5. Mai 2026
Liebe Leserinnen und Leser,
die Aktienmärkte zeigen sich trotz stark gestiegener Ölpreise robust, europäische Versorger dürften in den kommenden Jahren dynamisch wachsen, und in China deutet ein Großauftrag auf einen technologischen Durchbruch in der stationären Energiespeicherung hin.
Trotz stark gestiegener Ölpreise: Aktienmärkte erstaunlich robust
Die Ölpreise sind seit Beginn des Iran-Konflikts um etwa 70 Prozent gestiegen. Dennoch liegen die globalen Aktienmärkte – trotz Schwankungen – über dem Niveau vor dem Konflikt. Der laut der Internationalen Energiebehörde schlimmste Ölschock der Geschichte dürfte tatsächlich geringere Auswirkungen haben als vorherige Ölschocks. Durch den Konflikt mit dem Iran gingen täglich rund 12 Millionen Barrel Öl verloren – mehr als doppelt so viel wie beim OPEC-Embargo 1973. Allerdings war der weltweite Ölverbrauch damals auch nur etwa halb so hoch wie vor dem Iran-Konflikt – die Angebotsverknappung ist also vergleichbar und nicht größer. Und trotz vergleichbarer Angebotsverknappung dürften die Auswirkungen geringer sein, da die wirtschaftliche Bedeutung von Öl abgenommen hat. Der Wert des globalen Ölverbrauchs im Verhältnis zum globalen Bruttoinlandsprodukt beträgt nur noch etwa ein Drittel des Wertes von 1973. Gründe hierfür sind Effizienzsteigerungen durch technologischen Fortschritt, die steigende Nutzung anderer Energiequellen sowie ein struktureller Wandel von Industrieländern zu Dienstleistungssektoren. Solange sich die Ölpreise innerhalb der aktuellen Handelsspanne bewegen und kein signifikanter Preisanstieg erfolgt, dürften Rezessionsängste sowie umfangreiche Abverkäufe bei Anlegern gering bleiben.
Europäische Versorger vor Wachstumsschub
Der Stromverbrauch in Europa dürfte in den kommenden Jahren steigen, getrieben durch Investitionen in KI-bezogene Infrastruktur sowie zunehmende Sorgen um die Energiesicherheit. Eine alternde Erzeugungsinfrastruktur in Verbindung mit dem Bedarf an einer beschleunigten Elektrifizierung dürfte erhebliche Investitionen in Stromnetze sowie in die lokale Stromerzeugung – insbesondere aus erneuerbaren Energien und Kernkraft – erforderlich machen. Die Internationale Energieagentur geht davon aus, dass sich der Anteil von Strom am europäischen Energiemix bis 2050 von derzeit rund 20 Prozent verdoppeln wird. Jüngste Lieferunterbrechungen im Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt könnten diesen Wandel zusätzlich beschleunigen. Vor diesem Hintergrund erscheinen europäische Versorger gut positioniert.
Analysten erwarten für den STOXX 600 Utilities ein Wachstum der Gewinne je Aktie von rund 6,7 Prozent im Jahr 2026 und sieben Prozent im Jahr 2027, was einen konstruktiven langfristigen Ausblick stützt.
Großauftrag für Natrium-Ionen-Batterien signalisiert technologischen Durchbruch
Chinesische Unternehmen haben einen Großauftrag für Natrium-Ionen-Batterien abgeschlossen. Dieser Abschluss markiert einen wesentlichen technologischen Durchbruch in der stationären Energiespeicherung. Im Rahmen einer mehrjährigen Kooperation soll eine Speicherkapazität im zweistelligen Gigawattstunden-Bereich bereitgestellt werden – das deutet auf eine erstmalige großskalige industrielle Umsetzung dieser bislang als experimentell geltenden Technologie hin. Die Technologie scheint die technische Reife erreicht zu haben, die die zentralen Herausforderungen hinsichtlich Energiedichte, Zyklenstabilität und Produktionsskalierung überwindet.
Bemerkenswert ist die Nutzung von Natrium als alternative Ressource, da dieses Element im Vergleich zu Lithium deutlich häufiger verfügbar ist und geringere Rohstoffkosten verursacht. Daraus ergibt sich ein Potenzial für eine nachhaltigere und resilientere Lieferkette sowie für signifikante Kostensenkungen in der Energiespeicherung. Gleichzeitig eröffnet die Technologie neue Perspektiven für Anwendungen, bei denen Kosten, Sicherheit und Umweltverträglichkeit wichtiger sind als maximale Energiedichte. Der Vereinbarung wird als möglicher Wendepunkt interpretiert, der den Übergang von der Forschungs- zur Massenanwendung kennzeichnet. Insbesondere im Kontext des rasch wachsenden Bedarfs an stationären Speichern – etwa durch digitale Infrastrukturen und energieintensive Zukunftstechnologien – könnte die Natrium-Ionen-Technologie eine zentrale Rolle einnehmen und bestehende Systeme sinnvoll ergänzen.
Notenbanken im Wartemodus
Der Nahostkonflikt und steigende Energiepreise erhöhen die Inflationsrisiken. Zugleich schwächt sich das Wachstum in Europa ab, während die US‑Wirtschaft robust bleibt. Fed, EZB und andere Notenbanken stehen vor der Frage: abwarten oder handeln? Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und ich ordnen die aktuelle Lage von Wirtschaft und Märkten ein.
Zahl des Tages: 10.000
Paris arbeitet seit einigen Jahren daran, eine fahrradfreundliche Metropole zu werden. Ganz ohne Hindernisse geht das allerdings nicht ab, wie ein Pariser Verkehrsteilnehmer kürzlich erleben musste: Der Mann hatte sein Rad eine halbe Stunde lang an einem Metro-Eingang vor dem Louvre abgestellt. Als er zurückkam, hatte es sich ein Schwarm von mindestens 10.000 Bienen unter dem Sattel bequem gemacht. Eilends wurde der Eingang gesperrt und ein städtischer Imker gerufen, um den Schwarm in seine Obhut zu nehmen. Der Imker traf kurz darauf ein – natürlich auf dem Fahrrad – und transportierte die Bienen auf ein Dach in der südlichen Innenstadt.
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Herzlichst
Ihr Ulrich Stephan
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden
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