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Tägliche Kapitalmarkteinschätzungen von Dr. Ulrich Stephan,
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18. Mai 2026

Liebe Leserinnen und Leser,

US-Präsident Donald Trump kehrt von seinem Staatsbesuch in China ohne nennenswerte Fortschritte in der Iran-Frage zurück, der globale Ölmarkt dürfte infolge der Golfkrise bis in das dritte Quartal hinein deutlich im Defizit bleiben, und niederländische Aktien liegen 2026 vor dem europäischen Gesamtmarkt.

Hormus-Krise erhöht Preisdruck: Trumps China-Reise ohne Fortschritt in der Iran-Frage

US-Präsident Donald Trump kehrte von seinem Staatsbesuch in China ohne nennenswerte Fortschritte in der Iran-Frage zurück. Chinas Partei- und Regierungschef Xi Jinping bekräftigte zwar seinen Wunsch nach einer Öffnung der Straße von Hormus und seine Ablehnung einer iranischen Nuklearbewaffnung – beides sind jedoch keine neuen Positionen Pekings. Innerhalb der US-Administration bestehen divergierende Auffassungen über das weitere Vorgehen: CNN berichtet, dass Teile des Pentagon gezielte Militärschläge zur Erhöhung des Drucks auf Teheran befürworten, während andere Akteure weiterhin auf Diplomatie und Wirtschaftssanktionen setzen. Iran hat seine Position seit dem im April vereinbarten Waffenstillstand kaum verändert, was Präsident Trumps Ungeduld befördert. Die anhaltende Schließung der Straße von Hormus zeitigt erhebliche makroökonomische Folgen: Die US-Benzinpreise überschreiten 4,50 US-Dollar pro Gallone, während die US-Inflation erstmals seit drei Jahren die Lohnzuwächse übersteigt. Der Markt reagierte verschnupft auf die Meldungen. Nachdem der Ölpreis der US-Sorte WTI auf über 105 US-Dollar pro Barrel gestiegen war, legten die Renditen erheblich zu – die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen auf knapp 4,6 Prozent, den höchsten Stand seit Februar 2025, und die ihrer deutschen Pendants auf fast 3,2 Prozent, den höchsten Stand seit April 2011.

Ölmarkt unter Druck: IEA erwartet anhaltende Versorgungslücke bis Herbst

Der globale Ölmarkt dürfte infolge der Golfkrise selbst bei einem unterstellten Konfliktende Anfang Juni bis in das dritte Quartal hinein deutlich im Defizit bleiben – zu dieser Einschätzung kommt die Internationale Energieagentur (IEA) in ihrem jüngsten Monatsbericht. Für das zweite Quartal wurde das erwartete Angebotsdefizit von 3,7 auf 6,0 Millionen Barrel pro Tag angehoben; für das dritte Quartal wird nun eine Lücke von 1,9 Millionen Barrel pro Tag erwartet (zuvor ein Überschuss von 2,3 Millionen). Ein Ausgleich zwischen Ölförderung und -nachfrage wird erst für Oktober in Aussicht gestellt, sodass die Lagerbestände bis dahin weiter sinken dürften. Insgesamt könnte der kumulierte Produktionsausfall bis September rund 900 Millionen Barrel erreichen. Die Erwartungen spiegeln sich auch am Terminmarkt wider: Während Brent am Spotmarkt derzeit bei 108 US-Dollar je Barrel notiert, liegt der Preis für Lieferungen im Dezember 2026 bei etwa 90 US-Dollar. Dies signalisiert zwar eine erwartete Entspannung, das Niveau bleibt jedoch deutlich über den Vorkrisenwerten von weniger als 70 US-Dollar.

Niederlande: Tech-Sektor stützt den AEX

Niederländische Aktien haben sich in diesem Jahr robust entwickelt und liegen seit Jahresbeginn mit rund sieben Prozent vor dem europäischen Gesamtmarkt.

Wertentwicklung niederländischer Aktien (gemessen am AEX) von 2021 bis 2026 in Euro und inklusive Dividenden.

Treiber ist die hohe Gewichtung des Technologiesektors im Leitindex AEX, der nahezu die Hälfte der Marktkapitalisierung ausmacht. Insbesondere im Bereich der High-End-Halbleiter nimmt das Land eine Schlüsselrolle in den globalen Wertschöpfungsketten ein. Zugleich zählt der AEX mit über 90 Prozent zu den Indizes Europas mit dem höchsten Auslandsumsatzanteil. Für dieses Jahr erwarten Analysten ein Gewinnwachstum von satten 30 Prozent. Die Bewertung bleibt moderat: Mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis von knapp 16 liegt der AEX nur leicht über dem europäischen Durchschnitt. Aus meiner Sicht können niederländische Aktien damit eine interessante Beimischung im Portfolio sein – insbesondere für Anleger, die über europäische Titel am Halbleitersektor partizipieren möchten. Die starke Sektorprägung bringt jedoch auch ein gewisses Konzentrationsrisiko mit sich.

Argentinien gewinnt an Vertrauen zurück – Rückkehr an Kapitalmärkte rückt näher

Der Risikoaufschlag argentinischer Staatsanleihen ist in den vergangenen Wochen deutlich zurückgegangen und signalisiert eine spürbare Verbesserung der Marktstimmung. Der EMBI-Spread – als Maß für den Risikoaufschlag gegenüber US-Staatsanleihen – fiel zuletzt zeitweise auf unter fünf Prozentpunkte und liegt damit unter dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre von rund 18,5 Prozentpunkten. Diese Entwicklung wird durch eine zunehmende Glaubwürdigkeit der Wirtschaftspolitik sowie anhaltende Haushaltsüberschüsse gestützt. Auch die jüngste Ratinganhebung durch Fitch Ratings auf „B-“unterstreicht eine graduelle Stabilisierung. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Debatte über eine Rückkehr Argentiniens an die internationalen Kapitalmärkte durch die Emission von Staatsanleihen an Dynamik. Der argentinische Staat hat seit 2018 keine Fremdwährungsanleihen an internationalen Märkten begeben, da der Marktzugang infolge stark gestiegener Risikoaufschläge faktisch verloren ging. Eine Rückkehr zur marktbasierten Finanzierung würde die Abhängigkeit von multilateralen Gläubigern wie dem Internationalen Währungsfonds reduzieren. Dies wäre ein starkes positives Signal für den argentinischen Finanzmarkt, wenngleich die anhaltende politische Unsicherheit ein zentraler Risikofaktor bleibt.

Kurstreiber Berichtssaison: Rekorde trotz Krisen

Rekordstände an den Aktienmärkten – und das mitten in anhaltenden Krisen. Während Nahostkonflikt, Inflation und hohe Energiepreise für Unsicherheit sorgen, liefert die Berichtssaison Argumente für Optimismus. Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und ich erklären, warum vor allem Künstliche Intelligenz und Technologie die Kurse treiben und worauf Anleger jetzt achten sollten.

Zahl des Tages: 100–200

Weit jenseits des Planeten Neptun umkreisen viele kleinere Himmelskörper im sogenannten Kuipergürtel unsere Sonne. Eines dieser Objekte namens 2002 XV93 hat ein Team um Ko Arimatsu vom National Astronomical Observatory of Japan unter die Lupe genommen – und eine Überraschung erlebt. Als 2002 XV93 vor einem weit entfernten Stern vorüberzog, schwächte sich dessen Licht über einige Sekunden ab, anstatt sofort zu verschwinden. Die Astronomen schließen daraus, dass das Kuiperobjekt über eine sehr dünne Gashülle mit einem Luftdruck von etwa 100 bis 200 Nanobar verfügt. Eigentlich ist 2002 XV93 mit rund 500 Kilometern Durchmesser zu klein, um eine Atmosphäre zu haben. Möglicherweise existiert seine Gashülle aber nicht dauerhaft, so eine Theorie: Der Einschlag eines kleineren Körpers könnte Stickstoff und anderes Material vorübergehend in die Höhe geschleudert haben.

Ich wünsche Ihnen einen atmosphärisch guten Tag.

Herzlichst

Ihr Ulrich Stephan

Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden

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