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Tägliche Kapitalmarkteinschätzungen von Dr. Ulrich Stephan,
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden.
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24. September 2026

Liebe Leserinnen und Leser,

Staatsausgaben und Auftragsplus geben Deutschlands Konjunktur Rückenwind, die Renditen deutscher und amerikanischer Staatsanleihen steigen nach starken Einkaufsmanagerindizes, und die Aktienmärkte der Andenregion zeichnen trotz einiger positiver Signale ein gemischtes Bild.

Deutschland: Staatsausgaben und Auftragsplus geben Rückenwind

Die deutschen Staatsausgaben lagen im August mit 50 Milliarden Euro rund 14 Prozent über dem Vorjahresniveau, wozu auch höhere Zinszahlungen beitrugen. Die für die Konjunktur relevanten Sondervermögen für Infrastruktur und Verteidigung wurden zwar stärker genutzt als 2025, aufs Gesamtjahr hochgerechnet könnten die Ausgaben jedoch 20 beziehungsweise 30 Prozent hinter den Regierungsplänen für 2026 zurückbleiben. Mit Blick nach vorn stimmen neben der traditionell starken Saisonalität der öffentlichen Ausgaben im Schlussquartal vor allem die Fiskalpläne für 2027 hoffnungsvoll, die knapp 140 Milliarden Euro für Verteidigung und rund 55 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität veranschlagen. Die Herausforderung bleibt die Umsetzungsgeschwindigkeit.

Zugleich deutet die gestrige Schnellschätzung der Einkaufsmanagerindizes für September an, dass der fiskalische Rückenwind zunehmend in der Realwirtschaft ankommt. Der branchenübergreifende Index erreichte mit 53,8 Punkten den höchsten Stand seit elf Monaten, während Auftragseingänge und Auftragsbestände so stark zulegten wie zuletzt im Jahr 2022. Vielerorts wächst die Nachfrage schneller, als die Unternehmen ihre Aufträge abarbeiten können. Während sich der Beschäftigungsaufbau noch auf den Dienstleistungssektor konzentriert, hat sich der Stellenabbau in der Industrie zuletzt verlangsamt. Setzt sich die Konjunkturbelebung fort, könnte eine steigende Kapazitätsauslastung auch in der Industrie die Nachfrage nach Arbeitskräften erhöhen und die Erholung der deutschen Wirtschaft in den kommenden Quartalen auf eine breitere Basis stellen.

Starke Konjunktursignale treiben Anleiherenditen auf Mehrjahreshochs

Die gestern von S&P Global veröffentlichten Schnellschätzungen der Einkaufsmanagerindizes signalisieren im September eine kräftige Belebung der Privatwirtschaft auf beiden Seiten des Atlantiks. Der branchenübergreifende US-Index stieg auf 58,4 Punkte und erreichte den höchsten Stand seit Juli 2021. Im Euroraum markierte das Barometer mit 53,1 Punkten das stärkste Expansionstempo seit fast dreieinhalb Jahren. In beiden Regionen zogen die Preisindikatoren an, zugleich verbesserten sich die vorlaufenden Komponenten wie Auftragseingänge, Auftragsbestände und Beschäftigung. Der robustere Konjunkturausblick und Anzeichen anhaltenden Preisdrucks trieben die Zinserwartungen. Für die Fed und die Europäische Zentralbank preisen die Märkte jeweils eine weitere Leitzinsanhebung um 0,25 Prozentpunkte im Dezember ein. Die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen stiegen wieder über fünf Prozent, jene zehnjähriger Bundesanleihen über 3,5 Prozent.

Aktien der Andenländer: Reformdynamik trifft auf hohe Zinsen

Die Aktienmärkte der Andenregion bieten trotz günstiger Bewertungen, hoher Rohstoffpreise und einer positiven Reform- und Investitionsdynamik ein gemischtes Bild. In Chile dürften geplante Investitionen im Bergbau, vor allem im Kupfer- und Lithiumabbau, sowie stabile politische und institutionelle Rahmenbedingungen den Gewinnausblick stützen. Der hohe Ölpreis könnte in dem Nettoimportland jedoch den Inflations- und Haushaltsdruck erhöhen. Der MSCI All Colombia hat seit Jahresbeginn in Euro rund 50 Prozent zugelegt – dazu trugen die Aussicht auf investitionsfreundliche Reformen und eine Wiederbelebung des Energiesektors bei. 

Die weitere Entwicklung hängt davon ab, ob die kolumbianische Regierung die Reformen trotz des zersplitterten Kongresses durchsetzen kann. Hohe US-Zinsen erschweren zugleich Portfolio-Kapitalzuflüsse in Schwellenländer. Die Aussichten für Aktien der Andenregion hängen daher nicht nur von der Reform- und Investitionsdynamik, sondern auch von den globalen Finanzierungsbedingungen ab.

Starke Börsen, schwache Verbraucherstimmung: das US-Paradox

Die US-Wirtschaft wächst, der Arbeitsmarkt bleibt robust und die Börse zeigt sich stark. Doch gestiegene Preise sowie hohe Wohn- und Finanzierungskosten belasten viele amerikanische Haushalte. Was bedeutet diese Diskrepanz für Konjunktur, Konsum und den US-Aktienmarkt? Darüber spricht Dr. Dirk Steffen, Leiter Kapitalmarktstrategie der Deutschen Bank, mit Finanzjournalistin Jessica Schwarzer.

Zahl des Tages: 3

Ein Spaziergang im Wald: Blätter rauschen, Vögel zwitschern – an einem Ast baumelt eine Drohne … Ein surreales Szenario? Anton Bredenbeck von der TU Delft arbeitet mit seinem Team daran, dass es Realität werden könnte. Die Forscher haben eine Flugdrohne entwickelt, die über eine künstliche Hand mit drei Fingern verfügt. Die Fingerglieder sind mit Sensoren ausgestattet, die den Roboter fühlen lassen, wann er einen Ast berührt – woraufhin die Drohne zugreift und ihren Motor abschaltet. Das hat einen durchaus praktischen Hintergrund: Zum Beispiel könnten Drohnen, die dichte Regenwälder erforschen oder komplexe Industrieanlagen überwachen, sich in Pausen einen geeigneten Platz in der Höhe suchen, um ihre Batterien zu schonen. 

Lassen Sie sich heute nicht hängen.

Herzlichst

Ihr Ulrich Stephan

Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden

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