Die wichtigsten Fakten:

  • US-Staatsschulden zuletzt gestiegen – Trend dürfte anhalten
  • Deutsche Bank rechnet aktuell nicht mit zeitnaher US-Schuldenkrise
  • Anleger sollten Schuldenentwicklung dennoch im Auge behalten

Die Staatsschulden der Vereinigten Staaten haben in den vergangenen Jahren sukzessive zugenommen: Seit 2001 wurde in den USA kein Haushaltsüberschuss mehr erzielt. Aktuell steht der US-amerikanische Staat mit mehr als 15 Billionen US-Dollar bei seinen Gläubigern in der Kreide – das entspricht rund 77 Prozent des jährlichen US-Bruttoinlandsprodukts (BIP). Berücksichtigt man den Gesamtstaat, das heißt, die Schulden des Zentralstaats, der Länder, der Gemeinden und Kommunen kommt man aktuell gemäß Internationalem Währungsfonds (IWF) sogar auf rund 108 Prozent des US-BIP für 2018. Eine Trendwende scheint derzeit nicht in Sicht. Im Gegenteil: Nicht zuletzt aufgrund der jüngsten Steuerreform und den damit verbundenen Entlastungen für Privathaushalte und Unternehmen könnte die Schuldenlast auf absehbare Zeit weiter steigen, laut Haushaltsbüro des US-Kongresses (Congressional Budget Office, CBO) um rund 1,5 Billionen US-Dollar.

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Haushaltsdefizit und Staatsverschuldung dürften weiter anziehen

Im kommenden Jahr dürften die US-Staatsausgaben bereits überdurchschnittlich höher ausfallen als die Einnahmen: Das US-Haushaltsdefizit könnte laut CBO 2019 4,6 Prozent des BIP betragen und läge damit über dem Fünfjahresdurchschnitt von 4,1 Prozent. Mit Blick auf die von der öffentlichen Hand gehaltenen Staatsschulden prognostiziert der IWF, dass diese bis 2023 auf 117 Prozent des US-BIP und damit den höchsten Stand seit 1946 klettern könnten. Die IWF-Experten gehen sogar davon aus, dass die USA als einziger der größeren Industriestaaten in den kommenden fünf Jahren ihre Staatsverschuldung ausweiten werden.

Risiko einer US-Schuldenkrise scheint aktuell gering

Müssen sich Anleger angesichts dieser Prognosen Sorgen bezüglich einer drohenden US-Schuldenkrise machen? Die Deutsche Bank geht zum aktuellen Zeitpunkt nicht davon aus. Zwar ist richtig, dass Investoren bei steigender Staatsverschuldung höhere Zinsen für US-Staatsanleihen verlangen könnten. Außerdem verfügen die USA über ein sogenanntes Zwillings- oder auch Doppeldefizit – haben also sowohl ein negatives Haushalts- als auch Leistungsbilanzdefizit. Ein Leistungsbilanzdefizit kann entstehen, wenn beispielsweise ein Land mehr verbraucht und investiert als es produziert und sich daher im Ausland Geld leihen muss. Solch ein Doppeldefizit war in der Vergangenheit bereits bei verschiedenen Staaten mitverantwortlich für eine Schuldenkrise – etwa in Mexiko 1994, in Thailand 1997 oder auch in Argentinien 2002. Im Vergleich zu diesen Staaten verfügen die Vereinigten Staaten jedoch über grundlegend andere Voraussetzungen: Die USA sind die größte Volkswirtschaft der Welt, verfügen über vergleichsweise stabile politische Institutionen und beheimaten zahlreiche weltweit bedeutende, innovative Konzerne, deren Steuern für den Staat eine verlässliche Einnahmequelle darstellen.

US-Staatsverschuldung weitet sich aus – Deutsche Bank rechnet derzeit jedoch nicht mit nahender Schuldenkrise.

US-Dollar: als Reservewährung gefragt

Darüber hinaus dürfte der Status des US-Dollar als globale Reservewährung eine zeitnahe US-Schuldenkrise unwahrscheinlich machen. Rund zwei Drittel aller Währungsreserven sind in US-Dollar denominiert. Staaten weltweit benötigen eine sichere und liquide Möglichkeit, ihre Reserven zu „parken“.

Inflationsentwicklung und US-Notenbank im Auge behalten

Derzeit rechnet die Deutsche Bank nicht mit einer US-Schuldenkrise inklusive deutlich steigender US-Kapitalmarktzinsen. Anleger sollten das Thema aber langfristig auf der Agenda behalten. Kurzfristig könnte eine größere Gefahr von einer steigenden Inflation und einer Fed ausgehen, welche noch stärker die Leitzinsen anheben muss. Unter dem Strich bleiben also die Herausforderungen am Anleihemarkt groß – zumal der jüngste Anstieg der Ölpreise sowie die Entspannung im Konflikt zwischen Nordkorea und den USA die US-Kapitalmarktzinsen zuletzt zusätzlich gestützt haben. Für Anleger scheinen im Anleihebereich daher ein aktives Management sowie eine flexible Laufzeitengestaltung ratsam.

 



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Redaktionsschluss: 11.05.2018