Die wichtigsten Fakten:

  • Indische Regierung stellt neuen Haushaltsplan vor
  • Steuerreformen und Infrastrukturinvestitionen im Fokus
  • Indische Aktien könnten langfristig profitieren

Rund 50 Stunden benötigt man laut Google Maps mit dem Auto vom Süden in den Norden der Republik Indien – und damit in etwa genauso lange wie für eine Fahrt vom norwegischen Nordkap nach Gibraltar am Mittelmeer. Das spricht zum einen nicht für die indischen Straßenverhältnisse. Zum anderen verdeutlicht es die gigantischen Dimensionen des Subkontinents: Auf einer Fläche, die mehr als neunmal so groß ist wie Deutschland, leben dort in 29 Bundesstaaten rund 1,3 Milliarden Menschen – das sind mehr als doppelt so viele wie in der gesamten Europäischen Union. Die Vielfalt an Kulturen, Klimazonen und Sprachen im Land ist groß. Wie auch die sozialen Unterschiede.

In diesem Licht betrachtet wird deutlich, welche Herkulesaufgabe Indiens Premierminister Narendra Modi mit seinem 2014 angeschobenen Reformprogramm bewerkstelligen muss. Dass dies nicht immer reibungslos funktioniert, wurde zuletzt im Zuge der Demonetarisierungs-Maßnahmen deutlich: Im November 2016 ließ die Regierung im Kampf gegen Korruption und Steuerhinterziehung die beiden größten Rupienscheine aus dem Verkehr ziehen. Was sich langfristig positiv auf die wirtschaftliche Entwicklung des Landes auswirken dürfte, hatte insbesondere für die einkommensschwächeren Inder, die hauptsächlich mit Bargeld bezahlen, massive Belastungen zur Folge: Statt zu arbeiten, standen viele von ihnen stunden- und oft tagelang Schlange vor den Banken, um an frisches Geld zu kommen.

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Neuer Haushaltsplan der Regierung Modi in Indien steht – Marktteilnehmer schätzen Maßnahmen überwiegend positiv ein.

Steuerentlastungen für Geringverdiener

Am 1. Februar 2017 hat die Regierung Modi nun ihren Haushaltsplan für das kommende Fiskaljahr 2018 (ab dem 01.04.2017) vorgelegt. Der Fokus der Staatsausgaben liegt dabei auf den von der Demonetarisierung besonders betroffenen Bevölkerungsschichten: So werden Jahreseinkommen bis 250.000 Indische Rupien (umgerechnet ca. 3.400 Euro) im kommenden Fiskaljahr gar nicht mehr besteuert. Gleichzeitig wird der Steuersatz für höhere Einkommen bis 500.000 Rupien (umgerechnet ca. 6.800 Euro) auf 5 Prozent halbiert. Im Gegenzug werden Einkünfte von umgerechnet 68.000 bis 137.000 Euro künftig stärker belastet.

Besonders profitieren dürften von dem neuen Haushaltsplan insgesamt die ländlichen Regionen sowie der indische Landwirtschaftssektor, von dem jeder zweite Inder wirtschaftlich nach wie vor direkt oder indirekt abhängig ist. Für diesen Bereich sieht das Budget staatliche Kredite oder Versicherungen gegen Ernteausfälle vor. Bei diesen Maßnahmen dürfte Modi auch die fünf Regionalwahlen in diesem Jahr im Hinterkopf haben, denn der entscheidende Anteil der Wählerschaft macht die untere Einkommensschicht aus.

Weiterer Fokus auf Infrastrukturinvestitionen

Weiter auf Modis Ausgabenliste stehen staatliche Investitionen in die zum Teil schlecht ausgebaute Infrastruktur des Landes – etwa in das für Indien so wichtige Schienennetz, aber auch in Straßen sowie den Schiffsverkehr. Dadurch soll die anhaltende Schwäche privater Investitionen zumindest ein Stück weit abgefangen werden. Einen positiven Investitionsschub könnte auch die Schließung des „Foreign Investment Promotion Board“ bringen, das bislang für die Überprüfung und Genehmigung ausländischer Investitionsvorhaben in Indien verantwortlich war. In Zukunft soll ein vereinfachtes Online-Verfahren die Prozesse beschleunigen, um so leichter Geld ins Land transferieren zu können.

Indische Aktienmärkte reagieren aktuell positiv

An den indischen Kapitalmärkten sorgte die Veröffentlichung des neuen Haushaltsplans bislang für gute Stimmung: Der indische Aktienindex Nifty 50, der 50 der bedeutendsten indischen Unternehmen umfasst, legte seit Jahresstart um rund 7 Prozent zu. Langfristig sieht die Deutsche Bank den indischen Aktienmarkt für entsprechend risikobereite Anleger weiterhin als eine interessante Beimischung im Depot. Dabei gilt es jedoch, beispielsweise die weiteren Folgen der Demonetarisierung oder die Auswirkungen der angekündigten Vereinheitlichung der Mehrwertsteuer im Auge zu behalten. Denn die Reformen im Riesenreich Indien können kurzfristig immer wieder für Unsicherheiten sorgen – wenngleich langfristig die positiven Auswirkungen dieser Maßnahmen nach Einschätzung der Deutschen Bank überwiegen dürften.



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Redaktionsschluss: 08.02.2017