EUR/USD bewegt sich weiterhin seitwärts
- Im letzten Quartal 2025 wurden kurzfristige Wechselkursbewegungen vor allem durch sich schnell verändernde Erwartungen hinsichtlich der Geldpolitik der US-Notenbank bestimmt. Letztlich antizipierten die Marktteilnehmer diese Entwicklungen korrekt, was zu drei Zinssenkungen um jeweils 25 Basispunkte in den letzten drei Fed-Sitzungen führte.
- Für 2026 gehen die Einschätzungen der FOMC-Mitglieder und der Swap-Märkte jedoch deutlich auseinander.
- Im Gegensatz zur Federal Reserve sieht sich die EZB weiterhin in einer „komfortablen Position“ und dürfte ihre Zinssätze 2026 voraussichtlich nicht verändern.
EUR/USD vs. Spread auf zehnjährige Staatsanleihen Deutschland/USA
Quelle: Refinitiv Datastream, Deutsche Bank AG. Stand: 12.01.2026. Die bisherige Wertentwicklung lässt keine Rückschlüsse auf die künftige Wertentwicklung zu. Die Wertentwicklung bezieht sich auf einen Nominalwert, der auf Kursgewinnen/-verlusten beruht und die Inflation nicht berücksichtigt. Die Inflation wirkt sich negativ auf die Kaufkraft dieses nominalen Geldwerts aus. Je nach aktuellem Inflationsniveau kann dies zu einem realen Wertverlust führen, selbst wenn die nominale Wertentwicklung der Anlage positiv ist.
Betrachten wir nun diese und weitere Faktoren, die den EUR/USD-Wechselkurs im kommenden Jahr in die eine oder andere Richtung beeinflussen könnten.
Szenario 1: Der EUR wird weiter an Wert gewinnen, wenn:
- Das Wirtschaftswachstum in der Eurozone überrascht auf der Ober-seite, gestützt durch fiskalische Impulse und eine verbesserte Indust-rieaktivität. Die jüngsten Abwärtsrevisionen der deutschen Wachs-tumsaussichten für 2026 spiegeln anhaltende strukturelle Gegenwin-de und eine langsamer als erwartet verlaufende Erholung der Binnen-nachfrage wider. Während die Konsensprognosen nun von einer ver-haltenen Expansion ausgehen, führt diese Neubewertung zu asym-metrischen Risiken: Sollten fiskalische und geldpolitische Stimulus-Maßnahmen stärker greifen als erwartet, bleibt ein unerwartet kräfti-ges BIP-Wachstum möglich. Eine stärker als erwartete Erholung könnte zyklische Sektoren und deutsche Aktien (insbesondere Mid Caps) begünstigen und damit ausländische Kapitalzuflüsse anziehen.
- Die Inflation in der Eurozone bleibt gedämpft, sodass die EZB ihre „komfortable Position“ beibehalten kann, ohne die Geldpolitik zu straffen, während die Fed ihre Zinssenkungen beschleunigt.
- Abnehmende globale Unsicherheit und eine stärkere Risikobereit-schaft begünstigen Risk-on-Währungen – darunter auch den EUR.
- Der EUR könnte zudem Aufwärtspotenzial haben, da globale Reser-veverwalter seinen gestiegenen Wert als vermeintliche Safe-Haven-Währung erkennen.
- Insgesamt hat der US-Exzeptionalismus nachgelassen – sowohl in Bezug auf das relative Wachstum als auch auf die Aktienmarktent-wicklung.
- Trotz der moderaten Erholung des USD seit Mitte September erwä-gen viele Anleger möglicherweise noch Währungsabsicherungen oder eine Diversifizierung ihres Portfolios, wahrscheinlich durch eine Erhöhung ihrer Investitionen außerhalb des US-Währungsgebiets.
Szenario 2: Der USD gewinnt an Stärke, wenn:
- Die Fed bleibt vorsichtig und verschiebt weitere Zinssenkungen, da sie auf ein robustes Wirtschaftswachstum in den USA und hartnäcki-ge Inflation verweist. Allerdings bergen der Wechsel an der Spitze der Fed und eine möglicherweise höhere Toleranz gegenüber Inflati-on Risiken für den USD.
- Die US-Wirtschaftsdaten übertreffen die Erwartungen und ziehen Ka-pitalflüsse in auf USD lautende Anlagen an. Zudem dürfte das US-Wachstum durch steuerliche Entlastungsmaßnahmen des One Big Beautiful Bill Act (OBBBA), die Feierlichkeiten zum 250-jährigen Jubi-läum des Landes sowie die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft gestützt werden. Zuflüsse ausländischen Kapitals in US-Technologieunternehmen dürften kurzfristig anhalten, getragen von robusten Fundamentaldaten des Sektors und einer anhaltend hohen globalen Anlegernachfrage.
Szenario 3: Der seitwärts gerichtete Trend hält an, wenn:
- Sowohl die Fed als auch die EZB einen abwartenden Ansatz verfol-gen, was zu einer begrenzten geldpolitischen Divergenz führt.
- Wirtschaftsdaten aus den USA und der Eurozone gemischt bleiben und damit einen klaren Trend verhindern.
- Marktteilnehmer sich auf kurzfristige Datenveröffentlichungen kon-zentrieren, wodurch die Volatilität innerhalb etablierter Handelsspan-nen begrenzt bleibt.
Die starke Bewegung heraus aus dem USD im zweiten Quartal 2025 dürfte sich in dieser Intensität nicht wiederholen. Dennoch wird erwartet, dass globale Investoren ihre USD-Allokationen mittelfristig schrittweise reduzieren und stärker in andere Währungen diversifizieren. Damit steigt das Risiko einer weiteren Abwertung des USD. Kurzfristig erscheinen die Argumente für und gegen einen stärkeren USD gegenüber dem EUR weitgehend ausgeglichen, was darauf hindeutet, dass der EUR/USD-Wechselkurs wahrscheinlich innerhalb seiner jüngst klar definierten Handelsspanne bleiben wird.