Ende Januar geriet der US-Dollar breit unter Druck, insbesondere nachdem Präsident Trump es vermieden hatte, sich kritisch zur USD-Schwäche zu äußern, als er nach seiner Einschätzung gefragt wurde. Vor dem Hintergrund enger werdender Zinsdifferenzen zwischen den USA und dem Euroraum sowie einer verbesserten Risikostimmung stieg EUR/USD auf 1,2081 und durchbrach damit erstmals seit Juni 2021 die Marke von 1,20. Vorsichtigere Kommentare von US-Finanzminister Scott Bessent stabilisierten anschließend die Zinserwartungen und lösten Anfang Februar eine schnelle Korrektur in Richtung 1,18 aus. Die erneute Eskalation geopolitischer Spannungen im Nahen Osten verstärkte später die Nachfrage nach dem USD als sicherem Hafen und unterstützte die US-Renditen, wodurch EUR/USD Anfang März wieder in den Bereich von 1,15 fiel.
Im folgenden Abschnitt analysieren wir die wichtigsten Faktoren, die die Preisentwicklung in den kommenden zwölf Monaten prägen dürften.
Bevor sich die Lage im Nahen Osten zuspitzte, erhielt der EUR zusätzliche Unterstützung durch Portfolioumschichtungen aus dem USD in den Euroraum. Er profitierte zudem von einer temporären Outperformance der europäischen Aktienmärkte sowie von Erwartungen eines wirtschaftlichen Aufschwungs im Euroraum, insbesondere begünstigt durch fiskalische Impulse in Deutschland. Auch die jüngste relative Ruhe um die französische Regierung stützte den EUR, da zwischenzeitlich geklärte Haushaltsfragen dazu beitrugen, die Risikoaufschläge französischer Staatsanleihen einzuengen und die Spreads zwischen Kern- und Peripherieländern zu verringern – was die politische Risiko¬prämie im EUR senkte. Allerdings könnten die französischen Präsidentschaftswahlen im Frühjahr 2027 im weiteren Jahresverlauf wieder stärker in den Fokus rücken und erneut Schwankungen, die durch Veränderungen der Risikoaufschläge entstehen, auslösen.
Die Erwartung, dass die EZB ihren Zinssenkungszyklus nun bei einem Leitzins von 2,00 Prozent abgeschlossen hat, hat ebenfalls zur Unterstützung des EUR beigetragen. Gleichzeitig hatte die US-Notenbank in der zweiten Hälfte des Jahres 2025 bereits drei Zinssenkungen um jeweils 25 Basispunkte vorgenommen, während die Swaps-Märkte für 2026 weitere Zinssenkungen einpreisen.
Der USD geriet im Januar und Februar ebenfalls unter Druck, da einige Investoren die Nachhaltigkeit der Kursrally ausgewählter Technologiewerte und Hyperscaler infrage stellten – zusätzlich zu Erwartungen weiterer Fed-Zinssenkungen und anhaltender Unsicherheit in Bezug auf die US-Handels- und Zollpolitik. In der Folge entwickelten sich die erwarteten US-Zinsdifferenzen zulasten des USD, während die verbesserte Risikostimmung die Nachfrage nach defensiven USD-Positionierungen verringerte. Bedenken hinsichtlich steigender US-Staatsverschuldung oder der Unabhängigkeit der Federal Reserve – beide potenziell belastende Faktoren für den USD – rückten hingegen etwas aus dem unmittelbaren Fokus der Märkte.
Wie oben erwähnt, führte die anschließende Eskalation der geopolitischen Spannungen im Nahen Osten zu einer erneuten Aufwertung des USD. Aus Sicht der Terms of Trade profitierte die US-Wirtschaft im Vergleich zum Euroraum, da sie ein Nettoexporteur von Energierohstoffen ist, während höhere Energiepreise die Konjunkturaussichten im Euroraum stärker belasteten. Gleichzeitig unterstützten eine ausgeprägte Risikoaversion sowie ein Anstieg der US-Renditen die USD-Nachfrage – vermutlich begleitet von Repatriierungsströmen und Gewinnmitnahmen aus Euro-denominierten Anlagen.
Mit Blick nach vorn dürfte der kurzfristige EUR/USD-Ausblick weiterhin stark von der Wechselwirkung zwischen Zinsdifferenzen und der globalen Risikostimmung abhängen. Eine Stabilisierung oder Deeskalation der geopolitischen Spannungen würde den Fokus wahrscheinlich wieder stärker auf die relativen geldpolitischen Pfade lenken – wobei der EUR von einer weniger dovishen Haltung der EZB im Vergleich zur Fed profitieren könnte. In einem solchen Szenario könnte eine erneute Verengung der Zinsdifferenzen zwischen den USA und dem Euroraum einen erneuten Test höherer EUR/USD-Niveaus begünstigen. Umgekehrt wäre bei einer erneuten Verschärfung geopolitischer Risiken oder einem anhaltenden Anstieg der US-Renditen mit einer verstärkten Nachfrage nach dem USD als sicherem Hafen zu rechnen, was den EUR-Aufwertungsspielraum begrenzen und das Währungspaar eher wieder in Richtung der unteren Bandbreite seiner jüngsten Handelsspanne drücken dürfte.
In unserem Basisszenario dürfte eine allmähliche Entspannung der geopolitischen Spannungen in Kombination mit einer weiteren Verringerung der Zinsdifferenzen zwischen den USA und dem Euroraum dazu führen, dass EUR/USD bis Ende März 2027 wieder auf 1,20 steigt. Aufwärtsbewegungen würden dabei durch eine im Vergleich zur Fed weniger dovishe Haltung der EZB sowie verbesserte Wachstumserwartungen für den Euroraum unterstützt.
Abbildung 2: EUR/USD vs. Spread auf 10-jährige Staatsanleihen Deutschland–USA
Quelle: Refinitiv Datastream, Deutsche Bank AG. Stand: 16. März 2026. Die bisherige Wertentwicklung lässt keine Rückschlüsse auf die künftige Wertentwicklung zu. Die Wertentwicklung bezieht sich auf einen Nominalwert, der auf Kursgewinnen/-verlusten beruht und die Inflation nicht berücksichtigt. Die Inflation wirkt sich negativ auf die Kaufkraft dieses nominalen Geldwerts aus. Je nach aktuellem Inflationsniveau kann dies zu einem realen Wertverlust führen, selbst wenn die nominale Wertentwicklung der Anlage positiv ist.