Euro-und US-Dollar-Scheine auf einem Tisch

Bildquelle: PeJo / Adobe Stock

Zu Beginn der Eskalation im Nahen Osten war der USD gefragt – auch weil die USA bei Öl und Erdgas weitgehend autark sind. Anders als Europa, dessen Wirtschaft von der Schließung der Straße von Hormus stärker getroffen wurde als die US-Wirtschaft. Nachdem die Märkte mittlerweile 75bps an EZB-Zinserhöhungen bis April 2027 eingepreist haben, hat der Rückenwind für den Greenback inzwischen jedoch nachgelassen. Es gibt weitere starke Anzeichen dafür, dass der USD mittelfristig etwas nachgeben dürfte – etwa das hohe US-Haushaltsdefizit, ein geringeres Petrodollar-Recycling der Golfstaaten und die weitere Diversifizierung weg von USD-denominierten Anlagen. Wir erwarten, dass der EUR bis Ende Juni 2027 auf EUR/USD 1,22 aufwertet.

Ausblick Währungen: Der Trend zur Diversifizierung weg von USD-denominierten Anlagen wird deutlicher.

Trotz Unsicherheiten hinsichtlich der innenpolitischen Auswirkungen der Regionalwahlen von Anfang Mai hat sich das GBP zuletzt moderat von seinem bisherigen Jahrestief gegenüber dem USD von Anfang April erholt. Während die Renditen langlaufender britischer Staatsanleihen (Gilts) nach den Regionalwahlen auf Mehrjahreshochs stiegen – von den Finanzmärkten derzeit eher als Warnsignal gewertet –, geriet das GBP nicht stärker unter Druck. Gestützt wird die Währung dadurch, dass die Swap-Märkte für die nächsten zwölf Monate rund 50 Basispunkte an Zinserhöhungen durch die Bank of England einpreisen. Wie beim EUR impliziert dies eine Verschiebung des Zinsdifferenzials gegenüber der Fed zugunsten des GBP. Sofern die Marktsorgen über die hohe öffentliche Verschuldung des Vereinigten Königreichs nicht deutlich zunehmen, könnte auch das GBP aufwerten und bis Ende Juni 2027 in Richtung GBP/USD 1,44 steigen. Dies würde aber eine allgemeine Schwäche des USD voraussetzen.

Der JPY steht kurzfristig unter Druck aufgrund einer schwächeren japanischen Handelsbilanz infolge hoher Energieimportkosten. Eine steigende Inflation und negative Realzinsen sprechen jedoch für eine schrittweise geldpolitische Normalisierung, wodurch sich der Renditeabstand zwischen den USA und Japan verringern würde. Ausländische Zuflüsse in japanische Vermögenswerte sowie eine Umschichtung heimischer Investoren weg von ausländischen Anleihen könnten die Kapitalströme stärken. Insgesamt sprechen diese Faktoren für eine graduelle Aufwertung des JPY. Wir prognostizieren den USD/JPY-Kurs zum Juni 2027 bei 145.

Erstmals seit Februar 2023 hat der CNY zuletzt unter die Marke von USD/CNY 6,80 aufgewertet. Die chinesischen Behörden sowie die Notenbank haben eine Abwertung verhindert und signalisieren aktuell eine Präferenz für Stabilität und Stärke, etwa durch stärker als erwartete Fixings. Dies spiegelt ihre Bestrebungen wider, das Vertrauen in den CNY stärken zu wollen, Kapitalflüsse zu steuern und ungeordnete Währungsbewegungen zu vermeiden. Hinzu kommt eine gewisse strukturelle Unterstützung: China weist weiterhin sehr hohe Handels- und Leistungsbilanzüberschüsse auf, welche die Devisenzuflüsse erhöhen. Starke Exporte sorgen dafür, dass die Umwandlung dieser Devisenerlöse Rückenwind für den CNY liefert. Darüber hinaus will China die globale Rolle des CNY stärken, indem die Nutzung in der Handelsabwicklung ausgeweitet, ein tieferer Offshore-Markt aufgebaut und eine weitere Integration in die globalen Kapitalströme gefördert wird. Die gesteuerte Aufwertung des CNY innerhalb eines kontrollierten Währungsregimes könnte weiteren Spielraum nach oben bieten: Wir erwarten den USD/CNY-Kurs Ende Juni 2027 bei 6,60.

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Redaktionsschluss: 12.06.2026, 15.00 Uhr

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