Die wichtigsten Fakten:

  • US-Politik mit maßgeblichem Einfluss auf das Weltwirtschaftswachstum
  • Europa als Bremsklotz der globalen Wirtschaftsentwicklung
  • Schwellenländer fundamental insgesamt solide aufgestellt

Der Welt dürften unruhige Zeiten bevorstehen: So stark wie selten zuvor in den vergangenen zwei Jahrzehnten könnten 2017 politische Entscheidungen Einfluss auf die weltwirtschaftliche Entwicklung nehmen – im Positiven wie im Negativen. Die größten Belastungsfaktoren dürften die Tendenzen hin zu einer restriktiveren Einwanderungspolitik sowie zu einer zunehmend protektionistischen Wirtschaftspolitik darstellen. Positionen, die nicht nur in den Vereinigten Staaten, sondern auch in Europa auf dem Vormarsch sind.

Die Gründe dafür sind vielfältig. Eine wesentliche Triebfeder scheint jedoch die ungleiche Verteilung des in den vergangenen Jahrzehnten erwirtschafteten Wohlstands zu sein. Tatsächlich haben Teile der Mittelschicht, insbesondere in den Industrieländern, von der Globalisierung bislang wenig profitiert – ihre Reallöhne sind mitunter sogar gesunken. Bei diesen Globalisierungsverlierern – und den Menschen, die sich zu ihnen zählen – stoßen die oftmals populistischen Forderungen nach mehr Abschottung und einem stärkeren Nationalstaat vermehrt auf Zustimmung.

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Langfristige Wachstumsprobleme verschärfen sich

Statt gegenzusteuern und die Ursachen der wachsenden Ungleichheit zu beheben, versuchen die jeweiligen Regierungen weiterhin, mit geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen die größten Probleme zu überdecken. Das schont zwar einerseits zunächst die Wähler, weil es harte, aber notwendige wirtschaftliche Einschnitte hinausschiebt. Andererseits setzt es einen Teufelskreis in Gang: Wenn wenig produktive Unternehmen künstlich am Leben gehalten und Strukturreformen auf die lange Bank geschoben werden, führt das langfristig dazu, dass die Wirtschaft stagniert und die Situation sich verschärft (siehe Grafik).

 

In diesem Zusammenhang stellt auch die Entwicklung des Welthandels eine Herausforderung dar. Immer neue Handelsbarrieren setzen dem internationalen Austausch von Waren, Dienstleistungen und Kapital bereits seit Jahren Grenzen (siehe Grafik) – ein Trend, der sich 2017 fortsetzen dürfte.

Investitionsprogramme sorgen für konjunkturelle Stimuli

Während sich die langfristigen Wachstumshemmnisse nur strukturell abbauen lassen, dürften insbesondere fiskalpolitische Maßnahmen der Weltkonjunktur 2017 einen spürbaren Wachstumsschub verleihen. Insgesamt rechnet die Deutsche Bank mit einem positiven Impuls: Nach einem erwarteten Plus von 3,0 Prozent im Jahr 2016 könnte die Weltwirtschaft in den kommenden zwölf Monaten um 3,4 Prozent zulegen.

Konjunkturbeschleunigung in den USA – mit einigen Fragezeichen

Die Zeichen für die US-Wirtschaft standen schon vor der Wahl Donald Trumps zum neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten auf höheres Wachstum. Im Zuge des steigenden Ölpreises hatten die wichtigen Ausrüstungsinvestitionen bereits im Jahresverlauf 2016 wieder angezogen. Nach dem Wahlergebnis vom 8. November schraubte die Deutsche Bank ihre US-Wachstumsprognose für das Jahr 2017 noch einmal nach oben: von 1,7 auf aktuell 2,3 Prozent. Grund für die positivere Prognose sind in erster Linie Trumps Pläne für umfassende fiskalische Maßnahmen. Diese sehen neben erheblichen Steuererleichterungen für US-Unternehmen und -Bürger unter anderem Infrastrukturausgaben in Höhe von bis zu einer Billion US-Dollar vor.

Fraglich bleiben dabei allerdings der konkrete zeitliche Rahmen und der tatsächliche Umfang der Programme. So dürften die Infrastrukturinvestitionen wie auch die von Trump angekündigten Deregulierungsvorhaben, etwa in den Bereichen Energie oder Finanzen, erst mit einiger Verzögerung konjunkturell zu Buche schlagen. Darüber hinaus scheint der Umfang von einer Billion US-Dollar zu hoch gegriffen: Zwar stellen die Republikaner nicht nur den Präsidenten, sondern gleichzeitig die Mehrheit in beiden Kammern des US-Kongresses. Allerdings droht Trump bei wichtigen Entscheidungen auch aus den eigenen Reihen Gegenwind: Während Steuererleichterungen vergleichsweise unkompliziert zu verabschieden sein dürften, steht die republikanische Partei Ausgabenerhöhungen traditionell kritisch gegenüber – ein konjunkturtreibendes Infrastrukturprogramm scheint insgesamt zwar wahrscheinlich, allerdings in abgespeckter Form. Gleiches gilt für die vorgesehene zunehmende Abschottung der USA vom Welthandel. Hier bleibt abzuwarten, in welchem Umfang Trump seine protektionistischen Pläne umsetzen kann.

Europa vor richtungsweisendem Super-Wahljahr 2017

Protektionistische Maßnahmen der USA würden auch die europäischen Volkswirtschaften belasten. In der Alten Welt erscheinen jedoch die hausgemachten Herausforderungen noch deutlich größer. Insbesondere der Wahlkampf in wichtigen Euroländern führt zu Zurückhaltung bei Reformen sowie Investitionen und setzt die Wirtschaft unter Druck: So stehen in Frankreich, den Niederlanden und Deutschland 2017 Parlamentswahlen an – allesamt mit ungewissem Ausgang und dem Risiko erstarkender populistischer und europafeindlicher Parteien. Hinzu kommen Neuwahlen in Italien und möglicherweise auch in Griechenland sowie instabile Minderheitsregierungen in Spanien und Portugal. Auch in Großbritannien könnte, je nach Verlauf der weiteren Brexit-Diskussionen, ein neuer Urnengang notwendig werden.

Zumindest geldpolitisch dürfte der europäischen Konjunktur aber kein Gegenwind drohen. Denn die Europäische Zentralbank hat jüngst ihr Anleiheankaufprogramm um neun Monate bis Dezember 2017 verlängert – wenn auch mit reduziertem Ankaufsvolumen ab April. In Kombination mit einer moderaten Inflation und der geringen Wirtschaftsdynamik in der Eurozone scheint nur ein moderater Anstieg der Kapitalmarktzinsen wahrscheinlich. Aufgrund der hohen Zinsdifferenzen zu den USA erwartet die Deutsche Bank zum Jahresende 2017 einen Euro-Dollar-Kurs von 0,95.

In diesem Umfeld sind die Wachstumsprognosen für die Eurozone eher zurückhaltend: Nach 1,7 Prozent für das Jahr 2016 erwartet die Deutsche Bank für 2017 nur noch 1,3 Prozent. Damit ist die Eurozone global gesehen mittlerweile zum Bremsklotz der Weltwirtschaft geworden. Deutschland profitiert zwar weiterhin von einem vergleichsweise soliden Arbeitsmarkt und einem ebensolchen Binnenkonsum. Aber auch Europas größte Volkswirtschaft wird den globalen Entwicklungen Tribut zollen müssen. So dürften das Exportwachstum stagnieren und die Staatsausgaben nach dem flüchtlingsbedingten Schub nachlassen. Insgesamt bleibt aus Sicht der Deutschen Bank dadurch noch ein Plus von 1,1 Prozent für das Jahr 2017 – nach 1,9 Prozent für 2016.

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Langsame Fortschritte in Japan

Ähnlich wie in Deutschland hängt auch in Japan viel an der Exportwirtschaft. Insofern treffen die Unsicherheiten hinsichtlich protektionistischer US-Maßnahmen das Reich der aufgehenden Sonne ähnlich stark. Allerdings dürfte der fiskalische Impuls dort weiterhin deutlich größer ausfallen als in Deutschland. Auch wenn dieser bisher noch kaum auf die Realwirtschaft durchgeschlagen ist, könnten sich langsam erste positive Effekte einstellen. Da die Bank of Japan die Zinsen um 0 Prozent halten dürfte, ist weiter von einem schwachen Yen zum US-Dollar auszugehen – wovon der japanische Export profitieren sollte. Die Deutsche Bank rechnet mit einem leichten Anstieg der Inflation und einem Wirtschaftswachstum von 1,1 Prozent für 2017.

Schwellenländer insgesamt solide aufgestellt

Nach wie vor stärker als in den Industrieländern präsentiert sich die Wirtschaft in den meisten Schwellenländern. Insgesamt könnten die aufstrebenden Märkte im Jahr 2017 mit 4,6 Prozent wachsen. Dabei sind die Unterschiede zwischen den einzelnen Volkswirtschaften weiterhin groß: Während Russland und Brasilien mit einem erwarteten Konjunkturplus von 1,6 beziehungsweise 0,5 Prozent der Rezession entkommen könnten, zählen China mit 6,5 und Indien mit 7,0 Prozent zu den globalen Wachstumsriesen.

Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung könnten auch in den Schwellenländern hauptsächlich seitens der Politik in den Vereinigten Staaten drohen. Unter einer möglichen Abschottung des US-Marktes dürften aufgrund ihrer engen regionalen Verflechtungen insbesondere einige latein- amerikanische Staaten leiden, aber auch stark exportorientierte Länder wie Südkorea, Singapur oder Thailand. Rohstoffländer hingegen könnten negative protektionistische Einflüsse wohl weitestgehend über eine höhere Rohstoffnachfrage im Zuge eines anziehenden US-Wachstums kompensieren. Auch starke Binnenmärkte wie Indien wären wahrscheinlich weniger betroffen. Für Osteuropa wiederum dürften eher die Entwicklungen in der Eurozone entscheidend sein.

Insgesamt scheinen die Schwellenländer aber gegen externe Schocks fundamental besser aufgestellt zu sein als noch vor ein paar Jahren: Sie konnten ihre Währungsreserven erhöhen, ihre Leistungsbilanzdefizite senken und ihr Wirtschaftswachstum stabilisieren. Bis mehr Klarheit über die konkreten politischen Entwicklungen in den USA herrscht, dürften sie jedoch anfällig bleiben – insbesondere hinsichtlich der Währungsentwicklung. Im Gegensatz zu vergangenen Jahren dürften Abwertungen ihrer Währungen von den Marktteilnehmern allerdings nicht als Risiko interpretiert werden. Denn diese wären eher einer Stärke des US-Dollar geschuldet als einer Schwellenländer-Schwäche.

2017 sind alle Augen auf die USA gerichtet

Die wirtschaftliche Stimmung weltweit hat sich bereits in den letzten Monaten des Jahres 2016 deutlich belebt – steigenden Rohstoffpreisen und der Ankündigung umfangreicher fiskalischer Maßnahmen zum Dank. Trotz vieler politischer Unsicherheitsfaktoren sollte dieser Trend nach Einschätzung der Deutschen Bank über das Jahr 2017 hinaus anhalten. Für Anleger dürfte es aufgrund der erwarteten Schwankungen an den Kapitalmärkten trotzdem ein herausforderndes Jahr werden, was ein aktives Management des Portfolios notwendig machen dürfte.

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