Volkswirtschaft/Geldpolitik, Makro- und Anlageklassenausblick – 12.06.2026
Volkswirtschaft: Wachstum runter, Inflation rauf
Die wichtigsten Fakten:
- Das Wachstum schwächt sich ab, da der Energieschock die wirtschaftliche Aktivität belastet.
- Die Inflation zieht an, da höhere Energiekosten auf die Realwirtschaft durchschlagen.
- Die großen Zentralbanken dürften zu einem restriktiveren Kurs übergehen.
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Der Iran-Konflikt hat einen Energieschock ausgelöst und einen stagflationären Zielkonflikt zwischen nachlassendem Wachstum und anhaltender Inflation geschaffen, der die Zentralbanken dazu zwingt, ihre geldpolitischen Pfade neu auszurichten. Die USA haben sich bislang als widerstandsfähig erwiesen: Das reale BIP legte annualisiert im ersten Quartal um 2,0 % gegenüber dem Vorquartal zu, gestützt durch höhere Staatsausgaben und die Belebung privater Investitionen – insbesondere in Ausrüstungen und KI-bezogene Technologien. Mit Blick nach vorn dürfte Gegenwind in Form von höheren Energiekosten und schwächeren Konsumausgaben teilweise durch anhaltende fiskalische Unterstützung und robuste KI-Investitionen kompensiert werden, die ein zentraler struktureller Wachstumstreiber bleiben. Vor diesem Hintergrund sollte das BIP-Wachstum mit jeweils 2,0 % in den Jahren 2026 und 2027 solide ausfallen, während die Verbraucherpreisinflation mit 3,2 % bzw. 2,3 % oberhalb des Zielwerts verharren dürfte. Da der Arbeitsmarkt robust bleiben und sich die Inflation als hartnäckig erweisen sollte, erscheint der Spielraum für kurzfristige geldpolitische Lockerungen begrenzt. Wir erwarten, dass die Fed vorsichtig bleibt und die Zinsen bis Mitte 2027 auf 3,00–3,25 % senkt.
Im ersten Quartal 2026 hat sich das Wachstum im Euroraum verlangsamt und ist auf –0,1 % gegenüber dem Vorquartal gesunken, da steigende Energiekosten die Aktivität sowie den privaten Konsum zunehmend belasteten. Unter der Annahme ausbleibender physischer Engpässe, aber begrenzter fiskalischer Unterstützung, die den Schock nicht ausreichend abfedert, senken wir unsere BIP-Prognose für 2026 auf 0,9 % und belassen sie für 2027 bei 1,3 %, wobei die Risiken nach unten gerichtet sind. Da höhere Energiekosten zunehmend auf ein breiteres Preisspektrum durchschlagen, erwarten wir einen Anstieg der Verbraucherpreisinflation auf 3,1 % im Jahr 2026, bevor sie 2027 auf 2,5 % zurückgehen dürfte. Angesichts des Spannungsfelds aus schwachem Wachstum und Inflationsdruck sollte die EZB einen vorsichtigen Straffungsbias beibehalten, um die Erwartungen zu verankern. Wir erwarten, dass die Währungshüter den Einlagensatz bis Juni 2027 auf 2,5 % anheben.
Wachstum kühlt ab, Preise steigen: Wie der Energieschock das Stagflationsdilemma verschärft.
Japan ist mit soliden Zahlen in das Jahr 2026 gestartet: Im ersten Quartal stieg das BIP um 0,5 % gegenüber dem Vorquartal. Allerdings dürfte das Momentum nachlassen, da politische Unterstützung und akkommodierende Finanzierungsbedingungen teilweise durch höhere Energieimportkosten kompensiert werden, die auf die Unternehmensmargen drücken. Wir erwarten, dass sich das Wachstum auf 0,7 % im Jahr 2026 abschwächt, bevor es sich 2027 leicht auf 0,9 % erholt. Die Inflation dürfte kurzfristig weiterhin durch Subventionen und Basiseffekte gedämpft werden, sollte sich später jedoch verfestigen, wenn der Energiekostenüberwälzungseffekt und ein nachhaltiges Lohnwachstum – im Durchschnitt erwarten wir 2,3 % (2026) und 2,4 % (2027) – greifen. Dies sollte es der BoJ ermöglichen, ihren vorsichtigen Normalisierungspfad fortzusetzen. Der Leitzins dürfte bis Mitte 2027 1,25 % erreichen.
Nach einer Abschwächung Ende 2025 ist China mit einer etwas höheren Dynamik in das Jahr 2026 gestartet. Das BIP-Wachstum im ersten Quartal betrug 5,0 % gegenüber dem Vorjahr, gestützt durch Investitionen und robuste Exporte. Während der deflationäre Druck nachlässt und sich der Immobiliensektor stabilisiert, bleibt die Binnennachfrage durchwachsen – die politische Unterstützung ist stärker auf Infrastruktur, Technologie und Grüne Transformation ausgerichtet. Wir erwarten für China 2026 ein BIP-Wachstum von 4,7 %, bevor es sich 2027 auf 4,4 % verlangsamt. Da nur ein begrenzter nachfrageseitiger Druck und eine moderate geldpolitische Lockerung zu erwarten sind, dürfte die Inflation gedämpft bleiben: 2026 bei 0,8 % und 2027 bei 1,0 %.
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Redaktionsschluss: 11.06.2026, 15.00 Uhr