28. September 2026
Liebe Leserinnen und Leser,
die Renditen deutscher und US-amerikanischer Staatsanleihen erreichen Mehr-Jahres-Hochs, die Debatte über eine Windfall Tax rückt britische Banken in den Fokus, und asiatische Unternehmensanleihen bleiben aufgrund solider Fundamentaldaten interessant.
Anleiherenditen auf Mehr-Jahres-Hochs: Märkte rechnen mit weiteren Zinsschritten
Die Renditen fünf-, zehn- und 30-jähriger US-Staatsanleihen erreichten Mitte vergangener Woche den höchsten Stand seit Mitte der Nullerjahre. Auch in Europa stiegen die langfristigen Renditen weiter. Zehnjährige deutsche Staatsanleihen überschritten erstmals seit Juni 2009 die Marke von 3,6 Prozent, französische Titel rentierten mit 4,7 Prozent.
Treiber waren hohe Energiepreise, robuste Konjunkturdaten und die Erwartung weiterer Zinserhöhungen. Kurzfristig könnten steigende Erdölpreise und wachsende Staatsschulden den Renditeanstieg verstärken. Eine straffere Geldpolitik könnte jedoch die Inflation schneller senken und mittelfristig Spielraum für fallende langfristige Renditen schaffen.
Hohe Zinsen belasten Wohn- und Büroimmobilien-Märkte in den USA
Die Zinsen für 30-jährige US-Hypotheken stiegen am Donnerstag auf über sieben Prozent. Damit stellt sich erneut die Frage, wie gut der US-Immobilienmarkt höhere Zinsen verkraften kann. Einen frühen Hinweis geben REITs – börsennotierte Unternehmen, die Immobilien besitzen und vermieten. Ihre Aktienkurse reagieren schneller auf Veränderungen als die Bewertungen der Gebäude selbst. Bis Mitte September legten REITs für Rechenzentren seit Jahresbeginn um rund 26 Prozent zu, während Wohnimmobilien- und Büro-REITs um etwa fünf Prozent beziehungsweise zehn Prozent nachgaben. Rechenzentren profitieren vom kräftigen Investitionsboom rund um künstliche Intelligenz (KI). Wohnimmobilien-REITs verloren dagegen trotz steigender Mieten an Wert, weil ihre Einnahmen nur langsam wuchsen, Kredite teurer wurden und Immobilienbewertungen nachgaben. Büroimmobilien belastet zudem die seit der Corona-Pandemie schwächere Nachfrage nach Büroflächen. Obwohl der KI-Boom einzelne Segmente stützt, dürften höhere Zinsen andere Teile des Immobilienmarkts jedoch weiterhin belasten.
Steuerdebatte in Großbritannien: Banken im Fokus
In Großbritannien wird erneut über eine sogenannte Windfall Tax diskutiert, also eine Sondersteuer auf vermeintliche Krisen- oder Zufallsgewinne von Unternehmen. Hintergrund sind die zuletzt gestiegenen Gewinne der großen Banken. Branchenvertreter verweisen jedoch darauf, dass diese vor allem auf die Rückkehr zu einem normalen Zinsumfeld nach Jahren extrem niedriger Zinsen zurückzuführen seien. Zudem haben britische Banken seit der Finanzkrise bereits rund 50 Milliarden Britische Pfund an zusätzlichen sektorspezifischen Steuern gezahlt. Während Kritiker warnen, dass eine weitere Belastung die Kreditvergabe bremsen und Londons Attraktivität als Finanzplatz schwächen könnte, zeigt sich der britische Aktienmarkt von der Debatte weitgehend unbeeindruckt. Solange Umfang und Ausgestaltung einer möglichen Steuer unklar sind, könnte aber Zurückhaltung bei britischen Bankaktien angebracht sein.
Asiatische Unternehmensanleihen überzeugen mit soliden Fundamentaldaten
Der JACI APAC, ein Index für asiatische Unternehmensanleihen in US-Dollar, erzielte 2025 eine Gesamtrendite von 7,9 Prozent. 2026 fällt die Entwicklung bislang verhaltener aus. Ursache sind vor allem die weltweit gestiegenen Anleiherenditen, die die Kurse bestehender Anleihen belasten, nicht aber eine grundlegende Verschlechterung der Fundamentaldaten. Die Unternehmen der Region bleiben finanziell solide, Ausfälle sind selten und die Nachfrage nach Anleihen der Region robust. Künftig dürften die Erträge für Anleiheanleger vor allem aus den laufenden Zinseinnahmen stammen, da zusätzliches Kurspotenzial angesichts niedriger Risikoaufschläge begrenzt erscheint. Mit einer durchschnittlichen Rendite von gut 5,5 Prozent in US-Dollar bleiben Unternehmensanleihen aus dem asiatisch-pazifischen Raum eine interessante Ergänzung zur Diversifizierung globaler Anleiheportfolios.
Starke Börsen, schwache Verbraucherstimmung: das US-Paradox
Die US-Wirtschaft wächst, der Arbeitsmarkt bleibt robust und die Börse zeigt sich stark. Doch gestiegene Preise sowie hohe Wohn- und Finanzierungskosten belasten viele amerikanische Haushalte. Was bedeutet diese Diskrepanz für Konjunktur, Konsum und den US-Aktienmarkt? Darüber spricht Dr. Dirk Steffen, Leiter Kapitalmarktstrategie der Deutschen Bank, mit Finanzjournalistin Jessica Schwarzer.
Was diese Woche wichtig wird
- Im Laufe der Woche, Berichtssaison USA | Aus dem S&P 500 berichten acht Unternehmen, darunter Micron Technology, Accenture, Nike, Jabil und Carnival.
- Mittwoch, USA | Index der persönlichen Konsumausgaben (PCE) im August. Das von der US-Notenbank bevorzugte Inflationsmaß, die PCE Inflation, dürften im August laut Konsens bei 3,7 Prozent und die Kernrate bei 3,3 Prozent auf ihren Vor-Monats-Niveaus und deutlich über dem Inflationsziel von zwei Prozent stabilisiert haben. Für die kurzfristige Dynamik sind die Monatsraten relevanter. Hier erwarten Analysten eine Beschleunigung von 0,2 auf 0,4 Prozent bei der Gesamt- und von 0,2 auf 0,3 Prozent bei der Kerninflation. Mit Interesse werden die Märkte am Donnerstag auch auf den ISM-Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe schauen. Erwartete Anstiege beim Gesamtindex und beim Subindex der bezahlten Preise würden das Bild einer robusten US-Wirtschaft und eines anhaltenden Inflationsdrucks bekräftigen.
Freitag
- Eurozone | Verbraucherpreisinflation im September (Schnellschätzung). Die Inflationsdynamik dürfte sich angesichts gestiegener Öl- und Kraftstoffpreise spürbar beschleunigt haben und zunehmend auch auf die Preise weniger volatiler Güter und Dienstleistungen ausstrahlen. Für die Gesamtinflation erwarten Volkswirte im Median einen Anstieg von 3,2 auf 3,6 Prozent, die Kernrate dürfte von 2,4 auf 2,5 Prozent zugelegt haben. Deutlichere Anzeichen eines sich verfestigenden zugrunde liegenden Preisdrucks dürften die Erwartungen an eine restriktivere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank stützen. Derzeit preisen die Märkte den nächsten Zinsschritt um 0,25 Prozentpunkte für die übernächste Sitzung im Dezember ein.
- USA | Arbeitsmarktbericht für September. Die Arbeitslosenquote dürfte den dritten Monat in Folge mit 4,1 Prozent auf dem niedrigsten Stand seit Juni 2025 verharren. Gleichzeitig könnte sich der Stellenaufbau außerhalb der Landwirtschaft auf 100.000 neue Arbeitsplätze abgeschwächt haben. Allerdings wurde im August mit 162.000 neuen Stellen der stärkste Zuwachs seit März verzeichnet. Insgesamt würde dies die Widerstandsfähigkeit des US-Arbeitsmarkts untermauern. Mit Blick auf das Doppelmandat der US-Notenbank dürfte der Fokus der Geldpolitik damit zunächst weiter auf der Bekämpfung der zu hohen Inflation liegen.
Zahl des Tages: 454.400.000
Zahl des Tages: 454.400.000 Die Ostküste Englands, eine der flachsten Landschaften der Insel, war einst Schauplatz eines gigantischen Vulkanausbruchs. Die Eruption könnte tausende Kubikkilometer Magma, Gestein und Asche in die Stratosphäre geschleudert haben. Sie hinterließ in Teilen Nordeuropas eine ausgedehnte Ascheschicht, die heute als Kinnekulle-Tephra bekannt ist. Dies alles geschah vor rund 454,4 Millionen Jahren, wie ein Team um Tim Pharaoh vom British Geological Survey herausgefunden hat. Die Entdeckung gelang den Geologen während des Lockdowns: Da in dieser Zeit keine Bohrungen möglich waren, untersuchten sie alte Gesteinsproben aus dem Archiv mit modernen Hilfsmitteln. So fanden die Forscher im Labor Belege für den Supervulkan – und für einen der größten Ausbrüche der Erdgeschichte.
Ich wünsche Ihnen einen analytischen Tag.
Herzlichst
Ihr Ulrich Stephan
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden
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