10. Juli 2026
Liebe Leserinnen und Leser,
die Aktienmärkte der Golfstaaten reagieren auf die erneute Eskalation des Konflikts USA–Iran unterschiedlich, die Protokolle der jüngsten Fed-Sitzung offenbaren Meinungsunterschiede innerhalb der US-Notenbank, und chinesische Anbieter treiben Robotaxis voran.
Eskalation Iran–USA: Golfbörsen reagieren unterschiedlich
Die Aktienmärkte der Golfstaaten reagierten auf die erneute Eskalation des Konflikts zwischen den USA und dem Iran am Mittwoch differenziert. Während die Indizes MSCI Saudi Arabia und MSCI Oman um 0,3 beziehungsweise 1,6 Prozent zulegten, gab der MSCI United Arab Emirates (UAE) Index leicht um 0,1 Prozent nach. Die positive Entwicklung der saudischen und omanischen Aktienmärkte dürfte vor allem auf die erneut gestiegenen Ölpreise zurückzuführen sein. Ölwerte machen rund 15 Prozent des saudischen und 36 Prozent des omanischen Indexes aus. Zudem ist die Abhängigkeit der Ölexporte beider Länder von der Straße von Hormus gering. Saudi-Arabien kann rund 75 Prozent seiner Exporte über die Petroline-Pipeline zum Roten Meer umleiten, während der Oman aufgrund seines direkten Zugangs zum Indischen Ozean nicht auf die Meerespassage angewiesen ist. Gleichzeitig machen Ölwerte im MSCI UAE weniger als zehn Prozent des Indexes aus. Zwar haben die Märkte nach der Vereinbarung zwischen den USA und dem Iran vor drei Wochen bereits niedrigere Ölpreise eingepreist. Das Schiffsaufkommen liegt jedoch weiterhin deutlich unter dem Vorkrisenniveau, was auf anhaltende Risiken hindeutet. Für risikofreudige Anleger könnten ausgewählte Werte der Golfregion daher einen vorsichtigen Blick wert sein. Die geopolitische Unsicherheit bleibt jedoch hoch.
Fed-Protokoll offenbart Uneinigkeit über künftigen Zinspfad
Die Protokolle der geldpolitischen Sitzung der US-Notenbank vom 16./17. Juni 2026 verdeutlichen Meinungsunterschiede innerhalb der US-Notenbank hinsichtlich des weiteren Zinspfads. Während ein Teil der Mitglieder von einer nachlassenden Inflation ausgeht und daher Zinssenkungen bis Jahresende für angemessen hält, sehen andere weiterhin Inflationsrisiken und schließen zusätzliche Zinserhöhungen nicht aus. Ein Konsens bestand aber darin, den Leitzins unverändert in der Spanne von 3,5 bis 3,75 Prozent zu belassen. Als zentrale Unsicherheitsfaktoren wurden die inflationssteigernden Effekte der US-Zölle, die Folgen des Iran-Krieges sowie frühere Energiepreisanstiege genannt. Die Mehrheit der Teilnehmer erwartet zwar einen allmählichen Rückgang der Inflation, beurteilt die Risiken jedoch weiterhin als aufwärtsgerichtet. Künftige geldpolitische Entscheidungen sollen daher strikt datenabhängig erfolgen. Die unter dem neuen Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh veröffentlichten Protokolle enthalten bewusst keine Hinweise auf den zukünftigen Kurs der Geldpolitik. Dies steht im Einklang mit Warshs Kritik an einer zu starken Vorabkommunikation, der „Forward Guidance“. Der Markt hatte nach der Pressekonferenz von Warsh offenbar zunächst mit einer restriktiveren Fed gerechnet. Zuletzt sind die Erwartungen an weitere Zinserhöhungen jedoch gesunken.
Immobilien-Sektor schlägt US-Gesamtmarkt
Der Immobilien-Sektor des S&P 500 hat sich seit Jahresbeginn mit einer Gesamtrendite von rund 15 Prozent in Euro besser entwickelt als der US-Gesamtmarkt.
Bemerkenswert ist dabei, dass sich die Kursentwicklung zuletzt zunehmend von den Renditen langfristiger Staatsanleihen entkoppelt hat. Dies könnte darauf hindeuten, dass Marktteilnehmer verstärkt auf eine Verbesserung der Fundamentaldaten setzen, während der Gegenwind durch steigende Finanzierungskosten in den Hintergrund rückt. Tatsächlich hat sich der Trend bei den Gewinnerwartungen zuletzt aufgehellt: Für die nächsten zwölf Monate rechnen Analysten derzeit mit einem Gewinnanstieg von rund zehn Prozent. Zwar bleibt das erwartete Gewinnwachstum damit hinter einigen Bereichen des Gesamtmarktes zurück, die Gewinnentwicklung erscheint jedoch besser planbar. Zusätzlichen Rückenwind für die Gewinne könnte der Sektor erhalten, falls die Zinsen sinken. Für defensiver ausgerichtete Anleger könnten US-Immobilienwerte damit eine interessante Ergänzung darstellen, insbesondere vor dem Hintergrund der zuletzt hohen Schwankungen vieler KI-Infrastrukturwerte und der geringen Abhängigkeit des Sektors Immobilien vom KI-Investitionszyklus.
Robotaxis auf der Überholspur: China setzt neue Maßstäbe
Der Einsatz von Robotaxis hat bereits begonnen und wird derzeit vor allem von chinesischen Anbietern vorangetrieben. Rasche Fortschritte bei autonomen Fahrsystemen, unterstützende regulatorische Rahmenbedingungen sowie sinkende Hardwarepreise haben die Kosten pro Fahrt für die Betreiber in einigen chinesischen Städten auf bis zu 0,5 US-Dollar je Kilometer reduziert. Gleichzeitig zeigen sich chinesische Verbraucher offen gegenüber der neuen Technologie. Infolgedessen expandieren die Anbieter in weitere Städte und bauen Partnerschaften innerhalb des Software- und Mobilitätsökosystems auf. Analysten erwarten, dass der Anteil von Robotaxis am chinesischen Fahrdienstmarkt von 0,3 Prozent im Jahr 2025 auf 12 Prozent bis 2030 steigen könnte. Davon dürften nicht nur die Betreiber selbst, sondern auch Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette profitieren. Vor diesem Hintergrund könnten sich für Investoren selektive Investitionsmöglichkeiten entlang der Robotaxi-Wertschöpfungskette ergeben. Das größte Risiko bleibt ein möglicher Stimmungsumschwung bei Verbrauchern oder Regulierungsbehörden infolge eines größeren Unfalls oder aufgrund von Sicherheitsbedenken.
Halbzeit an der Börse: Rekorde trotz Krisen
Das erste Börsenhalbjahr fällt stark aus: Trotz geopolitischer Spannungen erreichen wichtige Aktienmärkte Rekorde. Getrieben wird die Rally allerdings vor allem von wenigen großen Gewinnern – insbesondere aus dem Umfeld der Infrastruktur rund um Künstliche Intelligenz. Wie robust diese Entwicklung wirklich ist, welche Märkte vorn liegen und was Anleger jetzt beachten sollten, analysieren Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und ich in der aktuellen Folge unseres Börsenpodcasts.
Zahl des Tages: 13
Wissen Sie auf Anhieb, was Sie zum Beispiel am 10. Juli 2019 getan haben – oder was an diesem Tag in den Nachrichten kam? Für einen namentlich nicht genannten Schüler aus Italien wäre die Antwort kinderleicht, wie eine Gruppe um Tiziana Pedale von der Universität Perugia jetzt in einer Studie beschrieben hat. Der 13-Jährige ist die jüngste bekannte Person, die über ein außergewöhnliches autobiografisches Gedächtnis (fachsprachlich: HSAM) verfügt. Diese sehr seltene Fähigkeit wurde erstmals 2006 bei einer Frau aus Kalifornien dokumentiert und seitdem nur bei rund 60 Personen weltweit beobachtet. Pedale und Kollegen glauben, dass die Betroffenen über ein erweitertes neuronales Netzwerk verfügen, mit dem sie alle Erlebnisse und Informationen abspeichern können – um sie bei Bedarf sofort parat zu haben.
Entdecken Sie heute ein ungewöhnliches Talent.
Herzlichst
Ihr Ulrich Stephan
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden
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