7. September 2026
Liebe Leserinnen und Leser,
starke US-Arbeitsmarktdaten stärkten die Erwartungen an eine Zinserhöhung der Fed im September, die Aktienrisikoprämie in Europa ist so niedrig wie seit 2007 nicht mehr, und Carry Trades geben Schwellenländern Rückenwind.
Starker Stellenaufbau erhöht Erwartungen an US-Zinserhöhung
Die US-Wirtschaft schuf im August außerhalb der Landwirtschaft 162.000 neue Stellen und damit mehr als die erwarteten 55.000. Zugleich wurde der Stellenaufbau im Juli von minus 23.000 auf plus 21.000 revidiert.
Die Daten unterstreichen die Robustheit des Arbeitsmarktes, zumal im privaten Sektor 127.000 neue Stellen entstanden. Die Arbeitslosenquote verharrte bei 4,1 Prozent, während die Erwerbsquote von 61,4 auf 61,6 Prozent stieg. Die Stundenlöhne legten gegenüber dem Vormonat um 0,3 Prozent zu, nach revidierten 0,2 Prozent im Juli. Die Daten stärkten die Erwartungen an eine Zinserhöhung der Federal Reserve nächste Woche. Die Terminmärkte erhöhten die Wahrscheinlichkeit dafür, dass die Zinsen um 0,25 Prozentpunkte angehoben werden, auf 60 Prozent – vergangene Woche waren es noch 50 Prozent. In Reaktion auf die Arbeitsmarktdaten gab der S&P 500 nach, die Renditen von US-Staatsanleihen stiegen und der US-Dollar wertete leicht auf.
Princeton-Ökonom warnt vor KI-Risiken für Finanzmärkte
Markus Brunnermeier, Professor an der Princeton University, warnte beim Notenbank-Treffen in Jackson Hole, die größte KI-Gefahr für Finanzmärkte liege nicht in Informationsasymmetrien, sondern in einem „asymmetrischen Verständnis“: KI-Systeme könnten Menschen und Institutionen immer besser verstehen, während Menschen die Entscheidungslogik der KI nicht mehr nachvollziehen können. Dadurch würden Preise zwar auf mehr Informationen basieren, aber zugleich schwerer interpretierbar werden, was die Informationsfunktion der Märkte schwächen könnte. Märkte würden anfälliger für Instabilität, Flash Crashes, stille KI-Kollusion und Manipulation. Besonders kritisch sieht er die Folgen für Zentralbanken: KI-gestützte Marktteilnehmer könnten die Reaktionsfunktionen der Notenbanken besser verstehen und strategisch ausnutzen, während die Zentralbanken die Märkte schlechter lesen können. Daher plädiert er für einfachere und robustere Regeln sowie eine starke Aufsicht über KI-Systeme. Brunnermeier hat somit eine Diskussion gestartet, zu der es aber weder einen Konsens gibt noch Maßnahmen besprochen wurden. Die Diskussion um die Chancen und Risiken der KI geht folglich weiter.
Steigende Zinsen drücken den Renditevorsprung europäischer Aktien
Die Aktienrisikoprämie in Europa ist auf den niedrigsten Stand seit 2007 gefallen. Hintergrund ist der Anstieg langfristiger Staatsanleiherenditen, der den erwarteten Renditevorsprung von Aktien gegenüber Anleihen auf weniger als 3,5 Prozentpunkte reduziert hat. Das höhere Zinsniveau könnte den Bewertungsspielraum begrenzen, da steigende Kapitalmarktzinsen den Wert zukünftiger Erträge mindern. Gleichzeitig signalisiert der Renditeanstieg ein Umfeld höherer Inflation, robusten Wachstums und expansiver Fiskalpolitik, das Nachfrage, Investitionen und Unternehmensgewinne stützen kann. Analysten erwarten für die STOXX-600-Unternehmen in den Jahren 2026 bis 2028 ein durchschnittliches jährliches Gewinnwachstum von gut zwölf Prozent. Abgesehen von der Aufholphase nach der Corona-Pandemie wäre dies die stärkste dreijährige Gewinnexpansion in 20 Jahren.
Zinsgefälle gibt Schwellenländern Rückenwind
Schwellenländer profitieren derzeit von einem Umfeld, das sogenannte Carry Trades begünstigt. Dabei leihen sich Investoren Geld in Währungen mit niedrigen Zinsen und investieren in Märkte mit höheren Renditen. Zusätzlichen Rückenwind erhält diese Strategie durch den zuletzt schwächeren US-Dollar sowie Maßnahmen der US-Regierung zur Stabilisierung des Anleihemarktes. Besonders gefragt sind Länder mit hohen Realzinsen wie Brasilien, Kolumbien oder die Türkei. Zuletzt verzeichneten Schwellenländer-Anleihefonds wieder steigende Kapitalzuflüsse. Renditestarke Schwellenländer dürften vorerst Unterstützung durch internationale Kapitalströme erhalten. Solange das Zinsgefälle bestehen bleibt und die Marktvolatilität niedrig bleibt, spricht dies für Rückenwind bei lokalen Anleihen und Währungen ausgewählter Schwellenländer. Eine unerwartet restriktivere Geldpolitik oder ein sprunghafter Anstieg der Risikoaversion könnte die Kapitalströme rasch wieder umkehren.
Steigende Renditen, starke Börsen: Kommt das Anleihen-Comeback?
Einmal im Jahr richtet sich der Blick der Finanzmärkte nach Jackson Hole. Diesmal haben die Aussagen von Fed-Chef Kevin Warsh neue Spekulationen über eine US-Zinserhöhung ausgelöst. Was bedeuten steigende Anleiherenditen für die weiterhin starken Aktienmärkte? Und erleben Anleihen jetzt ihr Comeback? Das erfahren Sie von Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und mir in der aktuellen Folge unseres Börsenpodcasts.
Zahl des Tages: 5
Pharaonentöchter im alten Ägypten haben durchaus nicht immer das Leben einer behüteten Prinzessin geführt – das zeigt eine Studie, die Zeinab Hashesh von der ägyptischen Universität Beni-Suef mit Kolleginnen veröffentlicht hat. Die Bio-Archäologin untersuchte die Mumien von fünf Töchtern des vor über 3.800 Jahren verstorbenen Pharaos Amenemhet II. Sie vermutet, dass die Grabbeigaben – darunter Pfeile, Bögen und Streitkolben – wohl mehr waren als bloße Machtsymbole. Denn die Frauen hatten zu Lebzeiten gut trainierte Schultern und Oberarme, vor allem in der rechten Körperhälfte: ein Indiz für regelmäßiges Bogentraining. Mehrere verheilte Knochenbrüche weisen zudem auf Unfälle oder Stürze hin, zum Beispiel bei der Jagd. Anders als gewöhnliche Frauen ihrer Zeit konnten die Prinzessinnen dank ihres gehobenen Status offenbar mit Waffen umgehen – und sie auch praktisch einsetzen.
Ich wünsche Ihnen einen emanzipierten Tag.
Herzlichst
Ihr Ulrich Stephan
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden
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