Die wichtigsten Fakten

  • In der Eurozone sind 2016 kaum positive Renditen zu erzielen.
  •  US-Unternehmenssektor mit interessanten Möglichkeiten.
  • Schwellenländer im Jahresverlauf mit möglichem Potenzial.

Geschenkt gab es auch an den Rentenmärkten noch nie etwas: Wer höhere Renditen will, muss seit jeher höhere Risiken in Kauf nehmen. Daran wird sich auch im kommenden Jahr nichts ändern. Was sich jedoch beobachten lässt, ist eine Verschiebung beim Rendite-Risiko-Verhältnis: Einerseits gibt es heute für ein geringes Risiko kaum noch positive Renditen, andererseits müssen Anleger für etwas mehr Renditepotenzial ein überproportional hohes Risiko eingehen. Grund dafür ist die Verzinsung von Staatsanleihen, an der sich alle anderen Anleiheklassen orientieren: So zahlen zum Beispiel Bundesanleihen derzeit 3 bis 4 Prozent weniger Zinsen als noch vor zehn Jahren, woraufhin sich die Renditeniveaus der riskanteren Papiere ebenfalls nach unten angepasst haben. Anleger werden 2016 also schauen müssen, in welchen Anleihesegmenten überhaupt noch interessante Renditen zu akzeptablen Risiken geboten werden.

In 2016 dürften die Anleiherenditen in den bedeutenden Rentenmärkten nur leicht zulegen.

Zinsen in der Eurozone weiter auf sehr niedrigen Niveaus

Etwas vereinfacht lässt sich sagen: Alle Papiere mit guter Bonität dürften in diesem Jahr ihre extrem niedrigen Renditeniveaus halten. Das betrifft Pfandbriefe ebenso wie europäische Unternehmensanleihen mit Investment Grade und Euro-Staatsanleihen. Bei Letzteren wird die Europäische Zentralbank durch ihr Anleiheankaufprogramm die Nachfrage weiter hoch halten – und die Zinsen dadurch niedrig. Wir rechnen für 10-jährige Bundesanleihen zum Jahresende 2016 bei stabilen Kursen mit einer nur leicht steigenden Verzinsung auf 1,05 Prozent, tendenziell sogar eher etwas darunter. Kurzlaufende deutsche Anleihen rentieren, wie auch Papiere zum Beispiel aus Österreich oder Belgien, weiter im negativen Bereich. Etwas mehr gibt es für Staatsanleihen aus Frankreich und Italien sowie den Euro-Peripheriestaaten. Selbst in Portugal oder Irland hat sich die Zinsdifferenz zu Bundesanleihen seit 2011 jedoch stark verringert und dürfte auch aufgrund der vergleichsweise positiven Konjunkturaussichten weiter abnehmen.

Der Blick über den Großen Teich scheint lohnenswert

In den USA dürften die Kapitalmarktzinsen ebenfalls kaum signifikant anziehen – trotz der relativ stabilen Wachstumsprognosen und der Anhebung der Leitzinsen durch die Fed. Einzig die kurzlaufenden 2-jährigen US-Staatsanleihen sollten aufgrund ihrer engen Korrelation mit dem Leitzins leicht zulegen. Das Zinspotenzial bei 10-jährigen Papieren dagegen scheint begrenzt, da vermehrt Anleger aus Niedrigzinsregionen wie der Eurozone oder Japan auf den US-Rentenmarkt drängen dürften. Auf der Suche nach liquiden Anlagen mit überschaubaren Risiken könnten sie den Anlagedruck in den USA weiter hoch und die Zinsen niedrig halten. Gleichzeitig würden diese Kapitalströme zu einer Stützung des US-Dollar führen, die eine Anlage in den USA für Europäer und Japaner zusätzlich interessant macht.

Besonders interessant erscheinen uns aus Rendite-Risiko-Gesichtspunkten US-amerikanische Unternehmensanleihen mit Investment Grade. Während es ihre europäischen Pendants im Durchschnitt derzeit auf 1,55 Prozent bringen, könnten sie 2016 rund 3,6 Prozent erzielen. Unter den Anleihen mit überschaubarem Risiko scheint diese Anleiheklasse derzeit das interessanteste Zins-Risiko-Verhältnis zu bieten.

Vergleich Renditen verschiedener Anleihesegmente in 2015 ggü. 2010.
Vergleich Renditen verschiedener Anleihesegmente in 2015 ggü. 2010.

Hochzins-Anleihen bieten vergleichsweise niedrige Renditen

Wer eine höhere Anleiherendite wünscht, landet weltweit im High-Yield- oder Hochzins-Bereich. Hier dürften die Zinsen zumindest zum Jahresbeginn 2016 das überproportional hohe Anlagerisiko jedoch nicht kompensieren. Für Renditejäger könnte sich daher eher ein Investment in Aktien anbieten. Hinzu kommt, dass der High-Yield-Markt wenig liquide ist. Dadurch kann es passieren, dass Anleger in schlechteren Marktphasen auf ihren Papieren sitzen bleiben, weil sie schlichtweg keinen Käufer finden. Ein US-spezifisches Problem des High-Yield-Marktes ist die starke Konzentration von Energieunternehmen, deren Ausfallraten nach unserer Einschätzung im Jahresverlauf 2016 steigen dürften. Hier sehen wir konkrete Ansteckungsgefahren auch für Unternehmen außerhalb des Energiesektors. Insgesamt könnten die Ausfallraten in den kommenden zwölf Monaten im US-High-Yield-Bereich auf 3 bis 4 Prozent, danach auf 6 Prozent und mehr steigen.

Leichte Erholung in den Schwellenländern möglich

In den Schwellenländern scheinen Hochzinsanleihen ihrem Namen auf den ersten Blick noch alle Ehre zu machen. Im Schnitt rund 7 Prozent Verzinsung sehen zunächst attraktiv aus. Bezieht man die Währungskomponente allerdings mit ein, relativiert sich das Bild sehr schnell. Aufgrund der Abwertungstendenzen ihrer Währungen verbuchten Schwellenländer-Anleihen im Jahr 2015 aus Euro-Sicht eine Gesamtperformance von –4,2 Prozent. Aus US-Dollar-Sicht verloren sie sogar 13,2 Prozent.

Für das Jahr 2016 ist zu beachten, dass zwar ein Großteil der Währungsanpassungen bereits erfolgt zu sein scheint, ein Restrisiko insbesondere im Zusammenhang mit der restriktiveren Geldpolitik der US-Notenbank aber bestehen bleibt. Unter günstigen Bedingungen könnten Schwellenländer-Anleihen im zweiten Halbjahr 2016 wieder in den Fokus von Anlegern rücken.

Die Deutsche Bank hat dieses Marktsegment daher unter sehr genauer Beobachtung, schätzt es aktuell aber für Neuengagements noch als zu riskant ein.

An den Rentenmärkten bleibt professionelle Übersicht gefragt

Das Beispiel der Schwellenländer-Anleihen zeigt anschaulich: Am Rentenmarkt gibt es auf absehbare Zeit keine Rendite ohne Risiko – und manchmal sogar nur Risiko, ganz ohne Rendite. So wurde der hohe Zinskupon der Papiere durch andere Belastungsfaktoren – in diesem Falle die Währungskomponente – aufgezehrt. Entscheidend für Anleger dürfte es daher auch in diesem Jahr sein, bei der Wahl der Anleihesegmente, -laufzeiten und -regionen sehr selektiv vorzugehen, um im Gesamtportfolio ein angemessenes Chance-Risiko-Profil zu erreichen. Dazu können – trotz der geringen Verzinsung – auch defensive Staatsanleihen beitragen, ebenso wie US-Papiere aus dem Unternehmenssektor. Hinzu kommt, dass man den globalen Anleihemarkt ständig und sehr genau beobachten sollte, um auf mögliche politische und wirtschaftliche Entwicklungen schnell und adäquat reagieren zu können. In dem für das Jahr 2016 erwarteten volatilen Marktumfeld könnte sich für Privatanleger daher auch ein aktives Management zum Beispiel in Form eines Rentenfonds anbieten.