Die wichtigsten Fakten:

  • Bislang wechselhaftes Jahr für Schwellenländeraktien
  • Zuletzt solidere Kurserholung
  • Konjunktur- und Gewinnprognosen für 2020 positiv

Stark angefangen, dann stark nachgelassen und zuletzt wieder erholt – so lässt sich die Entwicklung von Schwellenländeraktien im bisherigen Jahresverlauf 2019 zusammenfassen. Nach deutlichen Kursgewinnen zum Jahresanfang musste der breite Schwellenländerindex MSCI Emerging Markets (MSCI EM) aufgrund der Eskalation im Handelsstreit zwischen den USA und China seine Jahresgewinne bis Ende August fast komplett wieder abgeben. Im Zuge der Entspannung ging es im Handelskonflikt wieder aufwärts: Aktuell liegt der MSCI EM inklusive Dividenden im Vergleich zum Jahresbeginn in Euro gerechnet mehr als 16 Prozent im Plus.

Kurstreiber China, Performance-Primus Russland

Maßgeblicher Treiber der insgesamt positiven Wertentwicklung waren chinesische Aktien, die fast 30 Prozent im MSCI EM ausmachen: Sie legten seit Jahresbeginn um knapp 20 Prozent zu. Die Notierungen taiwanesischer Aktien, die zwischenzeitlich wie chinesische Papiere stark unter dem Handelsstreit litten, stiegen sogar um rund 35 Prozent. Der Top-Performer 2019 unter den Schwellenländern ist bislang jedoch Russland: An der Moskauer Börse kletterten die Kurse seit Januar um fast 47 Prozent nach oben (alle Angaben in Euro gerechnet inklusive Dividenden). Maßgeblicher Grund für diese Rallye war das „doppelte konjunkturelle Sicherheitsnetz“ des Landes, geknüpft aus hohen Realzinsen und einem Haushaltsüberschuss. Dies ermöglicht das Auflegen von Fiskalpaketen – ohne die Finanzstabilität Russlands zu gefährden. Zudem stieß Russland unter Investoren wieder vermehrt auf Interesse, weil im Jahresverlauf zusätzliche US-Sanktionen ausblieben.

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Erholung der Konjunktur erwartet

Abgesehen von den Entwicklungen im Handelsstreit dürften die Kurse an den Schwellenländerbörsen im kommenden Jahr insbesondere von der globalen Konjunktur abhängen. Für das Weltwirtschaftswachstum prognostiziert die Deutsche Bank für 2020 ein Plus von 3,2 Prozent. Das wären zwar nur 0,1 Prozentpunkte mehr als für 2019 erwartet, jedoch dürfte das weltwirtschaftliche Gewicht der Schwellenländer weiter zunehmen: Während die erwarteten Wachstumsquoten in den USA, der Eurozone und Japan 2020 niedriger ausfallen dürften als 2019, rechnet die Deutsche Bank für die Schwellenländer im Raum Europa und Naher Osten mit einer Zunahme des Wachstums von 2,0 Prozent im Jahr 2019 auf 2,7 Prozent 2020. Ähnliches gilt für die Länder Lateinamerikas (von 0,5 Prozent auf 1,6 Prozent) und für den asiatischen Raum (von 5,6 Prozent auf immerhin 5,8 Prozent). Damit könnte sich der Wachstumsunterschied zwischen den Industrie- und Schwellenländern von 2,5 auf 3,3 Prozentpunkte ausweiten. Solch eine hohe Differenz führte bereits in der Vergangenheit häufig zu verstärkten Kapitalzuflüssen in die aufstrebenden Volkswirtschaften.

Solide Gewinnerwartungen für die Schwellenländer

Mit der Konjunktur dürfte sich auch das Gewinnwachstum der Unternehmen in den Schwellenländern erholen. Während die Analystengemeinde für die Unternehmen im MSCI EM für das Jahr 2019 mit einem Gewinnplus von nur 0,6 Prozent rechnet, liegen die aktuellen Erwartungen für 2020 mit 14,5 Prozent deutlich darüber. Damit wären die Schwellenländer den Industrieländern auch hier um einiges voraus: In den USA und Europa wird im kommenden Jahr mit rund 5 Prozentpunkten weniger Gewinnwachstum gerechnet.

Das höhere Gewinnwachstum der Schwellenländer ist unter anderem auf die Unternehmen aus Südkorea und der Türkei zurückzuführen. In beiden Volkswirtschaften bewegt sich das erwartete Gewinnplus für 2020 mit rund 28 Prozent beziehungsweise 34 Prozent deutlich über dem Durchschnitt aller Schwellenländer. Hauptgrund dafür sind allerdings die zum Teil deutlich abnehmenden Gewinne, mit denen für dieses Jahr gerechnet wird. Des Weiteren könnte die in Indien von der Regierung beschlossene Senkung der Unternehmenssteuer die indischen Unternehmensgewinne im kommenden Jahr beflügeln – die aktuelle Wachstumsprognose liegt bei knapp 26 Prozent.

Gute Konjunktur- und Gewinnaussichten für 2020: steigende Aktienkurse in den Schwellenländern möglich.

Breites Schwellenländerinvestment bleibt interessant

Grundsätzlich sollten Anleger beachten, dass es sich bei Schwellenländeraktien um vergleichsweise schwankungsanfällige Investments handelt – wie das Jahr 2019 bewiesen hat. Das gilt umso mehr in Zeiten globaler Handelsstreitigkeiten. Aufgrund der erwarteten Stabilisierung der Konjunktur in Schwellenländern und der positiven Gewinnprognosen dürften Schwellenländeraktien im kommenden Jahr für entsprechend risikobereite Anleger jedoch eine interessante Beimischung im Depot bleiben. Zumal viele Schwellenländer aufgrund einer soliden Finanzlage in der Lage sein werden, ihre Wirtschaft bei Bedarf mit fiskalischen Maßnahmen zu stützen. Ratsam erscheint ein breit gestreutes Schwellenländerinvestment oder – falls ein gezielteres Investment gewünscht ist – ein breites Engagement in der Wachstumsregion Asien.



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Redaktionsschluss: 14.11.2019