03. Juli 2026
Liebe Leserinnen und Leser,
von einer Konjunkturerholung in Deutschland könnte auch der MDAX profitieren, vor der neuen US-Berichtssaison liegt die Messlatte hoch, und der NASDAQ Index beendet das Quartal mit einem Plus von 22 Prozent.
34-Punkte-Reformpaket soll Wirtschaft stärken
Die Spitzen der Regierungsparteien haben sich auf ein Reformpaket mit 34 Maßnahmen verständigt. Ziel ist es, die deutsche Wirtschaft zu stärken, die Sozialversicherungen langfristig zu stabilisieren, kleine und mittlere Einkommen zu entlasten sowie Bürokratie abzubauen. Zudem sollen private Investitionen gefördert werden – etwa in Künstliche Intelligenz, Halbleiter und Batterietechnologie. Geplant sind schnellere Zulassungsverfahren, bessere Rahmenbedingungen für Rechenzentren, Entlastungen insbesondere kleiner und mittlerer Unternehmen im Datenschutzrecht sowie ein Ausbau des Deutschlandfonds für strategische Investitionen in Schlüsselbereichen der Wirtschaft. Die parlamentarische Umsetzung zentraler Vorhaben dürfte frühestens im Herbst erfolgen, die große Rentenreform wohl erst gegen Jahresende. Kurzfristig könnte der Beschluss die Stimmung bei Unternehmen und Verbrauchern aufhellen. Mittelfristig wird entscheidend sein, ob die Maßnahmen die bislang schwache Investitionsbereitschaft der Privatwirtschaft beleben und damit den Impuls der staatlichen Investitionsprogramme verstärken. Von einer konjunkturellen Erholung könnte insbesondere der binnenmarktorientierte MDAX profitieren, dessen Bewertung derzeit leicht unter seinem langjährigen Durchschnitt liegt. Der DAX jedenfalls steigt schon einmal auf ein Rekordhoch!
US-Berichtssaison: Spielraum für positive Überraschungen
Nach dem außergewöhnlich starken Gewinnanstieg der S&P-500-Unternehmen von gut 29 Prozent im ersten Quartal 2026 rückt nun die Berichtssaison für das zweite Quartal in den Fokus. Mit erwarteten Gewinnzuwächsen von rund 24 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal liegt die Messlatte zwar hoch, die Voraussetzungen für positive Überraschungen bleiben jedoch günstig. Positive Unternehmensausblicke, starke Gewinnbeiträge aus dem Technologie- und Halbleitersektor sowie ein verbessertes Makroumfeld sprechen dafür. Zudem dürften höhere Ölpreise die Gewinne des Energiesektors im abgelaufenen Quartal gestützt haben, während Margenbelastungen durch höhere Inputkosten in der Vergangenheit häufig erst mit einer Verzögerung von zwei bis drei Quartalen sichtbar wurden. Viele Investoren sind derzeit nur moderat in Aktien positioniert, sodass trotz hoher Erwartungen Spielraum für positive Kursreaktionen besteht. Historisch verlief die Berichtssaison meist unterstützend: Der S&P 500 legte in rund drei Viertel der Fälle zu und gewann durchschnittlich etwa zwei Prozent. Der Großteil der Unternehmen legt seine Zahlen bis Anfang August vor. Den Auftakt machen Mitte Juli die US-Banken, gefolgt von den großen Technologiewerten Ende Juli.
US-Halbleiteraktien treiben Börsenrally
Die Indizes S&P 500 und NASDAQ Composite beendeten das zweite Quartal 2026 mit ihren stärksten Quartalsgewinnen seit 2020 und legten um rund 16 und 22 Prozent zu. Haupttreiber der Rally war die Halbleiterbranche: Der Philadelphia Semiconductor Index schloss das vergangene Quartal mit einem Plus von rund 86 Prozent ab – die beste Quartalsentwicklung seit Bestehen des Index. Erwartete Hyperscaler-Investitionen zwischen 720 und 760 Milliarden US-Dollar im Jahr 2026 und zwischen 870 und 920 Milliarden US-Dollar im Folgejahr stützen das Gewinnwachstum von Halbleiterunternehmen, die den Ausbau der KI-Infrastruktur vorantreiben. Des Weiteren zeigt sich die US-Wirtschaft robust und hat die volatilen Ölpreise seit Beginn des Iran-Konflikts bislang gut verkraftet. Zuletzt stützten Fortschritte bei den Bemühungen um ein dauerhaftes Ende des Iran-Konflikts die Aktienmärkte, trotz anhaltender militärischer Spannungen. Analysten hoben in den letzten Monaten ihre Gewinnerwartungen stetig an.
Sie erwarten für Unternehmen im S&P 500 ein Wachstum von knapp 22 Prozent in den nächsten zwölf Monaten sowie knapp 69 Prozent für die Halbleiterunternehmen im S&P 500. Eventuelle Kursrücksetzer könnten eine gute Einstiegsgelegenheit für langfristig orientierte Anleger sein.
Asiens Tech-Boom: Wachstum ohne Währungsstärke
Der Technologiesektor bleibt auch in Schwellenländern (EM) ein zentraler Wachstumstreiber, doch das Bild ist uneinheitlich: Das durchschnittliche globale EM-Wachstum liegt zwar über dem der USA, ist jedoch nur in Asien überdurchschnittlich stark. Auffällig ist auch, dass sich diese Dynamik nicht in stärkeren asiatischen Währungen widerspiegelt, im Gegenteil: Wachstumsstarke Schwellenländer Asiens werten eher ab, schwächere Länder in anderen Regionen teils sogar auf. Maßgeblich dafür ist der aktuelle Tech-Boom, der das Wachstum asiatischer Exporteure – viele von ihnen Weltmarktführer – stärkt. Ein Handelsbilanzüberschuss führt automatisch zu Kapitalexporten: Wer mehr exportiert als importiert, legt die Überschüsse zwangsläufig im Ausland an. Infolgedessen bleiben Geldmenge, Investitionen und Beschäftigung verhalten. Auch höhere Rohstoffpreise im Zuge des KI-Nachfragebooms ändern daran wenig. Ohne stärkere Kapitalzuflüsse in lokale Vermögenswerte, die aber die Exportüberschüsse reduzieren, dürfte die positive Wechselwirkung zwischen Wachstum und Währung vorerst begrenzt bleiben.
Auf Kredit an die Börse: Gefahr für Anleger und Märkte?
Zwischen langfristiger Geldanlage und kurzfristiger Spekulation verläuft oft eine unscharfe Grenze – besonders beim Einsatz von Fremdkapital. Welche Rolle Risikoprofil, Anlagehorizont und Marktumfeld dabei spielen, analysieren Dr. Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank, und Finanzjournalistin Jessica Schwarzer.
Was diese Woche wichtig wirdI
Im Laufe der Woche, Berichtssaison
- USA | Aus dem S&P 500 berichten unter anderem Nike, Constellation Brands, General Mills und FactSet.
- Europa | Aus dem STOXX 600 berichtet unter anderem Prosus.
Zahl des Tages: 5,59
Beim London Marathon geht es für viele Läufer nicht nur um die Bestzeit, sondern auch darum, die gut 42 Kilometer auf möglichst verrückte Weise zu absolvieren – in diesem Jahr zum Beispiel in Plastik-Gartenschuhen oder als Hubschrauber verkleidet. Den Vogel schoss jedoch der Brite Simon Fannon ab: Fannon legte den London Marathon 2026 in unter sechs Stunden zurück, während er gleichzeitig einen 5,59 Meter langen bunten Schal strickte. „Stricken ist gut für die mentale Gesundheit und das perfekte Hobby für Männer,“ sagt der Ex-Soldat, der in den sozialen Medien unter dem Namen Veteran Knitter unterwegs ist – und mit seinem Lauf über 10.000 britische Pfund für karitative Zwecke eingesammelt hat.
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Ihr Ulrich Stephan
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden
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