17. August 2026
Liebe Leserinnen und Leser,
eine 30-jährige US-Staatsanleihe wird mit der höchsten Rendite seit 2001 verauktioniert, in den USA wird an ersten Terminkontrakten auf Rechenleistung gearbeitet, und Chinas Leistungsbilanzüberschuss offenbart die Schwäche des Binnenkonsums.
US-Anleiherenditen steigen angesichts wachsender Fiskalsorgen
Die Renditen von US-Staatsanleihen mit langer Restlaufzeit sind auf den höchsten Stand seit September 2007 gestiegen – das spiegelt die zunehmenden Sorgen der Anleger über die fiskalische Entwicklung der USA wider.
Die Rendite der 30-jährigen US-Staatsanleihe wurde bei der Auktion am vergangenen Donnerstag auf 5,216 Prozent festgesetzt – die höchste Rendite bei einer Auktion von US-Staatsanleihen seit 2001. Bereits am Vortag wurde eine zehnjährige Anleihe bei 4,683 Prozent Rendite verauktioniert. Die höheren Finanzierungskosten gehen mit einer Verschlechterung der US-Finanzlage einher: Im Juli weitete sich das Haushaltsdefizit auf 432,3 Milliarden US-Dollar aus – den höchsten Stand seit fünf Jahren. Erhöhte Inflation, steigende Energiepreise, ein unsicherer geldpolitischer Ausblick, robustes Wirtschaftswachstum und fiskalische Ungleichgewichte dürften die langfristigen Renditen auch mittelfristig hoch halten.
Erste Terminkontrakte könnten Rechenleistung handelbar machen
Mit dem Boom der Künstlichen Intelligenz steigt der Bedarf an Rechenleistung rasant. Viele Unternehmen beziehen ihre Kapazitäten über Cloud-Anbieter und stehen vor der Herausforderung, ihren künftigen Bedarf sowie die damit verbundenen Kosten verlässlich abzuschätzen und abzusichern. In den USA wird bereits an den ersten Terminkontrakten auf Rechenleistung gearbeitet. Neben regulatorischen Fragen steht vor allem die Standardisierung im Fokus – denn Rechenleistung ist kein einheitliches Handelsgut. Je nach technischer Ausstattung, Auslastung und Standort können die Preise deutlich variieren, was die Entwicklung verlässlicher Referenzpreise erschwert. Noch steckt der Markt in den Anfängen. Mittelfristig könnte sich Rechenkapazität jedoch nicht nur als Produktionsfaktor etablieren, sondern auch für Anleger an Relevanz gewinnen.
Chinas Leistungsbilanzüberschuss offenbart Schwäche des Binnenkonsums
Chinas Leistungsbilanzüberschuss erreichte 2025 mit 3,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts den höchsten Stand seit rund 25 Jahren. Um ihn allein über den Wechselkurs abzubauen, müsste der reale handelsgewichtete Wechselkurs des Renminbis laut Internationalem Währungsfonds um 21 Prozent steigen. Daraus jedoch eine entsprechend hohe Unterbewertung der chinesischen Währung abzuleiten, greift zu kurz. Das Ungleichgewicht ist auch die Folge eines exportgetriebenen Wachstumsmodells, das in wichtigen Branchen durch staatliche Förderung unterstützt wird.
Um die Abhängigkeit von Subventionen und der Auslandsnachfrage zu verringern, versucht Peking seit Jahren, das Wachstumsmodell stärker auf den Binnenkonsum auszurichten. Die Schwäche des Immobilienmarktes belastet jedoch das Vermögen vieler Haushalte, während Unsicherheiten bei der Altersvorsorge sowie Gesundheits- und Einkommensrisiken die Sparneigung hoch halten. Die Stabilisierung des Immobilienmarktes und der Ausbau der sozialen Sicherung benötigen Zeit. Gelingt die Stärkung des Binnenmarktes, könnten höhere Importe den Leistungsbilanzüberschuss verringern und eine graduelle Aufwertung des Renminbis unterstützen.
Anleihemärkte im Spannungsfeld von Inflation und Schulden
Steigende Renditen, hohe Inflation und ein immer größerer Schuldenberg: Die USA stehen vor geld- und fiskalpolitischen Herausforderungen. Vor allem am US-Anleihemarkt sorgen diese Entwicklungen für Bewegung. Warum Investoren nervös auf die Signale der US-Notenbank reagieren und welche Rolle die hohe Staatsverschuldung spielt, erläutere ich im Gespräch mit Finanzjournalistin Jessica Schwarzer.
Zahl des Tages: 12
Als Melanie Stanford aus Brough, East Yorkshire, gebeten wurde, eine archäologische Grabung auf der Wiese hinter ihrem Wohnhaus zuzulassen, ahnte sie nicht, was auf sie zukam. Wissenschaftler des Petuaria ReVisited Project fanden auf dem Gelände die Überreste von zwölf Gebäuden aus römischer Zeit – vermutlich Lagerhallen, die zu einem benachbarten Hafen gehörten. Für die beteiligten Forscher keine große Überraschung: Die Kleinstadt Brough war unter dem Namen Petuaria in der Antike ein wichtiger Knotenpunkt für den Handel zwischen Ostengland und dem europäischen Festland. Besitzerin Stanford sieht das Aufbuddeln ihres Grundstücks jedenfalls gelassen: „Es ist faszinierend – ich mag es, vorbeizukommen und einfach beim Graben zuzuschauen!“
Ich wünsche Ihnen einen entspannten Tag.
Herzlichst
Ihr Ulrich Stephan
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden
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