25. Juni 2026
Liebe Leserinnen und Leser,
die Wirtschaft der Industrieländer könnte an Dynamik gewinnen, der US-Dollar zeigt dank Zinserwartungen neue Stärke, und der Ausblick für Indonesien bleibt gedämpft.
Globale Einkaufsmanager zeigen Zuversicht
Die vorläufigen Einkaufsmanagerindizes für die USA, den Euroraum und weitere große Volkswirtschaften zeigen im Juni eine breite Stimmungsaufhellung. Der Gesamtindex der Industrieländer stieg von 50,3 auf 51,1 Punkte, was eine an Dynamik gewinnende Expansion der Privatwirtschaft signalisiert. Die Industrie bleibt robust, insbesondere in den USA. Deutlich heterogener ist die Lage bei Dienstleistern: schwächer im Vereinigten Königreich, stabil im Euroraum und deutlich erholt in den USA und Japan. Zugleich verbessern sich die Erwartungen der Unternehmen, was für stabilere Nachfrageperspektiven spricht. Hoffnungsvoll stimmen ebenfalls deutliche Rückgänge der Subindizes für Preise von Vorleistungen und Absatz. Der Preisschub im Zuge des Nahostkonflikts scheint damit seinen Höhepunkt überschritten zu haben. Sollten die Verhandlungen zwischen den USA und Iran Fortschritte machen und mit einer Ausweitung der Energieproduktion am Persischen Golf einhergehen, könnte sich der disinflationäre Trend verstärken und zeitverzögert auch die Konsumentenpreise entlasten. Das würde den geldpolitischen Spielraum vieler Notenbanken erweitern und die Konjunktur stützen. Besonders profitieren dürften von Energieimporten abhängige Volkswirtschaften Europas und Asiens sowie konjunktursensitive Branchen.
USA: Dollar, Anleiherenditen und Realzins legen zu
Mit rund 1,1325 US-Dollar je Euro wertete der Greenback auf das höchste Niveau seit Anfang Juni 2025 auf. Auch gegen nahezu alle anderen Industrie- und Schwellenländerwährungen gewann der US-Dollar zuletzt meist spürbar an Wert. Grund war die Sitzung der US-Notenbank Fed, die an den Finanzmärkten den Eindruck hinterließ, dass die Währungshüter im Falle weiter steigender Inflationsraten robust mit zeitnahen Leitzinserhöhungen reagieren könnten. Infolgedessen wurden zeitweise zwei Zinsschritte bis zum Jahresende 2026 eingepreist, auch die US-Renditen stiegen merklich an. Wichtig ist zudem, dass die an den Terminmärkten eingepreisten Inflationserwartungen gleichzeitig kräftig zurücksetzten. Dies hat zur Folge, dass der Realzins (der Nominalzins abzüglich der erwarteten Inflation) in den USA deutlich zulegte, was die Währung stützte. An den Optionsmärkten haben sich die Händler dementsprechend positioniert: Über die Laufzeiten von einer Woche bis zu einem Jahr hinweg sind Optionen, die auf weiter steigende US-Dollar-Kurse setzen, teurer als ihre Pendants, die bei fallenden Kursen partizipieren würden. Dies war in der vergangenen Dekade gerade mal an sieben Prozent aller Handelstage der Fall und zeigt, dass die Händler nicht nur mit einer sehr kurzfristigen US-Dollar-Stärke rechnen. Entscheidend für den künftigen Wechselkurs dürfte sein, ob die Geldpolitik der Fed im Herbst tatsächlich restriktiver wird.
Indonesien: MSCI prüft Schwellenländerstatus
Der Indexanbieter MSCI hat seine Entscheidung über den Verbleib Indonesiens im Aktienindex globaler Schwellenländer (Emerging Markets, EM) bis November vertagt, um Reformen der Regierung zur Verbesserung von Marktliquidität und Aktionärstransparenz zu bewerten. Zu den Maßnahmen zählen ein erhöhter Mindeststreubesitz von 15 Prozent und eine breitere Eigentümerstruktur, etwa durch stärkeres Engagement von Versicherungen und Pensionsfonds. Um massiven Kapitalabflüssen und der schwachen Rupiah entgegenzuwirken, hat Indonesiens Zentralbank seit dem 20. Mai den Leitzins in drei Schritten um insgesamt einen Prozentpunkt auf 5,75 Prozent angehoben. Weitere Maßnahmen – falls erforderlich – wurden in Aussicht gestellt. Die straffere Geldpolitik belastet die Realwirtschaft und damit auch die Gewinnaussichten indonesischer Unternehmen: Analysten haben ihre Gewinnprognosen in den vergangenen 30 Tagen abwärts revidiert.
Das für die kommenden zwölf Monate erwartete Gewinnwachstum ist mit rund zehn Prozent so gering wie in kaum einem anderen Schwellenland. Ein Verbleib des indonesischen Aktienmarktes im EM-Index ist zwar möglich, die schwachen Fundamentaldaten sowie der gedämpfte Ausblick halten mich jedoch zunächst an der Seitenlinie.
Kupferpreis bleibt resilient
Die Kupferpreise zeigen sich weiterhin widerstandsfähig. Dies gilt trotz zuletzt wachsender Sorgen um die globale Konjunktur, die durch in den vergangenen Wochen deutlich gestiegene Energiepreise ausgelöst wurden. Seit Jahresbeginn legten die Kupferpreise um mehr als neun Prozent zu und notieren aktuell an der Londoner Metallbörse LME nahe 14.000 US-Dollar je Tonne. Grund hierfür ist die Erwartung einer steigenden Nachfrage aufgrund von Investitionen in Künstliche Intelligenz, da das rote Metall insbesondere beim Bau von Rechenzentren, zum Beispiel für Kabel und Leitungen, in großem Ausmaß benötigt wird. Steigende Investitionen in Stromnetze und Erneuerbare Energien stärken die Resilienz im Falle erneuter starker Preisanstiege bei Erdöl und Erdgas und erhöhen die Nachfrage zusätzlich. Gleichzeitig bleibt das Angebot aufgrund von Produktionseinschränkungen bei einigen bedeutenden Minen begrenzt. Das Wetterphänomen El Niño birgt zusätzliche Risiken für die Produktion, da es die Wahrscheinlichkeit von Überschwemmungen erhöht, die 2025 für mehrere Stilllegungen von Minen verantwortlich waren. Vor diesem Hintergrund dürften die Kupferpreise auf erhöhtem Niveau verbleiben. Zudem steht bis Ende Juni eine Entscheidung der US-Regierung zu potenziellen Zöllen auf raffiniertes Kupfer aus, die je nach Ausmaß der Zölle deutliche Preisbewegungen auslösen könnte.
Globale Risiken, geldpolitische Signale – und die Folgen für die Märkte
Zwischen Iran-Verhandlungen, Ölpreisentwicklung und Zinsentscheiden von Fed und EZB: Die Kapitalmärkte stehen erneut im Spannungsfeld globaler Einflussfaktoren. Was bedeutet das für Anlegerinnen und Anleger? Das erfahren Sie von Dr. Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank, und Finanzjournalistin Jessica Schwarzer in der aktuellen Folge.
Zahl des Tages: 75
Für einen guten Espresso braucht man gemahlenen Kaffee und heißes Wasser. Bislang jedenfalls – denn ein Team um Francisco Trujillo von der University of New South Wales in Sydney hat ein Verfahren entwickelt, bei dem ein Gemisch aus Kaffeepulver und lauwarmem Wasser mit Ultraschallwellen „aufgebrüht“ wird. Die neue Methode soll den Energieverbrauch pro Tasse um rund 75 Prozent reduzieren, und das laut Blindverkostungen ohne Qualitätsverlust. Ultraschall-Kaffeemaschinen in Privathaushalten dürften zwar eine Seltenheit bleiben. Die Forscher glauben aber, dass die energieeffiziente Technik für Unternehmen interessant sein könnte, die in großem Maßstab trinkfertigen Kaffee produzieren.
Ich wünsche Ihnen einen hellwachen Tag.
Herzlichst
Ihr Ulrich Stephan
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden
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