Volkswirtschaft/Geldpolitik, Makro- und Anlageklassenausblick – 06.03.2026
Volkswirtschaft: Fiskaldominanz
Die wichtigsten Fakten:
- Robustes Wachstum dank solidem Konsum und starker Investitionen, auch fiskalpolitisch gestützt.
- Disinflation ist auf Kurs, doch geopolitische Spannungen könnten Fortschritt verlangsamen.
- Unterstützende, locker ausgerichtete Geldpolitik fördert die wirtschaftliche Stabilisierung.
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Im 4. Quartal 2025 verlangsamte sich das US‑Wachstum auf annualisierte 1,4 % gegenüber einem starken Vorquartal, das durch einen zollbedingten Rückgang der Importe verzerrt wurde. Zudem belastete der längste Regierungsstillstand in der US‑Geschichte die Aktivität zum Jahresschluss, was das BIP-Wachstum 2025 auf 2,2 % senkte. Frühindikatoren und ein robuster Arbeitsmarkt deuten jedoch auf eine Beschleunigung zum Jahresbeginn hin. Steuererleichterungen für Haushalte und Unternehmen, Deregulierung, KI‑getriebene Investitionen sowie graduelle Zinssenkungen sollten die Konjunktur stützen. Für 2026 erwarten wir stabile sequenzielle Wachstumsraten um 2 % mit durchschnittlichem BIP-Wachstum von 2,3 %. Infolge nachlassender Zolleffekte und niedrigerer Energiekosten dürfte die CPI‑Inflation im Jahresschnitt auf 2,6 % sinken. Sofern die Arbeitslosigkeit nicht deutlich steigt – was nicht unserem Basisszenario entspricht –, dürfte die Fed ihren vorsichtigen Kurs beibehalten. Bis Ende März 2027 erwarten wir zwei weitere Zinssenkungen, wodurch die Fed Funds Rate auf 3,00–3,25 % sinken sollte.
Das Wachstum der Eurozone stabilisierte sich im 4. Quartal 2025 bei 0,3 % gegenüber dem Vorquartal, während das BIP im Gesamtjahr um 1,5 % zunahm. Dies untermauert die Resilienz des Währungsraums trotz Gegenwinds durch höhere US‑Zölle. Positive Signale in Industrie, Konsum und Baugewerbe deuten auf positive Impulse zu Jahresbeginn hin. Das umfangreiche Investitionspaket aus Deutschland dürfte helfen, Wachstum im Euroraum nahe dem Potenzialwachstum zu halten und das durchschnittliche BIP‑Wachstum 2026 bei 1,3 % zu etablieren. Abwärtsrisiken ergeben sich weiterhin aus geopolitischen Spannungen und einer anhaltend unsicheren US‑Handelspolitik. Für 2026 erwarten wir eine durchschnittliche CPI‑Inflation von 2,0 %, was daraus resultiert, dass nachlassender Preisdruck bei Gütern die Auswirkungen des Lohnwachstums im Dienstleistungssektor kompensieren sollte. Trotz einer zeitweilig hinter dem Zielwert zurückbleibenden Inflation wäre wohl ein signifikanter Auslöser in die eine oder andere Richtung nötig, um die Einschätzung der EZB, dass man sich in einer „guten Position“ befindet, zu ändern. Wir gehen davon aus, dass die EZB den Einlagensatz bis Ende März 2027 bei 2,0 % belässt.
Ausblick Makro 2026: Robustes Wachstum erwartet – dank solidem Konsum, starker Investitionen und fiskalischen Impulsen.
Nach einem Rückgang im 3. Quartal gewann Japans Wirtschaft im 4. Quartal 2025 wieder an Dynamik. Gestützt durch die jüngsten Wahlerfolge dürfte die Regierung ihre wachstumsorientierte Agenda weiter vorantreiben, mit Fokus auf die Stärkung verfügbarer Haushaltseinkommen und Investitionen in strategisch wichtige Industrien, welche einen robusten Wachstumspfad unterstützen, der für das Gesamtjahr 2026 in ein durchschnittliches BIP‑Wachstum von 0,9 % münden dürfte. Obwohl die Inflation zunächst noch unter dem Zielwert liegen könnte, dürfte eine Shunto‑Lohnrunde von über 5 % in der zweiten Jahreshälfte Aufwärtsdruck auf die Preiskomponente ausüben. Wir erwarten, dass die CPI‑Inflation 2026 im Durchschnitt 1,8 % betragen wird, was der Bank of Japan ermöglicht, den Umfang ihrer geldpolitischen Unterstützung zu reduzieren. Dementsprechend rechnen wir mit einer graduellen Normalisierung der Geldpolitik, einschließlich zwei Zinserhöhungen innerhalb der kommenden vier Quartale, wodurch der Leitzins bis Ende März 2027 auf 1,25 % steigen dürfte.
Die sequenzielle konjunkturelle Abkühlung Chinas setzte sich im 4. Quartal 2025 fort. Allerdings ermöglichte das robuste Momentum im 1. Halbjahr 2025 Peking, sein selbst gesetztes Wachstumsziel von 5 % für 2025 zu erreichen. Trotz erhöhter US‑Zölle dürften Exporte künftig zentraler Wachstumstreiber bleiben. Die politische Unterstützung für strategische Industrien und Haushalte sollte die inländische Nachfrage stützen, auch wenn der Immobiliensektor weiterhin bremst. Während das Risiko einer ausgeprägten Deflation zurückgegangen ist, dürfte die Preisdynamik gedämpft bleiben. Dank gezielter geldpolitischer Lockerungen erwarten wir für 2026 eine durchschnittliche CPI‑Inflation von 0,8 % sowie ein reales BIP‑Wachstum von 4,6 %.
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Redaktionsschluss: 05.03.2026, 15.00 Uhr