Die wichtigsten Fakten:

  • Deutscher Aktienindex feiert sein 30-jähriges Bestehen
  • Durchschnittlich brachte der DAX Anlegern bisher eine beachtliche Rendite
  • Positiver Trend könnte sich fortsetzen

Bis ins Jahr 1988 war es schwer, sich ein Gesamtbild vom deutschen Aktienmarkt zu machen. Zwar führten beispielsweise die Frankfurter Allgemeine Zeitung oder die Börsen-Zeitung bereits eigene Indizes, an denen sich die Entwicklung wichtiger Aktien ablesen ließ. Diese standen jedoch in Konkurrenz zueinander. Ein allgemein anerkanntes Börsenbarometer gab es nicht. Britische Finanzexperten sollen damals gescherzt haben, dass es in Deutschland nur wenige Aktien gebe – dafür umso mehr Indizes.

Das änderte sich im Jahr 1988, als am 1. Juli der DAX an den Start ging und fortan die Wertentwicklung der 30 bedeutendsten deutschen Aktien abbildete. Als Ausgangskurs wurden 1.000 Punkte per 31. Dezember 1987 festgelegt. Damit gab es nun auch in Deutschland einen „Leitindex“, der Anlegern als Indikator für die Lage am Aktienmarkt dienen konnte. Seither schreibt der DAX eine Erfolgsgeschichte, wenn auch mit turbulenten Kapiteln. So sorgten beispielsweise die beiden Irakkriege und der Terroranschlag auf das World Trade Center in New York für teils erhebliche Kursverluste. Im Zuge der geplatzten New-Economy-Blase verlor der DAX im Jahr 2002 sogar mehr als 40 Prozent. Im ungünstigsten Fall konnten DAX-Anleger in der Geschichte des Leitindex temporär sogar 70 Prozent ihres investierten Kapitals verlieren.

Tägliche Kapitalmarkteinschätzung per E-Mail. Jetzt informieren

Nerven bewahren zahlte sich bisher immer aus

Der deutsche Leitindex stellte die Nerven seiner Anleger also regelmäßig auf die Probe. Ruhe bewahren und investiert bleiben zahlte sich bislang jedoch meistens aus. Das war auch während der jüngsten Finanzkrise der Fall, als der deutsche Leitindex von Juli 2007 bis Februar 2009 rund die Hälfte seines Wertes verlor. Vier Jahre später hatte er sein Vorkrisenniveau von rund 8.000 Punkten jedoch wieder erreicht und entwickelte sich seither deutlich positiver. Anleger, die deutsche Aktien im Rahmen eines gemanagten Investments im Depot hatten, konnten einen Teil der Krisenverluste gegebenenfalls vermeiden und früher wieder auf eine positive Performance blicken.

Insgesamt stieg der DAX trotz aller temporären Einbrüche seit Auflegung bis heute um insgesamt über 1.300 Prozent und bescherte seinen Anlegern eine durchschnittliche jährliche Rendite von knapp 9 Prozent. Zu diesem Ergebnis trugen Dividenden einen wesentlichen Teil bei. Denn anders als andere wichtige Leitindizes wie der US-amerikanische S&P 500 oder der japanische Nikkei 225 wird der DAX nicht als Kurs-, sondern als Performanceindex berechnet. Das heißt, zusätzlich zu den Notierungen der enthaltenen Aktien werden bei der Berechnung des DAX-Kurses auch die Ausschüttungen der DAX-Unternehmen berücksichtigt.

Im Vergleich zu vielen anderen Leitindizes zeichnet den DAX zudem eine starke Gewichtung zyklischer, also konjunkturabhängiger Branchen aus. Das macht den Index zwar insgesamt schwankungsanfälliger – wirkt sich in Phasen eines konjunkturellen Aufschwungs in der Regel jedoch positiv auf dessen Kursentwicklung aus: 2017 zeigte der deutsche Leitindex mit einem Plus von rund 12 Prozent eine starke Entwicklung, während der Weltleitindex MSCI World zum Vergleich in Euro gerechnet rund 8 Prozent zulegte. Und die Voraussetzungen für weiter steigende DAX-Kurse scheinen derzeit gegeben.

Großteil der Umsätze wird im Ausland erzielt

2017 überraschte die Weltwirtschaft mit einem starken Wachstum von 3,8 Prozent – dem größten Plus seit 2011. Für 2018 erwartet die Deutsche Bank eine Fortsetzung des positiven Trends und ein Wachstum, das mit 3,9 Prozent sogar noch über dem Vorjahreswert liegen könnte.

Davon dürfte die deutsche Wirtschaft, für die die Deutsche Bank 2018 mit einem Plus von 2,3 Prozent rechnet, ebenso profitieren wie die sehr international aufgestellten Unternehmen im DAX. Denn deutsche Unternehmen erzielen einen Großteil ihrer Umsätze im Ausland: Bei den 30 Konzernen im DAX sind es mehr als drei Viertel. Und die Ausfuhren deutscher Unternehmen dürften 2017 mit einem Gesamtvolumen von mehr als 1,2 Billionen Euro das vierte Jahr in Folge einen neuen Rekord erreicht haben. Auch im kommenden Jahr dürfte sich der zyklische globale Aufschwung nach Einschätzung der Deutschen Bank fortsetzen – und die Unternehmen in der Bundesrepublik sowie den Deutschen Aktienindex weiterhin stützen.

Das positive weltwirtschaftliche Umfeld könnte darüber hinaus durch einen Trend gestützt werden, der bereits im vergangenen Jahr zunehmend zum Wachstum beigetragen hat: die Investitionstätigkeit der Unternehmen. Denn deren Auslastung hat zuletzt immer weiter zugenommen. Manche Firmen arbeiten an der Kapazitätsgrenze, was den Erwerb von beispielsweise Maschinen oder Produktionsgebäuden oder auch Investitionen in die Digitalisierung fördern dürfte. Das kostet kurzfristig zwar Geld, könnte langfristig jedoch zu höherem Wachstum und Effizienzsteigerungen führen.

Ebenso gut wie die ökonomischen Voraussetzungen ist die Stimmung unter den Unternehmens-lenkern. Das belegen verschiedene Frühindikatoren wie der wichtige ifo Geschäftsklimaindex. Dieser zeichnet aktuell ein positives Bild – sowohl von der aktuellen Geschäftslage als auch mit Blick auf die Zukunftserwartungen der Unternehmenslenker.

Interessante Gewinnerwartungen für deutsche Unternehmen

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und die Zuversicht der Konzernführer lassen also optimistisch auf das deutsche Börsenjahr 2018 blicken: Für das Gesamtjahr 2018 rechnen die Analysten für die Unternehmen im DAX mit Gewinnsteigerungen von 10,1 Prozent. Das ist mehr als beispielsweise für den gesamteuropäischen Aktienindex Stoxx 600, für den ein Gewinnwachstum von 9,6 Prozent erwartet wird. Für verschiedene zyklische Branchen liegen die Erwartungen sogar deutlich darüber. Das gilt beispielsweise für das Baugewerbe und den Einzelhandel ebenso wie für den Industriesektor.

Angesichts dieser Prognosen sind deutsche Aktien nach wie vor interessant bewertet: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) auf Basis der Gewinnerwartungen für die kommenden 12 Monate liegt mit 13,7 derzeit deutlich niedriger als beispielsweise im Stoxx 600, der mit einem KGV von 15,2 gehandelt wird.

Schwankungen könnten zunehmen

Bei den insgesamt positiven Aussichten sollten sich Anleger jedoch darauf einstellen, dass die kommenden Monate im DAX weniger ruhig verlaufen könnten als im eher ungewöhnlichen, von tendenziell steigenden Kursen und geringen Schwankungen geprägten Jahr 2017. Zu den Risikofaktoren gehören mögliche politische Unsicherheiten. Darüber hinaus gilt es, die Geldpolitik im Blick zu behalten: Sollte die Inflation in der Eurozone schneller steigen als erwartet, könnte sich die Europäische Zentralbank zu einem aggressiveren Ausstieg aus ihrer expansiven Geldpolitik gedrängt fühlen – was zu einer Herausforderung für die Kapitalmärkte werden könnte. Der grundsätzliche Ausblick ist jedoch positiv: Am Jahresende 2018 erwartet die Deutsche Bank den DAX bei 14.100 Punkten.

DAX als interessanter Bestandteil des Depots

Entsprechend risikobereite Anleger dürften im Deutschen Aktienindex auch weiterhin eine interessante Beimischung fürs Depot finden – vorausgesetzt sie verfügen über einen langfristigen Anlagehorizont und die Nervenstärke, auch größere Schwankungen auszuhalten. Denn wie die bisherige Geschichte des deutschen Leitindex gezeigt hat, sind auch deutliche Kursrücksetzer nicht auszuschließen. Gleichzeitig werden sich aber immer wieder auch neue Trends und Technologien etablieren, die den Unternehmen und der Kursentwicklung neue Impulse geben – aktuell zum Beispiel die fortschreitende Digitalisierung.

Positives Umfeld: Deutsche Bank sieht für den deutschen Aktienindex weiteres Kurspotenzial.

Nimmt man die ersten 30 Jahre zum Maßstab, in denen sich der DAX verdreizehnfachte, könnte er bis 2048 rein hypothetisch auf 169.000 Punkte klettern, wenngleich solche Langfristprognosen naturgemäß schwierig sind. Doch auch bei einem kürzeren Anlagehorizont können sich deutsche Unternehmensbeteiligungen auszahlen. Zum Beispiel im Rahmen einer aktiv gemanagten Aktienanlage.

Die guten Aussichten für den deutschen Leitindex könnten in Zukunft vielleicht auch mehr Deutsche für Aktien begeistern als bisher: Im Jahr 2016 besaßen nur knapp 9 Millionen Deutsche ein Aktieninvestment. Und das, obwohl sich ihr Heimatmarkt unter internationalen Investoren großer Beliebtheit erfreut.



Aktuelle Marktkommentare erhalten Sie im täglichen Newsletter „PERSPEKTIVEN am Morgen“.

Jetzt anmelden

Anlagewissen

Redaktionsschluss: 01.02.2018