Der Mehrheit der Deutschen ist das Dilemma durchaus bewusst: Sie erwarten, dass das Niedrigzinsumfeld noch länger anhalten und ihr Vermögen durch die Nullzinsen künftig weniger wert sein wird. Dennoch schrecken sie vor Geldanlagen zurück, die mehr Rendite als Sparbuch & Co. bringen könnten – auch aus mangelndem Wissen über Anlagealternativen. Das ist das zentrale Ergebnis einer repräsentativen Umfrage der Deutschen Bank.

Aufklärung sei daher dringend notwendig, sagt Dr. Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank.

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„Fast die Hälfte der Befragten will das Zinstief am liebsten aussitzen“

Fast die Hälfte der befragten Bundesbürger (48 Prozent) will das Zinstief am liebsten aussitzen – trotz besseren Wissens: 64 Prozent erwarten nämlich, dass die niedrigen Zinsen negative Auswirkungen auf das persönliche Vermögen bzw. Ersparte haben.

40 Prozent gehen davon aus, dass sie noch ein bis drei Jahre mit den Niedrigzinsen leben müssen. Ein Drittel ist sogar noch pessimistischer: Es rechnet mit einer Dauer von vier bis zu zehn Jahren.

Fakt ist: Die derzeitige Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) belastet Sparer. Die Währungshüter halten die Zinsen seit Jahren niedrig, um mit günstigem Kapital die Konjunktur anzukurbeln und die Inflation in der Eurozone anzuschieben. Im März wurde der Leitzins auf den historisch niedrigen Wert von null gesenkt. Die Teuerungsrate war zwar im September im gemeinsamen Währungsraum auf den höchsten Stand seit fast zwei Jahren gestiegen. Die Inflation ist mit 0,4 Prozent aber immer noch weit entfernt von dem Preisziel der EZB von knapp zwei Prozent.

Entsprechend dürfte die Niedrigzinspolitik auch noch eine ganze Weile andauern – und der deutsche Sparer für sichere Anlageformen wie Sparbuch, Tagesgeld und Festgeld weiterhin so gut wie keine Zinsen bekommen.

Dennoch will fast die Hälfte der befragten Bundesbürger kein höheres Risiko bei der Geldanlage in Kauf nehmen: Sie bevorzugt nach wie vor Spareinlagen (20 Prozent), Tages- und Festgelder (19 Prozent) sowie Lebensversicherungen und private Rentenversicherungen (14 Prozent).

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„Für viele Deutsche war das Sparbuch immer eine kluge Anlageform“, sagt Ulrich Stephan. „Aber die Zeiten haben sich geändert. Angesichts des aktuellen Zinstiefs sollten Anleger ihr Geld streuen und sich mit Aktien und Investmentfonds beschäftigen.“ Denn in Zeiten, in denen der „risikolose Zins“ bei null oder zeitweise sogar darunter liegt, wird er automatisch zum zinslosen Risiko: keine Aussicht auf Renditen, stattdessen mit Sicherheit reale Kaufkraftverluste. Doch warum tun sich die Deutschen schwer, andere Geldanlagen zu berücksichtigen?

Für 73 Prozent der Befragten ist Sicherheit der wichtigste Aspekt bei der Geldanlage. Entsprechend ziehen fast zwei Drittel (62 Prozent) der Privatanleger risikoreichere Anlageklassen wie Wertpapiere nicht in Betracht: 56 Prozent sagen, sie verstünden nicht, wie man Sparanlagen in Wertpapiere umschichtet, 55 Prozent halten Aktien, Fonds oder Zertifikate generell für kompliziert und unverständlich. Außerdem hält sich das Vorurteil, dass Aktien nur etwas für Leute mit Geld seien (47 Prozent).

Aufklärung dringend nötig

„Dieses Ergebnis zeigt einmal mehr: Wir müssen erklären, weshalb und für wen Aktien, Fonds oder Zertifikate im Zinstief, auch in Anbetracht der Risiken, sinnvoll sein können“, so Stephan.

Denn wer auch in Zeiten der anhaltenden Niedrigzinsen langfristig Vermögen aufbauen oder optimieren will, für den kann ein Engagement an den Kapitalmärkten sinnvoll erscheinen – trotz des höheren Anlagerisikos. Durch einen langen Anlagezeitraum können zeitweise negative Wertentwicklungen unter Umständen kompensiert werden. Das Spektrum der möglichen Anlagealternativen ist sehr breit und will genau analysiert werden. Für Einsteiger könnte eine Investition in Fonds eine Anlagemöglichkeit sein. Sie setzt weniger Finanzwissen voraus als die Anlage in Einzelaktien, und kann zudem das Verlustrisiko wegen der breiteren Streuung reduzieren. Und wer monatlich nur kleinere Beträge in Wertpapiere investieren will oder kann, für den könnte ein Sparplan infrage kommen.

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Über die Umfrage

Zwischen 1. September und 12. September 2016 nahmen an der repräsentativen Onlinebefragung der Deutschen Bank „Geldanlage in Niedrigzinszeiten“ 500 Bundesbürger teil.

Redaktionsschluss: 14.11.2016