9. September 2026
Liebe Leserinnen und Leser,
die griechische Wirtschaft bleibt auf Wachstumskurs, US-amerikanische Unternehmen und Verbraucher tragen den Großteil der Belastung durch die US-Importzölle, und China stärkt staatliche Banken und Versicherer mit umgerechnet rund 54 Milliarden US-Dollar an frischem Kapital.
Investitionsaufschwung stützt Griechenlands Wirtschaft und beflügelt den Aktienmarkt
Die griechische Wirtschaft bleibt auf Wachstumskurs: Sie wuchs im zweiten Quartal um 1,9 Prozent und damit stärker als der Durchschnitt in der Europäischen Union. Eine wichtige Stütze bleiben die Investitionen. Insbesondere in den Bereichen Energie, Netze und Infrastruktur werden derzeit milliardenschwere Projekte angestoßen. Davon profitiert auch der griechische Aktienmarkt. Der Athex Composite legte seit Jahresbeginn um mehr als 30 Prozent zu.
Während Versorgungs- und Infrastrukturunternehmen direkt vom Investitionsaufschwung profitieren, stützen das hohe Kreditwachstum und das wieder gestiegene Zinsniveau die Ertragsaussichten der Banken. Zusätzliche Aufmerksamkeit dürfte der griechische Markt durch die Aufnahme mehrerer Unternehmen in wichtige STOXX-Indizes, darunter der STOXX 600, am 21. September erhalten. Analysten rechnen mit passiven Nettozuflüssen in Milliardenhöhe.
Studie zeigt: Amerikaner tragen den Großteil der US-Importzölle
Wer zahlt die US-Zölle? Die Ökonomen Gita Gopinath und Brent Neiman geben in ihrer Studie The Incidence of Tariffs: Rates and Reality eine klare Antwort: die Amerikaner selbst. Ausländische Hersteller, auch europäische, senkten ihre Preise kaum – die Zölle schlugen fast vollständig auf die Importpreise durch, bei Waren aus der Europäischen Union (EU) zu 80 bis 100 Prozent. Dabei kassiert der US-Staat weniger, als die Schlagzeilen vermuten lassen: Angekündigt waren 2025 im Schnitt 27 Prozent, tatsächlich flossen nur 14 Prozent – weil Ausnahmen gelten, Waren „auf See“ nach altem Satz verzollt werden und Importeure Freihandelsregeln nutzen. Nachdem der Supreme Court im Februar 2026 die alten Zölle gekippt hatte, ersetzte die Regierung sie im Juli durch neue Abgaben nach Section 301 von 10 bis 12,5 Prozent auf fast alle Importe. Der reale Satz liegt heute bei rund sieben Prozent, für EU-Waren gilt weiter eine Obergrenze von 15 Prozent. Die Wirkung bleibt dieselbe: Die Preiseffekte kamen verzögert an; 2026 trieben die Zölle die US-Inflation um etwa 0,7 Prozentpunkte. Fazit: Die Zölle wirken in erster Linie wie eine Steuer auf US-amerikanische Firmen und Verbraucher. Die Belastung ausländischer Anbieter fällt dagegen deutlich geringer aus.
Trotz Kursplus: Britische Aktien handeln weiter mit Abschlag
Britische Aktien haben sich seit Jahresbeginn robust entwickelt. Der Standardwerteindex FTSE 100 und der Nebenwerteindex FTSE 250 erzielten Wertzuwächse von jeweils rund 13 Prozent. Gestützt wurde die Entwicklung durch solides Gewinnwachstum und Diversifikationsbestrebungen globaler Investoren. Besonders die Sektoren Energie, Bergbau, Finanzen, Technologie und Industrie trugen dazu bei. Trotz der Kursgewinne werden britische Aktien gegenüber dem MSCI World weiterhin mit einem Bewertungsabschlag gehandelt. Hohe Gewinne im Energie- und Rohstoffsektor dürften hierzu beitragen. Analysten erwarten für 2026 ein Gewinnwachstum je Aktie von rund 20 Prozent für den FTSE 100 und gut 17 Prozent für den FTSE 250. Außerhalb der Energie- und Grundstoffsektoren dürfte das Gewinnwachstum in der zweiten Jahreshälfte jedoch deutlich moderater ausfallen.
China stützt staatliche Banken und Versicherer mit Milliardenkapital
Die chinesische Regierung stellt staatlichen Banken und Versicherern umgerechnet rund 54 Milliarden US-Dollar frisches Kapital zur Verfügung. Die Maßnahme soll die Widerstandsfähigkeit des Finanzsystems stärken, indem sie den Instituten mehr Spielraum für die Kreditvergabe verschafft, um so das Wirtschaftswachstum zu fördern. Dennoch reagierten die Aktienkurse enttäuscht, da das Paket kleiner ausfiel als von vielen Marktteilnehmern erwartet. Zudem bleibt die Kreditnachfrage in der chinesischen Wirtschaft schwach. Chinas staatliche Maßnahmen dürften kurzfristig vor allem jene Bereiche unterstützen, die im Fokus der chinesischen Industriepolitik stehen – etwa Künstliche Intelligenz, Halbleiter und fortschrittliche Fertigungstechnologien. Eine breitere Marktbelebung dürfte hingegen erst dann einsetzen, wenn sich die Kreditnachfrage und die wirtschaftliche Dynamik insgesamt erholen.
Effiziente Märkte: Mythos oder Realität?
Kapitalmärkte sollen Informationen möglichst schnell und effizient in Preise übersetzen. Gleichzeitig gibt es Unterschiede zwischen hochliquiden Börsenplätzen und weniger effizienten Marktsegmenten, in denen aktive Anleger Chancen suchen. Wie Bewertungen entstehen und welche Rolle Hochfrequenzhandel und Liquidität spielen, analysiere ich im Gespräch mit Finanzjournalistin Jessica Schwarzer.
Zahl des Tages: 8,5
Zum Eismantel der Antarktis gehört die 50 bis 100 Meter dicke Firnschicht zwischen der Schneedecke und dem festen Eis. Sie wurde bislang untersucht, indem Forscher Sprengstoff in Bohrlöchern zündeten und die Schallwellen mit Sensoren aufzeichneten: ein logistisch umständliches und ökologisch fragwürdiges Verfahren. Ein Team um Liu Guofeng von der Chinesischen Universität für Geowissenschaften hat jetzt eine vielversprechende alternative Methode entwickelt. Die Pekinger Geologen nutzen die Vibrationen von 8,5 Tonnen schweren Pistenraupen, wie sie auf Antarktis-Stationen eingesetzt werden. Erste Praxistests zeigen, dass sich die Struktur des Firns auch auf diesem Weg mit hoher Genauigkeit kartieren lässt – benötigt werden nur die bestehenden Sensoren und Pistenraupen, die vor Ort ohnehin ihren Dienst tun.
Bringen Sie heute etwas in Bewegung.
Herzlichst
Ihr Ulrich Stephan
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden
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