Die wichtigsten Fakten:

  • US-Aktien: dank positiver Gewinnerwartungen mit interessantem Kurspotenzial
  • Japanischer und deutscher Markt von externen Faktoren abhängig
  • Asiatische Staaten unter den Schwellenländern könnten interessant sein

Auch wenn sie 2017 wieder leicht anziehen sollten: Wachstumsraten wie vor der Finanzkrise dürfte die Weltwirtschaft auf absehbare Zeit nicht mehr erreichen. Je schleppender sich jedoch die globale Konjunktur entwickelt, desto mehr dominieren andere Einflussfaktoren die internationalen Aktienmärkte – zum Beispiel das politische Umfeld oder die Entwicklung anderer Anlageklassen. Den von der Deutschen Bank erwarteten Schwankungen an den weltweiten Rentenmärkten etwa dürften sich auch die Aktienmärkte nicht entziehen können.

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Möglicher Fokus auf Dividenden

Seit der Präsidentschaftswahl ist in den USA ein Anstieg der Kapitalmarktzinsen zu beobachten – ein Trend, der das Potenzial defensiver Aktien, darunter Dividendentitel, in der ersten Jahreshälfte 2017 begrenzen könnte. Denn Investoren, die ihren Fokus auf stabile Renditen legen, dürften sich wieder vermehrt dem Rentenmarkt zuwenden. Sobald sich die US-Zinsen jedoch, wie von der Deutschen Bank erwartet, im Jahresverlauf stabilisieren, könnten auch defensive Titel wieder verstärkt ins Blickfeld der Marktteilnehmer geraten. Dividendentitel könnten vor diesem Hintergrund weiterhin ein interessantes langfristiges Investment für entsprechend risikobereite Anleger darstellen, zumal Gewinnausschüttungen einen Teil zur Gesamtperformance eines Aktienportfolios beitragen können. Das dürfte auch im kommenden Jahr gelten, in dem mit einem eher moderaten Gewinnwachstum der Unternehmen zu rechnen ist: Im Durchschnitt erwarten die Analysten zwar ein niedriges zweistelliges Plus weltweit (siehe Grafik). Die Deutsche Bank geht allerdings davon aus, dass die Prognosen in Zukunft nach unten korrigiert werden könnten – und das in Europa stärker als in den USA.

US-Aktien könnten weiter von Trump profitieren

Die Vereinigten Staaten könnten 2017 alles in allem eine interessante Region für entsprechend risikobereite Aktienanleger darstellen. Neben den vergleichsweise soliden Gewinnerwartungen der US-Unternehmen dürften insbesondere einige Vorhaben des künftigen Präsidenten Donald Trump den US-Aktienmarkt stimulieren. Dazu zählen ein groß angelegtes Fiskalprogramm, Steuererleichterungen für Unternehmen und weniger Regulierungen. Auch wenn deren konkrete Ausgestaltung noch unklar ist, dürften US-Unternehmen von den erwarteten Maßnahmen profitieren.

Branchenstruktur könnte für US-Markt sprechen

Neben den angekündigten fiskalpolitischen Impulsen könnte auch die Struktur des US-Aktienmarktes für Investments jenseits des Atlantiks sprechen. Aufgrund der demografischen Entwicklung sowie der weltweit zunehmenden Digitalisierung hält die Deutsche Bank langfristig die Sektoren Technologie und Gesundheit für aussichtsreich – zwei Bereiche, die im US-Aktienmarkt stark vertreten sind. Im S&P 500 zum Beispiel tragen sie zusammen mit etwa 34 Prozent zur Marktkapitalisierung bei, während es im europaweiten Stoxx 600 nur rund 16 Prozent sind. Die Gesundheitsbranche kämpft derzeit jedoch mit politischem Gegenwind, denn die künftige US-Regierung wird voraussichtlich die Preissetzungspolitik der Pharmaunternehmen unter die Lupe nehmen. Dies gilt es zu beobachten. Der Finanzsektor könnte 2017 als Profiteur von Deregulierungsmaßnahmen und einem höheren Zinsniveau ebenfalls im Fokus stehen.

 

Politische Unsicherheiten dominieren Europa

Während in den USA mit der Präsidentschaftswahl zumindest einige Unsicherheitsfaktoren bereits abgehakt zu sein scheinen, hat Europa im kommenden Jahr noch zahlreiche vor sich – darunter die Wahlen in den Niederlanden, Frankreich, Italien und Deutschland. Wichtig bleibt es zudem, die politischen Entwicklungen in Großbritannien, Portugal und Spanien zu beobachten. Wenngleich in jedem dieser Risiken auch eine Chance liegen kann: Zunächst könnten sie unter den Marktteilnehmern für Zurückhaltung sorgen. Das Kurspotenzial dürfte damit auf die Höhe der Zuwächse bei den Unternehmensgewinnen begrenzt sein. Für den Stoxx 600 erwartet die Deutsche Bank, anders als viele andere Analysten, für 2017 kein zweistelliges Gewinnwachstum.

Zyklischer DAX möglicherweise mit Gegenwind

Der DAX ist einer der exportlastigsten und zyklischsten Indizes weltweit und hängt dadurch stark vom Welthandel ab. Von einer Erholung der Weltwirtschaft würde er entsprechend profitieren. Unterstützung dürften die deutschen Exportunternehmen auch von der erwarteten Schwäche des Euro erhalten. Mögliche US-Handelsrestriktionen sowie eine eventuelle Konjunkturabkühlung in China könnten dagegen zu Belastungen führen. Zu beachten ist außerdem, dass der DAX durch den Automobilsektor dominiert wird, der rund 15 Prozent der Marktkapitalisierung ausmacht. Aktuell zeigen sich die Investoren hinsichtlich dieser Branche zurückhaltend – schließlich ist derzeit noch unklar, wie sich der globale Trend zur Elektromobilität auf das Geschäftsmodell der klassischen Autobauer auswirken wird.

Japans Aktienmarkt hängt am Yen

Ähnlich abhängig vom Exportgeschäft sind viele japanische Unternehmen. Der Yen spielt daher eine entsprechend große Rolle für die Kursentwicklung am japanischen Aktienmarkt. Für 2017 rechnet die Deutsche Bank mit einem schwachen Yen im Vergleich zum US-Dollar, getrieben von der expansiven Geldpolitik der Bank of Japan. Außerdem sollten die eingeleiteten Reformen in Bezug auf die Unternehmensführung und den effizienteren Einsatz der hohen Bargeldbestände japanischer Konzerne ihre Wirkung weiter entfalten. Auf lange Sicht bleibt die Deutsche Bank für den japanischen Aktienmarkt daher positiv gestimmt. Was für den DAX gilt, gilt jedoch auch hier: Eine Abkühlung der chinesischen Wirtschaft sowie Handelsrestriktionen durch die USA wären mögliche Belastungsfaktoren.

China: Zwischen Reformen und Wachstum

Im Spannungsfeld zwischen Reformen und Wachstum dürfte China den Umbau seiner Wirtschaft 2017 weiter vorantreiben. Die Deutsche Bank rechnet hier mit weiteren fiskal- und geldpolitischen Maßnahmen, um Schwächen beim Wirtschaftswachstum zu verhindern. Diese könnten dem chinesischen Aktienmarkt Rückenwind verleihen, bergen aber auch Risiken, etwa wenn die Wirtschaft zu überhitzen droht und die Regierung deshalb ihre Maßnahmen zurückfährt. Bei den Gewinnen präsentierten die chinesischen Unternehmen zuletzt ordentliche Zahlen – ein Trend, der sich nach Ansicht der Deutschen Bank fortsetzen könnte.

Indien weiter auf Reformkurs

Wie China befindet sich auch Indien derzeit auf einem Reformkurs. So hat die Regierung um Ministerpräsident Narendra Modi zuletzt die beiden größten Rupienscheine eingezogen, um die Korruption einzudämmen. Das führte zwar zunächst zu größeren Problemen, zum Beispiel im Einzelhandel und Immobiliensektor, und setzte auch die Aktienkurse unter Druck. Die Deutsche Bank geht jedoch davon aus, dass die negativen Folgen der Reform im Jahresverlauf 2017 abklingen werden. Langfristig sollte die Maßnahme zu Einnahmeverbesserungen auf staatlicher Seite führen – was wiederum den Spielraum für wirtschaftliche Stützungsmaßnahmen erhöhen würde. Abseits der Reformdynamik könnte die stabile Gewinnsituation vieler indischer Unternehmen für den Aktienmarkt des Subkontinents sprechen. Die Deutsche Bank attestiert diesem langfristig weiteres Potenzial – wenngleich der Reformeifer hier auch phasenweise immer wieder zu kurzfristigen Belastungen führen kann.

Einen näheren Blick wert scheinen für entsprechend risikobereite Anleger in Asien außerdem der indonesische Aktienmarkt sowie Taiwan und Südkorea. Bei Letzteren gilt es jedoch im Blick zu behalten, wie sich mögliche US-Handelsrestriktionen auf den stark vom US-Geschäft abhängigen Technologiesektor auswirken könnten. Unter den Schwellenländern außerhalb Asiens zeigten zuletzt Russland und Brasilien Erholungstendenzen. In Russland könnte eine Lockerung der Sanktionen die Kurse weiter treiben, in Brasilien das von Präsident Michel Temer geplante Fiskalpaket. Angesichts der strukturellen Schwächen beider Volkswirtschaften scheinen Investments aktuell jedoch noch zu risikobehaftet.

Portfolio: USA vor Europa

Insgesamt könnten Aktien auch im kommenden Jahr unter Berücksichtigung der entsprechenden Risiken ein interessantes Investment bleiben – insbesondere in den USA. Zwar sind US-Titel aktuell bereits vergleichsweise hoch bewertet, dürften aber dennoch weiteres Kurspotenzial durch Steigerung der Unternehmensgewinne haben. Europa hingegen scheint auch zukünftig unter den zahlreichen politischen Unsicherheiten zu leiden – auch wenn diesbezüglich Chancen auf eine gewisse Erholung bestehen. Unter den Schwellenländern bleibt Asien im Jahr 2017 für die Deutsche Bank die bevorzugte Anlageregion. Auf Sektorenebene könnte sich langfristig der Blick auf die Technologie- sowie Gesundheitsbranche lohnen. Besondere Aufmerksamkeit dürfte zudem der Finanzsektor erfahren, der von einem höheren Zinsniveau profitieren könnte.

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