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3. August 2026

Liebe Leserinnen und Leser,

die Inflation in der Eurozone legt im Juli zu, Japan stemmt sich offenbar mit Devisenmarktinterventionen gegen den Yen-Verfall, und japanische Weltraumaktien erhalten Rückenwind.

Yen-Erholung nach Interventionen: Japan stemmt sich gegen Währungsverfall

Der japanische Yen erholte sich am Donnerstag kräftig: Er wertete gegenüber dem US-Dollar zeitweise um rund drei Prozent auf. Die ungewöhnlich starke Bewegung nährte Spekulationen über mögliche Devisenmarktinterventionen der Bank of Japan zur Stützung der Währung. Analysten vermuten, dass rund 53 Milliarden US-Dollar gegen Yen verkauft wurden – wesentlich mehr als bei der Intervention Ende April. Nur wenige Tage zuvor befand sich der Yen zum US-Dollar noch auf dem tiefsten Stand seit vier Jahrzehnten.

Wechselkurs des US-Dollars zum Yen von 2021 bis 2026.

Ähnlich wie bei den Interventionen im April und Mai gab der Yen jedoch einen großen Teil seiner Zugewinne innerhalb weniger Stunden wieder ab. Am Freitag kam es deshalb zu erneuten Interventionen, die zudem mit dem US-Finanzministerium abgestimmt zu sein schienen. US-Banken waren nämlich zuvor von der New Yorker Filiale der Fed im Auftrag des Ministeriums nach handelbaren Kursen im Währungspaar Euro gegen Yen gefragt worden.

US-Finanzminister Scott Bessent hatte zudem Freitagnacht erklärt, dass er den Yen für stark unterbewertet halte. Dies gilt aus US-Sicht auch für andere asiatische Währungen. Die US-Regierung stellt demzufolge zusätzliche Zölle für Länder in den Raum, die vermeintlich ihre Währungen künstlich auf zu niedrigem Niveau hielten. Deshalb verwundert es nicht, dass nicht nur die Bank of Japan interveniert zu haben scheint. Agenturberichte wiesen darauf hin, dass auch Südkorea am Donnerstag in einer seltenen Intervention US-Dollar verkauft und damit den Südkoreanischen Won auf den höchsten Stand seit neun Monaten hat aufwerten lassen. Die Bank of Japan verpasste jedoch am Freitag eine Gelegenheit, den Yen nachhaltiger zu stärken: Sie beließ den Leitzins erwartungsgemäß bei 1,0 Prozent. Immerhin deutete Gouverneur Kazuo Ueda im Rahmen der anschließenden Pressekonferenz eine mögliche Leitzinserhöhung im Herbst an. Schwächt sich der Yen trotz der Interventionen erneut ab, könnte das den Druck auf die Notenbank erhöhen, ihre Geldpolitik schneller als momentan beabsichtigt zu straffen.

Eurozone: Höhere Inflation stützt Erwartungen an Zinserhöhung

Die Verbraucherpreisinflation im Euroraum stieg im Juli leicht auf 2,9 Prozent – im Vormonat betrug sie noch 2,8 Prozent. Verantwortlich dafür waren primär die Energiepreise; deren Teuerung beschleunigte sich aufgrund der erneuten Eskalation im Nahen Osten von 8,5 auf 10,0 Prozent. Die Dienstleistungsinflation erhöhte sich leicht von 3,2 auf 3,3 Prozent und die um Energie- und Lebensmittelpreise bereinigte Kerninflationsrate legte entgegen dem Marktkonsens von 2,4 auf 2,5 Prozent zu. Gemeinsam mit den am Vortag veröffentlichten unerwartet robusten Daten zur wirtschaftlichen Entwicklung der Eurozone im zweiten Quartal untermauern diese Zahlen die Wahrscheinlichkeit einer Leitzinserhöhung im September, die momentan an den Terminmärkten mit 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit eingepreist wird.

Japans Raumfahrtbranche gewinnt an Höhe

Die globale Raumfahrtindustrie rückt zunehmend in den Anlegerfokus – das verleiht japanischen Weltraumaktien Rückenwind. Zwar befindet sich die Branche im Vergleich zu den USA und China noch in einer frühen Entwicklungsphase, ihr Produktionswert steigt laut der Society of Japanese Aerospace Companies jedoch seit 2022 kontinuierlich. Für einen konstruktiven Ausblick sprechen die günstige geografische Lage Japans für Satellitenstarts, ein leistungsfähiger Technologie-Sektor mit hochwertigen Lieferketten, ein wachsendes Start-up-Ökosystem sowie staatliche Fördermaßnahmen, darunter gelockerte Exportregeln. Die Branche dürfte zunehmend von der weltweit steigenden Nachfrage nach Satelliten- und Weltraumdienstleistungen profitieren. Für erfahrene Anleger ergeben sich insbesondere bei Satellitenherstellern selektive Einstiegsmöglichkeiten.

Rohstoffe, KI, günstige Bewertungen: Lateinamerika im Aufwind

Die Schwellenländer sind zurück im Fokus der Anleger – und Lateinamerika gehört zu den Gewinnern. Dank der steigenden Nachfrage nach Kupfer, Lithium und anderen Rohstoffen profitiert die Region indirekt gleich mehrfach von den Megatrends Künstliche Intelligenz (KI), Elektrifizierung und Energiewende. Ist der Markt einen Blick wert? Darüber sprechen Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und ich in der aktuellen Folge unseres Börsenpodcasts.

Zahl des Tages: 5

Ein Fall von tierischer Arithmetik wird aus dem Zoo von Barcelona gemeldet: Iker Loidi von der Universität der Stadt fütterte vier Giraffen versuchsweise mit Möhrenstückchen. Doch um an möglichst viele der begehrten Happen zu kommen, mussten die Paarhufer zunächst eine Rechenaufgabe lösen. Loidi zeigte den Giraffen zwei Behälter mit bis zu fünf Möhrenstücken, verschloss sie dann und fügte einem der Behälter weitere Möhren hinzu. Zumindest zwei der langhalsigen Probanden waren in der Lage, anschließend den Behälter mit der größeren Möhrenzahl auszuwählen (die beiden anderen entschieden sich einfach für den Behälter, der aufgestockt wurde). Das scheint eine gewisse Rechenfähigkeit vorauszusetzen. Allerdings nur beim Addieren: Ein weiterer Versuch, bei dem Futter weggenommen wurde, ließ die Giraffen ratlos zurück.

Kalkulieren Sie heute genau.

Herzlichst

Ihr Ulrich Stephan

Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden

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