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5. Oktober 2022

Liebe Leserinnen und Leser,

europäische Börsenbetreiber profitieren von steigenden Zinsen, viele Rohstoffproduzenten dürften das dritte Quartal in schlechter Erinnerung behalten, und in Japan werden robuste Konjunkturdaten veröffentlicht.


Zinsplus stützt Börsenbetreiber

Von steigenden Zinsen profitieren neben Banken auch europäische Börsenbetreiber. Denn einerseits verdienen die Unternehmen mehr mit den Bareinlagen ihrer Kunden, andererseits dürfte der Handel mit Anleihen und entsprechenden Finanzprodukten zunehmen und zu höheren Einnahmen aus Verrechnungen („Clearing“) und Abwicklungen führen. Insgesamt stehen diese zinsabhängigen Einnahmen der Unternehmen für zehn bis zwanzig Prozent der Gesamteinnahmen und fallen daher ins Gewicht. Gleichzeitig scheinen die mit höheren Zinsen verbundenen Risiken wie etwa Zahlungsausfälle begrenzt. Schließlich bieten die Börsen nur die Plattform für den Handel und sind nicht direkt beteiligt. Zudem scheinen die Clearing-Häuser der Börsenbetreiber ausreichend abgesichert. Für den Fall des Ausfalls eines Clearing-Mitglieds sind mehrstufige Absicherungsmechanismen installiert, bei denen Mittel der Clearing-Häuser erst später zur Verlustdeckung herangezogen werden. Entsprechend könnte sich die gute Kursentwicklung einzelner Börsenbetreiber in diesem Jahr noch eine Weile fortsetzen. Allerdings könnte die Bewertung zunehmend die Kurse bremsen. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis von Börsenbetreibern liegt zwar vielfach nur noch bei der Hälfte der Rekordniveaus von Ende 2020, jedoch werden sie mit sehr hohen Aufschlägen zum europäischen Gesamtmarkt von bis zu 100 Prozent gehandelt.


Preisrückgang bei Rohstoffen nur temporär 

Viele Rohstoffproduzenten und -anleger dürften das dritte Quartal in schlechter Erinnerung behalten. Öl der Nordseesorte Brent und der US-Sorte WTI wies mit minus 23,4 und 24,8 Prozent sein schlechtestes Jahresviertel seit dem ersten Quartal 2020 – dem Beginn der Covid-19-Pandemie und der Lockdown-Maßnahmen – auf. Erstmals seit 2017 sanken die Preise für Brent-Öl nun in vier aufeinanderfolgenden Monaten, weshalb die OPEC+-Länder im Rahmen ihrer heutigen virtuellen Zusammenkunft potenzielle Produktionskürzungen auf der Tagesordnung stehen haben.

Auch die meisten Edel- und Industriemetalle verbilligten sich deutlich; sowohl Kupfer als auch Gold gaben um 8,1 Prozent nach. Grund für die schwache Wertentwicklung: die zunehmenden globalen Rezessionssorgen, die eine geringere Nachfrage nach sich ziehen dürften. Der sehr feste US-Dollar hat ebenfalls direkten Einfluss auf die Nachfrage außerhalb der USA: Er verteuert die Rohstoffe in anderen Währungen oft stark. Lediglich Erdgas und Kohle stiegen deutlich im Preis. Zum Auftakt des vierten Quartals waren Rohstoffe jedoch in risikofreudigeren Märkten und wegen des schwächeren US-Dollars gefragt. Silber zum Beispiel verteuerte sich am Montag um rund neun Prozent. Mittelfristig dürften viele Rohstoffe zumindest moderates Aufwärtspotenzial besitzen.


Auf dem Weg zum digitalen Euro

Die Entwicklung einer Digitalwährung für die Eurozone schreitet voran. Zuletzt hat die Europäische Zentralbank (EZB) fünf Unternehmen ausgewählt, um Benutzeroberflächen für einen digitalen Euro zu entwickeln. Die EZB möchte verschiedene Anwendungsfälle testen, deren Ergebnisse dann im ersten Quartal 2023 veröffentlicht werden sollen. Währenddessen weitet auch die US-Regierung ihre Recherchen zur Einführung eines digitalen US-Dollars aus. Für Stablecoins – die mit anderen Vermögenswerten unterlegt sind – stellt die fortschreitende Entwicklung von digitalen Zentralbankwährungen eine Bedrohung ihrer Existenz dar. Stablecoins sind an mehr als der Hälfte aller an Börsen gehandelten Bitcoins beteiligt, was sie zu einem äußerst wichtigen Teil des Krypto-Ökosystems macht. Dies liegt daran, dass Transaktionen von einer Kryptowährung in eine andere schneller und kostengünstiger erfolgen können als unter Einsatz herkömmlicher Währungen. Neuerliche starke Kursverluste, sobald die Geschäftsmodelle einzelner Stablecoins wieder infrage gestellt werden, halte ich daher für sehr wahrscheinlich. Die Folgen dürften dann wiederum im gesamten Kryptomarkt zu spüren sein.


Gute Wirtschaftsnachrichten aus Japan 

In Japan wurde jüngst eine Reihe erfreulicher Konjunkturdaten veröffentlicht. Die Arbeitslosenquote erreichte im August wieder ihr Post-Pandemie-Tief von 2,5 Prozent, nachdem die jüngste Corona-Welle für einen zwischenzeitlichen Anstieg gesorgt hatte. Unterdessen beschleunigten sich sowohl die Industrieproduktion als auch das Wachstum der Einzelhandelsumsätze. Im Monatsvergleich überraschte das Wachstum der Industrieproduktion mit einem Sprung auf 2,7 Prozent im August – lediglich 0,2 Prozent waren erwartet worden –, während das Plus der Einzelhandelsumsätze bei 1,4 Prozent lag. Der quartalsweise veröffentlichte Tankan-Bericht lieferte wenige große Überraschungen. Wichtig erscheint jedoch, dass die Inflationserwartungen der Unternehmen weiter gestiegen sind: Die Firmen gehen nun erstmals seit 2014 davon aus, dass die Inflation in den nächsten fünf Jahren über zwei Prozent bleiben wird. Die Inflationserwartungen für das kommende Jahr stiegen von 2,4 Prozent im Juni auf nun 2,6 Prozent. Die Sterne für eine solide Berichtssaison der japanischen Konzerne dürften damit gut stehen. Im Laufe des vergangenen Monats hatten Analysten ihre Gewinnerwartungen für den TOPIX bereits um 1,4 Prozent auf nunmehr 156,4 Yen pro Aktie angehoben.


Wann endet die Börsentalfahrt?

Rekordinflation, Rezessionssorgen sowie der Russland-Ukraine-Krieg hinterlassen ihre Spuren. Die Aktienmärkte verzeichneten in den ersten neun Monaten des Jahres massive Verluste. Wann hat die Börsentalfahrt ein Ende? Das erfahren Sie von mir im Gespräch mit Finanzjournalistin Jessica Schwarzer.


Was diese Woche wichtig wird

    Mittwoch

    • Polen | Zinsentscheid der Narodowy Bank Polski. Eine Inflationsrate jenseits der 15 Prozent sowie ein schwächelnder Złoty dürften die Währungshüter zum nächsten Zinsschritt bewegen. Es wird eine Anhebung um 0,25 Prozentpunkte auf 7,0 Prozent erwartet.
    • USA | ADP Beschäftigungsänderung im September. Der Arbeitsmarkt könnte weiterhin keine Anzeichen der Schwäche aufweisen. Bei einer Erwartung von 200.000 Neubeschäftigten könnte der Druck auf US-Treasuries steigen.
    • USA | Der ISM-Index für den Dienstleistungssektor im September dürfte auf dem Niveau des Vormonats im stark expansiven Bereich verharren. Der Markt könnte den Fokus insbesondere auf die einzelnen Indexkomponenten zur Preis- und Mitarbeiterentwicklung richten.

    Donnerstag

    • Deutschland | Der Auftragseingang in der Industrie sollte im August leicht gesunken sein. Neben den hohen Energiepreisen dürften sich auch die niedrigen Wasserstände im Rhein nachteilig ausgewirkt haben. Rückläufige Aufträge wirken sich negativ auf die zu erwartenden Gewinne der Unternehmen aus.
    • Ungarn | Die Industrieproduktion sollte im August weiter auf Hochtouren gelaufen sein. Erwartet wird ein Anstieg von über acht Prozent gegenüber dem Vorjahr. Ungarische Staatsanleihen könnten unter Druck bleiben.
    • Eurozone | Es wird ein leichter Rückgang des Einzelhandelsumsatzes im August erwartet, was auf europäischen Aktien lasten könnte.

    Freitag

    • Deutschland | Die Industrieproduktion dürfte im August wieder geschrumpft sein, worunter der Euro leiden könnte.
    • Deutschland | Einzelhandelsumsatz im August. Die seit Längerem bescheidene Konsumentenlaune dürfte sich in einem ausgeprägten Rückgang der Umsätze im stationären Einzelhandel bemerkbar machen.
    • USA | Arbeitslosenquote im September. Mit einem zu erwartenden Beschäftigungsanstieg von 250.000 dürfte die Arbeitslosenquote bei niedrigen 3,7 Prozent verharren, sofern die Arbeitsmarktpartizipation nicht unerwartet steigt. Der Druck auf die Fed könnte sich damit noch verstärken. Anleihen-, Aktien- und Devisenmärkten könnte eine weitere holprige Woche bevorstehen.


          Zahl des Tages: 10.400.000.000

          In diesem November wird die Menschheit einen neuen Rekordwert erreichen: Am 15. des Monats soll die Weltbevölkerung laut UN-Prognose die Schwelle von acht Milliarden überschreiten. Und das Wachstum setzt sich zunächst fort. In den 2080er-Jahren könnte es 10,4 Milliarden Menschen geben, so die Vereinten Nationen. Doch damit ist dann möglicherweise der Gipfelpunkt erreicht, denn das prozentuale Bevölkerungswachstum verlangsamt sich. Es liegt aktuell nur noch bei 0,8 Prozent – und damit erstmals seit 1950 unter der Ein-Prozent-Marke.

          Denken Sie heute wachstumsorientiert.

          Herzlichst

          Ihr Ulrich Stephan

          Chef-Anlagestratege Privat- und Firmenkunden


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          Dr. Ulrich Stephan

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