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Tägliche Kapitalmarkteinschätzungen von Dr. Ulrich Stephan,
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08. Oktobter 2026

Liebe Leserinnen und Leser,

das deutsche Baugewerbe zeigt sich deutlich erholt, die USA melden das größte Außenhandelsdefizit seit März 2025, und die französische Opposition stellt einen Haushaltsplan vor.

Deutsche Industrieproduktion legt spürbar zu

Die deutsche Industrieproduktion hat im August positiv überrascht und gegenüber dem Vormonat um 2,0 Prozent zugelegt. Erwartet worden war lediglich ein Anstieg von 0,5 Prozent. Treiber der Entwicklung war vor allem das Baugewerbe, dessen Produktion dank einer hohen Zahl fertiggestellter Projekte um 9,3 Prozent gegenüber dem Vormonat anstieg. Auch im Jahresvergleich wird die Erholung am Bau zunehmend sichtbar: Die kombinierte Produktion im Hoch- und Tiefbau legte den dritten Monat in Folge zu und beschleunigte sich von 2,4 Prozent im Juli auf 5,6 Prozent im August. Insgesamt deuten die Daten darauf hin, dass der Bausektor nach einem schwachen ersten Halbjahr wieder an Dynamik gewinnen könnte, gestützt durch steigende öffentliche Investitionen und einen anhaltend hohen Infrastrukturbedarf. Vor diesem Hintergrund könnten Infrastrukturfonds langfristig eine attraktive Ergänzung für Portfolios darstellen.

Rekordeinfuhren treiben US-Handelsdefizit

Der Renditeanstieg am Anleihemarkt ging zuletzt mit einer reduzierten Marktbreite an den US-Börsen einher. Während sich große Technologiewerte in den vergangenen Monaten robust hielten, gerieten gleichgewichtete Indizes und Nebenwerte unter Druck. So verloren der gleichgewichtete S&P 500 sowie der US-Nebenwerteindex Russell 2000 seit Ende August gegenüber dem S&P 500 rund sechs Prozentpunkte. Gleichgewichtete Indizes und Nebenwerte sind in der Regel stärker von der binnenwirtschaftlichen Nachfrage und den Finanzierungsbedingungen abhängig. Die großen Technologieunternehmen werden dagegen von langfristigen KI-Investitionen gestützt, deren Dynamik auch dank ihrer hohen Finanzkraft durch ein höheres Renditeniveau am Anleihemarkt kaum gebremst werden dürfte. Obwohl dies weiterhin für robuste marktgewichtete US-Indizes spricht, könnte eine Beruhigung am Anleihemarkt dazu beitragen, die Entwicklung am US-Aktienmarkt wieder auf eine breitere Basis zu stellen.

Frankreich: Opposition plant Sparkurs

Frankreichs stärkste Oppositionspartei, der Rassemblement National, hat einen Haushaltsplan für eine mögliche Regierungsübernahme 2027 vorgestellt, der die Notwendigkeit einer Haushaltskonsolidierung ausdrücklich anerkennt. Bis 2032 sollen netto 140 Milliarden Euro eingespart, die Staatsausgaben auf unter 50 Prozent des Bruttoinlandsproduktes und das Defizit bis 2030 unter drei Prozent gesenkt werden. Der Konsolidierungsansatz birgt jedoch zum Teil erhebliche politische und rechtliche Umsetzungsrisiken. Unter anderem sollen jährlich 37 Milliarden Euro bei der Sozialversicherung sowie zunächst elf Milliarden Euro durch einen geringeren Beitrag zum EU-Haushalt eingespart werden. An den Märkten sorgte der Plan nur kurzzeitig für Entspannung: Nach zwischenzeitlichen Rückgängen am Dienstag stiegen die Risikoaufschläge französischer Staatsanleihen gegenüber Bundesanleihen gestern erneut an.

Hedgefonds können Volatilität verstärken

Hedgefonds können Volatilität verstärken Hedgefonds spielen heute eine deutlich größere Rolle an den Finanzmärkten als noch vor wenigen Jahren. In normalen Zeiten leisten sie einen wichtigen Beitrag: Sie stellen Liquidität bereit, fördern die Preisfindung und übernehmen Risiken, die andere Investoren vermeiden. Dadurch funktionieren Märkte oft effizienter. In Krisenzeiten können dieselben Eigenschaften jedoch zum Problem werden. Hedgefonds arbeiten häufig mit geliehenem Geld und verfolgen oft ähnliche Anlagestrategien. Steigen die Kursschwankungen oder verschlechtern sich die Finanzierungsbedingungen, verlangen Banken zusätzliche Sicherheiten. Um diese bereitzustellen, müssen Fonds Wertpapiere verkaufen und Risiken abbauen. Wenn viele Marktteilnehmer gleichzeitig handeln, können Kursverluste beschleunigt und Marktverwerfungen verstärkt werden. Der Internationale Währungsfonds zeigt, dass stark von Hedgefonds gehaltene Aktien in Stressphasen deutlich stärkeren Schwankungen und größeren Verlusten ausgesetzt sind. Für Privatanleger bedeutet dies: Hedgefonds können Marktbewegungen kurzfristig verstärken, ändern aber selten die langfristigen Fundamentaldaten von Unternehmen. Ein langer Anlagehorizont und breite Diversifikation bleiben daher die beste Antwort auf vorübergehende Marktverwerfungen.

Griechenland – zurück in der ersten Börsenliga 

Griechenland, einst das Sorgenkind der Euro-Schuldenkrise, hat den Turnaround geschafft. Die Volkswirtschaft erholt sich, die Arbeitslosigkeit sinkt und die Börse macht deutlich Boden gut. Ist jetzt eine gute Zeit für den Einstieg in den griechischen Markt? Welche Sektoren sollten Anleger im Auge behalten? Darüber sprechen Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und ich in der aktuellen Folge unseres Börsenpodcasts PERSPEKTIVEN To GO.

Was diese Woche wichtig wird 

Im Laufe der Woche, Berichtssaison

  • USA | Aus dem S&P 500 berichten PepsiCo, Delta Air Lines und Constellation Brands.
  • Europa | Aus dem STOXX 600 berichten Tesco, Industrivärden und Tryg.
  • Asien | Aus Japan legt unter anderem Fast Retailing Zahlen vor, aus Indien berichtet Tata Consultancy Services (TCS). 
  • Freitag, USA | Universität von Michigan, Index der US-Konsumenten für Oktober. Analysten erwarten im Median einen leichten Rückgang von 48,1 auf 48,0 Punkte. Der seit Juli zu beobachtende Abwärtstrend würde sich damit fortsetzen. In der vergangenen Umfrage belasteten vor allem die deutlich gestiegenen Verbraucherpreise und die damit verbundenen Sorgen um die Kaufkraft die Einschätzung der aktuellen finanziellen Lage sowie der wirtschaftlichen Aussichten der US-Haushalte. Besonderes Augenmerk gilt erneut den Inflationserwartungen, die zuletzt sowohl im Ein-Jahres-Bereich auf 4,6 Prozent als auch im Fünf-Jahres-Horizont auf 3,4 Prozent gestiegen waren. Setzt sich dieser Aufwärtstrend fort, könnte der Druck auf die US-Notenbank zunehmen, einem möglichen Entankern der Inflationserwartungen entgegenzuwirken.

Zahl des Tages: 365

Zahl des Tages: 365 Die Niederlausitz ist seit Kurzem um einen Weltrekord reicher: Mit dem Höhenwindturm bei Schipkau steht an der Südgrenze Brandenburgs das höchste Windrad der Welt. Bei einer Nabenhöhe von 300 Metern und einer Gesamthöhe von 365 Metern ist der Turm zugleich das zweithöchste Bauwerk Deutschlands, knapp hinter dem Berliner Fernsehturm. Mega-Windräder wie das von Schipkau sollen die stärkeren und gleichmäßigeren Winde in größeren Höhen nutzen. So könnten sie nach Angaben der Betreiber bei gleichem Rotordurchmesser etwa doppelt so viel Energie liefern wie eine konventionelle Windkraftanlage. Zudem könnten Höhenwindtürme als „zweite Etage“ in bestehenden Windparks eingesetzt werden – und dort auf derselben Fläche zusätzlich Strom erzeugen. 

Streben Sie heute nach Höherem.

Herzlichst

Ihr Ulrich Stephan

Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden

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