Aktien, Anleihen, Rohstoffe, Liquidität, Volkswirtschaft/Geldpolitik – 16.03.2026
EU-Mercosur-Abkommen: neue Chancen voraus
Die wichtigsten Fakten:
- Die vorläufige Anwendung des Freihandelsabkommens wurde von der Europäischen Kommission beschlossen.
- Die Auswirkungen auf Aktien werden voraussichtlich schrittweise im Zeitverlauf sichtbar, da die Zölle über einen Zeitraum von zehn bis 15 Jahren nach und nach abgebaut werden.
- Zu den Hauptnutznießern des Handelsabkommens dürften europäische Exporteure von Industriegütern und Investitionsgütern sowie Anbieter von Finanzdienstleistungen gehören, ebenso wie Mercosur-Unternehmen, die in der Gewinnung und Verarbeitung von natürlichen Ressourcen tätig sind.
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Einführung in das EU Mercosur Abkommen
Nach 25 Jahren Verhandlungen soll das EU Mercosur-Handelsabkommen nun vorläufig umgesetzt werden. Die Europäische Union (EU) und die Mercosur Staaten – Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay – unterzeichneten am 17. Januar 2026 das Interims-Handelsabkommen. Kurz darauf überwies das Europäische Parlament das Abkommen zur Prüfung seiner rechtlichen Grundlage an den Europäischen Gerichtshof (EuGH), ein Verfahren, das die endgültige Ratifizierung um mehrere Monate verzögern könnte. Trotz dieser noch ausstehenden juristischen Überprüfung beschloss die Europäische Kommission am Freitag, den 27. Februar, mit der vorläufigen Umsetzung des handelspolitischen Teils des Abkommens voranzugehen, nachdem Argentinien und Uruguay als erste Mercosur Staaten ihre innerstaatlichen Ratifizierungsverfahren abgeschlossen hatten. Dies ermöglicht es, zentrale Handelsbestimmungen bereits vor der vollständigen parlamentarischen Ratifizierung in Kraft treten zu lassen.
Das EU Mercosur Abkommen unterliegt weiterhin einer rechtlichen Überprüfung durch den Europäischen Gerichtshof (EuGH), was zu Unsicherheiten hinsichtlich der endgültigen Ratifizierung und des Zeitplans führt. Ungünstige Feststellungen könnten das vollständige Inkrafttreten verzögern, rechtliche Anpassungen erforderlich machen oder den Umfang der vorläufigen Anwendung einschränken und damit die erwarteten wirtschaftlichen und marktbezogenen Auswirkungen verzögern oder mindern.
Nach 25 Jahren Verhandlungen: EU Mercosur-Abkommen soll vorläufig umgesetzt werden. Wer sind die Hauptnutznießer?
Die Bestimmungen zu den Investitionsrahmenbedingungen, die unmittelbar in Kraft treten, verpflichten die Regierungen, den freien Kapitalverkehr zu ermöglichen und ihre nationale Finanzgesetzgebung auf ausländische EU Investoren auszuweiten. Die Regierungen sind somit verpflichtet, ausländische Investoren fair zu behandeln und transparente Entscheidungsprozesse sicherzustellen, was die Unsicherheit bei langfristigen Projekten verringert und EU Direktinvestitionen in Mercosur Ländern erleichtern dürfte. Die Investitionsrahmenbedingungen vereinfachen außerdem Handels und Zollprozesse, sodass die Einfuhr von Maschinen, Ausrüstung und Vorprodukten für Investitionsprojekte leichter und vorhersehbarer wird. Darüber hinaus öffnet das Abkommen Teile der öffentlichen Beschaffungsmärkte der Mercosur Staaten für EU Unternehmen auf transparenter und nicht diskriminierender Basis. Das verbessert den Zugang zu Infrastrukturprojekten und öffentlichen Einrichtungen, die für großangelegte Investitionen – insbesondere in den Sektoren Bergbau und Energie – von zentraler Bedeutung sind.
Sowohl die EU als auch Mercosur werden die Zölle auf über 90 Prozent der bilateralen Waren schrittweise abbauen oder reduzieren – nicht abrupt über Nacht. Die meisten Zölle sollen über einen Zeitraum von zehn bis 15 Jahren auslaufen.
Handelsstruktur zwischen der EU und Mercosur (aus EU-Perspektive) – Industrieexporte vs. Primärgüterimporte
Quelle: Europäische Kommission, Deutsche Bank AG. Datenstand: Juni 2025. Die bisherige Wertentwicklung lässt keine Rückschlüsse auf die künftige Wertentwicklung zu. Die Wertentwicklung bezieht sich auf einen Nominalwert, der auf Kursgewinnen/-verlusten beruht und die Inflation nicht berücksichtigt. Die Inflation wirkt sich negativ auf die Kaufkraft dieses nominalen Geldwerts aus. Je nach aktuellem Inflationsniveau kann dies zu einem realen Wertverlust führen, selbst wenn die nominale Wertentwicklung der Anlage positiv ist.
Die potenziellen Vorteile des Handelsabkommens beruhen auf einer starken strukturellen Komplementarität zwischen der EU und dem Mercosur Block. Während rund 86 Prozent der EU Exporte Industriegüter sind, bestehen nahezu 81 Prozent der Importe aus Mercosur Staaten aus Primärprodukten (siehe Abbildung 1). Abbildung 2 veranschaulicht diese Komplementarität, indem sie die Exportstrukturen der Länder mit dem Rest der Welt zeigt: EU Volkswirtschaften wie Deutschland und Spanien werden von Industrieexporten dominiert, während Mercosur Länder wie Brasilien und Argentinien stark von Primärgütern abhängig sind.
Exportstrukturen der Länder in den Rest der Welt (2024)¹
Quelle: Harvard Growth Lab, Deutsche Bank AG. Datenstand: 4. März 2026. ¹ Enge Definition von Industriegütern: Dazu zählen hochwertige Güter mit hoher Wertschöpfung, z. B. Elektronik, Maschinen, Fahrzeuge usw. Verarbeitete Lebensmittel (z. B. Sojamehl), einfache Metalle und raffiniertes Erdöl gelten als Primärgüter. Die bisherige Wertentwicklung lässt keine Rückschlüsse auf die künftige Wertentwicklung zu. Die Wertentwicklung bezieht sich auf einen Nominalwert, der auf Kursgewinnen/-verlusten beruht und die Inflation nicht berücksichtigt. Die Inflation wirkt sich negativ auf die Kaufkraft dieses nominalen Geldwerts aus. Je nach aktuellem Inflationsniveau kann dies zu einem realen Wertverlust führen, selbst wenn die nominale Wertentwicklung der Anlage positiv ist.
Industriegüter: Die Zollsenkungen für Investitions- und Industriegüter werden vorgezogen umgesetzt. Das bedeutet, dass die Zölle entweder sofort vollständig abgeschafft werden (beispielsweise für bestimmte Maschinen, mechanische Ausrüstungen sowie Präzisions- und Industrieinstrumente) oder innerhalb eines Zeitraums von etwa einem bis vier Jahren schrittweise auslaufen. Aus Sicht des Mercosur dürfte dieses Vorziehen des Zollabbaus Produktivitätsgewinne unterstützen, indem es die Kapitalkosten senkt und den Zugang zu fortgeschrittenen europäischen Technologien erleichtert. Der derzeitige durchschnittliche Mercosur Zoll auf diese Güter liegt bei 10 Prozent und dürfte in den kommenden Jahren auf etwa 2 Prozent sinken. Aus EU Sicht eröffnet sich damit ein breiter Markt für Exporte von Investitions- und Industriegütern, wobei Deutschland als industrielles Kernland voraussichtlich der größte Profiteur sein wird.
Die EU zieht auch im Bereich Bergbau & Metalle Zollsenkungen vor, um sich den Zugang zu Rohstoffen und kritischen Mineralien aus dem Mercosur zu sichern. Die EU Zölle liegen bereits jetzt auf einem niedrigen Niveau von 0,3 Prozent bis 2,8 Prozent und werden auf 0 Prozent reduziert.
Energie: Zölle auf Energieprodukte waren bereits vor der Ratifizierung des Abkommens zwischen den beiden Handelsblöcken auf null gesetzt, sodass der direkte Nutzen aus einer Zollbefreiung begrenzt ist. Der eigentliche Wert des Abkommens liegt jedoch in den oben beschriebenen Investitionsrahmenbedingungen, die EU Direktinvestitionen in die umfangreichen Energie und Bergbausektoren der Mercosur Länder erleichtern sollten. Dies könnte sich in potenziellen Vorteilen durch höhere Kapitalzuflüsse, die Entwicklung neuer Projekte und Technologietransfer niederschlagen.
Digitale und Finanzdienstleistungen: Bestimmungen zur Verringerung regulatorischer und operativer Hürden für den grenzüberschreitenden Handel mit digitalen Dienstleistungen und Finanzdienstleistungen sollen den Marktzugang und die Rahmenbedingungen verbessern. Besonders profitieren dürften EU Banken und Finanzinstitute, die bereits eine etablierte Präsenz in Mercosur Ländern haben.
Im Agrarsektor wird die EU jedoch für bestimmte Bereiche weiterhin einen gewissen Schutz aufrechterhalten, indem sie einen bevorzugten Marktzugang vor allem über Zollkontingente gewährt. Dabei werden die Einfuhrmengen für Rind und Geflügelfleisch ausdrücklich begrenzt.
Auswirkungen für Anleger
Angesichts des schrittweisen Abbaus der Zölle (in einigen Fällen über einen Zeitraum von zehn bis 15 Jahren) werden die Auswirkungen des EU Mercosur Abkommens auf die Aktienmärkte voraussichtlich vor allem mittel- bis langfristig sichtbar. Das Abkommen dürfte eine kontinuierliche Neuverteilung von Wachstumspotenzialen über verschiedene Sektoren hinweg in den Märkten der EU und des Mercosur unterstützen, wobei Ausmaß und Timing je nach Branche variieren. Dieser Abschnitt hebt die Volkswirtschaften hervor, die voraussichtlich am stärksten profitieren werden – nämlich Deutschland, Spanien, Portugal, Brasilien und Argentinien (siehe Abbildung 3 und Abbildung 4).
Kumulierte Gesamterträge von Aktienindizes (indexiert: 25. Januar 2020 = 100, in EUR)
Quelle: LSGE Datastream, Deutsche Bank AG. Datenstand: 4. März 2026. Die bisherige Wertentwicklung lässt keine Rückschlüsse auf die künftige Wertentwicklung zu. Die Wertentwicklung bezieht sich auf einen Nominalwert, der auf Kursgewinnen/-verlusten beruht und die Inflation nicht berücksichtigt. Die Inflation wirkt sich negativ auf die Kaufkraft dieses nominalen Geldwerts aus. Je nach aktuellem Inflationsniveau kann dies zu einem realen Wertverlust führen, selbst wenn die nominale Wertentwicklung der Anlage positiv ist.
BIP (indexiert: 25. Januar 2020 = 100, konstante Preise)
Quelle: LSGE Datastream, Deutsche Bank AG. Datenstand: 4. März 2026. Die bisherige Wertentwicklung lässt keine Rückschlüsse auf die künftige Wertentwicklung zu. Die Wertentwicklung bezieht sich auf einen Nominalwert, der auf Kursgewinnen/-verlusten beruht und die Inflation nicht berücksichtigt. Die Inflation wirkt sich negativ auf die Kaufkraft dieses nominalen Geldwerts aus. Je nach aktuellem Inflationsniveau kann dies zu einem realen Wertverlust führen, selbst wenn die nominale Wertentwicklung der Anlage positiv ist.
Die europäischen Aktienmärkte haben die Mercosur Märkte in den vergangenen Jahren übertroffen. Historische Daten zur durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate (CAGR) zwischen Januar 2020 und März 2026 verdeutlichen die unterschiedliche Entwicklung: Der MSCI Spain erzielte eine CAGR von 14 Prozent, der MSCI Germany 8 Prozent und der MSCI Portugal 5 Prozent, während der MSCI Brazil lediglich 3 Prozent erreichte und der MSCI Argentina im gleichen Zeitraum eine negative Wertentwicklung verzeichnete (siehe Abbildung 3). Die Aktienmarktentwicklung in den Mercosur Ländern könnte sich jedoch verbessern, da laufende Strukturreformen und eine zunehmende Handelsöffnung die wirtschaftlichen Perspektiven stärken und damit Unternehmensgewinne und Investitionen unterstützen. Die schrittweise Wirkung dieser Maßnahmen dürfte mittel bis langfristig zu einer stärkeren makroökonomischen Stabilität, einer höheren Produktivität und steigenden Investitionen beitragen – weniger hingegen zu kurzfristigen Marktbewegungen. Auch die Zollsenkungen im Rahmen des EU Mercosur Abkommens werden über mehrere Jahre hinweg umgesetzt, was den strukturellen Charakter der erwarteten Verbesserungen unterstreicht.
Brasiliens Wachstumspotenzial dürfte durch die Nutzung seiner externen Wettbewerbsfähigkeit und das Vorantreiben struktureller Reformen, insbesondere der laufenden Steuerreform, gestärkt werden. Das potenzielle Wachstum bleibt jedoch verhalten, da fiskalische Impulse in der Vergangenheit eher zu höherer Inflation als zu dauerhaftem realem Wachstum geführt haben – ein Spiegelbild hoher Staatsschulden und einer moderaten geschätzten potenziellen Wachstumsrate von etwa 2 Prozent bis 2,5 Prozent. Die jüngste Entwicklung wurde von einem starken Exportsektor getragen – dominiert von Landwirtschaft, Öl und Metallen –, der durch das EU Mercosur-Abkommen und eine allmählich zunehmende Handelsöffnung zusätzlichen Auftrieb erhalten könnte. Dies würde Kapitalzuflüsse und Produktivitätsgewinne unterstützen.
Die Wachstumsperspektiven Argentiniens verbessern sich, da die makroökonomische Stabilisierung zunehmend Wirkung zeigt. Diese stützt sich auf ein striktes Strukturreformprogramm, das auf fiskalischer Disziplin und der Normalisierung des Wechselkursregimes basiert. Nach einer Kontraktion im Jahr 2024 hat sich das Wachstum kräftig erholt und wird zunehmend durch Investitionen getragen – insbesondere in den Bereichen Energie und Bergbau. Die Liberalisierung des Devisenmarktes und die Einführung eines kontrollierten Wechselkurs-Floats, unterstützt durch den Internationalen Währungsfonds, haben die Währungsreserven und das Marktvertrauen deutlich gestärkt (siehe Abbildung 5). Vor diesem Hintergrund könnten die Mercosur Integration und potenziell tiefere Handelsbeziehungen – auch mit der EU – eine unterstützende Rolle spielen, indem sie die externe Wettbewerbsfähigkeit stärken, das Vertrauen der Investoren festigen und Kapitalzuflüsse erleichtern. Dies würde die positive Wirkung der makroökonomischen Stabilisierung auf das mittel bis langfristige Wachstum und die Produktivität weiter verstärken.
Argentiniens internationale Währungsreserven ohne Gold (in Mio. USD)
Quelle: LSGE Datastream, Deutsche Bank AG. Datenstand: 4. März 2026. Die bisherige Wertentwicklung lässt keine Rückschlüsse auf die künftige Wertentwicklung zu. Die Wertentwicklung bezieht sich auf einen Nominalwert, der auf Kursgewinnen/-verlusten beruht und die Inflation nicht berücksichtigt. Die Inflation wirkt sich negativ auf die Kaufkraft dieses nominalen Geldwerts aus. Je nach aktuellem Inflationsniveau kann dies zu einem realen Wertverlust führen, selbst wenn die nominale Wertentwicklung der Anlage positiv ist.
Aktien: Europäische Union
Der STOXX 600 könnte künftig von verbessertem Marktzugang und niedrigeren Zollschranken profitieren, auch wenn die Gesamtexponierung gegenüber Mercosur Ländern derzeit gering ist. Europas exportorientierte Sektoren dürften zu den Gewinnern zählen, während selbst kleinere Segmente – etwa Unternehmen aus der Rohstoffgewinnung und -verarbeitung sowie der Automobilindustrie – überproportional von einer stärkeren südamerikanischen Nachfrage und verbesserten Lieferketten profitieren könnten. Da deutsche und spanische Unternehmen zusammen etwa 18 Prozent des Index ausmachen, spielen beide Märkte eine wesentliche Rolle bei der Übertragung dieser Vorteile. Obwohl der Umsatzanteil des Index, der auf Mercosur Länder entfällt, weiterhin unter 5 Prozent liegt, besteht mittelfristig Aufwärtspotenzial – vorausgesetzt, das Handelsabkommen wird dauerhaft umgesetzt.
Deutschland
Das EU Mercosur Abkommen wird den Handel deutscher Unternehmen mit Brasilien und Argentinien deutlich erleichtern. Obwohl beide Länder im Jahr 2024 jeweils weniger als 1 Prozent des deutschen Gesamthandels ausmachten, wird die Abschaffung der Zölle auf rund 90 Prozent der Produkte die Exportkosten erheblich senken. Maschinen, Chemikalien, Fahrzeuge und Metalle – die den Großteil der deutschen Exporte in diese Märkte ausmachen – dürften daher am stärksten profitieren.
Deutsche Exporteure könnten dank des Abkommens neue Absatz und Lieferkettenoptionen erschließen. Dies würde international ausgerichtete Unternehmen unterstützen und exportorientierten Mitgliedern des MSCI Germany zugutekommen – insbesondere in den Sektoren Industrie, Materialien und Gesundheitswesen. Die Sektorengewichtung des MSCI Germany entspricht den potenziellen Profiteuren: Industriewerte machen nahezu 30 Prozent des Index aus, gefolgt von Informationstechnologie mit rund 14 Prozent, zyklischen Konsumgütern mit etwa 8 Prozent, Gesundheitswesen mit rund 6 Prozent und Materialien mit etwa 4 Prozent.
Spanien
Börsennotierte spanische Unternehmen verfügen bereits über eine starke Präsenz in den Mercosur Ländern. Die Bestimmungen des Abkommens zu Investitionen, öffentlicher Auftragsvergabe und dem Handel mit Dienstleistungen dürften es diesen Unternehmen ermöglichen, ihre Präsenz in den Mercosur Märkten weiter auszubauen. Spanische Banken, die in Argentinien und Brasilien stark vertreten sind, sollten besonders von den Regelungen profitieren, die darauf abzielen, Hindernisse für den grenzüberschreitenden Handel mit Finanzdienstleistungen abzubauen. Diese Länder stellen wichtige Gewinnquellen für die Schwergewichte im MSCI Spain dar. Rund 50 Prozent des Index bestehen aus Aktien von Finanzdienstleistern.
Darüber hinaus dürfte die vorgezogene Zollsenkung bei Investitions- und Industriegütern die spanischen Exporte in diese Produktkategorien in die Mercosur Länder direkt begünstigen. Industriewerte machen rund 11 Prozent des MSCI Spain aus.
Portugal
Börsennotierte portugiesische Energieunternehmen mit einer starken Präsenz im brasilianischen Öl und Gassektor dürften von den Bestimmungen profitieren, die es ihnen ermöglichen, ihre Investitionen in Brasilien auszuweiten. Der Energiesektor macht fast 20 Prozent des MSCI Portugal aus. Im Durchschnitt erzielen börsennotierte portugiesische Unternehmen rund 25 Prozent ihrer Umsätze in Brasilien.
Aktien: Mercosur
Brasilien
Das EU Mercosur Abkommen stärkt die Perspektiven der brasilianischen Aktiensektoren, indem es Handel und Investitionen in den Bereichen Metalle, Energie und Industrie fördert. Obwohl Brasiliens hoch wettbewerbsfähiger Agrarsektor über Exporte erheblich zum realen Wirtschaftswachstum beiträgt, spielt er im Aktienindex nur eine geringe Rolle – was eine strukturelle Diskrepanz zwischen der Exportbasis des Landes und seinem Aktienmarkt verdeutlicht.
Metalle: Dieser Sektor hat einen Anteil von rund 14 Prozent am MSCI Brazil (siehe Abbildung 6) und dürfte angesichts der starken EU Nachfrage zu den wichtigsten Profiteuren zählen, unterstützt durch die jüngste Preisentwicklung bei Eisenerz, Kupfer und Nickel. Seltene Erden erhöhen den strategischen Spielraum innerhalb des Metallsektors: Brasilien verfügt über beträchtliche Lagerstätten, allerdings ist die Produktion im Vergleich zu China deutlich geringer. Nach Schätzungen des US Geological Survey besitzt Brasilien 21 Millionen Tonnen an Reserven seltener Erden und liegt damit weltweit an zweiter Stelle hinter China; die jährliche Produktion beträgt jedoch nur etwa 20.000 Tonnen, gegenüber rund 270.000 Tonnen in China. Brasilien hat somit das Potenzial, langfristig als Gegengewicht zu China aufzutreten, doch ein Ausbau der Produktion erfordert erhebliche, kapitalintensive Investitionen und wird daher eher schrittweise erfolgen. Das EU Mercosur Abkommen – insbesondere dessen Investitionsbestimmungen – könnte dazu beitragen, EU Kapital anzuziehen, indem es den Investorenschutz und die Planbarkeit stärkt und damit den Markteintritt erleichtert.
MSCI Brazil Sektoren: Finanzwerte, Grundstoffe und Energie als Schwergewichte
MSCI Brazil Sektorengewichte und Anzahl der Mitglieder (2025)
Quelle: LSGE Datastream, Deutsche Bank AG. Datenstand: 4. März 2026. Die bisherige Wertentwicklung lässt keine Rückschlüsse auf die künftige Wertentwicklung zu. Die Wertentwicklung bezieht sich auf einen Nominalwert, der auf Kursgewinnen/-verlusten beruht und die Inflation nicht berücksichtigt. Die Inflation wirkt sich negativ auf die Kaufkraft dieses nominalen Geldwerts aus. Je nach aktuellem Inflationsniveau kann dies zu einem realen Wertverlust führen, selbst wenn die nominale Wertentwicklung der Anlage positiv ist.
Energie: Das EU Mercosur Abkommen wirkt sich positiv auf die Petrochemie aus, da der Zugang zum EU Markt durch den schrittweisen Abbau der entsprechenden Zölle verbessert wird.
Industrie: Die brasilianische Luft- und Raumfahrtindustrie dürfte direkt vom EU Mercosur Abkommen profitieren, da das Abkommen die Zölle auf Flugzeuge und Luftfahrtkomponenten, die als Industriegüter klassifiziert sind, schrittweise abbaut. Dies senkt die Produktionskosten und verbessert den Zugang zum EU Markt. Die Branche ist weltweit führend in der Produktion von Kurz- und Mittelstreckenflugzeugen.
Finanzen und Versorger: Diese Sektoren dürften mittel bis langfristig indirekt von einem verbesserten Wachstumsausblick profitieren. Kurzfristig reagieren sie jedoch empfindlich auf geldpolitische Entscheidungen, da hohe Zinsen den Kreditmarkt belasten. Allerdings dürfte der Zyklus der geldpolitischen Straffung im Jahr 2025 seinen Höhepunkt erreicht haben; für 2026 und 2027 werden Zinssenkungen erwartet, die den Kreditmarkt unterstützen sollten.
Argentinien
Das EU Mercosur Abkommen unterstützt eine stärker investitionsgetriebene Aktienmarktstory für Argentinien, wobei die Gewinne vor allem in den Bereichen Energie und Bergbau konzentriert sind. Die argentinische Wirtschaft durchläuft derzeit ein strukturelles Anpassungsprogramm, bei dem sich das Wachstum zunehmend hin zu investitionsgetriebenen und handelbaren Sektoren verlagert.
Energie sticht als zentraler Profiteur hervor, da die Investitionsbestimmungen weitere Investitionen in Öl und Gas Joint Ventures zwischen EU Unternehmen und börsennotierten argentinischen Firmen in der Region Vaca Muerta erleichtern dürften. Der Energiesektor macht 38 Prozent des Index aus (siehe Abbildung 7).
MSCI Argentina Sektoren: Energie, Finanzwerte und Versorger als Schwergewichte
MSCI Argentina Sektorengewichte und Anzahl der Mitglieder (2025)
Quelle: LSGE Datastream, Deutsche Bank AG. Datenstand: 4. März 2026. Die bisherige Wertentwicklung lässt keine Rückschlüsse auf die künftige Wertentwicklung zu. Die Wertentwicklung bezieht sich auf einen Nominalwert, der auf Kursgewinnen/-verlusten beruht und die Inflation nicht berücksichtigt. Die Inflation wirkt sich negativ auf die Kaufkraft dieses nominalen Geldwerts aus. Je nach aktuellem Inflationsniveau kann dies zu einem realen Wertverlust führen, selbst wenn die nominale Wertentwicklung der Anlage positiv ist.
Historische Wertentwicklung
Quelle: Deutsche Bank AG, Bloomberg Finance L.P., LSEG Datastream; Datenstand: 10. März 2026. Die bisherige Wertentwicklung lässt keine Rückschlüsse auf die künftige Wertentwicklung zu. Die Wertentwicklung bezieht sich auf einen Nominalwert, der auf Kursgewinnen/-verlusten beruht und die Inflation nicht berücksichtigt. Die Inflation wirkt sich negativ auf die Kaufkraft dieses nominalen Geldwerts aus. Je nach aktuellem Inflationsniveau kann dies zu einem realen Wertverlust führen, selbst wenn die nominale Wertentwicklung der Anlage positiv ist.
Glossar
- Agrarsektor bezeichnet den Wirtschaftsbereich der landwirtschaftlichen Produktion. Im Rahmen des EU Mercosur Abkommens wird der Marktzugang weiterhin teilweise durch Zollkontingente und Importbeschränkungen reguliert.
- Ausländische Direktinvestitionen (FDI) beziehen sich auf Investitionen in die finanziellen Vermögenswerte eines ausländischen Landes, die dem Käufer unmittelbare Kontrolle ermöglichen.
- Bergbau & Metalle umfasst Rohstoffgewinnung und Metallverarbeitung. Zollsenkungen sollen den EU Zugang zu kritischen Mineralien verbessern.
- Digitale Dienstleistungen bezeichnen grenzüberschreitend elektronisch erbrachte Leistungen, für die das Abkommen regulatorische Barrieren reduziert.
- Der Europäische Gerichtshof (EuGH) ist das oberste Gericht der Europäischen Union in Fragen des EU Rechts.
- Die Europäische Kommission (EK) ist das Exekutivorgan der Europäischen Union (EU) und vertritt die Interessen der Europäischen Union als Ganze.
- Energie (Sektor) umfasst Öl , Gas und energiebezogene Infrastrukturprojekte, die durch verbesserte Investitionsbedingungen profitieren.
- Finanzdienstleistungen umfassen Bank , Kredit , Zahlungs und kapitalmarktrelevante Dienstleistungen. Das Abkommen erleichtert den Marktzugang und regulatorische Prozesse.
- Industrielle Güter/Industriegüter sind hochwertige Güter mit hoher Wertschöpfung wie Maschinen, Fahrzeuge und Elektronik und stehen im Zentrum der Handelsliberalisierung.
- K-förmige Entwicklung bezeichnet ein Muster, bei dem sich verschiedene Segmente einer Volkswirtschaft, eines Marktes oder einer Anlageklasse stark auseinanderentwickeln – einige verbessern sich, während andere sich verschlechtern –, wodurch eine gespaltene Entwicklung entsteht, die den zwei Armen des Buchstabens „K“ ähnelt.
- Mercosur ist ein Wirtschaftsverbund der Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay.
- MSCI Argentina (Parallel Wechselkurs Methode) ist ein Index, der unter Verwendung eines parallelen (inoffiziellen) Wechselkurses konstruiert wird, um investierbare Marktpreise unter den Währungskontrollen Argentiniens abzubilden. Er umfasst argentinische Large und Mid Cap Unternehmen aus den Bereichen Energie, Materialien und Finanzwerte.
- MSCI Brazil ist ein Referenzindex für brasilianische Large und Mid Cap Aktien aus den Sektoren Metalle, Energie, Finanzwerte und Industrie.
- MSCI Germany ist ein marktkapitalisierungsgewichteter Index, der deutsche Large und Mid Cap Unternehmen repräsentiert und häufig als Benchmark für deutsche Aktienmarktexponierung verwendet wird.
- MSCI Portugal bildet die Wertentwicklung portugiesischer Large und Mid Cap Aktien ab und wird stark vom Energiesektor beeinflusst.
- MSCI Spain ist ein Aktienindex für spanische Large und Mid Cap Unternehmen, der stark vom Finanzsektor geprägt ist.
- Primärgüter sind Rohstoffe oder gering verarbeitete Güter wie einfache Metalle, Agrarrohstoffe oder raffiniertes Erdöl, welche die Exporte der Mercosur Staaten dominieren.
- STOXX Europe 600 Index umfasst 600 Unternehmen aus 17 europäischen Ländern.
- Strategische Optionalität bezieht sich auf langfristige Investitionen, die potenziell unter mehreren zukünftigen Entwicklungen an Wert gewinnen können, ohne dass ein spezifisches Szenario vorhergesagt werden muss.
- USD ist der Währungscode für den US Dollar.
- Zölle / Zollsenkungen sind Abgaben auf importierte Waren. Im EU Mercosur Abkommen sollen über 90 Prozent der bilateralen Zölle schrittweise abgebaut werden.
- Zollkontingente sind Mengenbegrenzungen für Importe, die bevorzugte Zollbedingungen gewähren – im Abkommen relevant für Fleischimporte.
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Redaktionsschluss: 13.03.2026, 15 Uhr