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Tägliche Kapitalmarkteinschätzungen von Dr. Ulrich Stephan,
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02. Juli 2026

Liebe Leserinnen und Leser,

US-Anleiherenditen geben nach Äußerungen des Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh nach, die Edelmetallpreise wurden im zweiten Quartal ausgebremst, und der US-Dollar-Index setzt seinen Aufwärtstrend fort.

Euroraum: Preisanstieg im Juni verlangsamt  

Der Inflationsdruck im Euroraum hat im Juni leicht abgenommen. Gemäß der ersten Schätzung sank die Inflationsrate von 3,2 Prozent im Mai auf 2,8 Prozent und lag damit unterhalb des Marktkonsenses von 3,0 Prozent. Auf Monatsbasis verringerte sich die Teuerungsrate von 0,3 auf 0,2 Prozent. Noch relevanter für den Entscheidungsprozess der Europäischen Zentralbank (EZB) dürften der ebenfalls stärker als erwartet ausgefallene Rückgang der Kerninflationsrate von 2,6 auf 2,4 Prozent sowie der unerwartete Rückgang der Dienstleistungsinflation von 3,5 auf 3,2 Prozent sein. Die Zinserhöhung der EZB um 0,25 Prozentpunkte Mitte Juni zielte nämlich primär darauf ab, die Auswirkungen potenzieller Zweitrundeneffekte auf die Kern- und Dienstleistungsinflation zu begrenzen. Die Inflationsdaten hatten zur Folge, dass an den Terminmärkten eine weitere Zinserhöhung der EZB bis September nur noch mit 65-prozentiger Wahrscheinlichkeit eingepreist wird. Allerdings könnte es verfrüht sein, auf einen nachhaltigen Rückgang der Inflation zu setzen. Schließlich laufen in den kommenden Monaten einige vorübergehende fiskalische Entlastungsmaßnahmen aus – wie bereits gestern der Tankrabatt in Deutschland –, was für wieder anziehende Inflationsraten sorgen könnte.

Neuer Fed-Chef sieht sinkende Inflationsrisiken

Erstmals seit der Sitzung der US-Notenbank (Fed) vor zwei Wochen äußerte sich ihr neuer Vorsitzende Kevin Warsh gestern im Rahmen des jährlichen Symposiums der Europäischen Zentralbank in Sintra öffentlich zu den Themen Inflation und Geldpolitik. Er erläuterte, dass die Inflationsrisiken und -erwartungen in den vergangenen Wochen abgenommen hätten, insbesondere aufgrund rückläufiger Energie- und Benzinpreise. Er betonte aber erneut, dass das Inflationsziel der Fed in Höhe von 2,0 Prozent unverändert bleibe und weiterhin höchste Priorität besitze. Warsh vermied zwar jede Aussage über den künftigen Zinskurs und die künftige Geldpolitik. Die Finanzmärkte fokussierten sich aber auf seine Aussagen über sinkende Inflationsrisiken: Die Renditen zweijähriger US-Staatsanleihen gaben während der Diskussion mit Warsh um mehr als 0,06 Prozentpunkte nach. Unterstützt wurde der Renditerückgang durch den etwas später veröffentlichten ISM-Index der US-Industrie. Der Subindex der Preise wies einen kräftigen Rückgang von 82,1 auf 73,0 Punkte aus – die Industrieunternehmen erwarten somit, dass der Preisdruck in den kommenden Monaten weiter abnehmen wird. Der Subindex der Beschäftigung stieg hingegen unerwartet kräftig, der für die Neuaufträge verharrte auf hohem Niveau. Nachlassender Inflationsdruck scheint somit auf eine anhaltend robuste US-Wirtschaft zu treffen.  

Halbjahresbilanz: teure Energie, starker Dollar

Die Quartals- beziehungsweise Halbjahresbilanz fällt für den Rohstoffsektor uneinheitlich aus. Einerseits verteuerten sich die Energierohstoffe seit Jahresbeginn merklich: Trotz eines spürbaren Rücksetzers im zweiten Quartal infolge der Deeskalation im Nahost-Konflikt handeln die Ölsorten Brent und WTI rund 20 Prozent oberhalb ihres Niveaus vom Jahresstart. Erdgas an der niederländischen Terminbörse TTF verteuerte sich in den ersten sechs Monaten sogar um mehr als 55 Prozent. Auch Ölderivate wie Heizöl, Benzin und Kerosin legten in ähnlicher Größenordnung zu. Das Auspreisen der geopolitischen Risikoprämie sowie die im zweiten Quartal kräftig gestiegenen Erwartungen einer restriktiveren Geldpolitik der Notenbanken bremsten andererseits die Edelmetalle aus. Nach Kursverlusten von 14 und 22 Prozent im zweiten Quartal – dem jeweils stärksten Quartalsverlust seit 2013 – werden Gold und Silber nun sieben beziehungsweise 18 Prozent unterhalb des Jahresanfangsniveaus gehandelt. Mit Ausnahme von Blei und Nickel verteuerten sich hingegen die Industriemetalle, wenngleich meist relativ moderat. Sollten die Friedensverhandlungen zwischen den USA und dem Iran erfolgreich sein und die Straße von Hormus nachhaltig geöffnet bleiben, dürften sich die Aussichten für die globale Konjunktur weiter verbessern. Industriemetalle sollten hiervon profitieren, während die Ölpreise womöglich ihren Boden gefunden haben könnten. Die Edelmetalle könnten in den kommenden Wochen unter einer saisonal schwachen Nachfrage in den Sommermonaten leiden, bevor ab Herbst wieder Aufwärtspotenzial bestehen dürfte.

An den Währungsmärkten stieg der handelsgewichtete US-Dollar-Index das vierte Quartal in Folge an und notiert knapp drei Prozent oberhalb seines Jahresanfangsniveaus. Auch gegenüber dem Euro wertete er um 2,7 Prozent auf. Die stärksten G10-Währungen waren jedoch der Australische Dollar, der von frühzeitigen Zinserhöhungen der dortigen Notenbank sowie von gestiegenen Erdgas- und Industriemetallpreisen profitierte, gefolgt von der Norwegischen Krone, die Rückenwind durch die höheren Erdöl- und Erdgaspreise erhielt. Die schwächsten G10-Währungen waren die Schwedische Krone und der Yen. Unter den Schwellenländerwährungen legten insbesondere südamerikanische Währungen sowie Währungen einiger afrikanischer Länder zu. Neben der Türkische Lira, die unter anderem von den hohen Energiepreisen ausgebremst wurde, gerieten auch einige asiatische Währungen wie der Südkoreanische Won und die Indonesische Rupiah im ersten Halbjahr unter Abwertungsdruck. Neben den geopolitischen Entwicklungen dürfte in der zweiten Jahreshälfte insbesondere die Geldpolitik der US-Notenbank Fed der entscheidende Faktor dafür sein, ob der US-Dollar-Index weiter zulegen kann.

Auf Kredit an die Börse: Gefahr für Anleger und Märkte?

Zwischen langfristiger Geldanlage und kurzfristiger Spekulation verläuft oft eine unscharfe Grenze – besonders beim Einsatz von Fremdkapital. Welche Rolle Risikoprofil, Anlagehorizont und Marktumfeld dabei spielen, analysieren Dr. Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank, und Finanzjournalistin Jessica Schwarzer.

Was diese Woche wichtig wirdI

Im Laufe der Woche, Berichtssaison

  • USA | Aus dem S&P 500 berichten unter anderem Nike, Constellation Brands, General Mills und FactSet.
  • Europa | Aus dem STOXX 600 berichtet unter anderem Prosus.

  • Donnerstag, USA | Arbeitsmarktdaten für Juni. Der Marktkonsens erwartet einen Beschäftigungsaufbau von 115.000 Stellen außerhalb der Landwirtschaft, nach 172.000 im Mai. Dies würde darauf hindeuten, dass die Dynamik am Arbeitsmarkt zwar nachlässt, die Beschäftigungsentwicklung insgesamt jedoch sehr robust bleibt. Die Arbeitslosenquote dürfte im vierten Monat in Folge bei 4,3 Prozent verharren, während die durchschnittlichen Stundenlöhne gegenüber dem Vorjahr voraussichtlich leicht von 3,4 auf 3,5 Prozent gestiegen sind.

Zahl des Tages: 32

Wenn mehrere Menschen in einem abgegrenzten Raum frei umhergehen, passiert irgendwann etwas Seltsames: Die Personen schlagen, wie von einer unsichtbaren Strömung bewegt, alle die gleiche Richtung ein. Ein Team um Iñaki Echeverría-Huarte von der Universidad de Navarra führte Experimente in Spanien und Japan durch und fand: 32 von 33 beobachteten Gruppen bewegten sich nach einiger Zeit wie koordiniert, und zwar gegen den Uhrzeigersinn. Aspekte wie der kulturelle Hintergrund der Probanden oder ihre Rechts-/Linkshändigkeit spielten dabei offenbar keine Rolle. Vielmehr könnten winzige biomechanische Asymmetrien den Linksdrall hervorrufen, glauben die Forscher – die jetzt herausfinden wollen, wo im menschlichen Körper diese leichte Schlagseite ihre Ursache hat.

Schwimmen Sie heute gegen den Strom.


Herzlichst

Ihr Ulrich Stephan

Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden

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