2. September 2026
Liebe Leserinnen und Leser,
die globalen Aktienmärkte legen im August weiter zu, höhere Inflationsdaten stützen die Erwartung einer Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank im September, und robuste US-Industriedaten sprechen für eine weiterhin positive Gewinnentwicklung.
Globale Aktien im August weiter im Plus
Die globalen Aktienmärkte setzten ihre Aufwärtsbewegung im August fort. Begleitet von höheren Energiepreisen und Staatsanleiherenditen, legte der MSCI All Country World Index in Euro um 1,7 Prozent zu. Regional entwickelte sich der S&P 500 mit knapp zwei Prozent etwas besser als der STOXX 600, der um 0,5 Prozent zulegte, während sich in Asien der südkoreanische KOSPI und der taiwanische TAIEX um knapp sieben beziehungsweise gut acht Prozent erholten. Saisonale Faktoren sprechen dafür, dass die Schwankungsintensität im September vorübergehend zunehmen könnte. Aus meiner Sicht dürften die Fundamentaldaten jedoch stützen: Mit dem Auslaufen der Berichtssaison für das zweite Quartal hoben Analysten ihre Gewinnschätzungen für globale Aktien im August erneut spürbar an und erwarten für die kommenden zwölf Monate ein Gewinnwachstum von gut 20 Prozent.
Eurozone: Inflationsanstieg untermauert Zinserwartung
Die Inflationsrate im Euroraum stieg laut der Schnellschätzung des europäischen Statistikamtes von 2,9 Prozent im Juli auf 3,3 Prozent im August und entsprach so den Erwartungen der Analysten. Damit erreichte die Teuerungsrate den höchsten Stand seit September 2023. Im Vergleich zum Vormonat beschleunigte sich der Preisauftrieb von 0,2 Prozent auf 0,4 Prozent. Wesentlicher Treiber war der erneute Anstieg der Energiepreise infolge der jüngsten Eskalation des Iran-Konflikts. Die für die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) maßgebliche Kerninflationsrate sank leicht von 2,5 Prozent im Juli auf 2,4 Prozent im August und damit leicht unter die Konsenserwartung von 2,5 Prozent. An den Terminmärkten wird eine Zinsanhebung um 0,25 Prozentpunkte auf der EZB-Sitzung im September bereits nahezu vollständig eingepreist.
WIG20 erholt sich nach Rücksetzer nur vorübergehend
Polnische Aktien gerieten vergangene Woche unter Druck. Gründe waren die Schwäche des Bankensektors sowie Gewinnmitnahmen, fiskalische Bedenken und geopolitische Unsicherheit. Der WIG20 erholte sich am Montag zwar bis in die Nähe seiner jüngsten Höchststände, was auf ein weiterhin robustes Anlegervertrauen hindeutete. Am Dienstag gab der Index jedoch wie andere europäische Aktienindizes angesichts der geopolitischen Unsicherheit wieder nach.
Die Bankensteuer, höhere Kraftstoffpreise sowie fiskalische und geopolitische Risiken könnten die Stimmung zwar belasten, das binnenwirtschaftliche Umfeld bleibt jedoch unterstützend. Steuersenkungen dürften die Kaufkraft der privaten Haushalte erhöhen, während Mittelzuflüsse der Europäischen Union und die Erholung der Nachfrage im Euroraum die Wirtschaft stützen. Vor diesem Hintergrund erscheinen insbesondere Konsum- und Versorgerwerte attraktiv. Konsumtitel sollten von einer stärkeren Binnennachfrage profitieren, Versorger von höheren Energiepreisen und positivem Gewinnmomentum.
Robuste Frühindikatoren stützen den Ausblick für US-Industriewerte
Die US-Industrie zeigte sich im August weiterhin robust. Zwar fiel der ISM-Manufacturing-Einkaufsmanagerindex (PMI) von 55,6 auf 54,6 Punkte, blieb damit jedoch den achten Monat in Folge über der Expansionsschwelle von 50 Punkten. Auch der endgültige S&P Global Manufacturing PMI signalisierte eine anhaltende Belebung und stieg von 53,2 Punkten im Juli auf 53,9 Punkte im August, womit die Markterwartungen übertroffen wurden. Insgesamt deuten die Umfragen auf eine fortgesetzte Dynamik im Verarbeitenden Gewerbe hin. Dies stützt meinen konstruktiven Ausblick für US-Industriewerte, deren Gewinne voraussichtlich von einer stärkeren wirtschaftlichen Aktivität in der zweiten Jahreshälfte profitieren werden. Analysten erwarten derzeit für den Industriesektor des S&P 500 ein Wachstum des Gewinns je Aktie von 16,4 Prozent im Jahr 2026 und 17,8 Prozent im Jahr 2027.
Steigende Renditen, starke Börsen: Kommt das Anleihen-Comeback?
Einmal im Jahr richtet sich der Blick der Finanzmärkte nach Jackson Hole. Diesmal haben die Aussagen von Fed-Chef Kevin Warsh neue Spekulationen über eine US-Zinserhöhung ausgelöst. Was bedeuten steigende Anleiherenditen für die weiterhin starken Aktienmärkte? Und erleben Anleihen jetzt ihr Comeback? Das erfahren Sie von Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und mir in der aktuellen Folge unseres Börsenpodcasts.
Zahl des Tages: 1.800.000
Es ist bekannt, dass Kondensstreifen von Flugzeugen zur Erderwärmung beitragen können – immer dann nämlich, wenn sich die Streifen unter bestimmten atmosphärischen Bedingungen nicht schnell auflösen, sondern stabile Eiswolken bilden, die einen Treibhauseffekt hervorrufen. Ein Forschungskonsortium will die Sache mit dem Projekt Operation Blue Skies in diesem Winter großflächig untersuchen. Dabei soll Flugzeugen über dem Nordatlantik auf einer Fläche von 1,8 Millionen Quadratkilometern eine etwas tiefere Flugbahn zugewiesen werden, um Luftschichten, in denen eine Eisbildung wahrscheinlich ist, zu vermeiden. Die Beteiligten glauben: Schon eine Abweichung von wenigen hundert Metern Flughöhe könnte in der Praxis dazu führen, dass sich weniger Eiswolken aus Kondensstreifen bilden und der Treibhauseffekt spürbar reduziert wird.
Starten Sie heute einen Höhenflug.
Herzlichst
Ihr Ulrich Stephan
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden
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