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Tägliche Kapitalmarkteinschätzungen von Dr. Ulrich Stephan,
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden.
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01. Oktobter 2026

Liebe Leserinnen und Leser,

teure Energie sorgt im Euroraum für einen breiten Preisauftrieb, in Deutschland bleibt die Nachfrage nach Arbeitskräften schwach, und die PCE-Inflation in den USA liegt unter den Erwartungen.  

Höhere Inflation in Deutschland und Europa  

Die Inflation in Deutschland ist im September stärker als erwartet gestiegen. Die Verbraucherpreise lagen 3,3 Prozent über dem Vorjahresniveau, nach 2,9 Prozent im August, und somit leicht über den Erwartungen der Analystengemeinschaft. Ausschlaggebend war vor allem der Energieschub: Energie verteuerte sich um 14,9 Prozent, während der Preisauftrieb bei Dienstleistungen leicht auf 2,7 Prozent nachließ. Die Kerninflation verharrte bei 2,4 Prozent. Auch Spanien meldete am Vortag eine deutliche Beschleunigung. Dort stieg die Teuerungsrate von 4,3 Prozent auf 4,9 Prozent und übertraf die Erwartungen der Analystengemeinschaft. Höhere Kraftstoffpreise sowie ein geringerer saisonaler Rückgang der Pauschalreisepreise trugen dazu bei, zugleich erhöhte sich die Kernrate auf 3,1 Prozent. Auch in weiteren Ländern wie Frankreich und Italien lagen die Inflationsdaten über den Erwartungen. Die Zahlen sprechen damit für einen breiteren, vor allem energiegetriebenen Preisauftrieb im Euroraum. Die marktbasierten Zinserwartungen signalisieren weiterhin eine Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank bis zum Jahresende.

Deutscher Arbeitsmarkt unerwartet schwach 

Die deutschen Arbeitsmarktdaten fielen im September schwächer aus als erwartet. Die Zahl der Arbeitslosen stieg saisonbereinigt um 12.000 auf 3,01 Millionen, die Arbeitslosenquote verharrte bei 6,4 Prozent. Die Nachfrage nach Arbeitskräften bleibt schwach, da viele Unternehmen wegen unsicherer Absatzperspektiven sowie hoher Energie- und Betriebskosten bei Neueinstellungen vorsichtig bleiben. Besonders in der Industrie begrenzen strukturelle Probleme den Personalbedarf. Frühindikatoren deuten indes auf eine Belebung hin. Der am vergangenen Donnerstag veröffentlichte ifo Geschäftsklimaindex stieg im September stärker als erwartet, da die Unternehmen ihre Aussichten insgesamt positiver bewerteten. In der Industrie beruhte die Verbesserung jedoch ausschließlich auf optimistischeren Erwartungen, während die Unternehmen mit ihren Auftragsbeständen unzufrieden blieben. Die Aufhellung der Frühindikatoren dürfte sich damit erst in den kommenden Monaten am Arbeitsmarkt niederschlagen. Die Frankfurter Börse reagierte gestern unbeeindruckt auf die Arbeitsmarktzahlen.

USA: PCE-Inflation niedriger als vorhergesagt  

Der breite US-Aktienmarkt hat nach dem zweiten auch das dritte Quartal mit Kursgewinnen abgeschlossen. Unterstützung kam zum Quartalsende von etwas schwächer als erwartet ausgefallenen Inflationsdaten: Der Preisindex der persönlichen Konsumausgaben (PCE) stieg im August um 3,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr und blieb damit unter den erwarteten 3,7 Prozent. Die Märkte senkten ihre kurzfristigen Zinserwartungen und preisen eine Leitzinserhöhung Ende Oktober nun mit weniger als 40 Prozent ein. Gleichzeitig bleibt die US-Wirtschaft robust. Das Wachstum im zweiten Quartal wurde von 1,5 auf 2,2 Prozent annualisiert nach oben revidiert, während die Beschäftigung im Privatsektor im September stärker als erwartet zulegte. Im Fokus stehen nun der morgige Arbeitsmarktbericht für September, für den ein Stellenaufbau von 90.000 erwartet wird, sowie die bevorstehende Berichtssaison. Analysten rechnen für die im S&P 500 gelisteten Unternehmen im dritten Quartal mit einem durchschnittlichen Gewinnwachstum von rund 30 Prozent gegenüber Vorjahr.

Australiens Aktienmärkte ohne Rückenwind  

Die australische Notenbank RBA hält an ihrem restriktiven Kurs fest und hat den Leitzins auf 4,6 Prozent erhöht, den höchsten Stand seit 2011. Die jüngsten Inflationsdaten stützen diese Entscheidung: Die Verbraucherpreisinflation zog im August im Jahresvergleich wieder auf rund vier Prozent an, während das von der RBA bevorzugte Kerninflationsmaß mit rund 3,6 Prozent erhöht blieb. Vor dem Hintergrund steigender Anleiherenditen legte der australische Aktienindex S&P/ASX 200 seit Beginn des Straffungszyklus im Februar nur um rund fünf Prozent in Euro zu, vor allem dank Währungsgewinnen durch die Aufwertung des Australischen Dollar gegenüber dem Euro. Schnelle Renditeanstiege haben dem australischen Aktienmarkt häufig zugesetzt, insbesondere aufgrund des vergleichsweise hohen Anteils zinssensitiver Immobilien- und Goldminenwerte. Während der Zinsdruck abnehmen könnte, sprechen verhaltene Gewinndynamik und wenig attraktive Bewertungsniveaus derzeit gegen eine Outperformance australischer Aktien.

Allzeithoch trotz Renditegegenwind 

Trotz kräftiger Turbulenzen an den Anleihemärkten notieren viele Aktienindizes nahe ihren Allzeithochs. Sind die Investoren zu sorglos oder gibt es gute Gründe für diese Entwicklung? Und bleiben Aktien in privaten Anlageportfolios weiterhin alternativlos? Darüber sprechen Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und ich in der aktuellen Folge unseres Börsenpodcasts PERSPEKTIVEN To Go.

Was diese Woche wichtig wird 

  • Im Laufe der Woche, Berichtssaison USA | Aus dem S&P 500 berichten acht Unternehmen, darunter Micron Technology, Accenture, Nike, Jabil und Carnival. 

Freitag

  • Eurozone | Verbraucherpreisinflation im September (Schnellschätzung). Die Inflationsdynamik dürfte sich angesichts gestiegener Öl- und Kraftstoffpreise spürbar beschleunigt haben und zunehmend auch auf die Preise weniger volatiler Güter und Dienstleistungen ausstrahlen. Für die Gesamtinflation erwarten Volkswirte im Median einen Anstieg von 3,2 auf 3,6 Prozent, die Kernrate dürfte von 2,4 auf 2,5 Prozent zugelegt haben. Deutlichere Anzeichen eines sich verfestigenden zugrunde liegenden Preisdrucks dürften die Erwartungen an eine restriktivere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank stützen. Derzeit preisen die Märkte den nächsten Zinsschritt um 0,25 Prozentpunkte für die übernächste Sitzung im Dezember ein.
  • USA | Arbeitsmarktbericht für September. Die Arbeitslosenquote dürfte den dritten Monat in Folge mit 4,1 Prozent auf dem niedrigsten Stand seit Juni 2025 verharren. Gleichzeitig könnte sich der Stellenaufbau außerhalb der Landwirtschaft auf 100.000 neue Arbeitsplätze abgeschwächt haben. Allerdings wurde im August mit 162.000 neuen Stellen der stärkste Zuwachs seit März verzeichnet. Insgesamt würde dies die Widerstandsfähigkeit des US-Arbeitsmarkts untermauern. Mit Blick auf das Doppelmandat der US-Notenbank dürfte der Fokus der Geldpolitik damit zunächst weiter auf der Bekämpfung der zu hohen Inflation liegen.

Zahl des Tages: 80

Dem Romancier Jules Verne hätte die Idee vermutlich gefallen: Tobias Wagner, Lastwagenfahrer und Startup-Gründer, ist mit einem modifizierten Elektro-Lkw zu einer Weltumrundung aufgebrochen, die ihn in einem Jahr durch rund 30 Länder führen soll. Die Expedition steht unter dem Motto „Around the world in 80 charges“ – mit 80 Ladestopps um die Welt. Wagner, der im Internet als „Elektrotrucker“ auftritt und von einem großen deutschen Fahrzeughersteller gesponsert wird, will mit seiner Fahrt den Stand der Elektromobilität in den besuchten Ländern dokumentieren und für den batterieelektrischen Fernverkehr werben. Die ersten Stationen der Weltreise liegen in Osteuropa und der Türkei, bevor der E-Trucker Mitte Oktober seine erste Ladesäule in Zentralasien ansteuern will. 

Setzen Sie sich heute neue Ziele.

Herzlichst

Ihr Ulrich Stephan

Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden

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