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Tägliche Kapitalmarkteinschätzungen von Dr. Ulrich Stephan,
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden.
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26. August 2026

Liebe Leserinnen und Leser,

starke Halbleiterexporte stützen Koreas Währung, in Australien überraschen Gesundheitsaktien positiv, und deutsche Automobilzulieferer erschließen neue Geschäftsfelder.

Deutschland: Anzeichen für Konjunkturerholung

Die Konjunktursignale aus Deutschland haben sich zuletzt leicht aufgehellt. Der ifo Geschäftsklimaindex stieg im August von 86,6 auf 88,8 Punkte und bestätigt damit den Aufwärtstrend seit seinem Sechs-Jahres-Tief im April 2026. Vor allem die Geschäftserwartungen legten spürbar zu. Die Entwicklung steht im Einklang mit den verbesserten S&P-Einkaufsmanagerindizes des Monats Juli. Zudem revidierte das Statistische Bundesamt das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts für das zweite Quartal gegenüber dem Vorquartal von 0,2 auf 0,3 Prozent, wobei insbesondere robuste Exportentwicklung unterstützte. Insgesamt deuten die jüngsten Stimmungs- und Konjunkturdaten an, dass sich die wirtschaftliche Erholung in Deutschland schrittweise festigen könnte. Ein Risikofaktor bleiben jedoch die zuletzt wieder gestiegenen Energiepreise.

Australien: solide Gewinne, begrenztes Potenzial

Die Berichtssaison in Australien verläuft bislang solide. 44 Prozent der Unternehmen im Aktienindex S&P/ASX 200 haben die Analystenschätzungen übertroffen, das sind mehr als im historischen Durchschnitt. Positiv überraschte insbesondere der Gesundheitssektor, dessen Gewinne und Kurse von einer besseren Kostenkontrolle profitierten. Zyklische Konsumwerte enttäuschten hingegen. Trotz der hohen Quote positiver Gewinnüberraschungen wurden die Gewinnwachstumserwartungen für das im Juli gestartete Fiskaljahr 2027 im vergangenen Monat von zwölf auf zehn Prozent gesenkt. 

Anhaltender Margendruck infolge höherer Lohn- und Inputkosten belastet den Ausblick. Bei einem vorausschauenden Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 18, mehr als zwölf Prozent über dem Zehn-Jahres-Durchschnitt, erscheint das Aufwärtspotenzial australischer Aktien gegenüber Regionen mit stärkerer Gewinndynamik derzeit begrenzt.

Containerverkehr: Häfen stoßen an ihre Grenzen 

Der standardisierte Schiffscontainer zählt zu den wichtigsten Innovationen der modernen Wirtschaft. Er hat die Transportkosten drastisch gesenkt und den Aufbau globaler Lieferketten ermöglicht. Heute werden rund 60 Prozent des Welthandels in Containern transportiert. Während der Handel weiter wächst, werden die Schiffe immer größer und laden inzwischen mehr als 20.000 Standardcontainer (TEU) auf einmal. Viele Häfen verfügen jedoch nicht über ausreichend Liegeplätze, Kräne oder Bahnanschlüsse, um diese Mengen schnell weiterzuleiten. Dadurch entstehen Staus, Wartezeiten und höhere Kosten. Die Produktivität der Schifffahrt steigt daher nicht mehr im gleichen Tempo wie in den vergangenen Jahrzehnten. Interessanter als die Reedereien erscheinen deshalb Unternehmen, die vom Ausbau der Hafeninfrastruktur, zusätzlicher Lagerkapazität oder effizienteren Lieferketten profitieren.

Autoindustrie: Zulieferer suchen neue Märkte 

Der Strukturwandel der Automobilindustrie zwingt viele deutsche Zulieferer zum Umdenken. Elektromobilität, schwächere Produktionszahlen und der zunehmende Wettbewerb aus China setzen die Branche unter Druck. Branchenverbände rechnen damit, dass bis 2035 Arbeitsplätze im sechsstelligen Bereich wegfallen könnten. Viele Unternehmen erschließen daher neue Geschäftsfelder, etwa in der Medizintechnik, Robotik oder Verteidigungsindustrie. Dabei können sie auf bestehende Stärken in Präzisionsfertigung, Sensorik und industrieller Produktion aufbauen. Erste Beispiele zeigen, dass sich dieses Know-how auch auf Zukunftsfeldern wie humanoiden Robotern einsetzen lässt. Auch in der Medizintechnik oder Verteidigung lassen sich viele Kompetenzen aus der Automobilindustrie weiterverwenden. Der Erfolg hängt jedoch davon ab, ob diese Märkte groß genug werden, um die rückläufige Nachfrage aus dem klassischen Automobilgeschäft langfristig auszugleichen.

Favoritenwechsel an der Börse: Was die Gewinner von morgen ausmacht

Künstliche Intelligenz, Abnehmspritzen, Rüstung oder Erneuerbare Energien: An der Börse wechseln die Favoriten regelmäßig. Manche Trends bleiben über Jahre gefragt, andere verlieren plötzlich an Dynamik. Doch lassen sich solche Favoritenwechsel frühzeitig erkennen? Dr. Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank, spricht mit Finanzjournalistin Jessica Schwarzer darüber, worauf Anleger bei Zukunftstrends achten sollten.

Was diese Woche wichtig wird

Im Laufe der Woche, BerichtssaisonUSA | Aus dem S&P 500 berichten 17 Unternehmen, darunter Nvidia, Crowdstrike, Salesforce, Intuit, Synopsys und Workday.Europa | Aus dem STOXX 600 berichten 17 Unternehmen, darunter Prudential, EMS-Chemie, Pernod Ricard und Ageas.Asien | Aus Hongkong berichten unter anderem Industrial & Commercial Bank of China, China Construction Bank, PetroChina und Bank of China.

  • Dienstag, Deutschland | ifo Geschäftsklimaindex im August. Nachdem um 8 Uhr die finalen und detaillierten Daten zur Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts in Deutschland im zweiten Quartal veröffentlicht werden, liefert uns der ifo Geschäftsklimaindex um 10 Uhr Hinweise auf die Stimmung der Unternehmen im laufenden Quartal. Das Geschäftsklima hatte sich in den letzten drei Monaten schrittweise verbessert und damit einen Teil des Einbruchs vom Frühjahr wettgemacht. Bereits am vergangenen Freitag wiesen die Daten zu den Einkaufsmanagerindizes auf eine gute Stimmung zumindest in der deutschen Industrie hin. Ebenso wird im Marktkonsens ein erneuter moderater Anstieg des ifo Geschäftsklimaindex erwartet, und zwar sowohl für die Bewertung der aktuellen Lage als auch für die Erwartungen. 
  • Mittwoch, USA | PCE-Kernrate im Juli. Die Statistiker in den USA veröffentlichen am Mittwoch eine zweite Schätzung zum BIP im zweiten Quartal. Aus Anlegersicht wichtiger dürfte jedoch die zeitgleich anstehende Veröffentlichung der PCE-Kernrate der Verbraucherpreise für den Monat Juli sein. Schließlich liefert diese weiterhin das Inflationsmaß, nach dem die US-Notenbank Fed ihre Geldpolitik ausrichtet. Die PCE-Kernrate war im Mai mit 3,4 Prozent auf das höchste Niveau seit Ende 2023 angestiegen und sank im Juni leicht auf 3,3 Prozent. Der Marktkonsens erwartet für Juli eine unveränderte Rate, somit also keine Annäherung in Richtung der Fed-Zielrate von 2,0 Prozent. 
  • Freitag, Japan | Verbraucherpreise der Region Tokio im August. Die Verbraucherpreisinflation in Tokio hat sich zuletzt deutlich beschleunigt. Die Kerninflation (ohne Lebensmittel) stieg von 1,3 Prozent im Mai über 1,6 Prozent im Juni auf 1,9 Prozent im Juli. Noch bemerkenswerter war der Anstieg der Kernrate ohne Lebensmittel und Energie auf 2,0 Prozent, was auf eine breitere Verankerung des Preisauftriebs hindeutet. Die Tokio-Daten gelten als wichtiger Frühindikator für die landesweiten Verbraucherpreise und werden von der Bank of Japan entsprechend aufmerksam beobachtet. Ein unerwartet kräftiger Anstieg könnte eine aus Marktsicht bereits mit hoher Wahrscheinlichkeit eingepreiste Leitzinserhöhung Mitte September nahezu besiegeln.

Zahl des Tages: 9,6

Wer eine Internetseite aufruft, kann immer seltener sicher sein, dass dahinter tatsächlich menschliche Verfasser stehen. Ein Team des Pew Research Center in Washington, D.C. hat untersucht, wie groß der Anteil der von Künstlicher Intelligenz (KI) oder mit KI-Unterstützung geschriebenen Inhalte im Netz tatsächlich ist. Die Forscher prüften fast eine halbe Million englische Internetseiten mithilfe eines KI-Detektors und stellten fest: 9,6 Prozent der analysierten Seiten zeigten signifikante Hinweise auf KI-Autorschaft, Tendenz steigend. Noch größer ist der Anteil bei Inhalten, die nach November 2022 veröffentlicht wurden – dem Zeitpunkt, an dem der erste leistungsfähige Chatbot zur Verfügung stand: Laut Studie wurden 35 Prozent aller Internetseiten seitdem von einer KI erstellt oder redigiert.

Ich wünsche Ihnen einen kreativen Tag.

Herzlichst

Ihr Ulrich Stephan

Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden

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