13. Mai 2026
Liebe Leserinnen und Leser,
der Zollabbau im EU–Mexiko‑Abkommen rückt näher, steigende Energiepreise erhöhen den Inflationsdruck in den USA bis auf ein Drei-Jahres-Hoch und lassen US‑Dollar sowie Renditen leicht zulegen, und die Bank of Japan signalisiert eine baldige Zinserhöhung mit deutlich steigenden japanischen Anleiherenditen.
Zollabbau rückt näher: EU–Mexiko‑Abkommen in entscheidender Phase
Der EU‑Rat hat am Montag die Unterzeichnung des vorläufigen Handelsabkommens zwischen der Europäischen Union (EU) und Mexiko gebilligt. Das vorläufige Abkommen bedarf lediglich der Zustimmung des EU-Parlaments und soll es ermöglichen, handelspolitische Elemente wie den Zollabbau aus dem umfassenderen „Modernised Global Agreement“ (MGA) vorzeitig umzusetzen, das sich nach rund neun Jahren Verhandlungen in der finalen Phase befindet. Die EU ist inzwischen der zweitgrößte Exportmarkt Mexikos – mehr als 70 Prozent der mexikanischen Exporte in die EU entfallen auf industrielle Vorleistungen, darunter Autoteile und Maschinen. Auch die EU exportiert überwiegend Industriegüter nach Mexiko – über 90 Prozent der Ausfuhren stammen aus diesem Bereich, ebenfalls mit einem hohen Anteil an Vorleistungsgütern. Das EU–Mexiko-Abkommen zielt damit vor allem auf eine stärkere Verzahnung industrieller Lieferketten ab, die von niedrigeren Zöllen profitieren dürften. Mexiko hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten als bedeutender Industrieexporteur etabliert und bietet Unternehmen eine lateinamerikanische Alternative zur Diversifizierung industrieller Lieferketten gegenüber Asien. Für Europa gewinnt dies vor dem Hintergrund zunehmender geopolitischer Unsicherheiten an Bedeutung.
US‑Inflation steigt: höhere Spritpreise und Nahostrisiken im Fokus
Die Daten zur Verbraucherpreisinflation in den USA für April unterstreichen den steigenden Inflationsdruck infolge der Eskalation im Nahen Osten. Die Inflationsrate beschleunigte sich auf 3,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr, den höchsten Stand seit drei Jahren. Sie lag somit leicht über den Markterwartungen und spürbar über den 3,3 Prozent im Vormonat. Erwartungsgemäß war hierfür primär der Anstieg der Preise für Kraftstoffe und Benzin verantwortlich, die im Jahresvergleich 54 und 28 Prozent zulegten. Auch Strom- und Lebensmittelpreise verteuerten sich kräftig. Die um Energie- und Lebensmittelpreise bereinigte Kerninflationsrate stieg etwas moderater, jedoch ebenfalls stärker als im Marktkonsens erwartet, auf 2,8 Prozent. Da die Raten jedoch nicht drastisch höher waren als erwartet, blieben die Marktreaktionen überschaubar: Die Renditen der US-Staatsanleihen legten geringfügig zu, der US-Dollar wertete moderat auf.
BoJ signalisiert Handlungsbereitschaft – Renditen reagieren deutlich
Die Rendite zehnjähriger japanischer Staatsanleihen stieg gestern mit 2,54 Prozent auf den höchsten Stand seit 1997. Treiber waren gestiegene Erwartungen bezüglich einer zeitnahen Zinserhöhung durch die Bank of Japan (BoJ).
Das am Dienstag veröffentlichte Protokoll der letzten Notenbanksitzung deutet darauf hin, dass die Währungshüter einen Schritt bereits auf der nächsten Sitzung erwägen könnten. Ende April votierten sechs der neun Ratsmitglieder noch für ein Halten des Leitzinses bei 0,75 Prozent, während drei eine Anhebung befürworteten. Die BoJ zeigt sich zunehmend besorgt, dass der Abwärtstrend der um Energie und frische Nahrungsmittel bereinigten Kerninflation der vergangenen Monate infolge des Irankonflikts nicht wie erwartet von aktuell 2,4 Prozent in Richtung Zwei-Prozent-Ziel voranschreiten könnte. In diesem Fall wäre eine Fortsetzung der geldpolitischen Normalisierung selbst bei leicht nachlassender Konjunktur möglich, hatte BoJ-Gouverneur Kazuo Ueda Ende April erklärt. Vor diesem Hintergrund preisen die Märkte eine Zinserhöhung um 0,25 Prozentpunkte für die nächste BoJ-Sitzung Mitte Juni inzwischen mit einer impliziten Wahrscheinlichkeit von knapp 80 Prozent ein – gegenüber 65 Prozent zu Monatsbeginn. Bis Jahresende könnte ein weiterer Schritt dieser Größenordnung folgen.
Europäische Luxusaktien unter Druck: Schwacher Jahresstart trifft auf geopolitische Risiken
Aktien europäischer Luxusunternehmen sind schwach in das Jahr gestartet und liegen seit Jahresbeginn knapp 20 Prozent im Minus. Neben nur zögerlichen Verbesserungen der Nachfrage in China wirken auch veränderte Konsumtrends wie „Quiet Luxury“, bei denen sichtbare Markenlogos an Bedeutung verlieren, für einzelne, stärker logogetriebene Marken dämpfend. Zuletzt belastete zudem der Irankonflikt. Zwar liegt der Umsatzanteil im Nahen Osten meist nur im mittleren einstelligen Bereich. In Kombination mit rückläufigem Tourismus dürfte dies das Geschäft jedoch zusätzlich belasten, wie die Unternehmen in der jüngsten Berichtssaison bereits anzeigten. Stützend wirkt hingegen der US-Konsument: Laut Kreditkartendaten haben sich die Luxusausgaben in den USA zu Jahresbeginn spürbar belebt. Für langfristig orientierte Anleger könnte der Bewertungsrückgang eine Einstiegsmöglichkeit darstellen. Das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis des STOXX-Subindex für zyklische Konsumgüter und Dienstleistungen liegt für die kommenden zwölf Monate bei rund 21 und damit etwa zehn Prozent unter dem Fünf-Jahres-Durchschnitt. Bis sich die Gewinntrends wieder stabilisieren, dürften jedoch zunächst Geopolitik und Ölpreise die zentralen Belastungsfaktoren für den europäischen Luxussektor bleiben.
Kurstreiber Berichtssaison: Rekorde trotz Krisen
Rekordstände an den Aktienmärkten – und das mitten in anhaltenden Krisen. Während Nahostkonflikt, Inflation und hohe Energiepreise für Unsicherheit sorgen, liefert die Berichtssaison Argumente für Optimismus. Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und ich erklären, warum vor allem Künstliche Intelligenz und Technologie die Kurse treiben und worauf Anleger jetzt achten sollten.
Zahl des Tages: 2–3
Erstgeborene haben es besser: Untersuchungen zufolge genießen sie eine bessere Ausbildung und erzielen im Berufsleben durchschnittlich 1,9 Prozent mehr Einkommen als ihre jüngeren Geschwister. Wie ist das möglich? Meltem Daysal von der Universität Kopenhagen und ihr Team haben eine überraschende Antwort parat: Krankheitskeime. Bevölkerungsdaten aus Dänemark zeigen, dass jüngere Geschwister im ersten Lebensjahr zwei- bis dreimal häufiger wegen schwerer Atemwegserkrankungen ins Krankenhaus eingeliefert wurden als ältere. Die Forscher vermuten, dass erstgeborene Geschwister die jüngeren häufiger anstecken und damit deren Entwicklung verzögern. Sie schätzen, dass sich rund die Hälfte der Einkommensdifferenz zwischen Erst- und Zweitgeborenen auf diesen Effekt zurückführen lässt.
Haben Sie heute die Nase vorn.
Herzlichst
Ihr Ulrich Stephan
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden
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