Die wichtigsten Fakten:

  • Zahlreiche Unternehmen beschäftigen sich mit der Blockchain
  • Dezentrale Datenbank bietet verschiedene Vorteile
  • Technologie könnte insbesondere Finanzsektor beeinflussen

Seit sich der Wert eines Bitcoins im Jahr 2017 von weniger als 1.000 auf mehr als 20.000 US-Dollar (USD) vervielfacht hat, sind Kryptowährungen in aller Munde. Ein nachvollziehbarer Hype, auch wenn der Bitcoin-Kurs wieder unter 10.000 USD gerutscht ist. Aus Sicht der Deutschen Bank sind die zugrunde liegende Blockchain-Technologie und ihr disruptives Potenzial hingegen viel spannender als das Auf und Ab der Kursverläufe von Kryptowährungen.

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Blockchain: eine Technologie mit viel Potenzial

Die Blockchain ist als dezentrale Datenbank zu verstehen. Darin liegt allerdings keine Neuerung, denn dezentrale Datenbanken gibt es seit über 40 Jahren. Die entscheidende Innovation liegt in dem Konsensverfahren, welches die Blockchain vor Manipulationen schützt. Bei Bitcoin zum Beispiel gibt es eine Art Wettbewerb, der darüber entscheidet, welcher Nutzer die Blockchain erweitern darf. Wer den Zuschlag erhält, wird mit Coins entlohnt. Ein Eintrag auf der Blockchain bzw. die Bildung eines neuen Blocks gilt erst dann als validiert, wenn sich die Mehrheit aller Nutzer einig ist. Gelingt dies, wird die Erweiterung auf der dezentralen Datenbank unveränderlich eingetragen. Sämtliche Teilnehmer sind im Besitz einer vollständigen Kopie der Daten und jeder Eintrag wird bei sämtlichen Beteiligten abgespeichert. Der Name Blockchain (Datensatzkette) resultiert dabei aus ihrem Aufbau: Einzelne Transaktionen werden in Blöcke zusammengefasst und aneinander gehängt. Damit hat jeder Block genau einen Vorgänger und einen Nachfolger. Die Verknüpfungen sind unlösbar und können nicht mehr verändert werden. So entsteht eine digitale Verkettung – also ein digitales Transaktionsregister.

Zentrale Kontrollinstanz nicht erforderlich

Das Besondere: Obwohl viele Parteien beteiligt sind, wird ohne eine zentrale Kontrollinstanz Einigkeit über die korrekten Einträge erzielt. Die Herausforderung großer dezentraler Datensysteme lag in der Vergangenheit in der Anfälligkeit für Betrug. Die Blockchain hingegen gilt als so gut wie fälschungssicher, aufgrund der allgemeinen Akzeptanz des Validierungsverfahrens sowie der Unveränderlichkeit zurückliegender Einträge. Die Historie über getätigte Transaktionen ist lückenlos und auf allen Rechnern des Netzwerkes identisch.

Blockchain-Technologie steht noch am Anfang

Trotz einer bereits rasanten Entwicklung stehen die Blockchain-Technologie und ihre Anwendungen noch am Anfang. Es könnten nach Einschätzung der Deutschen Bank weitere drei bis sieben Jahre verstreichen, bis sie auf breiter Basis genutzt werden. Bis dahin gilt es, einige Hürden zu überwinden, denn bei allen Vorteilen hat die Technologie auch Nachteile – etwa der große Bedarf an Serverkapazitäten und damit Energie. Aufgrund der Notwendigkeit der komplexen und aufwendigen Validierung durch die Mehrheit der Nutzer sind hohe Rechenaufwendungen nötig, die vergleichsweise lange dauern. Bei der Bitcoin-Blockchain beispielsweise entspricht der Stromverbrauch für eine Transaktion umgerechnet etwa dem eines deutschen Einfamilienhauses im Monat. Die Komplexität der Technologie sowie die Energiekosten schränken die Skalierbarkeit und die Massennutzung der Blockchain-Technologie derzeit noch ein. Daher setzen Weiterentwicklungen der angewandten Verfahren genau bei diesem Engpass an. Das zu lösende Dilemma liegt darin, dass eine Vereinfachung des Validierungsprozesses mit Einbußen der Sicherheit einhergehen könnte. Vor Hackerangriffen sind die Blockchain-Nutzer schon heute nicht gefeit: In der jüngsten Vergangenheit sorgten bereits diverse Bitcoin-Diebstähle für Schlagzeilen. Dabei ist allerdings wichtig zu verstehen, dass die Blockchain selbst weniger anfällig für Cyberkriminalität ist als die Nutzer bzw. deren Computer. Nur wenn die privaten Passwörter von Hackern erbeutet werden, können Coins gestohlen werden.

Blockchain könnte revolutionäres Potenzial entfalten – Deutsche Bank beschäftigt sich intensiv mit der Technologie.

Mögliche Anwendung im Finanzsektor

Insbesondere im Finanzsektor spielt der Faktor Sicherheit eine übergeordnete Rolle. Nur sofern die privaten Zugänge und Passwörter ausreichend geschützt werden können, bietet sich eine breite Anwendung an. Dafür ist allerdings ein weiterer Aspekt von zentraler Bedeutung. In einer offenen Blockchain – wie beispielsweise Bitcoin und anderen Digitalwährungen – können Anwender anonym bleiben. Finanzinstitute sind hingegen gesetzlich dazu verpflichtet, ihre Kunden zu kennen und eine vorgeschriebene Legitimationsprüfung durchzuführen. Sofern Banken ihren Kunden Zugang zu Zahlungssystemen anbieten wollen, die auf der Blockchain-Technologie basieren, wird dies voraussichtlich nur in geschlossenen Systemen und nach Prüfung personenbezogener Daten möglich sein.

Ethereum-Blockchain: mehr als eine Kryptowährung

Die Blockchain-Technologie kommt nicht nur bei digitalen Währungen wie Bitcoin zum Einsatz. Eines der bekanntesten Beispiele außerhalb von Bezahlsystemen ist Ethereum. Zwar bietet Ethereum mit „Ether“ auch eine eigene Kryptowährung – in Sachen Marktkapitalisierung hinter Bitcoin sogar die zweitgrößte weltweit. Ethereum fungiert jedoch in erster Linie als Plattform für das Anlegen, Verwalten und Ausführen von auf Blocks basierten Programmen. Auf der Ethereum-Blockchain können sogenannte Smart Contracts eingetragen werden. Die Idee dahinter sind automatisch ausgeführte Transaktionen, die durch einen Trigger, beispielsweise ein bestimmtes Ereignis oder eine Geldanweisung in Ether, ausgelöst werden. Das Ziel dieser Smart Contracts ist die Reduktion von Transaktionskosten und die Erhöhung der Vertragssicherheit. So könnte beispielsweise bei einem per Smart Contract geleasten Fahrzeug der Motor nur dann starten, sofern die Leasingrate nachweislich entrichtet wurde. Eine Herausforderung bleibt jedoch, dass es keine Rechtseinheit gibt, welche die Erfüllung des Vertrages überwacht. Dennoch: Die Anwendungsmöglichkeiten des Systems sind vielfältig, die zukünftige Entwicklung dürfte dynamisch und spannend bleiben.

Erwägung vielfältiger Einsatzmöglichkeiten

Das Hauptaugenmerk beim Thema Blockchain liegt auf digitalen Währungen. Die gesamte Marktkapitalisierung für Kryptowährungen wächst seit dem zweiten Quartal 2017 spürbar und steht aktuell bei rund 400 Milliarden USD. Demgegenüber verdeutlicht das Beispiel Ethereum, dass es weitere vielfältige Einsatzgebiete gibt. Nicht umsonst hat das britische Magazin „Economist“ das Aufkommen der Blockchain jüngst mit der Erfindung der doppelten Buchführung vor 500 Jahren verglichen. Viele große Unternehmen aus ganz unterschiedlichen Branchen beschäftigen sich bereits intensiv mit der Technologie. Denn insbesondere dort, wo Listen und Verzeichnisse geführt werden, könnte sie Vorteile bringen – zum Beispiel in der Logistikbranche oder im Finanzsektor. So ist die Deutsche Bank aktuell am Konsortium R3 mit mehr als 200 Unternehmen aus den Bereichen Technologie und Finanzen beteiligt, das die Einsatzmöglichkeiten der Blockchain zum Beispiel im Kapitalmarktgeschäft auslotet.

Deutsche Bank: Erste Blockchain-Projekte stehen in den Startlöchern

Aktuell ist die Test- und Pionierphase der Zukunftstechnologie in vollem Gange – auch bei der Deutschen Bank: Voraussichtlich noch 2018 wird eine Blockchain-Lösung für Handelsfinanzierungen unter dem Markennamen we.trade auf den Markt kommen. Ziel dieser Plattform, die von einem Konsortium von neun Banken unter Beteiligung der Deutschen Bank entwickelt wird, ist es, inländische und grenzüberschreitende Handelsfinanzierungen für europäische Unternehmen zu vereinfachen, sodass Handelstransaktionen effizienter abgewickelt werden können. Trotz aller Euphorie ist bei solchen Projekten die teils langwierige Umsetzung zu berücksichtigen. Denn neben der Weiterentwicklung der Technologien sind strenge Auflagen von Gesetzgebern und Aufsichtsbehörden zu erfüllen.

Das riesige Potenzial, das sich insbesondere in der Finanzbranche entfalten könnte, wird in vielen Bereichen erprobt. Zahlreiche Anwendungen werden entwickelt, um neue Dienstleistungen anzubieten oder Effizienzsteigerungen in bestehenden Prozessen zu ermöglichen. So könnte sich die Blockchain-Technologie in Zukunft tatsächlich als revolutionär erweisen und zum disruptiven Game-Changer werden.



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Redaktionsschluss: 30.04.2018