7. August 2026
Liebe Leserinnen und Leser,
die Kräfteverhältnisse in der globalen Automobilindustrie verschieben sich, der Goldpreis verzeichnet den stärksten Tagesgewinn seit Februar, und der indische Nifty 50 Index reagiert auf den Zinsentscheid der Reserve Bank of India kaum.
Chinesische Autobauer in Europa: Neue Allianzen sollen Werke besser auslasten
Die Kräfteverhältnisse in der globalen Automobilindustrie verschieben sich. Chinesische Autobauer drängen mit staatlicher Unterstützung verstärkt auf internationale Märkte und suchen nach Produktionsstandorten in Europa. Ihr Marktanteil in Westeuropa stieg in den ersten Monaten des Jahres auf einen hohen einstelligen Prozentwert. Gleichzeitig kämpfen Hersteller auf beiden Seiten mit Überkapazitäten. Immer häufiger entstehen deshalb Kooperationen, bei denen europäische Werke Fahrzeuge chinesischer Marken fertigen sollen. Für die Hersteller bietet dies die Möglichkeit, Fabriken besser auszulasten und Arbeitsplätze zu sichern. Von diesem Wandel dürften insbesondere Unternehmen profitieren, die in Batterietechnik, Software, Halbleitern und Automatisierung technologisch führend sind – Bereiche, in denen chinesische Anbieter zuletzt stark aufgeholt haben.
Goldpreis mit stärkstem Tagesgewinn seit Februar
Der Goldpreis legte am Mittwoch merklich zu und erreichte den höchsten Stand seit Ende Juni. Der Anstieg um 4,3 Prozent war der stärkste Tagesgewinn seit Februar und der drittstärkste in diesem Jahr.
Auslöser waren vor allem ein schwächerer US-Dollar sowie fallende US-Anleiherenditen. Fortschritte bei den Gesprächen mit dem Iran reduzierten zudem die Inflationserwartungen über sinkende Ölpreise und stützten Gold zusätzlich. Der wichtigste Preistreiber dürfte momentan das Kaufinteresse der Anleger in börsengehandelten Gold-Zertifikaten sein: Die Nachfrage hat nach den Abflüssen des zweiten Quartals wieder angezogen. Die Anleger erwarben im Juli rund 23 Tonnen im Gegenwert von rund drei Milliarden US-Dollar; insbesondere in Europa und in China zog die Nachfrage kräftig an. Am Mittwoch dieser Woche kauften Anleger allein beim größten US-Anbieter dieser Zertifikate 4,85 Tonnen, was zum Kursanstieg beigetragen haben sollte. Sofern das Umfeld niedrigerer Ölpreise und Anleiherenditen anhält, könnten die Goldpreise mittelfristig weiter zulegen.
Indiens Notenbank hebt Wachstumsprognose an – Aktienmarkt reagiert verhalten
Die indische Notenbank beließ ihren Leitzins zum vierten Mal in Folge bei 5,25 Prozent und bestätigte ihre neutrale Ausrichtung. Gleichzeitig senkte sie die Inflationsprognose für das bis März 2027 laufende Fiskaljahr auf 5,0 Prozent und hob die Wachstumserwartung auf 6,7 Prozent an. Niedrigere Ölpreise verringern zudem den Druck auf Indien als bedeutenden Energieimporteur. Der Nifty 50 Index reagierte kaum auf die Entscheidung, was auf weitgehend eingepreiste Erwartungen hindeutet. Immobilien-, Industrie- und Automobilwerte entwickelten sich besser als der Gesamtmarkt, während Banken zurückblieben. Die robusten Fundamentaldaten stützen die langfristige Wachstumsstory Indiens. Für die weitere Marktentwicklung dürften jedoch zunehmend die Gewinnentwicklungen der Unternehmen und geopolitische Risiken entscheidend sein, weshalb viele Anleger vorerst an der Seitenlinie bleiben.
Brasilien: Zinssenkungen könnten Aktienrally verlängern
Der MSCI Brazil Index stieg seit Jahresbeginn in Euro um knapp 19 Prozent. Bislang wurde die Entwicklung vor allem von Energiewerten getragen, die rund ein Fünftel des Index ausmachen und von gestiegenen Energiepreisen profitierten. Zunehmend richtet sich der Blick der Investoren jedoch auf die Binnenwirtschaft, gestützt durch die Aussicht auf weitere Zinssenkungen der brasilianischen Zentralbank (BCB). Diese Erwartung wurde am vergangenen Mittwoch bestätigt, als die BCB den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 14 Prozent senkte. Finanzwerte stellen mit knapp 40 Prozent das größte Indexgewicht dar und gelten als Hauptprofiteure sinkender Zinsen. Niedrigere Finanzierungskosten können die Kreditnachfrage beleben, Investitionen fördern und das Kreditgeschäft der Banken stärken. Analysten rechnen bis zum nächsten Jahr mit weiteren Zinssenkungen auf rund 12 Prozent.
Rekorde trotz Risiken: Was die Märkte jetzt antreibt
Die geopolitische Lage bleibt volatil, der Ölpreis schwankt und rund um den Boom im Bereich Künstliche Intelligenz werden die Fragen lauter. Trotzdem erreichen viele Aktienmärkte Höchststände, der DAX sogar ein Allzeithoch. Treiber sind vor allem überraschend starke Quartalszahlen auf beiden Seiten des Atlantiks. Warum die Märkte trotz aller Unsicherheiten so robust bleiben, analysieren Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und ich in der aktuellen Folge unseres Börsenpodcasts.
Zahl des Tages: 40.000–18.000
Die letzte Eiszeit hat in den Alpen bekanntlich einiges bewegt – Gletscher transportierten Steine und Geröll über weite Strecken. Welchen Weg ein einzelner Findling dabei genommen hat, war jedoch bislang nicht festzustellen. Ein Team um Tancrède Leger von der Universität Lausanne hat jetzt ein Computermodell entwickelt, das den Sedimenttransport durch Gletscher vor 40.000 bis 18.000 Jahren dreidimensional abbildet. Millionen von einzelnen Felsbrocken im Alpenraum bekommen dadurch eine Geschichte – in Zeitschritten von zehn Jahren. Die Forscher fanden auch heraus, wie Findlinge damals Alpenpässe überwunden haben: Dort, wo sich das Eis höher auftürmte als ein benachbarter Bergsattel, konnte es „überfließen“ und Felsen über die Barriere transportieren.
Bringen Sie heute etwas in Bewegung.
Herzlichst
Ihr Ulrich Stephan
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden
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