16. Oktober 2026
Liebe Leserinnen und Leser,
die Kosten für Kreditausfallversicherungen einiger Technologie- und KI-naher Unternehmen steigen deutlich, Frankreich steckt in einem haushaltspolitischen Dilemma, und steigende Erzeugerpreise verschärfen Inflationssorgen in den USA.
KI-Investitionsboom trifft auf wachsende Kreditrisiken
Die Kosten für Kreditausfallversicherungen ausgewählter Technologie- und KI-naher Unternehmen sind diese Woche deutlich gestiegen. Besonders ausgeprägt war die Entwicklung bei hoch verschuldeten Rechenzentrumsbetreibern. Die Entwicklungen spiegeln die wachsende Sorge der Anleger darüber wider, wie schnell die massiven Investitionen in Künstliche Intelligenz Gewinne abwerfen werden und ob hoch verschuldete Unternehmen ausreichend schnell Renditen erwirtschaften können, um die steigenden Zinskosten zu bedienen. Die Spreads fünfjähriger Kreditausfall-Swaps von Cloud-Computing-Riesen und KI-Investoren weiteten sich in der Nacht zu Donnerstag um rund 0,25 Prozentpunkte aus, bei kleineren Rechenzentrumsbetreibern teils um über zehn Prozentpunkte. Credit-Default-Swap-Spreads geben an, wie viele Prozentpunkte für den Ausfallschutz berechnet werden. Je höher das wahrgenommene Risiko eines Kreditereignisses, desto größer der Spread. In der Folge sinken regelmäßig die Anleihekurse der betroffenen Unternehmen. Ich bleibe konstruktiv gestimmt für Technologie- und Rechenzentrumsunternehmen. Dennoch könnten höhere Zinsen stärker verschuldete, kleinere Unternehmen belasten.
Frankreich will sparen – die Märkte zweifeln
Frankreich steckt in einem haushaltspolitischen Dilemma: Der Staat verschuldet sich weiter, obwohl die Zinsen für seine fast 120 Prozent der Wirtschaftsleistung hohen Schulden bereits rund 80 Milliarden Euro pro Jahr kosten. Finanzminister Roland Lescure will deshalb im Haushalt 2027 rund 43 Milliarden Euro einsparen und das Defizit von 5,4 auf 5,0 Prozent der Wirtschaftsleistung senken. Allerdings bezeichnet der Hohe Rat für öffentliche Finanzen die zugrundegelegte Wachstumsprognose von einem Prozent als ambitioniert. Die Sparlast verteilt sich ungleich: Entwicklungshilfe und Beschäftigungsförderung werden gekürzt, Renten und Wohnbeihilfen nicht an die Inflation angepasst – die Kaufkraft sinkt also.
Zugleich erhält die Verteidigung mehr Geld. Genau das macht den Entwurf politisch explosiv. Die Regierung hat keine eigene Mehrheit; Linke und Teile der Opposition verlangen, Vermögende und Unternehmen stärker zu belasten, statt Sozialleistungen zu kürzen. Premier Sébastien Lecornu könnte den Haushalt zwar per Artikel 49.3 ohne Abstimmung durchsetzen, riskiert aber ein Misstrauensvotum und den Sturz seiner Regierung. Scheitert der Entwurf, greift ein Sondergesetz, das den alten Haushalt fortführt – ohne Einsparungen.
Der Markt erkennt die Problematik und preist französische Staatsanleihen deshalb mit einem hohen Risikoaufschlag.
USA: Steigende Erzeugerpreise verschärfen Inflationssorgen
Die hohe Inflation belastet US-Unternehmen weiterhin. Im September stieg der Erzeugerpreisindex (PPI) für die Endnachfrage von revidierten 5,6 Prozent im August auf 6,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr und lag damit über den Erwartungen von 5,4 Prozent. Dies war der stärkste Anstieg seit vier Jahren. Ohne Energie, Nahrungsmittel und Handelsdienstleistungen erhöhten sich die Erzeugerpreise um 5,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr und 0,5 Prozent gegenüber dem Vormonat. Dies deutet darauf hin, dass höhere Energiekosten zunehmend auf die Gesamtwirtschaft durchschlagen. Laut dem Beige Book der Federal Reserve – einem qualitativen Lagebericht zur US-Wirtschaft – erwarten US-Unternehmen weitere Preissteigerungen, bleiben jedoch hinsichtlich der Wachstumsaussichten verhalten optimistisch. Vor diesem Hintergrund dürften insbesondere Unternehmen mit hoher Preissetzungsmacht von dem anhaltenden Inflationsumfeld profitieren.
Bekommt Frankreich seine Schulden in den Griff?
Frankreichs hohe Verschuldung beunruhigt viele Anleger und führt zu rekordhohen Risikoaufschlägen am Anleihemarkt. Stehen wir vor einer neuen Euro-Krise? Oder können Anleger jetzt von hohen Anleihezinsen profitieren? Außerdem: Was ist von der anlaufenden Berichtssaison in den USA und in Europa zu erwarten? Darüber spreche ich mit Finanzjournalistin Jessica Schwarzer.
Zahl des Tages: 13
Wenn ein durchstartendes Auto mit bloßer Muskelkraft gestoppt wird, befinden wir uns entweder in einem Superheldenfilm – oder auf der kleinen Karibikinsel Aruba. Dort hat der Kraftsportler Egmond Molina einen Rekord aufgestellt. Er hinderte zwei Pkws, die mit Vollgas beschleunigten, nur mit seinen Armen 13 Sekunden lang am Wegfahren. Molina hat schon eine Reihe von Bestleistungen vollbracht und dabei zum Beispiel eine Straßenbahn mit den Zähnen gezogen oder eine Wärmflasche in unter drei Sekunden aufgeblasen, bis sie platzte. Inzwischen 50 Jahre alt, plant der Arubaner weitere Rekorde, denn wie er sagt: „Alter ist wirklich nur eine Zahl.“
Machen Sie sich heute für etwas stark.
Herzlichst
Ihr Ulrich Stephan
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden
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