Weitere Themen, Makro- und Anlageklassenausblick – 12.06.2026
Anlagedisziplin schlägt „Drama“
Christian Nolting
Anleger stehen vor einem scheinbaren Paradoxon: Trotz anhaltender geopolitischer Risiken, zunehmender Inflationssorgen und der Gefahr einer globalen Energiekrise zeigen sich die Börsen bislang insgesamt resilient. Dies gilt ungeachtet der erheblichen Belastung, die der Iran-Konflikt – und insbesondere seine Auswirkungen auf den Öl- und Gasverkehr durch die Straße von Hormus – für die Weltwirtschaft darstellt, sowie der daraus resultierenden rückläufigen Erwartungen an das Wirtschaftswachstum.
Für dieses Paradoxon gibt es eine einfache Erklärung: Märkte blicken stets nach vorn. Die meisten Marktteilnehmer, uns eingeschlossen, rechnen trotz der jüngsten Entwicklungen in absehbarer Zeit mit einer teilweisen Lösung im Iran-Konflikt. Wir erwarten daher, dass die Straße von Hormus bis Mitte des Jahres zumindest teilweise wieder für den Schiffsverkehr geöffnet sein wird. Die Märkte preisen daher derzeit für Dezember 2026 einen Brent-Ölpreis von 85 USD je Barrel ein – deutlich unter den aktuellen Notierungen.
Durch eine Entspannung am Energiemarkt, gepaart mit einer anhaltend expansiven Fiskalpolitik, dürfte eine Rezession etwa in den USA und Europa vermieden werden, auch wenn dadurch andere zugrunde liegende Wachstumsprobleme hier oder andernorts nicht gelöst werden. Allerdings bestehen weiterhin deutliche Risiken für Wachstum und Kapitalmärkte, falls der Konflikt anhält und verhindert, dass die Energielieferungen nach dem Sommer wieder aufgenommen werden.
Trotz Energieschock: Märkte bleiben robust. CIO-Ausblick zu den Anlageklassen bis Juni 2027.
Dieser vorsichtige, wenn auch schwankende Optimismus hinsichtlich einer Lösung des Iran-Konflikts spiegelte sich in den jüngsten Bewegungen an den Aktienmärkten wider, wenngleich es regionale und sektorale Unterschiede gab. Während energieintensive Sektoren und Zykliker häufig unter Druck standen, haben die Bereiche Energie und Technologie (insbesondere Künstliche Intelligenz) insgesamt überperformt. Steigende Gewinnerwartungen gaben den Märkten zudem einen erheblichen positiven Impuls.
Das Umfeld dürfte zwar volatil bleiben, dennoch erwarten wir in den kommenden zwölf Monaten insgesamt weitere Marktgewinne, wodurch sich Anlagechancen eröffnen könnten. Im Technologiebereich richten wir unseren Fokus auf den Hardwaresektor. Im Energiebereich betrachten wir die gesamte Wertschöpfungskette (Stromerzeugung, -transport, -speicherung). Erst wenn sich die Lage an der Straße von Hormus nachhaltig verbessert, dürften auch Zykliker wieder stärker in den Fokus rücken. Auch für Anleihen guter Bonität sehen wir in den kommenden Monaten im Umfeld sinkender Renditen Kurspotenzial. Gold als Beimischung dürfte – auch wegen der expansiven Fiskalpolitik und steigender Staatsschulden – weiterhin gefragt sein.
Wir werden Sie über unsere Einschätzung auf dem Laufenden halten – sei es persönlich oder im Rahmen unserer CIO-Update-Calls.
Hören Sie unter wealth.db.com/de die aktuellen Markteinschätzungen unserer Experten: CIO-Update-Calls.
Christian Nolting
Globaler CIO
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Redaktionsschluss: 11.06.2026, 15.00 Uhr