1. September 2026
Liebe Leserinnen und Leser,
der KI-Infrastrukturboom erreicht zunehmend den Euro-Anleihemarkt, die wachsende politische Unsicherheit treibt die Risikoaufschläge französischer Staatsanleihen, und die Berichtssaison zum zweiten Quartal 2026 untermauert die globalen Gewinnperspektiven.
KI-Investitionen stärken den Euro-Anleihemarkt als globale Finanzierungsquelle
Der Ausbau der KI-Infrastruktur macht sich zunehmend auch am europäischen Anleihemarkt bemerkbar. Laut einem aktuellen EZB-Blogbeitrag entfielen 2026 bereits knapp zehn Prozent der Neuemissionen am Euro-Unternehmensanleihemarkt außerhalb des Finanzsektors auf US-Hyperscaler. Dadurch steigen im Markt für Euro-Unternehmensanleihen der Technologieanteil, die durchschnittliche Bonität und das Angebot lang laufender Anleihen. Zugleich nehmen Konzentrationsrisiken und der Wettbewerb um Investorenkapital zu – das erhöht den Einfluss weniger großer Emittenten auf Risikoprämien, Indexstrukturen und Kapitalflüsse und könnte auf andere Marktsegmente ausstrahlen. Bislang trifft das zusätzliche Angebot jedoch auf eine robuste Nachfrage. Der KI-Investitionsboom stärkt damit die Rolle des Euro-Anleihemarktes als Finanzierungsquelle für globale Technologieinvestitionen und als wichtige Alternative zum zunehmend gesättigten US-Dollar-Markt.
Politische Unsicherheit treibt den Risikoaufschlag französischer Staatsanleihen
Die politische Unsicherheit in Frankreich hat zuletzt zugenommen. Die Diskussion um die Präsidentschaftswahl 2027, die angespannte Haushaltslage und die Unsicherheit über den künftigen Fiskalkurs haben den Renditeaufschlag französischer Staatsanleihen gegenüber Bundesanleihen steigen lassen. Die gestiegene Risikoprämie könnte auch ein Faktor für die jüngste Schwäche französischer Aktien gegenüber europäischen Titeln gewesen sein. Da die Unternehmen des CAC 40 den Großteil ihrer Umsätze außerhalb Frankreichs erzielen, erscheinen die fundamentalen Auswirkungen jedoch begrenzt.
Historisch haben politisch bedingte Bewertungsabschläge, insbesondere bei Banken, häufig interessante Chancen eröffnet. Französische Banken handeln derzeit mit einem Abschlag von über 25 Prozent gegenüber den STOXX-600-Banken – rund 13 Prozentpunkte mehr als im Zehnjahresschnitt.
Starke Gewinnrevisionen rücken Qualitätsaktien in den Fokus
Die Berichtssaison zum zweiten Quartal 2026 hat die globalen Gewinnperspektiven untermauert. Das Verhältnis von Aufwärts- zu Abwärtsrevisionen der Gewinnerwartungen stieg in den USA, Europa und Japan auf teils mehrjährige Höchststände und spricht für eine breit angelegte Gewinnentwicklung. Nach dieser starken Revisionsdynamik dürften weitere Verbesserungen jedoch anspruchsvoller werden. Qualitätsstrategien mit Fokus auf hohe Eigenkapitalrenditen, stabile Gewinne und geringe Verschuldung könnten von einem stärkeren Fokus auf die operative Umsetzung der Unternehmensziele profitieren. Technologie-, Gesundheits- und Industrieunternehmen sind in Qualitätsindizes wie dem MSCI World Quality tendenziell stärker vertreten, da sich diese Merkmale dort häufig finden. Vor diesem Hintergrund könnten diese Sektoren für Anleger, die gezielt auf Qualitätsunternehmen setzen möchten, besonders interessant sein.
Japans Chancen im Roboterzeitalter
Japan könnte zu den Gewinnern der zunehmenden Verbreitung humanoider Roboter zählen, wenn sich die Technologie von Pilotprojekten hin zum breiten Einsatz entwickelt. Zwar liegen japanische Unternehmen bei der Entwicklung kompletter Plattformen derzeit hinter Wettbewerbern aus den USA und China zurück, verfügen jedoch über wichtige Standortvorteile. Dazu zählen eine starke industrielle Basis, weitreichende Automatisierungserfahrung sowie entscheidende Vorteile bei der Herstellung kritischer Komponenten. Diese Stärken schaffen gute Voraussetzungen für die zunehmende Integration von Robotiklösungen in der Industrie sowie für eine wichtige Rolle als Zulieferer in der Wertschöpfungskette. Unterstützt durch steigende Investitionen und staatliche Förderprogramme eröffnen sich damit frühzeitig interessante Chancen für ausgewählte japanische Automobil-, Automatisierungs- und Technologieunternehmen.
Favoritenwechsel an der Börse: Was die Gewinner von morgen ausmacht
Künstliche Intelligenz, Abnehmspritzen, Rüstung oder Erneuerbare Energien: An der Börse wechseln die Favoriten regelmäßig. Manche Trends bleiben über Jahre gefragt, andere verlieren plötzlich an Dynamik. Doch lassen sich solche Favoritenwechsel frühzeitig erkennen? Dr. Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank, spricht mit Finanzjournalistin Jessica Schwarzer darüber, worauf Anleger bei Zukunftstrends achten sollten.
Zahl des Tages: 800
Noch immer haben viele Menschen in Afrika keinen Zugang zu medizinischer Behandlung. 23 Studierende der TU Eindhoven wollen das ändern: mit Stella Juva, dem ersten solarbetriebenen Krankenwagen der Welt. Er wird als mobile Krankenstation eingesetzt und bezieht seine Energie aus Solarmodulen auf dem Dach und auf zwei ausklappbaren Seitendächern. Seinen ersten Praxistest hat das Fahrzeug jetzt bestanden: In Kenia legte Stella Juva mehr als 800 Kilometer auf teils unbefestigten Landstraßen zurück. Dabei generierten die Solarmodule genug Strom, um auch einen Röntgenapparat, ein Ultraschallgerät und einen Kühlschrank für Medikamente an Bord zu betreiben. Rund 200 Patienten hätten in den zwei Tagen des Testbetriebs behandelt werden können, schätzen die Entwickler – und hoffen, dass auf den Prototypen bald ähnliche Fahrzeuge für den praktischen Einsatz folgen werden.
Tanken Sie heute Energie.
Herzlichst
Ihr Ulrich Stephan
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden
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