschäftigungsaufbaus die Wahrscheinlichkeit, dass die US-Notenbank 2026 Zinserhöhungen vornehmen muss: Bis Jahresende wird nur noch eine Wahrscheinlichkeit von 75 Prozent eingepreist. Wichtiger nächster Datenpunkt werden nun die Daten zur Verbraucherpreisinflation am 14. Juli.
Oman als Gewinner der Hormus-Krise
Der MSCI Oman Index verzeichnet seit Jahresbeginn einen Anstieg von rund 33 Prozent und weist damit die stärkste Entwicklung unter den Aktienmärkten der Golfregion auf. Anders als viele andere Golfstaaten profitierte Oman von den Spannungen rund um die Straße von Hormus. Während die Krise die Ölpreise zeitweise deutlich steigen ließ, blieben die Ölexporte des Landes weitgehend unbetroffen. Das Land liegt außerhalb der Straße von Hormus, und sein bedeutender Exporthafen Duqm befindet sich direkt am Indischen Ozean. Dadurch konnte Oman die höheren Ölpreise und die daraus resultierenden Mehreinnahmen ausschöpfen. Analysten erwarten, dass Oman 2026 zu den wachstumsstärksten Volkswirtschaften der Golfregion zählen wird – nach einem Wachstum von 2,4 Prozent im Jahr 2025 dürfte die Wirtschaftsleistung 2026 um rund 3,2 Prozent zulegen. Der MSCI Oman hat seit seinem zwischenzeitlichen Höchststand im Mai wieder nachgegeben, da sich die Ölpreise inzwischen normalisiert haben. Aufgrund seiner geringen Größe und der Konzentration auf lediglich zehn Titel könnte der Index künftig bereits von moderaten Kapitalzuflüssen internationaler Anleger profitieren – seit Beginn der Hormus-Krise ist Oman aufgrund seiner strategischen Lage verstärkt in den Fokus gerückt.
Auf Kredit an die Börse: Gefahr für Anleger und Märkte?
Zwischen langfristiger Geldanlage und kurzfristiger Spekulation verläuft oft eine unscharfe Grenze – besonders beim Einsatz von Fremdkapital. Welche Rolle Risikoprofil, Anlagehorizont und Marktumfeld dabei spielen, analysieren Dr. Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank, und Finanzjournalistin Jessica Schwarzer.
Zahl des Tages: 110.000.000.000.000.000
Pilze sind weitaus mehr als die sichtbaren Fruchtkörper, die bevorzugt im Herbst in der Pfanne landen. Unterirdisch bilden Pilze Netzwerke aus Fäden, den sogenannten Hyphen. Und die können gigantisch sein, wie ein Team um Justin Stewart von der „Society for the Protection of Underground Networks“ berechnet hat. Der Studie zufolge bilden die Hyphen bestimmter Pilze auf der Erde ein Netzwerk mit einer Gesamtlänge von 110 Billiarden Kilometer. Vor allem Grasland-Ökosysteme wie die Everglades in Florida und das tibetische Plateau sind demnach reich an Pilzfadennetzen. Und helfen damit, das Weltklima zu regulieren: Jahr für Jahr transportieren die Hyphen schätzungsweise vier Milliarden Tonnen Kohlendioxid in den Erdboden.
Pflegen Sie heute Ihre Netzwerke.
Herzlichst
Ihr Ulrich Stephan
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden
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