Die wichtigsten Fakten:

  • Chemie-Unternehmen profitieren von guter globaler Konjunktur
  • Strukturelle Anpassungen stützen Geschäftsentwicklung
  • Chemie-Aktien als interessante Beimischung im Depot

Ohne die chemische Industrie wäre unser Leben heute gar nicht vorstellbar. Denn die Unternehmen der Branche stellen viele der Stoffe her, die für die Produktion in anderen Bereichen essenziell sind – zum Beispiel für die Kunststoff-, Lebensmittel-, Automobil- oder Baustoffindustrie. Entsprechend groß ist der Stellenwert des Sektors weltweit, auch unter Investoren. Und die konnten in den vergangenen Monaten eine erfreuliche Entwicklung beobachten: So zeigte der Chemie-Sektor des europaweiten Leitindex Stoxx 600 eine Performance von rund 14 Prozent im Jahr 2017 und liegt damit leicht über dem breiten Index. Auch der Ausblick lässt aus Sicht der Deutschen Bank die Branche in gutem Licht dastehen.

Interne Anpassungen mit nachhaltiger Wirkung

Die Angebotsdisziplin der vergangenen Jahre dürfte den Chemie-Unternehmen in Zukunft Rückenwind verleihen: Vor dem Hintergrund höherer Umweltstandards ist insgesamt mit einem Kapazitätsabbau, allen voran in Asien und hier insbesondere in China, zu rechnen. Außerdem haben die Unternehmenslenker den Fokus mehr auf Effizienzsteigerung als auf Expansion gelegt. Bis ins Jahr 2020 zeichnen sich derzeit unter anderem daher auch kaum Kapazitätsausweitungen ab. Das sollte aus Sicht der Deutschen Bank für eine Angebotsverknappung im Hinblick auf die Produktion und eine nachhaltige Stützung der Preise sorgen.

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Unternehmensübernahmen, höhere Margen, höhere Profitabilität

Ein weiterer positiver Aspekt ist die hohe Übernahmeaktivität innerhalb des Sektors in den vergangenen Jahren. So gab es weltweit beispielsweise 18 große Übernahmen in den vergangenen 24 Monaten, genauso viel wie in der Vergangenheit innerhalb von zehn Jahren. Hierdurch können Kosten durch Synergieeffekte eingespart werden und der Spezialisierungsgrad in der Branche weiter vorangetrieben werden. Grund für die rege Aktivität bei Unternehmenszusammenschlüssen dürften unter anderem die konservativen Wachstumsaussichten der Unternehmenslenker sein, die mit zunehmenden Unsicherheiten rechnen. Neben politischen Risiken tragen auch massive Preisschwankungen am Ölmarkt zu dieser getrübten Einschätzung bei: Zur Förderung von Rohöl werden Chemikalien benötigt. Wie hoch die Nachfrage nach diesen ist, wird vom Ölpreis beeinflusst. Preisschwankungen können daher Planungsschwierigkeiten aufseiten der Produzenten hervorrufen. Statt rein auf das Absatzvolumen und Expansionen zu schauen, konzentrierten sich die meisten Chemie-Unternehmen auf Kostendisziplin und Effizienzsteigerungen. Höhere Margen und eine gestiegene Profitabilität der Branche sind die Folge, wodurch sich zukünftig weiteres Potenzial für Fusionen und Übernahmen ergeben dürfte.

Gute Gewinnaussichten im Chemie-Sektor

Es ist allerdings zu beachten, dass die Bewertungen der Unternehmen zum Teil bereits ambitioniert sind. Diese basieren auf der aktuellen Konsensusgewinnschätzung für die nächsten zwölf Monate, die eine eher moderate Entwicklung des Gewinnwachstums prognostiziert. Hervorzuheben ist, dass die Erwartungen für 2018 und 2019 in den letzten drei bis sechs Monaten stark nach oben angepasst wurden. Unter den 19 Sektoren im Stoxx 600 weist der Chemie-Sektor den zweitstärksten Anstieg der Erwartungen auf. Die Analysten der Deutschen Bank hingegen sind weit optimistischer gestimmt und rechnen mit einem Gewinnwachstum der Unternehmen teilweise weit im zweistelligen Prozentbereich.

Fundamental gut aufgestellt: Der Chemie-Sektor weltweit kann interessante Anlagemöglichkeiten bieten.

Kurspotenzial in den kommenden Jahren

Insgesamt ergibt sich für den globalen Chemie-Sektor aus Sicht der Deutschen Bank dadurch ein positives Geschäftsumfeld für die nächsten Jahre. Unterstützt wird diese Einschätzung durch die steigenden Ausgaben der Unternehmen im Bereich Forschung und Entwicklung – wie beispielsweise die Verbesserung der Ressourceneffizienz, Materialforschung und Digitalisierung. Im Fahrwasser einer Konjunkturerholung gerade in Europa und der Nachfrage nach Chemikalien dürften die Geschäfte der gesamten Branche angetrieben werden. Für entsprechend risikobereite Anleger könnten Chemie-Aktien als Beimischung damit stärker in den Fokus rücken. Zumal die vollzogenen Anpassungen im Sektor und die damit verbundenen verbesserten Aussichten am Markt aus Sicht der Deutschen Bank noch nicht vollständig eingepreist zu sein scheinen.



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Redaktionsschluss: 05.01.2018