Die wichtigsten Fakten:

  • Weltweiter Wasserbedarf dürfte weiter steigen
  • Neue Technologien können globale Wasserversorgung verbessern
  • Wasserinvestments als interessanter defensiver Depotbestandteil

Wasser ist lebensnotwendig – und mit zunehmender Weltbevölkerung steigt der Bedarf überproportional: Zwischen 1930 und 2000 hat sich die Zahl der Menschen auf der Erde verdreifacht, der globale Wasserverbrauch in diesem Zeitraum aber etwa versechsfacht. Diese Entwicklung dürfte sich nach Einschätzung der Vereinten Nationen fortsetzen und die Weltbevölkerung in den kommenden 30 Jahren von aktuell 7,6 Milliarden auf 9,7 Milliarden Menschen wachsen. Gleichzeitig dürfte sich der Wasserverbrauch pro Kopf in den weniger entwickelten Ländern sukzessive dem in den Industriestaaten annähern. Der Wasserfußabdruck – also die Menge an Wasser, die sowohl direkt über die häusliche Verwendung als auch indirekt über den Konsum beansprucht wird – liegt in den USA bei durchschnittlich 7.800 Litern pro Kopf, in China sind es rund 2.900 Liter. Daher dürfte die Wassernachfrage allein bis 2030 um 20 bis 30 Prozent steigen. Neben der steigenden Nachfrage könnte der Klimawandel in einigen Regionen der Welt den Wassermangel zusätzlich verschärfen.

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Wasserknappheit könnte zunehmen

Frischwasser ist global betrachtet bereits heute ein knappes Gut. Von den rund 1,4 Milliarden Kubikkilometern Wasser auf der Erde sind lediglich 2,5 Prozent Süßwasser, von denen sich wiederum knapp 30 Prozent als Grundwasser unter der Erde befinden. Nur 100.000 Kubikkilometer oder 0,008 Prozent aller Süßwasservorräte sind für den Menschen leicht zugänglich – etwa in Flüssen oder Seen. Außerdem ist das Wasser weltweit ungleich verteilt: Zehn Länder teilen sich 60 Prozent des Frischwasserangebots. China beispielsweise beheimatet fast ein Fünftel der Weltbevölkerung, verfügt jedoch nur über 5 Prozent der weltweiten Frischwasservorräte. Daher werden auch Lösungen für die Förderung, die Aufbereitung und das gesamte Wassermanagement wichtiger.

Einsparpotenzial in der Landwirtschaft

Innovative Technologien können dazu beitragen, diesen Herausforderungen zu begegnen und die Wasserversorgung weltweit zu verbessern – und entsprechend risikobereiten Anlegern interessante Investmentmöglichkeiten eröffnen. Dabei geht es nicht um Spekulationen auf die Wasserknappheit, sondern um Investitionen in Lösungen. Potenzial für Wassereinsparungen bietet beispielsweise die Landwirtschaft, auf die als größter Verbraucher rund 70 Prozent des weltweiten Wasserverbrauchs entfallen: Durch eine gezielte Bewässerung lässt sich hier sowohl Wasser sparen als auch der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln reduzieren – etwa mithilfe von Technologien, die sensorbasiert den genauen Wasserbedarf bestimmen und automatisch die Bewässerung steuern. Der globale Markt für solche Mikrobewässerungssysteme könnte sich bis zum Jahr 2025 laut Inkwood Research auf ein Volumen von 14,9 Milliarden US-Dollar mehr als verdreifachen.

Intelligente Systeme können Wasserverlust vermeiden

Innovative Technologien können jedoch nicht nur neue Systeme schaffen, sondern auch bestehende optimieren. Allein in den USA gehen nach Angaben der US Environmental Protection Agency jährlich fast 6,5 Billionen Liter Wasser durch undichte Rohrleitungen verloren. Der dadurch verursachte Schaden beläuft sich auf 2,6 Milliarden US-Dollar. Zur Lösung dieses Problems beitragen können zum Beispiel intelligente Wasserzähler, die Anomalien im Wasserverbrauch erkennen und den Nutzer entsprechend benachrichtigen. Durch die Vernetzung dieser Zähler untereinander und die Kombination ihrer Daten mit Informationen anderer Sensoren – etwa zum Wasserdruck oder der Durchflussmenge – lassen sich Auffälligkeiten noch früher und zuverlässiger erkennen und Wasserverluste minimieren.

Markt für Abwasserrecycling wächst

Neben Technologien zur Reduzierung des Verbrauchs gewinnen auch die Entsalzung von Meerwasser sowie die Aufbereitung und Nutzung von Abwasser an Gewicht: Der globale Markt für Abwasserrecycling beispielsweise wächst aktuell um 20 Prozent pro Jahr. Moderne chemische Analyseverfahren können im Abwasser Mikroschadstoffe in winzigen Konzentrationen messen und im Anschluss fortschrittliche Reinigungsverfahren das Wasser wieder trinkbar machen. In Singapur etwa wird bereits heute hochreines Trink- aus kommunalem Abwasser hergestellt.

Wachstumspotenzial: Wasserinvestments als interessante Depotbeimischung

Struktureller Wachstumstrend

Von Innovationen im Wassersektor und deren Verbreitung könnten Unternehmen unterschiedlicher Branchen profitieren. Dazu gehören die Hersteller von Infrastrukturprodukten wie Pumpen, Leitungen, Filter oder Sensoren sowie die Anbieter landwirtschaftlicher Bewässerungssysteme. IT-Unternehmen, die beispielsweise Sensoren für Wasseranalysen herstellen, finden sich darunter ebenso wie Chemieunternehmen. Aufgrund des strukturellen Wachstumstrends könnte die Beimischung von Unternehmen aus dem Wassersektor für entsprechend risikobereite Anleger langfristig ein interessantes Investment darstellen.



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Redaktionsschluss: 11.07.2019