Die wichtigsten Fakten:

  • Berichtssaison für das 2. Quartal 2019 nähert sich dem Ende
  • US-Unternehmen mit solider Gewinnentwicklung
  • Defensive Sektoren vor konjunkturabhängigen Branchen

In den vergangenen Wochen dominierten (geld-)politische Entwicklungen die internationalen Kapitalmärkte: zum einen der Handelsstreit zwischen den USA und China, bei dem zwischen Eskalations- und Entspannungssignalen oft nur wenige Tage lagen, zum anderen die Wende von der Zinswende zahlreicher Zentralbanken. Die laufende Berichtssaison für das 2. Quartal 2019 geriet dabei medial ein Stück weit in den Hintergrund. Das ändert jedoch nichts an der hohen Relevanz der Unternehmenszahlen aus den USA, Europa und Japan für die Aktienmarktentwicklung.

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USA: Solide Unternehmensberichte, Ausblick hellt sich auf

In den USA haben bislang 95 Prozent der im Leitindex S&P 500 gelisteten Unternehmen ihre Zahlen vorgelegt. Die Ergebnisse sind solide: Die Gewinne lagen im Schnitt 3 Prozent über dem Vorjahreszeitraum und 5 Prozent über den Erwartungen der Analysten, die mit sinkenden Erträgen gerechnet hatten. Die Wahrscheinlichkeit einer von einigen Marktteilnehmern erwarteten Gewinnrezession scheint damit gesunken. Mit Ausnahme der Energie- und der Grundstoffbranche, die unter den im Laufe des 2. Quartals gesunkenen Preisen für Öl und Industriemetalle litten und Gewinneinbußen von 9 beziehungsweise 13 Prozent hinnehmen mussten, konnten sämtliche Sektoren ihre Gewinne steigern. Am stärksten legten die Gesundheitsbranche (18 Prozent) sowie die Kommunikationsdienstleister (10 Prozent) zu.

Defensive Sektoren stärker als konjunkturabhängige Branchen

Bemerkenswert ist die Diskrepanz zwischen zyklischen, also konjunkturabhängigen, und defensiven Sektoren: Während Zykliker ihre Gewinne durchschnittlich um lediglich 1 Prozent steigern konnten, schafften Unternehmen aus defensiven Sektoren im Schnitt ein Plus von 9 Prozent. Beim Umsatzwachstum fällt der Vergleich mit null gegenüber 11 Prozent Wachstum noch deutlicher zugunsten der „Defensiven“ aus. Interpretiert werden kann dieses Ergebnis als Ausdruck der abnehmenden globalen Konjunkturdynamik. Dabei zeigen sich US-Unternehmen hinsichtlich der weiteren Aussichten optimistischer als zuletzt: Der Anteil der Unternehmen, die ihre Gewinnprognose für die nächsten zwölf Monate nach oben korrigiert haben, liegt erstmals seit zwei Quartalen wieder über dem historischen Durchschnitt von 40 Prozent.

Berichtssaison 2. Quartal 2019: Solide Gewinnentwicklung in den USA – in Europa und Japan deutlich schwächer.

Leichter Gewinnrückgang in Europa

Weniger positiv verlief die Berichtssaison in Europa. Von den knapp 80 Prozent der Unternehmen aus dem Leitindex Stoxx 600, die bereits ihre Zahlen vorgelegt haben, konnte zwar rund die Hälfte die Gewinnerwartungen übertreffen – was für Europa kein schlechter Wert ist. Insgesamt steht im Vergleich zum Vorjahreszeitraum jedoch ein Gewinnrückgang von fast 3 Prozent zu Buche. Nur in sechs von elf Sektoren legten die Gewinne zu. Positiv hervor stechen Immobilienunternehmen mit einem Plus von 92 Prozent sowie Versorger (19 Prozent) und Technologiekonzerne (13 Prozent). Zu den größten Verlierern gehören rohstoffpreisabhängige Branchen wie Energie und Grundstoffe sowie die Hersteller zyklischer Konsumgüter und Unternehmen aus dem Finanzsektor.

Japan: Unternehmensgewinne sinken um 9 Prozent

In Japan fallen die Ergebnisse ebenso schwach aus. Nachdem 80 Prozent der Unternehmen aus dem Leitindex Topix berichtet hatten, übertrafen zwar ebenso wie in Europa rund 50 Prozent die Gewinnerwartungen – im Vergleich zum 2. Quartal 2018 sanken die Gewinne allerdings um 9 Prozent. Nach Rückgängen von 1 Prozent im 4. Quartal 2018 beziehungsweise 7 Prozent im 1. Quartal 2019 rutscht das Gewinnwachstum damit weiter in den negativen Bereich. Auch hier stehen die zyklischen Sektoren mit Gewinnrückgängen von durchschnittlich 16 Prozent besonders stark unter Druck. Bei den defensiven Sektoren sanken die Erträge lediglich um 1 Prozent.

US-Aktien interessanter als japanische und europäische Papiere

Aktuell gelingt es den US-Unternehmen am besten, ihre Gewinne trotz der globalen wirtschaftlichen Herausforderungen zu steigern. Das liegt zum einen an ihrer vergleichsweise hohen Binnenmarktorientierung, was die Geschäftsentwicklung sowohl von zyklischen als auch von defensiven Branchen weniger abhängig von Entwicklungen im Ausland macht. Zum anderen ist der S&P 500 insgesamt defensiver aufgestellt, was sich im aktuellen Umfeld positiv auf dessen Kursentwicklung auswirken dürfte. In Europa und Japan spielen zyklische Sektoren und der Export hingegen eine bedeutendere Rolle, weshalb die global abnehmende Konjunkturdynamik für die Unternehmen eine größere Belastung darstellt. Anleger könnten innerhalb ihres Aktienportfolios daher aktuell ein besonderes Augenmerk auf US-Papiere legen. Darüber hinaus dürften die in den USA in der Regel höheren Aktienrückkäufe seitens der Unternehmen die Kurse zusätzlich stützen.



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Anlagewissen

Redaktionsschluss: 28.08.2019