Rohstoffe, Volkswirtschaft/Geldpolitik – 08.04.2026
Rohstoffe: Risiken werden Realität
Die wichtigsten Fakten:
- Anhaltende Störungen bei Öl und Gas haben das ursprünglich reine Schlagzeilenrisiko in eine reale physische Belastung verwandelt – mit sinkenden Lagerbeständen und anhaltend hohen Preisen.
- Das Gasrisiko für Europa ist vor allem eine Frage des Timings: Infrastrukturschäden und begrenzte Umleitungsmöglichkeiten bedeuten, dass die Preise erhöht bleiben müssen, um LNG frühzeitig zu sichern und die Speicher wieder aufzufüllen.
- Edelmetalle werden vor allem durch Liquidität und makroökonomische Faktoren getrieben, während Kupfer kurzfristig unter Druck steht, langfristig jedoch von einem robusteren Elektrifizierungsumfeld profitiert.
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Ölbezogene Schlagzeilenrisiken treten in den Vordergrund
Die vergangenen Wochen haben deutlich gemacht, dass lange als Risiken identifizierte Faktoren sich nun in Echtzeit materialisieren. Der Ölmarkt erlebt derzeit eine der größten Förder- und Lieferunterbrechungen seiner Geschichte – dabei ist nicht mehr allein das Ausmaß entscheidend, sondern zunehmend auch die Dauer. Je länger die Störung anhält, desto stärker wandelt sie sich von einem reinen Transportproblem zu einer Frage des Timings und der Lagerbestände – mit Auswirkungen, die weit über den Ölpreis hinaus auf die globale Wirtschaft ausstrahlen.
Zu Beginn konzentrierte sich die Unterbrechung auf die maritime Logistik: Die Straße von Hormus ist üblicherweise Transitroute für rund 20 Mio. Barrel pro Tag an Rohöl/Kondensaten und raffinierten Produkten (etwa 20 Prozent der weltweiten Nachfrage). Mit der Eskalation des Konflikts hat sich das Problem jedoch ausgeweitet. Angriffe und erhöhte Risiken rund um die Energieinfrastruktur schränken zunehmend die Fähigkeit des Systems ein, die normalen Lieferströme rasch wiederherzustellen. Entsprechend verzeichnete Brent im März mit rund 63 Prozent den größten monatlichen Preisanstieg aller Zeiten und übertraf damit sogar den Anstieg von 46 Prozent im September 1990 während des Golfkriegs.
Abbildung 1: Preisentwicklung von Brent-Öl und europäischem Gas (TTF)
Quelle: LSEG Datastream, Deutsche Bank AG. Stand: 2. April 2026. Die bisherige Wertentwicklung lässt keine Rückschlüsse auf die künftige Wertentwicklung zu. Die Wertentwicklung bezieht sich auf einen Nominalwert, der auf Kursgewinnen/-verlusten beruht und die Inflation nicht berücksichtigt. Die Inflation wirkt sich negativ auf die Kaufkraft dieses nominalen Geldwerts aus. Je nach aktuellem Inflationsniveau kann dies zu einem realen Wertverlust führen, selbst wenn die nominale Wertentwicklung der Anlage positiv ist.
Die Belastung strategischer und kommerzieller Lagerbestände ist besonders in Asien sichtbar, wo mehrere Regierungen bereits über reine Verbraucherpreisstützung hinausgegangen sind und explizite Maßnahmen zur Sicherung – oder Rationierung – von Treibstoffreserven ergriffen haben. Europa hingegen hat bislang keine vergleichbaren Maßnahmen eingeführt. Das liegt zum einen an der geringeren direkten Abhängigkeit Europas von Hormus-gebundenen Importen, zum anderen schlicht am Timing der Seelogistik: Die letzten vor der Unterbrechung verladenen Lieferungen aus der Region erreichen Europa erst jetzt nach mehreren Wochen auf See.
Ein Teil des unmittelbaren Angebotsschocks konnte durch Umgehungsrouten abgefedert werden – insbesondere durch die Ost-West-Rohölpipeline Saudi-Arabiens (Abqaiq–Yanbu am Roten Meer) sowie die Rohölpipeline der VAE von Abu Dhabi (Habshan–Fujairah). Diese Korridore ermöglichen Exporte unter Umgehung der Straße von Hormus, und verfügbare Indikatoren deuten darauf hin, dass mehr als 5,5 Mio. Barrel pro Tag umgeleitet wurden. Dieses umgeleitete Öl, kombiniert mit den begrenzten weiterhin durch Hormus fließenden Mengen sowie gestiegenen iranischen Exporten, dämpft den gesamten Angebotsrückgang. Dennoch bedeutet dies, dass weiterhin rund drei Viertel der vor dem Konflikt über Hormus transportierten Mengen blockiert sind. In diesem Kontext verdeutlicht eine einfache Faustregel die Grenzen politischer Puffer: Die koordinierte Freigabe von 400 Mio. Barrel aus IEA-Beständen entspricht lediglich etwa vier bis fünf Wochen Versorgung (abstrahiert von der Rohöl-/Produktmischung und praktischen Freigabelogistiken). Zudem scheinen diese Pipelines nahe ihren effektiven Kapazitätsgrenzen zu operieren, sodass der Spielraum für eine deutlich stärkere Umleitung begrenzt ist.
Hormus-Störung treibt Öl- und Gaspreise: Lagerbestände sinken, Risikoprämien bleiben hoch.
Damit kehrt der Markt zur zentralen Frage zurück, die letztlich den weiteren Preispfad bestimmen wird: Wie lange hält die Unterbrechung an, und sind die Schäden an der Energieinfrastruktur beherrschbar genug, um die Schifffahrt und den Transit durch die Straße von Hormus wieder zu normalisieren? Angesichts der multilateralen Natur des Konflikts ist das Spektrum möglicher Ergebnisse breit.
In unserem Basisszenario gehen wir im laufenden Quartal lediglich von einer teilweisen Erholung der Lieferströme aus; eine vollständige Normalisierung erwarten wir erst in der zweiten Jahreshälfte. In diesem Szenario ist kurzfristig nicht mit einem spürbaren und nachhaltigen Rückgang der Ölpreise zu rechnen. Eine schnellere Deeskalation – bei der sich die Lieferströme innerhalb weniger Wochen normalisieren – würde vermutlich einen Teil der aktuellen Risikoprämie abbauen und die Preise von den derzeitigen Niveaus zurückführen. Selbst dann erscheint jedoch eine einfache Rückkehr zu den Preisniveaus vor der Krise unwahrscheinlich: Vorsorglicher Lageraufbau und weiterhin erhöhte Risikoprämien sprechen für ein höheres durchschnittliches Preisniveau als zu Jahresbeginn. Umgekehrt würde ein Szenario, in dem die Straße von Hormus bis in die zweite Jahreshälfte hinein faktisch geschlossen bleibt, anhaltende Angebotsverluste in einer Größenordnung implizieren, die die Preise über frühere Höchststände hinaustreiben dürfte. Auf diesen Niveaus würde die Zerstörung von Nachfrage zu einem deutlich wichtigeren – und potenziell destabilisierenden – Anpassungsmechanismus.
Die Uhr für das Wiederauffüllen der Gasspeicher läuft
Wie bei den oben beschriebenen Ölmärkten gilt auch für den europäischen Gassektor dieselbe Kernaussage: Die Dauer ist entscheidend. Die kurzfristige Sensitivität ist offensichtlich, da LNG direkt dem Störungsrisiko in der Straße von Hormus ausgesetzt ist. Die LNG-Ströme durch die Meerenge belaufen sich typischerweise auf rund 80 Mio. Tonnen pro Jahr (etwa 19 Prozent des globalen LNG-Angebots). Im Gegensatz zu Rohöl, bei dem begrenzte Pipeline-Umgehungsrouten die Auswirkungen zumindest teilweise abfedern können, gibt es bei LNG weder ein vergleichbares „Druckventil“, um relevante Mengen in größerem Umfang umzuleiten, noch strategische Reserven, die von staatlichen Stellen gehalten werden.
Zudem sieht sich der Gasmarkt mit einer nachhaltigeren Angebotsschädigung konfrontiert. Schätzungen zufolge könnten rund 13 Mio. Tonnen pro Jahr an LNG-Kapazität aus Katar (etwa 17 Prozent der katarischen LNG-Kapazität und rund 3 Prozent der globalen LNG-Kapazität) für einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren ausfallen. Dies stellt nicht nur einen erheblichen Einschnitt für das katarische Export¬system dar, sondern belastet auch die globale LNG-Balance weit über das anfängliche Störungsfenster hinaus. Das ist von zentraler Bedeutung, da Europas Herausforderung weniger in der aktuellen Spot-Verfügbarkeit liegt als vielmehr darin, über den Sommer hinweg ausreichende LNG-Mengen zu sichern, um die Speicher rechtzeitig vor dem Winter wieder aufzufüllen – und dabei mit Asien um die marginalen Ladungen zu konkurrieren. Dieser Lageraufbau ist ein gradueller, kumulativer Prozess: Die Speicher werden über die gesamte Einspeisesaison hinweg gefüllt und lassen sich nicht durch hektische Käufe am Ende der Saison „lösen“.
Vor diesem Hintergrund erscheint es aus Marktsicht rational, LNG-Ladungen frühzeitig zu sichern, anstatt abzuwarten, bis sich der Wettbewerb weiter verschärft. Höhere europäische Hub-Preise werden als notwendig erachtet, um LNG-Lieferungen nach Europa zu lenken, angesichts der erheblichen wirtschaftlichen Abhängigkeit der Region von dieser Ressource. Überträgt man die gleichen drei Szenarien wie im obigen Öl-Abschnitt auf den Gasmarkt, sind die Implikationen eindeutig.
Im Basisszenario mit einer nur teilweisen Erholung der Lieferströme im laufenden Quartal und einer vollständigen Normalisierung erst in der zweiten Jahreshälfte dürften die Preise erhöht bleiben müssen, um LNG-Zuflüsse über den Sommer zu sichern und den erforderlichen Speicherpfad einzuhalten. Bei einer schnelleren Deeskalation würde die in den Gaspreisen enthaltene Risikoprämie zwar zurückgehen, allerdings würde der Markt angesichts der Speicheranforderungen voraussichtlich weiterhin eine gewisse Restvorsicht einpreisen. In einem negativen Szenario anhaltender Störungen bis in die zweite Jahreshälfte hinein wird der Anpassungsmechanismus deutlich härter: Die Preise müssten „mehr Arbeit leisten“ – durch aggressiveres Überbieten bei LNG-Ladungen bis zu einem Niveau, auf dem konkurrierende Länder entweder auf andere Energieträger wie Kohle ausweichen oder schlicht Nachfragerückgänge akzeptieren.
Schließlich hat die Beschädigung der Infrastruktur potenziell auch Folgen über das Jahr 2026 hinaus. Vor dem Konflikt hatte sich angesichts erwarteter Kapazitätserweiterungen in den USA, Kanada und auch in Katar selbst zunehmend das Narrativ eines Angebotsüberschusses durchgesetzt. Es ist plausibel anzunehmen, dass sich ein Teil der kommenden Kapazitäten in Katar verzögern wird – insbesondere das North-Field-Erweiterungsprojekt, das Katars Produktion von rund 77 Mio. Tonnen pro Jahr im Jahr 2025 auf nahezu 127 Mio. Tonnen bis 2027 steigern sollte. Damit steigt das Risiko, dass die vielfach in Aussicht gestellten Preise von unter 20 EUR/MWh im Jahr 2027 nicht erreicht werden.
Gold: Noch immer ein sicherer Hafen?
Seit Jahresbeginn 2026 haben sich die Goldpreise insgesamt auf erhöhtem Niveau gehalten (wenn auch mit deutlicher Volatilität). Gold startete das Jahr nahe bei 4.300 USD je Unze und legte im Januar kräftig zu, bis es vor dem Hintergrund zunehmender geopolitischer Spannungen, der bemerkenswerten Silberpreisrally, starker Safe-Haven-Nachfrage sowie anhaltender Käufe durch Zentralbanken ein Rekordhoch von rund 5.594 USD je Unze erreichte.
Abbildung 2: Preisentwicklung der Edelmetalle
Quelle: LSEG Datastream; Deutsche Bank AG. Stand: 2. April 2026. Die bisherige Wertentwicklung lässt keine Rückschlüsse auf die künftige Wertentwicklung zu. Die Wertentwicklung bezieht sich auf einen Nominalwert, der auf Kursgewinnen/-verlusten beruht und die Inflation nicht berücksichtigt. Die Inflation wirkt sich negativ auf die Kaufkraft dieses nominalen Geldwerts aus. Je nach aktuellem Inflationsniveau kann dies zu einem realen Wertverlust führen, selbst wenn die nominale Wertentwicklung der Anlage positiv ist.
In den Monaten Februar und März folgte jedoch eine deutliche Korrektur, ausgelöst durch Gewinnmitnahmen, eine Erholung des US-Dollars sowie steigende Erwartungen, dass große Zentralbanken ihre Geldpolitik länger restriktiv halten könnten. Ende März war Gold auf etwa 4.400 USD je Unze zurückgefallen. Damit lagen die Preise zwar noch leicht über dem Jahresanfang, jedoch deutlich unter dem Januarhoch.
Insgesamt spiegelt die Performance seit Jahresbeginn ein Spannungsfeld zwischen Diversifikations- und „Safe-Haven“-Zuflüssen (vor allem über ETFs) einerseits und restriktiveren finanziellen Rahmenbedingungen andererseits wider, wobei geopolitische Risiken vermutlich weiterhin eine gewisse Untergrenze nach unten bieten. Dennoch zeigte sich bei vielen Investoren Enttäuschung, da Gold seit der Eskalation des Nahostkonflikts nicht – wie es seiner Rolle als „sicherer Hafen“ entsprochen hätte – gestiegen, sondern gefallen ist.
Im Folgenden bewerten wir den kurz- bis mittelfristigen Ausblick für den Goldpreis.
Der März 2026 war durch extreme Volatilität und eine ausgeprägte Korrektur der Goldpreise gekennzeichnet. Nach einer Phase nahe den Rekordständen zu Monatsbeginn verzeichnete Gold einen der größten monatlichen Rückgänge seit Jahrzehnten, bevor sich die Preise gegen Monatsende stabilisierten. Die Bewegung spiegelte eine Verlagerung von geopolitischen Risikoprämien hin zu makroökonomischen und liquiditätsgetriebenen Faktoren wider – insbesondere USD-Stärke, steigende reale Renditen und erzwungene Positionsauflösungen.
Wir sehen mehrere Gründe dafür, warum Gold im März keine seiner üblichen „Safe-Haven“-Funktionen erfüllte:
- USD-Stärke und steigende Renditen: Der US-Dollar legte gegenüber den meisten wichtigen Währungen deutlich zu, da die Märkte die Auswirkungen des Nahostkonflikts auf Inflation und Geldpolitik neu bewerteten. Steigende nominale und reale Renditen minderten die Attraktivität nicht verzinslicher Anlagen wie Gold.
- Neubewertung der Geldpolitik: Zentralbanken schlugen einen restriktiveren Ton an, während die Märkte ihre Erwartungen an Zinssenkungen im Jahr 2026 zurückschraubten. Diese Neubepreisung belastete den Goldpreis erheblich.
- Liquiditätsgetriebene Verkäufe und Positionierung: Der Abverkauf wurde durch erzwungenes Deleveraging, Gewinnmitnahmen und ETF-Abflüsse nach zuvor stark aufgebauten Long-Positionen verstärkt. Mehrere Analysen deuten darauf hin, dass es sich dabei eher um ein technisches und liquiditätsgetriebenes Ereignis handelte als um einen fundamentalen Stimmungswechsel. Trotz der anhaltenden militärischen Eskalation mit Beteiligung Irans und weiterer Länder im Nahen Osten gelang es Gold nicht, nachhaltige Safe-Haven-Zuflüsse aufrechtzuerhalten. Die Märkte wirkten gewissermaßen „paralysiert“, da reale Renditen und Liquiditätsbedingungen kurzfristig das geopolitische Risiko überlagerten. Die Aufwärtsdynamik ließ oberhalb von 5.400 USD je Unze klar nach und bestätigte die Einschätzung, dass die Januarhochs Ausdruck eines überdehnten Marktes waren – ähnlich wie bei Silber und Platin. Die ETF-Flüsse waren wenig überraschend negativ. Allerdings überwogen im Großteil des März die Käufe in China die Verkaufsaktivitäten, und die ETF-Nachfrage blieb insgesamt gut unterstützt. Die chinesischen Nachfragesignale zeigen sich somit weiterhin robust – sowohl bei ETFs als auch über die Onshore-Prämien. Aus kurzfristiger Perspektive hat der März bestätigt, dass Gold selbst in Phasen geopolitischer Spannungen anfällig für USD-Stärke, Renditesprünge und stark einseitige Positionierungen ist.
Jüngste Entwicklungen
Zentralbank-News: Der Gouverneur der polnischen Zentralbank, Adam Glapiński, hat einen Vorschlag vorgelegt, dass durch den Verkauf von Goldreserven bis zu 48 Mrd. PLN (rund 13 Mrd. USD) zur Finanzierung von Verteidigungsausgaben generiert werden sollen. Der Plan wird vom polnischen Präsidenten unterstützt. Anhaltende innenpolitische Spannungen machen eine Umsetzung jedoch unwahrscheinlich. Eine jüngste Schlagzeile deutete zudem darauf hin, dass die Türkei einen Teil ihrer Goldbestände (rund 135 Mrd. USD) zur Finanzierung von Devisenmarktinterventionen verkaufen könnte. Der Markt reagierte darauf kaum – vermutlich auch deshalb, weil die türkische Zentralbank seit Langem aktiv sowohl Käufe als auch Verkäufe ihrer Goldreserven steuert.
Dass das aggregierte Open Interest bei Gold-Futures nahe den Tiefstständen des vergangenen Jahrzehnts liegt, könnte darauf hindeuten, dass der Tiefpunkt der Goldpreise vorerst erreicht ist. Es scheint, als sei ein Großteil des kurzfristigen Überhangs aus Long-Positionen inzwischen abgebaut.
Die spekulative Netto-Long-Positionierung bei Gold begann Mitte März, ausgehend von Zweijahrestiefs, wieder leicht anzusteigen.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass sich Gold nach dem jüngsten, liquiditätsgetriebenen Rücksetzer stabilisiert hat. Kurzfristige Risiken stehen dabei konstruktiven mittelfristigen Fundamentalfaktoren gegenüber. Gold erscheint heute deutlich attraktiver als noch vor einigen Wochen. Zwar besteht weiterhin das Risiko, dass einige Zentralbanken zu Verkäufern werden (um USD-Liquidität zu generieren), dies bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass der Goldpreis übermäßig stark oder ungeordnet unter Druck geraten muss.
Ergänzend ist festzuhalten, dass Gold Ende März 2026 mehr als 50 Prozent über seinem Niveau von Ende März 2025 und rund 8 Prozent über dem Stand zu Jahresbeginn 2026 notiert. Damit hat Gold im bisherigen Jahresverlauf weiterhin besser abgeschnitten als Aktien oder Anleihen. Auf mittlere bis längere Sicht besteht zudem weiterhin die Möglichkeit, dass strukturelle Treiber intakt bleiben – darunter die Diversifikation weg von USD-basierten Anlagen, hohe öffentliche Verschuldung sowie eine anhaltende (wenn auch nachlassende) Nachfrage seitens der Zentralbanken. Preisrücksetzer könnten zunehmend als taktische Einstiegsgelegenheiten wahrgenommen werden, auch wenn das Aufwärtspotenzial voraussichtlich weniger gleichmäßig und deutlich volatiler ausfallen dürfte als im Jahr 2025.
Silber: starker Jahresauftakt, deutlicher Rücksetzer
Das Anlageprofil von Silber unterscheidet sich häufig deutlich von dem von Gold und spiegelt seine hybride Rolle als Edel- und Industriemetall wider. Von Anfang Dezember bis Ende Januar schien die Rolle von Gold als führendes Edelmetall jedoch zeitweise infrage gestellt, da Silber zunehmend die Richtung vorgab und die Goldpreise folgten.
Silber wies im bisherigen Jahresverlauf zudem eine deutlich höhere Volatilität als Gold auf. Die Preise starteten 2026 bei rund 71 USD je Unze und legten im Januar sehr dynamisch zu; kurzfristig stiegen sie auf über 120 USD je Unze. Unterstützt wurde diese Rally durch starke Zuflüsse von Investoren, Erwartungen struktureller Angebotsdefizite sowie Optimismus hinsichtlich der industriellen Nachfrage – insbesondere aus dem Bereich der Energiewende und des Technologiesektors.
Diese Rally erwies sich als nicht nachhaltig. Im Februar kam es bei Silber zu einer kräftigen Korrektur, wobei die Preise deutlich zurückgingen, als sich die Risikostimmung eintrübte und Edelmetalle insgesamt unter breiten Verkaufsdruck gerieten. Bis Ende März fiel Silber auf etwa 68–70 USD je Unze zurück und lag damit leicht unter dem Niveau zu Jahresbeginn 2026 – trotz außergewöhnlicher Zugewinne von rund 140 Prozent im Jahr 2025.
Auf Year-to-Date-Basis unterstreicht die Entwicklung von Silber seine hohe Sensitivität (hohes Beta) gegenüber makroökonomischer Stimmung und spekulativer Positionierung. Während die industriellen Fundamentaldaten unterstützend wirkten (zumindest bis zur Eskalation im Nahen Osten), wurde die Preisentwicklung klar von Volatilität dominiert.
Der weitere Ausblick für den Silberpreis dürfte maßgeblich davon abhängen, wie lange die Situation im Nahen Osten anhält. Je länger der Konflikt andauert, desto wahrscheinlicher ist eine Eintrübung der Aussichten für die industrielle Nachfrage nach Silber.
Gleichzeitig sind relative Bewertungsüberlegungen zu berücksichtigen: Einige Investoren betrachten Silber im relativen Kontext, etwa über die Gold-Silber-Ratio, und passen ihre Positionierung an, wenn Bewertungen historisch stark gedehnt oder komprimiert erscheinen. Nach dem sogenannten Liberation Day stieg das Verhältnis zugunsten von Gold auf 104, fiel dann jedoch bis Ende Januar im Zuge der starken Silberrally auf 44 zurück. Nach der ausgeprägten Korrektur bei Silber ist das Verhältnis inzwischen wieder auf rund 65 gestiegen und liegt damit weitgehend im Einklang mit seinem historischen Trend. Sollte der Goldpreis erneut Aufwärtsdynamik entwickeln, könnte dies – unter der Annahme einer weiterhin relevanten historischen Beziehung – auch den Silberpreis stützen.
Abschließend ist festzuhalten, dass Silber weiterhin deutlich über seinem Niveau vor einem Jahr notiert – die Preise haben sich innerhalb dieses Zeitraums mehr als verdoppelt.
„Dr. Copper“ ist angeschlagen
Die Spillover-Effekte des Iran-Konflikts haben kurzfristig spürbare Gegenwinde für Kupfer erzeugt. Die Erholung der Rohölpreise hat den kostengetriebenen Inflationsdruck verstärkt und erneut Sorgen um das globale Wachstum geweckt. Angesichts des historisch hohen Wachstums-Betas von Kupfer hat dies wiederum die Nachfragestory belastet. Vor diesem Hintergrund ist der LME-Kupferpreis von über 13.000 USD je Tonne Ende Februar bis Ende März auf rund 12.000 USD je Tonne zurückgefallen.
Abbildung 3: Preisentwicklung von Kupfer
Quelle: LSEG Datastream, Deutsche Bank AG. Stand: 2. April 2026. Die bisherige Wertentwicklung lässt keine Rückschlüsse auf die künftige Wertentwicklung zu. Die Wertentwicklung bezieht sich auf einen Nominalwert, der auf Kursgewinnen/-verlusten beruht und die Inflation nicht berücksichtigt. Die Inflation wirkt sich negativ auf die Kaufkraft dieses nominalen Geldwerts aus. Je nach aktuellem Inflationsniveau kann dies zu einem realen Wertverlust führen, selbst wenn die nominale Wertentwicklung der Anlage positiv ist.
Die Eintrübung der Stimmung hat den Fokus der Investoren erneut auf die sichtbaren Lagerbestände an den Terminbörsen gelenkt – einen Überhang, der vor dem Konflikt weitgehend ignoriert wurde. Die kombinierten Bestände an der LME (London), COMEX (New York) und der Shanghaier Börse sind seit Jahresbeginn um rund 80 Prozent auf etwa 1,25 Mio. Tonnen gestiegen und haben damit den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahrzehnten erreicht.
Dieser Lageraufbau wurde von zwei Faktoren getrieben. Erstens führte die anhaltende Erwartung möglicher US-Zölle auf raffinierte Kupferimporte dazu, dass Metall verstärkt nach Nordamerika gezogen wurde. Dies trieb die COMEX-Preise deutlich über das LME-Niveau und verstärkte entsprechende Arbitrageanreize. Diese Ströme setzten bereits im vergangenen Jahr ein und hielten auch an, nachdem die US-Regierung zunächst von Zöllen auf raffinierte Importe abgesehen hatte, allerdings weiterhin Spielraum für Abgaben ließ – abhängig von den Ergebnissen einer Untersuchung, die bis Ende Juni erwartet wird.
Zweitens waren die Nachfragebedingungen in China in den vergangenen Monaten schwach, was zu einem starken Anstieg der Lagerbestände in Shanghai bis nahe an Rekordniveaus führte. Die Dynamik der Investitionen in den Stromnetzausbau zeigte bereits im vergangenen Jahr Ermüdungserscheinungen, während die Fertigstellungen im Immobiliensektor (Wohnfläche) seit etwa zwei Jahren im negativen Bereich verharren – bislang ohne klare Anzeichen einer nachhaltigen Erholung. Gleichzeitig bleiben erneuerbare Energien ein wichtiger Ausgleichsfaktor. So meldete Chinas Nationale Energiebehörde einen Anstieg der installierten erneuerbaren Kapazitäten um 24 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 2,34 TW. Zudem ist die Anlageinvestition, die im vergangenen Jahr ins Negative gedreht hatte, zuletzt wieder in positives Terrain zurückgekehrt.
Auch wenn der Konflikt weiterhin präsent bleibt – und das Risiko birgt, die globale Kupfernachfrage zusätzlich zu belasten –, dürfte sich der Fokus der Investoren wieder stärker auf die strukturelle Elektrifizierung verlagern, sobald sich die Öl- und Gasströme stabilisieren. Erneuerbare Energien sollten ihren Bedeutungsgewinn fortsetzen, und der durch KI getriebene Ausbau von Infrastruktur stellt einen wichtigen zusätzlichen Nachfragetreiber dar, insbesondere angesichts der zentralen Rolle Kupfers bei der Stromübertragung und Kühlsystemen. Mit steigender Stromnachfrage und einem sich wandelnden Erzeugungsmix bleibt die Wahrscheinlichkeit eines robusten globalen Investitionszyklus in die Stromnetze hoch.
Auf der Angebotsseite waren Produktionsstörungen ein entscheidender Katalysator der letztjährigen Rally, und der Markt verfügt weiterhin über keinen nennenswerten Puffer. Die Grasberg-Mine in Indonesien – die zweitgrößte Kupfermine der Welt – befindet sich weiterhin im Erholungsprozess nach einem tödlichen unterirdischen Schlammeinbruch, der eine monatelange Stilllegung ausgelöst hatte; eine vollständige Produktionsaufnahme wird erst im kommenden Jahr erwartet. In Chile, dem weltweit größten Kupferproduzenten, ist die Förderung zuletzt auf den niedrigsten monatlichen Stand seit rund neun Jahren gefallen und mittlerweile den siebten Monat in Folge rückläufig. Bereits zuvor hatten wir auf sinkende Erzgehalte hingewiesen; operative Rückschläge haben den Angebotsausblick in den vergangenen Jahren wiederholt eingeschränkt.
Diese Einschränkungen dürften zumindest in diesem Jahr ein wirklich signifikantes Angebotswachstum verhindern – selbst unter Berücksichtigung zusätzlicher Volumina aus Afrika. Der entscheidende fehlende Faktor bleibt vorerst eine spürbare Entspannung der Lage rund um die Straße von Hormus.
Historische Wertentwicklung
Deutsche Bank AG, LSEG Datastream. Stand: 6. April 2026. Die bisherige Wertentwicklung lässt keine Rückschlüsse auf die künftige Wertentwicklung zu. Die Wertentwicklung bezieht sich auf einen Nominalwert, der auf Kursgewinnen/-verlusten beruht und die Inflation nicht berücksichtigt. Die Inflation wirkt sich negativ auf die Kaufkraft dieses nominalen Geldwerts aus. Je nach aktuellem Inflationsniveau kann dies zu einem realen Wertverlust führen, selbst wenn die nominale Wertentwicklung der Anlage positiv ist.
- Arbitrage bezeichnet die Praxis, Preisunterschiede desselben Vermögenswerts an verschiedenen Märkten auszunutzen, um einen Gewinn zu erzielen.
- Außerbörslicher Handel (Over the Counter, OTC) beschreibt Transaktionen, die direkt zwischen Marktteilnehmern und nicht über eine regulierte Börse stattfinden.
- Basispunkte (bps) sind eine Maßeinheit und entsprechen einem Hundertstel eines Prozentpunkts. Sie werden häufig verwendet, um kleine Veränderungen bei Zinsen, Renditen oder Kredit-Spreads zu beschreiben.
- Beta misst, wie sensitiv sich der Preis eines Vermögenswerts gegenüber Bewegungen des Gesamtmarktes verhält, und zeigt, wie stark Rohstoffe wie Silber auf makroökonomische Entwicklungen reagieren.
- Börsengehandelte Fonds (Exchange Traded Funds, ETFs) sind Investmentfonds, die an Börsen gehandelt werden und Anlegern einen diversifizierten Zugang zu bestimmten Anlageklassen oder Märkten ermöglichen.
- Brent bezeichnet die Rohölsorte Brent Crude, die als wichtige globale Referenz für international gehandeltes Erdöl dient.
- Commodity Exchange (COMEX) ist eine bedeutende Terminbörse für Futures und Optionen, an der Metalle wie Gold, Silber und Kupfer aktiv gehandelt werden.
- Elektrifizierung bezeichnet den strukturellen Wandel hin zu einer stärkeren Nutzung von Strom in Industrie und Energiesystemen, wodurch die Nachfrage nach Materialien wie Kupfer steigt.
- Flüssigerdgas (Liquefied Natural Gas, LNG) ist Erdgas, das durch Abkühlung verflüssigt wird, um eine effiziente Speicherung und den Transport über große Distanzen per Schiff zu ermöglichen.
- Futures sind standardisierte Finanzkontrakte, die Käufer und Verkäufer verpflichten, einen Vermögenswert zu einem festgelegten Preis zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Zukunft zu handeln.
- Gold-Silber-Ratio misst, wie viele Unzen Silber benötigt werden, um eine Unze Gold zu kaufen, und wird häufig zur Beurteilung der relativen Bewertung der beiden Metalle verwendet.
- Investitionsausgaben (Capital Expenditure, Capex) beziehen sich auf Ausgaben von Unternehmen oder Staaten für langlebige Vermögenswerte wie Infrastruktur, Produktionsanlagen oder Energienetze.
- Lagerbestände (Inventory) bezeichnen gelagerte Mengen von Rohstoffen wie Öl, Gas oder Metallen, die zur Sicherstellung der Versorgung oder als Puffer gegen Störungen gehalten werden.
- Liquidität beschreibt, wie leicht ein Vermögenswert am Markt gekauft oder verkauft werden kann, ohne den Preis wesentlich zu beeinflussen.
- Liquiditätsprämie ist der zusätzliche Ertrag, den Investoren für das Halten weniger liquider oder schwer handelbarer Vermögenswerte verlangen, insbesondere in Stressphasen.
- Nachfragedestruktion (Demand Destruction) beschreibt eine Situation, in der anhaltend hohe Preise oder wirtschaftlicher Stress zu einem dauerhaften Rückgang der Nachfrage führen, weil Verbraucher ihren Konsum reduzieren oder auf Alternativen ausweichen.
- Nettoinventarwert (Net Asset Value, NAV) beschreibt den Wert eines Fondsanteils und ergibt sich aus dem Gesamtwert der Vermögenswerte abzüglich der Verbindlichkeiten, dividiert durch die Anzahl der Anteile.
- Open Interest bezeichnet die Gesamtzahl der noch offenen Futures oder Optionskontrakte, die weder glattgestellt noch erfüllt wurden.
- Rendite (Yield) bezeichnet den Ertrag einer Investition, meist als Prozentsatz ausgedrückt, und spielt eine zentrale Rolle bei Anlageentscheidungen.
- Risikoprämie (Risk Premium) ist der zusätzliche Ertrag, den Investoren als Ausgleich für Unsicherheit, Volatilität sowie geopolitische oder makroökonomische Risiken verlangen.
- Sicherer Hafen (Safe Haven) bezeichnet einen Vermögenswert – etwa Gold –, von dem erwartet wird, dass er in Phasen von Marktstress oder Unsicherheit seinen Wert stabil hält oder relativ gut abschneidet.
- Spotpreis ist der aktuelle Marktpreis, zu dem ein Rohstoff sofort geliefert werden kann.
- Strategische Reserven sind staatlich kontrollierte Vorräte essenzieller Rohstoffe wie Öl oder Gas, die zur Stärkung der Energiesicherheit bei Versorgungsunterbrechungen gehalten werden.
- VAE (Vereinigte Arabische Emirate): Die Vereinigten Arabischen Emirate sind ein Staatenbund aus sieben Emiraten auf der Arabischen Halbinsel (u. a. Abu Dhabi und Dubai). Die VAE verfügen über bedeutende Öl- und Gasreserven und zählen zu den wichtigsten Wirtschafts- und Finanzzentren im Nahen Osten. Neben dem Energiesektor gewinnen Handel, Logistik, Tourismus, Immobilien sowie Investitionen in Technologie und erneuerbare Energien zunehmend an Bedeutung.
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Redaktionsschluss: 07.04.2026, 15 Uhr