Die wichtigsten Fakten

  • US-Aktienmarkt könnte sich als Basisinvestment anbieten
  • Japanische Aktien zeigen langfristiges Potenzial
  • Eurozone mit positivem Überraschungspotenzial

Seit dem Jahr 2009 kannten die meisten Aktienmärkte tendenziell nur eine Richtung: aufwärts. Mit den Kurskorrekturen vom vergangenen Sommer wurde dieser Trend durchbrochen. Auch 2016 ist mit schwankungsintensiven Kapitalmärkten zu rechnen. Für eine nachhaltige Trendwende nach unten gibt es derzeit jedoch kaum Argumente: Klassischerweise „drehen“ Aktienmärkte sechs bis neun Monate vor einer Rezession. Von einer solchen ist derzeit aber weder für 2016 noch für 2017 auszugehen. Aktien dürften daher in diesem Jahr ein interessantes Basisinvestment bleiben.

Insgesamt könnte sich die Dynamik dabei etwas abschwächen. Grund dafür sind zum einen die moderaten Gewinnerwartungen der Unternehmen: In den meisten Märkten liegen sie für 2016 im einstelligen Bereich. Für den globalen Aktienindex MSCI World rechnen die Analysten mit einem Gewinnplus von 6,8 Prozent. Zum anderen dürfte es im Unterschied zu den vergangenen Jahren nicht zu einer größeren Ausweitung der Bewertungen kommen. Die Deutsche Bank erwartet stabile Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV) mit leichtem Aufwärtspotenzial in den USA und China. Das alles spricht für ein interessantes Performancepotenzial bei Aktien, wozu Ausschüttungen einen relevanten Teil beitragen dürften. Entsprechend sollten Anleger die Dividendenpolitik der Unternehmen bei ihren Investmententscheidungen berücksichtigen.

2016 dürften sich statt einzelner klarer Favoriten eine Reihe von Regionen und Branchen anbieten. Dabei betrachten wir entwickelte Länder insgesamt aussichtsreicher als Schwellenländer und erwarten nach starkem Jahresbeginn für zyklische Werte – IT, Finanzen, zyklischer Konsum – im weiteren Jahresverlauf eine Trendumkehr und damit verbunden die Stärkung defensiver Titel aus den Bereichen Gesundheit und Basiskonsum.

Aktien dürften auch im kommenden Jahr ein interessantes Basisinvestment bleiben. Dabei braucht es globale Perspektive

Europas Vielfalt birgt interessante Investmentalternativen

In der Eurozone liegen die real erzielten Unternehmensgewinne je Aktie 2015 bereits im dritten Jahr in Folge unter ihrem 30-Jahres-Trend. Derzeit rechnen die Analysten der Deutschen Bank im europaweit breit aufgestellten Stoxx 600 mit einem Gewinnplus von 5,9 Prozent für 2016. Insbesondere bei den Unternehmen aus der Eurozone scheint Aufhol- und positives Überraschungspotenzial zu bestehen – unter anderem aufgrund ihrer Absatzperspektiven. Das gilt auch für den DAX, dessen Gewinnpotenzial derzeit durch den Sonderfall VW allerdings stark verzerrt ist. Bei Geschäften außerhalb der Eurozone dürften die Unternehmen weiter vom schwachen Euro profitieren, im innereuropäischen Handel von einem starken Binnenkonsum und einem Anziehen der Ausrüstungsinvestitionen, etwa für Fuhr- und Maschinenparks. Letztere wurden in den vergangenen Jahren vernachlässigt und lassen sich nun oft nicht weiter aufschieben.

Weniger aussichtsreich erscheint wegen seiner starken Rohstoffgewichtung zunächst der britische Aktienmarkt. Bei näherer Betrachtung erweist er sich jedoch als interessante Ergänzungsmöglichkeit: Der britische Leitindex FTSE 100 gilt aufgrund seiner internationalen Verflechtungen als der globalste aller Länderleitindizes. Anleger können mit ihm alternative Sektoren und Einflussfaktoren sowie eine andere Währung in ihr Depot integrieren.

Ähnliches gilt für den Schweizer Aktienmarkt: Hier sind es die defensiven Titel aus den Branchen Pharma und Basiskonsum, die insbesondere im zweiten Halbjahr 2016 für Anleger interessant werden könnten. Möglicherweise wird der Franken noch leicht nachgeben, seine Verluste sollten sich jedoch in Grenzen halten.

Japans Unternehmensreformen stützen Gewinnerwartungen

Der einzige bedeutende Aktienmarkt weltweit, für den die Analysten mit zweistelligen Gewinnsteigerungen rechnen, ist Japan – hier wird ein Plus von 10,5 Prozent erwartet. Verantwortlich für die auch längerfristig guten Perspektiven sind insbesondere die von der Regierung Abe lancierten Reformen: Sie sollen die Unternehmensführung (Corporate Governance) verbessern und die Konzerne dazu ermutigen, ihre enormen Bargeld-Bestände aktiv einzusetzen – etwa für Dividendenerhöhungen, Aktienrückkäufe oder Übernahmen. Von der Währungsseite dürfte Nippons Unternehmen in diesem Jahr kaum Gegenwind drohen: Die japanische Zentralbank scheint bei Bedarf zu weiteren geldpolitischen Stützungsmaßnahmen bereit. Zu beachten gilt, dass es sich bei Japan um einen zyklischen Markt handelt, der stark von der Entwicklung der Weltwirtschaft und der Konjunktur Chinas abhängig ist.

Erwartetes Gewinnwachstum 2016 für ausgewählte Indizes; Quelle: Deutsche Bank, Stand: 15. Dezember 2015
Erwartetes Gewinnwachstum 2016 für ausgewählte Indizes; Quelle: Deutsche Bank, Stand: 15. Dezember 2015

China: Nicht unumstritten, aber mit guten Aussichten

Bereits 2015 von starken Schwankungen geprägt war der chinesische Aktienmarkt. Wenngleich er nicht zuletzt wegen dieser Volatilität unter Investoren umstritten ist, sieht die Deutsche Bank vor allem bei den in Hongkong gehandelten H-Aktien mögliche Chancen. Ein Hauptgrund dafür sind deren interessante Bewertungen: Aktuell liegt das KGV bei 9,5 – und damit signifikant unter denen aller anderen bedeutenden Aktienmärkte. Hier sehen wir entsprechendes Aufholpotenzial. Hinzu kommt eine mögliche Stabilisierung im Reich der Mitte im Verlauf  des 1. Halbjahrs, die die Entwicklung der Unternehmensgewinne stützen sollte.

Rohstoffländer unter Druck, Indien mit langfristiger Perspektive

In Rohstoffländern wie Brasilien oder Russland sollte die erwartete Stabilisierung der Rohstoffpreise im Jahresverlauf 2016 eigentlich zu Kurspotenzial an den dortigen Aktienmärkten führen – eventuelle Gewinne dürften jedoch nur von kurzer Dauer sein. Denn mittel- und langfristig scheinen die innenpolitischen Schwierigkeiten – etwa Korruption und mangelnder Reformeifer – alle positiven Marktentwicklungen aufzuzehren. Die hohen Rohstoffpreise der vergangenen Jahre haben viele strukturelle Defizite einfach nur überdeckt. Diese kommen nun immer deutlicher zutage.

Auch Indien sieht sich derzeit mit bremsenden innenpolitischen Konflikten konfrontiert – bleibt langfristig aber einer der interessantesten Aktienmärkte weltweit. Die Gründe dafür sind eine sehr stabile Geldpolitik, mit der die Inflation erfolgreich bekämpft wurde, das deutlich verringerte Leistungsbilanzdefizit und ein vergleichsweise starker Reformwille seitens der Regierungsparteien. Für Investoren mit etwas Geduld könnte Indien auch schon 2016 ein lohnenswertes Anlageziel sein.

US-Aktienmarkt: Keine großen Sprünge, aber relative Stabilität

Der US-Aktienmarkt dürfte auch 2016 seinem Ruf als vergleichsweise stabiles Basisinvestment gerecht werden. Zum einen verfügen viele US-Unternehmen über eine entsprechende Größe und Marktmacht, um hohe Margen zu realisieren. Zum anderen sollte Corporate America von einer vergleichsweise guten konjunkturellen Lage und einem starken Binnenkonsum profitieren. Als Belastung für einige US-Unternehmen könnte sich dagegen eine zunehmende US-Dollar-Stärke erweisen. Gleichzeitig macht diese US-Papiere für ausländische Investoren aber auch interessanter. Für Investoren, die eine breite Diversifizierung ihres Portfolios anstreben, ist der US-Aktienmarkt zudem eine Möglichkeit, sich vielversprechen-de Sektoren wie Technologie oder Gesundheit ins Portfolio zu holen – diese sind zum Beispiel im US-Leitindex S&P 500 deutlich stärker vertreten als in anderen bedeutenden Märkten.

Aktienanleger sollten breit gestreut und flexibel investieren

Insgesamt dürften die Aktienmärkte 2016 einige Herausforderungen für Anleger bereithalten: Ein Aufwärtstrend auf breiter Front wie in vergangenen Jahren ist nicht zu erwarten. Gleichzeitig ist mit anhaltend hohen Volatilitäten zu rechnen. Daher wird es noch stärker darauf ankommen, chancenreiche Regionen und Sektoren zu identifizieren. Dafür ist es notwendig, die Entwicklungen an den globalen Märkten früh zu erkennen und richtig einzuordnen – gegebenenfalls gemeinsam mit einem ausgewiesenen Kapitalmarktexperten. Dann kann auch 2016 für Aktienanleger ein erfolgreiches Jahr werden.