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Tägliche Kapitalmarkteinschätzungen von Dr. Ulrich Stephan,
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14. Juli 2026

Liebe Leserinnen und Leser,

US-Aktien bleiben fundamental gut unterstützt, der KI-Ausbau treibt die Emissionen neuer Unternehmensanleihen, und Chinas Aktienmarkt zeigt eine klar zweigeteilte Gewinnentwicklung.

Starke Gewinne halten die Wall Street in der Spur

US-Aktien bleiben durch die robuste Gewinndynamik fundamental gut unterstützt. Der S&P 500 legte 2026 bislang um neun Prozent zu, während die Schätzungen für das erwartete Gewinnwachstum der S&P-500-Unternehmen der nächsten zwölf Monate von 15 auf 21 Prozent stiegen. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis sank von rund 22 auf zuletzt 20 – damit beruht die Marktentwicklung auf verbesserten Ertragsperspektiven und nicht auf einer Ausweitung der Bewertungen. Analysten erwarten für das zweite Quartal bei S&P-500-Unternehmen ein Gewinnwachstum von rund 24 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal, nachdem zu Jahresbeginn rund 15 Prozent prognostiziert worden waren. Hohe Investitionen in KI-Infrastruktur, ein solides wirtschaftliches Umfeld und ein stabiler Konsum stützen die Ertragslage. Zugleich erhöht die Aufwärtsrevision der Prognosen das Risiko von Enttäuschungen: Der jüngste Rückgang nach starken Halbleiterzahlen zeigt, dass gute Ergebnisse bei hohen Erwartungen nicht zwingend ausreichen, um die Hausse weiter zu treiben.

Für Anleger bleiben US-Aktien angesichts steigender Gewinne, breiter KI-Investitionen und rückläufiger Bewertungen attraktiv. Entscheidend wird jedoch, ob die Berichtssaison die höheren Erwartungen bestätigt.

Unternehmensanleihen: hohe Emissionen durch KI-Ausbau

Unternehmen in den USA mit guter Kreditwürdigkeit („Investment Grade“, kurz IG) geben weiterhin ungewöhnlich viele neue Anleihen heraus. Ein wichtiger Treiber ist der Technologiesektor, auf den bislang rund 20 Prozent des diesjährigen Emissionsvolumens entfallen. Dies spiegelt den Finanzierungsbedarf für den Ausbau der Infrastruktur für Künstliche Intelligenz wider. In diesem Sektor wurden bereits mehr Anleihen herausgegeben als im gesamten Jahr 2025. Allein für Hyperscaler erwarten Analysten von 2026 bis 2028 rund 2,3 Billionen US-Dollar an KI-bezogenen Investitionen. Die Unternehmensanleihemärkte – besonders der US-Dollar-IG-Markt – dürften einen erheblichen Teil dieser Finanzierungslast tragen, da Unternehmen zunehmend an die Grenzen einer Finanzierung aus internen Cashflows stoßen. Unterstützt durch eine Rendite von 5,3 Prozent bleibt die Nachfrage nach US-Dollar-Unternehmensanleihen mit IG-Rating zwar robust. Allerdings hat diese Nachfrage Grenzen – vor allem dann, wenn das Angebot stark auf einen einzelnen Sektor konzentriert ist und die Risikoprämien nicht steigen. Solche Neuemissionsaufschläge könnten auch bestehende Anleihen neu bewerten und die Volatilität erhöhen, besonders bei Technologieanleihen.

Gewinnschere am chinesischen Aktienmarkt bleibt groß

Chinas Aktienmarkt zeigt eine klar zweigeteilte Gewinnentwicklung. In vielen Bereichen belasten schwacher Konsum, die anhaltende Immobilienkrise und hoher Wettbewerb die Erträge. Besser entwickeln sich dagegen technologie- und industrienahe Segmente, vor allem entlang der vorgelagerten Wertschöpfungskette für Künstliche Intelligenz. Dazu zählen Halbleiter, Hardware, Investitionsgüter und Grundstoffe. Rückenwind kommt von staatlich geförderter technologischer Unabhängigkeit, steigenden Investitionen chinesischer Internetplattformen in heimische Infrastruktur für Künstliche Intelligenz sowie wachsender Auslandsnachfrage. Für Anleger ist daher entscheidend, China nicht als einheitlichen Aktienmarkt zu betrachten, sondern gezielt nach Segmenten und Gewinntrends zu unterscheiden. Informationstechnologie, Industrie und Grundstoffe haben im Festlandindex CSI 300 ein deutlich höheres Gewicht als im Gesamtindex MSCI China. Entsprechend liegen auch die Gewinnerwartungen für den CSI 300 mit mehr als 18 Prozent für die nächsten zwölf Monate über denen des MSCI China mit 14,5 Prozent.

Silber folgt Gold: kurzfristig unter Druck, langfristig mit Rückenwind

Die Silberpreise erholten sich nur kurz, bevor sie zuletzt wieder unter 60 US-Dollar je Feinunze fielen. Belastet wurde Silber wie Gold durch gestiegene Erwartungen an mögliche Leitzinserhöhungen der US-Notenbank und höhere Renditen von US-Staatsanleihen. Zweijährige Papiere rentierten gestern mit 4,24 Prozent und damit so hoch wie seit Januar 2025 nicht mehr. In der Folge sanken die Bestände in physisch besicherten Silberzertifikaten auf den niedrigsten Stand seit November. Zusätzlich drückten nachlassende Sorgen über mögliche US-Zölle, schwächere indische Silberbarrenimporte und wieder gestiegene Börsen-Lagerbestände in London auf die Notierungen. Damit gibt es derzeit keine Anzeichen für eine akute Knappheit. Silber bleibt in fallenden Märkten anfälliger als Gold, dürfte sich in den kommenden Wochen aber weiter am Goldpreis orientieren. Eine mittelfristige Erholung der Goldnotierungen könnte daher auch Silber stützen, zumal die industrielle Nachfrage langfristig weiter steigen dürfte.

Halbzeit an der Börse: Rekorde trotz Krisen

Das erste Börsenhalbjahr fällt stark aus: Trotz geopolitischer Spannungen erreichen wichtige Aktienmärkte Rekorde. Getrieben wird die Rally allerdings vor allem von wenigen großen Gewinnern – insbesondere aus dem Umfeld der Infrastruktur rund um Künstliche Intelligenz. Wie robust diese Entwicklung wirklich ist, welche Märkte vorn liegen und was Anleger jetzt beachten sollten, analysieren Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und ich in der aktuellen Folge unseres Börsenpodcasts.

Zahl des Tages: 5.420.000.000.000

Im Jahr 218 vor Christus überquerte der karthagische Feldherr Hannibal mit zehntausenden Soldaten und 37 Kriegselefanten die Alpen. Die genaue Route des legendären Feldzugs ist bis heute strittig. Emilio Berti von der Universität Jena und Fritz Vollrath von der University of Oxford haben jetzt Berechnungen angestellt, die den Energiebedarf der Reise in den Mittelpunkt stellen. Die energieeffizienteste Route führte demnach über den Col de la Traversette, einen hochalpinen Pass an der französisch-italienischen Grenze. Hannibals Armee hätte für die Überquerung auf dieser Strecke 5,42 Terajoule Energie verbraucht, auf alternativen Routen dagegen über sechs Terajoule. Die Kriegselefanten hätten dabei nur vier Prozent ihrer Energiereserven nutzen müssen: ein überschaubarer Aufwand, der erklären könnte, warum viele Dickhäuter die Kletterei damals gut überstanden haben.

Überwinden Sie heute Hindernisse.

Herzlichst

Ihr Ulrich Stephan

Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden

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