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Tägliche Kapitalmarkteinschätzungen von Dr. Ulrich Stephan,
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15. Mai 2026

Liebe Leserinnen und Leser,

die US-Erzeugerpreise steigen deutlich stärker als erwartet und erhöhen den Zinsdruck, erstmals seit 2007 sichern sich Anleger Renditen von fünf Prozent auf 30-jährige US-Staatsanleihen, und Chinas KI-Sektor tritt in die Monetarisierungsphase ein.

US-Erzeugerpreise überraschen deutlich – Zinsdruck nimmt zu

Der US-Erzeugerpreisindex stieg im April deutlich stärker als erwartet. Die Produzentenpreise legten gegenüber dem Vormonat um 1,4 Prozent zu, nach einer Prognose von 0,5 Prozent, und lagen damit 6,0 Prozent über dem Vorjahresniveau.

Produzentenpreise in den USA

Haupttreiber waren höhere Energiekosten im Zusammenhang mit dem Konflikt mit dem Iran, doch auch die Kernrate ohne Energie und Lebensmittel zog kräftig an. Sie stieg um 1,0 Prozent zum Vormonat und um 5,2 Prozent zum Vorjahr. Weil Teile des Erzeugerpreisindex in die für die Geldpolitik wichtige Kernrate des Preisindex der persönlichen Konsumausgaben einfließen, dürfte diese im April über den März-Wert von 3,2 Prozent steigen. An den Terminmärkten wird deshalb inzwischen eine 70-prozentige Wahrscheinlichkeit für eine Leitzinserhöhung im Frühjahr 2027 eingepreist. Entsprechend blieben die Renditen von Staatsanleihen unter Aufwärtsdruck, mit 4,00 Prozent bei zweijährigen und 5,04 Prozent bei 30-jährigen Laufzeiten, dem höchsten Stand seit Mai 2025. Der US-Dollar legte leicht zu. Kurzfristig dürfte die Bewertung des Treffens von US-Präsident Donald Trump und seinem chinesischen Amtskollegen Xi Jinping den Ton an den Märkten angeben.

30‑jährige US‑Renditen über fünf Prozent: Wendepunkt oder Obergrenze?

Erstmals seit 2007 konnten sich Anleger wieder Renditen von fünf Prozent auf 30-jährige US-Staatsanleihen sichern. Bei einer Auktion über 25 Milliarden US-Dollar wurde in der vergangenen Woche eine Rendite von 5,046 Prozent zugeteilt. Auch die Auktionen drei- und zehnjähriger Treasuries lagen mit 3,97 Prozent und 4,47 Prozent über den Erwartungen. Investoren verlangen höhere feste Zinssätze als Ausgleich für das Risiko zunehmenden Inflationsdrucks in den USA – zuletzt sichtbar in deutlich gestiegenen Verbraucher- und Produzentenpreisen im April. Zugleich könnten Renditen um fünf Prozent eine Obergrenze darstellen, da lange Laufzeiten auf diesem Niveau für institutionelle Investoren wie Pensionsfonds wieder attraktiver werden. Für die weitere Renditeentwicklung sind neben dem Inflationspfad vor allem die mittelfristigen Inflationserwartungen entscheidend. Diese erscheinen derzeit gut verankert: Die von der Universität Michigan ermittelte Fünf-Jahres-Erwartung ist zuletzt leicht auf 3,4 Prozent gesunken. Sollten diese wieder anziehen, dürfte der Markt auch den erwarteten Zinspfad der US-Notenbank nach oben anpassen – mit entsprechendem Druck auf Anleihekurse.

Chinas KI-Sektor geht in die Monetarisierungsphase

Die Dynamik rund um Künstliche Intelligenz (KI) tritt auch in China in eine neue Phase ein: Nicht mehr das technologische Aufholen steht im Zentrum, sondern die Monetarisierung konkreter Anwendungen. Der Fokus verschiebt sich von der bloßen Ausweitung der Rechenleistung hin zur breiten Nutzung in der Realwirtschaft. Begünstigt wird dies durch sinkende Kosten, kurze Implementierungszeiten und Systemlösungen, bei denen Hardware, Software, Daten und Anwendungen eng verzahnt sind und sich in bestehende Produktions- und Dienstleistungsprozesse integrieren lassen. Parallel nimmt der Selbstversorgungsgrad bei Halbleitern deutlich zu. Analysten erwarten bis 2030 einen Anstieg von rund 40 Prozent im Jahr 2025 auf mehr als das Doppelte. Dies stärkt die Widerstandsfähigkeit gegenüber potenziellen externen Lieferkettenstörungen und erleichtert den flächendeckenden Einsatz von KI. Makroökonomisch wirkt Künstliche Intelligenz zudem als mittelfristiger Produktivitätstreiber, der die fortschreitende Überalterung der chinesischen Gesellschaft – einen zentralen strukturellen Wachstumshemmer – teilweise abfedern kann. Abgesehen von raschen Produktivitätsgewinnen auf Unternehmensebene wird der gesamtwirtschaftliche Wachstumseffekt jedoch durch vorübergehend höhere Anpassungs- und Sozialkosten gedämpft.

Aus Kapitalmarktsicht ist weniger das absolute Niveau als vielmehr die Geschwindigkeit entscheidend, mit der Künstliche Intelligenz Einzug in wirtschaftliche Abläufe hält: Sowohl bei Anbietern der technologischen Grundlagen als auch bei Anwendern in Industrie und Dienstleistungen gewinnt die Durchdringung an Schwung. Die ökonomischen Effekte werden zunehmend sichtbar: KI-Anwender verzeichneten in den vergangenen zwei Jahren einen Anstieg der erwarteten Gewinne je Aktie um gut 60 Prozent und übertrafen damit den breiten chinesischen Aktienmarkt um etwa das Sechsfache. Gleichzeitig dürften sich die operativen Margen bis ins kommende Jahr zweistellig ausweiten und klar über dem Marktdurchschnitt liegen. Für Anleger verschiebt sich der Fokus damit von reinen Zukunftsversprechen hin zu skalierbarer Wertschöpfung, sichtbareren Erträgen und einer wachsenden Differenzierung zwischen KI-Gestaltern und Nachzüglern.

Kurstreiber Berichtssaison: Rekorde trotz Krisen

Rekordstände an den Aktienmärkten – und das mitten in anhaltenden Krisen. Während Nahostkonflikt, Inflation und hohe Energiepreise für Unsicherheit sorgen, liefert die Berichtssaison Argumente für Optimismus. Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und ich erklären, warum vor allem Künstliche Intelligenz und Technologie die Kurse treiben und worauf Anleger jetzt achten sollten.

Zahl des Tages: 9

Sie sieht bedrohlich aus und trägt einen Namen wie ein Monster aus einem Hollywoodfilm. Tatsächlich ist die Kangaroo-Island-Meuchelspinne selbst eine gefährdete Spezies, zumal ihr einziger bekannter Lebensraum, die Känguru-Insel vor der Südküste Australiens, im australischen Sommer 2019/2020 von verheerenden Bränden heimgesucht wurde. Eine Naturschutzorganisation hat jetzt neun Individuen des Achtbeiners auf der Insel entdeckt und damit die Hoffnung auf einen Fortbestand der Art belebt. Für Menschen gefährlich werden die Tiere trotz ihrer beeindruckenden Kieferklauen übrigens nicht: Die Meuchelspinne ist ungefähr zwei Millimeter lang und versteckt sich gern unter Laub.

Trotzen Sie heute Widerständen.

Herzlichst

Ihr Ulrich Stephan

Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden

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