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Tägliche Kapitalmarkteinschätzungen von Dr. Ulrich Stephan,
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden.
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28. August 2026

Liebe Leserinnen und Leser,

die straffere EZB-Geldpolitik kommt in der Realwirtschaft an, die Börse Madrid profitiert von Banken und Versorgern, und Saudi-Arabien will nicht ölbezogene Wirtschaftsbereiche ausbauen.  

Getreidepreise hemmen Rückgang der Inflation

Die Inflationssorgen haben zuletzt deutlich zugenommen: Seit einer Woche sprang der Weizenpreis um etwa acht Prozent, Mais verteuerte sich um knapp 6,5 Prozent – beide erreichten damit den höchsten Stand seit rund drei Jahren. Auslöser sind die zunehmenden militärischen Auseinandersetzungen zwischen Russland und der Ukraine, die erhebliche Störungen der Getreideexporte über das Schwarze Meer verursachen. Beide Länder stehen gemeinsam für mehr als ein Viertel des weltweiten Weizenexports. Gleichzeitig wird berichtet, dass Russland weitere Angriffe auf die ukrainische Infrastruktur vorbereitet. Die daraus resultierenden Angebotsengpässe erhöhen den Aufwärtsdruck auf globale Nahrungsmittelpreise und könnten den Rückgang der Inflation in Europa und den USA verlangsamen.

Weniger Unternehmenskredite im Euroraum

Die jüngsten Kreditdaten der Europäischen Zentralbank (EZB) zeichnen ein gemischtes Bild. Zwar lag das Volumen ausstehender Kredite an Unternehmen im Euroraum im Juli weiterhin über dem Vorjahresniveau, gleichzeitig schwächte sich die Vergabe neuer Unternehmenskredite jedoch deutlich ab. Das Neugeschäft sank von 34 Milliarden Euro im Mai auf 22 Milliarden Euro im Juli. Der Rückgang konzentrierte sich vor allem auf langfristige Kredite mit Laufzeiten von mehr als fünf Jahren, die typischerweise der Finanzierung von Investitionen dienen. Dies könnte darauf hindeuten, dass die höheren Zinsen zunehmend auf die Investitionstätigkeit wirken und die geldpolitische Straffung allmählich in der Realwirtschaft ankommt. Für europäische Bankaktien bleibe ich dennoch konstruktiv. Sie dürften von höheren Zinsmargen infolge des gestiegenen Zinsniveaus sowie von einer steileren Zinsstrukturkurve profitieren, sofern sich die Konjunktur im Euroraum weiterhin robust entwickelt.

Aktien Spanien: Gewinnprognosen angehoben 

Der spanische Aktienleitindex IBEX 35 hat diese Woche die Marke von 20.000 Punkten zurückerobert. Gestützt wird er von einer Wirtschaft, die im Vergleich zum Euroraum überdurchschnittlich wächst: Privater Verbrauch, ein aufnahmefähiger Arbeitsmarkt, Rekordwerte im Tourismus und der Ausbau erneuerbarer Energien stärken die Gewinne. Hinzu kommt die Zusammensetzung des Index, in dem Banken und Versorger schwer wiegen. Für die EZB-Sitzung am 10. September preist der Markt mit rund 95 Prozent Wahrscheinlichkeit eine Zinserhöhung ein, was insbesondere den Bankensektor stützt. Hohe Gaspreise, niedrige Speicherstände und der erhöhte Kühlbedarf sprechen zugleich für vorerst feste europäische Strompreise, von denen Teile des Versorgersektors profitieren können. 

Die Analysten sind ebenfalls positiv gestimmt und haben ihre Gewinnschätzungen für die IBEX-Unternehmen für 2026 bis 2028 in den letzten Monaten durchgehend angehoben.

Saudi-Arabien: IWF erwartet mehr Wachstum

Seit Ende Juli legte der MSCI Saudi Arabia in Euro um rund fünf Prozent zu, seit Jahresbeginn um knapp zwölf Prozent. Der Kursanstieg der vergangenen Wochen dürfte weniger auf den Ölpreis als auf eine günstigere Einschätzung der Wachstumsperspektiven trotz geopolitischer Risiken zurückzuführen sein. Ende Juli hob der Internationale Währungsfonds (IWF) in seinem Länderbericht die Widerstandsfähigkeit der saudischen Wirtschaft hervor. Treiber ist vor allem die Reformagenda „Vision 2030“, die den Ausbau nicht ölbezogener Wirtschaftsbereiche sowie die Diversifizierung der Exportinfrastruktur vorsieht. Nach einer Wachstumsabschwächung im Jahr 2026 erwartet der IWF für 2027 eine Beschleunigung auf 5,5 Prozent. Zusätzlichen Rückenwind erhält der Aktienmarkt durch den neuen Vorsitzenden der Kapitalmarktaufsicht, der eine weitere Lockerung der Beschränkungen für ausländische Investoren in Aussicht gestellt hat. Dies könnte die Kapitalzuflüsse erhöhen, den Markt zusätzlich stützen und das Gewicht Saudi-Arabiens im MSCI Emerging Markets Index, der derzeit bei rund 3,8 Prozent liegt, steigern.

Favoritenwechsel an der Börse: Was die Gewinner von morgen ausmacht

Künstliche Intelligenz, Abnehmspritzen, Rüstung oder Erneuerbare Energien: An der Börse wechseln die Favoriten regelmäßig. Manche Trends bleiben über Jahre gefragt, andere verlieren plötzlich an Dynamik. Doch lassen sich solche Favoritenwechsel frühzeitig erkennen? Dr. Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank, spricht mit Finanzjournalistin Jessica Schwarzer darüber, worauf Anleger bei Zukunftstrends achten sollten.

Was diese Woche wichtig wird

Im Laufe der Woche, BerichtssaisonUSA | Aus dem S&P 500 berichten 17 Unternehmen, darunter Nvidia, Crowdstrike, Salesforce, Intuit, Synopsys und Workday.Europa | Aus dem STOXX 600 berichten 17 Unternehmen, darunter Prudential, EMS-Chemie, Pernod Ricard und Ageas.Asien | Aus Hongkong berichten unter anderem Industrial & Commercial Bank of China, China Construction Bank, PetroChina und Bank of China.

  • Freitag, Japan | Verbraucherpreise der Region Tokio im August. Die Verbraucherpreisinflation in Tokio hat sich zuletzt deutlich beschleunigt. Die Kerninflation (ohne Lebensmittel) stieg von 1,3 Prozent im Mai über 1,6 Prozent im Juni auf 1,9 Prozent im Juli. Noch bemerkenswerter war der Anstieg der Kernrate ohne Lebensmittel und Energie auf 2,0 Prozent, was auf eine breitere Verankerung des Preisauftriebs hindeutet. Die Tokio-Daten gelten als wichtiger Frühindikator für die landesweiten Verbraucherpreise und werden von der Bank of Japan entsprechend aufmerksam beobachtet. Ein unerwartet kräftiger Anstieg könnte eine aus Marktsicht bereits mit hoher Wahrscheinlichkeit eingepreiste Leitzinserhöhung Mitte September nahezu besiegeln.

Zahl des Tages: 7:20,77

Arnav Rathi aus Mason, Ohio, ist 15 Jahre alt, Zirkuscoach und seit Kurzem Weltrekordhalter. Der High-School-Schüler, der auch ein Sommercamp für Jongleure leitet, nahm sich die Bestleistung eines kanadischen Artisten vor, der erst in diesem Jahr drei Jonglierfackeln mehr als fünf Minuten lang in der Luft gehalten hatte. Rathi überbot die Marke scheinbar spielend: Er jonglierte sieben Minuten und 20,77 Sekunden lang mit den drei brennenden Keulen. Als größte Herausforderung stellte sich heraus, zunächst genügend Abstand zu gewinnen. Denn für den Versuch mussten die Keulen-Enden mit so viel Öl getränkt werden, dass sie am Anfang der Jonglage lichterloh in Flammen standen.

Behalten Sie heute die Kontrolle. 


Herzlichst

Ihr Ulrich Stephan

Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden

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