Anleihen, Makro- und Anlageklassenausblick – 12.06.2026
Anleihen: Robuste Renditen, enge Spreads
Die wichtigsten Fakten:
- US-Treasury- und Bund-Renditen dürften sinken.
- IG bleibt unterstützt, trotz geringer Chancen auf fallende Spreads. Bei HY ist Selektivität gefragt.
- Ähnlich wie bei USD- und EUR-Unternehmensanleihen bleibt der Carry der Treiber für Anleihen aus Asien und den Schwellenländern.
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Die Neubewertung des künftigen Zinskurses der Geldpolitik seit dem Iran-Konflikt hat einen Anstieg der US-Treasury-Renditen ausgelöst. Da die Fed in den kommenden zwölf Monaten voraussichtlich zwei Zinssenkungen vornehmen wird, sollte sich ein Teil der jüngsten Bewegung wieder umkehren – insbesondere am kurzen Ende. Das lange Ende dürfte aufgrund fiskalischer Unsicherheiten, einer hohen Emissionstätigkeit und steigenden Inflationsrisikoprämien dagegen tendenziell auf erhöhtem Niveau verharren. Insgesamt erwarten wir eine niedrigere Zinskurve mit einer moderaten Versteilerungstendenz. Renditeziel für US-Treasuries für Juni 2027: 4,2 % (10 Jahre), 3,4 % (2 Jahre).
Unsere Erwartungen für deutsche Bunds spiegeln ein schwächeres Wirtschaftswachstum, eine weiterhin erhöhte, aber allmählich nachlassende Inflation sowie eine EZB wider, die – nach ihren beiden Zinsanhebungen – in der zweiten Jahreshälfte 2027 voraussichtlich auf einen Lockerungskurs einschwenken dürfte. Die Renditen sollten daher sinken, wobei das kurze Ende relativ stärker fallen dürfte. Länger laufende Bund-Renditen dürften dagegen durch dieselben Laufzeitprämienfaktoren, die auch US-Treasuries beeinflussen, sowie durch die wieder aufflammende Debatte über gemeinsame EU-Schuldtitel gestützt bleiben. Renditeziel für Bunds für Juni 2027: 2,9 % (10 Jahre), 2,3 % (2 Jahre).
Carry bleibt der Treiber: Was EUR-Unternehmensanleihen guter Bonität aktuell besonders interessant macht.
Der Spread italienischer Staatsanleihen mit 10-jähriger Laufzeit zu entsprechenden Bunds dürfte weitgehend stabil bleiben, gestützt durch politische Stabilität, interessanten Carry und begrenzte Verschuldungssorgen. Das Auslaufen der NextGen-EU-Kreditunterstützung könnte jedoch Phasen erhöhter Volatilität auslösen. Die Renditen japanischer Staatsanleihen bleiben erhöht, wobei 10-jährige Papiere nahe 29-Jahres-Hochs notieren, getrieben von fiskalischer Expansion, Steuersenkungen und schwächerer Nachfrage der Lebensversicherer. Die BoJ sollte ihren falkenhaften Grundton beibehalten. Wir erwarten, dass sich die 10-J-Renditen bis Juni 2027 bei rund 2,4 % stabilisieren, mit Aufwärtsrisiken durch fiskalische Fehlentwicklungen und Geopolitik.
USD- und EUR-Unternehmensanleihen mit Investment Grade (IG) bleiben durch interessante Gesamtrenditen und starke Nachfrage unterstützt. Das hohe Emissionsvolumen wird absorbiert, während gesunde Gewinne und Bilanzen weiter für ein konstruktives Umfeld sorgen. Allerdings sind die Spreads enger als vor dem Iran-Konflikt, wodurch die Bewertungen anspruchsvoll erscheinen und weiteres Einengungspotenzial begrenzt ist. EUR-IG wirkt besser unterstützt, getragen von anhaltenden Zuflüssen, KI-bezogenen Emissionen ohne USD-Risiko und einer Umschichtung zurück in Renten. High-Yield (HY) bietet interessanten Carry, doch USD- und EUR-Spreads sind historisch niedrig und bieten nur einen begrenzten Puffer gegen Schocks. Die Ausfallraten im USD-HY-Segment dürften begrenzt bleiben, doch Emissionstätigkeit, Refinanzierungsbedarf und KI-bezogener Finanzierungsbedarf sprechen für Selektivität. Die steigende Differenzierung der Sektoren macht insbesondere Emittenten aus den Bereichen Immobilien und Autos sowie konsumabhängige Sektoren anfälliger. Wir bleiben daher vorsichtig bei Zyklikern oder Emittenten mit nicht angemessen eingepreisten idiosynkratischen Risiken.
Spreads asiatischer Unternehmensanleihen liegen nahe historischer Tiefststände. Allerdings sorgen energiebezogene Risiken dafür, dass die Erträge weitgehend carry-getrieben bleiben, was eine neutrale Haltung stützt. Die Spreads für Staatsanleihen aus Schwellenländern liegen ebenfalls nahe ihren Allzeittiefs, gestützt durch robustes US-Wachstum, dessen Spillover-Effekte die Nachfrage nach exportorientierten Schwellenländer-Volkswirtschaften ankurbeln und so die globale Risikobereitschaft und Kapitalflüsse stützen. Hohe Energiekosten, fiskalische Belastungen und anspruchsvolle Bewertungen sprechen trotz interessanter Renditen für einen neutralen Ausblick.
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Redaktionsschluss: 11.06.2026, 15.00 Uhr