Die wichtigsten Fakten:

  • Hohe Investitionen in 5G-Ausbau wahrscheinlich
  • Halbleiterhersteller könnten davon profitieren
  • Aktuell belastet der Handelsstreit zwischen den USA und China die Branche

Der neue Mobilfunkstandard 5G gehört zu den Schlüsseltechnologien der Digitalisierung. Er ermöglicht eine nahezu verzögerungsfreie Datenübertragung und ist Voraussetzung für zukunftsweisende Anwendungen, beispielsweise in den Bereichen autonomes Fahren, Internet der Dinge und Künstliche Intelligenz. Durch seine hohe Relevanz für solche Technologien spielt 5G auch im Handelsstreit zwischen den USA und China eine zentrale Rolle. Denn dabei handelt es sich nicht nur um einen Zollkonflikt, sondern auch um einen Kampf um die Technologie- und Innovationsführerschaft – wie zuletzt eine Maßnahme Donald Trumps zeigte: Der US-Präsident setzte den größten chinesischen Telekommunikationsanbieter und 5G-Netzwerkausrüster auf die „schwarze Liste“. Ab August 2019 dürfen US-Unternehmen ohne Ausnahmegenehmigung keine Geschäfte mehr mit dem Weltmarktführer machen.

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Aktienkurse von Halbleiterherstellern unter Druck

Aufgrund der Größe und Bedeutung des sanktionierten chinesischen Unternehmens für den Telekommunikationssektor sowie möglicher Gegenmaßnahmen Chinas tauchten Fragen zu den globalen Lieferketten der Technologiebranche auf. Diese Entwicklungen setzten die Aktienkurse von Halbleiterherstellern in den vergangenen Wochen unter Druck. Das galt auch für Unternehmen, die Chips für den 5G-Netzaufbau und entsprechende Anwendungen produzieren und sich in den vergangenen Monaten relativ stabil entwickelt hatten. Insgesamt verlor der breite Branchenindex Philadelphia Semiconductor, der wohl bedeutendste Aktienindex für die Halbleiterindustrie, seit seinem Jahreshöchststand am 24. April 2019 bis zum 5. Juni 2019 rund 15 Prozent seines Wertes. Maßgeblich für die deutlichen Verluste ist die Sorge der Marktteilnehmer vor einer niedrigeren Nachfrage nach US-Chips sowie vor einer Gegenreaktion Chinas auf die US-Sanktionen, zum Beispiel in Form von Marktzugangsbeschränkungen für US-Halbleiterproduzenten. Insbesondere Letzteres könnte die Branche empfindlich treffen: Die US-Halbleiterindustrie erwirtschaftet rund 30 Prozent ihres Gesamtumsatzes in China.

Schwächelnde Nachfrage am Halbleitermarkt

Der Handelsstreit ist aktuell jedoch nicht die einzige Herausforderung für die Halbleiterbranche. Darüber hinaus schwächelt bereits seit einiger Zeit die Nachfrage auf nahezu allen Halbleitermärkten. Das gilt insbesondere für den Smartphonebereich, da Konsumenten ihre Geräte seltener austauschen. Daher befinden sich die Lagerbestände der Chiphersteller auf überdurchschnittlich hohem Niveau, was die Margen der Unternehmen unter Druck setzt. Zwar preisen die Marktteilnehmer eine Erholung der Absätze im zweiten Halbjahr 2019 ein. Die Deutsche Bank bleibt jedoch skeptisch, ob diese eintreten wird.

Kurzfristig schwankungsanfällig, langfristig mit Potenzial

Insgesamt dürften Aktien von Halbleiterherstellern damit auf absehbare Zeit schwankungsanfällig bleiben. Sollte die Nachfrage in der zweiten Jahreshälfte unerwartet deutlich steigen – etwa aufgrund einer Lösung des Handelsstreits –, könnte sich die Branche jedoch erholen. Auf lange Sicht dürften Halbleiteraktien weiterhin Potenzial bieten. Denn der Ausbau der schnellen 5G-Netze steht in vielen Ländern noch am Anfang, genießt jedoch einen hohen Stellenwert und dürfte in den kommenden Jahren rasant Fahrt aufnehmen sowie andere Megatrends, wie beispielsweise autonomes Fahren oder das Internet der Dinge, beschleunigen – womit auch die Nachfrage nach entsprechender Chiptechnologie wachsen dürfte.

Handelsstreit belastet Halbleiterhersteller – langfristig aber weiteres Kurspotenzial für die Branche.

Die 5G-Technologie ist in Südkorea seit April 2019 der neue Mobilfunkstandard und flächendeckend verfügbar. In den USA beschränkt sich die Netzabdeckung bislang auf wenige Städte, soll aber bis Ende 2020 das ganze Land umfassen. China plant, Anfang kommenden Jahres 5G in den bedeutendsten Städten des Landes anzubieten und bis 2025 umgerechnet 223 Milliarden US-Dollar in den Netzausbau zu investieren. In Deutschland läuft seit März 2019 die Versteigerung der 5G-Frequenzen. Die Gebote liegen aktuell bereits bei rund 6 Milliarden Euro – und damit deutlich über den Erwartungen.



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Redaktionsschluss: 07.06.2019