Interview mit Kevin Trapp

Eintracht-Legende und Nationaltorwart Kevin Trapp startet diesen Monat in seine neunte Bundesligasaison mit den Adlern. Im Interview blickt er auf die vergangene Spielzeit zurück, berichtet von der aktuellen Vorbereitung und seinen ersten Eindrücken vom neuen Coach. Dazu wagt er einen Ausblick auf die neue Saison und verrät Privates über Freizeit, Fremdsprachen und Hafermilch.

1. Am 20. August starten Sie mit der Eintracht in die neue Bundesliga-Saison. Sind Sie gut erholt und fit zum Durchstarten?

Wir haben eine intensive und gute Vorbereitung hinter uns. Wir sind topfit und fühlen uns definitiv gut vorbereitet für die neue Saison.

2. Am ersten Spieltag der neuen Saison geht es direkt gegen den Zweitliga-Aufsteiger Darmstadt 98. Was erwarten Sie beim Hessen-Derby?

Es wird ein sehr spannendes und interessantes Spiel. Der erste Spieltag ist immer besonders. Wir kennen Darmstadt noch aus der vergangenen Saison vom DFB-Pokalspiel, das ist eine sehr physische und laufstarke Mannschaft. Durch das Hessen-Derby ist es natürlich ein besonderer Start in die neue Saison.

3. Die Eintracht hat sich mit einigen Zu- und Abgängen für die Bundesliga 23/24 neu aufgestellt. Wie bewerten Sie den neuen Kader?

Ich finde, es ist ein sehr guter Kader. Die Neuzugänge bringen viel Qualität mit und können uns weiterhelfen. Wir sind in der Breite noch besser aufgestellt als in der vergangenen Saison, daher sehe ich uns für die neue Saison gut aufgestellt.

4. Nach dem Sieg in der Europa League 2022 stand Eintracht Frankfurt vergangene Saison im DFB-Pokalfinale. Wie ambitioniert sind Ihre Ziele mit der Mannschaft diese Saison?

Es geht immer darum, dass wir uns jedes Jahr verbessern wollen und unsere Ziele erreichen können. Zudem geht es auch darum, dass sich jeder einzelne weiterentwickelt. Die vergangenen zwei Jahre waren sehr erfolgreich, auch wenn wir das DFB-Pokalfinale 2023 nicht gewonnen haben. Nichtsdestotrotz möchten wir auch in der kommenden Saison in der Bundesliga wieder oben mitspielen – und wenn man im DFB-Pokal antritt, muss das Ziel sein, erneut nach Berlin zu kommen. In der UEFA Europa Conference League möchten wir uns über die Playoffs für die Gruppenphase qualifizieren und uns in diesem spannenden Wettbewerb bestmöglich präsentieren.

5. Sie standen im DFB-Pokalfinale, haben Champions League gespielt und die Bundesliga auf Rang 7 beendet. Wie zufrieden sind Sie mit der Saison 22/23?

Rückblickend war es eine gute Saison. Wir haben uns durch den siebten Tabellenplatz für den europäischen Wettbewerb qualifiziert, standen im DFB-Pokalfinale und haben Historisches in der Champions League geschafft. Wir haben zum ersten Mal teilgenommen und uns für das Achtelfinale qualifiziert. Auch wenn wir in der Rückrunde eine Phase hatten, in der wir leider längere Zeit nicht gewinnen konnten, sind wir grundsätzlich mit der Saison sehr zufrieden.

6. Mit Dino Toppmöller kam ein neuer Trainer zur Eintracht, der erstmalig als Cheftrainer eine Bundesliga Mannschaft betreut. Wie haben Sie die ersten Wochen erlebt? Wie intensiv ist der Austausch und was ist ihm besonders wichtig?

Dino macht einen sehr guten, kommunikativen Eindruck und hat eine klare Spielidee, die er in der Vorbereitung versucht hat zu implementieren und mit der Mannschaft umzusetzen. So etwas braucht aber natürlich auch immer Zeit, bis sich alles eingespielt hat. Die Basis dafür legen wir in der Vorbereitung. Dino ist in meinen Augen ein sehr intelligenter und ambitionierter Trainer.

7. In welchen Bereichen kann sich die Mannschaft noch verbessern, um erneut eine erfolgreiche Saison zu spielen?

Ich denke, dass wir über die gesamte Saison eine gewisse Konstanz brauchen werden. Das hatten wir teilweise in der vergangenen Saison nicht, sodass wir dies in den Griff bekommen müssen. Wenn uns das gelingt, werden wir erfolgreich sein.

8. Welches Spiel oder welcher Moment in Ihrer Eintracht-Karriere hat Sie am meisten beeindruckt und warum?

(lacht) Das ist aufgrund der letzten Jahre sehr schwer zu beantworten, da es hier sehr viele spezielle Spiele und emotionale Momente gab. Barcelona mit 30.000 Eintracht-Fans im Camp Nou war sicherlich ein Highlight-Spiel meiner Karriere. Natürlich auch der Europa-League-Sieg in Sevilla. Aber es gibt tatsächlich sehr viele Highlights und ich hoffe, dass in der kommenden Saison einige hinzukommen.

9. Was unterscheidet die Eintracht von anderen Vereinen, bei denen Sie schon im Tor standen, z.B. PSG?

Ich finde, dass ein Vergleich hier schwierig ist. Die Eintracht ist ein sehr emotionaler Verein mit einer riesigen Fangemeinschaft, einem meist ausverkauften Stadion und einem großartigen Support auch auswärts. Die Eintracht ist ein Traditionsverein, der sich in den letzten Jahren stark weiterentwickelt und an Bedeutung gewonnen hat.

10. Was sind die drei wichtigsten Eigenschaften, die ein guter Torwart mitbringen sollte?

Ausstrahlung und die Fähigkeit, Bälle zu halten und der Mannschaft Sicherheit zu geben.

11. Sie sind Co-Founder der Hafermilch Marke Oat Mølk . Warum ausgerechnet Hafermilch? Erzählen Sie uns mehr!

Wir haben einige Dinge ausprobiert und am Ende hat uns die Hafermilch auch geschmacklich am meisten überzeugt. Im Kaffeebereich ist es im Vergleich zu den anderen Varianten am nachhaltigsten, was für uns auch ein ausschlaggebender Punkt war.

12. Können Sie sich langfristig ein Engagement in diesem Geschäft vorstellen? Gibt es schon Pläne oder Gedanken für die Zeit nach Ihrer aktiven Karriere?

Konkrete Pläne im klassischen Sinn gibt es noch nicht, dafür habe ich noch viel Zeit. Business- bzw. Investmentthemen finde ich aber sehr interessant.

13. Wie verbringen Sie Ihre Freizeit? Was machen Sie am liebsten, wenn Sie nicht auf dem Fußballplatz stehen?

Ich versuche, mich stets persönlich weiterzuentwickeln, neue Dinge und Menschen kennenzulernen. Allerdings nutze ich auch gerne die Zeit, um mich einfach mal auszuruhen und den Kopf freizubekommen, gerade in sehr intensiven Wochen.

14. Sie sprechen sechs Sprachen fließend: Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch und Portugiesisch. Das ist bemerkenswert! Wo haben Sie diese Sprachen gelernt?

Da muss ich dann doch ehrlich sein… Italienisch ist nicht ganz so fließend (lacht). Englisch habe ich in der Schule schon gelernt, Französisch während meiner Zeit in Paris. Portugiesisch habe ich dank meiner Verlobten kennengelernt und Spanisch durch unseren ehemaligen Kapitän David Abraham. Da Italienisch nicht ganz so weit von den anderen Sprachen entfernt ist, liegt es relativ nahe, dass ich es verstehe und auch sprechen kann.

15. Sind Ihre Sprachkenntnisse in einer Fußballmannschaft und auf dem Platz bereits hilfreich gewesen?

Ja, absolut! Es macht mir auch Spaß, mit den Teamkollegen auf dem Platz in verschiedenen Sprachen kommunizieren zu können, vor allem wenn ich mich in deren Muttersprache mit ihnen unterhalten kann.