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Tägliche Kapitalmarkteinschätzungen von Dr. Ulrich Stephan,
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden.
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21. August 2026

Liebe Leserinnen und Leser,

am Aktienmarkt ist von Nervosität wenig zu spüren, die US-Börsenaufsicht stützt den Investitionsboom bei Rechenzentren, und in London wurde vorübergehend das Kupfer knapp.

Volatilität: Aktienmärkte bleiben entspannt 

Geopolitik, steigende Öl- und Gaspreise sowie Debatten über die Monetarisierung von Künstlicher Intelligenz prägen derzeit die Marktdiskussionen. Von Nervosität ist jedoch wenig zu spüren. Das US-Schwankungsbarometer VIX liegt trotz des jüngsten Anstiegs auf niedrigem Niveau, während die realisierte Volatilität europäischer Aktien saisonbereinigt auf dem niedrigsten Stand seit 2005 verharrt. Unterstützung liefern moderate US-Inflationszahlen, besser als erwartet ausgefallene Konjunkturdaten und eine starke Berichtssaison. Zwar könnten die US-Zwischenwahlen, geopolitische Entwicklungen oder die KI-Debatte die Volatilität jederzeit wieder erhöhen. Für Aktien bleibt jedoch die Gewinnentwicklung der entscheidende Anker. Bestätigt sich die zuletzt robuste Dynamik – für globale Aktien inklusive der Schwellenländer werden 2026 Gewinnsteigerungen von rund 33 Prozent erwartet –, dürften Aktien trotz eines volatileren Umfelds weiter unterstützt bleiben.

US-Rechenzentren: Flexiblere Finanzierung 

Die US-Börsenaufsicht (SEC) hat mit einer Stellungnahme im Juli dieses Jahres für mehr Klarheit über die Finanzierung von Rechenzentren gesorgt. Bislang war umstritten, ob bestimmte Finanzierungsmodelle als klassische Verbriefungen gelten. Bei einer Verbriefung werden künftige Einnahmen finanzierter Projekte gebündelt und zur Finanzierung des jeweiligen Projektes genutzt. Die SEC betrachtet Rechenzentren nun als operative physische Infrastruktur und nicht als selbsttilgende Projekte mit Bündeln von Zahlungsansprüchen, die laufende Erträge generieren – sogenannte Forderungspools. Damit entfallen einige der nach der Finanzkrise eingeführten Vorgaben.

Dies ermöglicht flexiblere Finanzierungsstrukturen, erhöht deren Kapitaleffizienz durch einen geringeren Eigenkapitalbedarf und reduziert den Dokumentationsaufwand. Zahlungsströme von Rechenzentren werden somit handelbar. Die Stellungnahme der SEC ist keine formelle Regeländerung, schafft aber rechtliche Klarheit für innovative Verbriefungen (Securitizations). Vor diesem Hintergrund sind großvolumige Finanzierungsvehikel für KI-Infrastruktur, die führende Technologieunternehmen gemeinsam mit Vermögensverwaltern und Banken aufsetzen, rechtlich begünstigt, sofern sie solche Verbriefungsstrukturen nutzen. Der Investitionsboom bei Rechenzentren könnte daher noch anhalten.

Kupfer-Knappheit an der Londoner Börse

Der Londoner Kupfermarkt zeigte zuletzt deutliche Anzeichen physischer Knappheit. Die Bestände in den Lagerhäusern der Metallbörse LME haben sich binnen drei Monaten nahezu halbiert, und die Prämie für sofortige Lieferung gegenüber dem Drei-Monats-Kontrakt erreichte im Wochenverlauf den höchsten Stand seit 2021. Hintergrund ist die Verlagerung erheblicher Mengen physischer Ware in die USA vor möglichen US-Zöllen auf raffiniertes Kupfer. Der Engpass in London könnte jedoch kurzlebiger Natur sein: Nach Anlieferung von rund 20.000 Tonnen in Lagerhäuser der LME ging der Preisaufschlag deutlich zurück. 

Die Verknappung ist somit aktuell vor allem regionaler Natur und noch kein Beleg für eine globale Angebotslücke. Allerdings bleibt die Nachfrage durch Netzausbau und Elektrifizierung hoch, während neue Minenprojekte Jahre bis zum Produktionsstart benötigen. Preisausschläge könnten auch zukünftig kräftig ausfallen, wobei die Kupferpreise durch die wachsende Nachfrage fundamental gestützt bleiben sollten.

Favoritenwechsel an der Börse: Was die Gewinner von morgen ausmacht

Künstliche Intelligenz, Abnehmspritzen, Rüstung oder Erneuerbare Energien: An der Börse wechseln die Favoriten regelmäßig. Manche Trends bleiben über Jahre gefragt, andere verlieren plötzlich an Dynamik. Doch lassen sich solche Favoritenwechsel frühzeitig erkennen? Dr. Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank, spricht mit Finanzjournalistin Jessica Schwarzer darüber, worauf Anleger bei Zukunftstrends achten sollten.

Zahl des Tages: 3

Kein Sommer ohne Sommerfestivals, Musik, Theater und Events. Doch wem der ganze Trubel zu viel wird, für den gibt es in der tschechischen Hauptstadt jetzt ein Festival, bei dem es um gar nichts geht – das „Festival about Nothing“. Der Name ist Programm: Bis zum Sonntag können Besucherinnen und Besucher am historischen Wasserturm im Prager Letná-Viertel ohne Erlebnisdruck drei Tage lang gemeinsam abschalten, Energie tanken oder einfach mal nichts tun. Zur Untätigkeit ist trotzdem niemand gezwungen: Für alle, die das Nichtstun gern etwas aktiver gestalten möchten, bieten die Veranstalter kostenlose Tanz- und Yogakurse an. 

Ich wünsche Ihnen einen entspannten Tag. 

Herzlichst

Ihr Ulrich Stephan

Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden

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