12. August 2026
Liebe Leserinnen und Leser,
die USA und Südkorea treiben das Wachstum von Europas Luxussektor, Halbleiter und Hightech treiben Chinas Exporte, und das Klimaphänomen El Niño könnte in diesem Jahr spürbare wirtschaftliche Folgen haben.
USA und Südkorea treiben Europas Luxussektor an
Die USA und Südkorea waren im ersten Halbjahr 2026 wichtige Wachstumstreiber für Europas Luxussektor. Unternehmen berichten von einer robusten Nachfrage, vor allem bei besonders vermögenden Konsumenten, deren Kaufbereitschaft von steigenden Aktienmärkten gestützt wurde. In China zeichnen sich hingegen nur leichte Verbesserungen ab, während die schwächere Reisetätigkeit internationaler Touristen das Geschäft in Europa und im Nahen Osten belastete. Einige Unternehmen setzen daher verstärkt auf Kostendisziplin, was die Margen im ersten Halbjahr gestützt hat. Mit einem vorausschauenden Zwölf-Monats-Kurs-Gewinn-Verhältnis von knapp 23 und einer Bewertungsprämie von über 50 Prozent gegenüber dem STOXX 600 bleibt der Sektor anspruchsvoll bewertet.
Chancen könnten sich bei Unternehmen ergeben, die auf besonders vermögende Konsumenten ausgerichtet und im derzeit robusten Schmuck- und Uhrensegment gut positioniert sind.
Halbleiter und Hightech treiben Chinas Exporte
Chinas Exporte stiegen im Juli um 23,9 Prozent und übertrafen die Erwartungen. Der Handelsüberschuss erreichte 112,5 Milliarden US-Dollar. Halbleiterexporte legten stark zu, Hightech-Ausfuhren wuchsen um 40,7 Prozent, während traditionelle Branchen eher zurückblieben. Chinas Börsen reagierten positiv; besonders gefragt waren Technologie- und Halbleiterwerte. Zugleich bleiben Risiken: Neue Handelsbarrieren und eine stärkere technologische Entkopplung von den USA könnten die Exportdynamik bremsen. Vor diesem Hintergrund dürfte die Entwicklung chinesischer Aktien künftig stärker von branchenspezifischen Trends als von der Konjunktur allein bestimmt werden. Für Investoren dürfte daher die Unterscheidung zwischen von Künstlicher Intelligenz getriebenen Wachstumsfeldern und traditionellen Industrien wichtiger werden als die Entwicklung des chinesischen Gesamtmarktes.
Australien: Aussicht auf länger hoch bleibende Zinsen stützt den Dollar
Die Reserve Bank of Australia (RBA) beließ den Leitzins gestern wie erwartet bei 4,35 Prozent und machte deutlich, dass eine Lockerung der Geldpolitik nicht unmittelbar bevorsteht. Sie zählt damit weiter zu den restriktivsten großen Notenbanken weltweit. Zwar senkte sie die Inflationsprognosen leicht, die Kerninflation dürfte jedoch erst Ende 2027 wieder unter die Obergrenze des Inflationsziels von zwei bis drei Prozent fallen. Gleichzeitig wurden die Wachstumsprognosen für 2026 und 2027 auf 1,9 und 1,5 Prozent angehoben. RBA-Chefin Michele Bullock schloss weitere Zinserhöhungen nicht aus, falls die Inflation vom erwarteten Pfad abweicht. Bis Jahresende preisen die Märkte eine Zinserhöhung nun mit etwa 70 Prozent Wahrscheinlichkeit ein. Die Aussicht auf länger hoch bleibende Zinsen dürfte den Australischen Dollar auf seinem aktuellen Niveau von rund 1,63 je Euro unterstützen.
„Super-El-Niño“ als Inflationsrisiko für Schwellenländer
Das Klimaphänomen El Niño dürfte in diesem Jahr an Bedeutung gewinnen. Dabei erwärmt sich der tropische Pazifik stark und verschiebt globale Wetter- und Niederschlagsmuster. Aktuelle Wetterindikatoren deuten darauf hin, dass sich das Ereignis ab September zu einem möglichen „Super-El-Niño“ verstärken könnte. Für die Weltwirtschaft ist vor allem die Wirkungskette über Nahrungsmittelpreise relevant. Wetterbedingte Dürren, Starkregen und Ernteausfälle können das Agrarangebot verknappen und dadurch die Preise für Lebensmittel erhöhen. In Schwellenländern schlägt dies besonders stark auf die Inflation durch, weil Nahrungsmittel dort einen höheren Anteil am Warenkorb ausmachen. Zugleich wirken die Folgen des Energiepreisschocks infolge der Nahost-Krise weiter nach, da Diesel, Dünger und Transport teurer geworden sind. Ein solcher Doppelschock aus Energie- und Agrarpreisen dürfte den Rückgang der globalen Inflation erschweren und Aufwärtsdruck auf die Zinsen ausüben. Besonders betroffen wären Teile Asiens und Lateinamerikas, insbesondere Indien, da die wetterbedingten Auswirkungen von El Niño dort erfahrungsgemäß stärker ausfallen und sich dadurch deutlicher auf die landwirtschaftliche Produktion und die Preisentwicklung auswirken können.
Anleihemärkte im Spannungsfeld von Inflation und Schulden
Steigende Renditen, hohe Inflation und ein immer größerer Schuldenberg: Die USA stehen vor geld- und fiskalpolitischen Herausforderungen. Vor allem am US-Anleihemarkt sorgen diese Entwicklungen für Bewegung. Warum Investoren nervös auf die Signale der US-Notenbank reagieren und welche Rolle die hohe Staatsverschuldung spielt, erläutere ich im Gespräch mit Finanzjournalistin Jessica Schwarzer.
Zahl des Tages: 3
Wenn heute Abend eine Sonnenfinsternis ganz Europa ins Halbdunkel taucht, wird vom Flughafen Keflavik im Westen Islands ein Forschungsflugzeug der US-Raumfahrtbehörde NASA aufsteigen. Seine Aufgabe ist es, in 15.000 Metern Höhe dem schmalen Schattenstreifen zu folgen, auf dem der Mond die Sonne vollständig bedeckt. Somit können die hoch auflösenden Kameras an Bord die totale Finsternis fast drei Minuten lang beobachten – ohne störende Wolken und länger als an jedem festen Punkt der Erde. Mehr Zeit haben die Forscher allerdings nicht: Während das Flugzeug 740 Kilometer in der Stunde zurücklegt, wird es rasch vom Mondschatten überholt, der mit 3.200 Stundenkilometern über den Boden huscht.
Bringen Sie heute Licht ins Dunkel.
Herzlichst
Ihr Ulrich Stephan
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden
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