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Tägliche Kapitalmarkteinschätzungen von Dr. Ulrich Stephan,
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7. Mai 2026

Liebe Leserinnen und Leser,

am Markt für britische Staatsanleihen wird ein Risikoaufschlag vor den heutigen Kommunalwahlen in England sowie den Parlamentswahlen in Schottland und Wales eingepreist, die gestrigen ADP-Arbeitsmarktdaten unterstreichen die robuste Verfassung der US-Wirtschaft, und Technologiewerte führen unter asiatischen Schwellenländeraktien.

UK-Gilts unter Druck: Wahlen, Inflation und Fiskalsorgen lassen Renditen steigen

Die Renditen 30-jähriger britischer Staatsanleihen stiegen am Dienstag auf knapp 5,8 Prozent – das höchste Niveau seit 1998 –, bevor sie gestern, dem globalen Trend folgend, auf gut 5,6 Prozent konsolidierten. Neben erhöhten Inflationserwartungen aufgrund steigender Rohstoffpreise preisen die Märkte vor allem einen hohen innenpolitischen Risikoaufschlag vor den heutigen Kommunalwahlen in England sowie den Parlamentswahlen in Schottland und Wales ein. Aktuelle Umfragen deuten auf erhebliche Verluste für die im Königreich regierende Labour Party von Premierminister Keir Starmer hin, während die Parteien Reform UK und die Green Party of England and Wales voraussichtlich merklich hinzugewinnen dürften. Die Labour Party dürfte zudem auch in Wales und Schottland Sitze verlieren. Treffen die Umfragen zu, könnte die Labour Party anschließend zur Rückgewinnung von Wählern mit einer wesentlich expansiveren Fiskalpolitik reagieren, was an den Finanzmärkten die Sorgen hinsichtlich der Schuldentragfähigkeit Großbritanniens erhöhen würde. Zwar dürfte ein Großteil des politischen Risikos bereits in den Renditen eingepreist sein – im Gegensatz zum Kurs des Pfund Sterlings. Gleichwohl dürften die erhöhten Inflationsrisiken und der anhaltend hohe Finanzierungsbedarf des Staates den Druck auf langfristige britische Staatsanleihen aufrechterhalten.

Wechselkursentwicklung des US-Dollars zum Yen.

Marktbeobachter schätzen den Einsatz zur Stützung der Währung auf rund 34,5 Milliarden US-Dollar; danach stieg der Yen auf etwa 155,6 Yen je Dollar. An den Märkten gilt das als Signal, dass die Schwelle von 160 Yen je Dollar für die Währungshüter eine klare Grenze ist, die sie bei Bedarf erneut verteidigen. Für eine nachhaltige Erholung bräuchte es jedoch sowohl eine spürbare Entspannung im Nahostkonflikt – da Japan stark von Energieimporten abhängig ist – als auch eine geringere Zinsdifferenz zwischen den USA und Japan, die Kapital nach Japan zurücklenken könnte. Solange beides ausbleibt, dürfte der Abwertungsdruck auf den Yen anhalten.

Starke ADP-Daten unterstreichen Widerstandskraft der US-Konjunktur

In den USA unterstreichen die gestrigen ADP-Arbeitsmarktdaten die robuste Verfassung der US-Wirtschaft. Private Unternehmen schufen im April per Saldo 109.000 neue Stellen. Der stärkste Zuwachs seit gut einem Jahr ist breit getragen über Branchen und Unternehmensgrößen. Gleichzeitig bleibt das Lohnwachstum oberhalb der Inflationsrate und stützt die Kaufkraft vieler Haushalte. Ein umfassenderes Bild – einschließlich des öffentlichen Sektors – liefert der morgige Arbeitsmarktbericht der staatlichen Statistikbehörde, für den im Konsens 65.000 neue Stellen im April erwartet werden. Zudem deuten jüngste Stimmungsindikatoren auf eine anhaltende Ausweitung der wirtschaftlichen Aktivität bei Dienstleistern und Industrieunternehmen hin. Der Wachstumsindikator der Atlanta-Fed für das aktuelle Quartal liegt derzeit auf dem höchsten Stand seit Februar. Zwar neigt die Echtzeitschätzung zur Überzeichnung, dennoch spricht vieles für eine anhaltende konjunkturelle Erholung, einen widerstandsfähigen Arbeitsmarkt und Verbraucher, die trotz steigender Lebenshaltungskosten über die notwendige Kaufkraft verfügen. Eine baldige, wiederholt von der US-Regierung geforderte Senkung der Leitzinsen erscheint vor diesem Hintergrund auf absehbare Zeit wenig wahrscheinlich.

Optische Netzwerke: Zweitrundengewinner des KI-Investitionszyklus

Anbieter optischer Netzwerktechnologien können als Zweitrundengewinner des Investitionszyklus im Bereich Künstliche Intelligenz (KI) betrachtet werden. Optische Netzwerke nutzen Licht, das über Glasfaserkabel übertragen wird, um Daten effizient zwischen Servern und Rechenzentren zu transportieren und damit die Rechenleistung zu erhöhen. Mit der zunehmenden Integration optischer Netzwerke in KI-Rechenzentren sind US-Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette optischer Netzwerktechnologien gut positioniert, um vom durch KI getriebenen Investitionsboom zu profitieren. Dazu zählen Anbieter optischer Transceiver und entsprechender Komponenten wie Laser und photonische Module ebenso wie Hersteller von Switching-, Routing- und Glasfaserlösungen. Analysten erwarten, dass sich das Wachstum des Sektors bis 2028 fortsetzt. Vor diesem Hintergrund könnten sich selektive langfristige Chancen innerhalb der Technologie- und Telekommunikationssubindizes des S&P 500 ergeben.

Asiens Schwellenländer profitieren von KI-Boom und Infrastrukturinvestitionen

Asiatische Schwellenländeraktien haben gemessen am MSCI EM Asia Index seit Jahresbeginn in Euro um knapp 20 Prozent zugelegt. Technologiewerte führen mit einem Plus von 57 Prozent, gefolgt von Industriewerten und Versorgern. Dagegen verlieren Hersteller zyklischer Konsumgüter rund fünf Prozent, Kommunikationsdienstleister sogar knapp 18 Prozent. Entsprechend stellt der technologiegetriebene Markt Taiwans inzwischen rund 30 Prozent der Marktkapitalisierung des MSCI EM Asia und liegt damit auf Augenhöhe mit China. Auch Südkorea gewinnt dank seiner Technologie- und Industrieexponierung an Gewicht, während Indien an Bedeutung einbüßt. Die zugrunde liegenden Kapitalflüsse folgen zwei strukturellen Trends:

  • Erstens treibt der globale Ausbau von durch Künstliche Intelligenz (KI) gestützten Anwendungen die Nachfrage nach leistungsfähigen Halbleitern aus Taiwan und Südkorea.
  • Zweitens profitieren auch Asiens Industrieunternehmen und Versorger von steigenden Investitionen in Energie, Rechenzentren und Infrastruktur sowie vom wachsenden, KI-induzierten Strombedarf und staatlicher Förderung der Versorgungssicherheit.

Vor diesem Hintergrund können temporäre Rücksetzer – etwa infolge geopolitischer Unsicherheiten – selektive Einstiegschancen bei Profiteuren dieser strukturellen Trends eröffnen.

MSCI World: guter Index oder überschätztes Investment?

Der MSCI World zählt zu den beliebtesten Indizes bei ETF‑Anlegern. Seine starke USA‑ und Technologielastigkeit sorgt jedoch immer wieder für Kritik. Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und ich ordnen ein, welche Rolle der MSCI World als Basisinvestment spielen kann – und wann Ergänzungen sinnvoll sind.

Zahl des Tages: 33.518

Ein Forscherteam des Smithsonian Environmental Research Center (SERC) im US-Bundesstaat Maryland hat in diesem Frühjahr einen rund neun Hektar großen Wald gepflanzt. Keinen gewöhnlichen Wald jedoch: Insgesamt 33.518 Bäume aus 20 Baumarten stehen in gemischten Gruppen zusammen und werden künftig mit Sensoren, Drohnen und Kamerafallen beobachtet. Die Analysen sollen zeigen, welche Kombinationen von Arten für einen biodiversen, funktionalen Wald besonders günstig sind. Unter anderem interessiert sich das SERC für Feuer- und Klimaresilienz, die Verbreitung von Insekten und eine effiziente Forstwirtschaft. Dabei können die Wissenschaftler auf langfristige Daten hoffen – viele Bäume des Musterwalds haben eine Lebenserwartung von 250 Jahren und mehr.

Finden Sie heute die richtige Mischung.

Herzlichst

Ihr Ulrich Stephan

Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden

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