Weitere Themen – 21.05.2026
Unsere eDNA-Partnerschaft: Fortschritt beim Wissen über die Ozeane
Die wichtigsten Fakten:
- Mithilfe von Umwelt-DNA (eDNA) aus Wasserproben lassen sich marine Arten kostengünstig und zuverlässig nachweisen – ohne aufwendige Unterwasserbeobachtungen.
- Als erste Bank engagiert sich die Deutsche Bank seit 2023 aktiv im #BackBlue Ocean Finance Commitment – und hat 2025 eine „nature ambition" mit 300 naturbezogenen Transaktionen für 2026/2027 angekündigt.
- Neben der Wissenschaft setzt das Programm gezielt auf Bildung, um lokales Bewusstsein, Gemeinschaftsbeteiligung und den langfristigen Schutz der Meeresökosysteme zu fördern.
Bildquelle: Rico Ködder / Adobe Stock
Die jüngsten Ereignisse im Nahen Osten zeigen, dass selbst lokale Störungen unserer Nutzung des Ozeans für Transportzwecke erhebliche Auswirkungen auf die Weltwirtschaft haben können. Sie erinnern uns auch daran, wie verwundbar unsere Ozeannutzung sowohl gegenüber geopolitischen als auch gegenüber Umweltbelastungen sein kann. Doch die Rolle des Ozeans geht natürlich weit über den Transport hinaus: Er ist auch eine wesentliche Quelle für Biodiversität, Klimaregulierung, Nahrung und vieles andere, das für das Leben unverzichtbar ist, wie wir in einem separaten Bericht aufbereitet haben.
Trotz seiner großen Bedeutung für das menschliche und planetare Wohlergehen ist das wissenschaftliche Wissen und Verständnis darüber, wie der Ozean funktioniert, noch immer nur teilweise vorhanden. Uns fehlt ein vollständiges Verständnis der Funktionsweise von Meeresströmungen, Sauerstoffarmut und Versauerung der Ozeane, des Kohlenstoffkreislaufs und der Ökosysteme. Der Aufbau dieses Verständnisses wird durch die komplexe Geopolitik rund um den Ozean und seine Entwicklung zusätzlich erschwert. Geopolitische Spannungen, häufig getrieben von wirtschaftlichen Erwägungen, zeigen sich in den unterschiedlichen Haltungen der Länder zu bestehenden und neuen internationalen Abkommen (insbesondere dem UN High Seas Treaty, der im Januar 2026 in Kraft trat). Nationale Ambitionen, in bestehenden oder neuen marinen Industrien, können Nachhaltigkeitsaspekte oft weiterhin dominieren. Auch das öffentliche Bewusstsein für die Funktionsweise und die Bedeutung des Ozeans scheint weiterhin begrenzt.
Die Deutsche Bank ist stark in der Entwicklung von Ocean Finance engagiert mit einem Fokus auf Nachhaltigkeit. Wir sind stolz darauf, die erste Bank zu sein, die sich #BackBlue Ocean Finance Commitment im Jahr 2023 angeschlossen hat, um politische Veränderungen im Finanzsystem voranzutreiben. 2024 haben wir wichtige Aktualisierungen an unserer Richtlinie für ozeanbezogene Finanzierungen vorgenommen. Und im November 2025 haben wir an unserem Investor Day unsere neue „nature ambition“ angekündigt: 300 naturbezogene Transaktionen in den Jahren 2026/2027.
Im Rahmen unseres Ozeanengagements sind wir Anfang 2024 eDNA-Partnerschaften mit SailGP Germany, ORRAA (Ocean Risk and Resilience Action Alliance) und NatureMetrics eingegangen.
Diese Partnerschaften ermöglichen die Entnahme von Wasserproben durch lokale Wissenschaftler an den Austragungsorten der SailGP-Rennen rund um die Welt. Die Proben werden analysiert; die Ergebnisse sollen das wissenschaftliche Verständnis über die Anwesenheit von Arten verbessern, das lokale Bewusstsein für den Meeresschutz schärfen und Evidenz für lokale Initiativen zum Schutz der Natur liefern. Wir fassen die Ergebnisse unserer Erhebungen aus den Jahren 2024/2025 später in diesem Bericht zusammen.
Im weiteren Verlauf des Jahres 2026 planen wir Erhebungen hauptsächlich an Wiederholungsstandorten – New York (3. Mal), Sydney (2. Mal), Rio (2. Mal), Sassnitz (2. Mal) –, aber auch in Valencia und Portsmouth, beide zum ersten Mal. Ein besonderer Schwerpunkt wird auf Bildung liegen; wir glauben, dass dies ein guter Weg ist, öffentliches Interesse, Wissen, Unterstützung und die Beteiligung lokaler Gemeinschaften zu fördern, um den Meeresschutz nachhaltig zu stärken.
Wie ein Fernglas in die Tiefe: Die Deutsche Bank nutzt eDNA, um Ozeane besser zu verstehen – weltweit.
Unsere eDNA-Partner
SailGP Germany nimmt an den äußerst beliebten SailGP-Rennen rund um die Welt teil. Dank großer und weiter wachsender TV- und Streaming-Reichweiten (über eine Saison hinweg auf mehr als 200 Mio. geschätzt) bieten diese Rennen eine hocheffektive Möglichkeit, ozeanbezogenen Naturschutz zu fördern.
ORRAA (Ocean Risk and Resilience Action Alliance) ist die einzige multisektorale Zusammenarbeit, die Regierungen, den Finanzsektor, multilaterale Organisationen, zivilgesellschaftliche Organisationen und weitere lokale Partner zusammenbringt, um Investitionen in die Widerstandsfähigkeit von Ozeanen und Küsten zu fördern.
NatureMetrics stellt dem Projekt technisches Know-how zur Verfügung – unter anderem in Form von Wasserproben-Kits, Analysen, Schulungen sowie Unterstützung bei verwandten Themen wie Datenvisualisierung und Probenahmestrategie. Das Unternehmen nutzt eDNA, um Biodiversitätsmonitoring und naturbezogene Wirkungsberichte für Unternehmen bereitzustellen.
Lokale Wissenschaftler spielen in unserem Projekt eine zentrale Rolle. Sie helfen uns, an den jeweiligen Standorten geeignete Probenahmestellen zu identifizieren, arbeiten mit uns bei der Auswertung der Daten zusammen und leisten wesentliche Beiträge zu unseren Berichten über Kennzahlen zur Meeresbiodiversität.
Was ist eDNA?
Wissen darüber aufzubauen, welche Arten in bestimmten Teilen des Ozeans leben, ist in der Regel teuer und schwierig; das Leben unter Wasser zu beobachten, ist eine große Herausforderung. Schätzungen zufolge haben kontinuierliche biologische Beobachtungen bislang nur 7 Prozent der Meeresoberfläche abgedeckt.
Die eDNA-Technologie (environmental DNA) bietet jedoch eine neue und vergleichsweise kostengünstige Möglichkeit, Biodiversitätserhebungen durchzuführen – und zwar eine, die sich auch leicht von lokalen Wissenschaftlern und lokalen Gemeinschaften nutzen lässt, um das Wissen über den Ozean zu erweitern.
eDNA erfasst die Spuren, die Organismen in marinen oder anderen Umgebungen hinterlassen. Wasserproben in einer Meeresumgebung können manuell von kleinen Booten aus entnommen werden – mit einfachen Wasserbehältern (mit zwei Litern oder mehr) und einer geeigneten Filtration. Je nach Wasserbedingungen lässt sich eDNA in Wasserproben bis zu etwa 24 Stunden nach dem Aufenthalt der Organismen an einem Ort nachweisen. Proben werden in der Regel an mehreren Stellen innerhalb eines Gebietes entnommen; die Auswahl der Standorte kann durch den Ökosystemtyp, saisonale oder andere Faktoren bestimmt werden.
Die Wasserproben werden anschließend zur Analyse an ein Labor geschickt. Dies liefert Hinweise auf das Vorkommen einer bestimmten Art oder – falls die Signalstärke für eine eindeutige Bestimmung nicht ausreicht – auf eine übergeordnete Klassifizierung, etwa Familie oder Gattung.
Damit liefert eDNA einen Hinweis dafür, welche Arten wo vorkommen; wiederholte Probenahmen über ein Jahr hinweg können zudem anzeigen, wann Arten in den beprobten Gewässern präsent sind. Probeninformationen können außerdem auf gefährdete oder invasive Arten hinweisen; auch Artenreichtum (die Anzahl der Arten im untersuchten Gebiet) und evolutionäre Diversität (die Vielfalt der Arten) können geschätzt werden. Jede entnommene Probe kann somit zu unserem Verständnis beitragen, wie Ökosysteme strukturiert sind. Ergebnisse aus eDNA-Probenahmen lassen sich auf verschiedene Weise analysieren und visualisieren. Das unten dargestellte Kladendiagramm (Abbildung 1; in diesem Fall aus unserer Probenahme in der Monterey Bay in Kalifornien) visualisiert beispielsweise den „Stammbaum“ der durch die Analyse nachgewiesenen Chordatierarten.
eDNA hat jedoch auch Grenzen: Ein starkes Signal für das Vorkommen einer Art in einer Probe kann beispielsweise keine genaue Schätzung der Anzahl der Individuen dieser Art in einem bestimmten Gebiet liefern. eDNA-Proben werden zudem von biologischen (z. B. Biomasse, Lebensstadium, Aktivität, Körperkondition), umweltbedingten (z. B. Temperatur, pH-Wert, Salinität, Leitfähigkeit) und technischen Faktoren beeinflusst (z. B. durch Unvollkommenheiten im Verfahren zur Verstärkung des DNA-Signals). Artnachweise innerhalb eines Gebietes können außerdem durch Gezeiten oder – in Küstengebieten – durch Niederschlag und den damit verbundenen Wasserabfluss beeinflusst werden. Bestimmte Arten bzw. Tiergruppen hinterlassen zudem tendenziell mehr eDNA-Spuren als andere.
In Zukunft könnte eDNA auch mit anderen Technologien (einschließlich Künstlicher Intelligenz) kombiniert werden, um zusätzliche Erkenntnisse über das marine Leben zu gewinnen. Zudem könnten sich die Methoden zur Probenahme und Analyse von eDNA weiter verbessern.2
Beispiel eines Kladendiagramms – aus unserer Probenahme in der Monterey Bay
Quelle: NatureMetrics, Deutsche Bank AG. Datenstand: Juni 2025.
Bisherige Aktivitäten
Bisher haben wir in den vergangenen zwei Jahren eDNA-Tests an sieben Orten durchgeführt. An jedem Standort wurden zwischen drei und acht Proben an unterschiedlichen Stellen mit variierenden physikalischen und artenbezogenen Merkmalen entnommen.
Die Orte und Ergebnisse sind in der nachstehenden Tabelle zusammengefasst. In den folgenden Absätzen heben wir einige allgemeine Beobachtungen hervor.
Erstens: Jeder Ort ist anders – und innerhalb eines Ortes kann jede Probenahmestelle sehr unterschiedlich sein. Das „Lokale“ ist entscheidend. (Ebenso wie der saisonale Zeitpunkt der Probenahme.)
Zweitens: Jede Probenahmestelle ist interessant. Sowohl urbane Orte als auch bekannte, aber weniger erschlossene Küstenabschnitte weisen komplexe Artengemeinschaften auf.
Drittens: Lokale Wissenschaftler/-innen, Naturschutzgruppen und Bildungseinrichtungen sind eine wertvolle und sachkundige Ressource für ihren jeweiligen Standort. Weltweit gibt es ein starkes Engagement, den Ozean zu schützen und unser Verständnis dieser wichtigen Ressource zu vertiefen.
Unser Erhebungsprogramm begann im Mai 2024 mit Probenahmen an sechs Stellen vor dem nordatlantischen Archipel Bermuda. Drei dieser Probenahmestellen lagen im natürlichen Hafen des Great Sound und drei weitere weiter offshore. Bermudas vielfältiges Meeresleben wird durch Korallenriffe (die nördlichsten der Welt) unterstützt; die Offshore-Gewässer stehen in Verbindung mit der Sargassosee, einem Gebiet mit treibenden Seetangmatten. Die Inseln sind ein wichtiger Rastpunkt auf den Wanderungen der Nordatlantischen Buckelwale; außerdem gibt es dort ansässige Populationen von Großen Tümmlern (Nordatlantik) und Cuvier-Schnabelwalen.
Die eDNA-Tests lieferten an drei der sechs Probenahmestellen Hinweise auf Buckelwale; die stärkste Evidenz für ihre Anwesenheit ergab sich an einem küstennahen Standort, was interessante Fragen zu ihren Ruhe- und Migrationsmustern aufwirft. Andrew Stevenson von Whales Bermuda berichtet, dass Buckelwale bisher nicht in Küstennähe gemeldet wurden; der Zeitpunkt der Tests fiel mit der üblichen jährlichen Ankunft von Buckelwalmüttern und -kälbern vor Bermuda zusammen. Dies könnte auch die Möglichkeit stützen, dass Bermuda von diesen Walen wieder als Geburtsgebiet genutzt wird. Leider zeigte unsere Analyse auch einen weniger willkommenen Besucher: den Feuerfisch, Pterois volitans (invasive Art).
Teststandorte 2024–2025
*Art(en) oder höhere operationelle taxonomische Einheiten (OTU) berichtet. Deutsche Bank AG. Datenstand: April 2026.
Unser nächster Testort, New York, hätte kaum unterschiedlicher sein können. Wir testeten in Küstennähe, nahe der Freiheitsstatue im geschäftigen New Yorker Hafen. Bei unserer ersten Probenahme in New York im Juli 2024 fanden wir Hinweise auf relativ wenige marine Wirbeltierarten; eDNA von Walen und Delfinen – die weiter draußen vor der Küste, außerhalb des Hafens, häufig gesichtet werden – wurde nicht nachgewiesen. (Nur drei Proben waren verwertbar.) Dafür gab es deutliche Hinweise auf landlebende Säugetiere: eDNA von Streifenhörnchen und Waschbären, was angesichts bekannter lokaler Populationen zu erwarten war. eDNA vom Biber lieferte einen erfreulichen Beleg dafür, dass sich die Art nach einer 200-jährigen Abwesenheit wieder in der Stadt etabliert.
Als wir im Juni 2025 für eine weitere Testrunde nach New York zurückkehrten, fanden wir deutlich mehr Arten/Gattungen – insgesamt 37 bei marinen Wirbeltieren, Vögeln und Säugetieren –, vermutlich auch begünstigt durch eine höhere Zahl verwertbarer Proben. Abbildung 3 zeigt die 19 Gattungen, die bis auf Artenlevel identifiziert werden konnten. Die wohl erfreulichste Überraschung war eDNA des gefährdeten wandernden Amerikanischen Aals, eines Fisches mit einem bemerkenswerten Lebenszyklus, der eine Wanderung aus Süßwasserlebensräumen bis in die Sargassosee umfasst. Der Nachweis eines intakten Wanderkorridors für diese Aale ist willkommen: Eine Unterbrechung der Routen könnte hinter den in den letzten Jahren stark rückläufigen Beständen des Aals stehen. Zudem fanden wir Hinweise auf einen pelagischen Spitzenraubfisch, den Blaubarsch, was eine robuste Nahrungskette bestätigt.
Beispielergebnis einer Standortuntersuchung – New York (Artenidentifizierung der zweiten Untersuchung)
Quelle: NatureMetrics, Deutsche Bank AG. Datenstand: Juni 2025.
Damals stellte Bob Hyldburg, Executive Director von Gotham Whale, fest, die „Erhebung liefert uns weitere wertvolle Informationen über den New Yorker Hafen und hilft dabei, unsere Sichtungen durch Bürgerinnen und Bürger sowie unser Engagement für Wale und andere Waltiere zu unterstützen und zu fördern“.
Die schöne Kulisse des Sydney Harbour bot ein weiteres Beispiel für ein Testumfeld, in dem – erneut – maritime Arten mit großen menschlichen Populationen und wirtschaftlicher Aktivität koexistieren. Unsere eDNA-Probenahme im Februar 2025 ergab Hinweise auf 20 unterschiedliche Arten. Die Tests in Sydney wurden von Dr. Vanessa Pirotta, Gründerin und leitende Wissenschaftlerin des Projekts Wild Sydney Harbour, sowie der Gamay-Rangerin April Allende durchgeführt. Die Probenstandorte reichten von der Nähe der Heads (der Hafeneinfahrt, wo Delfin-eDNA nachgewiesen wurde) bis zum kommerziellen Zentrum Sydneys. Diese Ergebnisse, so Vanessa, werden „direkt zur Erforschung von Delfinen im Sydney Harbour beitragen. Probenahmen über einen längeren Zeitraum würden zudem helfen, ein besseres Bild vom Vorkommen der Arten zu unterschiedlichen Jahreszeiten zu gewinnen“.
Am anderen Ende des Pazifiks ist Juneau in Alaska ein weiterer Ort, an dem Naturkräfte und menschliche Aktivität unmittelbar aufeinandertreffen: Ein nachhaltiges Gleichgewicht zwischen beidem zu finden, ist entscheidend. Die Stadt ist zudem von Gletschern umgeben, und mit der Verschiebung von Klimamustern schmelzen diese – was Salzgehalt und Zusammensetzung des Meerwassers und damit auch die Nahrungskette verändert. Proben aus einem bestimmten Gebiet schienen einen sich selbst verstärkenden Walfressprozess in Aktion zu zeigen.
In Alaska wurden die Proben von Dr. Heidi Pearson, einer Projektpartnerin von der University of Alaska Southeast, genommen. Die vier ausgewählten Standorte lagen nicht weit vor der Küste – Buchten, umgeben von Bergen – und zeigten Hinweise auf 22 Arten oder Gattungen, von kleinen (z. B. Gezeitentümpel-Groppen) bis zu sehr großen (Buckelwale). Das hohe Diversitätsniveau in einem Probengebiet, einem bekannten Buckelwalnahrungshotspot, war besonders interessant: Wie Heidi sagte: „Diese Ergebnisse unterstreichen, warum Buckelwale jedes Jahr zum Fressen zurückkehren. eDNA kann uns helfen, diese Gewässer besser zu überwachen, um die Auswirkungen des Klimawandels und anderer menschlich verursachter Stressoren zu bewerten.“
Weiter südlich an der Westküste Nordamerikas beherbergt die Monterey Bay ein weiteres bemerkenswertes Ökosystem, mit einer der größten Tiefseeschluchten des Kontinents und ausgedehnten Kelpwäldern. Die Biodiversität wird zusätzlich durch nährstoffreiches Wasser begünstigt, das aus der Tiefe aufsteigt. Die Probenahme im Juni 2025 identifizierte eDNA für 48 Arten/Gattungen, darunter den Nördlichen Glattwaldelfin. Die Bandbreite der identifizierten Arten – darunter Orcas, Seelöwen, Robben und Seeotter sowie viele weitere – weist auf ein robustes Nahrungsnetz hin. „Solche Informationen“, sagte Francisco Chavez vom Monterey Bay Aquarium Research Institute (MBARI), „helfen uns zu verstehen, wie die Biodiversität in dieser Region auf den Klimawandel reagiert und wie wir ihr ökologisches Gleichgewicht besser schützen können.“
Nach der Monterey Bay fand unser nächster Test im Juli 2025 vor Rio de Janeiro statt, an der Mündung der Guanabara-Bucht (Abbildung 4, nächste Seite). Die Enge der Buchtzufahrt führt dazu, dass zweimal täglich relativ kaltes Wasser rasch ein- und ausströmt. Das Gebiet birgt eine Reihe von Gefahren für Meereslebewesen. Lokale Ökosysteme stehen seit Jahrzehnten unter starkem Druck. Das Wasser in der Bucht ist aufgrund der großen Bevölkerungszahlen und der Industrie in mehreren umliegenden Metropolregionen häufig stark verschmutzt; auch Entwaldung ist ein Problem. Dass sich innerhalb der Bucht große Inseln befinden, erschwert zudem die Wasserzirkulation.
Nichtsdestotrotz ergab die Probenahme den Nachweis von 44 Arten. Wie erwartet zeigte sich eine große und erfreuliche Vielfalt an Knochenfischen – z. B. Heringe, Umberfische und Sardellen – sowie an Vögeln (z. B. Papageien, Tauben). Der spektakulärste Fund jedoch – an zwei der sechs Orte – war der eDNA-Nachweis von Buckelwalen, die während der Probenahme auch visuell vom Boot aus beobachtet wurden. Wie der Meeressäugerexperte Salvatore Siciliano von der Escola Nacional de Saúde Pública/Fiocruz in Rio de Janeiro sowie von der Grupo de Estudos de Mamíferos Marinhos da Região dos Lagos anmerkte, ist bekannt, dass Buckelwale auf ihrer Nordwanderung in der Regel küstennah bleiben (trotz damit verbundener Gefahren, etwa durch Schiffsverkehr), da sie zur Navigation akustische Methoden nutzen (z. B. die Auswertung der Schallmuster brechender Wellen). Diese eDNA- und Sichtnachweise von Buckelwalen stützen zusätzlich die Hinweise auf eine Erholung der Buckelwalbestände in dieser Region – von geschätzten 1.000 Tieren an ihrem Tiefpunkt in den 1960er-Jahren auf heute etwa 25.000–30.000 oder mehr.
Wie oben erwähnt, hat eDNA auch ihre Grenzen. Dass keine eDNA-Nachweise für Haie und Rochen erbracht wurden, obwohl bekannt ist, dass sie in diesem Gebiet vorkommen, war keine vollständige Überraschung: Beim Durchqueren eines Gebiets können sie in größere Tiefen abtauchen, sodass eine sehr intensive Probenahme erforderlich wäre, um entsprechende Nachweise zu finden. Unsere Forschenden hätten zudem eDNA-Nachweise von Grünen Meeresschildkröten erwartet, von denen es vor Rio eine große Population gibt, oder von Seevögeln wie Seeschwalben, Tölpeln oder Fregattvögeln.
Die Ergebnisse aus Rio verdeutlichen außerdem die Bedeutung des Zeitpunkts der Probenahme. Unsere Proben wurden zu einem Zeitpunkt genommen, als die Tide auflief – das heißt, eDNA sich in Richtung Küste bewegte. Dies könnte das Ausbleiben von eDNA-Nachweisen von Delfinen erklären, obwohl bekannt ist, dass tief innerhalb der Bucht eine kleine Kolonie existiert. Regen und der daraus resultierende Eintrag von Oberflächenwasser in die Bucht könnten die Testergebnisse ebenfalls beeinflusst haben.
Beispielhafte Probenahmegebiete – Probenahmegebiete in Rio de Janeiro / Guanabara-Bucht
Quelle: NatureMetrics, Deutsche Bank AG. Datenstand: Juli 2025.
Unsere erste Probenahmekampagne innerhalb Europas fand im August 2025 vor der deutschen Ostseeküste bei Sassnitz statt. Dabei wurden an sieben Standorten insgesamt 30 Arten nachgewiesen. Dazu zählten Brassen, Sand- und Süßwasseraale, Grundeln, Hornhechte und Schollen sowie verschiedene Arten von Seenadeln – aus derselben Familie wie Seepferdchen, jedoch mit gestrecktem Körperbau und einem ungewöhnlichen Lebenszyklus. Wenig überraschend war die invasive Schwarzmundgrundel die einzige Art, die an allen Teststandorten bei Sassnitz vorkam. Ursprünglich im Schwarzen und Kaspischen Meer beheimatet, verfügt sie inzwischen über eine etablierte, nicht heimische Population in der Ostsee. Ein Forschungsteam des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel unterstützte die Planung und Durchführung der Probenahmen wissenschaftlich vor Ort. Wie Dr. Clemens von Scheffer vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel anmerkte: „Das Bewusstsein für den Gesundheitszustand unserer Meere, die durch zahlreiche Faktoren bedroht sind, zu schärfen, ist wichtiger denn je. Kooperationen verschiedener gesellschaftlicher Akteure bei Veranstaltungen wie der SailGP sind wertvolle und vielversprechende Initiativen.“
Was kommt als Nächstes?
Die eDNA-Beprobung hat sich als leistungsfähiges Instrument erwiesen, um nachzuweisen, welche Arten wo – und bei saisonaler Beprobung auch wann – vorkommen. Jede entnommene Probe trägt zu unserem Verständnis der zugrunde liegenden Ursachen bei.
Im Jahr 2026 haben wir bereits Proben in Sydney genommen und planen fünf weitere eDNA-Testreihen an den unten genannten Standorten (Abbildung 5). Untersuchungen an denselben Orten, die erneut Austragungsorte von SailGP-Rennen sind, ermöglichen es uns, unser Verständnis dieser marinen Lebensräume zu vertiefen und gleichzeitig unsere Unterstützung für lokale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie begleitende Bildungsprogramme fortzusetzen. Beprobungen zu unterschiedlichen Jahreszeiten können dabei helfen, saisonale Veränderungen in der Präsenz mariner Arten, jährliche Schwankungen sowie das Auftreten unterschiedlicher Arten sichtbar zu machen (wie im Fall der ersten beiden Probenahmen in New York, die oben beschrieben wurden).
Testorte 2026
Quelle: Deutsche Bank AG. Datenstand: April 2026.
Eine Priorität für 2026 besteht darin, das eDNA-Testprogramm zu nutzen, um das lokale Bewusstsein für die Ozeane zu stärken und lokales Engagement zu fördern (häufig über Bildungsangebote). Unsere Kolleginnen und Kollegen aus dem Bereich Corporate Social Responsibility (CSR) der Deutschen Bank haben beispielsweise gemeinsam mit NatureMetrics ein Bildungsprogramm im Zusammenhang mit eDNA-Untersuchungen an einer Schule in New York City gestartet. Dieses Programm bietet Jugendlichen sowohl eine Einführung in fortgeschrittene wissenschaftliche Methoden in der Praxis als auch Kontakt zu aktiv tätigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern.
Darüber hinaus planen wir weitere Workshops für Kinder in Zusammenarbeit mit Enovation Consulting an ausgewählten zukünftigen SailGP-Rennstandorten, darunter New York, Portsmouth, Sassnitz und Valencia. Diese Workshops werden sich auf die Gesundheit der Ozeane konzentrieren und darauf abzielen, die eDNA-Technologie auf verständliche und ansprechende Weise zu erklären und ihre Relevanz zu unterstreichen.
Unsere bisherigen Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Einzelpersonen sowie mit lokalen Gruppen und Forschungseinrichtungen wie Whales Bermuda, dem Wild Sydney Harbour Project, Gotham Whale, dem GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel und dessen Innovationsplattform SOOP („Shaping an Ocean of Possibilities“) sowie mit Bildungseinrichtungen wie der University of Alaska Southeast und der Universidade do Estado do Rio de Janeiro bestärken uns darin, dass hierfür ein großes Interesse besteht.
Wie Markus Müller, CIO Sustainability der Deutschen Bank Private Bank, betont: „Bewusstsein und Bildung können dazu beitragen, eine langfristige Grundlage für lokale Initiativen und politische Maßnahmen zum Schutz und zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit des marinen Lebens zu schaffen. Auf diese und andere Weise kann die eDNA-Analyse das Bewusstsein für die Wunder des Ozeans schärfen, und vor allem dafür, was wir zu seinem Schutz tun können.“
Fokus: Förderung der Meereswissenschaftsbildung mit der New York Harbor School
Im Jahr 2025 hat das Corporate-Social-Responsibility-Team (CSR) der Deutschen Bank in Zusammenarbeit mit NatureMetrics ein praxisorientiertes eDNA-Testprogramm an der Urban Assembly New York Harbor School etabliert. Die Initiative war als geförderte, sektorübergreifende Partnerschaft angelegt und verfolgte das Ziel, ein strukturiertes Förder- und Bildungsprogramm für Schülerinnen und Schüler mit Blick auf eine Laufbahn in den Meereswissenschaften zu entwickeln.In enger Zusammenarbeit mit dem Lehrpersonal der Harbor School stellte die Deutsche Bank ihren technischen Partner NatureMetrics vor, der die Schülerinnen und Schüler bei der Erforschung der lokalen aquatischen Biodiversität begleitete. NatureMetrics bringt umfassende naturwissenschaftliche Datengrundlagen und technische Expertise ein und stellt dabei Probenahme-Kits für Wasserproben, Laboranalysen sowie spezialisierte Schulungen zur Verfügung.
Dieses Modell zeigt, wie die Deutsche Bank ihre Ressourcen und Technologiepartner nutzen kann, um Bildungsangebote voranzubringen, und schafft zugleich eine Blaupause mit dem Potenzial zur Übertragung und Skalierung auf andere Bildungseinrichtungen und Gemeinschaften. Das Programm umfasst:
- Praxisnahe eDNA-Probenahme: Die Schülerinnen und Schüler führen manuelle marine eDNA-Probenahmen durch. Mithilfe spezieller Filtrati-onsmethoden erfassen sie die in Meerwasser vorhandenen Umwelt-DNA-Spuren, die von marinen Organismen hinterlassen werden.
- NatureMetrics Intelligence Platform: Nach der Laboranalyse durch NatureMetrics erhält jede Schülerin und jeder Schüler Zugang zu den eigenen Daten über eine Plattform, die es ermöglicht, die Ergebnisse zu erkunden, komplexe Biodiversitätskennzahlen zu visualisieren und den Artenreichtum der lokalen Gewässer rund um New York zu bewer-ten.
- Mentoring & berufliche Entwicklung: Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von NatureMetrics sowie Fachkräfte der Deutschen Bank bieten während des gesamten Programms eine umfassende Be-treuung. Die Schülerinnen und Schüler verfassen Berichte und präsen-tieren ihre wissenschaftlichen Forschungsprojekte und erhalten dadurch Einblicke in mögliche berufliche Perspektiven im Bereich der Lebenswissenschaften – einem Sektor, in dem New York City inner-halb der USA national den zweiten Platz bei Start-ups einnimmt.
Glossar
- Amerikanischer Aal (Anguilla rostrata) ist eine wandernde Fischart, die in Süßwasser- und Ästuarhabitaten lebt, sich im Verlauf ihres Lebenszyklus jedoch in der Sargassosee fortpflanzt.
- #BackBlue Ocean Finance Commitment, gestartet im Jahr 2021, hat das Ziel, die Ozeane systematisch in finanzielle und versicherungsbezogene Entscheidungsprozesse einzubeziehen.
- Blaubarsch (Pomatomus saltatrix) ist ein schnell schwimmender, räuberischer Meeresfisch, der Schwärme bildet und sowohl küstennahe als auch offene Meeresgebiete besiedelt.
- Deoxygenierung bezeichnet den Rückgang des Sauerstoffgehalts im Wasser, wodurch der Lebensraum für marine Organismen zunehmend eingeschränkt wird.
- Gattung (Genus) ist eine taxonomische Rangstufe unterhalb der Familie und oberhalb der Art; die Mitglieder teilen bestimmte gemeinsame Merkmale.
- Grupo de Estudos de Mamíferos Marinhos da Região dos Lagos (GEMM) ist eine brasilianische Forschungsgruppe, die Meeressäuger untersucht.
- Kohlenstoffkreislauf beschreibt, wie Kohlenstoff in verschiedenen Formen durch die Systeme unseres Planeten zirkuliert.
- NatureMetrics ist Technologie- und Analysepartner für die eDNA-Probenahme, die Laboranalysen und Biodiversitätsdaten.
- ORRAA (Ocean Risk and Resilience Action Alliance) ist eine multisektorale Allianz zur Förderung von Investitionen in die Widerstandsfähigkeit von Ozeanen und Küsten.
- SailGP / SailGP Germany ist eine internationale Hochgeschwindigkeits-Segelrennserie, die als Plattform für die eDNA-Probenahmen genutzt wird.
- Sargassosee ist ein Meeresgebiet im Nordatlantik mit schwimmenden Sargassumteppichen; relevant für Wanderzyklen u. a. des Amerikanischen Aals.
- Taxon / Taxa sind systematische Einheiten der biologischen Klassifikation (z. B. Art, Gattung, Familie).
- Umwelt-DNA (eDNA) bezeichnet DNA, die aus einer Umweltprobe (z. B. Wasser) gewonnen wird, anstatt direkt aus einem Organismus entnommen zu werden.
- Versauerung entsteht durch die Aufnahme von Kohlendioxid (CO₂) im Meerwasser, wobei eine Reihe chemischer Reaktionen letztlich zu einer erhöhten Konzentration von Wasserstoffionen führt.
- Wild Sydney Harbour Project ist ein Citizen-Science-Projekt, das das Verständnis für die Tierwelt im und um den Hafen von Sydney, Australien, fördern soll.
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Redaktionsschluss: 13.05.2026, 15 Uhr