19. März 2026
Liebe Leserinnen und Leser,
erwartungsgemäß hat die US-Notenbank Fed gestern Abend den Leitzins unverändert in der Spanne von 3,5 bis 3,75 Prozent belassen. Die aktualisierten Zinsprojektionen signalisieren unverändert zum Dezember weiterhin je eine Zinssenkung um 0,25 Prozentpunkte in den Jahren 2026 und 2027. Die Inflationsprognose für 2026 wurde sowohl für die Gesamtrate als auch die Kerninflation merklich auf 2,7 Prozent angehoben, auch die Prognose für das BIP-Wachstum wurde leicht auf 2,4 Prozent aufwärts revidiert. Auch für 2027 erwarten die Währungshüter nun ein stärkeres Wachstum der US-Wirtschaft sowie der Inflation. In ihrer Stellungnahme verwies die Fed auf erhöhte Unsicherheit durch den Krieg im Nahen Osten und betonte daraus wachsende Risiken für beide Seiten ihres Doppelmandats, Inflation und Beschäftigung. Bei der Pressekonferenz des Fed-Vorsitzenden Jerome Powell stand primär die Inflationsentwicklung im Fokus; Die Vielzahl der Fragen bezog sich auf die Risiken weiter steigender Inflationsraten. An den Terminmärkten waren zuletzt aufgrund der steigenden Preise für Energierohstoffe die Erwartungen an eine weitere Leitzinssenkung der Fed bereits zurückgeschraubt worden. Nachdem die gestern veröffentlichten Daten zum Erzeugerpreisindex der USA im Februar deutlich über den Erwartungen lagen und Powell sich eher verhalten über weitere Zinssenkungen äußerte, wurde eine weitere Leitzinssenkung an den Zinsterminmärkten komplett erst für Mitte 2027 eingepreist. Die Renditen der US-Staatsanleihen zogen sich spürbar an, der US-Dollar wertete moderat auf, während Gold ebenso wie die US-Aktienleitindizes nachgab.
US-Verbraucher: Benzinpreis drückt die Stimmung
Seit Beginn des Irankrieges sind die US-Benzinpreise um gut zehn Prozent gestiegen, die Preise für Diesel sogar um 35 Prozent. Der Kostenschock trifft besonders die Transport- und Agrarindustrie und erhöht das Risiko breiterer Preisschübe. Anders als nach dem Kriegsbeginn in der Ukraine 2022 fehlen viele US-Haushalten der finanziellen Puffer, um die Belastungen abzufedern. Die Konsumentenstimmung trübt sich ein – laut der Universität Michigan zuletzt auf den günstigsten Wert seit drei Monaten. Der erhoffte stimulierende Effekt der ungewöhnlich hohen Einkommensteuererstattungen, die laut Steuerbehörde mehr als zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr liegen, droht zu verpuffen. Steigende Kosten und vorsichtige Verbraucher belasten auch die Margen vieler Hersteller langlebiger Konsumgüter. In den zurückliegenden 30 Tagen senkten Analysten ihre Gewinnerwartungen für US-Unternehmen des zyklischen Konsums für 2026 und 2027 um jeweils gut ein Prozent, während sie die Prognosen für den breiten US-Markt um 0,8 und 1,5 Prozent anhoben. Wie stark sich dies künftig in den Aktienkursen niederschlagen wird, wird vor allem von der Preissetzungsmacht der Unternehmen und der Beharrlichkeit des Preisanstiegs abhängen. Innenpolitisch nimmt der Druck zu: Ohne Entlastung an den Zapfsäulen droht „Bezahlbarkeit“ zum entscheidenden Faktor der Zwischenwahlen zu werden.
US-Inflation leicht höher: Zinssenkung weiter erst im Schlussquartal eingepreist
Der am Freitag veröffentlichte Kernindex der persönlichen Konsumausgaben bestätigte die Markterwartung, dass die US-Notenbank Fed ihren Leitzins am Mittwoch unverändert im Korridor von 3,50 bis 3,75 Prozent belassen wird. Der Index stieg erwartungsgemäß von 3,0 Prozent im Vormonat auf 3,1 Prozent im Januar und entfernte sich somit weiter von dem Inflationsziel der Fed von 2,0 Prozent. Da die Daten die Auswirkungen des Konflikts im Nahen Osten auf die Preise noch nicht widerspiegeln, dürfte der Fokus der Märkte auf den aktualisierten Projektionen der Währungshüter liegen, die Hinweise auf den weiteren geldpolitischen Kurs geben sollten. Die Terminmärkte preisen weiterhin eine Zinssenkung im Schlussquartal ein. Die Stimmung der US-Verbraucher trübte sich derweil zuletzt ein: Der Index der University of Michigan für März sank moderat. Die Daten hatten insgesamt keine starke Marktreaktion zur Folge – der US-Dollar legte leicht zu, die US-Aktienindizes eröffneten etwas fester. Insgesamt liegt der Marktfokus weiter auf den geopolitischen Entwicklungen.
Aktien Europa: Gewinnerwartungen bleiben stabil
Der jüngste Energiepreisanstieg infolge des Nahostkonflikts hat die europäischen Aktienmärkte belastet. Dadurch wurde ein Teil der zu Jahresbeginn aufgebauten Outperformance gegenüber den US-Aktienmärkten wieder abgebaut. Aufgrund der hohen Abhängigkeit Europas von Energieimporten reagiert der STOXX 600 üblicherweise besonders sensibel auf steigende Ölpreise. Dennoch könnten die aggregierten Gewinnerwartungen widerstandsfähig bleiben. Ein Blick auf das Jahr 2022 zeigt, dass die Gewinne europäischer Unternehmen trotz eines deutlichen Inflationsanstiegs – unter anderem getragen vom Energiesektor – um mehr als 20 Prozent zulegten. Unternehmensgewinne sind nominale Größen. Verfügen Unternehmen über eine ausreichende Preismacht und können gestiegene Inputkosten weitergeben, kann ein inflationäres Umfeld zu höheren nominalen Gewinnen beitragen.
Dieser Mechanismus könnte erneut an Bedeutung gewinnen, hängt jedoch neben der Resilienz der Nachfrageseite auch maßgeblich von der weiteren Entwicklung des Konflikts ab. Die Erwartungen der Analysten bleiben derzeit stabil und deuten beim Unternehmen des STOXX 600 für 2026 auf ein Gewinnwachstum gegenüber dem Vorjahr von rund zehn Prozent hin.
Chinas Konjunktur mit Lichtblicken
Chinas jüngste Aktivitätsdaten fielen besser aus als erwartet. Industrieproduktion und Einzelhandelsumsätze profitierten von robuster Nachfrage aus dem Ausland sowie einer allmählichen Stabilisierung im Konsumbereich und überraschten mit 6,3 und 2,8 Prozent Wachstum im Jahresvergleich positiv. Die Anlageinvestitionen stiegen, getrieben von staatlich geförderten Projekten, in den ersten beiden Monaten verglichen mit 2025 um 1,8 Prozent und lagen somit merklich über den schwächeren Erwartungen. Ein Bremsklotz für die Binnenkonjunktur bleibt der Immobiliensektor. Preise für Neubauten beziehungsweise Wohnungen aus dem Bestand notieren 13,0 und 22,2 Prozent unter ihren Höchstständen, was viele Haushalte belastet. Insgesamt deutet der Jahresauftakt auf eine Verbesserung der Wirtschaftslage hin, doch die konjunkturelle Basis bleibt angesichts des angeschlagenen Immobiliensektors und steigender Inflationsrisiken anfällig. Vor diesem Hintergrund könnte es sinnvoll sein, besonders jene chinesischen Sektoren im Blick zu behalten, die von Exportdynamik oder staatlicher Nachfrage profitieren.
Direktkredite: Risiken im Softwaresektor
Die erwartete Ausfallrate bei Direktkrediten (Direct Lending) dürfte infolge von KI-bedingten Störungen auf etwa acht Prozent steigen. Besonders betroffen ist der Softwaresektor, dessen Gewicht im Direct Lending hoch ist und dessen Kreditfundamentaldaten durch überdurchschnittliche Verschuldung, geringe Zinsdeckung und eine vorgezogene Fälligkeitsstruktur belastet sind. Ein erheblicher Teil der Softwarekredite läuft bis 2027/2028 aus, was die Risikodynamik verstärkt. Gleichwohl erscheinen die Risiken für das gesamte Finanzsystem begrenzt, da Unternehmensbilanzen robust erscheinen und private Kreditfonds wie Intermediäre eine geringere Verschuldung aufweisen als in früheren Stressphasen. Rücknahmen in nicht gehandelten Fondsgesellschaften zu nehmen, werden aber durch die Beschränkung von Rückgabeanträgen abgefedert. Die Fundamentaldaten im vierten Quartal 2025 zeigen stabile bis leicht verbesserte Kennzahlen, wenn gleich die Streuung der Kredite, bei denen Zins- und Tilgungszahlungen eingestellt wurden, zunimmt und PIK-Einnahmen – auch Zinszahlungen durch erhöhte Kredite –, bei einigen Investmentvehikeln hoch bleiben. Gleichzeitig führen moderatere Renditen und negative Sektornachrichten zu geringerer Kapitalzufuhr und erhöhtem Renditedruck, was das Wachstum des verwalteten Vermögens im Bereich Private Debt bremst. Insgesamt muss auch mit schlechten Nachrichten in diesem speziellen Bereich gerechnet werden. Ein systemisches Risiko ist aber momentan nicht zu erkennen.
Börsen fahren Achterbahn
Der Irankrieg bleibt das bestimmende Thema an den Finanzmärkten. Hohe Energiepreise, die gesperrte Straße von Hormus und die Sorgen um die Weltwirtschaft belasten die Stimmung an den Märkten, die Schwankungen bleiben hoch. Wie Anleger damit umgehen sollten, welche Risiken, aber auch Chancen es gibt, analysieren Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und ich in der aktuellen Folge meines Börsenpodcasts PERSPEKTIVEN To Go.
Zahl des Tages: 45,305
Für alle, die den konventionellen Zauberwürfel im Schlaf lösen, gibt es Rubik's Revenge. Auch bei diesem Würfel gilt es, die farbigen Elemente so zu drehen, dass am Ende jede Seite eine einheitliche Farbe hat – doch die Seiten bestehen aus 16 statt aus neun Quadraten. Da kommt etwas technische Unterstützung gelegen: Matt Pidden, Informatikstudent an der University of Bristol, hat jetzt einen Roboter konstruiert, der den Vier-mal-vier-Würfel in 45,305 Sekunden löst. Das ist schnell, doch im Vergleich zum menschlichen Rekordhalter haben die Maschinen noch viel aufzuholen: Der polnische Speedcuber Tymon Kolasiński bezwang „Rubiks Rache“ kürzlich in gut 15 Sekunden.
Arbeiten Sie heute lösungsorientiert.
Herzlichst
Ihr Ulrich Stephan
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden
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Soweit hier von Deutsche Bank die Rede ist, bezieht sich dies auf die Angebote der Deutsche Bank AG. Wir weisen darauf hin, dass die in dieser Publikation enthaltenen Angaben keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung darstellen, sondern ausschließlich der Information dienen. Die Information ist mit größter Sorgfalt erstellt worden. Bei Prognosen über Finanzmärkte oder ähnlichen Aussagen handelt es sich um unverbindliche Informationen. Soweit hier konkrete Produkte genannt werden, sollte eine Anlageentscheidung allein auf Grundlage der verbindlichen Verkaufsunterlagen getroffen werden. Aus der Wertentwicklung in der Vergangenheit kann nicht auf zukünftige Erträge geschlossen werden.
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