PERSPEKTIVEN am Morgen

21.10.2019

Liebe Leser,


„Brexit will take ten years“ – mit etwas Daumendrücken könnte es vielleicht etwas früher soweit sein. Doch über den mit der Europäischen Union ausgehandelten Deal wurde im britischen Parlament am „Super Saturday“ dank Oliver Letwins verabschiedetem Antrag gar nicht erst abgestimmt. Premier Boris Johnson stellte daraufhin einen Verlängerungsantrag, den er jedoch mit einem zweiten Brief verband: Er empfiehlt der EU, die Verlängerung nicht zu gewähren. Diese wiederum hat bis zum 31. Oktober Zeit, um sich beispielsweise bei einem Sondergipfel dazu zu äußern. Zwar steht der Brexit mehr als je zuvor in den Sternen. Die meisten Analysten und Devisenhändler sehen jedoch ein deutlich geringeres Risiko für einen ungeordneten Austritt, was das Pfund Sterling, britische Staatsanleihen und die europäischen Aktienmärkte etwas beruhigen sollte.
US-Strafzölle gegen die EU treten in Kraft
Seit 15 Jahren streiten die USA und Europa über Subventionen für die Flugzeugbauer Airbus und Boeing. Zuletzt hatte die WTO der US-Beschwerde über illegale Unterstützung Europas von Airbus stattgegeben, vergangenen Freitag traten daher US-Strafzölle auf europäische Güter im Wert von 7,5 Milliarden US-Dollar in Kraft. Auf europäische Flugzeuge werden nun Zölle in Höhe von zehn Prozent, auf ausgewählte europäische Agrarprodukte sogar in Höhe von 25 Prozent erhoben. Die EU hat bereits Vergeltungszölle auf amerikanische Güter im Wert von zwölf Milliarden US-Dollar vorbereitet. Sie wartet lediglich auf das WTO-Urteil zur eigenen Beschwerde über US-Subventionen für Boeing. Die wirtschaftliche Auswirkung der beidseitigen Zölle dürfte sich wegen ihres geringen Umfangs allerdings in Grenzen halten.
Zinsen sind vorerst abgeschafft
Zum Podcast bei Podigee
EZB und Fed lockern ihre Geldpolitik weiter, um die Konjunktur zu stützen – zum Leidwesen der Anleger. Seit der Finanzkrise wurden die Zinsen weltweit bereits 750 Mal gesenkt, Besserung ist nicht in Sicht. Über Alternativen im Niedrigzinsumfeld diskutieren Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und Chef-Anlagestratege Dr. Ulrich Stephan in der aktuellen Folge von „Perspektiven To Go“.
„Flygskam“ belastet Flugsektor
In Schweden ist die Nachfrage nach Kurzstreckenflügen im Zuge der grünen Klimabewegung bereits gesunken – ein Trend, der auch im Rest Europas zunehmen könnte. Einige Analysten halten einen Rückgang der Fluggastzahlen bis 2030 um bis zu 25 Prozent für möglich. Ausschlaggebend hierfür könnte insbesondere ein Rückgang der Geschäftsreisen sein, da Unternehmen zur Verbesserung ihrer Emissionsbilanzen vermehrt auf die Bahn umsteigen. Schlechte Aussichten für Flughafenbetreiber, da knapp 70 Prozent der Flüge innereuropäisch sind, und Fluglinien. Diese dürften sich zudem bald mit höheren Abgaben für Emissionen konfrontiert sehen. Wegen des Bewertungsabschlags von 60 Prozent zum Gesamtmarkt scheint ein Teil dieser Aussichten bereits eingepreist zu sein. Für den Sektor gebe ich wegen sinkender Frachtraten und eines erwarteten Gewinneinbruchs von 41 Prozent für 2019 dennoch keine Entwarnung.
Konjunkturstabilisierung in China sollte den DAX stützen
Chinas Wachstum ist in den letzten anderthalb Jahren deutlich zurückgegangen – die Nachricht sorgte am chinesischen Aktienmarkt für leichte Kursverluste: Analysten schieben die Verlangsamung von 6,8 auf 6,0 Prozent gerne allein auf den Handelskonflikt mit den USA. Doch noch 2017 und Anfang 2018 hatte China versucht, das Kreditwachstum einzudämmen, um Risiken für das Finanzsystem zu kontrollieren. Mit der üblichen Zeitverzögerung belasteten diese Maßnahmen die Realwirtschaft. Mit den ersten Strafzöllen im Frühjahr 2018 lockerte China erneut die Kreditvergabe-Restriktionen, und der Renminbi wertete deutlich ab, wodurch eine noch stärkere Wachstumsschwäche vermieden wurde. Da die Produktionsdaten im September wieder etwas Fahrt aufgenommen haben (Industrieproduktion plus 5,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr) und eine Détente im Handelsstreit erzielt wurde, sollte sich die chinesische Konjunktur stabilisieren und insbesondere zyklische Aktienmärkte wie Japan und Deutschland unterstützen.
Was diese Woche wichtig wird
Im Laufe der Woche | Berichtssaison – in Europa berichten unter anderem BASF, Novartis und Daimler. In den USA öffnen neben Tech-Riesen wie Microsoft und Intel auch bedeutende Industrieunternehmen wie Caterpillar und 3M ihre Bücher. Montag
  • Deutsche Erzeugerpreise im September. Wegen der Industrierezession wird mit einem Rückgang des Preisniveaus im Jahresvergleich gerechnet.
  • September-Außenhandelsdaten für Japan. Die leichte Schwäche des Yen gegenüber dem US-Dollar seit Ende August könnte zu einer leichten Verbesserung der Exportstatistik geführt haben.
  • Parlamentswahlen in Kanada. Die Prognosen deuten auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der Liberalen Partei Justin Trudeaus und den Konservativen mit Andrew Scheer hin.

  • Dienstag
  • In Japan bleiben die Märkte feiertagsbedingt geschlossen.
  • Aktivitätsindex der Richmond Fed für Oktober, das Pendant der Kansas City Fed folgt am Donnerstag. Beide Indizes befinden sich bereits im Minus. Im Zuge der nachlassenden US-Industriedynamik könnte eine weitere Verschlechterung die Konjunktursorgen erhöhen.
  • Abschiedsrede von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker im Europaparlament.
  • Ende der Debatten über die 26 Gesetzesvorschläge der britischen Regierung, die in der „Queen’s Speech“ vorgestellt wurden. Die darauffolgende Abstimmung endet im Regelfall mit einer Annahme des Programms durch das Parlament. Sollte Regierungschef Boris Johnson eine Niederlage erleiden, könnte sein Rücktritt zur Debatte stehen.

  • Mittwoch
  • Eurozonen-Verbrauchervertrauen im Oktober dürfte gegenüber dem Vormonat stabil geblieben sein.
  • Geschäftsklima und Produzentenvertrauen für Oktober in Frankreich. Die Volkswirtschaft scheint insgesamt robust, die Stimmung der Unternehmen dürfte sich stabil zeigen.

  • Donnerstag
  • Vorläufige Oktober-Einkaufsmanagerindizes für das Verarbeitende Gewerbe sowie den Dienstleistungssektor in Europa, Japan und den USA. Neben einer besseren Stimmung in Frankreich und Deutschland dürfte auch die Stimmung in der Eurozone insgesamt ansteigen.
  • EZB-Sitzung findet zum letzten Mal unter der Leitung von Mario Draghi statt. Nach dem umfangreichen Maßnahmenpaket im September wird diesmal keine Veränderung der Geldpolitik erwartet.
  • Vorläufige US-Auftragseingänge für langlebige Güter im September.

  • Freitag | GfK-Verbrauchervertrauen im November und ifo-Geschäftsklimaindex im Oktober für Deutschland. Während ersteres weiterhin stabil hält, könnte sich nun auch bei letzterem eine Bodenbildung abzeichnen.

    Sonntag | Erste Runde der argentinischen Präsidentschaftswahlen. Sollte das Kandidatenduo Alberto Fernández und Cristina Fernández de Kirchner an die Macht kommen, könnte es zu Konflikten mit dem IWF kommen.
    Zahl des Tages: 16
    Unser Gang könnte mehr über uns aussagen, als wir denken. Line Rasmussen von der Duke University schickte Probanden aufs Laufband und ließ sie im Gehen Denkaufgaben lösen. Das Ergebnis: Wer beim Nachdenken schneller lief, war nicht nur körperlich fitter, sondern erreichte auch beim IQ-Test im Schnitt 16 Punkte mehr als die Trödler. Da bekommt die Frage „Wie geht’s?“ einen ganz neuen Klang.

    Machen Sie heute zügige Fortschritte.

    Herzlichst,
    Unterschrift: Dr. Ulrich Stephan
    Ihr Ulrich Stephan,
    Chef-Anlagestratege Privat- und Firmenkunden

    Soweit auf dieser Seite von Deutsche Bank die Rede ist, bezieht sich dies auf die Angebote der Deutsche Bank AG und der DB Privat- und Firmenkundenbank AG. Wir weisen darauf hin, dass die in dieser Publikation enthaltenen Angaben keine Anlageberatung darstellen, sondern ausschließlich der Information dienen. Soweit auf dieser Seite konkrete Produkte genannt werden, sollte eine Anlageentscheidung allein auf Grundlage der verbindlichen Verkaufsunterlagen getroffen werden. Eine Anlageentscheidung für Fonds sollte in jedem Fall auf der Grundlage der aktuellen Verkaufsprospekte einschließlich der zuletzt veröffentlichten Jahres- und ggf. Halbjahresberichte getroffen werden, die auch ausführliche Informationen zu den Chancen und Risiken enthalten. Die vorgenannten Verkaufsunterlagen erhalten Sie in gedruckter oder elektronischer Form kostenlos bei Ihrem Berater in allen Filialen der Deutschen Bank. Aus der Wertentwicklung in der Vergangenheit kann nicht auf zukünftige Erträge geschlossen werden. HINWEIS: Bei diesen Informationen handelt es sich um Werbung. Die Texte sind nicht nach den Vorschriften zur Förderung der Unabhängigkeit von Finanzanalysen erstellt. Es besteht kein Verbot für den Ersteller oder für das für die Erstellung verantwortliche Unternehmen, vor bzw. nach Veröffentlichung dieser Unterlagen mit den entsprechenden Finanzinstrumenten zu handeln. Die Deutsche Bank AG unterliegt der Aufsicht der Europäischen Zentralbank und der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht.

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