„Der globale Handel steht vor einer tiefgreifenden Metamorphose“

Der Krieg im Nahen und Mittleren Osten ist nur das jüngste Beispiel für geopolitische Krisen, die spätestens seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine mit steigender Schlagzahl zunehmen. Wir haben dazu mit Dr. Helen Belopolsky, Leiterin der geopolitischen Forschung bei Deutsche Bank Research, gesprochen. Sie erklärt, welche geopolitischen Kräfte sich wie auswirken, welche Risiken sich daraus ergeben – aber auch Neues und Positives.

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Illustration der mit einem Netz aus Punkten überspannten Weltkugel vor blauem Hintergrund.

Jenseits der aktuellen Schlagzeilen: Welche Kräfte prägen die Geopolitik? Und inwiefern haben sich die geopolitischen Risiken in den vergangenen Jahren verändert?

Die Ära der berechenbaren Märkte, in der das Thema Geopolitik nur eine Randnotiz war, ist definitiv vorbei. Die vergangenen Jahre inklusive 2026 brachten eine unerbittliche Abfolge von Krisen mit sich: von Russlands Angriff auf die Ukraine über die zunehmend protektionistische Wirtschaftspolitik bis hin zur jüngsten Krise im Nahen und Mittleren Osten. Darüber hinaus verhalten sich geopolitische Schocks mittlerweile systemisch. Das heißt, sie breiten sich rasch über miteinander vernetzte Volkswirtschaften aus. Dies ist kein vorübergehendes Phänomen, sondern die neue strukturelle Realität. Während geopolitische Ereignisse in der Vergangenheit oft kurzfristige Volatilität verursachten, sind die aktuellen Risiken tiefer in langfristigen strategischen Verschiebungen verwurzelt. Ohne eine proaktive, fundierte Positionierung bleibt kaum ein Portfolio davon unberührt.

Was bedeutet das für Unternehmen und letztlich dann auch für Anlegerinnen und Anleger?

Sie müssen sich auf eine Welt der Großmachtpolitik sowie eine zunehmende Verflechtung von nationaler und wirtschaftlicher Sicherheit einstellen. Wer darauf wartet, dass sich der alte Status quo wieder einstellt oder die nächste Krise die Schlagzeilen bestimmen wird, hinkt hinterher. Die geopolitische Landschaft verschiebt sich nicht nur, sie durchläuft eine tektonische Umgestaltung, die von zwei miteinander verwobenen Kräften angetrieben wird.

Welche sind die beiden von Ihnen genannten geopolitischen Kräfte und wie wirken sie sich aus?

Wir sehen zum einen eine Geopolitisierung von fast allem. Dabei wird das Goldene Zeitalter der nahtlosen Globalisierung von einem eher fragmentierten Mosaik abgelöst. De-Risking – also der Versuch, Risiken durch Abhängigkeiten wie etwa in Lieferketten zu verringern –, Protektionismus und das Ausüben wirtschaftlichen Drucks nehmen zu. Weltweit sind die Länder bestrebt, sich in der sich wandelnden geopolitischen Landschaft zurechtzufinden und weniger anfällig für geopolitische Schocks zu sein. Während viele Sektoren in den vergangenen Jahren bereits entsprechend politisiert wurden – etwa die Bereiche Halbleiter, künstliche Intelligenz (KI), Energie oder Dual-Use-Technologien, die sowohl zivil als auch militärisch verwendet werden können –, könnten sich in den kommenden Jahren eine Reihe weiterer Branchen im geopolitischen Fadenkreuz wiederfinden. Denn die Grenzen zwischen wirtschaftlicher und nationaler Sicherheit verschwimmen zunehmend.

Zum anderen erleben wir eine fließende Neukalibrierung der globalen Ausrichtung. Viele Länder diversifizieren ihre wirtschaftlichen und diplomatischen Partner deutlich. Dadurch entstehen große Chancen. Neue Handelskorridore, Freihandelsabkommen und wachsende regionale Blöcke schaffen neue Strukturen im globalen Handel.

Kennzeichnen diese Entwicklungen das Ende der Globalisierung?

Nein, es ist vielmehr ihre tiefgreifende Metamorphose. Man verliert die positiven Entwicklungen schnell aus den Augen, wenn man sich auf geopolitische Risiken konzentriert. Doch geopolitische Verschiebungen treiben auch die Entstehung neuer Handels- und Investitionskorridore, die Diversifizierung von Lieferketten sowie neue Investitionen in kritische Mineralien, Fertigungsindustrie und Infrastruktur. In verschiedenen Teilen der Welt werden sich dadurch neue Chancen auftun und ausweiten.

Welche Denkweise benötigen Entscheidungsträger in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft, um sich in diesem komplexeren geopolitischen Umfeld zurechtzufinden?

Die Lehre aus den Jahren 2025 und 2026 ist, dass anhaltender geopolitischer Wandel ein neues strukturelles Merkmal unseres sich entwickelnden internationalen Systems ist. Dieses erfordert einen radikalen Wandel weg von einer eher defensiven Haltung hin zu proaktiven, chancenorientierten Strategien. Um diese Komplexität zu meistern, bedarf es einer agilen, vorausschauenden Denkweise, der Fähigkeit, um die Ecke zu denken. Dabei geht es nicht nur darum, Vermögenswerte vor unvorhergesehenen Schocks zu schützen, sondern auch darum, Portfolios strategisch so zu positionieren, dass sie von neuen Chancen profitieren können, die sich aus geopolitischen Veränderungen ergeben.

Sie interessieren sich für die Zusammenhänge geopolitischer Strukturen? Und wollen Ihr Portfolio im Hinblick auf die damit verbundenen Risiken und Chancen überprüfen? Dann vereinbaren Sie jetzt einen persönlichen Gesprächstermin mit Ihrer Beraterin oder Ihrem Berater.

Porträtfoto von Helen Belopolsky

Dr. Helen Belopolsky verfügt über mehr als zwei Jahrzehnte Praxiserfahrung in der Beratung von Regierungen, Finanzinstituten, Unternehmen und einer Vielzahl anderer Organisationen hinsichtlich der Auswirkungen geopolitischer Entwicklungen auf die Märkte. Gemeinsam mit Miha Hribernik, Chief Geopolitical Strategist für Asien, unterstützt sie die Kundinnen und Kunden der Deutschen Bank dabei, Risiken zu antizipieren, strategische Chancen zu identifizieren und in einem zunehmend volatilen Umfeld fundiertere Entscheidungen zu treffen.

Redaktionsschluss: 15. April 2026, 12 Uhr

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