Die wichtigsten Fakten:

  • Partei von Indiens Premierminister Modi verteidigt absolute Mehrheit
  • Aktienmarkt reagiert mit deutlich steigenden Notierungen
  • Trotz anhaltender Herausforderungen weiteres Kursplus möglich

Der indische Aktienmarkt hat bewegte Monate hinter sich. Nach einem längeren Aufwärtstrend bis zum August 2018 ging es mit dem indischen Leitindex Nifty 50 im Zuge steigender Ölpreise zunächst zwei Monate lang deutlich bergab. Die darauffolgende Kurserholung wurde durch die allgemeine Verunsicherung der Marktteilnehmer aufgrund der Eskalation im Handelsstreit zwischen den USA und China Anfang Mai 2019 zunächst abrupt beendet – bevor sich die Börsenstimmung in der größten Demokratie der Welt kaum zwei Wochen später erneut komplett drehte: Mit dem sich abzeichnenden Wahlsieg der Partei von Premierminister Narendra Modi bei den indischen Parlamentswahlen legte der Nifty 50 wieder stark zu und erreichte Anfang Juni 2019 mit mehr als 12.000 Punkten ein Allzeithoch.

Wahlausgang sorgt für Stabilität

Die Prognose der Deutschen Bank vom Jahresanfang 2019 hat sich damit bestätigt: Anleger werteten Modis Gewinn der absoluten Mehrheit als Grundstein für eine Fortführung seiner mitunter kontrovers diskutierten, aber insgesamt wirtschaftsfördernden Reformpolitik der vergangenen fünf Jahre. Durch die klaren Verhältnisse bleiben dem Land zudem langwierige Koalitionsverhandlungen erspart, sodass wichtige Reformprojekte ohne größere Verzögerung angegangen werden können – etwa die Korruptionsbekämpfung, der Ausbau der Infrastruktur sowie die weitere Vereinfachung des Steuer- und die Stärkung des Bildungssystems. Damit hat sich ein großer Unsicherheitsfaktor am indischen Aktienmarkt quasi über Nacht komplett aufgelöst.

Modis Wahlsieg sorgt für Entspannung am indischen Aktienmarkt – weitere Kurssteigerungen erscheinen möglich.

Deutliches Gewinnwachstum erwartet

Auf Unternehmensseite geht die Abnahme der politischen Verunsicherung mit einem sich verbessernden wirtschaftlichen Umfeld einher. Negative Auswirkungen ökonomischer Reformen der Vergangenheit – etwa die Bargeldneuordnung – scheinen mittlerweile überwunden. Zudem bekommt der indische Bankensektor das Problem der notleidenden Kredite immer besser in den Griff, und die Ankündigung der indischen Notenbank von Anfang Juni, ihre Geldpolitik über die jüngsten Leitzinssenkungen hinaus auch in Zukunft lockerer zu gestalten, dürfte die Kreditvergabe nachhaltig stimulieren. Insgesamt rechnet die Deutsche Bank dadurch mit spürbarem Rückenwind für die Ergebnisse indischer Unternehmen: Nach einem Plus von nur 5 Prozent im vergangenen Jahr könnten ihre Gewinne 2019 durchschnittlich um mehr als 25 Prozent zulegen. Das wäre das stärkste Gewinnwachstum aller asiatischen Aktienmärkte.

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KGV gestiegen, aber noch angemessen

In diesem Licht erscheint das im historischen Vergleich aktuell erhöhte Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von rund 19 im Nifty 50 immer noch angemessen – zumal die Abhängigkeit der indischen Wirtschaft vom Außenhandel aufgrund ihrer starken Binnenmarktorientierung vergleichsweise gering ist und sich direkte negative Auswirkungen durch den globalen Handelsstreit daher für indische Unternehmen in Grenzen halten dürften. Stattdessen konnte Indien seine Exporte in Zeiten des Handelskonflikts sogar steigern: Von April 2018 bis Februar 2019 beispielsweise legten die Ausfuhren in die USA um rund 10 Prozent und nach China um fast 30 Prozent zu.

Für Indienaktien braucht es einen langen Atem

Für den indischen Aktienmarkt sind das gute Aussichten. Letztlich wird seine Entwicklung jedoch maßgeblich von den tatsächlichen wirtschaftlichen Erfolgen der Regierung Modi abhängen. Dazu zählt die zeitnahe Stimulierung der zuletzt schwächelnden Binnenkonjunktur, etwa durch die im Wahlkampf versprochenen Unterstützungszahlungen an rund 120 Millionen Kleinbauern. Zu beachten sind auch externe Faktoren, die Indien selbst kaum beeinflussen kann: Der Ölpreis und der Kursverlauf des US-Dollar haben auf Indien als einen der größten weltweiten Netto-Ölimporteure einen besonders großen Einfluss. Schwankungen am indischen Aktienmarkt sind damit jederzeit möglich.

Insgesamt bleibt Indien insbesondere für langfristig orientierte und entsprechend risikobereite Anleger ein interessantes Investmentziel und indische Aktien könnten sich als Beimischung in einem regional breit aufgestellten Depot anbieten – zumal Indiens Wirtschaft durch den Wahlausgang und die in Aussicht gestellte weitere Lockerung der Geldpolitik nachhaltig an Stabilität gewinnen dürfte.



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Redaktionsschluss: 12.06.2019