Die wichtigsten Fakten:

  • Marktrisiken haben zuletzt deutlich zugenommen
  • Perspektivisch könnten sich neue Investmentmöglichkeiten bieten
  • Aktien bleiben wichtiger Bestandteil des Portfolios

Anlegern bleibt dieser Tage kaum Zeit zum Verschnaufen – das liegt jedoch weniger an den sommerlichen Temperaturen als an der langen Liste marktbewegender Themen: Im Handelsstreit folgt eine Eskalation nach der anderen, beim Brexit ist noch immer keine Lösung in Sicht und die Notenbanken erfüllen nicht alle Markterwartungen. Darüber hinaus brodelt es zum Beispiel in Argentinien, das kurz vor den Parlamentswahlen Ende Oktober tief in der Rezession steckt, während die Proteste in Hongkong Wachstumsängste schüren und in Italien Neuwahlen für weitere Unsicherheit sorgen könnten.

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Globale Rezessionssignale nehmen zu

Zu diesen Belastungsfaktoren gesellen sich aktuell zunehmend weltweite Rezessionssignale. Dazu zählt die Invertierung der US-Zinsstrukturkurve: Am 14. August lag die Rendite 2-jähriger US-Staatsanleihen zum ersten Mal seit dem Jahr 2007 über der Rendite ihrer 10-jährigen Pendants. Auch in Deutschland lassen überproportional stark sinkende Zinsen für lang laufende Anleihen Sorgen vor einem konjunkturellen Abschwung aufkommen: Zum ersten Mal überhaupt drehte die Rendite 30-jähriger Bundesanleihen Anfang August ins Minus. Die Marktreaktionen fielen entsprechend negativ aus. Seit seinem Allzeithoch vom 26. Juli 2019 verzeichnete beispielsweise der US-Leitindex S&P 500 bis zum 15. August in Euro gerechnet einen Kursabschlag von rund 5,5 Prozent. Im selben Zeitraum verlor der europäische Stoxx 600 mehr als 6 Prozent und der besonders konjunkturanfällige DAX sogar mehr als 8 Prozent an Wert. Viele Anleger fragen sich daher zu Recht, ob man aktuell überhaupt noch in Aktien investieren sollte.

Aktien weiterhin eine interessante Investmentklasse

Trotz der sich zuletzt verschärfenden Rezessions- und Verlustrisiken bleibt die Deutsche Bank der Anlageklasse Aktien gegenüber insgesamt positiv eingestellt. Denn langfristig betrachtet ist es nicht ungewöhnlich, dass Aktienmärkte kurzfristige Kursrücksetzer verkraften müssen. Zudem steigt mit jeder Abwärtsbewegung die Wahrscheinlichkeit für geld- oder fiskalpolitische Stützungsmaßnahmen. Gleich mehrere Maßnahmen könnten nach Einschätzung der Deutschen Bank in absehbarer Zeit den Abwärtstrend am Aktienmarkt stoppen:

Geldpolitik: ein klares Statement der US-Notenbank

Nach der vergangenen Leitzinssenkung der Fed wurde die US-Zinsstrukturkurve überraschend flacher und invertierte schließlich – ein Ausdruck dafür, dass die Fed in den Augen vieler Marktteilnehmer zu zögerlich agiert hatte und die Aktieninvestoren zu optimistisch in die Zukunft blickten. Die Deutsche Bank erwartet zwei weitere US-Leitzinssenkungen im laufenden Jahr. Auch die Europäische Zentralbank könnte mit der erneuten Aufnahme eines Anleihekaufprogramms im September wieder einen expansiveren geldpolitischen Kurs einschlagen. Dies könnte die Konjunktureinschätzungen der Marktteilnehmer verbessern, was wiederum die langfristigen Zinsen stützen und damit Kaufgelegenheiten für Aktien schaffen würde.

Fiskalpolitik: weniger Konsolidierung in Europa

Bislang hält die Bundesregierung an ihrer „schwarzen Null“ fest. Es zeichnet sich allerdings ab, dass Europa die fiskalische Konsolidierung aufgibt und zur Konjunkturstützung wieder auf eine expansivere Fiskalpolitik setzen könnte. Auch US-Präsident Trump sprach jüngst wieder über Steuererleichterungen in den USA – revidierte die Idee allerdings bereits einen Tag später.

Geopolitik: konstruktive Signale im Handelsstreit und beim Brexit

Im Hinblick auf die Präsidentschaftswahl 2020 dürfte US-Präsident Donald Trump auch ein persönliches Interesse daran haben, den Handelsstreit nicht zu weit eskalieren zu lassen. Weitere Erleichterungen, wie die Verschiebung der angedrohten Chinazölle auf Dezember, könnten die Investorenstimmung verbessern. In Sachen Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union ist mit dem neuen britischen Premierminister Boris Johnson zwar zuletzt das Risiko eines harten Brexits gestiegen. Allerdings wackelt Johnsons Mehrheit im Unterhaus, Neuwahlen erscheinen daher durchaus möglich. Auch im Hinblick auf weitere politische Bühnen haben Marktteilnehmer bereits Risiken eingepreist. Sollten sich einzelne Krisen wie in Argentinien oder Italien besser als erwartet entwickeln, könnte die Stimmung ins Positive drehen.

Trotz zunehmender Marktrisiken: Aktien bleiben wichtiger Bestandteil des Portfolios.

Unternehmensgewinne wecken Hoffnungen

Positive Signale wären insgesamt notwendig, um den Teufelskreis aus geopolitischen Konflikten, konjunktureller Unsicherheit und sinkenden Aktienkursen zu durchbrechen, sodass Marktteilnehmer wieder Vertrauen in die Märkte fassen können. Dann könnten Anleger auch wieder den Blick auf das eigentliche Wesentliche richten: die gute Gewinnentwicklung der Unternehmen. Im S&P 500 beispielsweise lagen die Gewinne Mitte August 2019 knapp 24 Prozent über dem Stand vom 1. Januar 2018 – während die Indexentwicklung über denselben Zeitraum stagnierte. Auch die Berichtssaison für das zweite Quartal 2019 fiel in den Vereinigten Staaten mit einem Gewinnwachstum von 4 Prozent zum Vorjahresquartal besser aus als von vielen Marktteilnehmern befürchtet. Die Margenstärke der US-Unternehmen, erwartete Aktienrückkäufe sowie die Hoffnung auf die Abwendung einer US-Rezession bieten in den kommenden Monaten zusätzliches Aufwärtspotenzial für US-Werte. In Europa konnte rund die Hälfte der Unternehmen die Erwartungen für das zweite Quartal 2019 übertreffen: Die Gewinne fielen mit einem Minus von 1 Prozent insgesamt aber moderat aus. Eine Stabilisierung der Unternehmenszahlen in den USA könnte allerdings positiv auf Europa und andere Märkte abstrahlen.

Auswirkungen der aktuellen Lage auf die Asset Allocation

Für Anleger könnte es sich anbieten, in diesem von Unsicherheiten geprägten Investmentumfeld, ihre Geldanlage zunächst etwas defensiver aufzustellen – ohne dabei mögliche Gelegenheiten am Aktienmarkt aus den Augen zu verlieren. Auch wenn es keine Entwarnung vor weiteren Rücksetzern gibt: Aktien gehören daher weiterhin in das Portfolio. Denn ein moderater Aktienanteil in einem ausgewogenen Portfolio kann helfen, eine mögliche Erholung nicht zu verpassen – insbesondere dann, wenn die langfristigen Zinsen sich wieder normalisieren. Zudem sollte bei einem Aktieninvestment derzeit besonderer Wert auf hohe Qualität und/oder eine ergänzende Absicherung gelegt werden. Die Deutsche Bank präferiert aktuell Aktien von Qualitätsunternehmen, das heißt von Unternehmen mit robusten Wachstumsraten, vielversprechenden Geschäftsmodellen und stabilen Bilanzen. Darüber hinaus bieten Zertifikate mit (Teil-)Kapitalschutz eine gute Möglichkeit, mit begrenztem Verlustrisiko an Kursentwicklungen teilzuhaben.



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Anlagewissen

Redaktionsschluss: 27.08.2019