Skyline von Austin, Texas, USA an einem sonnigen Herbsttag vom gegenüberliegenden Flussufer aufgenommen.

Skyline von Austin, Texas, USA an einem sonnigen Herbsttag vom gegenüberliegenden Flussufer aufgenommen. Bildquelle: Nantiya / Adobe Stock

USD Anleihemärkte – widerstandsfähig inmitten der KI Welle

Der US Unternehmensanleihemarkt ist mit bemerkenswerter Widerstandsfähigkeit in das Jahr 2026 gestartet. Trotz einer der größten Emissionswellen seiner Geschichte blieb das Marktgefüge intakt, ohne nennenswerten Druck auf Preise oder Marktliquidität. Das Investment Grade Segment (IG) verzeichnete im Jahr 2025 ein Emissionsvolumen von rund 1,8 Billionen US Dollar – ein Anstieg um 12 Prozent und das zweitstärkste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen. Gleichzeitig blieb das effektive Nettoangebot weitgehend im Einklang mit den Werten von 2024. Im Dezember kamen rund 33 Mrd. USD hinzu – davon 12 Mrd. USD aus dem Finanzsektor und 21 Mrd. USD von Nicht Finanzunternehmen – was eine anhaltend robuste Finanzierungsaktivität zum Jahresende signalisiert. Der positive Schwung setzte sich Anfang 2026 fort: Allein in der ersten Woche wurden rund 97 Mrd. USD an IG Emissionen platziert – das vierthöchste Wochenvolumen aller Zeiten. Auch der High-Yield-Markt (HY) zeigte sich aufnahmefähig: Mit Dezember Emissionen von etwa 21 Mrd. USD – dem stärksten Dezember seit 2020 – erreichte das gesamte Brutto HY Emissionsvolumen im Jahr 2025 rund 335 Mrd. USD. Die Nettoemissionen lagen bei nahezu 100 Mrd. USD und damit so hoch wie zuletzt im Jahr 2020.

"Moderate Spread-Ausweitung: Warum am Rentenmarkt laufende Zinserträge 2026 noch stärker in den Fokus rücken dürften."

Trotz des hohen Angebots erzielte der USD IG Index im Jahr 2025 eine Rendite von 7,8 Prozent, während USD HY bei 8,62 Prozent lag – unterstützt durch starke Investorennachfrage und attraktive Renditeniveaus. IG Fonds verzeichneten Mittelzuflüsse von über 80 Mrd. USD, vor allem über ETFs, die neue Rekordstände erreichten. Auch ausländische Investoren waren aktiv und erhöhten ihr Engagement in US Unternehmensanleihen im dritten Quartal 2025 um rund 75 Mrd. USD. Die Händlerbestände beendeten das Jahr im negativen Bereich; dennoch zogen Renditeniveaus von etwa 4,9 Prozent im IG Segment und 6,6 Prozent im HY Segment zu Beginn des Jahres 2026 weiterhin Anleger an.

Ein zentrales strukturelles Thema für 2026 ist der robuste Finanzierungszyklus im Zusammenhang mit der Infrastruktur für Künstliche Intelligenz. Hyperscaler emittierten im Jahr 2025 nahezu 120 Mrd. USD, und die Schätzungen für 2026 deuten auf eine noch höhere Emissionsrate hin, wobei einige Prognosen bis in die Nähe von 300 Mrd. USD reichen. Der steigende Verschuldungsgrad unter KI bezogenen Emittenten trägt zu der Erwartung bei, dass 2026 mehr Fallen Angels als Rising Stars zu sehen sein könnten – nach fünf Jahren starker Rising Star Aktivität, die allein im vergangenen Jahr rund 19 Mrd. USD ausmachte.

Wichtig ist, dass der Markt das erhöhte KI bezogene Emissionsvolumen Ende 2025 ohne spürbaren negativen Spread Effekt aufgenommen hat, was darauf hindeutet, dass das Angebot im Jahr 2026 weiterhin gut verkraftbar sein dürfte.

Higher for longer

Erwartete Inflationsraten und Renditen ausgewählter Anleihenklassen in Prozent für unterschiedliche Wirtschaftsräume für das Jahr 2026. Alle Angaben sind Prognosen.

Quelle: LSEG Datastream, Deutsche Bank AG. Daten per 19. Januar 2026. Hinweis: Bloomberg Indizes. Die bisherige Wertentwicklung lässt keine Rückschlüsse auf die künftige Wertentwicklung zu. Die Wertentwicklung bezieht sich auf einen Nominalwert, der auf Kursgewinnen/-verlusten beruht und die Inflation nicht berücksichtigt. Die Inflation wirkt sich negativ auf die Kaufkraft dieses nominalen Geldwerts aus. Je nach aktuellem Inflationsniveau kann dies zu einem realen Wertverlust führen, selbst wenn die nominale Wertentwicklung der Anlage positiv ist.

Die Marktnachfrage bleibt unterstützend. Die Emissionsvorhaben sind gut kommuniziert, was das Umsetzungsrisiko verringert. Die organische Liquiditätsschöpfung bleibt robust: Die Kupons des IG Index deckten im Jahr 2025 rund 95 Prozent des Nettoangebots ab – deutlich über dem historischen Durchschnitt und weit oberhalb der etwa 40 Prozent im Jahr 2020. Obwohl das Netto IG Angebot 2026 voraussichtlich um rund 100 Mrd. USD steigen wird, dürfte die Kupondeckung weiterhin hoch bleiben. Auch die Emissionsstruktur des Treasury-Marktes wirkt unterstützend: Die Netto Kuponemissionen werden voraussichtlich um mehr als 600 Mrd. USD sinken, da sich die Emissionstätigkeit stärker auf kürzer laufende Treasury Bills verlagert. Zusätzlich sollten die geplanten Käufe von Agency MBS im Umfang von 200 Mrd. USD durch staatlich geförderte Institute (GSEs) die Nachfrage nach IG Unternehmensanleihen weiter erhöhen – insbesondere falls sich die MBS Spreads verengen und Investoren in günstig bewertete Kreditsegmente umschichten. Insgesamt deuten diese Faktoren lediglich auf eine marginale, geordnete Spread-Ausweitung im IG Segment hin.

Das Segment der IG Unternehmensanleihen bleibt hinsichtlich des Carry-Profils weiterhin attraktiv. Mit Spreads nahe 77 Basispunkten (Bp) und Erwartungen von rund 85 Bp bis Jahresende ist eine mögliche Spread-Ausweitung eher auf eine Normalisierung von Angebot und Nachfrage zurückzuführen als auf eine Verschlechterung der Fundamentaldaten. Die Verschuldungsgrade dürften moderat steigen und die Zinsdeckungsgrade etwas zurückgehen, doch scheinen diese Veränderungen schrittweise zu verlaufen. Eine geringere Volatilität am Zinsmarkt liefert zusätzlichen Rückenwind: Der MOVE Index ist auf etwa 69 gefallen – den niedrigsten Stand seit Beginn des Straffungszyklus – und stützt die Nachfrage insbesondere im mittleren Laufzeitbereich. Damit dürfte 2026 bei IG Gesamterträgen der Kuponvorteil und nicht eine Spread Einengung im Vordergrund stehen.

Auch der HY Markt startet 2026 in einem insgesamt stabilen Zustand. Die Spreads bewegen sich weiterhin nahe 250 Basispunkten – ein solides Niveau, insbesondere vor dem Hintergrund des Anstiegs der Ausfallraten im Spätsommer des vergangenen Jahres. Seitdem sind die Ausfälle von knapp 4,2 Prozent im September auf rund 3 Prozent zurückgegangen.

Der HY Anteil an AI bezogenen Emissionen bleibt gering: 2025 wurden lediglich rund 9 Mrd. USD im Zusammenhang mit AI Themen emittiert. Selbst bei einem Anstieg im Jahr 2026 müsste das Emissionsvolumen in Richtung von 100 Mrd. USD steigen, um eine sektorweite Belastung zu erzeugen, die mit der durch die Energiebranche ausgelösten Spread-Ausweitung im Jahr 2014 vergleichbar wäre. Zyklische HY Sektoren sollten von einer sich verbessernden wirtschaftlichen Dynamik profitieren, während die Ausfallquoten weiterhin im Bereich des 30. Perzentils der Spanne nach der großen Finanzkrise (GFC) liegen.

Risiken bleiben jedoch bestehen. Ein starker Anstieg der Verschuldung von Hyperscalern, eine hartnäckigere Inflation, die eine straffere Geldpolitik der Federal Reserve erforderlich macht, oder zunehmende geopolitische Spannungen könnten die Marktstimmung belasten. In einigen Sektoren – insbesondere Kommunikation, Technologie und Chemie – zeigen sich isolierte Stresspunkte. Angesichts höherer Nettoemissionen und anhaltender branchenspezifischer Herausforderungen könnte die jüngste Verbesserung der Ausfallraten nicht von Dauer sein. Die HY Spreads bewegen sich aktuell im unteren Bereich des fairen Werts, mit Erwartungen von etwa 300 Basispunkten zum Jahresende.

Insgesamt dürfte 2026 sowohl im IG- als auch im HY-Segment ein von Carry geprägtes Jahr werden. Die leichte Spread-Ausweitung ist eher Ausdruck einer Normalisierung von ungewöhnlich engen Bewertungsniveaus als eines aufkommenden Stresses. Der Markt scheint gut in der Lage zu sein, großvolumige AI bezogene Investitionen zu finanzieren, ohne die Kreditstabilität zu gefährden.

US-Realrenditeaussichten attraktiv

Entwicklung der Renditen von U S Unternehmensanleihen seit 2021 sowie der Inflation in den U S A. Phase negativer Realrenditen bis Anfang/Mitte 2023 – die Inflation lag dabei teilweise deutlich über den Anleiherenditen: Mitte 2022 lag die Inflation bei rund 9 Prozent, die Anleherenditen bei unter 5 Prozent. Seit Anfang/Mitte 2023 liegen die Renditen von Unternehmensanleihen – sowohl aus dem Finanzsektor als auch aus dem Nicht-Finanz-Sektor – höher als die spürbar gesunkene Inflation. Aktuelle Werte: Inflation rund 2,5 Prozent, Renditen der Unternehmensanleihen insgesamt knapp unter 5 Prozent. Die Deutsche Bank erwartet die Inflationrate in den U S A über das Gesamtjahr 2026 bei 2,9 Prozent.

Quelle: LSEG Datastream, Deutsche Bank AG. Daten per 19. Januar 2026. Hinweis: ICE Index. Die bisherige Wertentwicklung lässt keine Rückschlüsse auf die künftige Wertentwicklung zu. Die Wertentwicklung bezieht sich auf einen Nominalwert, der auf Kursgewinnen/-verlusten beruht und die Inflation nicht berücksichtigt. Die Inflation wirkt sich negativ auf die Kaufkraft dieses nominalen Geldwerts aus. Je nach aktuellem Inflationsniveau kann dies zu einem realen Wertverlust führen, selbst wenn die nominale Wertentwicklung der Anlage positiv ist.

Attraktive Realrenditen auch in Europa

Entwicklung der Renditen von Euro Unternehmensanleihen seit 2021 sowie der Inflation in der Eurozone. Phase negativer Realrenditen bis Mitte/Ende 2023 – die Inflation lag dabei teilweise deutlich über den Anleiherenditen: Mitte 2022 lag die Inflation bei zeitweise mehr als 10 Prozent, die Anleherenditen bei knapp über 4 Prozent. Seit Mitte/Ende 2023 liegen die Renditen von Unternehmensanleihen – sowohl aus dem Finanzsektor als auch aus dem Nicht-Finanz-Sektor – höher als die spürbar gesunkene Inflation. Aktuelle Werte: Inflation knapp unter 2 Prozent, Renditen der Unternehmensanleihen insgesamt bei knapp 3 Prozent. Die Deutsche Bank erwartet die Inflationrate in der Eurozone über das Gesamtjahr 2026 bei 2,0 Prozent.

Quelle: LSEG Datastream, Deutsche Bank AG. Daten per 19. Januar 2026. Hinweis: iBoxx Index. Die bisherige Wertentwicklung lässt keine Rückschlüsse auf die künftige Wertentwicklung zu. Die Wertentwicklung bezieht sich auf einen Nominalwert, der auf Kursgewinnen/-verlusten beruht und die Inflation nicht berücksichtigt. Die Inflation wirkt sich negativ auf die Kaufkraft dieses nominalen Geldwerts aus. Je nach aktuellem Inflationsniveau kann dies zu einem realen Wertverlust führen, selbst wenn die nominale Wertentwicklung der Anlage positiv ist.

Die Wirtschaft zählt

Entwicklung der Sprätz von US-Hochzinsanleihen in Basispunkten im Vergleich zum Wachstum des U S Bruttoinlandsprodukts in Prozent zum Vorjahr seit 1998. Stark vereinfacht gesagt ist zu beobachten, dass sich beide Werte tendenziell umgekehrt proportional zueinander entwickeln. Das heißt, bei einem abnehmenden Wirtschaftswachstum sind zunehmende Sprätz zu beobachten und umgekehrt.

Quelle: LSEG Datastream, Deutsche Bank AG. Daten per 19. Januar 2026. Hinweis: ICE Index. Die bisherige Wertentwicklung lässt keine Rückschlüsse auf die künftige Wertentwicklung zu. Die Wertentwicklung bezieht sich auf einen Nominalwert, der auf Kursgewinnen/-verlusten beruht und die Inflation nicht berücksichtigt. Die Inflation wirkt sich negativ auf die Kaufkraft dieses nominalen Geldwerts aus. Je nach aktuellem Inflationsniveau kann dies zu einem realen Wertverlust führen, selbst wenn die nominale Wertentwicklung der Anlage positiv ist.

Regionen verändern sich, Abhängigkeiten nicht

Entwicklung der Sprätz von Euro Hochzinsanleihen in Basispunkten im Vergleich zum Wachstum des Bruttoinlandsprodukts der Eurozone in Prozent zum Vorjahr seit 1998. Stark vereinfacht gesagt ist zu beobachten, dass sich beide Werte tendenziell umgekehrt proportional zueinander entwickeln. Das heißt, bei einem abnehmenden Wirtschaftswachstum sind zunehmende Sprätz zu beobachten und umgekehrt.

Quelle: LSEG Datastream, Deutsche Bank AG. Daten per 19. Januar 2026. Hinweis: ICE Index. Die bisherige Wertentwicklung lässt keine Rückschlüsse auf die künftige Wertentwicklung zu. Die Wertentwicklung bezieht sich auf einen Nominalwert, der auf Kursgewinnen/-verlusten beruht und die Inflation nicht berücksichtigt. Die Inflation wirkt sich negativ auf die Kaufkraft dieses nominalen Geldwerts aus. Je nach aktuellem Inflationsniveau kann dies zu einem realen Wertverlust führen, selbst wenn die nominale Wertentwicklung der Anlage positiv ist.

EUR Unternehmensanleihen – die Carry Story bleibt intakt

Der europäische Unternehmensanleihemarkt erzielte 2025 eine solide Performance. EUR Investment Grade (IG) verzeichnete eine Gesamtrendite von 3,0 Prozent und eine Excess-Return-Rendite von 2,3 Prozent, während EUR High Yield (HY) Gesamtrenditen von 5,3 Prozent und Excess Returns von 3,7 Prozent erzielten. Das Angebot blieb hoch: Das Bruttoemissionsvolumen im EUR IG Segment erreichte mit 720 Mrd. EUR einen neuen Rekord, davon entfielen 212 Mrd. EUR auf Nettoemissionen. Die Emissionen von Nicht Finanzunternehmen beliefen sich auf insgesamt 366 Mrd. EUR und übertrafen damit den Spitzenwert aus der Covid Zeit. US Emittenten im Rahmen sogenannter „Reverse Yankees“ blieben ein wesentlicher Treiber und machten nahezu ein Fünftel des gesamten EUR IG Angebots aus; ihr Emissionsvolumen erreichte 158 Mrd. EUR. Im High Yield Segment stieg das Emissionsvolumen auf 136 Mrd. EUR – der zweithöchste Wert aller Zeiten – mit Nettoemissionen von 36 Mrd. EUR, dem höchsten Stand seit 2021.

Die Nachfrage blieb robust. Im Jahr 2025 verzeichneten IG Fonds Zuflüsse von knapp unter 50 Mrd. USD, während HY Fonds rund 10 Mrd. USD anzogen. Der Anteil von Investmentfonds am EUR Unternehmensanleihemarkt stieg auf etwa 34 Prozent und erreichte damit ein 10-Jahres-Hoch – ein wichtiger Faktor zur Kompensation des laufenden Bilanzabbaus der EZB. Fixed Maturity Funds (FMFs) blieben zentrale Nachfrageanker, insbesondere im Segment mit rund 3,5 jähriger Laufzeit. Zusätzlich entstand durch die niederländische Pensionsreform ein neuer mittelfristiger technischer Treiber: Für 2026 werden Allokationen von 12 bis 18 Mrd. EUR in IG und 3 bis 4,5 Mrd. EUR in HY erwartet, wobei für 2027 noch größere Schritte wahrscheinlich sind. Frühjahrsdaten 2026 bestätigten anhaltende Retail Zuflüsse in IG sowie ein wiedererstarktes Interesse an HY ETFs. Zudem zeigten sich regionale Divergenzen: Im Spätsommer 2025 erreichte der Anteil an EUR IG Anleihen, die unter vergleichbaren französischen OATs gehandelt wurden, einen Rekordwert – dies unterstreicht die Streuung auf Ebene der Staatsanleihen.

Zu Beginn des Jahres 2026 lagen die EUR IG Spreads mit rund 78 Basispunkten nahe dem unteren Ende ihrer 5-Jahres-Handelsspanne, während die EUR HY Spreads bei etwa 264 Basispunkten notierten. Trotz der Spannungen im Zusammenhang mit Grönland blieb der Spread Effekt bislang weitgehend begrenzt. Das Jahr startete mit rund 35 Mrd. EUR an Primärmarktvolumen sowie weiter anhaltenden Zuflüssen in IG Fonds. Wir erwarten eine leichte, geordnete Spread-Ausweitung in Richtung etwa 85 Basispunkte im IG Segment, da ein weiterhin starkes, wenn auch etwas niedrigeres Nettoangebot auf solide Nachfrage trifft. Das Bruttoemissionsvolumen dürfte 2026 die Marke von 700 Mrd. EUR überschreiten, getragen von Refinanzierungsbedarf, Investitionsausgaben (einschließlich Rechenzentrumsentwicklung) und dem Wiederaufbau von Liquiditätspuffern.

Die Angebotszusammensetzung bleibt unterstützend. Banken dürften von stärkeren Bilanzen und sich verbessernden Trends bei peripheren Staatsanleihen profitieren, während Nicht Finanzunternehmen voraussichtlich weiterhin für digitale und Infrastrukturinvestitionen emittieren werden – einschließlich US Technologieunternehmen, die verstärkt den EUR Markt nutzen. Auf der Nachfrageseite sollten FMFs mit Fokus auf Laufzeiten von 3 bis 5 Jahren dazu beitragen, Neuemissionsprämien begrenzt zu halten, während die Allokationen niederländischer Pensionsfonds eine bewertungsorientierte und nachhaltige Nachfragequelle darstellen. Sogenannte Reverse Yankee Emissionen dürften eine wichtige Rolle für die Diversifikation bleiben.

Für EUR IG Anleihen dürfte der Carry 2026 der zentrale Treiber der Gesamterträge bleiben. Die Kreditqualität zeigt sich stabil, und eine potenzielle Spread Normalisierung dürfte vielmehr bewertungsbedingt als fundamental getrieben sein. Die Neuemissionsprämien bleiben begrenzt, die Rückzahlungen im Januar sind hoch, und Benchmark Index Anpassungen werden rund 59 Mrd. EUR an Anleihen mit Fälligkeit Januar 2027 entfernen, was die Spreads am Sekundärmarkt zusätzlich stützt. Die Emissionsqualität verbesserte sich 2025: Rund 54 Prozent des Volumens entfielen auf Titel mit A Rating oder besser; ein ähnliches Profil wird auch für 2026 erwartet. Die Zuflüsse aus niederländischen Pensionsreformen entsprechen einem mittleren einstelligen Prozentsatz des erwarteten Nettoangebots. Diese Mittel sollten die Spreads stabilisieren – jedoch nicht weiter verengen.

Der Spread bei EUR HY startete 2026 bei rund 264 Basispunkten, nach einem Jahr mit deutlicher Streuung zwischen emittentengewichteten Ausfallraten (etwa 4 Prozent) und marktgewichteten Ausfallraten (nahe 9 Prozent), verursacht durch einige wenige große, idiosynkratische Ausfälle. Die sogenannte „Maturity Wall“ hat sich verbessert: Kurzfristige Fälligkeiten konzentrieren sich bis zum frühen Frühjahr vor allem auf BB Emittenten. Mit Renditen von etwa 4,9 Prozent bleibt EUR HY für einkommensorientierte Anleger attraktiv, ohne Anzeichen für spätzyklischen Stress. Für 2026 erwarten wir eine graduelle Spread-Ausweitung in Richtung etwa 320 Basispunkte, da das Nettoangebot um rund 10 Mrd. USD steigt und die Ausfallraten moderat erhöht bleiben. Wie im IG Segment dürfte auch hier der Carry der wichtigste Treiber der Gesamterträge sein.

Insgesamt bleibt 2026 im EUR Unternehmensanleihemarkt der Kupon – und nicht die Spread Einengung – tonangebend. Das Angebot bleibt hoch, jedoch gut verkraftbar, und die Nachfrage seitens Retail Investoren, FMFs und Pensionskassen erweist sich als widerstandsfähig. Die Fundamentaldaten sind solide, und obwohl die Spread-Dispersion anhalten dürfte, wird die erwartete Ausweitung voraussichtlich geordnet und vor allem bewertungsgetrieben verlaufen. Nichtsdestotrotz ist es wichtig, mögliche Stresssignale im Zusammenhang mit der Lage rund um Grönland im Blick zu behalten.

Asiatische Unternehmensanleihen – Rendite als Stabilitätsanker

Das Momentum im asiatischen Anleihemarkt bleibt stark. Der J.P. Morgan Asia Credit Index (JACI) erzielte 2025 eine Gesamtrendite von 8,2 Prozent nach 5,7 Prozent im Jahr 2024. Der Index ist überwiegend hochwertig zusammengesetzt – mit mehr als 85 Prozent IG Anleihen und weniger als
15 Prozent HY –, was Stabilität liefert und gleichzeitig einen moderaten Renditeaufschlag ermöglicht. Im IG Segment lag die Gesamtrendite bei 7,8 Prozent und damit deutlich über dem langfristigen Durchschnitt von 3,5 Prozent, während HY eine Rendite von 10,8 Prozent erzielte, den höchsten Wert seit 2019. Sinkende Zinsen und enger werdende Spreads stützten die Performance. Zwar zeigte sich am Liberation Day kurzzeitig erhöhte Volatilität, die Märkte stabilisierten sich jedoch schnell. Da die Spreads nahe historischen Tiefstständen liegen, stellen sich für 2026 zwei zentrale Fragen: Ob weitere Spread Verengungen noch möglich sind – und woher die Renditen kommen sollen.

Fundamentale und technische Faktoren bleiben unterstützend. Die Volkswirtschaften Asiens zeigten trotz tarifbedingter Gegenwinde eine beachtliche Resilienz, wobei aktive fiskalische und monetäre Maßnahmen Abwärtsrisiken abfederten. Mehrere Länder erzielten zudem Fortschritte bei Handelsgesprächen mit den USA. Exportorientierte Länder profitierten von den vorgezogenen Investitionszyklen in den USA, die die Nachfrage stärkten. Das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts in Asien ohne Japan dürfte laut Erwartungen leicht von 5,4 Prozent im Jahr 2025 auf 4,9 Prozent im Jahr 2026 zurückgehen – weiterhin robust im historischen Vergleich. Die Unternehmensfundamentaldaten spiegeln diese Widerstandsfähigkeit wider: In den jüngsten Quartalen überwogen Rating Heraufstufungen gegenüber -Herabstufungen. Die HY Ausfallraten in Asien lagen 2025 bei 2,5 Prozent und werden für 2026 auf 1–2 Prozent geschätzt.

Die technischen Rahmenbedingungen bleiben solide. Die regionale Nachfrage ist weiterhin stark, insbesondere von Versicherungen und Mutual Funds, die renditeorientiert agieren. Mit einer Indexrendite des JACI von rund 5,1 Prozent bleibt der Carry attraktiv. Auf der Angebotsseite verzeichnete Asien vier aufeinanderfolgende Jahre negativer Nettoversorgung. Für 2026 wird jedoch ein moderater Anstieg erwartet: Niedrigere Finanzierungskosten aufgrund von Fed Zinssenkungen und historisch enge Spreads dürften mehr Emittenten zurück an den USD Markt führen. Zudem wird kräftiges nominales Wachstum den Finanzierungsbedarf erhöhen.

Die Bewertungen stellen eine Herausforderung dar. Die Spreads im asiatischen IG Segment liegen auf Mehrjahrestiefs und bieten wenig Spielraum für weitere Einengung – wodurch eine moderate Ausweitung wahrscheinlicher wird. Dennoch ermöglichen Gesamtrenditen von über 4,75 Prozent weiterhin attraktive Gesamtertragspotenziale. Das HY Segment weist hingegen bei den aktuell engen Spreads ein ungünstiges Risiko Rendite Verhältnis auf: Das Potenzial für Kursgewinne ist begrenzt, während wirtschaftliche Unsicherheiten Abwärtsrisiken erhöhen. Vor diesem Hintergrund bleibt IG das bevorzugte Segment.

Risiken bestehen weiterhin. Steigende US Renditen, geopolitische Spannungen oder inländische Belastungen – etwa Liquiditätsprobleme großer chinesischer Immobilienentwickler – könnten die Stimmung beeinträchtigen. Eine Störung in den privaten Kreditmärkten könnte zudem Überwälzungsrisiken für den asiatischen Kreditmarkt mit sich bringen.

Insgesamt wird erwartet, dass asiatische IG Anleihen 2026 weiterhin attraktiven Carry liefern – gestützt durch Gesamtrenditen von über 4,5 Prozent.

Schwellenländer Staatsanleihen: Fundamentaldaten solide, Bewertungen angespannt

Der Markt für Staatsanleihen aus Schwellenländern (EM Sovereign Credit) startet 2026 aus einer starken Position heraus. Die Spreads des J.P. Morgan EMBI Global Diversified haben sich auf Mehrjahrestiefs verengt und liegen derzeit bei etwa 253 Basispunkten. Der Index erzielte 2025 eine Gesamtrendite von 14,9 Prozent, gestützt durch stabile Fundamentaldaten, robuste technische Faktoren und anhaltende Zuflüsse. Die engen Spreads lassen jedoch nur begrenzten Spielraum für Fehler.

Im Jahr 2026 wird die Performance von makroökonomischen, technischen und bewertungsbezogenen Faktoren geprägt. Auf der Makroseite sorgen ein schwächerer US Dollar, erwartete Zinssenkungen der Federal Reserve und anhaltende Wachstumsdynamik in wichtigen EM Volkswirtschaften für ein konstruktives Umfeld. Die technischen Faktoren bleiben stark, mit reichlich Liquidität und anhaltender Nachfrage nach Neuemissionen, da EM Sovereigns weiterhin als glaubwürdige Alternativen zu Staatsanleihen der Industrieländer gelten.

Die Bewertungen sind jedoch angespannt. Die Spreads liegen im historischen Vergleich auf engen Niveaus, wodurch der Markt empfindlicher auf negative Schocks reagiert – etwa auf eine globale Wachstumsenttäuschung, weniger als erwartete Zinssenkungen oder erneut zunehmende geopolitische Spannungen. Solche Überraschungen könnten zu Spread Ausweitungen und erhöhter Volatilität führen.

Zwar bleiben die Gesamtrenditen attraktiv, doch aufgrund der hohen Bewertungen dürften die 12 Monats Renditen auf einstellige Werte zurückgehen – unter dem 14-Prozent-Ergebnis von 2025. Unser Ausblick geht von einer moderaten Spread-Ausweitung aus, wobei der Carry auch 2026 der wichtigste Performance-Treiber bleiben dürfte.

Historische Wertentwicklung

Historische Wertentwicklung unterschiedlicher Anleiheindizes in den vergangenen fünf Jahreszeiträumen. Bitte wenden Sie sich für einen Überblick an Ihre Beraterin oder Ihren Berater bei der Deutschen Bank.

Quelle: Deutsche Bank AG, Bloomberg Finance L.P., LSEG Datastream. Daten per 20. Januar 2026. Die bisherige Wertentwicklung lässt keine Rückschlüsse auf die künftige Wertentwicklung zu. Die Wertentwicklung bezieht sich auf einen Nominalwert, der auf Kursgewinnen/-verlusten beruht und die Inflation nicht berücksichtigt. Die Inflation wirkt sich negativ auf die Kaufkraft dieses nominalen Geldwerts aus. Je nach aktuellem Inflationsniveau kann dies zu einem realen Wertverlust führen, selbst wenn die nominale Wertentwicklung der Anlage positiv ist.

Glossar

  • Ausfallrate (Default Rate): Anteil der Emittenten, die innerhalb eines Jahres ihre Verpflichtungen nicht erfüllen.
    • Basispunkte (Bp, bps): ein Hundertstel eines Prozentpunkts (0,01 Prozent); gebräuchliche Maßeinheit für Spreads und Zinsänderungen.
      • Bestände der Market Maker / Dealer Inventories: Anleihepositionen, die Banken im Rahmen des Market Makings halten.
        • Bewertungen (Valuations): Beurteilung der Attraktivität von Spreads oder Renditen im Vergleich zu historischen Niveaus oder relativen Marktkennzahlen.
          • Carry: Ertrag aus dem Halten einer Anleihe aufgrund ihrer laufenden Verzinsung – unabhängig von Kursbewegungen.
            • Distress Ratio: Anteil der HY Anleihen, die auf deutlich gestressten Niveaus handeln – Indikator für Marktstress.
              • EMBI (J.P. Morgan Emerging Markets Bond Index): Index für USD Staatsanleihen aus Schwellenländern.
                • ETF Zuflüsse: Kapitalzuflüsse in börsengehandelte Fonds; gelten häufig als Hinweis auf starke Anlegernachfrage in einem Segment.
                  • Fallen Angels: Unternehmen, deren Rating von Investment Grade auf High Yield herabgestuft wurde.
                    • FMFs (Fixed Maturity Funds): Fonds mit festen Laufzeiten, die eine bedeutende Käufergruppe im EUR Unternehmensanleihemarkt darstellen.
                      • High Yield (HY): Anleihen von Emittenten mit niedrigerer Bonität, die höhere Zinsen zahlen, um das höhere Ausfallrisiko zu kompensieren. Ratings unterhalb von BBB.
                        • Hyperscaler: große Technologiekonzerne, die umfangreiche Infrastruktur für KI und Cloud Computing aufbauen und dafür regelmäßig große Emissionsvolumina im Anleihemarkt platzieren.
                          • Investment Grade (IG): Unternehmensanleihen von Emittenten mit hoher Kreditwürdigkeit und entsprechend geringerem Ausfallrisiko. Ratings im Bereich BBB oder besser.
                            • JACI (J.P. Morgan Asia Credit Index): Benchmark Index für in USD denominierte Unternehmensanleihen aus Asien.
                              • Kupon Deckungsgrad (Coupon Coverage): Maß dafür, wie stark das Nettoangebot an Anleihen durch Kuponzahlungen kompensiert wird; hohe Werte wirken stabilisierend auf die Spreads.
                                • Maturity Wall: Konzentration an Anleihefälligkeiten in einem kurzen Zeitraum, die Refinanzierungsdruck erzeugen kann.
                                  • MBS (Mortgage Backed Securities): durch Hypotheken besicherte Wertpapiere staatlich geförderter Institute; ihre Käufe können die Nachfrage nach Unternehmensanleihen beeinflussen.
                                    • MOVE Index: Barometer für die Volatilität der US Zinsmärkte; niedrigere Werte stützen tendenziell Kreditmärkte.
                                      • OATs (Obligations assimilables du Trésor): französische Staatsanleihen mit Benchmark Charakter.
                                        • Rendite / All in Yield: die Gesamtrendite, die ein Anleger erhält, wenn er die Anleihe bis zur Endfälligkeit hält – einschließlich Kupons und Preisveränderungen.
                                          • Reverse Yankee Emissionen: US Unternehmen, die Anleihen in Euro emittieren, häufig um günstigere Finanzierungskosten zu nutzen.
                                            • Rising Stars: Unternehmen, die von High Yield auf Investment Grade hochgestuft wurden.
                                              • Spreads / Credit Spreads: Zinsdifferenz zwischen Unternehmensanleihen und Staatsanleihen; Ausdruck der Kreditrisikoprämie bzw. Marktstimmung gegenüber Kreditrisiken.
                                                • Technische Faktoren (Technicals): Markteinflüsse, die nicht mit Fundamentaldaten zusammenhängen — z. B. Kapitalflüsse, Angebotsmuster oder Zentralbankaktivität.

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