Rohstoffe, Makro- und Anlageklassenausblick – 12.06.2026

Rohstoffe: Der Öl-Korridor

Die wichtigsten Fakten:

  • Ölpreise dürften erhöht bleiben – auch wenn der Iran-Konflikt gelöst werden sollte.
  • Starker struktureller Ausblick für Kupfer weitgehend eingepreist.
  • Goldpreis verfügt über erneutes Aufwärtspotenzial.
Hellbeleuchtete Ölbohrplattform in ruhiger See bei Sonnenaufgang

Bildquelle: TONTOXIN / Adobe Stock

Da die Märkte für Öl derzeit vom Iran-Konflikt getrieben werden, haben sich die Preise von ihrem Vor-Konflikt-Niveau (60–65 USD/Barrel) entfernt. Wir erwarten bis Ende des Sommers zwar eine teilweise politische Lösung des Konflikts. Jedoch benötigt die Wiederaufnahme der Produktion nach einem Stillstand eine gewisse Zeit, weshalb die Ölpreise länger auf erhöhtem Niveau verharren dürften, als es die Terminstruktur derzeit impliziert. Bis Ende des Jahres sollte der Markt allerdings von einem Defizit in einen Überschuss übergehen. Denn die OPEC+-Quoten dürften steigen und die VAE ihre Produktion deutlich über das Niveau ausweiten, das zulässig wäre, wenn sie noch OPEC-Mitglied wären. Bis sich diese Bedingungen für einen Angebotsüberschuss erfüllen, ist ein signifikanter Preisverfall jedoch unwahrscheinlich (Brent-Ziel für Juni 2027: 82 USD/Barrel).

Ausblick Rohstoffe: Warum Öl und Gas teuer bleiben dürften und der Goldpreis wieder Aufwärtspotenzial besitzt.

Die Preise für Gas an der niederländischen TTF weisen ein ähnliches Durationsrisiko wie die Ölpreise auf: Eine verzögerte Normalisierung könnte die Risiken während der sommerlichen Speicherfüllsaison auf hohem Niveau verharren lassen. Mögliche Ausfälle von LNG-Lieferungen aus Katar und Projektverzögerungen könnten das Abwärtspotenzial ebenfalls begrenzen und die Wahrscheinlichkeit von Preisen unter EUR20/MWh im kommenden Jahr verringern.

Kupfer verfügt weiterhin über langfristig konstruktive Fundamentaldaten, doch bedeutet die jüngste Rally, dass ein großer Teil des positiven Ausblicks bereits in den Preisen enthalten ist. Trotz einer starken strukturellen Nachfrage – unter anderem aus den Bereichen Netzausbau, Elektrifizierung, erneuerbarer Stromerzeugung, Energiespeicherung, Ausbau von Datenzentren – haben die kurzfristigen Nachfragerisiken zugenommen, da ein schwächeres globales Wachstum den Verbrauch belasten könnte. Gleichzeitig steigen die Lagerbestände, und zusätzliche Minenkapazitäten kommen an den Markt. Insgesamt bleibt das Angebot jedoch fragil: Engpässe bei Schwefelsäure infolge einer anhaltenden Schließung der Straße von Hormus könnten Produktionskürzungen erzwingen, während Verzögerungen beim Hochlauf von Minen das Störungsrisiko zusätzlich erhöhen. Insgesamt erwarten wir, dass Kupfer weitgehend in seiner jetzigen Handelsspanne bleibt (Kupfer-Ziel für Juni 2027: 14.000 USD/Tonne).

Nach mehreren Rekordhochs im Januar, einer scharfen Korrektur im Februar und erhöhter Volatilität im Zuge der Eskalation im Nahen Osten hat sich Gold preislich zuletzt auf erhöhtem Niveau stabilisiert. Wobei die Neubewertung der zuvor erwarteten Zinssenkungen – und in einigen Fällen die Einpreisung von Zinserhöhungen – zusammen mit steigenden Renditen und einem festeren USD die Preise etwas belastet haben. Mittelfristig dürften die Goldpreise von einer starken und nachhaltigen Nachfrage profitieren, die durch die anhaltende Diversifizierung von US-Staatsanleihe-Beständen – insbesondere seitens Zentralbanken und großer institutioneller Investoren – getrieben wird. Steigende globale Staatsschuldenquoten dürften die Rolle von Gold als strategischer Vermögenswert zusätzlich stärken. Zugleich ist die private Investorennachfrage in China trotz des erhöhten Preisniveaus außergewöhnlich robust geblieben. Darüber hinaus dürfte der USD bis Mitte 2027 schwächer werden und Gold zusätzlichen Rückenwind verleihen. Insgesamt sprechen diese Faktoren für einen festen und nachhaltigen Aufwärtstrend, wobei der Goldpreis bis Ende Juni 2027 deutlich auf 5.400 USD/Feinunze steigen könnte.

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Redaktionsschluss: 11.06.2026, 15.00 Uhr

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