Die wichtigsten Fakten:

  • Nachhaltige Geldanlage liegt im Trend
  • Fokus auf ökologische und soziale Faktoren sowie Unternehmensführung
  • Nachhaltig ausgerichtete Investmentfonds als Anlagemöglichkeit

Direkt beim Bauern aus der Region saisonales Obst und Gemüse kaufen, Stoff- statt Wegwerf-Plastiktüten verwenden, das Auto öfter stehen lassen und aufs Fahrrad steigen: Nachhaltiges Handeln nimmt im Leben vieler Deutscher einen immer größeren Stellenwert ein. Auch im Bereich der Geldanlage ist Nachhaltigkeit in den vergangenen Jahren zunehmend in den Fokus gerückt. Dabei ist nachhaltiges Investieren beileibe kein neues Phänomen – entsprechende Kriterien werden bei der Auswahl von Anlagezielen seit Jahrzehnten berücksichtigt. Bereits die Investoren Benjamin Graham und David Dodd, die als Begründer der fundamentalen Aktienanalyse in den 1930er-Jahren gelten, legten ihr Augenmerk auch auf Nachhaltigkeit – ebenso wie später „Börsenguru“ Warren Buffett. Eine Möglichkeit, Investments dahingehend zu überprüfen, sind die sogenannten ESG-Kriterien. Das bedeutet, neben rein finanziellen Faktoren Umweltaspekte (engl.: Environment), soziale Komponenten (engl.: Social) sowie die Qualität der Unternehmensführung (engl.: Governance) besonders stark zu berücksichtigen.

In jüngster Zeit haben insbesondere zwei Entwicklungen dazu beigetragen, dass nachhaltige Geldanlage weiter an Gewicht gewonnen hat: zum einen der technische Fortschritt. Dadurch haben Anleger heute bessere Möglichkeiten, Unternehmen mit ESG-konform ausgerichteter Unternehmensphilosophie zu identifizieren. Zum anderen rückte die Formulierung konkreter Nachhaltigkeitsziele seitens der Vereinten Nationen – denen sich alle 193 Mitgliedsstaaten verpflichtet haben – den globalen Fokus auf das Thema. Die Europäische Union hat dies ebenfalls zum Anlass genommen, Nachhaltigkeit stärker im öffentlichen Bewusstsein zu verankern und Standards für die Beurteilung von Unternehmen festzulegen.

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Die Bedeutung von ESG-Analysen

Bei der Suche nach interessanten Investmentzielen ist es grundsätzlich wichtig, nicht nur die reinen wirtschaftlichen Daten unter die Lupe zu nehmen. Vielmehr gilt es, das Unternehmen in seiner Gesamtheit zu betrachten. Dazu gehört auch eine genaue Analyse hinsichtlich der ESG-Kriterien – denn nachhaltig wirtschaftende Unternehmen verfügen langfristig oft über größeres Potenzial. Besonders deutlich wird der Zusammenhang zwischen ESG-Faktoren und dem Erfolg eines Unternehmens hinsichtlich des Umweltaspekts. Ein wichtiger Aspekt dabei ist die sogenannte Internalisierung externer Effekte. Bei diesen Effekten handelt es sich um „soziale Kosten“, die beispielsweise durch den Betrieb einer Fabrik in Form von Luftverschmutzung durch Abgase entstehen – und letztendlich von der Gesellschaft getragen werden. Nachhaltig wirtschaftende Unternehmen können diese Kosten durch Investitionen unter anderem in bessere Filtersysteme internalisieren. Das heißt: Die Kosten fallen nicht aufseiten der Gesellschaft, sondern im Unternehmen selbst an. Dadurch lässt sich zum Beispiel einer möglichen Verschärfung von Umweltauflagen von vornherein begegnen. Grundsätzlich sind Maßnahmen zur nachhaltigeren Gestaltung der Produktion zwar zunächst mit Investitionen verbunden, können langfristig jedoch zu Energie- und Ressourceneinsparungen und damit verbunden Kostensenkungen und Gewinnsteigerungen führen. Davon profitieren sowohl die Umwelt als auch das Unternehmen und seine Investoren – eine Win-win-Situation.

Soziale Komponenten beachten

Weniger offensichtlich, dadurch aber nicht weniger wichtig für den langfristigen Anlageerfolg des Investors ist die soziale Komponente eines Unternehmens. Denn gute Arbeitsbedingungen sorgen für zufriedene, engagierte Mitarbeiter – was sich positiv auf die Produktivität auswirken sollte. Außerdem kann sich eine geringe Fluktuation innerhalb der Belegschaft positiv auf der Kostenseite niederschlagen, schließlich sinken dadurch die Ausgaben für die Mitarbeiterakquise.

Governance: die Unternehmensführung im Fokus

Im Bereich der Governance spielt das Verhalten der Unternehmensführung aus Anlegersicht eine übergeordnete Rolle. Eine gute Governance bedeutet unter anderem, dass die Interessen des Managements und der Anteilseigner möglichst nahe beieinanderliegen und mit Risiken adäquat umgegangen wird. Investoren honorieren beispielsweise stärkere Aktionärsrechte sowie eine vollständige und transparente Berichterstattung. Entscheidungen des Managements sollten sich dabei idealerweise am nachhaltigen Erfolg des Unternehmens anstelle des kurzfristigen Profits orientieren. Studien zeigen, dass Unternehmen mit besseren Governance-Strukturen oft eine bessere Performance aufweisen.

UN-Nachhaltigkeitsziele als mögliche Beurteilungskriterien

Politisch ist das Thema Nachhaltigkeit ebenfalls im Fokus: Die Europäische Union (EU) möchte sowohl die Industrie als auch den Finanzsektor stärker in die Pflicht nehmen, um die Klimaziele des Pariser Abkommens einhalten zu können – Pläne, die sowohl die Wirtschaft als auch die Politik in Deutschland begrüßen. Darüber hinaus bekennt sich die EU zu den sogenannten Sustainable Development Goals (SDG, deutsch: Ziele für die nachhaltige Entwicklung) der UN und hat diese weiter konkretisiert. Sie finden sich beispielsweise auch in den zehn Prioritäten der EU-Kommission wieder.

Die 17 Nachhaltigkeitsziele der UN traten am 1. Januar 2016 unter dem Leitmotiv „Transformation unserer Welt: die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung“ in Kraft. Sie haben eine Laufzeit von 15 Jahren und sollen nach dem Willen der Mitgliedsstaaten zur Bewältigung der globalen sozialen, ökologischen und ökonomischen Herausforderungen beitragen. Zu den Zielen gehören unter anderem menschenwürdige Arbeit, nachhaltiges Wirtschaftswachstum sowie Klimaschutz. Um sie wie angestrebt bis 2030 zu erreichen, müssten bis dahin jährlich rund 9 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts in ihre Umsetzung fließen. Die Fortschritte innerhalb einzelner Länder lassen sich mithilfe verschiedener Indikatoren messen.

Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten kann bei der Identifikation langfristig interessanter Investments helfen

Für die Beurteilung eines Investments anhand der ESG-Kriterien bilden die 17 UN-Ziele einen möglichen Rahmen. Investoren können beispielsweise auf Unternehmen setzen, die diesen in besonders hohem Maße Rechnung tragen. Langfristig betrachtet ist die Einbeziehung entsprechender Kriterien aus Sicht der Deutschen Bank sinnvoll: Bei der Beurteilung anhand von ESG-Merkmalen fließen Aspekte ein, die für ein nachhaltiges und stabiles Unternehmenswachstum förderlich sind – selbst wenn dafür Investitionen anfallen, welche kurzfristig die Erträge belasten. Für entsprechend risikobereite Anleger, die ein besonderes Augenmerk auf Umwelt, Soziales und Unternehmensführung legen, können sich zum Beispiel nachhaltig ausgerichtete Investmentfonds anbieten.



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Anlagewissen

Redaktionsschluss: 10.07.2019