PERSPEKTIVEN am Morgen

Starten Sie gut informiert
in den Tag

Tägliche Kapitalmarkteinschätzungen von Dr. Ulrich Stephan,
Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden.
Jeden Morgen um 7.00 Uhr in Ihrem E-Mail-Postfach.

11. Juni 2026

Liebe Leserinnen und Leser,

Mexikos Wirtschaft dürfte von der 23. Fußball-Weltmeisterschaft stärker profitieren als die kanadische und US-amerikanische, in den kommenden Monaten stehen mehrere große Börsengänge an, und die US-Inflation ist so hoch wie seit drei Jahren nicht.

WM-Anstoß für die Wirtschaft: Mexiko mit Torchance

Mit dem Eröffnungsspiel zwischen Mexiko und Südafrika beginnt heute die 23. Fußball‑Weltmeisterschaft (WM). Trotz der historisch einmaligen Größenordnung des Turniers dürfte der gesamtwirtschaftliche Effekt besonders für die USA und Kanada überschaubar bleiben, während Mexikos Wirtschaft stärker profitieren könnte. Da überwiegend bestehende Stadien genutzt werden, liegen die direkt zurechenbaren Infrastrukturinvestitionen länderübergreifend mit rund einer Milliarde US‑Dollar deutlich unter früheren Austragungen.

  • In den USA könnte das Turnier geschätzt 17 Milliarden US‑Dollar an zusätzlicher Wirtschaftsleistung und etwa 180.000 temporäre Arbeitsplätze – vor allem in Dienstleistungen, Logistik und Veranstaltungsorganisation – schaffen.
  • In Kanada konzentrieren sich die Effekte voraussichtlich auf die beiden Austragungsorte Toronto und Vancouver, während der gesamtwirtschaftliche Beitrag – wie in den USA – mit weniger als 0,1 Prozent der Wirtschaftsleistung veranschlagt wird.
  • Für Mexiko ergeben sich dagegen möglicherweise zusätzliche Impulse von bis zu 0,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Eine zentrale Rolle spielt dabei Mexikos Tourismus: Mehr als fünf Millionen Besucher werden im Zusammenhang mit der WM erwartet, was Konsum, Dienstleistungen und Deviseneinnahmen spürbar stützen dürfte.

Bezüglich der nordamerikanischen Aktienmärkte wirkt die Weltmeisterschaft vor allem als kurzfristiger Nachfrageimpuls für ausgewählte Branchen wie Tourismus, Hotellerie, Gastronomie, Transport, Bekleidung, Sportartikel und Einzelhandel. Auch Kommunikationsdienstleister dürften von temporären Spitzen bei der Datennutzung rund um die Spiele profitieren. Unter den drei Gastgeberländern ist der mexikanische Aktienmarkt der am geringsten kapitalisierte – entsprechend könnten sich mögliche WM‑bedingte Kapitalzuflüsse dort tendenziell stärker niederschlagen als in den deutlich größeren Märkten der USA und Kanadas. 

Wertentwicklung des mexikanischen Aktienmarktes in Euro und inklusive Dividenden von 2021 bis 2026.

Zugleich begünstigt die Branchenstruktur – konsumnahe Sektoren, Industrie und Kommunikationsdienstleister machen mehr als die Hälfte der Marktkapitalisierung des MSCI Mexiko Index aus – eine breitere Übertragung auf den Gesamtmarkt. Mit einem Abschlag von sieben Prozent zum eigenen Zehn-Jahres-Durchschnitt erscheint der mexikanische Aktienmarkt günstig bewertet. Auch deshalb könnte die Weltmeisterschaft Mexikos Aktienmarkt zusätzlichen Auftrieb liefern, insbesondere wenn dies durch eine Entspannung der Golfkrise sowie konstruktive Neuverhandlungen des nordamerikanischen Handelsabkommens, die am 1. Juli beginnen sollen, begleitet würde.

IPO-Welle in den USA: viel Angebot, begrenzte Marktwirkung

In den kommenden Monaten stehen mehrere Mega-Börsengänge (IPOs) an, die hohe zweistellige Milliardenbeträge einwerben könnten. Dadurch würde das Volumen der US-Aktienemissionen von derzeit rund 120 Milliarden US-Dollar pro Quartal deutlich steigen. Vor diesem Hintergrund wird debattiert, ob das zusätzliche Aktienangebot Rücksetzer auslösen könnte, da Anleger Aktien veräußern könnten, um an den Börsengängen zu partizipieren. Ich halte dies jedoch für sehr unwahrscheinlich, da selbst die anstehenden Mega-IPOs verglichen mit der Marktkapitalisierung des US-Gesamtmarkts klein ausfallen und gerade einmal 0,1 Prozent ausmachen. Angebot-und-Nachfrage-Modelle schätzen den maximalen Tagesrücksetzer auf nur rund ein Prozent. Kurzfristig könnten die IPOs also die Volatilität erhöhen, den Markttrend aber wohl nicht verändern. Entscheidender dürfte sein, ob sie gut aufgenommen werden und steigende Kurse die Risikobereitschaft bestätigen oder schwache Debüts die Stimmung belasten. Historisch kamen Emissionswellen meist in guten Marktphasen zustande. Unternehmen gehen eher an die Börse, wenn Bewertungen, Risikobereitschaft und Gewinnerwartungen günstig sind. Deshalb fielen frühere IPO-Wellen häufig mit Phasen positiver Kursentwicklung des S&P 500 zusammen. Dazu passt, dass Analysten ihre Gewinnprognosen für die im S&P 500 gelisteten Unternehmen in den vergangenen Monaten kontinuierlich nach oben korrigiert haben und für die nächsten zwölf Monate nun ein Gewinnwachstum von über 20 Prozent erwarten.

US-Inflation erreicht Drei-Jahres-Hoch

Die Verbraucherpreise in den USA stiegen im Mai um 4,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat – und damit so stark wie seit April 2023 nicht mehr. Im April waren es noch 3,8 Prozent. Hauptverantwortlich für den Anstieg waren die Energiepreise, die um 23,5 Prozent zulegten, sowie die Preise für Wohnen und Nahrungsmittel. Die Preise stiegen damit schneller als die Löhne, die im Mai um 3,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat zulegten. Da die Daten weitgehend so erwartet worden waren, reagierten die Märkte darauf kaum. Aufgrund der Spannungen im Nahen Osten eröffnete der S&P 500 aber dennoch schwächer, während die Renditen kurzlaufender US-Staatsanleihen und der US‑Dollar leicht nachgaben. Die Märkte erwarten weiterhin, dass die US‑Notenbank die Leitzinsen auf ihrer Sitzung in der kommenden Woche unverändert belassen wird, während für September eine Zinserhöhung um 0,25 Prozentpunkte mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 40 Prozent eingepreist ist.

Rekordbörsengänge treffen auf nervöse Märkte

Die Nervosität an den US-Börsen bleibt hoch: Nach dem deutlichen Rücksetzer an der Wall Street geraten vor allem zinssensible Werte im Bereich Technologie und Künstliche Intelligenz (KI) unter Druck. Gleichzeitig stehen Rekordbörsengänge rund um KI und Technologie bevor – und werfen die Frage auf, wie belastbar der Risikoappetit in diesem Marktumfeld wirklich ist. Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und ich ordnen die aktuelle Lage an den Märkten ein.

Zahl des Tages: 603

Schätzungsweise 1,2 Millionen künstliche Hindernisse wie Dämme, Wehre, Durchlässe und Schleusen sind an Europas Flüssen verbaut. Viele davon sind inzwischen veraltet und werden nicht mehr benötigt. Die Europäische Union hat sich deshalb das Ziel gesetzt, bis 2030 mindestens 25.000 Kilometer Fließgewässer wieder in ihren ursprünglichen Zustand zu versetzen. Erste Erfolge zeigt der Jahresbericht der Organisation Dam Removal Europe2025 wurden auf dem Kontinent 603 überflüssige Staudämme und andere Barrieren beseitigt, elf Prozent mehr als im Vorjahr. Damit konnten in einem Jahr Flüsse von über 3.700 Kilometern Länge wiederhergestellt werden, vor allem in Schweden, Finnland und Spanien – mit positiven Folgen für Fischwanderungen und lokale Ökosysteme.

Bleiben Sie heute im Flow.

Herzlichst

Ihr Ulrich Stephan

Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden

PERSPEKTIVEN am Morgen: Störung im Anmeldeprozess

Aktuell ist die Registrierung mit den Umlauten ö, ü, ä sowie mit ß nicht möglich. Sie können sich mit oe, ue, ae sowie mit ss weiterhin registrieren. 

Sollte auch das nicht funktionieren, wenden Sie sich an: perspektiven-am.morgen@db.com

"PERSPEKTIVEN am Morgen" - Newsletter

Erhalten Sie den Marktkommentar von Dr. Stephan jeden Morgen als E-Mail direkt in Ihren Postkorb.

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.

Anrede

Mit der Registrierung habe ich die Datenschutzbestimmungen der Deutschen Bank zur Kenntnis genommen.

Dr. Ulrich Stephan

Sie erhalten nach der Registrierung eine E-Mail an die von Ihnen angegebene Adresse. Bitte bestätigen Sie Ihre Anmeldung mit dem dort enthaltenen Link.

Sie können sich jeder Zeit, zum Beispiel in jeder E-Mail-Ausgabe von "PERSPEKTIVEN am Morgen", wieder abmelden. Es besteht kein Rechtsanspruch auf den täglichen Erhalt des Newsletters.

Das könnte Sie auch interessieren

Perspektiven Newsletter

PERSPEKTIVEN im Fokus

Fundierte Einschätzungen zu relevanten Ereignissen für die Kapitalmärkte

Perspektiven Podcast

PERSPEKTIVEN To Go

Aktuelle Marktentwicklungen im Podcast

Soweit hier von Deutsche Bank die Rede ist, bezieht sich dies auf die Angebote der Deutsche Bank AG. Wir weisen darauf hin, dass die in dieser Publikation enthaltenen Angaben keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung darstellen, sondern ausschließlich der Information dienen. Die Information ist mit größter Sorgfalt erstellt worden. Bei Prognosen über Finanzmärkte oder ähnlichen Aussagen handelt es sich um unverbindliche Informationen. Soweit hier konkrete Produkte genannt werden, sollte eine Anlageentscheidung allein auf Grundlage der verbindlichen Verkaufsunterlagen getroffen werden. Aus der Wertentwicklung in der Vergangenheit kann nicht auf zukünftige Erträge geschlossen werden.

HINWEIS: BEI DIESEN INFORMATIONEN HANDELT ES SICH UM WERBUNG. Die Texte sind nicht nach den Vorschriften zur Förderung der Unabhängigkeit von Anlage- oder Anlagestrategieempfehlungen (vormals Finanzanalysen) erstellt. Es besteht kein Verbot für den Ersteller oder für das für die Erstellung verantwortliche Unternehmen, vor bzw. nach Veröffentlichung dieser Unterlagen mit den entsprechenden Finanzinstrumenten zu handeln. Die Deutsche Bank AG unterliegt der Aufsicht der Europäischen Zentralbank und der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin)

Zum Schutz Ihrer persönlichen Daten werden das Video und die Verbindung zu YouTube erst nach einem Klick aktiv. Bereits beim Aktivieren des Videos werden personenbezogene Daten (IP-Adresse) an YouTube bzw. Google gesendet und gegebenenfalls auch dort gespeichert. Wenn Sie den Button "Video aktivieren" anklicken, wird ein Cookie auf Ihrem Computer gesetzt, sodass die Website weiß, dass Sie dem Anzeigen von eingebetteten Videos in Ihrem Browser zugestimmt haben. Weitere Details zu den von Google erhobenen Daten finden Sie unter https://policies.google.com/privacy.