Aktien, Anleihen, Rohstoffe, Immobilien, Liquidität, Volkswirtschaft/Geldpolitik – 24.03.2026
Der Hormus-Schock: kein geradliniger Ausweg für die USA
Die wichtigsten Fakten:
- Längerer Schockmodus: Ölpreisvolatilität, straffere Finanzierungsbedingungen und wachsende Private Credit Fragilität erhöhen Preisauftriebsdruck und Sensitivität für Energie- und Zweitrundeneffekte.
- Fed bleibt vorsichtig: Basisszenario weiterhin zwei Zinssenkungen bis März 2027, spürbare Lockerung erst bei überzeugenderen Inflationsfortschritten.
- Allokation: Renditen global stärker fragmentiert, weniger Optimierung als Diversifikation gefragt.
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Iran-Krise: der Schock, der die globalen Märkte neu formt
Die Iran-Hormus-Krise hat sich zu einem prägenden makroökonomischen Schock entwickelt. Sie treibt geopolitische Risikoprämien nach oben und verändert die Positionierung über alle Anlageklassen hinweg. Was als gezielter Angriff begann, ist zu einer Mehrfrontenkonfrontation unter Beteiligung der USA, Israels und Iran-naher Gruppierungen eskaliert. Damit sind die Märkte in ein Regime eingetreten, in dem Energievolatilität und die Fragilität globaler Lieferketten die Risikobewertung dominieren.
Störungen rund um die Straße von Hormus – darunter Versuche der Verminung und kleinere Seegefechte – haben die globale Energierisikoprämie erhöht und die Flüsse von Rohöl und LNG beeinträchtigt. Ölvolatilität, unter Druck geratene Golf-Assets, starke Schwankungen an den globalen Aktienmärkten sowie Bewegungen an den Devisenmärkten spiegeln zunehmend veränderte Erwartungen hinsichtlich Angebotsstress, Inflationssensitivität und Eskalationsrisiken wider.
Die USA sind im Vergleich zu anderen Regionen (Europa und Asien) besser gegen Störungen rund um die Meerenge abgeschirmt, aber keineswegs immun. Zwar sind die USA – anders als Europa und Asien – Nettoexporteur von Energie, doch bedeutet „Nettoexporteur“ nicht „energieautark“. Im Kern liegt das Problem für die USA weniger im Volumen als in einer Diskrepanz bei der Rohölqualität. Die Abhängigkeit der USA von Energie aus dem Persischen Golf ist in den vergangenen drei Jahrzehnten deutlich gesunken – von rund 25 Prozent der gesamten Importe Ende der 1990er-Jahre auf etwa 8 Prozent heute –, während die Abhängigkeit von Lieferungen aus Kanada still und leise erheblich zugenommen hat. Kanada steht inzwischen für rund 60 Prozent der US-Rohöl- und Mineralölproduktimporte.
Dieser Wandel ist relevant, da die US-Schieferölproduktion überwiegend leichtes, schwefelarmes Öl liefert, während ein großer Teil der US-Raffineriekapazitäten für die Verarbeitung schwererer, schwefelreicher Sorten ausgelegt ist. Infolgedessen wird zusätzliches leichtes US-Rohöl häufig exportiert, während Raffinerien weiterhin ausländische Barrel – vor allem aus Kanada – importieren, um ausgelastet zu bleiben. Aggregiert betrachtet erscheinen die USA damit energieunabhängig und Nettoexporteur, bleiben jedoch strukturell von ausländischem Öl abhängig, wenn man weniger auf die reinen Volumina als auf die Qualität des Raffinerie-Inputs abstellt.
Da Energiemärkte global sind, gilt jedoch: Eine steigende Flut hebt alle Boote. Fällt die Produktion in der Golfregion aus, suchen ausländische Abnehmer nach alternativen Bezugsquellen, was die globale Nachfrage erhöht und letztlich die Preise weltweit steigen lässt. Dies treibt die Inflationserwartungen nach oben und setzt die Preisstabilitätskomponente des doppelten Mandats der US-Notenbank unter Druck. Die Lage wird zusätzlich dadurch verkompliziert, dass zugleich auch die zweite Mandatskomponente – maximale Beschäftigung – angesichts nachlassender wirtschaftlicher Dynamik infrage steht.
Außerhalb der USA sind die Spillover-Effekte ausgeprägter. Asien ist dem größten energiepolitischen Stress ausgesetzt, während Europa mit neuer Fragilität konfrontiert ist, just zu einem Zeitpunkt, an dem sich die Inflation nach der jüngsten Krise normalisiert. Die Golfstaaten müssen höhere Investitionsrisikoprämien mit regionalen Stabilitätsfragen in Einklang bringen. Gleichzeitig erhöhen eine uneinheitliche westliche Koordination sowie eine selbstbewusstere Positionierung Chinas und Russlands die Unsicherheit über die künftige Entwicklung der Energiemärkte.
Für Investoren verstärkt die Krise den Trend zu defensiveren und selektiveren Allokationen. Sie beschleunigt bestehende Entwicklungen: ein stärkerer Fokus auf Lieferkettenresilienz, eine dauerhaft höhere eingepreiste geopolitische Risikoprämie sowie ein Portfolioumfeld, in dem Schocks häufiger auftreten, globaler wirken und weniger gut diversifizierbar sind.
Hormus Krise: Öl Schock und Risikoprämien. Warum Anleger an langfristigen Portfolioerwartungen festhalten sollten.
Mit der Neujustierung geopolitischer Risikoprämien verlagert sich der Fokus zunehmend darauf, wie diese Belastungen mit dem grundlegenden Konjunkturpfad der US-Wirtschaft zusammenwirken.
US-Makroökonomie im Fokus
Status quo vor der Krise
Zu Beginn des Jahres 2026 verlangsamte sich die US-Wirtschaft, wuchs aber weiterhin. Das reale BIP für das vierte Quartal 2025 wurde kürzlich von ursprünglich 1,4 Prozent auf 0,7 Prozent gegenüber dem Vorquartal (saisonbereinigt, annualisierte Rate – SAAR) nach unten revidiert. Dabei spielten Effekte des Government Shutdowns eine Rolle, da die Staatsausgaben den Gesamtwert um einen vollen Prozentpunkt belasteten. Dennoch stellte dies einen deutlichen Rückgang gegenüber dem starken Wert von 4,4 Prozent im dritten Quartal dar. Für das erste Quartal 2026 deuten laufende Schätzungen – auf Basis des GDPNOW-Modells der Atlanta Fed – auf eine Erholung des Wachstums auf 2,7 Prozent QoQ (SAAR) hin, also weiterhin Wachstum, jedoch in moderaterem Tempo. Am Arbeitsmarkt setzte sich der Übergang von der „Great Resignation“ hin zu einem Umfeld des „Nicht-Einstellens, aber auch Nicht-Entlassens“ fort. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe bewegten sich weiterhin in einer Bandbreite von 200.000 bis 300.000, während die fortlaufenden Anträge zu Jahresbeginn sogar leicht zurückgingen. Gleichwohl haben die jüngste Schwäche bei den Beschäftigungszuwächsen außerhalb der Landwirtschaft (etwa der Rückgang um 92.000 im vergangenen Monat) sowie ein Nachlassen der JOLTS-Daten Zweifel an der Robustheit des Arbeitsmarktes geweckt. Insgesamt sendeten diese Indikatoren eine einheitliche Botschaft: Der Arbeitsmarkt kühlte sich ab, und erste Risse wurden bereits zu Jahresbeginn sichtbar. Dieser Momentumverlust bei Beschäftigung und Wachstum spiegelte sich auch in den geldpolitischen Erwartungen wider: Vor dem Iran-Konflikt waren für die Fed bis Ende 2026 rund 2,4 Zinssenkungen eingepreist.
Aktueller Stand des Konflikts
Die globalen Energieflüsse sind erheblich gestört; die Straße von Hormus ist faktisch geschlossen. Zum Vergleich: Vor Ausbruch des Konflikts lag die 30-Tage-Durchschnittszahl der von Ost nach West passierenden Schiffe bei rund 47 pro Tag. Seit dem 27. Februar beträgt dieser Wert im Schnitt nur noch etwa zwei. Die Meerenge ist ein zentraler Engpass für den globalen Energiehandel, da rund 27 Prozent des weltweiten seegestützten Ölhandels durch sie verlaufen. Jede länger anhaltende Unterbrechung dieser Flüsse könnte die Weltwirtschaft belasten und globale Lieferketten massiv beeinträchtigen. Erste Anzeichen von Rationierung sind bereits sichtbar: Einzelne asiatische Länder haben viertägige Arbeitswochen eingeführt, um Kraftstoff zu sparen.
Als Reaktion auf die Störungen in der Straße von Hormus verfolgen Regierungen einen zweigleisigen Politikansatz. Zu den bereits umgesetzten Maßnahmen zählen eine rekordhohe, koordinierte Freigabe strategischer Ölreserven unter Führung der USA sowie Steuersenkungen auf Kraftstoffe und Verbraucher¬subventionen in mehreren Ländern, um Inflations-übertragungen zu begrenzen. Zudem gab es Anpassungen auf Produzentenseite, etwa indem Saudi-Arabien einen Teil seiner Exporte über bestehende Pipeline-Infrastruktur umleitete. Demgegenüber bleiben mehrere stark beachtete Maßnahmen bislang eher angekündigt als umgesetzt – insbesondere die Eskorte von Tankern durch die US-Marine. Zwar wurde dies öffentlich diskutiert, bislang gibt es jedoch keine bestätigten begleiteten Durchfahrten durch die Meerenge. In der Summe haben die bisherigen Schritte den kurzfristigen Marktdruck gemildert und Zeit gewonnen, doch die Maßnahmen, die eine Wiederherstellung der physischen Schifffahrtsströme am unmittelbarsten ermöglichen würden – allen voran die Garantie einer sicheren Passage durch die Meerenge –, bleiben an Bedingungen geknüpft. Entsprechend reagieren die Energiemärkte weiterhin äußerst sensibel auf die sich wandelnde Sicherheitslage.
Eines ist dabei jedoch deutlich geworden: Die bislang tatsächlich umgesetzten politischen Maßnahmen konzentrieren sich stark auf Öl (Freigaben aus strategischen Ölreserven). Dies spiegelt möglicherweise die eingeübten Reaktionsmuster der Politik im Umgang mit Energiekrisen wider. Demgegenüber existiert weder eine vergleichbare strategische Reserve noch eine koordinierte politische Antwort für LNG, raffinierte Produkte oder Düngemittel – obwohl Störungen in diesen Märkten volkswirtschaftlich ebenso gravierend sein könnten, insbesondere aufgrund ihrer nachgelagerten Auswirkungen auf globale Lieferketten.
Abbildung 1: Schiffsaufkommen in der Straße von Hormus (Ost–West)
Bloomberg, Deutsche Bank AG. Datenstand: 18. März 2026. Die bisherige Wertentwicklung lässt keine Rückschlüsse auf die künftige Wertentwicklung zu. Die Wertentwicklung bezieht sich auf einen Nominalwert, der auf Kursgewinnen/-verlusten beruht und die Inflation nicht berücksichtigt. Die Inflation wirkt sich negativ auf die Kaufkraft dieses nominalen Geldwerts aus. Je nach aktuellem Inflationsniveau kann dies zu einem realen Wertverlust führen, selbst wenn die nominale Wertentwicklung der Anlage positiv ist.
Abbildung 2: Volumen von Rohöl, Kondensaten und Mineralölprodukten, die durch die Straße von Hormus transportiert wurden (2020–1. Quartal 2025) (Millionen Barrel pro Tag)
Quelle: US Energy Information Administration, Short-Term Energy Outlook, Juni 2025, sowie Analysen der US Energy Information Administration auf Basis von Vortexa-Tankerverfolgungsdaten. Die bisherige Wertentwicklung lässt keine Rückschlüsse auf die künftige Wertentwicklung zu. Die Wertentwicklung bezieht sich auf einen Nominalwert, der auf Kursgewinnen/-verlusten beruht und die Inflation nicht berücksichtigt. Die Inflation wirkt sich negativ auf die Kaufkraft dieses nominalen Geldwerts aus. Je nach aktuellem Inflationsniveau kann dies zu einem realen Wertverlust führen, selbst wenn die nominale Wertentwicklung der Anlage positiv ist.
Wohin die Reise gehen könnte
All dies zusammengenommen sieht die Welt heute ganz anders aus als vor dem Iran-Konflikt am 27. Februar – ganz zu schweigen vom Jahresanfang. Wenig überraschend ist es infolge der anhaltenden Störungen zu einem parallelen Anstieg im gesamten Energiesektor gekommen, mit besonders starkem Stress bei LNG, europäischem Erdgas sowie bei raffinierten Produkten insgesamt.
Man könnte nun argumentieren, dass US-Verbraucher in der Lage sind, diesen Energiepreisschock zu verkraften, da sie bereits den Energiepreisschock im Zusammenhang mit der russischen Invasion in der Ukraine im Februar 2022 bewältigt haben.
Allerdings unterscheiden sich die Rahmenbedingungen für Verbraucher und Arbeitsmarkt heute deutlich von denen im Februar 2022. Das reale Einkommenswachstum steht – bereinigt um Transferzahlungen – kurz davor, ins Negative zu drehen, wodurch den Haushalten deutlich weniger Puffer zur Abfederung höherer Energiekosten bleibt. Gleichzeitig hat sich am Arbeitsmarkt eindeutig Spielraum aufgebaut: Die Zahl der offenen Stellen hat sich gegenüber dem Höchststand nahezu halbiert, und das Nettobeschäftigungswachstum ist marginal. Zudem haben sich die Einzelhandelsumsätze stark von ihren stimulusgetriebenen Nach-Pandemie-Höchstständen entfernt, wobei das jährliche Wachstum unter der Gesamtinflation liegt.
In der Gesamtschau deutet dies darauf hin, dass US-Verbraucher den Energieschock von 2022 zwar aus einer Position der Stärke heraus verkraften konnten, der heutige Schock jedoch auf eine Volkswirtschaft trifft, die geringere Einkommensdynamik, schwächere Arbeitsmarktdynamiken und weniger Fähigkeit aufweist, einen weiteren anhaltenden Anstieg der Energiepreise zu absorbieren.
Abbildung 3: Preisentwicklung seit dem Iran-Konflikt
Quelle: Bloomberg, Deutsche Bank AG. Datenstand: 17. März 2026. Die bisherige Wertentwicklung lässt keine Rückschlüsse auf die künftige Wertentwicklung zu. Die Wertentwicklung bezieht sich auf einen Nominalwert, der auf Kursgewinnen/-verlusten beruht und die Inflation nicht berücksichtigt. Die Inflation wirkt sich negativ auf die Kaufkraft dieses nominalen Geldwerts aus. Je nach aktuellem Inflationsniveau kann dies zu einem realen Wertverlust führen, selbst wenn die nominale Wertentwicklung der Anlage positiv ist.
Abbildung 4: Makroökonomische Indikatoren
Quelle: BEA, FRED, Deutsche Bank AG. Datenstand: 16. März 2026 bzw. letzte verfügbare Datenveröffentlichung. Die bisherige Wertentwicklung lässt keine Rückschlüsse auf die künftige Wertentwicklung zu. Die Wertentwicklung bezieht sich auf einen Nominalwert, der auf Kursgewinnen/-verlusten beruht und die Inflation nicht berücksichtigt. Die Inflation wirkt sich negativ auf die Kaufkraft dieses nominalen Geldwerts aus. Je nach aktuellem Inflationsniveau kann dies zu einem realen Wertverlust führen, selbst wenn die nominale Wertentwicklung der Anlage positiv ist.
Implikationen für die Anlageklassen
Anleihen
Der Iran-Konflikt hat die Märkte klar zurück in Richtung Inflationsrisiken verschoben und die Renditen am langen Ende nach einem starken Jahresauftakt nach oben getrieben. Vor der Eskalation hatten US-Staatsanleihen deutlich zugelegt: Die Rendite 10-jähriger Treasuries war unter 4 Prozent gefallen, während die 2-jährige Rendite neue Zyklustiefs erreichte, da Investoren zunehmend von einem disinflationsgetriebenen Lockerungszyklus überzeugt waren. Diese Dynamik hat sich jedoch umgekehrt. Seit Ende Februar sind die Renditen 10- und 30-jähriger US-Anleihen um rund 30 Basispunkte gestiegen, ausgelöst durch eine deutliche Neubewertung der kurzfristigen Inflationserwartungen. Die 1-jährigen Breakeven-Inflationsraten sind von etwa 2,3 Prozent zu Jahresbeginn auf rund 5,0 Prozent gestiegen und spiegeln eine erhöhte Sensitivität gegenüber energiebedingten Preisschocks wider.
Entsprechend haben sich auch die geldpolitischen Erwartungen angepasst. Am Terminmarkt für Fed Funds waren bis Ende 2026 zuvor rund 2,5 Zinssenkungen eingepreist, inzwischen werden jedoch keine Senkungen mehr erwartet. Zudem handeln die 2-jährigen Renditen wieder oberhalb der Obergrenze des Fed-Funds-Zielkorridors – zum ersten Mal seit der regionalen Bankenkrise im Jahr 2023. Diese Verschiebung kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt für zinssensitive Bereiche der Realwirtschaft, insbesondere für den Immobiliensektor, da die Frühjahrssaison mit deutlich geringeren Aussichten auf geldpolitische Entlastung beginnt. In der Gesamtschau senden die Zinsmärkte ein klares Signal: Der Konflikt verstärkt Inflationssorgen in einer Phase bereits nachlassenden Wachstums. Letztlich könnte dies den Zentralbanken deutlich weniger Spielraum lassen, zugunsten einer expansiveren Geldpolitik zur Stützung der wirtschaftlichen Aktivität zu reagieren.
Aktien
Die Aktienmarktentwicklung zu Beginn des Jahres entsprach weitgehend dem makroökonomischen Umfeld vor Ausbruch des Konflikts: nachlassende Inflation, sinkende Renditen und eine ausgeprägte defensiv-spätzyklische Positionierung. Immobilien, Gesundheitswesen, Basiskonsumgüter, Versorger sowie spätzyklische Sektoren wie Industrie, Grundstoffe und Energie entwickelten sich relativ besser, während stärker prozyklische Bereiche wie Finanzwerte, zyklischer Konsum und Technologie hinterherhinkten.
Abbildung 5: S&P-500-GICS-Sektorperformance (vor und nach Iran-Konflikt)
Quelle: FactSet, Total-Return-Daten, Deutsche Bank AG. Datenstand: 17. März 2026. Die bisherige Wertentwicklung lässt keine Rückschlüsse auf die künftige Wertentwicklung zu. Die Wertentwicklung bezieht sich auf einen Nominalwert, der auf Kursgewinnen/-verlusten beruht und die Inflation nicht berücksichtigt. Die Inflation wirkt sich negativ auf die Kaufkraft dieses nominalen Geldwerts aus. Je nach aktuellem Inflationsniveau kann dies zu einem realen Wertverlust führen, selbst wenn die nominale Wertentwicklung der Anlage positiv ist.
Die Dynamik nach Ausbruch des Konflikts hat die Marktführerschaft neu ausgerichtet – weitgehend im Einklang mit einem risikoseitig stagflationsgeprägten Umfeld. Der Energiesektor hat sich zum klaren Spitzenreiter entwickelt, gestützt durch angebotsbedingte Risikoprämien und erhöhte Rohölpreise. Auch Technologie und Versorger konnten an der Erholung teilhaben, was eine Kombination aus Qualitätspräferenzen und hoher Ertragsvisibilität widerspiegelt. Die relative Underperformance klassischer defensiver Sektoren wie Basiskonsumgüter und Gesundheitswesen ist vor dem makroökonomischen Hintergrund schwerer zu erklären, dürfte jedoch auf Positionierungsüberhänge und bereits zu Jahresbeginn ambitionierte Bewertungen zurückzuführen sein.
Die geografische Streuung fiel deutlich aus. Märkte mit unmittelbarer Nähe zum Konflikt oder hoher Abhängigkeit von Energieimporten verzeichneten die stärksten Rückgänge. Die Entwicklung des S&P 500 (rund –2,3 Prozent) steht dabei in starkem Kontrast zu derjenigen des MSCI Südkorea (–12,9 Prozent), des MSCI Japan (–9,5 Prozent) und des MSCI Deutschland (–8,4 Prozent) seit Beginn des Konflikts (27. Februar bis 17. März 2026). Der Status der USA als Nettoenergieexporteur wirkte dabei als Puffer und schirmte sie gegenüber deutlich stärker angebotsbeschränkten Regionen wie Asien und Europa ab.
Abbildung 6: G20-Länder – Nettoenergieimporte in Prozent des Energieverbrauchs
Quelle: Weltbankgruppe, IEA, Deutsche Bank AG. Datenstand: 31. Dezember 2022. Die bisherige Wertentwicklung lässt keine Rückschlüsse auf die künftige Wertentwicklung zu. Die Wertentwicklung bezieht sich auf einen Nominalwert, der auf Kursgewinnen/-verlusten beruht und die Inflation nicht berücksichtigt. Die Inflation wirkt sich negativ auf die Kaufkraft dieses nominalen Geldwerts aus. Je nach aktuellem Inflationsniveau kann dies zu einem realen Wertverlust führen, selbst wenn die nominale Wertentwicklung der Anlage positiv ist.
US-Sektoren im Fokus
Die sektorale Reaktion spiegelt drei sich überlagernde Faktoren wider: die Weitergabe von Energiepreisen, die Inflationssensitivität sowie die Nähe zum Konflikt.
Energie
Der klare Top-Performer nach Ausbruch des Konflikts, getragen von hohen Rohölpreisen, einer ausgeweiteten Risikoprämie und globaler Angebotsunsicherheit.
Ausblick: Kurzfristig bleibt die Unterstützung robust, da angebotsbedingte Risikoprämien im Markt verankert sind. Mittelfristig dürfte sich die Renditedynamik mit der Stabilisierung der Preise abschwächen, doch Bilanzstärke und robuste Cashflows verleihen dem Sektor strukturelle Widerstandsfähigkeit. Innerhalb des Sektors stechen Upstream-Unternehmen, integrierte Ölkonzerne und Raffinerien hervor, da sie eine höhere Cashflow-Hebelwirkung auf steigende und volatilere Ölpreise in einem Umfeld von Angebotsstörungen aufweisen.
Technologie
Trotz seines prozyklischen Charakters profitiert der Technologiesektor von der anhaltenden Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Ertragsströmen, insbesondere in den Halbleiter- und halbleiternahen Teilsegmenten. Die Erholung des Sektors passt weniger zu zyklischem Optimismus als vielmehr zum Thema „Qualitätswachstum in einem Umfeld erhöhter Unsicherheit“.
Ausblick: Kurzfristig dürfte die Führungsrolle anhalten, da die Märkte Ertragsvisibilität bevorzugen. Mittelfristig wird die Performance stärker von der Entwicklung der Unternehmensinvestitionen, der Monetarisierung von KI sowie der Nachhaltigkeit des Gewinnwachstums abhängen als von geopolitischen Rotationen.
Insgesamt bleiben KI-Infrastruktur, Hyperscaler sowie Verteidigungs-, Cybersecurity- und sicherheitsnahe Technologiebereiche durch säkulare Nachfragetrends unterstützt, die vergleichsweise wenig anfällig für Energiepreisvolatilität sind.
Versorger
Gestützt durch defensive Positionierung, stabile Cashflows und teilweise Weitergabe höherer Energiepreise. Die Performance reflektiert vor allem die Nachfrage nach Stabilität und weniger eine Wachstumsrotation.
Ausblick: Die defensive Nachfrage dürfte anhalten, solange die makroökonomische Unsicherheit erhöht bleibt. Auf längere Sicht sorgen regulierte Erträge für Stabilität, das Aufwärtspotenzial des Sektors bleibt jedoch begrenzt, solange die langfristigen Zinsen nicht deutlich nachgeben.
Defensive Sektoren (Basiskonsumgüter und Gesundheitswesen)
Das auffällige Ausbleiben einer stärkeren Anschlussperformance stellt im Vergleich zu den makroökonomischen Signalen eine schwer erklärbare Abweichung dar. Positionierungsüberhänge, Bewertungsrestriktionen und sektorspezifische Gewinnprobleme könnten trotz grundsätzlich unterstützender Rahmenbedingungen für defensive Häfen zur schwächeren Entwicklung beitragen.
Ausblick: Kurzfristig könnte die Performance aufgrund bereits stark ausgelasteter Positionierungen begrenzt bleiben. Langfristig spricht die Ertragsresilienz der Sektoren jedoch für eine schrittweise Neubewertung, wenn die Volatilität breiter wird und Investoren wieder verstärkt in stabile Ertragsprofile rotieren. Basiskonsumgüter mit Preissetzungsmacht sowie große Pharma- und Managed-Care-Unternehmen tendieren dabei zu einer besseren Entwicklung, da sie weniger energiepreissensitiv sind und über stabile Nachfrageprofile verfügen.
Zyklische Sektoren (Industrie, Grundstoffe)
Vor dem Konflikt hielten sich diese Segmente relativ gut, da spätzyklische Bereiche von einer noch stabilen Aktivität profitierten. Diese Widerstandsfähigkeit könnte jedoch nachlassen, wenn höhere Energiekosten die Margen belasten und das globale Wachstum dämpfen.
Ausblick: Kurzfristig geraten die Margen durch erhöhte Inputkosten unter Druck. Die mittel- bis langfristigen Perspektiven hängen davon ab, ob das globale Wachstum diesen Energiepreisschock verkraften kann. Innerhalb des Industriesektors könnten Verteidigung, Luft- und Raumfahrt sowie Infrastruktur von geopolitisch bedingten Ausgaben und Re-Shoring-Trends profitieren, während bei den Grundstoffen insbesondere Düngemittel und ausgewählte Chemiesegmente von verbesserten Preisdynamiken begünstigt werden.
Finanzwerte und zyklischer Konsum
Diese Sektoren bleiben am stärksten unter Druck. Höhere Renditen in Verbindung mit einer Marktneubewertung hin zu geringeren Erwartungen an Zinssenkungen verschärfen die finanziellen Bedingungen und könnten letztlich die Verbraucher belasten, da die realen Einkommen stagnieren. Insbesondere wohnungs- und immobiliennahe Segmente sind angesichts des Zinsanstiegs verwundbar.
Ausblick: Kurzfristig bleiben die Gegenwinde bestehen, da straffere Finanzierungsbedingungen, zunehmende Sorgen über den Private-Credit-Markt sowie schwaches reales Einkommenswachstum das Narrativ dominieren. Eine längerfristige Erholung hängt von einer Stabilisierung der Zinsen und einer Erholung der Kaufkraft der Haushalte ab.
Alternative Investments und thematische Assets
Die sich überlagernden geopolitischen Schocks, Belastungen des Finanzsystems und technologischen Umbrüche verändern die langfristige Architektur der Portfolioallokation. Dies könnte folgende Anlageklassen unterstützen:
- Gold, begünstigt durch Absicherungsnachfrage in einem Umfeld geopolitischer Instabilität und steigender Inflation.
- Sachwerte (Infrastruktur, Pipelines, Speicheranlagen) aufgrund ihrer Rolle bei der Redundanz und Absicherung von Lieferketten.
- Long/Short-Hedgefonds-Strategien, die von der erhöhten Streuung zwischen Sektoren und Regionen profitieren.
Abbildung 7: Relative Performance ggü. S&P 500 seit Beginn des Konflikts am 27.02.2026
Quelle: FactSet, Total-Return-Daten, Deutsche Bank AG. Datenstand: 17. März 2026. Die bisherige Wertentwicklung lässt keine Rückschlüsse auf die künftige Wertentwicklung zu. Die Wertentwicklung bezieht sich auf einen Nominalwert, der auf Kursgewinnen/-verlusten beruht und die Inflation nicht berücksichtigt. Die Inflation wirkt sich negativ auf die Kaufkraft dieses nominalen Geldwerts aus. Je nach aktuellem Inflationsniveau kann dies zu einem realen Wertverlust führen, selbst wenn die nominale Wertentwicklung der Anlage positiv ist.
Zusammenfassung
Der Iran-Hormus-Konflikt verkompliziert das ohnehin herausfordernde makroökonomische Umfeld weiter, das von anhaltender Energievolatilität und einem dynamischen globalen Wachstumsausblick geprägt ist. Die Märkte stellen sich zunehmend auf die Wahrscheinlichkeit eines länger anhaltenden Schockzeitraums ein, wobei ölpreisbedingte Volatilität, restriktivere Finanzierungsbedingungen und eine zunehmende Fragilität im Bereich Private Credit in den Schwellenländern das Verhalten über verschiedene Anlageklassen hinweg prägen. Zusammengenommen deuten diese Faktoren auf ein Umfeld mit etwas festeren zugrunde liegenden Preisauftriebstendenzen sowie einer höheren Sensitivität gegenüber Energiekosten und Zweitrundeneffekten hin.
Die US-Notenbank bleibt klar datenabhängig, wobei die erhöhte Unsicherheit einen schrittweisen und vorsichtigen Ansatz bei geldpolitischen Anpassungen verstärkt. Unser Basisszenario sieht weiterhin zwei zusätzliche Zinssenkungen bis März 2027 vor, wobei eine spürbare Lockerung erst bei klareren Fortschritten bei der Inflation wahrscheinlich wird.
Vor diesem Hintergrund verschiebt sich die Asset-Allokation weg von Optimierung hin zu Resilienz. Die Kombination aus kriegsbedingten Störungen, einer Neuordnung der Lieferketten und De-Globalisierungstrends spricht für stärker diversifizierte Engagements, die Makro-Regimerisiken absichern. Dieser Ansatz entspricht der sich wandelnden Investitionslandschaft, in der die Störung etablierter Lieferketten und zunehmende geopolitische Unsicherheit eine multiregionale Redundanz und breitere Risikopuffer erforderlich machen.
Die Signale über die Anlageklassen hinweg bleiben konsistent. Energieanlagen entwickeln sich weiterhin überdurchschnittlich, da die Risikoprämien erhöht bleiben. Ausgewählte Industriewerte mit Bezug zu Verteidigung, Re-Shoring und Lieferkettendiversifizierung erhalten strukturelle Unterstützung, während globale zyklische Sektoren mit Bezug zur asiatischen Energienachfrage unter dem stärksten Druck stehen. Zins- und kraftstoffintensive Segmente bleiben zurück, da Inflationssorgen die Nachfrage nach sicheren Häfen überwiegen. Gleichzeitig zeigen sich US-Aktien insgesamt widerstandsfähig trotz erhöhter Volatilität – gestützt durch eine relative Unabhängigkeit von Energieimporten, starke institutionelle Positionierung und robuste, KI-getriebene Investitionen, auch wenn die Sektorführerschaft häufiger wechselt.
Für die USA ergibt sich ein weicheres, aber nicht destabilisierendes makroökonomisches Bild: Die Inflation liegt höher als erwartet, das Wachstum ist moderat schwächer, und der Zinssenkungspfad der Fed verschiebt sich weiter nach hinten. Europa steht vor einem schwierigeren Zielkonflikt zwischen Energiepreisinflation und Wachstum, während Asien den größten Angebotsrisiken ausgesetzt ist. Global resultiert daraus ein stärker fragmentiertes Renditebild über Regionen und Sektoren hinweg, wobei eine anhaltend hohe Streuung ein prägendes Merkmal der Investmentlandschaft bleiben dürfte.
In diesem Umfeld ist es für Investoren wichtig, nicht auf kurzfristige Volatilität zu reagieren, sondern an langfristigen Portfolioerwartungen und individuellen Risikoprofilen festzuhalten. Die Märkte werden sich mit der weiteren Entwicklung des Konflikts weiter anpassen, doch Portfolios, die auf Diversifikation, Risikobudgetierung und Resilienz statt auf taktische Umschichtungen ausgerichtet sind, bleiben am besten positioniert, um eine potenziell längere Phase geopolitischer und makroökonomischer Unsicherheit zu bewältigen.
Historische Wertentwicklung
Quelle: Deutsche Bank AG, FactSet. Datenstand: 19. März 2026. Die bisherige Wertentwicklung lässt keine Rückschlüsse auf die künftige Wertentwicklung zu. Die Wertentwicklung bezieht sich auf einen Nominalwert, der auf Kursgewinnen/-verlusten beruht und die Inflation nicht berücksichtigt. Die Inflation wirkt sich negativ auf die Kaufkraft dieses nominalen Geldwerts aus. Je nach aktuellem Inflationsniveau kann dies zu einem realen Wertverlust führen, selbst wenn die nominale Wertentwicklung der Anlage positiv ist.
Glossar
- Die Erzeugerpreisinflation (PPI) misst die Veränderung der Preise, die Produzenten (z. B. Unternehmen) für ihre Erzeugnisse erhalten.
- Der Internationale Währungsfonds (IWF / IMF) wurde 1944 gegründet, umfasst 189 Mitgliedsländer und arbeitet an der Förderung der internationalen Währungszusammenarbeit, der Wechselkursstabilität sowie der wirtschaftlichen Entwicklung insgesamt.
- LNG steht für Liquefied Natural Gas (verflüssigtes Erdgas, überwiegend Methan) und LPG für Liquefied Petroleum Gas (Flüssiggas, hauptsächlich Propan und Butan). LPG ist ein Nebenprodukt der Rohölraffination.
- Das reale Bruttoinlandsprodukt (reales BIP) ist der inflationsbereinigte Wert aller in einem Land innerhalb eines Jahres produzierten Endgüter und Dienstleistungen, gemessen zu konstanten Preisen.
- Reales Einkommen bezeichnet das um Inflation bereinigte Einkommen einer Person oder eines Landes und spiegelt damit die tatsächliche Kaufkraft wider – im Gegensatz zum nominalen Geldbetrag.
- Reflation kann entweder eine Zunahme des Preisniveaus bezeichnen oder wirtschaftspolitische Maßnahmen, die auf eine Belebung der wirtschaftlichen Aktivität abzielen.
- Stagflation ist ein wirtschaftlicher Zustand, der durch das gleichzeitige Auftreten von schwachem oder stagnierendem Wirtschaftswachstum, hoher Arbeitslosigkeit und hoher Inflation gekennzeichnet ist.
- USD ist der Währungscode für den US-Dollar.
- Der Verbraucherpreisindex (VPI / CPI) misst die Preise eines Waren- und Dienstleistungskorbs, der auf dem typischen Konsum eines privaten Haushalts basiert.
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Redaktionsschluss: 23.03.2026, 15 Uhr