Anleihen, Makro- und Anlageklassenausblick – 06.03.2026

Anleihen: Keine Atempause für Renditen

Die wichtigsten Fakten:

  • Haushaltsdefizite halten die US‑Renditen am langen Ende trotz stärkerer Fokussierung auf T‑Bills erhöht.
  • Aktuelle Bund‑Renditen und italienische Spreads bewegen sich nahe fairen Bewertungsniveaus.
  • IG bleibt stabil trotz KI‑bedingter Disruptionsrisiken; HY hingegen etwas fragiler.

Bildquelle: Philip / Adobe Stock

Eine expansive Fiskalpolitik mit anhaltenden Defiziten stützt weiterhin die höheren Renditen von US‑Staatsanleihen. Die jüngste Fokussierung auf kurzfristige T‑Bills, mit möglicherweise künftig noch stärkerer Gewichtung, hat einen Teil des Drucks gemildert. Die jüngsten Zollentwicklungen nach der Entscheidung des Obersten Gerichtshofs der USA erhöhen jedoch die Defizitrisiken, was das lange Ende der Zinskurve trotz einer umfangreicheren Emission von T‑Bills nahe an dem aktuellen Niveau verankert halten dürfte (Renditeziel für 10‑jährige US‑Staatsanleihen für März 2027: 4,00 %; Renditeziel für 2‑jährige US‑Staats-anleihen: 3,35 %).

Aussicht Renten: Defizitrisiken stützen Renditen von US-Staatsanleihen.

Unsere Einschätzung zu deutschen Bundesanleihen entspricht weitgehend der aktuellen Marktpreisbildung, da sich das makroökonomische Umfeld unverändert zeigt – moderates Wachstum, Inflation nahe dem Ziel sowie eine ausgewogene Kommunikation der EZB. Das erhöhte Emissionsvolumen deutscher Staatsanleihen scheint auf dem aktuellen Niveau weitgehend eingepreist. Eine Entwicklung hin zu einer gemeinsamen EU‑Emission könnte jedoch Aufwärtsrisiken für die Renditen darstellen (Renditeziel für 10‑jährige Bundesanleihen für März 2027: 2,70 %; Renditeziel für 2‑jährige Bundesanleihen: 2,00 %).

Die Verengung des Spreads zwischen italienischen 10‑Jahres‑Anleihen und Bundesanleihen erscheint angesichts einer verbesserten Stimmung und stabiler Rahmenbedingungen weitgehend nachhaltig (Wahlen 2027; 3 % Defizit für 2026 geplant). Das Auslaufen der Recovery and Resilience Facility in diesem Jahr könnte jedoch für erhöhte Volatilität sorgen.

Japanische Staatsanleihen befinden sich auf Mehr‑Dekaden‑Hochs mit einer steileren Kurve, getrieben durch fiskalische Stimuli, geplante Senkungen der Verbrauchssteuer und eine schwache Nachfrage seitens der Lebensversicherer. Angesichts expansiver Politik und eines starken Mandats im Unterhaus, welches fiskalische Bedenken untermauert, rechnen wir mit weiterem Aufwärtsdruck auf 10‑Jahres‑Renditen (Renditeziel für 10‑jährige japanische Staatsanleihen für März 2027: 2,40 %).

USD‑ und EUR‑Investment‑Grade‑Anleihen (IG) bleiben dank solider Fundamentaldaten und kontinuierlicher Nachfrage gut unterstützt – trotz hoher Emissionsvolumina sowie episodischer politischer, geopolitischer und KI‑bedingter Unsicherheiten. Wir erwarten, dass diese Faktoren weiterhin sowohl für niedrige als auch für stabile Spreads sorgen. EUR‑IG wirken dabei besonders gut getragen – aufgrund des höheren Bankenanteils und steigender Nachfrage aus beitragsorientierten Pensionssystemen. Gleichzeitig erhöht die starke Emissionstätigkeit von USD‑Unternehmen im EUR‑Markt eher die Liquidität, als die Spreads zu weiten.

High‑Yield‑Anleihen (HY) wirken fragiler im USD‑Markt. Wir bleiben etwas defensiv positioniert, da gestreckte Bewertungen und Refinanzierungsbedarfe auf eher weiter werdende Risikoprämien hindeuten. Zudem dürfte HY im Vergleich zu IG mehr KI‑„Verlierer“ aufweisen, da kleinere Unternehmen anfälliger für Disruption sind. Einige belastete High‑Beta‑Emittenten im EUR‑Markt sprechen ebenfalls für einen selektiveren, qualitativ hochwertigeren Ansatz. Darüber hinaus behalten wir die jüngsten Probleme im Private‑Credit‑Segment des HY‑Bereichs im Blick, die auch die Stimmung im börsennotierten HY‑Markt eintrüben könnten.

Staatsanleihen in Schwellenländern und asiatische Unternehmensanleihen bleiben robust, gestützt durch starke globale Diversifikationsströme und verbesserte Fundamentaldaten auf der Unternehmensseite. Glaubwürdige fiskal‑ und geldpolitische Maßnahmen – unterstützt durch Lockerungstendenzen der Fed und regionaler Zentralbanken – sollten dazu beitragen, die engen Spreads zu bewahren. Zudem bleibt die Carry‑Komponente in beiden Segmenten attraktiv.

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Redaktionsschluss: 05.03.2026, 15.00 Uhr

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