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Tägliche Kapitalmarkteinschätzungen von Dr. Ulrich Stephan,
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20. Oktober 2026

Liebe Leserinnen und Leser,

KI steigert laut einer Studie der Europäischen Investitionsbank die Produktivität bislang ohne Stellenabbau, Chinas Wirtschaftswachstum beschleunigt sich im dritten Quartal auf 4,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr, und die Aluminiumpreise geben an der Londoner Metallbörse trotz beeinträchtigter Exporte und historisch niedriger Lagerbestände nach.

EIB-Studie: KI steigert Produktivität bislang ohne Stellenabbau

Wie sich der Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) auf Produktivität und Beschäftigung auswirkt, untersucht eine Studie der Europäischen Investitionsbank (EIB) anhand von Daten zu mehr als 12.000 Unternehmen. Das zentrale Ergebnis ist bemerkenswert: Unternehmen, die KI einsetzen, steigern ihre Arbeitsproduktivität im Durchschnitt um rund vier Prozent. Dabei entsteht der Produktivitätsgewinn bislang nicht durch Stellenabbau. Vielmehr erhöht KI offenbar die Leistung der Beschäftigten, indem sie Arbeit unterstützt und vorhandenes Kapital effizienter nutzbar macht. Auch die Löhne liegen in KI-nutzenden Unternehmen höher. Allerdings profitieren nicht alle Firmen gleichermaßen. Die positiven Effekte konzentrieren sich vor allem auf mittlere und große Unternehmen, während kleine Betriebe deutlich weniger gewinnen. Entscheidend ist zudem, KI nicht isoliert einzuführen: Investitionen in Software, Daten und insbesondere die Weiterbildung der Beschäftigten verstärken den Nutzen erheblich. Für Europa lautet die Botschaft daher: KI kann Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit spürbar erhöhen, benötigt dafür aber Kapital, digitale Infrastruktur und qualifizierte Mitarbeiter.

Finnlands Leitindex lässt den STOXX 600 hinter sich

Der finnische Leitindex OMX Helsinki 25 hat seit Jahresbeginn um rund 15 Prozent zugelegt und damit den europäischen Referenzindex STOXX 600, der um rund acht Prozent stieg, übertroffen. Getragen wurde die Entwicklung von einer kleinen Zahl von Unternehmen, die vom globalen Ausbau der Infrastruktur für Künstliche Intelligenz, der Erholung der globalen Industrienachfrage sowie erhöhten Öl- und Gaspreisen profitieren. Zudem profitierte der Index von der höchsten Zahl an Börsengängen seit vier Jahren. Trotz eines jüngsten Rücksetzers infolge von Sorgen rund um das KI-Thema könnte weiteres Aufwärtspotenzial bestehen. Analysten erwarten derzeit ein Wachstum der Gewinne je Aktie um rund 31 Prozent im Jahr 2026 und um rund 14 Prozent im Jahr 2027. Die geringe Breite des Wachstums macht den Markt jedoch weiterhin von einer begrenzten Zahl von Unternehmen abhängig.

Chinas Wirtschaft wächst etwas stärker als erwartet

Chinas Wirtschaftswachstum beschleunigte sich im dritten Quartal auf 4,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Nach 4,3 Prozent im zweiten Quartal hatte der Analystenkonsens ein Plus von 4,4 Prozent erwartet. Während die Konjunktur stark von KI-bezogener Nachfrage aus dem In- und Ausland sowie staatlicher Unterstützung abhängig bleibt, verringert das besser als erwartete dritte Quartal die Notwendigkeit zusätzlicher Stimuli. Entsprechend verhalten reagierten die chinesischen Aktienmärkte zu Wochenbeginn. Erst Ende September hatte Peking gezielte Unterstützungsmaßnahmen auf den Weg gebracht, darunter 93 Milliarden Euro zusätzliche Bankenliquidität und Zinssubventionen für Wohnungskäufer, deren konjunkturelle Wirkung zunächst abgewartet werden dürfte. Für einen anhaltenden, selbsttragenden Aufschwung müssten vor allem auch die privaten Investitionen wieder anziehen.

Aluminium: Historisch niedrige Lagerbestände stützen die Preise

Die Preise für Aluminium gaben an der Londoner Metallbörse (LME) von ihren September-Höchstständen bis Ende vergangener Woche mehr als zehn Prozent auf 3.001 US-Dollar je Tonne nach – obwohl die Exporte durch die Straße von Hormus weiterhin stark beeinträchtigt sind.

Wesentliche Belastungsfaktoren waren höhere US-Renditen beziehungsweise ein festerer US-Dollar, Gewinnmitnahmen nach der vorherigen Rally und Unsicherheit über die chinesische Nachfrage. Gleichzeitig sanken jedoch in der vergangenen Woche die Bestände an der LME auf den niedrigsten Stand der verfügbaren 19-jährigen Datenreihe. Auch in China sind die börsenregistrierten Bestände ungewöhnlich niedrig. Die historisch niedrigen Börsenbestände dürften den Abwärtsdruck auf die Aluminiumpreise begrenzen und könnten bei anziehender Nachfrage oder erneuten Angebotsstörungen eine kräftige Preiserholung begünstigen.

Bekommt Frankreich seine Schulden in den Griff?

Frankreichs hohe Verschuldung beunruhigt viele Anleger und führt zu rekordhohen Risikoaufschlägen am Anleihemarkt. Stehen wir vor einer neuen Euro-Krise? Oder können Anleger jetzt von hohen Anleihezinsen profitieren? Außerdem: Was ist von der anlaufenden Berichtssaison in den USA und in Europa zu erwarten? Darüber spreche ich mit Finanzjournalistin Jessica Schwarzer.

Zahl des Tages: 100

Mögen Sie Süßes? Dann könnten Sie ein sicherheitsorientierter Anleger sein, glaubt Ksenia Panidi von der HSE University in Moskau. Die Forscherin und ihr Team setzten Versuchsteilnehmern zunächst unterschiedlich stark gezuckerte Wasserlösungen vor und notierten, welchen Süßegrad sie bevorzugten. Dann stellten sie die Probanden vor die Wahl, entweder garantiert 100 Geldeinheiten zu gewinnen oder auf einen höheren Gewinn von bis zu 500 Einheiten zu wetten. Es zeigte sich: Die Liebhaber der süßesten Lösung entschieden sich besonders oft für eine garantierte Auszahlung. Warum das so ist, blieb allerdings unklar. Zudem war die Versuchsgruppe noch zu klein, um gesicherte Aussagen zu treffen – von Vermögensstrategien speziell für Kuchenesser ist also definitiv abzuraten. 

Treffen Sie heute die richtige Wahl. 

Herzlichst

Ihr Ulrich Stephan

Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden

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