Aktien, Volkswirtschaft/Geldpolitik – 05.02.2026
Ausblick Japan 2026: strategische Neuausrichtung
Die wichtigsten Fakten:
- Die konjunkturelle Erholung Japans gewinnt an Stärke, gestützt durch kräftiges Lohnwachstum und eine robuste Binnennachfrage, welche die Belastungen durch Zölle ausgleicht.
- Das fiskalpolitische Paket der Regierung Takaichi markiert einen Wandel hin zu strategischen, sicherheitsorientierten Investitionen – insbesondere in die Halbleiterindustrie, Künstliche Intelligenz und Verteidigung – und bietet gleichzeitig gezielte Entlastungen für Haushalte.
- Die Geldpolitik normalisiert sich mit höheren Leitzinsen der BoJ und steigenden JGB-Renditen, was den Bankensektor unterstützt und den Weg für eine allmähliche Aufwertung des JPY bereitet.
- Strukturelle Reformen, eine stärkere Corporate Governance und strategische Investitionen schaffen attraktive Chancen sowohl im Aktienmarkt als auch im Bereich Private Markets.
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Makro: Binnenwirtschaftliche Dynamik gleicht externen Gegenwind aus
Die wirtschaftliche Erholung gewann in der ersten Hälfte des Jahres 2025 an Dynamik, angetrieben durch eine robuste Binnennachfrage und vorgezogene Exporte in die USA. Die Einführung höherer US-Zölle auf japanische Importe sowie die anhaltende Immobilienkrise, welche den privaten Konsum belastet, führten jedoch im dritten Quartal zu einem Rückgang des BIP um 0,6 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Diese Faktoren dürften auch in den kommenden Quartalen einer stärkeren wirtschaftlichen Erholung entgegenwirken. Dennoch bleiben der private Konsum und die Unternehmensinvestitionen widerstandsfähig. Der Arbeitsmarkt ist weiterhin angespannt, mit Personalengpässen in vielen Sektoren (Abbildung 1). Dies treibt das Lohnwachstum an und fördert Investitionen in produktivitätssteigernde Technologien. Im Vorfeld der landesweiten Shuntō-Lohnverhandlungen im Frühjahr 2026 streben die großen japanischen Gewerkschaften erneut deutliche Lohnsteigerungen von rund 5 Prozent an – ähnlich wie im Jahr 2025.
Struktureller Arbeitskräftemangel treibt Lohnwachstum
Quelle: LSEG Datastream, Deutsche Bank AG. Daten per 20. Januar 2026. Die bisherige Wertentwicklung lässt keine Rückschlüsse auf die künftige Wertentwicklung zu. Die Wertentwicklung bezieht sich auf einen Nominalwert, der auf Kursgewinnen/-verlusten beruht und die Inflation nicht berücksichtigt. Die Inflation wirkt sich negativ auf die Kaufkraft dieses nominalen Geldwerts aus. Je nach aktuellem Inflationsniveau kann dies zu einem realen Wertverlust führen, selbst wenn die nominale Wertentwicklung der Anlage positiv ist.
Seit Anfang August unterliegen japanische Exporte in die USA einem pauschalen Zollsatz von 15 Prozent, wie im Handelsabkommen mit den USA im Juli festgelegt. Höhere Absätze in Nicht-US-Märkten haben es japanischen Exporteuren ermöglicht, ihre geringeren US-Erlöse teilweise auszugleichen. Im vierten Quartal 2025 signalisierten die Composite PMIs von S&P Global weiterhin Wachstum im Privatsektor, wobei der bereichsübergreifende Frühindikator neun Monate in Folge im expansiven Bereich blieb. Die Dienstleistungen, welche stärker von der robusten Binnennachfrage profitieren, treiben das Wachstum weiter an. Die Industrie hingegen verzeichnete weiterhin Rückgänge, da sie anfälliger für externe Faktoren ist, wenngleich steigende PMI-Werte auf eine Verlangsamung des Rückgangs hinweisen.
"Japan 2.0: Wie Anleger von der strategischen Neuausrichtung des Landes profitieren können."
Mittelfristig dürfte das reale Wirtschaftswachstum leicht unter 1 Prozent liegen, wobei die Inlandsnachfrage der wichtigste Wachstumstreiber bleibt, während eine schwächere Auslandsnachfrage dämpfend wirkt. Vor dem Hintergrund solider Unternehmensgewinne, historisch hoher Auftragsbestände im Maschinenbau und in der Bauwirtschaft sowie staatlicher Anreize dürften die Unternehmensinvestitionen robust bleiben (Abbildung 2). Zudem sollte das kürzlich aufgelegte Konjunkturpaket der Regierung Takaichi den öffentlichen Konsum und die staatlichen Investitionen unterstützen. Steigende Unternehmensgewinne werden voraussichtlich auch weiterhin Spielraum für ein anhaltendes Lohnwachstum bieten. Zusammen mit einem allmählichen Rückgang der Inflation dürfte dies den privaten Konsum stärken. In den ersten drei Quartalen 2025 ließ der Preisdruck auf Verbraucher spürbar nach, unter anderem dank staatlicher Zuschüsse zu den Energiepreisen. Seit September sind die jährlichen Inflationsraten jedoch leicht gestiegen und erreichten zuletzt die Marke von 3 Prozent. Dies dürfte der Bank of Japan (BoJ) mehr Spielraum geben, ihre geldpolitische Normalisierung vorsichtig voranzutreiben. Zusammen mit einer Entspannung der Lebensmittelinflation dürfte dies die Gesamtinflation mittelfristig in Richtung des 2-Prozent-Ziels bewegen. Vor diesem Hintergrund erwarten wir für 2026 ein reales BIP-Wachstum von 0,7 Prozent und eine Verbraucherpreisinflation (CPI) von 2,0 Prozent.
Tankan-Umfrage zeigt zunehmendes Vertrauen
Quelle: LSEG Datastream, Deutsche Bank AG. Daten per 20. Januar 2026. Die bisherige Wertentwicklung lässt keine Rückschlüsse auf die künftige Wertentwicklung zu. Die Wertentwicklung bezieht sich auf einen Nominalwert, der auf Kursgewinnen/-verlusten beruht und die Inflation nicht berücksichtigt. Die Inflation wirkt sich negativ auf die Kaufkraft dieses nominalen Geldwerts aus. Je nach aktuellem Inflationsniveau kann dies zu einem realen Wertverlust führen, selbst wenn die nominale Wertentwicklung der Anlage positiv ist.
Handel: Neuordnung der Lieferketten und strategische Ausweitung des Handels
China bleibt Japans größter Handelspartner mit einem bilateralen Handelsvolumen von knapp 280 Mrd. USD in den vergangenen zwölf Monaten – rund 20 Prozent von Japans gesamtem Handel und damit mehr als mit den USA oder ASEAN (jeweils etwa 15 Prozent, siehe Abbildung 3). Diese Beziehung beruht auf einer tiefen technologischen Verflechtung: Japan exportiert Halbleiter, Präzisionsmaschinen und Industrieanlagen nach China und importiert im Gegenzug Telekommunikationsausrüstung, Computerhardware und Unterhaltungselektronik.
Japans Handelspartner (bilateraler Handelsanteil nach Ländern in Prozent des Gesamtvolumens)
Quelle: LSEG Datastream, Deutsche Bank AG. Daten per 20. Januar 2026. Die bisherige Wertentwicklung lässt keine Rückschlüsse auf die künftige Wertentwicklung zu. Die Wertentwicklung bezieht sich auf einen Nominalwert, der auf Kursgewinnen/-verlusten beruht und die Inflation nicht berücksichtigt. Die Inflation wirkt sich negativ auf die Kaufkraft dieses nominalen Geldwerts aus. Je nach aktuellem Inflationsniveau kann dies zu einem realen Wertverlust führen, selbst wenn die nominale Wertentwicklung der Anlage positiv ist.
Eine zentrale Verwundbarkeit für Japan liegt in seiner Abhängigkeit von chinesischen Rohstoffen und Vorprodukten, die für die Hightechindustrie essenziell sind. Die jüngsten geopolitischen Spannungen haben dies weiter verdeutlicht. China hat den Export bestimmter Dual-Use-Güter mit potenziellen militärischen Anwendungen nach Japan verboten und erwägt zudem strengere Beschränkungen für den Export seltener Erden. Japan hat diese Abhängigkeit zwar reduziert, aber nicht beseitigt: Heute stammen fast 60 Prozent der seltenen Erden aus China (nach rund 90 Prozent im Jahr 2010). Bei bestimmten schweren seltenen Erden, die in Magneten für Elektro- und Hybridfahrzeuge eingesetzt werden, bleibt Japan nahezu vollständig von China abhängig.
Branchenanalysten schätzen, dass ein 3-monatiger Exportstopp – ähnlich wie 2010 – japanischen Unternehmen rund 4,2 Mrd. USD kosten und das BIP um 0,11 Prozent senken würde. Ein Jahr lang anhaltende Störungen könnten das BIP sogar um 0,43 Prozent drücken. Trotz laufender „China+1“-Diversifizierungsstrategien sind viele japanische Unternehmen weiterhin tief in chinazentrierte Produktionsnetzwerke eingebunden – insbesondere in den Bereichen Elektronik, Halbleiter und Spezialmaterialien.
Als Lehre aus 2010 hat Japan seine Bemühungen zur Ausweitung und Absicherung der Lieferketten beschleunigt. Zwischen Mai 2020 und März 2022 unterstützte die Regierung 104 Nearshoring- und Friendshoring-Projekte, vor allem in Richtung ASEAN, Indien und Bangladesch. Ziel sind die Verringerung von Konzentrationsrisiken und der Aufbau widerstandsfähiger Produktionsökosysteme. Darüber hinaus dürfte Japan zunehmend seine strategischen Stärken – etwa seine Führungsrolle bei High-End-Chipmaterialien – nutzen, um möglichen chinesischen Exportkontrollen zu begegnen. Japan bleibt in der globalen Chipindustrie unverzichtbar: Vier japanische Unternehmen kontrollieren rund 72,5 Prozent der weltweiten Photoresist-Produktion, während Chinas heimische Alternativen unter 5 Prozent liegen.
Geoökonomie: Ausbau von Handelsnetzwerken und strategischen Partnerschaften
Obwohl Japan bereits an wichtigen regionalen Handelsabkommen beteiligt ist, die zusammen etwa 80 Prozent seines gesamten Handels ausmachen, weitet das Land sein Netzwerk kontinuierlich aus. Aktuell führt Japan Verhandlungen über ein Handelsabkommen mit dem Golf-Kooperationsrat (GCC) und arbeitet daran, zuvor ins Stocken geratene Freihandelsgespräche wiederzubeleben.
- Regional Comprehensive Economic Partnership (RCEP, in Kraft seit 2022): RCEP umfasst 15 Volkswirtschaften im Asien-Pazifik-Raum (ASEAN-10, China, Südkorea, Australien, Neuseeland und Japan) und generiert rund 30 Prozent des weltweiten BIP – nach dem EU Binnenmarkt und USMCA. Das Abkommen beseitigt Zölle auf etwa 91 Prozent der Güter und harmonisiert Regeln in den Bereichen Waren, Dienstleistungen, Investitionen, geistiges Eigentum und E Commerce. Japan steigerte im Jahr 2024 den Handel mit Vietnam und Malaysia im Rahmen seiner Lieferkettendiversifizierung innerhalb des RCEP Rahmens.
- Comprehensive and Progressive Agreement for Trans Pacific Partnership (CPTPP, in Kraft seit 2018): Japan ist Gründungsmitglied des CPTPP zusammen mit elf weiteren Volkswirtschaften, darunter Australien, Brunei, Kanada, Chile, Malaysia, Mexiko, Neuseeland, Peru, Singapur, Vietnam und das Vereinigte Königreich. Das Abkommen deckt 14,4 Prozent des weltweiten BIP ab und beseitigt nahezu 99 Prozent aller Zölle – ein zentraler Faktor für eine tiefe, hochwertige wirtschaftliche Integration.
- Bilaterale Freihandelsabkommen (FTAs) und Wirtschaftspartnerschaftsabkommen (EPAs)
Japan unterhält EPAs/FTAs mit den USA, der EU, den meisten großen ASEAN Volkswirtschaften, Indien, Bangladesch, Australien, Peru, Mexiko, Chile, der Mongolei, dem Vereinigten Königreich und weiteren Ländern.
Inland: Innovation und Kapazitätsaufbau
Japan hat seine innenpolitischen Resilienzinitiativen seit Chinas Exportverbot für seltene Erden im Jahr 2010 deutlich ausgeweitet – mit einem Fokus auf Lagerhaltung, Recycling und alternative Materialien. Wichtige Maßnahmen umfassen das Recycling und die Substitution seltener Erden sowie die Förderung der Halbleiter Unabhängigkeit und des Onshorings.
So haben führende Automobilhersteller in Japan das Recycling seltener Erden für Komponenten von Elektrofahrzeugen vorangetrieben. Große Hersteller von langlebigen Konsumgütern/Haushaltsgeräten sowie Stahlproduzenten entwickeln nächste Generationen von Magneten und Materialien, die den Bedarf an schweren seltenen Erden reduzieren oder vollständig ersetzen.
Um eine eigenständige Halbleiterproduktion zu erreichen, verfolgt das Rapidus Konsortium das Ziel, bis 2027 2 Nanometer Chips zu entwickeln – unterstützt durch eine staatliche Investition von 330 Mrd. JPY.
Geldpolitik: allmähliche Normalisierung
Wie erwartet erhöhte die Bank of Japan (BoJ) im Dezember ihren Leitzins um 25 Basispunkte auf 0,75 Prozent – den höchsten Stand seit 30 Jahren. Laut der Tankan-Umfrage (BoJ) vom Dezember rechnen japanische Unternehmen über alle Zeithorizonte bis zu fünf Jahren hinweg mit Inflationsraten von 2,4 Prozent. An den Swap-Märkten wird mindestens eine weitere Zinserhöhung bis Ende 2026 eingepreist. Dies entspricht auch unserer Einschätzung und würde den BoJ-Leitzins auf 1,0 Prozent anheben.
Ab April 2026 dürfte die Zentralbank ihre vierteljährlichen Käufe japanischer Staatsanleihen (JGBs) voraussichtlich von 400 Mrd. JPY auf 200 Mrd. JPY halbieren. Angesichts des niedrigen Zinsniveaus und des erwarteten graduellen Normalisierungspfads dürfte die Geldpolitik der BoJ im Jahr 2026 jedoch weiterhin unterstützend bleiben.
Ein sinkender Zinsabstand zu den USA, nachlassender Preisdruck und ein robustes Wachstum der japanischen Wirtschaft sollten in den kommenden Quartalen zudem eine Aufwertung des JPY gegenüber dem USD unterstützen.
Fiskalpolitik: Unterstützung der Haushalte und strategische Sektorinvestitionen
Am 6. Dezember 2025 verabschiedete das japanische Parlament das von der Regierung Takaichi vorgeschlagene Konjunkturpaket mit einem Gesamtvolumen von über 21 Billionen JPY (136 Mrd. USD). Finanziert wird es durch einen Nachtragshaushalt in Höhe von 17,7 Billionen JPY – den größten seit Beginn der Pandemie. Das Paket umfasst drei zentrale Säulen:
- 11,7 Billionen JPY (rund 2 Prozent des BIP) für Entlastungsmaßnahmen für private Haushalte
- 7,2 Billionen JPY (rund 1,2 Prozent des BIP) für strategische Wachstumssektoren
- 2,7 Billionen JPY für Steuersenkungen
Um die Belastungen durch hohe Lebenshaltungskosten abzufedern, beinhaltet das Paket Direktzahlungen an Haushalte mit Kindern sowie zusätzliche Unterstützung durch Kommunen. Zudem umfasst es Subventionen für Strom, Stadtgas und Benzin, die ab Januar in eine dauerhafte Steuersenkung überführt werden sollen und voraussichtlich die zyklische Binnennachfrage stärken. Die Einführung eines höheren Einkommensteuerfreibetrags ab dem Haushaltsjahr 2025 dürfte das verfügbare Einkommen der Haushalte um jährlich rund 1,2 Billionen JPY (0,2 Prozent des BIP) erhöhen. Zusätzlich sind Zuschüsse vorgesehen, die es lokalen Behörden ermöglichen sollen, gezielter auf spezifische Bedürfnisse zu reagieren. Darüber hinaus sind zusätzliche öffentliche Investitionen in den Katastrophenschutz in Höhe von 0,2 Prozent des BIP sowie zusätzliche Bildungsausgaben für Schulgebühren der Sekundarstufe II in Höhe von 0,1 Prozent des BIP geplant.
Für die langfristige Entwicklung sieht das Konjunkturpaket Investitionen in strategisch relevante Wachstumsbranchen vor (siehe unser PERSPEKTIVEN Equity Viewpoint – Japan: Takaichi und Unternehmensreformen), die entscheidend für die industrielle Wettbewerbsfähigkeit und den Ausbau der Verteidigungsfähigkeiten des Landes sind:
- Halbleiter: umfangreiche Investitionen zur Stärkung und Absicherung von Lieferketten und technologischer Wettbewerbsfähigkeit
- Künstliche Intelligenz: finanzielle Mittel zum Ausbau und zur Festigung von Japans Position bei digitalen Technologien
- Schiffbau und Weltraumforschung: Unterstützung für innovative Fertigung und Luft und Raumfahrtforschung
- Verteidigung: Ausbau der strategischen Fähigkeiten Japans entsprechend sicherheitspolitischen Prioritäten. Die höheren Verteidigungsausgaben sollen teilweise durch einen Sonderzuschlag von 4 Prozent auf die Körperschaftsteuer finanziert werden, der ab April 2026 auf Steuerverbindlichkeiten über 5 Mio. JPY erhoben wird.
Trotz der zusätzlichen Staatsverschuldung geht der OECD-Ausblick vom Dezember davon aus, dass die Bruttostaatsverschuldung gemessen am BIP von 222 Prozent im Jahr 2024 auf 203 Prozent im Jahr 2027 sinken könnte – da das nominale Wachstum weiterhin über den Schuldendienstkosten liegt.
Japan weist unter den G7-Volkswirtschaften die höchste Schuldenquote auf
Quelle: LSEG Datastream, Deutsche Bank AG. Daten per 20. Januar 2026. Die bisherige Wertentwicklung lässt keine Rückschlüsse auf die künftige Wertentwicklung zu. Die Wertentwicklung bezieht sich auf einen Nominalwert, der auf Kursgewinnen/-verlusten beruht und die Inflation nicht berücksichtigt. Die Inflation wirkt sich negativ auf die Kaufkraft dieses nominalen Geldwerts aus. Je nach aktuellem Inflationsniveau kann dies zu einem realen Wertverlust führen, selbst wenn die nominale Wertentwicklung der Anlage positiv ist.
„Takaichinomics“ vs. „Abenomics“
Das wirtschaftliche und geopolitische Umfeld, in dem Takaichis Konjunkturpaket eingeführt wird, unterscheidet sich deutlich von den Rahmenbedingungen, unter denen die „Abenomics“ entstanden. Als Premierminister Shinzō Abe sein Programm 2013 auflegte, sah sich Japan mit fallenden oder stagnierenden Verbraucherpreisen und Löhnen konfrontiert. Abenomics, ein mehrjähriges wirtschaftspolitisches Gesamtprogramm, zielte darauf ab, eine drohende deflationäre Spirale zu durchbrechen – basierend auf drei „Pfeilen“: (1) lockere Geldpolitik, (2) mehrere Konjunkturpakete im Umfang von jeweils 10 bis 20 Billionen JPY, (3) umfassende Strukturreformen, darunter die Liberalisierung des Arbeitsmarkts zur Förderung einer höheren Erwerbsbeteiligung, die Stärkung der Corporate Governance sowie die Deregulierung von Sektoren wie Landwirtschaft und Gesundheitswesen.
Im Gegensatz dazu wird das fiskalische Programm von Sanae Takaichi – die sogenannten Takaichinomics – in einem Umfeld umgesetzt, das durch eine Inflation von über 2 Prozent, gedämpftes Wachstum aufgrund schwacher Auslandsnachfrage, einen schleppenden Immobilienmarkt und eine zunehmend herausfordernde geopolitische Lage geprägt ist. Takaichis Paket ist strategischer ausgerichtet als das von Abe. Abgesehen von der unmittelbaren Entlastung für Haushalte ist die Unterstützung gezielter und sektorspezifischer, mit einem Fokus auf industrielle Wettbewerbsfähigkeit und nationale Sicherheit statt auf breit angelegte Deregulierung.
Risiken für unser konstruktives Basisszenario
- Anhaltend hohe Lebensmittelinflation könnte die Erholung des zyklischen Konsums dämpfen.
- Eine Eskalation geopolitischer und/oder handelspolitischer Spannungen könnte zu einer schwächeren als erwarteten Auslandsnachfrage führen und den Welthandel beeinträchtigen – mit zusätzlichen Gegenwinden für Japans exportorientierte Schlüsselindustrien.
- Signifikante Volatilität an den globalen Anleihe und Aktienmärkten könnte die Finanzmärkte Japans destabilisieren, die Bilanzen japanischer Banken schwächen und zu restriktiveren finanziellen Bedingungen sowie einer geringeren Kreditvergabe führen.
- Ein Vertrauensverlust in die Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen Japans, verbunden mit einem Anstieg der Risikoprämien für JGBs, könnte sich ebenfalls negativ auf den japanischen Finanzsektor und die Realwirtschaft insgesamt auswirken.
- Umgekehrt könnte ein schnellerer als erwarteter Ausbau neuer Exportkanäle durch japanische Unternehmen den Außenhandel weiter stärken und zu einem insgesamt höher als erwarteten Wirtschaftswachstum führen.
Neuwahlen in Japan: politisches Kalkül trifft Marktoptimismus
Die LDP hält gemeinsam mit ihrem Juniorpartner, der Japan Innovation Party (Nippon Ishin), derzeit nur eine knappe Mehrheit im Unterhaus: zusammen 230 Sitze (LDP 196; Nippon Ishin 35) in der 456 Sitze Kammer. Drei unabhängige Abgeordnete, die üblicherweise mit der LDP stimmen, verschaffen der Regierungskoalition eine hauchdünne Mehrheit von nur einem Sitz. Eine stärkere Mehrheit würde Takaichi dabei helfen, den jährlichen Haushalt zu verabschieden, die Verteidigungsausgaben mit weniger Widerstand zu erhöhen und ihre Position gegenüber China zu stärken.
Getragen von hohen Zustimmungswerten hat Takaichi, das Parlament zu Beginn der ordentlichen Sitzungsperiode am 23. Januar aufgelöst und für den 8. Februar Neuwahlen ausgerufen – mit dem Ziel, eine klare Mehrheit zu erreichen. Ein deutlicher Wahlsieg der Regierung Takaichi würde die fiskalischen Ausgaben beschleunigen. In der Folge gewönne der sogenannte Takaichi Trade an Dynamik: Die langfristigen Anleiherenditen würden neue Höchststände erreichen, während der JPY aufgrund wachsender fiskalischer Bedenken abwerten würde.
Zwar könnten Neuwahlen die Verabschiedung des jährlichen Haushalts – der üblicherweise vor Ende des Haushaltsjahres am 31. März verabschiedet wird – verzögern, doch eine größere Mehrheit würde es der Regierung letztlich erleichtern, ihre gesetzgeberische Agenda voranzubringen.
Folgen für die Finanzmärkte: breite Neubewertung im In- und Ausland
Steigende japanische Anleiherenditen haben weitreichende Auswirkungen auf die Finanzmärkte und beeinflussen sowohl japanische Staatsanleihen (JGBs) und den JPY als auch die globalen Anleihe und Devisenmärkte.
JGBs: steilere Kurve und stark steigende Renditen
Der JGB Markt hat nach Jahrzehnten nahezu flacher Renditen unter der Politik der Yield Curve Control (YCC) eine tiefgreifende Veränderung erlebt. Die Renditen für 2-jährige und 10-jährige JGBs sind inzwischen auf etwa 1,19 Prozent bzw. 2,29 Prozent gestiegen – die höchsten Werte seit fast 30 Jahren. Die Renditen am langen Ende sind ebenfalls deutlich gestiegen: 3,75 Prozent für 30 jährige bzw. 3,92 Prozent für 40 jährige Anleihen – die höchsten Niveaus seit ihrer Einführung in den späten 1990er Jahren. Dieser breite Anstieg der Renditen geht mit einer ausgeprägten Steilung der Zinskurve einher: Die Spanne zwischen 2 jährigen und 30 jährigen Laufzeiten übersteigt inzwischen 250 Basispunkte – ein Niveau, das jahrzehntelang nicht erreicht wurde. Kurzfristige Renditen steigen, weil die Bank of Japan erstmals seit 17 Jahren mit der Normalisierung ihrer Geldpolitik begonnen hat. Langfristige Renditen steigen, da die Märkte umfangreiche fiskalische Stimuli und eine weiter zunehmende Staatsverschuldung einpreisen. Auch die Forward Swap Sätze für Laufzeiten von einem und zwei Jahren sind gestiegen, was auf Markterwartungen weiterer Zinserhöhungen oder Befürchtungen hindeutet, dass die BoJ hinter die Kurve geraten könnte. Vor diesem Hintergrund dürften die japanischen Renditen länger höher bleiben. Es ist zudem hervorzuheben, dass der starke Anstieg der langfristigen Renditen höhere Refinanzierungskosten für den Staat bedeutet – besonders angesichts expansiver Fiskalpläne und einer hohen Schuldenquote.
Warum dürfte die Nachfrage nach JGBs nur allmählich wieder anziehen?
Während viele davon ausgehen, dass eine fortgesetzte geldpolitische Normalisierung der BoJ das Anlegerinteresse an JGBs letztlich wiederbeleben wird, rechnen wir damit, dass die Kapitalzuflüsse nur langsam zurückkehren werden. Entscheidend werden das Tempo der Zinserhöhungen und die Klarheit über den weiteren geldpolitischen Kurs der BoJ sein.
Eine deutliche Beschleunigung der Nachfrage dürfte erst einsetzen, wenn die BoJ signalisiert, dass sie sich dem Ende ihres Straffungszyklus nähert. Bis dahin bleibt die Bereitschaft, bei Renditeanstiegen (Rücksetzern im Kurs) längere Laufzeiten zu kaufen, voraussichtlich verhalten. Viele Anleger, die gegen Ende der YCC Phase JGB Positionen aufgebaut haben, beobachten derzeit unrealisierte Verluste und agieren entsprechend vorsichtig bei neuen Käufen.
Steiler werdende Renditen japanischer Staatsanleihen
Quelle: LSEG Datastream, Deutsche Bank AG. Daten per 20. Januar 2026. Die bisherige Wertentwicklung lässt keine Rückschlüsse auf die künftige Wertentwicklung zu. Die Wertentwicklung bezieht sich auf einen Nominalwert, der auf Kursgewinnen/-verlusten beruht und die Inflation nicht berücksichtigt. Die Inflation wirkt sich negativ auf die Kaufkraft dieses nominalen Geldwerts aus. Je nach aktuellem Inflationsniveau kann dies zu einem realen Wertverlust führen, selbst wenn die nominale Wertentwicklung der Anlage positiv ist.
JPY: allmähliche Aufwertung
Im Jahr 2025 gelang dem JPY eine moderate Erholung – ein Anstieg von weniger als 1 Prozent gegenüber dem USD – nach vier aufeinanderfolgenden Jahren der Abschwächung. Diese Erholung wurde durch divergierende geldpolitische Maßnahmen begünstigt: Zinserhöhungen der Bank of Japan trafen auf eine Zinssenkung der US Notenbank. Im April sprang der JPY kurzzeitig auf etwa USD/JPY 140, da Sorgen über US Zölle die US Zinsen drückten, den Dollar schwächten und weltweit Aktienverkäufe auslösten.
Der Aufwärtstrend verlor jedoch an Schwung, da die BoJ einen vorsichtigen Kurs verfolgte – seit Januar unveränderte Zinsen und nur eine einzige Zinserhöhung im Dezember –, während die fiskalische Expansion Japans sich angesichts politischer Veränderungen beschleunigte. Der JPY wird derzeit nahe USD/JPY 158 gehandelt – in der Nähe seines schwächsten Niveaus im Jahr 2025 (rund 158,35). Die strukturelle Schwäche der Währung reicht bis ins Jahr 2016 zurück, als die BoJ Negativzinsen einführte, Kapitalabflüsse auslöste und den JPY dauerhaft zu einer beliebten Finanzierungswährung für Carry Trades machte.
Nach einer langen Pause seit Januar 2025 erhöhte die BoJ am 19. Dezember ihren Leitzins um 25 Basispunkte auf 0,75 Prozent, im Einklang mit den Markterwartungen. Dennoch gab der JPY um 0,6 Prozent auf USD/JPY 156,44 nach, da der Schritt vollständig eingepreist war und die BoJ keinen klaren Ausblick auf die künftige Straffung gab.
Die Märkte preisen bereits eine weitere Zinserhöhung bis zum dritten Quartal 2026 ein, die den Leitzins auf etwa 1 Prozent anheben könnte. Wichtige Treiber für eine weitere Straffung sind anhaltend negative Realzinsen und ein robustes Lohnwachstum, das im Zuge der bevorstehenden Shuntō Verhandlungen im Frühjahr 2026 erwartet wird, bei denen die großen Gewerkschaften Lohnsteigerungen von rund 5 Prozent anstreben – im Einklang mit den kräftigen Zuwächsen des Jahres 2025. Zugleich nimmt die Spekulation über eine mögliche Intervention der BoJ zu, um die jüngste Schwäche des JPY einzudämmen. Eine anhaltende Abwertung in Kombination mit höheren Importkosten könnte die Inflationsdynamik verstärken. Allerdings verlaufen solche Interventionen oft unterschiedlich, da die BoJ je nach Marktlage sehr flexibel agiert – von verbaler Einflussnahme bis hin zu direkten Markteingriffen während Phasen starker Yen Abwertung.
Wir gehen davon aus, dass sich der Zinsabstand zwischen Japan und den USA im Jahr 2026 weiter verringern wird. In den USA lassen die Inflationserwartungen nach, und Zinssenkungen werden erwartet, während in Japan die Realzinsen niedrig bleiben und mindestens eine weitere Zinserhöhung um 25 bp wahrscheinlich ist. Diese geldpolitische Divergenz zwischen BoJ und Fed dürfte den Zinsdifferenzial Spread weiter komprimieren, was den JPY stützen und eine allmähliche Aufwertung der Währung begünstigen sollte.
JPY dürfte eine allmähliche Aufwertung erfahren
Quelle: LSEG Datastream, Deutsche Bank AG. Daten per 20. Januar 2026. Die bisherige Wertentwicklung lässt keine Rückschlüsse auf die künftige Wertentwicklung zu. Die Wertentwicklung bezieht sich auf einen Nominalwert, der auf Kursgewinnen/-verlusten beruht und die Inflation nicht berücksichtigt. Die Inflation wirkt sich negativ auf die Kaufkraft dieses nominalen Geldwerts aus. Je nach aktuellem Inflationsniveau kann dies zu einem realen Wertverlust führen, selbst wenn die nominale Wertentwicklung der Anlage positiv ist.
Aktien: Gewinn-Momentum und Strukturreformen treiben Aktienausblick
Japanische Aktien starten mit starkem Gewinn-Momentum und verbesserten Fundamentaldaten in das Jahr 2026. Konsensschätzungen prognostizieren für das Geschäftsjahr 2026 einen Gewinnanstieg von über 11 Prozent, nachdem die Gewinne im Geschäftsjahr 2025 bereits um 7 Prozent gestiegen waren, da die Belastungen durch Zölle nachlassen. Die erwarteten Gewinne liegen auf Rekordniveau, unterstützt durch laufende Unternehmensreformen und politische Rückenwinde der Takaichinomics. Zwar sind die Bewertungen im historischen Vergleich erhöht – das NTM-KGV liegt bei 15,5x und damit rund 13 Prozent über dem 10 Jahres Median – sie bleiben jedoch angesichts der strukturellen Veränderungen angemessen, da Unternehmen Liquidität einsetzen und ihre Margen verbessern. Analysten erwarten, dass die Eigenkapitalrendite (RoE) der im TOPIX gelisteten Unternehmen 2026 die Marke von 10 Prozent überschreitet – nach Jahrzehnten mit einstelligen Werten.
Unternehmensführungsreformen spielen eine entscheidende Rolle bei der Verbesserung der Profitabilität, insbesondere der Fokus auf eine bessere Kapitalallokation, die Nutzung von Barmitteln sowie Kapital- und Renditeeffizienz. Unternehmen setzen ihre umfangreichen Cash Bestände zunehmend ein, etwa für Aktienrückkäufe, Dividenden und Wachstumsinvestitionen. Dies wiederum stärkt die RoE und die Produktivität. Mit einer Cash zu Aktiva Quote, die ungefähr doppelt so hoch ist wie bei US und europäischen Unternehmen, stehen japanische Firmen zudem unter regulatorischem Druck, Kapital effizienter einzusetzen und dadurch die RoE zu steigern – was höhere Bewertungen rechtfertigen könnte.
Das aktuelle Umfeld ist geprägt von einer seltenen Kombination aus konjunktureller Erholung und struktureller Verbesserung. Das Ende einer langen Phase mit nahezu Null Inflation, gepaart mit angespannten Arbeitsmärkten, treibt das Lohnwachstum und stärkt die Konsumnachfrage. Nationale politische Initiativen im Rahmen der Takaichinomics verstärken diesen Trend weiter. Insbesondere Ausgaben für nationale Sicherheit und strategische Investitionen dürften Sektoren wie KI & Halbleiter, Verteidigung, Energie und Infrastruktur zugutekommen – siehe hierzu ebenfalls die bereits erwähnte Publikation zu Takaichinomics.
Mit Blick auf Marktchancen sehen wir Banken sowie Unternehmen aus den Bereichen Maschinenbau, Präzisionsinstrumente und Elektrotechnik (einschließlich Halbleiterfirmen) gut positioniert, um den breiten japanischen Markt zu übertreffen – da sich die inländischen Zinssätze normalisieren, die weltweite Investitionstätigkeit zunimmt und strategische Investitionen erfolgen. Unternehmen mit hohen Cash Beständen und niedrigen Bewertungen verfügen zudem über erhebliches Aufwertungspotenzial, wenn sie ihre Bilanzen verbessern, die Ausschüttungsquote erhöhen, in Wachstum investieren und ihre niedrige RoE anheben. Insgesamt zahlen Anleger derzeit einen moderaten Aufpreis für höhere Gewinnqualität und verbesserte Aktionärsrenditen. Zwar liegen die Bewertungen über den langfristigen Durchschnitten, aber weiterhin unter denen globaler Wettbewerber, was zusätzlichen Spielraum nach oben lässt, falls sich strukturelle und politische Verbesserungen fortsetzen.
i. Strategische Investitionen zusätzlich zum KI Superzyklus
Japan verfolgt entschlossen das Ziel, in der digitalen Revolution aufzuholen. Die Regierung hat KI und Halbleiter als Prioritätsbereiche für umfangreiche Investitionen identifiziert. Der Ergänzungshaushalt 2025 sieht Hunderte Milliarden Yen für inländische Halbleiterprojekte und KI Infrastruktur vor. In Kombination mit dem globalen KI Boom ergeben sich entlang der gesamten Wertschöpfungskette vielfältige Chancen.
Analysten zunehmend optimistisch für Japan
Quelle: LSEG Datastream, Deutsche Bank AG. Daten per 20. Januar 2026. Die bisherige Wertentwicklung lässt keine Rückschlüsse auf die künftige Wertentwicklung zu. Die Wertentwicklung bezieht sich auf einen Nominalwert, der auf Kursgewinnen/-verlusten beruht und die Inflation nicht berücksichtigt. Die Inflation wirkt sich negativ auf die Kaufkraft dieses nominalen Geldwerts aus. Je nach aktuellem Inflationsniveau kann dies zu einem realen Wertverlust führen, selbst wenn die nominale Wertentwicklung der Anlage positiv ist.
Ein vorrangiges Ziel der japanischen Regierung ist die Wiederbelebung der heimischen Halbleiterindustrie, die als entscheidend für die wirtschaftliche Sicherheit des Landes gilt. Anlagenhersteller und Materialzulieferer gehören zu den Hauptnutznießern und erhalten erhebliche Aufträge und Subventionen für groß angelegte Projekte. Aufgrund der strategischen Bedeutung dieser Investitionen haben japanische Zulieferer bis 2027 ein gesichertes Mindestniveau an Inlandsaufträgen, auch wenn die globale Chipnachfrage weiterhin zyklisch bleibt. Japans führende Position bei bestimmten Komponenten – etwa Siliziumwafern, Spezialchemikalien und Präzisionsgetriebe – stärkt zudem die Verhandlungsposition seiner Unternehmen, da westliche Volkswirtschaften ihre Halbleiter-Lieferketten von China diversifizieren möchten. Parallel zu den Halbleitern investiert Japan in den Aufbau von KI Rechenzentren mit Hochleistungsrechnern.
Dies führt zu neuen Aufträgen für Unternehmen aus den Bereichen elektrische Geräte und Präzisionsinstrumente, die in Japan viele der KI Hardware, Halbleiterproduktionsanlagen, elektronischen Komponenten und Präzisionswerkzeuge umfassen, die den KI Ausbau ermöglichen. Analysten erwarten, dass beide Sektoren im Geschäftsjahr 2026 ein beschleunigtes Gewinnwachstum von 15 bis 16 Prozent erzielen werden.
Insgesamt zielt Japans Technologiestrategie darauf ab, sicherzustellen, dass das Land im aktuellen globalen Technologiekontext nicht zurückfällt. Der Aktienmarkt hat bereits auf dieses Thema reagiert: Technologiewerte verzeichneten Anfang 2025 starke Gewinne, auch wenn die Bewertungen nach einer Korrektur in der zweiten Jahreshälfte wieder attraktiver wurden. Sollte das Gewinnwachstum durch anhaltende KI-Nachfrage weiter anziehen, besteht beträchtliches weiteres Aufwärtspotenzial – allerdings sollten Anleger beachten, dass diese Aktien volatil sein können.
Fiskalpaket der Regierung Takaichi
Quelle: The Japan News, Deutsche Bank AG. Daten per 19. Januar 2026. Die bisherige Wertentwicklung lässt keine Rückschlüsse auf die künftige Wertentwicklung zu. Die Wertentwicklung bezieht sich auf einen Nominalwert, der auf Kursgewinnen/-verlusten beruht und die Inflation nicht berücksichtigt. Die Inflation wirkt sich negativ auf die Kaufkraft dieses nominalen Geldwerts aus. Je nach aktuellem Inflationsniveau kann dies zu einem realen Wertverlust führen, selbst wenn die nominale Wertentwicklung der Anlage positiv ist.
ii. Eintritt in ein neues Maschinenzeitalter
Japans Maschinenbausektor befindet sich 2026 an der Schnittstelle zweier kräftiger Nachfrageimpulse: strategische nationale Sicherheitsinvestitionen und eine Wiederbelebung der Auslandsnachfrage durch erneute globale Investitionstätigkeit. Auf der Sicherheitsseite fließen die staatlichen Ausgaben zunehmend in Bereiche, die einen hohen Maschinenbauanteil aufweisen – etwa Schiffbau, Luft- und Raumfahrt sowie die Schwerindustrie. Das Ziel, 2 Prozent des BIP für Verteidigung aufzuwenden, wurde im Fiskaljahr 2025 unter Takaichis Führung zwei Jahre früher als geplant erreicht. Darüber hinaus hat die Regierung am 26. Dezember 2025 offiziell ein Rekordverteidigungsbudget von 9 Billionen JPY für das Fiskaljahr 2026 genehmigt. Der politische Fahrplan umfasst wichtige Meilensteine in der Verteidigungsplanung, die sich in mehrjährigen Beschaffungsprogrammen für Industrieunternehmen niederschlagen könnten.
Gleichzeitig dreht der externe Zyklus nach oben. Japans Bestellungen für Maschinen und Werkzeugmaschinen – beides wichtige Investitionsindikatoren – haben sich Ende 2025 stabilisiert und sind gewachsen; die jüngsten Bestellungen lagen fast 13 Prozent bzw. 17 Prozent über dem Vorjahresniveau, wobei der Großteil des Zuwachses auf Auslandsaufträge zurückzuführen war. Mit nachlassender Unsicherheit in der Handelspolitik und wiederaufgenommenen Investitionen profitieren japanische Exporteure vom Aufschwung durch Fabrikautomatisierung, Robotik und Baumaschinen. Der Maschinenbausektor ist eng gekoppelt an steigende Bestellungen für Robotik und Baumaschinen, da Kapazitätserweiterungen und Infrastrukturmodernisierung sowohl weltweit als auch in Japan Fahrt aufnehmen. Einen zusätzlichen Rückenwind liefert die Re Industrialisierung der USA, bei der Japans Wettbewerbsvorteile in der Fertigungstechnologie über mehrere Jahre gefragt sein dürften. Obwohl das Gewinnwachstum des Maschinenbausektors im laufenden Geschäftsjahr hinter dem TOPIX zurückbleibt, erwarten Analysten, dass der Sektor den Index im Geschäftsjahr 2026 mit einem geschätzten Wachstum von rund 15 Prozent übertreffen wird.
iii. Der Bankensektor ist bereit für eine starke Performance
Der japanische Bankensektor steht vor einer starken Entwicklung, angetrieben durch den Übergang der Bank of Japan von einer ultralockeren Geldpolitik zu einer schrittweisen Straffung. Das Ende der Negativzinspolitik und die Anhebung der Zinsen im Dezember 2025 auf 0,75 Prozent – den höchsten Stand seit 30 Jahren – haben die Zinskurve steiler gemacht, wobei die Renditen 10 jähriger JGBs über 2,2 Prozent gestiegen sind. Dieses Umfeld weitet die Nettozinsmargen der Banken aus und steigert die Gewinne erheblich, insbesondere angesichts ihres hohen Bestands an nahezu zinsfreien Einlagen.
Der positive Ausblick für 2026 stützt sich auf weitere Zinserhöhungen und eine steigende Kreditnachfrage, die das Wirtschaftswachstum sowie eine robuste Kreditaufnahme durch Unternehmen und Verbraucher widerspiegeln. Banken lockern ihre Kreditvergabestandards, um dieser Nachfrage gerecht zu werden, während die Wahrscheinlichkeit weiterer Zinserhöhungen hoch bleibt, da die Leitzinsen weiterhin unter der Inflationsrate liegen – was eine positive Zinskurve und günstige Kreditbedingungen stützt.
Japanische Banken gehen aus einer Position finanzieller Stärke in diese Phase, nachdem sie ihre Kosten optimiert, die Bilanzen verbessert und ihre Ertragsquellen diversifiziert haben. Diese Effizienz bedeutet, dass selbst moderates Umsatzwachstum direkt in höhere Gewinne übersetzt wird, und Prognosen deuten für 2026 auf weiteres Wachstum hin. Die starke Kapitalausstattung der Banken ermöglicht Aktienrückkäufe, eine Ausweitung der Kreditvergabe und dient als Polster gegen potenzielle Anleiheverluste in einem Umfeld steigender Zinsen. Der graduelle Ansatz der BoJ bei der Normalisierung der Geldpolitik trägt zudem dazu bei, das Risiko plötzlicher Schocks am Anleihemarkt zu reduzieren.
Die deutlich positive Zinskurve, ein in Japan seltenes Phänomen, stärkt die Renditen von JGB Investitionen und ermöglicht eine Ausweitung des Festzinskreditgeschäfts, während die Einlagenkosten niedrig bleiben. Als Reaktion auf die Leitzinsanhebung der BoJ um 25 Basispunkte erhöhten viele Banken die Zinssätze für normale Einlagen um 10 Basispunkte auf 0,30 Prozent. Das Bankkreditwachstum Japans stieg im November 2025 auf 4,2 Prozent und legte damit nach dem mehrjährigen Tiefstand von 2,4 Prozent im Mai 2025 weiter zu. Großbanken führten die Entwicklung mit einem Anstieg von 5 Prozent an, gefolgt von Regionalbanken mit 4,1 Prozent. Für 2026 wird ein ähnlich starkes Kreditwachstum erwartet, getrieben durch Unternehmens- und Verbraucherkredite, Infrastrukturprojekte und Auslandsinvestitionen. Infolgedessen steigen die Nettozinsmargen und Kernerträge der Banken. Analysten sind optimistisch und erwarten für 2026 ein Gewinnwachstum von rund 10 Prozent.
Trotz dieser Verbesserungen werden japanische Banken weiterhin unter ihrem Buchwert gehandelt – bei etwa 0,8 fachem Kurs Buchwert Verhältnis –, was auf historisch niedrige Eigenkapitalrenditen zurückzuführen ist. Doch steigende Renditen, höhere Dividenden, Aktienrückkäufe und der Abbau von Kreuzbeteiligungen erhöhen das Anlegerinteresse und die Kapitaleffizienz. Internationale Investoren haben ihre Engagements ausgebaut, und steigende Gewinne sowie höhere Ausschüttungen im Jahr 2026 könnten eine Neubewertung des Sektors auslösen, unterstützt durch günstige makroökonomische Trends. Dieses Aufwertungspotenzial wird zusätzlich durch die Markthistorie gestützt, da japanische Bankaktien in der Vergangenheit typischerweise eng mit den Renditen 10 jähriger JGBs korrelierten. Zuletzt hat sich diese Beziehung jedoch entkoppelt, wodurch eine Lücke zwischen beiden entstanden ist (siehe Abbildung 8). Daher sehen wir Aufholpotenzial für den Bankensektor.
Aufholpotenzial für japanische Banken
Quelle: LSEG Datastream, Deutsche Bank AG. Daten per 20. Januar 2026. Die bisherige Wertentwicklung lässt keine Rückschlüsse auf die künftige Wertentwicklung zu. Die Wertentwicklung bezieht sich auf einen Nominalwert, der auf Kursgewinnen/-verlusten beruht und die Inflation nicht berücksichtigt. Die Inflation wirkt sich negativ auf die Kaufkraft dieses nominalen Geldwerts aus. Je nach aktuellem Inflationsniveau kann dies zu einem realen Wertverlust führen, selbst wenn die nominale Wertentwicklung der Anlage positiv ist.
Private Equity – Private Markets zeigen Stabilität
Japans private Märkte erwiesen sich 2025 als widerstandsfähig trotz herausfordernder makroökonomischer Bedingungen.
Private-Equity-Performance und zentrale Trends
Private Equity entwickelte sich weiterhin stark und profitierte von einem günstigen Finanzierungsumfeld sowie der Abschwächung des JPY, was die Renditen für internationale Anleger verbesserte. Bedeutende Transaktionen verdeutlichten einen strategischen Fokus auf Technologie, industrielle Digitalisierung und Gesundheitsdienstleistungen. Den größten Beitrag – wenn auch seit drei Jahren rückläufig – leisteten weiterhin Geschäfts- und Konsumgüter- sowie Dienstleistungsunternehmen, die 50 Prozent aller Deals ausmachten. Finanzdienstleister stellten den nächstgrößten Anteil und erzielten ihren höchsten Anteil an Deals seit einem Jahrzehnt. Das Volumen von Carve-out-Transaktionen erholte sich deutlich auf 4,1 Mrd. USD, während nachfolgebedingte Deals weiterhin ein zentraler Wachstumstreiber im Mid Market blieben.
Venture-Capital-Bewertungen setzten ihren Aufwärtstrend fort, getragen von starker Aktivität in Software, B2C Dienstleistungen und Deep Tech Sektoren – unterstützt durch staatliche Initiativen und anhaltende Beteiligung internationaler Investoren. Die mittleren Exit Werte im Venture Capital hatten sich im Jahresvergleich mehr als verdoppelt, obwohl das IPO Umfeld herausfordernder wurde. Während das gesamte Fundraising verhalten blieb, übertraf Venture Capital Private Equity – insbesondere aufgrund großer, unternehmensgestützter Fonds.
Auch der private Immobilienkapitalmarkt in Japan überraschte positiv, insbesondere dank stark steigender Mieten in Tokio. Investitionen konzentrieren sich weiterhin auf Wohnimmobilien und Logistik, während es selektive Chancen in Einzelhandel, Büroimmobilien und neuen Sektoren wie Rechenzentren gibt. Core Strategien befinden sich in einer Erholungsphase, und renditestarke Anlagen stoßen auf wachsendes Anlegerinteresse.
Nachfolgeherausforderungen treiben das Wachstum im japanischen Private Equity
Japans Private-Equity-Sektor verzeichnet seit vier Jahren jährliche Deal-Volumina von über 3 Billionen JPY (20 Mrd. USD). Dieses Wachstum ist in erster Linie darauf zurückzuführen, dass familiengeführte Unternehmen sich aufgrund des Alters der Gründer, komplexer Nachfolgefragen und hoher Erbschaftsteuern für einen Verkauf entscheiden.
Mit bis zu 55 Prozent zählt Japans Erbschaftsteuer zu den höchsten weltweit und zwingt Erben häufig dazu, Vermögenswerte innerhalb von zehn Monaten zu liquidieren, um Steuerpflichten zu erfüllen.
Nachfolge und Carve outs treiben die PE Aktivität in Japan an
Quelle: Pitchbook, Deutsche Bank AG. Daten per 20. Januar 2026. Die bisherige Wertentwicklung lässt keine Rückschlüsse auf die künftige Wertentwicklung zu. Die Wertentwicklung bezieht sich auf einen Nominalwert, der auf Kursgewinnen/-verlusten beruht und die Inflation nicht berücksichtigt. Die Inflation wirkt sich negativ auf die Kaufkraft dieses nominalen Geldwerts aus. Je nach aktuellem Inflationsniveau kann dies zu einem realen Wertverlust führen, selbst wenn die nominale Wertentwicklung der Anlage positiv ist.
Da über 90 Prozent der kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) Japans familiengeführt sind, machen nachfolgebedingte Verkäufe inzwischen mehr als 65 Prozent aller Buy-out Transaktionen aus. Laut dem World Economic Forum werden im Jahr 2025 rund 1,27 Mio. KMU Eigentümer im Alter von 70 Jahren oder älter ohne Nachfolger dastehen – nahezu ein Drittel aller japanischen Firmen. Diese demografischen Trends beschleunigen das Deal Volumen und positionieren Private Equity als zentrale Lösung für viele Verkäufer.
Ein bedeutender kultureller Wandel findet derzeit in Japan im Umgang mit ausländischem Private Equity statt. Ursprünglich wendeten sich etablierte, häufig familiengeführte Unternehmen mangels Nachfolger aus Notwendigkeit internationalen Investoren zu. Die erfolgreichen Transaktionen trugen dazu bei, ausländisches Private Capital zu „normalisieren“. Mit wachsender Akzeptanz beginnen zunehmend auch jüngere Unternehmen – die traditionell bevorzugen, unabhängig zu bleiben –, sich für internationale PE Investoren zu öffnen.
Für diese jüngeren Firmen erschwert der anhaltende Arbeitskräftemangel das Scaling up, insbesondere aufgrund fehlender erfahrener Führungskräfte. Partnerschaften mit Private Equity Investoren bieten nicht nur Kapital, sondern auch Management Know how. Häufig übernehmen PE Fonds interne Rollen oder Aufsichtsposten und bringen strategische sowie operative Unterstützung ein, die den Unternehmen sonst fehlen würde.
Regulatorische Reformen seit 2015/16 – darunter verpflichtende externe Direktoren und Initiativen der Tokioter Börse zur Steigerung der Eigenkapitalrenditen – haben diese Entwicklung zusätzlich gefördert. Parallel dazu nehmen Corporate Carve-outs großer Konglomerate weiter zu, da Unternehmen unter dem Druck der Anteilseigner nichtstrategische Geschäftsbereiche veräußern – ein weiteres Feld, in dem internationale Private Equity Investoren eine zunehmend aktive Rolle spielen.
Zukunftsaussichten für Private Equity in Japan
Makroökonomische Faktoren unterstützen weiterhin die Expansion des Private Equity Marktes. Trotz des jüngsten Wachstums machen Private Equity Investitionen in Japan lediglich 0,4 Prozent des BIP aus und liegen damit deutlich hinter den USA (1,3 Prozent) und Europa (1,9 Prozent). Dies signalisiert erhebliches weiteres Entwicklungspotenzial. Da demografische Herausforderungen bestehen bleiben, wird erwartet, dass Private Equity eine zunehmend zentrale Rolle in Japans wirtschaftlicher Transformation spielt – als wichtige Lösung für Unternehmen ohne Nachfolger und als Treiber einer neuen Phase der Unternehmensentwicklung.
Globale Marktauswirkungen
Steigende japanische Renditen erzeugen weltweite Spill-over Effekte. Der JPY war jahrzehntelang eine bevorzugte Finanzierungswährung; mit steigenden Renditen und Signalen weiterer Zinserhöhungen durch die BoJ hat das Risiko eines Carry Trade Unwinds zugenommen – wie kurzzeitig im Sommer 2024 zu beobachten war.
Ende Juli 2024 führten ein restriktiverer Ton der BoJ und Anfang August ein schwacher US Arbeitsmarktbericht zu einem Risikoabbau:
• Der JPY wertete um 3 Prozent auf,
• die Volatilität stieg deutlich.
Das Auflösen von JPY Carry Trades trieb die globalen Anleiherenditen nach oben:
• US 10 Jahres Treasuries stiegen um ca. 10 Basispunkte,
• deutsche Bundesanleihen um rund 7 Basispunkte.
Schwellenländer wurden stärker getroffen – dort stiegen die Renditen um mehr als 15 Basispunkte, da Kapitalabflüsse die Liquidität belasteten. Auch die Währungsmärkte reagierten: Die JPY Aufwertung von etwa 3 Prozent gegenüber dem USD führte zu deutlichen Verlusten bei hochverzinslichen EM Währungen wie dem mexikanischen Peso, brasilianischen Real und südafrikanischen Rand. Dieses Ereignis führte zu einer vorübergehend starken Neubewertung an globalen Renten- und FX Märkten. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob der jüngste Anstieg japanischer Renditen erneut Druck auf Carry-Trades auslösen könnte.
Ein weiterer JPY Carry Trade Unwind?
Das Risiko erneuter Auflösungen hängt im Wesentlichen davon ab, wie schnell die Bank of Japan die Zinsen weiter erhöht. Die BoJ hat den Normalisierungspfad bereits wieder aufgenommen, die Zinsen auf Mehr-Dekaden-Höchststände angehoben und weitere Erhöhungen in Aussicht gestellt. Das Tempo zukünftiger Zinsschritte hängt jedoch von mehreren Faktoren ab:
• anhaltender Inflation über dem Zielwert,
• nachhaltigem Lohnwachstum,
• innenpolitischer Stabilität,
• einem relativ stabilen globalen Umfeld.
Sollte die BoJ die Politik aggressiver straffen als erwartet (nicht unser Basisszenario), könnten japanische Investoren – die traditionell im Ausland nach höheren Renditen suchen – beginnen, Kapital zurück nach Japan zu holen, insbesondere wenn die Inlandsrenditen weiter steigen. Zugleich verteuern höhere japanische Zinsen das Leihen von JPY und verringern den Renditevorteil, der Carry-Trades attraktiv macht. Dies könnte ein Abwickeln JPY finanzierter Positionen auslösen, den Yen weiter stärken und verbleibende Carry- Trades unattraktiver machen.
Seit den ersten Zinserhöhungen im Dezember 2025 haben die Märkte jedoch bereits eine weitere Erhöhung um 25 Basispunkte bis Juli 2026 eingepreist. Damit ist das Überraschungsmoment, das 2024 zur abrupten Auflösung der Carry-Trades beitrug, weniger stark ausgeprägt. Schließlich haben sowohl die japanische Regierung als auch die BoJ ihre Bereitschaft und Fähigkeit betont, bei übermäßiger JPY Volatilität am Devisenmarkt zu intervenieren. Dies sollte einen gewissen Puffer bieten, wenngleich kurzfristige, starke Marktreaktionen nicht vollständig ausgeschlossen werden können, insbesondere wenn viele Marktteilnehmer gleichzeitig Positionen schließen möchten.
Zusammenfassung
Japan tritt ins Jahr 2026 mit einem attraktiven Investmenthintergrund, geprägt von robuster Binnennachfrage, beschleunigtem Lohnwachstum und einer Politikgestaltung, die die langfristige Wettbewerbsfähigkeit stärken dürfte. Strategische staatliche Ausgaben – insbesondere in den Bereichen Halbleiter, KI, Verteidigung und Infrastruktur – schaffen mehrjährige Planungssicherheit für Kapitaleinsätze in wichtigen Sektoren. Gleichzeitig unterstützt die geldpolitische Normalisierung die Banken und steigert die Attraktivität inländischer festverzinslicher Anlagen.
Corporate-Governance Reformen und verbesserte Kapitaleffizienz treiben weiterhin ein nachhaltiges Gewinnwachstum an und bilden die Grundlage für einen positiven Ausblick für Aktien und private Märkte. Während geopolitische Entwicklungen globale Lieferketten neu ordnen, bietet Japans Rolle als strategischer Knotenpunkt zusätzlichen Aufwärtsspielraum für Anleger, die in Technologie-, Industrie- und Finanzsektoren positioniert sind. Insgesamt präsentiert sich Japan als strukturell verbessertes Investitionsumfeld mit ausgewogenen makroökonomischen Fundamentaldaten und sektorspezifischen Rückenwinden, die auf ein stetiges Renditepotenzial im Jahr 2026 und darüber hinaus hindeuten.
Historische Wertentwicklung
Quelle: LSEG Datastream, Deutsche Bank AG. Daten per 20. Januar 2026. Die bisherige Wertentwicklung lässt keine Rückschlüsse auf die künftige Wertentwicklung zu. Die Wertentwicklung bezieht sich auf einen Nominalwert, der auf Kursgewinnen/-verlusten beruht und die Inflation nicht berücksichtigt. Die Inflation wirkt sich negativ auf die Kaufkraft dieses nominalen Geldwerts aus. Je nach aktuellem Inflationsniveau kann dies zu einem realen Wertverlust führen, selbst wenn die nominale Wertentwicklung der Anlage positiv ist.
Glossar
- ASEAN (Association of Southeast Asian Nations) Ein politischer und wirtschaftlicher Zusammenschluss von zehn südostasiatischen Ländern (Brunei, Kambodscha, Indonesien, Laos, Malaysia, Myanmar, Philippinen, Singapur, Thailand, Vietnam), gegründet 1967 zur Förderung von Wirtschaftswachstum, sozialem Fortschritt, kultureller Entwicklung sowie Frieden und Stabilität durch Dialog und Zusammenarbeit.
- Bank of Japan (BoJ) Die Zentralbank von Japan.
- Consumer Price Index (CPI) Verbraucherpreisindex – misst die Preise eines Warenkorbs von Produkten und Dienstleistungen, der den typischen Konsum privater Haushalte abbildet.
- Earnings per Share (EPS) Gewinn pro Aktie – eine Finanzkennzahl, welche die für Aktionäre verfügbaren Nettogewinne durch die durchschnittlich ausstehenden Aktien eines Zeitraums teilt.
- Gross Domestic Product (GDP) Bruttoinlandsprodukt – der monetäre Wert aller innerhalb der Landesgrenzen produzierten Waren und Dienstleistungen in einem bestimmten Zeitraum.
- Gulf Cooperation Council (GCC) Regionaler, politischer und wirtschaftlicher Zusammenschluss von sechs Staaten des Mittleren Ostens (Bahrain, Kuwait, Oman, Katar, Saudi-Arabien, Vereinigte Arabische Emirate), gegründet 1981. Ziel ist eine engere wirtschaftliche, soziale und verteidigungspolitische Kooperation. Hauptsitz: Riad, Saudi-Arabien.
- JGB Japanische Staatsanleihen (Japanese Government Bonds).
- JPY Währungscode für den japanischen Yen.
- Liberal Democratic Party (LDP) Wichtige konservative und nationalistische politische Partei Japans, die seit 1955 nahezu ununterbrochen an der Macht ist.
- Price-to-Earnings Ratio (P/E) Kurs-Gewinn-Verhältnis – setzt den aktuellen Aktienkurs ins Verhältnis zum Gewinn pro Aktie.
- Purchasing Managers’ Index (PMI) Einkaufsmanagerindex – ein monatlicher Frühindikator basierend auf Befragungen von Einkaufs- und Produktionsleitern. Ein Wert über 50 signalisiert Expansion, unter 50 Kontraktion.
- QoQ (Quarter-on-Quarter) Veränderung eines Quartals gegenüber dem unmittelbar vorherigen Quartal.
- Return on Equity (ROE) Eigenkapitalrendite – Verhältnis aus Nettogewinn und Eigenkapital.
- Shuntō Jährliche Lohnverhandlungen zwischen japanischen Gewerkschaften und Arbeitgebern, die typischerweise im Februar oder März stattfinden.
- Tokyo Stock Exchange (TSE) Die größte Börse Japans, an der die größten japanischen Unternehmen gelistet sind.
- TOPIX (Tokyo Stock Price Index) Wichtiger Aktienindex der Tokioter Börse, der alle Unternehmen des Prime Market umfasst; neben dem Nikkei 225 einer der wichtigsten Marktindikatoren Japans.
- USD Währungscode für den US Dollar.
- USMCA Freihandelsabkommen zwischen den USA, Mexiko und Kanada, in Kraft seit 1. Juli 2020.
- Yield Curve Control (YCC) Geldpolitische Strategie der Bank of Japan (2016–2024) zur Kontrolle langfristiger Zinssätze (insbesondere der 10 Jahres Rendite) durch Anleihekäufe, während zugleich die kurzfristigen Zinsen negativ gehalten wurden.
- YoY (Year-on-Year) Jahr zu Jahr Vergleich – Vergleich eines Monats oder Zeitraums mit dem gleichen Zeitraum des Vorjahres.
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Redaktionsschluss: 31.01.2026, 15 Uhr