Die wichtigsten Fakten:

  • Umfeld für Aktien weiterhin herausfordernd
  • Deutsche Bank blickt weiterhin positiv auf die Anlageklasse
  • Handelsstreit bleibt trotz jüngster Annäherung ein Risikofaktor

Anfang Oktober hellte sich die Stimmung an den internationalen Kapitalmärkten etwas auf – denn das Ergebnis der Handelsgespräche zwischen den USA und China lässt zumindest auf eine leichte Entspannung im Handelsstreit hoffen. China erklärte sich bereit, verstärkt US-Agrarprodukte zu kaufen. Im Gegenzug setzten die USA die für Mitte Oktober geplante Erhöhung der Zölle auf Importe aus China aus. Zu anderen Streitpunkten wie dem Schutz von geistigem Eigentum oder weiteren Zollerhöhungen gab es hingegen keine Neuigkeiten – weshalb sich viele Marktteilnehmer fragen, wie nachhaltig die Entspannung sein wird. Von einer endgültigen Beilegung des Handelsstreits kann jedenfalls nicht die Rede sein. Gleiches gilt für den Brexit: Nach wie vor ist unklar, wann und zu welchen Bedingungen Großbritannien die Europäische Union verlassen wird. Die politischen Herausforderungen bestehen also nach wie vor und könnten die globalen Aktienmärkte weiterhin belasten. Es gibt aus Sicht der Deutschen Bank aber auch eine Reihe von Faktoren, die für Aktien sprechen könnte.

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Rezession in den Vereinigten Staaten unwahrscheinlich

In den USA haben sich die konjunkturellen Aussichten zuletzt zwar eingetrübt – mit dem ISM-Index fiel im September ein viel beachteter Frühindikator für das Verarbeitende Gewerbe auf seinen niedrigsten Stand seit 2009. Trotz dieses verhaltenen Ausblicks rechnet die Deutsche Bank jedoch nach wie vor nicht mit einer Rezession in den Vereinigten Staaten – die größte Volkswirtschaft der Welt dürfte in diesem Jahr mit 2,2 Prozent und 2020 mit 1,5 Prozent wachsen. Auf eine stabile wirtschaftliche Lage deutet zum Beispiel die Arbeitslosenquote hin: Sie sank zuletzt auf 3,5 Prozent – und damit auf den niedrigsten Stand der vergangenen 50 Jahre.

Chinesische Konjunktur könnte sich stabilisieren

Ähnlich wichtig wie die US-Wirtschaft ist China für die globale Konjunktur. Nachdem sich die wirtschaftlichen Daten im Reich der Mitte im Jahresverlauf zusehends eintrübten und das Wirtschaftswachstum mit einem Plus von 6 Prozent im 3. Quartal im Vergleich zum Vorjahresquartal hinter den Erwartungen zurückblieb, scheinen sich die Konjunkturindikatoren aktuell wieder zu verbessern. Der Caixin-Index für das Verarbeitende Gewerbe beispielsweise stieg im September auf 51,4. Das ist der höchste Wert seit Februar 2018. Für das Jahr 2020 erwartet die Deutsche Bank ein Wirtschaftswachstum von 5,9 Prozent im Reich der Mitte.

Warum die internationalen Aktienmärkte trotz aller Herausforderungen weiterhin Kurspotenzial bieten könnten.

Mögliche fiskalische Impulse in Europa

In Europa dürfte die Konjunktur durch mögliche fiskalpolitische Maßnahmen gestützt werden. In den Niederlanden beispielsweise könnte Anfang 2020 ein Zukunftsfonds für Wachstum mit einem Volumen von 50 Milliarden Euro verabschiedet werden – das sind ungefähr 6 Prozent des niederländischen Bruttoinlandsprodukts. Der Fonds soll durch Investitionen, unter anderem in die Infrastruktur sowie in Forschung und Entwicklung, das Wachstumspotenzial der Wirtschaft im Land verbessern. In Deutschland könnte das von der Regierung beschlossene Klimapaket zumindest ein erster Schritt hin zu mehr Investitionen sein. Darüber hinaus ist es wahrscheinlich, dass im Falle eines anhaltenden wirtschaftlichen Abschwungs die „schwarze Null“, also das Ziel eines ausgeglichenen Haushalts, seitens der Politik zunehmend infrage gestellt wird und mehr Geld für Investitionen fließen könnte. Insgesamt sollte die Eurozone in diesem Jahr ein Wirtschaftswachstum in Höhe von 1,1 Prozent aufweisen, im kommenden Jahr dürfte das Konjunkturplus noch 0,8 Prozent betragen.

Geldpolitik könnten Aktienmärkte stützen

Unterstützung dürfte auch von den Zentralbanken kommen. Die bedeutenden Notenbanken weltweit – allen voran die Fed in den USA – werden nach Einschätzung der Deutschen Bank die Zinsen weiter senken. Für die nächste Sitzung der US-Währungshüter am 30. Oktober hat Fed-Chef Jerome Powell bereits eine weitere Leitzinssenkung signalisiert. Darüber hinaus rechnet die Deutsche Bank mit einem zwölfmonatigen Ankaufprogramm kurz laufender US-Staatsanleihen im Volumen von insgesamt 200 Milliarden US-Dollar, um die Liquiditätsversorgung am Geldmarkt zu verbessern.

Aktienquote unter Investoren aktuell vergleichsweise gering

Die aktuelle Positionierung der Investoren könnte ebenfalls für steigende Aktienkurse sprechen. Die Mehrheit der Investoren ist derzeit defensiv aufgestellt. Während „sichere Häfen“ wie US-Staatsanleihen, der japanische Yen und Gold gefragt sind, liegen die Aktienquoten insgesamt niedrig. Das Risikoprofil lässt daher oftmals Raum für zusätzliche Aktienkäufe – zumal die Aktienbewertungen weiterhin moderat sind: Der MSCI World beispielsweise wird basierend auf den Gewinnerwartungen der kommenden zwölf Monate aktuell mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 15,7 gehandelt – ein Wert auf dem Durchschnittsniveau der vergangenen 25 Jahre. Das könnte Potenzial für Kapitalzuflüsse in die Anlageklasse eröffnen, sobald sich die Stimmung weiter aufhellt. Mit Euphorie ist jedoch nicht zu rechnen, weshalb der mögliche Effekt auf die Kursentwicklung nicht überbewertet werden sollte.

Depot: Aktien bleiben interessant – Risiken kontrollieren

Insgesamt bleibt das Kapitalmarktumfeld herausfordernd – zumal der Handelsstreit trotz der jüngsten Entspannungssignale nach wie vor nicht gelöst ist und es die weiteren Entwicklungen zu beobachten gilt. Die Deutsche Bank erachtet ein neutral gewichtetes, breit aufgestelltes Aktienportfolio innerhalb des Depots für entsprechend risikobereite Anleger als sinnvoll. Zum einen, um von möglichen Kurssteigerungen zu profitieren, zum anderen, weil Unternehmensbeteiligungen für den langfristigen Vermögensaufbau kaum verzichtbar sind. Innerhalb des Aktienbereichs scheinen aktuell vor allem Unternehmen aus dem Technologiesektor interessant.



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Redaktionsschluss: 23.10.2019