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22. Juli 2026

Liebe Leserinnen und Leser,

der britische Premierminister Andy Burnham will die Mehrwertsteuer auf Strom streichen, geopolitische Unsicherheiten und höhere Energiekosten belasten die Kreditbedingungen im Euroraum, und das Übernahmegeschäft nimmt an Fahrt auf.

Burnham plant Streichung der Mehrwertsteuer auf Strom: Entlastung mit Finanzierungsfragen

Der britische Premierminister Andy Burnham kündigte am Dienstag an, die Mehrwertsteuer auf Stromrechnungen ab dem 1. Oktober streichen zu wollen. Dies ist Burnhams erster Versuch, die anhaltend hohen Lebenshaltungskosten in Großbritannien zu reduzieren. Die Finanzierung soll durch Einsparungen aus der Annullierung eines 1,8 Milliarden Britische Pfund teuren digitalen ID-Programms erfolgen – jedoch gab es bereits erste Bedenken, da das digitale ID-Programm angeblich selbst nicht ausreichend finanziert war. Die Energierechnungen waren seit 2022 stark gestiegen, und obwohl die Preise seit Mitte 2023 wieder etwas gesunken sind, liegen sie immer noch bis zu 60 Prozent über dem Vorkrisenniveau. Durch den Iran-Krieg sind sie zuletzt wieder gestiegen. Die kurzfristige Entlastung der Verbraucher durch Steuersenkungen könnte die Konsumausgaben stützen. Anleger mit Interesse an britischen Titeln sollten jedoch genau beobachten, wie solche Maßnahmen finanziert werden und welche Auswirkungen sie auf die langfristige wirtschaftliche Stabilität respektive Staatsverschuldung haben.

EZB-Umfrage: Banken verschärfen Kreditstandards im Euroraum

Geopolitische Unsicherheiten und höhere Energiekosten belasten die Kreditbedingungen im Euroraum – darauf deutet die jüngste Bank Lending Survey der Europäischen Zentralbank (EZB) hin. Die Banken verschärften im zweiten Quartal ihre Kreditvergabestandards für Unternehmen, was eine vorsichtigere Einschätzung der wirtschaftlichen Risiken widerspiegelt. Dennoch stieg die Nachfrage nach Unternehmenskrediten um drei Prozentpunkte – das deutet darauf hin, dass Unternehmen trotz der verschärften Zinssituation weiterhin externe Finanzierungen nachfragen. Privathaushalte zeigten sich dagegen zurückhaltender. Die Nachfrage nach Hypothekenkrediten ging gegenüber dem Vorquartal um 15 Prozentpunkte zurück; die Nachfrage nach Konsumentenkrediten und sonstigen Krediten an private Haushalte sank um zwei Prozentpunkte. Für das dritte Quartal rechnen die Banken mit einer weiteren Verschärfung der Kreditvergabestandards in allen wesentlichen Kreditsegmenten, was die Wachstumsaussichten in der Eurozone weiter belasten würde.

Nickel bleibt volatil: Indonesiens Förderpolitik als möglicher Preistreiber

Der Nickelpreis für die Lieferung in drei Monaten schwankt seit Jahresbeginn deutlich stärker als noch in der zweiten Jahreshälfte 2025. Damals lag er meist knapp über 15.000 US-Dollar je Tonne. Zuletzt stieg er von rund 16.800 auf 20.000 US-Dollar je Tonne, fiel anschließend um knapp 4.000 US-Dollar und machte einen Teil der Verluste rasch wieder wett.

Zuletzt sorgten hohe Lagerbestände in London und Shanghai sowie Spekulationen über deutlich höhere Förderquoten in Indonesien ab 2027 für Preisdruck; Indonesien steht für rund zwei Drittel des weltweiten Angebots. Auf der Nachfrageseite dämpft vor allem die schwache chinesische Immobilienkonjunktur den Edelstahlsektor, der ebenfalls rund zwei Drittel des Nickelverbrauchs ausmacht. Ein nachhaltiger Preisanstieg erscheint daher vorerst fraglich. Nach dem jüngsten Rückgang dürfte das weitere Abwärtspotenzial jedoch begrenzt sein. Sollte Indonesien überraschend Angebotsbeschränkungen oder strengere Exportquoten beschließen, wäre ein erneuter kräftiger Preissprung wahrscheinlich.

Erholung im Übernahmemarkt setzt sich fort

Das Übernahmegeschäft hat im laufenden Jahr an Fahrt aufgenommen. Seit Jahresbeginn stieg der Wert der Übernahmen und Fusionen in den USA gegenüber dem Vorjahreszeitraum um rund 185 Prozent. Auch in Westeuropa hat sich das Transaktionsvolumen mehr als verdoppelt, liegt aber noch immer unter den Rekordständen früherer Boomphasen – das lässt Raum für weitere Übernahmeaktivität. Dafür sprechen langfristig die von der Europäischen Kommission angestoßene Reform der Fusionsregeln – die internationale Wettbewerbsfähigkeit und Innovation bei Fusionsentscheidungen künftig stärker berücksichtigen könnte – sowie die wachsende Bedeutung von Übernahmen als Instrument strategischen Wachstums. Investmentbanken gehören zu den ersten Gewinnern einer Belebung des Übernahmegeschäfts – das unterstreichen die jüngsten Quartalszahlen der Wall-Street-Banken. Perspektivisch könnten aber auch Branchen mit hohem Konsolidierungspotenzial – etwa Telekommunikation oder Chemie – stärker in den Fokus rücken. Da die Realisierung von Synergien jedoch meist Zeit benötigt, dürften zunächst Finanzwerte profitieren. In der kommenden Woche stehen die Ergebnisse mehrerer europäischer Banken mit starkem Investmentbanking-Geschäft im Fokus.

Gewinnboom an der Wall Street: Warum die Rally trotzdem stockt

Starke Gewinne an der Wall Street, aber die Börsenrally gerät ins Stocken. Während die Berichtssaison bislang überraschend stark ausfällt, wachsen die Zweifel an der nächsten Phase des Booms im Bereich Künstliche Intelligenz. Hinzu kommen Unsicherheiten rund um den Nahostkonflikt, Ölpreis, Inflation und Geldpolitik. Wie Anlegerinnen und Anleger die aktuelle Marktlage einordnen sollten, diskutieren Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und ich in der aktuellen Folge unseres Börsenpodcasts.

Zahl des Tages: 125

Auf Sardinien liegt eine sogenannte Blaue Zone – eine Region, in der viele Menschen 100 Jahre alt und älter werden. Maria Chiara Fastame von der Universität Cagliari und Kollegen haben auf der Insel nach den Ursachen der Langlebigkeit gesucht. Die Psychologen testeten und befragten dafür 125 ältere Menschen aus der Blauen Zone und einer unmittelbar benachbarten Region. Sie fanden keine größeren Unterschiede bei Ernährung und körperlicher Bewegung. Dagegen wiesen die Bewohner der Blauen Zone ein deutlich höheres Maß an Neugier auf und waren eher bereit, neue Dinge auszuprobieren. Sie verfügten zudem über eine höhere emotionale Kompetenz und verbrachten mehr Zeit mit geistig anregenden Freizeitaktivitäten. Wir lernen: Körperliche Fitness schadet nicht – aber ein langes Leben ist auch Kopfsache.

Lernen Sie heute etwas dazu.

Herzlichst

Ihr Ulrich Stephan

Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden

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