Die wichtigsten Fakten

  • Globales Wirtschaftswachstum stabilisiert sich
  • Überraschungspotenzial bei Aktien durch erwartetes einstelliges Gewinnwachstum der Unternehmen
  • Anleihen auch in 2016 mit vergleichsweise geringen Renditeerwartungen

1. Politische Sorgen um Europa, Ruhe in den USA

In Europa sind neben den anhaltenden Problemen der Peripherieländer und dem nach wie vor schwelenden Ukraine-Konflikt zunehmend neue Herausforderungen in den Fokus gerückt – etwa die Unabhängigkeitsbestrebungen Kataloniens oder der Umgang mit der Vielzahl an Flüchtlingen. Ob darüber hinaus im späteren Jahresverlauf auch ein möglicher EU-Austritt Großbritanniens wieder auf den Tisch kommt, bleibt abzuwarten. Dagegen dürfte es in den USA – trotz der anstehenden Präsidentschaftswahlen im November und einzelner Diskussionen, etwa um das landesweite Krankenversicherungssystem – vergleichsweise ruhig bleiben. Auch wegen des jüngst erzielten fiskalischen Kompromisses zwischen Republikanern und Demokraten könnte die US-Wirtschaft in diesem Jahr von innenpolitischen Risiken weniger stark betroffen sein als die Volkswirtschaften in Europa und Asien. Geopolitisch wird auch das Jahr 2016 die Welt in Atem halten. Die instabile Lage im Nahen Osten und die Gebietsstreitigkeiten Chinas mit seinen pazifischen Nachbarn beinhalten konkretes Konfliktpotenzial.

Politische Unsicherheiten in Europa könnten 2016 die Finanzmärkte beeinflussen.
Politische Unsicherheiten in Europa könnten 2016 die Finanzmärkte beeinflussen.

2. Globales Wirtschaftswachstum stabilisiert sich

Das Wachstum der Weltwirtschaft könnte sich 2016 zum ersten Mal seit fünf Jahren wieder leicht beschleunigen: von 3,1 Prozent im Jahr 2015 auf rund 3,2 Prozent. Es dürfte dabei noch stärker als in den Vorjahren von Binnenkonsum und Dienstleistungen statt von der Industrieproduktion getrieben werden. Trotz struktureller Probleme – zum Beispiel stockender Reformen und einem niedrigeren Trendwachstum – ist der konjunkturelle Zyklus scheinbar intakt. Für China erwarte ich ein Plus von rund 6,7 Prozent für dieses Jahr. Auch in den großen Industrienationen dürfte der Binnenmarkt die Konjunktur treiben: Deutschland könnte mit 1,9 Prozent wachsen. Für die USA erwarte ich 1,8 und für Japan 1,1 Prozent Wachstum.

Vergleich Prognosen Jahresende 2014 und tatsächliche Marktentwicklung 2015; Quelle: Deutsche Bank, Stand: 15. Dezember 2015

3. US-Notenbank gibt den Zinstakt vor

Die unklaren, zum Teil widersprüchlichen Ankündigungen der US-Notenbank Fed waren 2015 ein Grund für die Verunsicherung an den Märkten. Auch 2016 dürfte die Fed im Brennpunkt stehen: Ich erwarte aufgrund der positiven wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nach der Mitte Dezember 2015 erfolgten Leitzinsanhebung drei weitere Zinsschritte in diesem Jahr. Damit betritt die Fed nach Jahren der lockeren Geldpolitik Neuland – Ausgang ungewiss. Die Europäische Zentralbank (EZB) dagegen hat Anfang Dezember neben der Senkung des Einlagenzinssatzes auch eine Ausweitung ihres Anleiheankaufprogramms bis mindestens März 2017 beschlossen. Das sollte den Euro langfristig schwächen und der kriselnden Eurozone wirtschaftlich weiter auf die Beine helfen.

4. Währungen als Performancetreiber

Der bestimmende Faktor an den Devisenmärkten bleibt die Entwicklung des US-Dollar. Ich gehe davon aus, dass der „Greenback“ im Vergleich zu allen bedeutenden Währungen in den kommenden Monaten weiter an Stärke gewinnen wird. Im Hinblick auf den Euro dürften die Ausweitung der lockeren Geldpolitik der EZB und die Leitzinsanhebungen der Fed im Jahresverlauf 2016 mindestens zu einer Parität führen. Für Schwellenländer wie China oder Indien sollten sich die negativen Auswirkungen einer sukzessiven Dollar-Aufwertung in Grenzen halten. Insbesondere bei Ländern mit stockenden Reformen und Doppeldefizit (gleichzeitiges Haushalts- und Leistungsbilanzdefizit) muss jedoch mit kurzfristigen, auch größeren Wechselkursschwankungen und entsprechenden Folgen für Fremdwährungsinvestments gerechnet werden.

Das Wachstum der Weltwirtschaft könnte sich 2016 zum ersten Mal seit 5 Jahren wieder leicht beschleunigen.

5. Viel Ärger für wenig Anleiherenditen

Anleihen mit vergleichsweise geringem Risiko dürften auch im Jahr 2016 kaum interessante Renditen bringen. Bei US-Unternehmensanleihen mit guter Bonität (Investment Grade) sehe ich dagegen Potenzial: Rund 3,6 Prozent Rendite könnten in diesem Segment möglich sein. Für noch mehr Rendite ist dagegen ein überproportional hohes Risiko einzugehen. So dürften im US-High-Yield-Bereich die Ausfallraten deutlich anziehen – mögliche Übersprungseffekte auf europäische High-Yield-Anleihen inklusive. Bei Schwellenländer-Anleihen wird viel von der Währungsentwicklung abhängen: Stabilisieren sich die Wechselkurse gegenüber Euro und US-Dollar, könnten wieder einträgliche Renditen möglich sein. Hinzu kommt der Einfluss Chinas: Wenn die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt positiv überraschen kann, sollten Schwellenländer-Anleihen davon profitieren.

6. Aktien: Industrieländer vor Schwellenländern

Nach sieben Jahren Bullenmarkt könnten sich die Aktienkurse im diesem Jahr etwas verhaltener entwickeln. Unter anderem weil die Gewinne der Unternehmen nur einstellig zulegen dürften – mit positivem Überraschungspotenzial in der Eurozone. Für Anleger wird es darauf ankommen, in einem breit diversifizierten Portfolio die richtigen Akzente zu setzen: Auf regionaler Ebene erscheinen mir die entwickelten Märkte – zum Beispiel die Eurozone, Japan und die USA – insgesamt aussichtsreicher zu sein als die Schwellenländer. Bei den Branchen und Unternehmen gilt es, diejenigen zu identifizieren, die ihre Umsätze und Margen gegen den allgemeinen Trend weiter steigern können.

Akienindizes: Prognosen für 2016; Quelle: Deutsche Bank, Stand: 14. Dezember 2015
Akienindizes: Prognosen für 2016; Quelle: Deutsche Bank, Stand: 14. Dezember 2015

7. Einstellige Performance an den Aktienmärkten

Aktien dürften im Jahr 2016 ein gefragtes Investment bleiben. Hauptgrund dafür ist das erwartete einstellige Gewinnwachstum der Unternehmen. Bei stabilen bis leicht anziehenden Bewertungen, etwa in China und den USA, könnten die Aktienpreise im höheren einstelligen Prozentbereich zulegen – inklusive Dividendenzahlungen. Auf Sektorenebene dürften zunächst Zykliker – Finanzen, Technologie, Nicht-Basiskonsum – und im weiteren Jahresverlauf defensivere Werte, etwa Gesundheit und Basiskonsum, im Anlagefokus stehen. Stützend auf die Aktiennachfrage sollte sich das niedrige Zinsumfeld auswirken: Aktienmärkte werden dadurch für Investoren auf der Suche nach rentierlichen Anlagen immer interessanter.

8. Rohstoffpreise im Bann von Dollar und Angebot

Prognosen zur Entwicklung des Ölpreises sind aufgrund der vielen Einflussfaktoren derzeit mit großen Unsicherheiten behaftet. Ich gehe aber davon aus, dass die Tiefststände aktuell noch nicht erreicht sein dürften. Angebot und Nachfrage sollten sich erst gegen Ende des Jahres 2016 annähern und die Preise entsprechend anziehen. Größere Sprünge sind dabei nicht zu erwarten – sollte die OPEC nicht überraschend ihre Förderquoten drosseln. Ebenso unsicher gestalten sich Prognosen zum Gold: Zwar könnten einige Notenbanken vor allem in den Schwellenländern ihre Bestände ausbauen, für Gegenwind dürften jedoch steigende Zinsen in den USA und ein starker US-Dollar sorgen. Bei Gold erwarte ich im Jahr 2016 seitwärts tendierende oder sogar leicht fallende Preise.

9. Immobilien-Metropolen gehört die Zukunft

Der Trend der vergangenen Jahre wird sich 2016 voraussichtlich fortsetzen: Weltweit zieht es die Menschen in die Metropolregionen. Mit der damit verbundenen Nachfrage nach Immobilien dürfte das Angebotswachstum nicht Schritt halten können – weiter steigende Preise wären die Folge. In Europa erscheinen insbesondere deutsche Standorte interessant, da sie im Gegensatz zu bereits weit gelaufenen Märkten wie London nach wie vor fair bewertet scheinen – eine Blasenbildung ist am deutschen Immobilienmarkt derzeit nicht in Sicht. In den USA sieht die Deutsche Bank den intakten Arbeitsmarkt weiter als starken Treiber. Insgesamt rechne ich einem global breit gestreuten Immobilien-Portfolio die größten Renditechancen zu.

10. Unsicherheiten sorgen für hohe Volatilitäten

Neben geopolitischen Risiken dürfte die Geldpolitik der größte Unsicherheitsfaktor im Jahr 2016 sein. So könnte der US-Dollar im Zuge weiterer Leitzinserhöhungen der Fed zu stark aufwerten und damit Rohstoffpreise sowie Schwellenländerwährungen unter Druck setzen. Darüber hinaus dürften auch die Sorgen um das konjunkturelle Wachstum Chinas noch nicht ausgestanden sein. Weiteres Risikopotenzial sehe ich unter anderem in einem möglichen Ausufern der Abwertungstendenzen bedeutender Währungen („Währungskrieg“) oder einem Einbruch der Unternehmensgewinne. Alles in allem ist durch die Vielzahl regionaler und globaler Unsicherheitsfaktoren in diesem Jahr weiter mit vergleichsweise hohen Volatilitäten an den internationalen Kapitalmärkten zu rechnen.