Der EZB-Rat hat zwar sein QE-Programm bis Ende 2017 verlängert, ab April aber mit einem verringerten monatlichen Volumen. Sollte sich die vergleichsweise optimistische Konjunktureinschätzung der EZB bestätigen, könnte sie Ende 2017 eine weitere Kürzung beschließen. Der EZB-Leitzins dürfte aber absehbar bei 0% bleiben, der Zinsabstand zu den USA wachsen und der Euro daher abwerten.

Auf ihrer Sitzung im Dezember hat die Europäische Zentralbank (EZB) ihr Anleihekaufprogramm (QE) über den bisherigen Mindestzeitraum, der im März 2017 geendet hätte, hinaus verlängert. Sie plant, Anleihen bis mindestens Ende 2017 zu kaufen, um die Konjunktur mit ihrer weiter expansiv ausgerichteten Geldpolitik zu unterstützen. Ab April soll das monatliche Volumen jedoch von EUR 80 Mrd. auf EUR 60 Mrd. gesenkt werden, was mit dem spürbar zurückgegangenen Deflationsrisiko begründet wird. Allerdings betonte EZB-Präsident Mario Draghi bei der Pressekonferenz, dass bei den konjunkturellen Aussichten weiterhin die Abwärtsrisiken dominieren und das Kaufprogramm bei Bedarf jederzeit verlängert und/oder ausgeweitet werden könne.

Gegenüber den recht optimistischen Prognosen der Zentralbank sehen wir vor allem beim Wachstum Abwärtsrisiken. Unsere BIP-Wachstumsprognose für die Eurozone in 2017 liegt fast einen halben Prozentpunkt niedriger als jene der EZB. Dazu kommt, dass die Inflation vor allem aufgrund höherer Energiepreise zunimmt, während die Kerninflation bislang kaum Anzeichen erkennen lässt, zu steigen. Dies dürfte erst bei einer höheren Auslastung des Arbeitsmarktes geschehen. Dennoch sollte eine weitere Reduktion des Anleihekaufprogramms Ende 2017 möglich sein, wenn sich keins der vielen ökonomischen und politischen Risiken materialisiert. Eine Diskussion darüber dürfte im zweiten Halbjahr 2017 ohnehin wieder einsetzen, da es der EZB immer schwerer fallen dürfte, genügend Anleihen am Finanzmarkt zu finden, die ihren Kriterien entsprechen.

Der Ausstieg aus der derzeitigen extremen Geldpolitik dürfte jedoch insgesamt äußerst langsam vonstattengehen und von Pausen gekennzeichnet sein, wie das Beispiel der amerikanischen Notenbank zeigt. Mit einem Anstieg des EZB-Leitzinses von aktuell 0% ist damit auf absehbare Zeit kaum zu rechnen. Die kurzfristigen Marktzinsen sollten dementsprechend in der Eurozone niedrig bleiben. Im Gegensatz dazu könnten die Renditen von Anleihen mit längerer Laufzeit stärker auf den Renditeanstieg in den USA reagieren, wenn auch die anhaltenden Anleihekäufe durch die EZB die (deutschen) Staatsanleiherenditen auf – in historischem Vergleich – niedrigen Niveaus halten dürfte. Davon dürfte der US-Dollar profitieren und gegenüber dem EUR aufwerten.

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