Die wichtigsten Fakten:

  • Die steigenden US-Kapitalmarktzinsen könnten auch den europäischen Aktienmarkt beeinflussen
  • Europäische Finanztitel könnten profitieren
  • Defensive Titel dürften zeitweise Gegenwind bekommen

Die jüngste Leitzinsanhebung der US-Notenbank Fed und vor allen Dingen ihre Ankündigung von möglicherweise gleich drei weiteren Zinsschritten im kommenden Jahr haben den Anstieg der US-Kapitalmarktzinsen weiter getrieben. Gestützt durch die gestiegene Inflationserwartung und den verbesserten Wachstumsausblick für die US-Wirtschaft, hatten sich die Renditen 10-jähriger US-Staatsanleihen bereits vor der Fed-Entscheidung deutlich nach oben entwickelt: Allein im Zeitraum vom 8. November bis zum 14. Dezember stieg die Verzinsung von 1,8 auf 2,3 Prozent an. Das wirtschaftliche Umfeld in den USA könnte die Kapitalmarktzinsen nun noch weiter steigen lassen: Im Jahresverlauf 2017 rechnet die Deutsche Bank mit einem US-Zinsniveau – bezogen auf 10-jährige US-Staatsanleihen – von bis zu 3,6 Prozent.

Hohe Zinsdifferenz zwischen den USA und Europa

Im Gegensatz zu den USA bewegen sich die Kapitalmarktzinsen in der Eurozone nach wie vor auf einem sehr niedrigen Niveau – entsprechend groß sind die Zinsunterschiede dies- und jenseits des Atlantiks. Das höhere Zinsniveau von US-Staatsanleihen im Vergleich zu ihren europäischen Pendants dürfte auch im nächsten Jahr dazu führen, dass Kapital aus dem Euroraum in die USA fließen könnte. Europäische Staatsanleihen dürften dem Zinstrend von US-Zinspapieren zumindest teilweise folgen. Für 10-jährige deutsche Staatsanleihen beispielsweise erwartet die Deutsche Bank daher nun zum Jahresende 2017 eine Verzinsung von 0,9 Prozent.

Steigende Zinsen in den USA sorgen auf Europas Aktienmärkten für Bewegung

Finanztitel profitieren von steigenden Zinsen

Eine solche Zinsentwicklung in Europa hätte durchaus Einfluss auch auf die europäischen Aktienmärkte. Traditionell zählen Finanztitel in Zeiten steigender Zinsen oder einer Versteilerung der Zinsstrukturkurve eher zu den Gewinnern. Je steiler die Zinsstrukturkurve, desto höher die Gewinnmarge, da Banken sich kurzfristig zu niedrigen Zinsen Geld leihen und es langfristig zu höheren Zinsen verleihen. Die Deutsche Bank rechnet in den kommenden Monaten insbesondere im europäischen Bankensektor mit Kurspotenzial. Daneben könnte die angedachte US-Bankenderegulierung Trumps bei erfolgreicher Umsetzung auch nach Europa schwappen. Schließlich sind die Wechselwirkungen in einer global vernetzten Welt auch hier nicht zu unterschätzen.

Defensive Aktien könnten unter Druck geraten

Weit weniger positiv dürften sich steigende Zinsen in Europa hingegen auf defensivere Sektoren auswirken – etwa auf Unternehmen aus der Lebensmittel-/Getränkebranche. Denn sie dienen vielen auch institutionellen Anlegern aufgrund ihrer potenziell verlässlicheren Dividendenrenditen klassischerweise als mögliche Alternative zu Anleiheinvestments (sogenannte Bond-Proxies). Wenn die Renditen von Anleihen in Europa nun leicht steigen sollten, verlieren diese Alternativanlagen jedoch relativ an Attraktivität. Der Grund dafür liegt darin, dass Investoren vermehrt das Aktienmarktrisiko in ihren Depots durch wieder interessanter gewordene Anleiherenditen ersetzen könnten, d.h. Dividende gegen Zins tauschen.

Wechselnde Favoriten bei Aktienmarktsektoren

Aktien von Finanzunternehmen gut, Lebensmittel-/Getränketitel schlecht – so einfach sind die Aktienmarktaussichten für das kommende Jahr in Europa nicht. Zum einen gilt es wie immer, die einzelnen Unternehmen einer Branche sehr genau zu analysieren. Zum anderen erwartet die Deutsche Bank auch auf Sektorenebene wechselnde Favoriten. So könnten bei einer Normalisierung der Zinsentwicklung im weiteren Jahresverlauf 2017 auch defensivere Aktientitel wieder in den Anlagefokus rücken und ihrer Rolle als langfristig interessante Investments gerecht werden. Anleger sollten sich 2017 auf jeden Fall weiterhin auf wechselhaftes Börsenwetter in Europa einstellen.

19.12.2016