Die wichtigsten Fakten:

  • Schwellenländeraktien zuletzt mit positiver Kursentwicklung
  • Positiver Trend könnte anhalten
  • Globale Konjunkturabkühlung als möglicher Belastungsfaktor

Es vergeht kaum ein Tag ohne neue Entwicklungen im Handelsstreit zwischen den USA und China. Lange sah es nach einer Entspannung aus, doch Anfang Mai kündigte Donald Trump plötzlich neue Zölle auf chinesische Waren an und verhängte Mitte desselben Monats Sanktionen gegen den größten chinesischen Telekommunikationsanbieter. In absehbarer Zeit könnten unbestätigten Meldungen zufolge weitere Unternehmen aus dem Reich der Mitte ins Visier des US-Präsidenten geraten, während China im Gegenzug selbst an einer „schwarzen Liste“ mit „unzuverlässigen“ ausländischen Unternehmen arbeitet. Insgesamt tragen diese Entwicklungen nicht gerade zu einer Beruhigung der Märkte bei, sondern sorgen stattdessen für stetig wachsende Nervosität unter den Marktteilnehmern.

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Schwellenländeraktien mit Trendwende

In den Schwellenländern führte die zunehmende Verunsicherung nach einem guten ersten Quartal zu Verlusten an den Aktienmärkten: Der breite Schwellenländerindex MSCI Emerging Markets verlor nach der erneuten Eskalation des Handelsstreits Anfang Mai vom 3. Mai 2019 bis zum 23. Mai 2019 knapp 9 Prozent seines Wertes. Seitdem geht es mit den Notierungen jedoch wieder aufwärts, bis zum 28. Juni 2019 stehen Kursgewinne von etwa 6,1 Prozent zu Buche – eine positive Entwicklung, die sich durch alle Sektoren zieht. Grund für den Aufschwung ist insbesondere die expansiver erwartete Geldpolitik in den USA, die Aktien aus den aufstrebenden Volkswirtschaften nach Einschätzung der Deutschen Bank stützen dürfte.

Schwächerer US-Dollar gut für Schwellenländer

Aktuell rechnen die Marktteilnehmer mit drei Leitzinssenkungen der US-Notenbank Federal Reserve in diesem Jahr. In ihrer jüngsten geldpolitischen Sitzung beurteilten die US-Währungshüter das gesamtwirtschaftliche Umfeld zunehmend verhalten: Sie signalisierten deutlich, dass eine Zinssenkung bevorstehen könnte, sollten sich die konjunkturellen Rahmenbedingungen nicht verbessern. Nach Einschätzung der Deutschen Bank dürfte die US-Notenbank bereits im Juli 2019 den Leitzins senken. Das dürfte zu einer Schwächung des US-Dollar beitragen. Seit Ende Mai 2019 hat der „Greenback“ gegenüber einem Korb von Schwellenländerwährungen bereits um rund 2 Prozent abgewertet. Davon profitieren insbesondere Volkswirtschaften, deren Verschuldung zum großen Teil in US-Dollar denominiert ist, da die Schulden in der jeweiligen Landeswährung gerechnet sinken.

Abnehmende Weltkonjunktur möglicher Belastungsfaktor

Zu einer Belastung für die Schwellenländer könnte hingegen die abnehmende Dynamik der Weltkonjunktur werden, die vom Handelsstreit noch verstärkt wird. Der globale Stimmungsindikator für das Verarbeitende Gewerbe beispielsweise sank im Mai 2019 auf 49,8 Saldenpunkte. Damit liegt er auf dem niedrigsten Stand seit drei Jahren und leicht unter der 50-Punkte-Marke – Werte darüber deuten auf eine wirtschaftliche Expansion. Abgemildert werden könnte die globale Wachstumsverlangsamung von einer expansiveren Geldpolitik, nicht nur in den USA. Im portugiesischen Sintra wies EZB-Präsident Mario Draghi darauf hin, dass die Geldpolitik wieder expansiver gestaltet werden könnte, sollte die Inflation weiter die EZB-Zielmarke verfehlen. Australien sowie Indien senkten jüngst bereits ihre Leitzinsen.

Abwärtstrend gestoppt: Gesunkener Ölpreis und expansivere Geldpolitik stützen Schwellenländeraktien.

Positives Umfeld für Schwellenländerinvestments

Insgesamt scheint das Umfeld für die Schwellenländer aktuell intakt. Das spiegelt sich auch im erwarteten Wirtschaftswachstum für 2019 wider: Die Deutsche Bank rechnet für die aufstrebenden Volkswirtschaften mit einem Konjunkturplus von 4,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr – im Vergleich zu 1,8 Prozent in den Industrieländern. Wachstumstreiber innerhalb der Ländergruppe bleiben China mit einem prognostizierten Wachstum von 6,2 Prozent sowie Indien mit 6,5 Prozent, wo die Wiederwahl von Premierminister Modi für zusätzliche Stabilität sorgen dürfte. Das spiegelt sich auch in den Gewinnerwartungen der Schwellenländerunternehmen wider: Trotz der zuletzt negativen Gewinnrevisionen rechnet die Analystengemeinde in diesem Jahr mit einem Gewinnwachstum von soliden 5,0 Prozent und 2020 sogar mit einem Plus von 14,1 Prozent. Für entsprechend risikobereite Anleger mit einem langfristigen Anlagehorizont könnte ein breit gestreutes Schwellenländerinvestment somit eine interessante Anlagemöglichkeit darstellen.



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Redaktionsschluss: 01.07.2019