15. September 2026
Liebe Leserinnen und Leser,
geopolitische Spannungen treiben den Brent-Ölpreis auf über 108 US-Dollar je Barrel, der Kupferpreis schwankt nach einem Rekordhoch, und Cybersicherheit entwickelt sich weltweit zu einem attraktiven Investitionsthema.
Ölpreis steigt nach Angriffen auf saudische Infrastruktur
Drohnenangriffe auf Pumpstationen der saudi-arabischen Ost-West-Ölpipeline haben Sorgen vor Angebotsausfällen vergrößert und den Brent-Preis zum Wochenauftakt um knapp vier Prozent auf über 108 US-Dollar je Barrel steigen lassen.
Die Märkte hatten sich zuletzt auf Risiken an der Straße von Hormus eingestellt. Dass nun auch der alternative Transportweg über das Rote Meer als bisher wichtige Entlastung ins Visier gerät, erhöht die Unsicherheit über die globale Ölversorgung. Die Aktienmärkte reagierten weltweit mit Kursverlusten. Für die kommenden Wochen dürfte das Marktumfeld herausfordernd bleiben: Geopolitische Risiken, höhere Energiepreise, die Belastbarkeit des KI-Investitionszyklus und Schwankungen an den Anleihemärkten könnten die Anlegerstimmung wiederholt auf die Probe stellen. Für Aktien bleibe ich auf mittlere Sicht dennoch konstruktiv, gestützt von soliden Fundamentaldaten, robusten Unternehmensgewinnen und weiterhin begrenzten Rezessionsrisiken. Mögliche weitere Rücksetzer könnten Kaufgelegenheiten eröffnen; Risikomanagement bleibt dabei allerdings unerlässlich.
US-Zollpolitik sorgt für Schwankungen am Kupfermarkt
Kupfer erreichte vergangene Woche an der Londoner Metallbörse mit rund 14.875 US-Dollar je Tonne ein Rekordhoch. Seitdem sind die Preise um etwa vier Prozent gefallen. Hintergrund ist ein Bericht, wonach das Weiße Haus die Einführung von Zöllen auf raffiniertes Kupfer wegen Inflationssorgen derzeit hinauszögert. Bislang gelten 50 Prozent Zoll nur für halbfertige Kupferprodukte. Die jüngste Kursrally wurde vor allem durch hohe Kupferimporte in die USA gestützt, die das Angebot in anderen Regionen verknappten. Derzeit rechnen die Marktteilnehmer weiterhin mit Importzöllen, weshalb Kupfer trotz des Rücksetzers auf hohem Niveau verharrt. Sollte die Zollandrohung jedoch perspektivisch ganz entfallen, könnte ein Abbau der Lagerbestände in den USA die Preise merklich belasten. Kurzfristig sollten die Notierungen somit weiter empfindlich auf neue Nachrichten zur Zollpolitik reagieren.
KI-Sicherheitsdebatte trübt die Stimmung: Langfrist-Trend bleibt intakt
In den vergangenen Tagen rückte die Debatte um die Sicherheit von KI-Modellen in den Vordergrund. Auslöser waren Warnungen prominenter Branchenvertreter, dass die Entwicklung leistungsfähigerer Systeme schneller voranschreiten könnte als die zugehörigen Sicherheits- und Kontrollmechanismen. Dies lastete zu Wochenstart auf vielen Chip- und KI-Infrastrukturwerten. Die Folgen für die breitere Wertschöpfungskette dürften jedoch begrenzt bleiben. Zwar könnten strengere Sicherheitsanforderungen das Tempo an der technologischen Spitze etwas dämpfen. Trittbrettfahrer-Anreize einzelner Unternehmen könnten die Verlangsamung jedoch teilweise begrenzen. Unter dem Strich dürften steigende Sicherheitsanforderungen das Vertrauen in die Technologie stärken und so die Verbreitung von KI-Anwendungen langfristig stützen. Mit der zunehmenden Einführung von KI in Unternehmen dürfte auch die Nachfrage nach Rechenleistung aus deren praktischer Nutzung immer stärker werden.
KI treibt das Private-Equity-Interesse an Cybersicherheit
Cybersicherheit hat sich weltweit zu einem attraktiven Investitionsthema entwickelt. Durch Künstliche Intelligenz (KI) können Cyberangriffe zwar schneller und kostengünstiger durchgeführt werden. Gleichzeitig ist KI aber auch ein zentraler Bestandteil zur Abwehr ebendieser Angriffe: Unternehmen nutzen Cybersicherheitslösungen zur Bedrohungserkennung, Prävention, Identifikation von Schwachstellen und zur Reaktion auf Vorfälle. Dies fördert Investitionen sowie Fusionen und Übernahmen im Cybersicherheitsmarkt. Weltweit wurden im Jahr 2025 für rund 130 private Eigenkapitalfonds, die Cybersicherheit als eine Zielbranche abdecken, die angestrebten Kapitalzugaben von Investoren erreicht. Im nächsten Schritt werden diese Fonds die eingesammelten Gelder investieren. In diesem Jahr kommen bislang weltweit rund 70 weitere Fonds hinzu, in einem grundsätzlich herausfordernden geopolitischen Umfeld für Private Equity Fonds. Wenngleich die Geschwindigkeit, mit der neue Fonds aufgelegt werden, abnehmen könnte, können langfristig orientierte, risikobereite Anleger in diesem Bereich weiterhin Chancen finden.
Effiziente Märkte: Mythos oder Realität?
Kapitalmärkte sollen Informationen möglichst schnell und effizient in Preise übersetzen. Gleichzeitig gibt es Unterschiede zwischen hochliquiden Börsenplätzen und weniger effizienten Marktsegmenten, in denen aktive Anleger Chancen suchen. Wie Bewertungen entstehen und welche Rolle Hochfrequenzhandel und Liquidität spielen, analysiere ich im Gespräch mit Finanzjournalistin Jessica Schwarzer.
Zahl des Tages: 20
Wie es auf der Erde im Jura-Zeitalter ausgesehen hat, lässt sich ganz gut rekonstruieren. Aber wie hat die Welt damals geklungen? Thorin Johnsson von der Universität Graz und sein Team haben erstmals Insektenstimmen aus der Zeit der Dinosaurier nachgebildet. Die Arbeit der Bioakustiker basiert auf 165 Millionen Jahre alten Fossilien von Heuschrecken, die in der Inneren Mongolei entdeckt wurden. 20 dieser Fossilien wiesen intakte Flügel auf, die es den Forschern erlaubten, die damit erzeugten Töne mithilfe eines KI-Modells neu erklingen zu lassen. Es zeigte sich: Die meisten Insekten erzeugten tieffrequente Laute im Bereich von etwa fünf Kilohertz, die denen heutiger Grillen ähnelten. Eine Spezies namens Sigmaboilus peregrinus kommunizierte dagegen im Ultraschallbereich – möglicherweise eine frühe Strategie, um von Fressfeinden überhört zu werden.
Ich wünsche Ihnen einen stimmigen Tag.
Herzlichst
Ihr Ulrich Stephan
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden
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