Skyline von Schanghai.

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Zentrale Ziele des Nationalen Volkskongresses 2026

Der Nationale Volkskongress (NVK) ist Chinas höchstes gesetzgebendes Organ und tritt jährlich im März zusammen, um die wirtschaftlichen Zielvorgaben, den Staatshaushalt sowie die mittelfristigen wirtschaftspolitischen Prioritäten formell zu verabschieden. Damit ist er das zentrale Ereignis, über das Peking seine makroökonomische und strategische Ausrichtung gegenüber den Märkten kommuniziert.

Der NVK 2026 hat nun ein Politikregime bestätigt, das auf Stabilität, Risikokontrolle und strategische Aufwertung ausgerichtet ist – und nicht auf einen zyklischen Wachstumsstimulus. Für das Auftaktjahr des 15. Fünfjahresplans (2026–2030) wurde ein pragmatischer makroökonomischer Rahmen festgelegt, der auf geringere Wachstumsvolatilität, strengere politische Disziplin und eine stärkere sektorale Differenzierung für Investoren hindeutet.

Chinas neuer Fünfjahresplan – Implikationen für Anleger. Fokus auf Tech, Infrastruktur und Services.

Die zentralen makroökonomischen Zielvorgaben des NVK für 2026:

  • Reales BIP-Wachstum: 4,5 Prozent bis 5,0 Prozent, ein Rückgang gegenüber 5,0 Prozent im Jahr 2025, was die schwache Binnennachfrage und geopolitische Unsicherheiten widerspiegelt. Dies liegt nahe an unserer Erwartung von 4,6 Prozent für das Jahr 2026.
  • CPI-Inflation: rund 2 Prozent. Dieses Ziel könnte sich als ambitioniert erweisen, angesichts der anhaltend verhaltenen Güternachfrage vieler chinesischer Haushalte.
  • Fiskaldefizit: rund 4 Prozent des BIP, unverändert gegenüber 2025. In absoluten Zahlen weitet sich das Defizit auf 5,89 Bio. CNY aus, was auf eine fortgesetzte Abhängigkeit von fiskalischer Unterstützung zur Stabilisierung der Binnennachfrage hindeutet. Enthalten sind 1,3 Bio. CNY an ultralang laufenden Sonderstaatsanleihen der Zentralregierung sowie 4,4 Bio. CNY an Sonderanleihen der Lokalregierungen. Dies entspricht der IWF-Prognose eines Fiskaldefizits von 8,5 Prozent für 2026, die zusätzlich Local Government Financing Vehicles (LGFVs), außerbudgetäre Lokalfinanzierung und Politikbankfinanzierungen umfasst. Die Fiskalausgaben dürften sich auf rund 4,4 Prozent beschleunigen (nach 1,0 Prozent im Vorjahr) und gezielt in strategische Industrien, „neue produktive Kräfte“ (fortschrittliche Industriefertigung, Technologie, Innovation), Infrastruktur (Stromnetze, Rechen- und Computingkapazitäten), Schuldenbereinigung bei verdeckter Lokalverschuldung sowie Konsumstützung fließen – vor allem über konkrete Umsatzstimuli für definierte Gebrauchsgüter wie z. B. Abwrackprämien statt breit angelegter Haushaltsstimuli.

Abbildung 1: Fiskaldefizit dürfte sich 2026 moderat verringern

Gestapeltes Balkendiagramm 2020–2026 f. (in % des BIP) zur Staatsverschuldung in China: Zentralstaat, Lokalregierungen, LGFVs und andere Quasi-Staatsschulden steigen insgesamt deutlich an, auf aktuell über 130 Prozent. Größte Anteile entfallen auf LGFVs und Lokalregierungen. Linie (rechte Achse) zeigt das fiskalische Defizit: Rückgang 2021, danach Anstieg bis 2025 und leichter Rückgang 2026 f.

IWF, Deutsche Bank AG. Datenstand: 17. März 2026. Die bisherige Wertentwicklung lässt keine Rückschlüsse auf die künftige Wertentwicklung zu. Die Wertentwicklung bezieht sich auf einen Nominalwert, der auf Kursgewinnen/-verlusten beruht und die Inflation nicht berücksichtigt. Die Inflation wirkt sich negativ auf die Kaufkraft dieses nominalen Geldwerts aus. Je nach aktuellem Inflationsniveau kann dies zu einem realen Wertverlust führen, selbst wenn die nominale Wertentwicklung der Anlage positiv ist.

  • Geldpolitik: weiterhin flexibel und angemessen akkommodierend, einschließlich Senkungen der Mindestreservesätze (RRR), Leitzinssenkungen und einer Ausweitung der Liquidität, im Einklang mit den BIP- und Inflationszielen, bei gleichzeitiger Stabilisierung des Wechselkurses des Renminbi (CNY).
  • Konsumfokus: Dienstleistungskonsum ersetzt den Güterkonsum als zentralen Hebel zur Stärkung der Binnennachfrage. Das Ministerium will den Marktzugang ausweiten und die Öffnung des Dienstleistungssektors weiter vorantreiben, u. a. in den Bereichen Telekommunikation, Gesundheitswesen und Bildung. Zudem sollen auslandsfinanzierte Unternehmen im Dienstleistungssektor beim Ausbau ihrer Wertschöpfungsketten unterstützt werden.
  • Anti-Involution (d. h. die Eindämmung übermäßigen inländischen Wettbewerbs, Überkapazitäten und Überproduktion) bleibt eine zentrale wirtschaftspolitische Priorität, wobei der Ansatz feinjustiert wird.
  • Die Immobilienpolitik konzentriert sich auf den Abbau von Lagerbeständen, den Ausbau staatlich geförderten Wohnraums sowie die Sicherstellung der Fertigstellung vorverkaufter Immobilien. Ein starker Fokus liegt zudem auf der Entschärfung verdeckter Verschuldung der Lokalregierungen, der Reform von Finanzierungsplattformen, der Vermeidung neuer außerbudgetärer Finanzierungen sowie der fortgesetzten Bereinigung kleiner und mittelgroßer Finanzinstitute.

Abbildung 2: Immobilienmarkt weiterhin schwach

Liniendiagramm mit Jahresveränderungen (YoY, in %) der Hauspreise in China von Februar 2016 bis Februar 2026: Neubau- und Bestandsimmobilien steigen bis 2017/2018 deutlich, flachen danach ab und rutschen ab 2022 in den negativen Bereich. Der Rückgang erreicht 2025 den Tiefpunkt (Bestand stärker als Neubau); bis Februar 2026 leichte Stabilisierung, aber beide Reihen bleiben negativ.

Quelle: LSEG Datastream, Deutsche Bank AG. Datenstand: 17. März 2026. Die bisherige Wertentwicklung lässt keine Rückschlüsse auf die künftige Wertentwicklung zu. Die Wertentwicklung bezieht sich auf einen Nominalwert, der auf Kursgewinnen/-verlusten beruht und die Inflation nicht berücksichtigt. Die Inflation wirkt sich negativ auf die Kaufkraft dieses nominalen Geldwerts aus. Je nach aktuellem Inflationsniveau kann dies zu einem realen Wertverlust führen, selbst wenn die nominale Wertentwicklung der Anlage positiv ist.

Weitere Zielvorgaben für 2026 sind:

  • eine erhobene städtische Arbeitslosenquote von rund 5,5 Prozent,
  • mehr als 12 Mio. neue Arbeitsplätze in städtischen Gebieten,
  • eine Reduktion der CO₂-Emissionen je BIP-Einheit um 3,8 Prozent.

15. Fünfjahresplan (2026–2030): zentrale Kernaussagen

Chinas neuer Fünfjahresplan (FYP) skizziert eine Entwicklungsstrategie, die technologische Leistungsfähigkeit und Produktivitätsgewinne ins Zentrum der Wirtschaftspolitik stellt. Während eine Stärkung des privaten Konsums weiterhin als Ziel genannt wird, enthält das Dokument hierfür nur wenige konkrete Maßnahmen. Demgegenüber sind die Abschnitte zu Innovation, digitaler Transformation und sauberer Energie mit klaren quantitativen Zielvorgaben unterlegt und machen deutlich, wo die politischen Entscheidungsträger die wirksamsten Wachstumshebel sehen.

Der Plan betont den Ausbau nationaler Kompetenzen in Schlüsseltechnologien – von künstlicher Intelligenz über Telekommunikation der nächsten Generation bis hin zu den Life Sciences – und verpflichtet sich zu einer Ausweitung der Forschungs- und Entwicklungsinvestitionen, die deutlich schneller als das gesamtwirtschaftliche Wachstum steigen sollen. Zudem sieht er einen höheren digitalen Anteil an der Wirtschaftsleistung vor und zielt darauf ab, dass Produktivitätsfortschritte weiterhin über dem BIP-Wachstum liegen.

Darüber hinaus hebt die Regierung die Notwendigkeit hervor, das regulatorische Umfeld über die Provinzen hinweg zu stärken, um Ineffizienzen und interne Barrieren abzubauen. Die beabsichtigten Vorteile dürften jedoch Zeit benötigen, da die Umsetzung von einer Angleichung der Anreizstrukturen auf lokaler Ebene abhängt.

Zu den zentralen Eckpunkten des 15. Fünfjahresplans gehören:

  • F&E-Ausgaben mit einem jährlichen Wachstum von mindestens 7 Prozent.
  • Kernindustrien der digitalen Wirtschaft sollen bis 2030 mindestens 12,5 Prozent des BIP beitragen (nach 10,5 Prozent im Jahr 2025).
  • Reduktion der CO₂-Emissionen je BIP-Einheit um 17 Prozent bis 2030.
  • Erhöhung des Anteils nicht fossiler Energien am gesamten Energieverbrauch auf 25 Prozent bis 2030 (von 21,7 Prozent im Jahr 2025).
  • Stabilisierung des Außenhandelsvolumens bei gleichzeitiger Optimierung der Struktur.
  • Anhebung des Anteils dauerhaft städtischer Einwohner an der Gesamtbevölkerung auf 71 Prozent (von 67,9 Prozent im Jahr 2025).

Insgesamt bleibt die wirtschaftspolitische Ausrichtung auf eine angebotsseitige Unterstützung und graduelle Stabilisierung der Nachfrage ausgerichtet statt auf einen aggressiven fiskalischen Stimulus. Die zentrale Botschaft lautet, dass Wachstum über Technologie, Infrastruktur und Produktivitätssteigerungen weiterhin den dominierenden Pfad darstellt, während Maßnahmen zur Verschiebung des wirtschaftlichen Gleichgewichts hin zum Konsum nur schrittweise umgesetzt werden. Die langfristigen Wachstumsambitionen bleiben unverändert: Ziel ist es, das BIP pro Kopf bis 2035 gegenüber 2020 zu verdoppeln, was einem durchschnittlichen jährlichen BIP-Wachstum von rund 4,2 Prozent im kommenden Jahrzehnt entspricht – ein Ziel, das auf Basis der aktuellen Entwicklung erreichbar erscheint.

Exportgetriebenes Wachstum mit allmählicher Reflation

China ist mit einer klaren Verbesserung zentraler Konjunkturindikatoren ins Jahr gestartet. Auf Basis der kombinierten Daten für Januar und Februar beschleunigte sich die Industrieproduktion auf 6,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr, getragen von robuster externer Nachfrage und einer anhaltenden Expansion der technologiebezogenen Industrieproduktion. Die Investitionstätigkeit, die im vergangenen Jahr rückläufig war, kehrte mit rund 1,8 Prozent YoY (Year-over-Year) wieder in den Wachstumsbereich zurück – ein Hinweis darauf, dass politische Maßnahmen und eine Stabilisierung der Stimmung allmählich Wirkung zeigen. Die Dienstleistungsaktivität legte moderat zu, während der private Konsum mit der Normalisierung der Mobilität und dem Durchwirken gezielter Unterstützungsmaßnahmen um knapp 2 Prozentpunkte anzog. Der Immobiliensektor zeigte sich weiterhin uneinheitlich: Während Investitionen und Preise erste Anzeichen einer Stabilisierung erkennen ließen, blieben Verkäufe und Neubaubeginne schwach.

Chinas Exporte stiegen im Januar/Februar um 21,8 Prozent YoY und übertrafen die Erwartungen deutlich. Treiber waren eine starke Nachfrage nach Elektronik- und Halbleiterprodukten sowie eine überraschende Erholung bei Textilien und Bekleidung. Der Handelsüberschuss erreichte mit 213,6 Mrd. USD ein Rekordniveau und unterstreicht Chinas exportgetriebenes Wachstumsmodell sowie seine Dominanz in den globalen Lieferketten. Die Halbleiterexporte sprangen im Zuge des KI- und Memory-Chip-Booms um 66,5 Prozent YoY an; auch Elektrofahrzeuge, Batterien und Solartechnologie bleiben zentrale Wachstumssäulen. Die kurzfristige Dynamik könnte durch die Ersetzung von IEEPA-Zöllen von 34 Prozent durch niedrigere Section-122-Zölle von 10 Prozent unterstützt werden. Risiken bestehen jedoch weiterhin durch mögliche Section-301-Zölle im Rahmen von Fair-Trade-Bestimmungen, den Iran-Krieg, höhere Energiepreise sowie Unsicherheiten hinsichtlich des Zeitpunkts eines Trump-Xi-Gipfels.

Abbildung 3: Deutlicher Exportanstieg im Vorfeld erwarteter Zölle

Liniendiagramm Februar 2022 bis Februar 2026 mit Jahresveränderungen (YoY, in %) von Chinas Exporten und Importen. Beide Reihen schwanken stark um die Nulllinie; 2023 und 2025 treten deutliche Einbrüche auf. Anfang 2026 steigen die Exporte sprunghaft und erreichen den höchsten Wert der Zeitreihe, während die Importe ebenfalls stark anziehen, aber deutlich unter dem Exportanstieg bleiben.

Quelle: LSEG Datastream, Deutsche Bank AG. Datenstand: 17. März 2026. Die bisherige Wertentwicklung lässt keine Rückschlüsse auf die künftige Wertentwicklung zu. Die Wertentwicklung bezieht sich auf einen Nominalwert, der auf Kursgewinnen/-verlusten beruht und die Inflation nicht berücksichtigt. Die Inflation wirkt sich negativ auf die Kaufkraft dieses nominalen Geldwerts aus. Je nach aktuellem Inflationsniveau kann dies zu einem realen Wertverlust führen, selbst wenn die nominale Wertentwicklung der Anlage positiv ist.

Die Verbraucherpreise zogen im Februar spürbar an. Die Jahresinflation stieg von 0,2 Prozent auf 1,3 Prozent, vor allem getrieben durch höhere Nahrungsmittel- und Dienstleistungspreise rund um das Mond-Neujahrsfest. Die Erzeugerpreise, die seit Jahren rückläufig sind, zeigten ebenfalls eine leichte Verbesserung: Die Jahresrate – weiterhin deflationär – milderte sich von –1,4 Prozent auf –0,9 Prozent YoY ab. Importierte Preisdruckfaktoren spielten im Februar noch eine untergeordnete Rolle. Dies dürfte sich im März ändern, wenn der jüngste Anstieg der globalen Öl- und Gaspreise durchschlägt und die Deflationssorgen weiter dämpft. Eine kostengetriebene Reflation birgt jedoch das Risiko, die eigentliche Herausforderung zu verschärfen: die schwache Konsumneigung chinesischer Haushalte. Ohne eine stärkere Belebung der Binnennachfrage dürften Unternehmen mit Fokus auf den Heimatmarkt Schwierigkeiten haben, ihre Margen auszuweiten.

Abbildung 4: Anhaltende Reflation bleibt ein entscheidender Indikator

Liniendiagramm Februar 2016 bis Februar 2026 mit Jahresinflation (YoY, in %) für Verbraucherpreise (CPI) und Kern-CPI in China. CPI schwankt stärker als Kern-CPI, mit einem markanten Peak um 2020, danach deutlicher Rückgang. 2023–2025 bewegen sich beide Reihen nahe null bzw. teils darunter; bis Februar 2026 steigen CPI und Kern-CPI wieder spürbar an.

Quelle: LSEG Datastream, Deutsche Bank AG. Datenstand: 17. März 2026. Die bisherige Wertentwicklung lässt keine Rückschlüsse auf die künftige Wertentwicklung zu. Die Wertentwicklung bezieht sich auf einen Nominalwert, der auf Kursgewinnen/-verlusten beruht und die Inflation nicht berücksichtigt. Die Inflation wirkt sich negativ auf die Kaufkraft dieses nominalen Geldwerts aus. Je nach aktuellem Inflationsniveau kann dies zu einem realen Wertverlust führen, selbst wenn die nominale Wertentwicklung der Anlage positiv ist.

Implikationen für Investoren

Anleihen

Der Policy-Mix des Nationalen Volkskongresses (NVK) festigt ein niedrig-volatiles, für die Vereinnahmung der laufenden Verzinsung freundliches Anleiheumfeld, während schrittweise Öffnungsmaßnahmen die relative Attraktivität von Onshore-Renten für globale Investoren spürbar erhöhen.

Bei einem CPI-Ziel von rund 2 Prozent und einem klaren Fokus auf Preisstabilität dürfte die PBoC an einem akkommodierenden, zugleich aber maßvollen Kurs festhalten. Zwar steigt die Fiskalemission über ultralang laufende Sonderstaatsanleihen sowie Sonderanleihen der Lokalregierungen, dies wird jedoch durch hohe inländische Ersparnisse und eine starke Nachfrage der Politikbanken kompensiert. Entsprechend bleiben Staatsrenditen eher in einer Bandbreite als strukturell höher.

Die Verlängerung der Körperschaftsteuer- und Mehrwertsteuerbefreiungen auf Zinserträge aus Anleihen für ausländische Investoren bis 2026/27 ist ein klares Signal für Chinas Engagement zur weiteren Öffnung des Anleihemarktes. Durch höhere Nachsteuerrenditen steigt die relative Attraktivität chinesischer Staats- und Politikbankanleihen gegenüber ihren Pendants in den Industrieländern – insbesondere in einem globalen Umfeld, in dem Realrenditen andernorts unter Druck stehen.

Die politische Unterstützung kommt weiterhin Staatsanleihen, Politikbanken und hochwertigen SOEs (staatseigenen Unternehmen) zugute und stärkt deren Rolle als quasidefensive Anlagen innerhalb von EM-Renten. Demgegenüber bestehen Stressbereiche im immobiliennahen Kreditsegment und bei schwächeren LGFVs, wo der Fokus der Politik auf Risikobegrenzung und nicht auf Reflation liegt.

CNY

Ein markanter Akzent des diesjährigen NVK ist die explizite Betonung der Internationalisierung des Renminbi (CNY). Die Prioritäten liegen auf der Ausweitung der grenzüberschreitenden CNY-Nutzung, dem breiteren ausländischen Zugang zu Chinas Kapitalmärkten sowie der Förderung von Abwicklung und Abrechnung in Handel und Investitionen. Zudem bekräftigte der NVK das Ziel, den CNY auf einem „adaptiven und ausgewogenen“ Niveau zu halten, und unterstrich damit Wechselkursstabilität als makroökonomischen Anker – nicht als Wachstumsinstrument. Strukturelle Faktoren wie robuste Leistungsbilanzdynamik, kontrollierte Kapitalabflüsse, steigende FX-Konversionsquoten der Exporteure und eine schrittweise Diversifizierung weg vom USD sprechen für eine allmähliche Aufwertung des CNY im Zeitverlauf, auch bei moderatem Wachstum. Jüngste feste Fixings trotz breiter USD-Stärke bekräftigen die Präferenz der Entscheidungsträger für einen stabilen, gesteuerten Aufwertungspfad. Wir erwarten eine graduelle Aufwertung auf USD/CNY 6,80 bis Ende März 2027.

Abbildung 5: Renditen in einer engen Bandbreite und gesteuerte Aufwertung des CNY

Zwei-Linien-Diagramm von März 2021 bis März 2026: links die Rendite 10-jähriger chinesischer Staatsanleihen in % (dunkelblaue Linie), die nach einem deutlichen Anstieg bis etwa Sommer 2022 überwiegend seitwärts in einer engen Spanne zwischen 3,0 und 3,5 Prozent verläuft, mit einem Zwischenhoch um 2023 und danach wieder Rückkehr in die Bandbreite. Rechts der US-Dollar/Renminbi-Wechselkurs (hellblaue Linie) auf invertierter Achse: nach Schwäche 2022/2023 (bis knapp USD/CNY 7,4) folgt ab Ende 2024 eine allmähliche, relativ gleichmäßige Aufwertung des Renminbi bis Anfang 2026 auf rund USD/CNY 6,9.

Quelle: LSEG Datastream, Deutsche Bank AG. Datenstand: 16. März 2026. Die bisherige Wertentwicklung lässt keine Rückschlüsse auf die künftige Wertentwicklung zu. Die Wertentwicklung bezieht sich auf einen Nominalwert, der auf Kursgewinnen/-verlusten beruht und die Inflation nicht berücksichtigt. Die Inflation wirkt sich negativ auf die Kaufkraft dieses nominalen Geldwerts aus. Je nach aktuellem Inflationsniveau kann dies zu einem realen Wertverlust führen, selbst wenn die nominale Wertentwicklung der Anlage positiv ist.

Aktien

Investoren sollten selektive, politisch getriebene Chancen erwarten – und keinen breiten Reflationstrade. Die konsistentesten Profiteure sind Sektoren im Einklang mit Innovation, Modernisierung der Lieferketten, Dekarbonisierung und Kapitalmarktreformen, während immobiliennahe sowie güterkonsumbezogene Sektoren kurzfristig nur begrenzte Katalysatoren aufweisen.

Die Entwicklung der Aktienmärkte dürfte maßgeblich davon abhängen, wie effektiv Anti-Involution-Maßnahmen, SOE-Reformen sowie kapitalmarktpolitische Initiativen umgesetzt werden. Die inländische politische Unterstützung (Dividenden, Aktienrückkäufe, SOE-Reformen, Innovationsförderung) dürfte dabei vor allem A-Aktien zugutekommen und weniger den Internetplattformunternehmen, die das H-Aktien-Segment dominieren.

Abbildung 6: China-A-Aktien dürften dank politischer Unterstützung selektiv besser abschneiden

Zwei-Linien-Diagramm, indexiert auf 100 (16. März 2021), Zeitraum: März 2021 bis März 2026: China A-Aktien (hellblaue Linie) entwickeln sich insgesamt seitwärts bis leicht positiv und steigen ab 2024/2025 deutlich auf rund 120. China-H-Aktien (dunkelblaue Linie) fallen 2021/2022 stark, erholen sich ab 2024 teilweise, bleiben bis März 2026 jedoch deutlich unter dem Ausgangsniveau bei rund 75–80.

Quelle: LSEG Datastream, Deutsche Bank AG. Datenstand: 16. März 2026. Die bisherige Wertentwicklung lässt keine Rückschlüsse auf die künftige Wertentwicklung zu. Die Wertentwicklung bezieht sich auf einen Nominalwert, der auf Kursgewinnen/-verlusten beruht und die Inflation nicht berücksichtigt. Die Inflation wirkt sich negativ auf die Kaufkraft dieses nominalen Geldwerts aus. Je nach aktuellem Inflationsniveau kann dies zu einem realen Wertverlust führen, selbst wenn die nominale Wertentwicklung der Anlage positiv ist.

Sektoren mit strukturellem Rückenwind aus dem Fünfjahresplan:

  • Technologie, Halbleiter & KI
    Technologie bleibt der zentrale Pfeiler des 15. Fünfjahresplans. Die Politik unterstützt explizit Halbleiter, künstliche Intelligenz, Embodied Intelligence, Robotik, fortgeschrittene Industriemaschinen, 6G, Biotechnologie sowie Energietechnologien der Zukunft. Der Zugang zu Kapital wird durch die Normalisierung von IPOs, die Erleichterung von M&A-Transaktionen sowie durch einen geplanten nationalen M&A-Fonds verbessert, der helfen soll, Anti-Involutions-Druck zu reduzieren und Konsolidierung zu ermöglichen.
  • Industrie & Advanced Manufacturing
    Der FYP bekräftigt Chinas Vorstoß zur Modernisierung der industriellen Basis, mit gezielten Investitionen in Stromnetze, smarte Infrastruktur, Rechen- und Computingkapazitäten, Logistik, Transport sowie die Low-Altitude-Economy (z. B. Drohnen, Hubschrauber, elektrische Senkrechtstarter). China vereint bereits rund 40 Prozent des globalen Robotikmarktes auf sich; die Nachfrage nach Drohnen und Servicerobotern dürfte mit zunehmender kommerzieller Nutzung weiter steigen. Chinas technologische Führungsrolle in Robotik und Automatisierung dürfte sich – gestützt durch Skaleneffekte, Talenttiefe und politische Kohärenz – weiter ausbauen.
  • Grüne Energie
    Chinas Dekarbonisierungsziele bis 2030 – eine Reduktion der CO₂-Emissionen je BIP-Einheit um 17 Prozent sowie ein Anteil nicht fossiler Energien von 25 Prozent – sind zunehmend klar definiert und begünstigen Erneuerbare, Netzinfrastruktur, Energiespeicherung und Wasserstoff. Zudem unterstützt die Politik Null-Emissions-Transportkorridore und den Ausbau der Ladeinfrastruktur. Die Abdeckung von E-Ladepunkten an Autobahnraststätten liegt bereits bei 98,8 Prozent; geplant ist eine Ausweitung der Hochleistungsladekapazitäten, um Engpässe zu reduzieren – positiv für EV-Durchdringung und Netzinvestitionen.
  • Konsumgüter (Consumer Discretionary)
    Während die Stärkung des Konsums ein mittelfristiges politisches Ziel unter NVK und Fünfjahresplan bleibt, ist die kurzfristige Unterstützung weiterhin begrenzt. Maßnahmen zur Förderung des Dienstleistungskonsums umfassen Trade-in-Programme, Konsumentenkreditunterstützung sowie Initiativen zur Glättung saisonaler Nachfrage, etwa durch gestaffelte Schulferien und erweiterten bezahlten Urlaub. Ziel ist die Stützung von Inlandstourismus und Dienstleistungsausgaben ohne einen breit angelegten Haushaltsstimulus.

Allerdings wurden konkrete Umsatzstimulusmaßnahmen wie Abwrackprämien gegenüber dem Vorjahr gekürzt, und der Ausbau der sozialen Sicherungssysteme verläuft weiterhin schrittweise. Innerhalb des Konsumsegments sind daher dienstleistungsorientierte Bereiche – insbesondere Reisen und Freizeit, Seniorenbetreuung, Sport und Bildung – stärker mit den gezielten politischen Prioritäten im Einklang als güterlastige Kategorien. Aktuelle Mond-Neujahrs-Daten zeigen eine Stabilisierung der Mobilität, jedoch weiterhin wertorientiertes Konsumverhalten, was auf normalisierte Volumina ohne kräftige Erholung hindeutet – passend zu einem Konsum, der sich auf einem niedrigeren Gang einpendelt.

Historische Wertentwicklung

Historische Wertentwicklung unterschiedlicher Indizes, Wechselkurse und Wertpapiere in den vergangenen fünf Jahreszeiträumen. Bitte wenden Sie sich für einen Überblick an Ihre Beraterin oder Ihren Berater bei der Deutschen Bank.

Quelle: Deutsche Bank AG, Bloomberg Finance L.P., LSEG Datastream; Stand: 16. März 2026. Die bisherige Wertentwicklung lässt keine Rückschlüsse auf die künftige Wertentwicklung zu. Die Wertentwicklung bezieht sich auf einen Nominalwert, der auf Kursgewinnen/-verlusten beruht und die Inflation nicht berücksichtigt. Die Inflation wirkt sich negativ auf die Kaufkraft dieses nominalen Geldwerts aus. Je nach aktuellem Inflationsniveau kann dies zu einem realen Wertverlust führen, selbst wenn die nominale Wertentwicklung der Anlage positiv ist.

Glossar

  • A-Aktien (A Shares) bezeichnen Unternehmen, die an den chinesischen Festlandbörsen notiert sind, in Renminbi (RMB) denominiert werden und den Onshore-Markt repräsentieren.
  • Anti-Involution: Politik zur Eindämmung übermäßigen Wettbewerbs, von Überkapazitäten und ineffizienter Ressourcenallokation in China.
  • Beta (Markt-Beta): Kennzahl für die Sensitivität einer Anlage gegenüber Bewegungen des Gesamtmarktes.
  • BIP (Bruttoinlandsprodukt): Gesamtwert aller im Inland produzierten Waren und Dienstleistungen innerhalb eines Jahres, ohne Berücksichtigung von Vorleistungen. Das reale BIP ist inflationsbereinigt.
  • Carry Trade/carry-freundliches Umfeld: Strategie, bei der Investoren von Zinsdifferenzen profitieren, indem sie in höher rentierliche Anlagen investieren, während Finanzierungskosten niedriger sind.
  • CNH (Offshore Renminbi): international handelbare Form des Renminbi, die außerhalb Festlandchinas (v. a. Hongkong) genutzt wird.
  • CNY ist der Währungscode für den chinesischen Yuan.
  • CPI (Verbraucherpreisindex): misst die Preisentwicklung eines Waren- und Dienstleistungskorbs, der den typischen Konsum eines privaten Haushalts abbildet.
  • CSI 300: breit gefasster Index aus 300 großen, besonders liquiden Unternehmen der Börsen in Shanghai und Shenzhen.
  • CSI Green Energy: Index für chinesische Unternehmen aus den Bereichen erneuerbare Energien, Speichertechnologien und grüne Infrastruktur.
  • Deflation/Deflationsdruck: anhaltender Rückgang des allgemeinen Preisniveaus, häufig ausgelöst durch schwache Nachfrage oder Überkapazitäten.
  • Fair-Trade-Bestimmungen: US-Regelwerk zur Sicherstellung fairer Wettbewerbsbedingungen im internationalen Handel; Grundlage für Untersuchungen und potenzielle Strafmaßnahmen.
  • Fiskalemission: Ausgabe staatlicher Anleihen zur Finanzierung öffentlicher Ausgaben oder zur Stimulierung der Wirtschaft.
  • Fixings (CNY Fixing): tägliche Referenzkurse der PBoC, die als Leitplanke für den Handel des Renminbi dienen.
  • Fünfjahresplan (Five Year Plan, FYP): ist das zentrale wirtschafts- und sozialpolitische Leitdokument Chinas und legt für einen Zeitraum von fünf Jahren die strategischen Prioritäten, Sektorschwerpunkte und die Reformagenda fest.
  • FX-Konversionsquote: Anteil der exportierten oder eingenommenen Fremdwährung, den Unternehmen in lokale Währung umwandeln.
  • H-Aktien (H Shares) bezeichnen Unternehmen, die in Festlandchina gegründet, jedoch an der Hongkonger Börse notiert sind, in HKD gehandelt werden und den Offshore-Markt repräsentieren.
  • Handelsüberschuss: positiver Saldo der Exporte gegenüber den Importen eines Landes.
  • IEEPA (International Emergency Economic Powers Act): Präsident Trump berief sich wiederholt darauf, um US-Importzölle auf Niveaus anzuheben, wie sie zuletzt in den 1930er-Jahren zu beobachten waren.
  • Immobiliennahes Kreditsegment: Kreditsektor, der eng mit dem Immobilienmarkt verbunden ist, z. B. Bauträgerfinanzierungen oder Kredite an Lokalregierungsplattformen.
  • IPO (Initial Public Offering): erstmalige Aktienemission eines Unternehmens an einer Börse.
  • IWF (Internationaler Währungsfonds): wurde 1944 gegründet, umfasst 189 Mitgliedstaaten und setzt sich für internationale währungspolitische Zusammenarbeit, Wechselkursstabilität und eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung ein.
  • Leistungsbilanz: Bilanz eines Landes über Warenhandel, Dienstleistungen, Einkommen und Transfers mit dem Ausland. Ein Überschuss stützt häufig die Währung.
  • Leitzins: Von der Zentralbank festgelegter Zinssatz, der die Finanzierungskosten im Bankensystem und damit die gesamtwirtschaftliche Kreditvergabe beeinflusst.
  • LGFVs (Local Government Financing Vehicles) sind staatliche Investitionsgesellschaften in China, über die Lokalregierungen städtische Infrastruktur- und öffentliche Projekte finanzieren; sie führen faktisch zu einer umfangreichen außerbilanziellen Verschuldung.
  • Low Altitude Economy: Wirtschaftsaktivitäten unterhalb klassischer Flugrouten, z. B. Drohnen, Flugtaxis, Helikopterlogistik und automatisierte Luftfahrtsysteme.
  • M&A (Mergers & Acquisitions): Fusionen und Übernahmen; Transaktionen, durch die Unternehmen zusammengeführt oder gekauft werden.
  • Mindestreservesatz (Reserve Requirement Ratio, RRR): bezeichnet den Anteil der Einlagen, den Geschäftsbanken als Reserve bei der Zentralbank halten müssen.
  • MSCI China A Indizes: Aktienindizes der MSCI-Familie, die verschiedene Segmente des Onshore-Aktienmarktes abbilden, z. B. IT, Industrials, Consumer.
  • NVK (Nationaler Volkskongress): ist das gesetzgebende Organ Chinas, das jährlich im Frühjahr tagt. Der Ständige Ausschuss übernimmt die Gesetzgebungsarbeit zwischen den Sitzungen.
  • PBoC (People’s Bank of China): die Zentralbank der Volksrepublik China.
  • Politikbanken: staatlich gesteuerte Banken in China (z. B. CDB, Exim-Bank), die Entwicklungs-, Infrastruktur- und Industrieprojekte mit politischem Auftrag finanzieren.
  • Reales BIP: misst den inflationsbereinigten Wert aller in einem Jahr produzierten Endgüter und Dienstleistungen eines Landes zu konstanten Preisen.
  • Realrenditen: Renditen nach Abzug der Inflation – zentrale Kennzahl für die relative Attraktivität von Anleihemärkten.
  • Reflation: politisch oder preisgetriebenes Wiederanziehen des Preisniveaus nach einer Phase niedriger Inflation oder Deflation; signalisiert eine Normalisierung der Nachfrage oder steigende Kosten.
  • RMB (Renminbi) ist die offizielle Währung Chinas.
  • Section-122-Zölle: US-Zölle, die gemäß Section 122 des Trade Act verhängt werden können und niedrigere, aber gezielte Importabgaben ermöglichen.
  • Section-301-Zölle: Strafzölle der USA gemäß Section 301 des Trade Act bei „unfairen Handelspraktiken“; werden oft in geopolitischen oder handelspolitischen Konflikten genutzt.
  • Shanghai Composite Index: umfasst alle an der Börse Shanghai gehandelten Aktien.
  • SOE (State Owned Enterprise/staatseigenes Unternehmen): ist ein Unternehmen, das sich im Eigentum des Zentral- oder eines Lokalstaates befindet oder von diesem kontrolliert wird.
  • Sonderstaatsanleihen/ultralang laufende Staatsanleihen: Anleihen der Zentralregierung mit sehr langen Laufzeiten (z. B. 30–50 Jahre), typischerweise zur Finanzierung strategischer Projekte.
  • Trade-in-Subventionen: staatliche Austauschprämien zum Ersatz älterer Konsumgüter, insbesondere Fahrzeuge oder Haushaltsgeräte, zur Stützung des Konsums.
  • USD ist der Währungscode für den US-Dollar.
  • USD/CNY (Währungspaar): Wechselkurs zwischen US-Dollar und Renminbi; zentraler Indikator für Handelsströme und Kapitalbewegungen zwischen USA und China.
  • YoY (Year-over-Year): prozentuale Veränderung einer Kennzahl gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres.

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Redaktionsschluss: 13.03.2026, 15 Uhr

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