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Tägliche Kapitalmarkteinschätzungen von Dr. Ulrich Stephan,
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13. Juli 2026

Liebe Leserinnen und Leser,

Wall-Street-Banken eröffnen die Berichtssaison zum zweiten Quartal, der IWF passt aufgrund des Nahostkonflikts seine Wachstumsprognosen an, und das All rückt als potenzieller Standort für Rechenzentren zunehmend in den Fokus.

US-Banken starten mit Rückenwind in die Berichtssaison

Wall-Street-Banken eröffnen morgen vor US-Börsenstart die Berichtssaison zum zweiten Quartal 2026. Die führenden US-Banken und -Investmenthäuser könnten ihre Gewinne laut Analysten um rund 17 Prozent im Vorjahresvergleich gesteigert haben. Rückenwind dürfte von den Kapitalmärkten gekommen sein: Hohe Handelsumsätze, zahlreiche Börsengänge sowie eine rege Aktivität bei Übernahmen und Kapitalmaßnahmen könnten das Investmentbanking belebt haben. Das klassische Bankgeschäft wiederum dürfte von einer robusten Wirtschaft und einer wachsenden Kreditvergabe, insbesondere bei Gewerbeimmobilien, profitiert haben. Vieles davon dürfte an den Börsen allerdings bereits eingepreist sein. Der S&P-500-Banken-Sektor hat sich in den vergangenen zwei Monaten besser entwickelt als der Gesamtmarkt, was auch die Bewertungen steigen ließ. Das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt derzeit rund zehn Prozent über seinem Zehnjahresdurchschnitt.

Entsprechend dürften die Bankvorstände in ihren Ausblicken die Frage beantworten müssen, ob die Dynamik im Investmentbanking, Handel und Kreditgeschäft anhalten kann. Trotz der gestiegenen Erwartungen sehe ich jedoch gute Voraussetzungen für einen soliden Auftakt der US-Banken in die Berichtssaison.

Erdgas: Versorgungssorgen treffen auf niedrige Speicherstände

Kurzfristig verfügbares Erdgas ist an der niederländischen Terminbörse TTF mit rund 48,50 Euro je Megawattstunde rund 72 Prozent teurer als zu Jahresbeginn. Verflüssigtes Erdgas zur Lieferung nach Asien wird derzeit rund 80 Prozent über dem Vorkriegsniveau gehandelt. Hauptfaktor bleibt die Straße von Hormus, durch die vor der Eskalation im Nahen Osten rund ein Fünftel des weltweiten Handels mit verflüssigtem Erdgas lief. Weitere Störungen könnten die globale Versorgung daher länger angespannt halten. Für zusätzliche Anspannung sorgt der Produktionsausfall im Ras-Laffan-Komplex in Katar: Nach einem Angriff auf einen Tanker wurde die Wiederaufnahme der Produktion vorerst verschoben. Damit nimmt die Gefahr zu, dass Europa und Asien vor dem Winter stärker um die knapper werdenden Ladungen von verflüssigtem Erdgas konkurrieren. Zugleich sind die deutschen Gasspeicher mit 44 Prozent deutlich niedriger gefüllt als im Durchschnitt der Jahre 2017 bis 2021; europaweit liegt der Füllstand mit 51 Prozent ebenfalls klar unter dem Fünfjahresmittel von 66 Prozent. Geopolitische Risiken und niedrige Speicherstände sprechen daher für anhaltend erhöhte Risikoaufschläge am Erdgasmarkt.

Nahostkonflikt dämpft IWF-Ausblick

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat in seinem am Mittwoch veröffentlichten World Economic Outlook die Prognose für das diesjährige globale Wirtschaftswachstum leicht von 3,1 Prozent im April-Outlook auf 3,0 Prozent gesenkt. Gleichzeitig wurde die Inflationsprognose leicht auf 4,7 Prozent angehoben. Die geringfügige Abwärtsrevision spiegelt die ökonomischen Auswirkungen des Nahostkonflikts wider, wobei der IWF in seinem Basisszenario davon ausgeht, dass der Konflikt bis Ende dieses Monats beendet sein wird. Im Einzelnen wurden die Wachstumsprognosen für 2026 insbesondere für den Euroraum auf 0,9 Prozent, für Deutschland auf 0,7 Prozent, für Frankreich auf 0,6 Prozent und für Japan auf 1,1 Prozent gesenkt. Im Gegensatz dazu beließ der IWF seine Einschätzung für das US-Wachstum unverändert bei 2,3 Prozent. Begründet wird dies mit Rückenwind durch Investitionen im Technologiesektor, Produktivitätszuwächsen, einer unterstützenden Fiskalpolitik, günstigen Finanzierungsbedingungen sowie robusten Energieexporten. Dies deckt sich mit meiner weiterhin konstruktiven Einschätzung für die US-Konjunktur.

Weltraum-Rechenzentren: Vision mit wachsendem Potenzial

Der Boom der Künstlichen Intelligenz erhöht den Bedarf an Rechenleistung und stößt zunehmend auf Engpässe bei Stromversorgung, Flächen und Kühlung. Da ein erheblicher Teil der Kosten neuer Rechenzentren auf die Infrastruktur entfällt, rücken alternative Konzepte wie Rechenkapazitäten im All stärker in den Fokus. Noch steht die Technologie allerdings am Anfang. Hohe Startkosten sowie Herausforderungen bei Strahlungsschutz, Kühlung beziehungsweise Wärmeabfuhr im Vakuum und Wartung begrenzen bislang die Wirtschaftlichkeit. Technologische Fortschritte und sinkende Startkosten könnten die Attraktivität solcher Konzepte jedoch erhöhen, zumal zusätzliche Rechenkapazität auch ohne vollständige Kostenparität gefragt sein könnte. Als erster konkreter Anwendungsfall erscheint die KI-gestützte Auswertung von Bild- und Sensordaten direkt auf Satelliten. Statt große Mengen an Rohdaten zur Erde zu senden, werden dabei nur die relevanten Ergebnisse übertragen. Für Aktienanleger dürften daher insbesondere Unternehmen im Fokus stehen, die mit spezialisierten Halbleitern, Kommunikations-, Energie- und Kühlsystemen die Datenverarbeitung auf Satelliten ermöglichen und langfristig auch von einem Ausbau der Rechenkapazitäten im All profitieren könnten.

Halbzeit an der Börse: Rekorde trotz Krisen

Das erste Börsenhalbjahr fällt stark aus: Trotz geopolitischer Spannungen erreichen wichtige Aktienmärkte Rekorde. Getrieben wird die Rally allerdings vor allem von wenigen großen Gewinnern – insbesondere aus dem Umfeld der Infrastruktur rund um Künstliche Intelligenz. Wie robust diese Entwicklung wirklich ist, welche Märkte vorn liegen und was Anleger jetzt beachten sollten, analysieren Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und ich in der aktuellen Folge unseres Börsenpodcasts.

Zahl des Tages: 14–20

Insekten sind die artenreichste Klasse der Tierwelt, das ist bekannt. Und doch könnte die Anzahl der Insektenspezies bislang deutlich unterschätzt worden sein, glaubt Laura Melissa Guzman von der Cornell University in New York. Die Entomologin und ihr Team schätzen die Zahl der Insektenarten weltweit auf 14 bis 20 Millionen, das sind etwa dreimal so viele wie bisher angenommen. Für ihre Studie führten die Wissenschaftler eine detaillierte Zählung in einem Gebiet in Costa Rica durch. Sie fanden rund 54.000 Insektenarten und ermittelten mit statistischen Methoden die Anzahl der unentdeckten Spezies in diesem Areal und schließlich weltweit. Die bieten in jedem Fall noch reichlich Material für die Forschung – bislang sind erst 1,2 Millionen Insektenarten beschrieben worden.

Kalkulieren Sie heute genau.

Herzlichst

Ihr Ulrich Stephan

Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden

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