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Tägliche Kapitalmarkteinschätzungen von Dr. Ulrich Stephan,
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24. August 2026

Liebe Leserinnen und Leser,

robuste Einkaufsmanagerindizes sprechen für den nächsten EZB-Zinsschritt, das britische Konsumklima profitiert vom „Burnham-Effekt“, und in Asien gewinnt der Capex-Zyklus an Dynamik.

Eurozone: Industrie zeigt wachsende Zuversicht 

Die Daten zu den Einkaufsmanagerindizes (PMI) für den Euroraum im August deuten darauf hin, dass die Widerstandsfähigkeit der Euroländer gegenüber höheren Energiepreisen und Zinsen auch im dritten Quartal anhalten könnte. Der Gesamtindex stieg im August auf den höchsten Stand seit neun Monaten, während im Marktkonsens ein leichter Rücksetzer erwartet worden war. Dabei sank der Gesamtindex sowohl in Deutschland als auch in Frankreich leicht, was auf eine verhaltene Entwicklung im Dienstleistungssektor zurückzuführen ist. Gleichzeitig verbesserte sich die Stimmung im Verarbeitenden Gewerbe in beiden Ländern merklich. In Deutschland stieg der Industrie-Index auf 54,1 Punkte und erreichte damit den höchsten Stand seit Mai 2022. Auch für den gesamten Euroraum stieg der Teilindex der Industrie auf das höchste Niveau seit 51 Monaten. Eine lebhafte Tourismussaison dürfte die Dienstleistungsaktivität außerhalb Deutschlands und Frankreichs zusätzlich gestützt haben. Entsprechende Daten für Italien und Spanien werden erst bei der zweiten Schätzung veröffentlicht. Die robusten PMI-Daten und die weiterhin über dem Zielwert liegende Inflation dürften die EZB dazu veranlassen, die Zinsen am 10. September erneut anzuheben.

Dollar-Schwäche und europäische Aktien

Die vom US-Finanzministerium ausgeweiteten Rückkäufe langfristiger Staatsanleihen könnten über die daraus resultierende Dollar-Schwäche die Gewinne europäischer Unternehmen belasten. Da die großen europäischen Konzerne rund 20 Prozent ihrer Umsätze in den USA erzielen, verringert ein schwächerer US-Dollar die in der heimischen Währung ausgewiesenen Erträge. Besonders betroffen sind Pharma-, Tabak- und Luxuswerte, während Banken, Versorger und Minenwerte hinsichtlich der Dollar-Schwäche besser positioniert sein dürften. Historisch haben europäische Aktien in den frühen Phasen einer Dollar-Schwäche jedoch häufig besser abgeschnitten als US-Aktien. Zudem erwarten Analysten für die Unternehmen im STOXX 600 im Jahr 2026 ein Gewinnwachstum von 16 Prozent, vier Prozentpunkte mehr als zu Jahresbeginn. Vor diesem Hintergrund dürfte der potenzielle Währungseffekt für europäische Aktien insgesamt nur begrenzt ins Gewicht fallen.

Britische Verbraucher werden optimistischer

Die Stimmung der britischen Verbraucher hat im August den höchsten Stand seit zwei Jahren erreicht. Der GfK-Konsumklimaindex stieg überraschend von minus 17 auf minus 14 Punkte und entwickelte sich damit deutlich besser als von Analysten erwartet. Ausschlaggebend waren die positiven Erwartungen an die neue Regierung unter Premierminister Andy Burnham. Besonders die Einschätzung der wirtschaftlichen Entwicklung in den kommenden zwölf Monaten verbesserte sich spürbar. 

Gleichzeitig bleibt das Umfeld herausfordernd: Die Inflation stieg zuletzt wieder auf 2,9 Prozent und geopolitische Unsicherheiten belasten weiterhin den Ausblick. Für Anleger ist vor allem interessant, dass sich die Stimmung der Verbraucher trotz steigender Inflation und geopolitischer Unsicherheiten aufhellt. Dies könnte den Gegenwind für Unternehmen mit starker Abhängigkeit vom britischen Binnenkonsum verringern.

Favoritenwechsel an der Börse: Was die Gewinner von morgen ausmacht

Künstliche Intelligenz, Abnehmspritzen, Rüstung oder Erneuerbare Energien: An der Börse wechseln die Favoriten regelmäßig. Manche Trends bleiben über Jahre gefragt, andere verlieren plötzlich an Dynamik. Doch lassen sich solche Favoritenwechsel frühzeitig erkennen? Dr. Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank, spricht mit Finanzjournalistin Jessica Schwarzer darüber, worauf Anleger bei Zukunftstrends achten sollten.

Was diese Woche wichtig wird

Im Laufe der Woche, BerichtssaisonUSA | Aus dem S&P 500 berichten 17 Unternehmen, darunter Nvidia, Crowdstrike, Salesforce, Intuit, Synopsys und Workday.Europa | Aus dem STOXX 600 berichten 17 Unternehmen, darunter Prudential, EMS-Chemie, Pernod Ricard und Ageas.Asien | Aus Hongkong berichten unter anderem Industrial & Commercial Bank of China, China Construction Bank, PetroChina und Bank of China.

  • Dienstag, Deutschland | ifo Geschäftsklimaindex im August. Nachdem um 8 Uhr die finalen und detaillierten Daten zur Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts in Deutschland im zweiten Quartal veröffentlicht werden, liefert uns der ifo Geschäftsklimaindex um 10 Uhr Hinweise auf die Stimmung der Unternehmen im laufenden Quartal. Das Geschäftsklima hatte sich in den letzten drei Monaten schrittweise verbessert und damit einen Teil des Einbruchs vom Frühjahr wettgemacht. Bereits am vergangenen Freitag wiesen die Daten zu den Einkaufsmanagerindizes auf eine gute Stimmung zumindest in der deutschen Industrie hin. Ebenso wird im Marktkonsens ein erneuter moderater Anstieg des ifo Geschäftsklimaindex erwartet, und zwar sowohl für die Bewertung der aktuellen Lage als auch für die Erwartungen. 
  • Mittwoch, USA | PCE-Kernrate im Juli. Die Statistiker in den USA veröffentlichen am Mittwoch eine zweite Schätzung zum BIP im zweiten Quartal. Aus Anlegersicht wichtiger dürfte jedoch die zeitgleich anstehende Veröffentlichung der PCE-Kernrate der Verbraucherpreise für den Monat Juli sein. Schließlich liefert diese weiterhin das Inflationsmaß, nach dem die US-Notenbank Fed ihre Geldpolitik ausrichtet. Die PCE-Kernrate war im Mai mit 3,4 Prozent auf das höchste Niveau seit Ende 2023 angestiegen und sank im Juni leicht auf 3,3 Prozent. Der Marktkonsens erwartet für Juli eine unveränderte Rate, somit also keine Annäherung in Richtung der Fed-Zielrate von 2,0 Prozent. 
  • Freitag, Japan | Verbraucherpreise der Region Tokio im August. Die Verbraucherpreisinflation in Tokio hat sich zuletzt deutlich beschleunigt. Die Kerninflation (ohne Lebensmittel) stieg von 1,3 Prozent im Mai über 1,6 Prozent im Juni auf 1,9 Prozent im Juli. Noch bemerkenswerter war der Anstieg der Kernrate ohne Lebensmittel und Energie auf 2,0 Prozent, was auf eine breitere Verankerung des Preisauftriebs hindeutet. Die Tokio-Daten gelten als wichtiger Frühindikator für die landesweiten Verbraucherpreise und werden von der Bank of Japan entsprechend aufmerksam beobachtet. Ein unerwartet kräftiger Anstieg könnte eine aus Marktsicht bereits mit hoher Wahrscheinlichkeit eingepreiste Leitzinserhöhung Mitte September nahezu besiegeln.

Zahl des Tages: 19,1

Ich denke, also bin ich – aber was denken die Leute eigentlich den ganzen Tag? Das ist erstaunlich wenig erforscht, sagt der Verhaltensökonom Joshua Tasoff von der Claremont Graduate University in Kalifornien. Tasoff und sein Team statteten Testpersonen in den USA mit Funkgeräten aus, die mehrmals täglich zu verschiedenen Zeiten piepten, woraufhin die Probanden ihre Gedanken notierten. Aus über 23.000 Datenpunkten ergab sich folgendes Bild: Um Sinneswahrnehmungen wie Müdigkeit kreisten 19,1 Prozent der Gedanken, um die Arbeit 16,6 Prozent und 14,2 Prozent um das Essen. Jeweils rund zehn Prozent entfielen auf Hobbys/Kunst und persönliche Beziehungen. Immer dann, wenn die Teilnehmer sich etwas wünschten, ging es sogar in fast jedem zweiten Fall um Essen oder Getränke – und zwar vor allem um Kaffee.

Ich wünsche Ihnen einen nachdenklichen Tag.

Herzlichst

Ihr Ulrich Stephan

Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden

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