Die wichtigsten Fakten:

  • Japanische Aktienindizes verzeichnen neue Mehrjahreshochs
  • Geldpolitik und Weltkonjunktur stützen Kursentwicklungen
  • Bargeldreserven der Unternehmen bergen längerfristig zusätzliches Potenzial

Der Nikkei schaffte zuletzt Historisches: Am 9. November durchbrach Japans aus 225 Einzelwerten bestehender Aktienleitindex zum ersten Mal in den vergangenen 25 Jahren die Marke von 23.000 Punkten. Allein seit Jahresanfang 2017 lag er in der Landeswährung Yen rund 18,5 Prozent im Plus. Mehr und mehr scheinen sich die hohe Dynamik der Weltkonjunktur sowie die milliardenschweren Konjunkturprogramme der Regierung um Premierminister Shinzō Abe für die Anleger auszuzahlen. Auch die anhaltend lockere Geldpolitik der japanischen Notenbank scheint die Kurse zu stützen: Das Niedrigzinsumfeld vergünstigt die Finanzierungskosten der Unternehmen und der im Jahr 2017 etwas schwächere Yen beflügelt insbesondere die traditionell starken japanischen Exportunternehmen.

Japanische Unternehmen mit hohen Bargeldreserven

Das Umfeld scheint derzeit also gut für den japanischen Aktienmarkt – die Deutsche Bank erwartet, dass der positive Kurstrend von Nikkei und Co. auf absehbare Zeit anhalten könnte. Zumal ein weiterer gewichtiger Faktor für längerfristiges Aufwärtspotenzial sprechen dürfte: die hohen Bargeldreserven der japanischen Unternehmen. Angehäuft als Krisenreserve in den von Deflation und wirtschaftlicher Stagnation gekennzeichneten sogenannten zwei verlorenen Dekaden Japans von Beginn der 1990er-Jahre an sind sie mittlerweile zu enormer Größe angewachsen: Die Bargeldquote japanischer Unternehmen im Vergleich zu ihrer Marktkapitalisierung liegt im Topix, der rund 2.000 japanische Titel enthält, aktuell bei rund 31,5 Prozent. Das ist deutlich mehr als etwa im US-Leitindex S&P 500 oder im gesamteuropäischen Stoxx 600, wo die entsprechenden Quoten 6,5 beziehungsweise 10 Prozent betragen.

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Aktivere Verwendung der freien Kapitalmittel wahrscheinlich

Um die japanischen Unternehmen zu animieren, ihre Bargeldreserven aktiver einzusetzen, startete die japanische Regierung bereits 2015 mit dem „Corporate Governance Code“ einen Vorstoß – mit zunächst moderatem Erfolg. Der „Corporate Governance Code“ hat es sich zum Ziel gesetzt, ineffiziente Überkreuzbeteiligungen japanischer Unternehmen untereinander aufzubrechen und Kapitalbestände effizienter einzusetzen.

In Zeiten negativer Realzinsen und höherer konjunktureller Dynamik wird es für japanische Unternehmen jedoch zunehmend uninteressanter, Bargeld zu halten. Stattdessen dürften Investitionen zum Beispiel in langfristige Kapitalgüter an Attraktivität gewinnen, die über potenzielles Unternehmenswachstum auf lange Sicht auch den Anlegern zugutekommen könnten. Bereits kurzfristiger könnten sich aber auch zwei andere mögliche Verwendungsarten für Bargeldbestände positiv auf die Anlageerträge auswirken: Dividendenzahlungen und Aktienrückkäufe.

Japanaktien: Deutsche Bank sieht Bargeldreserven der Unternehmen längerfristig als zusätzliche mögliche Kurstreiber.

Dividendenerhöhung mit nachhaltigem Effekt

Bereits seit einiger Zeit sind in Japan anziehende Dividendenzahlungen zu beobachten: Derzeit liegt die durchschnittliche Dividendenrendite im Topix bei rund 2 Prozent und das Dividendenwachstum wird für das Gesamtjahr 2017 auf rund 8,8 Prozent geschätzt. Doch die höheren Ausschüttungen wirken sich nicht nur direkt auf die Erträge der Anleger aus. Sie dürften auch eine nachhaltige Signalwirkung haben: Denn Dividendenanhebungen gelten als eine Maßnahme von Dauer, eine Kürzung der Ausschüttungen wird von Unternehmen im Sinne einer verlässlichen Unternehmensführung möglichst vermieden. Vor dem Hintergrund des niedrigen Zinsniveaus sind sie daher ein zusätzlicher Kaufanreiz für zum Beispiel institutionelle Investoren, die auf regelmäßige Erträge angewiesen sind – der mögliche Nachfrageanstieg könnte sich wiederum positiv auf die Aktienkurse auswirken.

Kurspotenzial durch Aktienrückkäufe?

Darüber hinaus könnten Aktienrückkäufe für steigende Nachfrage und damit steigende Kurse sorgen: Wenn ein Unternehmen eigene Anteile zurückkauft und vom Markt nimmt, verringert sich die Anzahl der im Umlauf befindlichen Aktien, wodurch der Gewinn pro Aktie und damit ggf. auch das Interesse an den Papieren von entsprechend risikobereiten Anlegern zunehmen könnte. Bereits 2016 haben japanische Unternehmen für umgerechnet rund 56 Milliarden US-Dollar eigene Aktien angekauft. In diesem Jahr könnte sogar ein neuer Rekord erreicht werden.

Japan bleibt aus Anlegersicht interessant

Perspektivisch spricht derzeit also einiges für den japanischen Aktienmarkt. Die Deutsche Bank erwartet eine weiterhin verstärkte Verwendung von Bargeldbeständen in Japan und eine Fortsetzung des positiven Kurstrends am japanischen Aktienmarkt. Sollte die hohe Dynamik der globalen Konjunktur wie erwartet Bestand haben und die japanische Notenbank ihre expansive Geldpolitik fortführen, könnte das Land der aufgehenden Sonne damit für entsprechend risikobereite Anleger noch längere Zeit ein interessantes Investmentziel darstellen.



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Redaktionsschluss: 22.11.2017