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Tägliche Kapitalmarkteinschätzungen von Dr. Ulrich Stephan,
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden.
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26. März 2026

Liebe Leserinnen und Leser,

europäische Industrieaktien sind möglicherweise einen Blick wert, in Japan geht die Gesamtinflation zurück, und Teile der Chemieindustrie könnten ihre Position im Wettbewerb verbessern.

Euroraum: Verarbeitendes Gewerbe optimistischer

Höhere Energiepreise und die unsichere Lage in der Golfregion belasten die Stimmung der Unternehmen im Euroraum. Darauf deuten die Schnellschätzungen der Einkaufsmanagerindizes (PMIs) für März hin. Der Stimmungsabfall bleibt jedoch vorerst auf die Dienstleistungsbranche begrenzt: Nach robusten 51,9 Punkten im Februar signalisiert der PMI für März mit 50,1 Punkten hier eine Stagnation. Demgegenüber stieg der PMI für das Verarbeitende Gewerbe entgegen den Erwartungen an und erreichte mit 51,4 Punkten den höchsten Stand seit fast vier Jahren. Die Bestellungen wurden auch aufgrund stärkerer staatlicher Nachfrage weiter angenommen, Exportaufträge zeigen Anzeichen von Stabilisierung und die Einkaufsaktivität erholte sich erstmals seit 44 Monaten. Allerdings berichten viele Fertigungsunternehmen von längeren Lieferzeiten ihrer Zulieferer sowie deutlich gestiegenen Inputkosten, die sie jedoch meist auf den Verkaufspreis überwälzen. Während sich die Ausgangslage für das verarbeitende Gewerbe in der Eurozone ebenfalls verbessert, stellt die Abhängigkeit von Vorprodukten auf Rohölbasis ein Risiko dar, das mit zunehmender Dauer des Krieges im Nahen Osten wächst. 

Die Gewinne des STOXX-600-Industriesektors sollen laut Analysten bis 2028 im Durchschnitt um knapp zwölf Prozent pro Jahr wachsen. Der jüngste Kursrücksetzer könnte daher eine attraktive Einstiegsgelegenheit für langfristig orientierte Anleger bieten.

Japan: Inflation sinkt unerwartet stark

In Japan ließ der Druck auf die Verbraucherpreise im Februar stärker nach als erwartet. Die jährliche Gesamtinflation sank auf 1,3 Prozent, die um frische Nahrungsmittel und Energie gereinigte Kernrate auf 2,5 Prozent. Staatliche Preisdeckel bei Kraftstoffen sowie Basiseffekte sollten die Gesamtinflation vorerst unter der Zwei-Prozent-Marke halten. Tempo und Umfang der weiteren geldpolitischen Normalisierung dürften jedoch maßgeblich von der Entwicklung der Kerninflation abhängen. Angebotsseitig signalisieren die Schnellschätzungen der Einkaufsmanagerindizes für März steigenden Kostendruck infolge höherer Energiepreise und Lieferkettenstörungen im Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt. Nachfrageseitig unterstützen erste Tarifabschlüsse von über fünf Prozent den privaten Konsum. Notenbankpräsident Kazuo Ueda verwies zuletzt insbesondere auf die Lohnentwicklung bei kleinen und mittleren Unternehmen. Deren Lohnabschlüsse sollten vor der nächsten Sitzung der Bank of Japan Ende April vorliegen, für die Märkte derzeit mit rund 60 Prozent Wahrscheinlichkeit eine Leitzinserhöhung von 0,75 auf 1,0 Prozent einpreisen. Über die nächsten vier Quartale antizipieren die Marktakteure insgesamt zwei solcher Schritte, was den Yen mittelfristig stützen könnte.

Südkorea: straffere Zinspolitik erwartet 

Die Ernennung von Shin Hyun‑song zum neuen Gouverneur der Bank of Korea deutet auf eine raschere geldpolitische Straffung hin, als bisher erwartet wurde. Seine früheren Aussagen betonen die Notwendigkeit präventiver Maßnahmen, um Inflation, überschüssige Liquidität und steigende Verschuldung frühzeitig einzudämmen. Aktuelle Daten verstärken diesen Kurs: Der Won hat sich abgeschwächt, während steigende Ölpreise die Importkosten erhöhen und damit zusätzlichen Preisdruck erzeugen. Am Markt wird ein Zinsschritt im Juli eingepreist. Entscheidend wird sein, wie sich das Zusammenspiel im geldpolitischen Rat verändert – insbesondere nach dem Ausscheiden eines bislang eher taubenhaft orientierten Mitglieds im Mai. Ein erster Zinsschritt im Sommer rückt klar in den Vordergrund und wird zunehmend zum Basisszenario.

Europas Chemieaktien zeigen sich robust

Seit dem Ausbruch des Nahostkonflikts zeigt sich der europäische Chemiesektor überraschend robust und schnitt besser ab als der STOXX 600. Dies trotz stark steigender Öl- und Gaspreise, die überwiegend inklusive öl‑ und gasbasierter Materialkosten rund 27 Prozent der Umsätze ausmachen. Entlastend könnte wirken, dass Asien insgesamt stärker von Vorprodukten aus der Nahostregion abhängig ist. Dies verteuert asiatische Chemieprodukte und könnte den Wettbewerbsdruck auf europäische Anbieter reduzieren, insbesondere in frühen, energie- und rohstoffintensiven Produktionsstufen. Herausfordernder dürfte das Umfeld hingegen für konsumnahe Spezialchemie wie Duft- und Aromastoffe werden. Hier treffen steigende Energiekosten auf eine potenziell nachlassende Nachfrage, zumal einzelne Unternehmen in diesem Segment Umsatzanteile im Nahen Osten von bis zu elf Prozent aufweisen. Insgesamt könnte der Kostendruck für Europas Chemieindustrie teilweise durch nachlassenden Wettbewerbsdruck abgefedert werden. Während die Volatilität hoch bleiben dürfte, erscheinen mir europäische Chemieaktien mit Schwerpunkt auf frühen Wertschöpfungsstufen besser positioniert als konsumnahe Spezialchemie.

Anlagestrategien gegen die aktuelle Krise

Welche Anlagestrategien helfen gegen die aktuelle Krise? Value, Quality, Momentum, Dividend, Size: Mit diesen Strategien verbinden viele Investoren die Hoffnung, langfristig besser als der Markt abzuschneiden. Funktioniert das? Kann man den Markt wirklich schlagen? Welche Modelle und Hypothesen, Chancen und Risiken es gibt, analysieren Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und ich in der aktuellen Folge unseres Börsenpodcasts PERSPEKTIVEN To Go. 

Was diese Woche wichtig wird

Im Laufe der Woche, Berichtssaison

  • USA | Aus dem S&P 500 berichten Carnival, Cintax und Paychex.
  • Europa | Aus dem STOXX 600 legen 16 Unternehmen ihre Geschäftsberichte vor, darunter H&M, Terna, CTS Eventim und NEXT.
  • Asien | Aus China berichten unter anderem Ping An Insurance, Industrial & Commercial Bank, Petrochina, Meituan, BYD und Xiaomi.

    Zahl des Tages: 11,4

    66 Millionen Jahre nach seinem jähen Aussterben beflügelt der Tyrannosaurus immer noch die Fantasie von Filmregisseuren – und von Wissenschaftlern. Zu Letzterem gehört ein Team um Adrian Tussel Boeye vom College of the Atlantic im US-Bundesstaat Maine, das sich Gedanken über die Gang des Raubsauriers gemacht hat. Aus Analysen von Fossilienfunden und Fußabdrücken schließen die Forscher, dass der Tyrannosaurus auf Zehenspitzen gelaufen ist wie ein Vogel. Junge, leichte Exemplare könnten dabei eine Geschwindigkeit von 11,4 Metern pro Sekunde erreicht haben, ältere Tiere waren gut halb so schnell. Oder wie es ein Wissenschaftler etwas despektierlich formulierte: Man darf sich den Tyrannosaurus wie ein tonnenschweres Hühnchen vorstellen.


    Kommen Sie heute gut vorwärts.

    Herzlichst


    Ihr Ulrich Stephan

    Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden

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