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Tägliche Kapitalmarkteinschätzungen von Dr. Ulrich Stephan,
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden.
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02. Oktobter 2026

Liebe Leserinnen und Leser,

Rohöl notiert weiterhin deutlich höher als vor der Krise am Golf, Ökonomen suchen Wege gegen Innovationsmüdigkeit, und klassische Hauptprozessoren werden für KI-Rechenzentren immer wichtiger.

Hormus-Passage erleichtert – Ölpreis bleibt hoch

Analystenschätzungen zufolge liegen die Rohöllieferungen durch die Straße von Hormus mit zuletzt 13,5 Millionen Barrel pro Tag wieder nahe am Vorkrisenniveau. Dennoch notiert Brent aktuell knapp unter 100 US-Dollar je Barrel und damit deutlich über den rund 70 US-Dollar vor der Eskalation am Golf. Eine Erholung der Transportströme bedeutet nicht zwangsläufig eine vollständige Normalisierung am Ölmarkt. Beschädigte Förderkapazitäten begrenzen das Angebot; die Exporte werden vorübergehend durch den Abbau lokaler Lagerbestände der Fördergesellschaften am Golf gestützt. Zugleich schafft der Wiederaufbau der weltweit gesunkenen Ölreserven zusätzliche Nachfrage, während die Gefahr neuer Störungen den geopolitischen Risikoaufschlag hoch hält. Bei einer nachhaltigen Entspannung spricht mittelfristig jedoch einiges für rückläufige Ölpreise in Richtung der 80-Dollar-Marke. Darauf deutet auch die Backwardation an den Öl-Terminmärkten hin, bei der spätere Lieferungen günstiger sind als sofort verfügbare: Für Ende 2027 liegt Brent aktuell bei knapp 82 US-Dollar je Barrel.

Analyse: Wie Fortschritt (nicht) endet 

Kürzlich warnte Markus Brunnermeier, Professor an der Princeton University, in seiner DIHK-Rede vor wachsender Innovationsmüdigkeit in Deutschland – ein Befund, den der Ökonom Carl Benedikt Frey in seinem Buch „Wie Fortschritt endet“ historisch untermauert und zugleich konkrete Lösungswege aufzeigt. Frey zeigt: Fortschritt folgt einer „Mechanik“. In frühen Phasen braucht es dezentrale Strukturen, also viele Start-ups, Erfinder und Experimente. Sobald Technologien reifen, sind zentralisierte Strukturen nötig, Standardisierung, Skalierung und Effizienz. Der Schlüssel liegt im rechtzeitigen Wechsel zwischen diesen Modi. Historische Beispiele belegen dies: Song-China, das viktorianische Großbritannien oder Japan blühten durch Innovation auf, erlitten aber später Stagnation – oft, weil sie zu lange in einem für ihre Phase ungeeigneten Modus verharrten. Frey warnt: Auch heute droht ein Produktivitätsplateau, wenn Institutionen den Wandel nicht mehr tragen. Die Lösung liegt in konkreten Standortbedingungen: eine effiziente Bürokratie mit schnellen Genehmigungsverfahren, gut ausgebildete Fachkräfte durch flexible Bildungssysteme, verlässliche Infrastruktur und offene Märkte, die Innovation belohnen statt durch Überregulierung zu ersticken. Wer diese Faktoren stärkt und rechtzeitig zwischen Explorations- und Skalierungsphase wechselt, kann verhindern, dass Fortschritt endet.

KI-Nachfrage nach Hauptprozessoren steigt   

Klassische Hauptprozessoren (CPUs) gewinnen in KI-Rechenzentren weiter an Gewicht. Beim Training von KI-Modellen kam bislang eine CPU auf knapp acht Grafikchips (GPUs), bei der Anwendung von KI-Modellen sind es je CPU knapp vier GPUs. Bei KI-Agenten, die Tools nutzen und mehrstufige Aufgaben ausführen, steigt der Bedarf an CPUs für die Steuerung und Ausführung dieser Abläufe. Je nach Anwendung kann sich das Verhältnis von CPU zu GPU dadurch in Richtung eins zu eins verschieben. Das ist relevant, weil viele Rechenzentren an die Grenzen ihrer Stromversorgung stoßen. Warten die stromhungrigen Grafikchips auf den Hauptprozessor, bleibt knappe Leistung ungenutzt, weswegen zusätzliche Prozessoren den Ertrag je Megawatt erhöhen könnten. Bei Serverprozessoren zeichnen sich bereits Lieferengpässe und steigende Preise ab. Die KI-Nachfrage dürfte sich damit weiterhin über GPUs hinaus auf CPUs verbreitern.

Sportartikelaktien – fit fürs Portfolio?  

Die Aktien führender Sportartikelhersteller stehen seit Jahren unter Druck. Seit Ende 2021 haben die vier etablierten Anbieter fast drei Viertel ihres Börsenwerts verloren. Neben zyklischen Belastungen wie höheren Energiepreisen, die auf der Konsumnachfrage lasten, sehen Analysten strukturellen Gegenwind. So scheint der Anteil von Sportbekleidung im Kleiderschrank vieler US-Konsumenten zu stagnieren. Gleichzeitig verschärft die zunehmende Fragmentierung des Marktes, insbesondere in Nordamerika und Asien, den Wettbewerb und belastet Absatz und Preissetzungsmacht. Zwar spiegeln die Bewertungen diese Risiken wider: Mit einem erwarteten KGV von rund 18 notieren die Branchenführer erstmals seit 2009 wieder auf dem Bewertungsniveau des MSCI World. Dennoch erscheinen mir andere Marktsegmente derzeit attraktiver.

Allzeithoch trotz Renditegegenwind 

Trotz kräftiger Turbulenzen an den Anleihemärkten notieren viele Aktienindizes nahe ihren Allzeithochs. Sind die Investoren zu sorglos oder gibt es gute Gründe für diese Entwicklung? Und bleiben Aktien in privaten Anlageportfolios weiterhin alternativlos? Darüber sprechen Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und ich in der aktuellen Folge unseres Börsenpodcasts PERSPEKTIVEN To Go.

Was diese Woche wichtig wird 

  • Im Laufe der Woche, Berichtssaison USA | Aus dem S&P 500 berichten acht Unternehmen, darunter Micron Technology, Accenture, Nike, Jabil und Carnival. 

Freitag

  • Eurozone | Verbraucherpreisinflation im September (Schnellschätzung). Die Inflationsdynamik dürfte sich angesichts gestiegener Öl- und Kraftstoffpreise spürbar beschleunigt haben und zunehmend auch auf die Preise weniger volatiler Güter und Dienstleistungen ausstrahlen. Für die Gesamtinflation erwarten Volkswirte im Median einen Anstieg von 3,2 auf 3,6 Prozent, die Kernrate dürfte von 2,4 auf 2,5 Prozent zugelegt haben. Deutlichere Anzeichen eines sich verfestigenden zugrunde liegenden Preisdrucks dürften die Erwartungen an eine restriktivere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank stützen. Derzeit preisen die Märkte den nächsten Zinsschritt um 0,25 Prozentpunkte für die übernächste Sitzung im Dezember ein.
  • USA | Arbeitsmarktbericht für September. Die Arbeitslosenquote dürfte den dritten Monat in Folge mit 4,1 Prozent auf dem niedrigsten Stand seit Juni 2025 verharren. Gleichzeitig könnte sich der Stellenaufbau außerhalb der Landwirtschaft auf 100.000 neue Arbeitsplätze abgeschwächt haben. Allerdings wurde im August mit 162.000 neuen Stellen der stärkste Zuwachs seit März verzeichnet. Insgesamt würde dies die Widerstandsfähigkeit des US-Arbeitsmarkts untermauern. Mit Blick auf das Doppelmandat der US-Notenbank dürfte der Fokus der Geldpolitik damit zunächst weiter auf der Bekämpfung der zu hohen Inflation liegen.

Zahl des Tages: 33

Eigentlich wollte Yan Yanjia aus dem chinesischen Guilin nur etwas Gewicht verlieren – doch das motivierte ihn, einen nicht alltäglichen Weltrekord aufzustellen. Yan hatte gerade mit dem Training begonnen, als ihn ein Hula-Hoop-Video aus dem Internet auf eine kreative Idee brachte. Nach mehreren Jahren Vorbereitung war es so weit. Kopfüber an einem Klettergerüst hängend ließ Yan 33 Hula-Hoop-Reifen gleichzeitig um seine Hüfte kreisen, zehn mehr als bei der alten Bestmarke. Inzwischen arbeitet der Rekordhalter daran, die Reifen in Bewegung zu halten, während er Klimmzüge macht, was noch viel schwieriger sein soll. Ein anderes Ziel hat er jedoch längst erreicht: Seit dem Start des Trainings konnte Yan fast 20 Kilogramm abnehmen. 

Wechseln Sie heute die Perspektive. 

Herzlichst

Ihr Ulrich Stephan

Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden

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