Die wichtigsten Fakten:

  • Der Nachholbedarf bei Infrastrukturmaßnahmen steigt weltweit
  • Der demografische Wandel verstärkt die Herausforderungen
  • Infrastruktur als Investmentthema langfristig interessant

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier – alles, was wir täglich nutzen, wird uns schnell zur Selbstverständlichkeit: Waren es vor rund 100 Jahren Autos oder die Elektrizität, so sind es heute Hochgeschwindigkeitszüge oder die Errungenschaften der Digitalisierung. Immer dynamischer schreitet die technische Entwicklung voran und stellt die Volkswirtschaften weltweit vor große Herausforderungen. Denn auch wenn wir uns dessen meist gar nicht bewusst sind, nehmen die notwendigen Voraussetzungen für unser modernes Leben stetig zu: Noch immer brauchen wir für unsere Autos Straßen und für den Transport von Energie Stromtrassen, gefordert sind aktuell aber auch leistungsstarke Mobilfunknetze als Basis für die mobile Internetnutzung. Den Erhalt als auch die Entwicklung einer Volkswirtschaft ermöglichen aber auch die sogenannten sozialen Infrastrukturen. Gemeint sind damit die Bereitstellung und der Unterhalt von Bildungs-, Kultur- oder Gesundheitseinrichtungen. Kurzum: Infrastrukturen sind die Grundlage unseres modernen Lebens und der Wertschöpfungsketten einer arbeitsteiligen, globalen Wirtschaft.

Dem Portfolio Struktur geben: Was „Infrastruktur“ als langfristiges Investmentthema so interessant macht.

Weltweiter Nachholbedarf

Doch in vielen Regionen unseres Planeten mangelt es bereits an der grundsätzlichen Infrastruktur: Weltweit haben rund zwei Milliarden Menschen keinen sicheren Zugang zu Trinkwasser, eine Milliarde lebt ohne Strom, insbesondere in ländlichen Regionen. Auch in den entwickelten Ländern sind Infrastrukturinvestitionen nötig. Viele Verkehrswege sind veraltet und den modernen Anforderungen nicht mehr gewachsen. Die Amerikanische Gesellschaft für Bauingenieure etwa bescheinigt den Straßen und Schienen in den Vereinigten Staaten einen „überwiegend unterdurchschnittlichen Zustand“. Im Autoland Deutschland ist fast jede dritte Autobahnbrücke älter als 100 Jahre – eine Vielzahl davon akut sanierungsbedürftig.

Der Grund für die vielerorts maroden Infrastrukturen sind zu geringe Investitionen in deren Unterhalt und Erneuerung. Die stetig steigende Staatsverschuldung zahlreicher Nationen und daraus resultierende Budgetengpässe erschweren den Infrastrukturausbau. Seit der Finanzkrise 2008 sind in 11 der 20 größten Volkswirtschaften die Infrastrukturausgaben relativ zum BIP gesunken.

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Herausforderung demografischer Wandel

Dass es vielen Volkswirtschaften nicht gelingt, ihre Infrastrukturen nachhaltig zu stärken, liegt auch am demografischen Wandel und der fortschreitenden Urbanisierung. Im Jahr 2050 werden Prognosen zufolge weltweit mehr als zwei Milliarden Menschen älter als 60 Jahre sein. Damit wird voraussichtlich auch der Bedarf für Einrichtungen zur medizinischen Versorgung und Pflege immens steigen. Im Jahr 2050 dürften zwei Drittel aller Menschen auf der Erde in Städten leben – aktuell sind es bereits rund 55 Prozent. Global betrachtet verlassen aktuell jeden Tag rund 180.000 Menschen den ländlichen Raum und ziehen in urbane Siedlungen. Durch die Urbanisierung wird zum einen die Bevölkerungsdichte in den Städten weiter zunehmen, was die Auslastung bestehender Infrastrukturen erhöht und Investitionen nötig macht. Zum anderen dürften sich viele Städte in infrastrukturell noch nicht erschlossenes Umland ausbreiten. Insgesamt dürfte die Weltbevölkerung bis zum Jahr 2040 um 1,8 Milliarden Menschen wachsen – mit entsprechenden Auswirkungen auf alle Infrastrukturbereiche. Die globale Investitionslücke könnte sich bis zum Jahr 2040 auf rund 18 Billionen US-Dollar ausweiten – mit mehr als 9 Billionen US-Dollar dürften die asiatischen Staaten hier den größten Nachholbedarf anhäufen.

Kooperationen zwischen öffentlicher Hand und Privatwirtschaft

Investitionsprogramme wie der Infrastrukturplan des US-Präsidenten Donald Trump oder der „Juncker-Plan“ der Europäischen Union mit Volumen von 1,5 Billionen US-Dollar bzw. 500 Milliarden Euro, aber auch Chinas Projekt der „neuen Seidenstraße“ – ein Handelsnetzwerk zwischen Asien, Afrika und Europa – sind eine Möglichkeit, dem wachsenden Investitionsbedarf zu begegnen. Zudem könnten Public-private-Partnerships (PPP, zu Deutsch: öffentlich-private Partnerschaften), welche bei den geplanten Investitionsprogrammen eine bedeutende Rolle spielen dürften, die Staatskassen entlasten. Dabei handelt es sich um Kooperationen der öffentlichen Hand mit Unternehmen aus der Privatwirtschaft, durch die privates Kapital und Know-how in Infrastrukturprojekte fließt.

Verschiedene Studien belegen die Vorteile von PPPs. Eine australische Untersuchung von 54 PPP-Projekten etwa kam zu dem Ergebnis, dass nur 1 Prozent der Projekte den Budgetrahmen überschritt und sie im Schnitt schneller abgeschlossen waren als im Zeitplan vorgesehen – anders als „klassische“ Projekte, die oft Verzögerungen aufweisen. Der Ansatz birgt jedoch auch Risiken – beispielsweise bei mangelnder politischer Transparenz in Schwellenländern oder aufgrund zum Teil hoher bürokratischer Hürden in Industriestaaten.

Breit gestreute Investmentmöglichkeiten

Insgesamt dürfte der Markt für Infrastruktur in den kommenden Jahren deutlich wachsen, Schätzungen zufolge von aktuell 3 bis 4 Billionen US-Dollar auf 8 Billionen US-Dollar im Jahr 2030. Das könnte entsprechend risikobereiten, langfristig orientierten Anlegern interessante Investmentmöglichkeiten eröffnen – zum Beispiel in Branchen wie sozialer Infrastruktur, Bau- und Immobilienwesen oder auch im Straßen- beziehungsweise Schienensegment.



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Redaktionsschluss: 11.07.2019